Landesmuseum übernimmt Gelderns archäologische Funde

Gut verpackt und verstaut traten etliche archäologische Fundstücke der Stadt Geldern ihre Reise vom Stadtarchiv Geldern ins LVR-Landesmuseum in Bonn an. Erste Zwischenetappe ist dabei die Außenstelle des Bodendenkmalamtes in Xanten. Dort werden die Fundstücke durch Experten begutachtet, aufgenommen und verpackt.

Diese Arbeiten dienen aber nicht nur der Nutzung in Bonn, sondern auch der zukünftigen Arbeit des Bodendenkmalamtes, wie Dr. Marion Brüggler, stellvertretende Leiterin der Außenstelle Xanten, erklärt: „Diese Forschungen sind für uns aufschlussreich. Genaue Kenntnisse bereits geborgener archäologischer Funde geben uns wertvolle Hinweise für spätere Grabungen“, so Dr. Marion Brüggler, die die Fundstücke von Yvonne Bergerfurth, der Leiterin des Gelderner Stadtarchivs, übernahm.

Abb.: Gelderns Stadtarchivarin Yvonne Bergerfurth (links) übergibt die Funde an Dr. Marion Brüggler von der Außenstelle des Bodendenkmalamtes in Xanten (Foto: Stadt Geldern).

Nach der Begutachtung werden die Funde nach Bonn transportiert, wo sie im Landesmuseum fachgerecht aufbewahrt werden. Durch die Registrierung bleiben sie in Zukunft nutzbar, wenn gewünscht auch für Ausstellungen in Geldern.

Kontakt:
Stadtarchiv Geldern
Yvonne Bergerfurth
Issumer Tor 40, Zimmer: 400
47608 Geldern
Telefon: 02831 398-400
Telefax: 02831 39898-400
yvonne.bergerfurth@geldern.de

Quelle: Stadt Geldern, Pressemitteilung, 27.6.2017

Quellenband ergänzt Kirchengeschichte Kurhessen und Waldecks im 19. und 20. Jahrhundert

Dreibändige Kirchengeschichte ist nun komplett

Mit dem Quellenband wurde jetzt der dritte Band der Kirchengeschichte Kurhessen und Waldecks im Landeskirchlichen Archiv Kassel präsentiert. Damit ist die Arbeit an der dreibändigen Kirchengeschichte der Landeskirche zu einem Abschluss gekommen. Vorgestellt wurde das Werk von den beiden Herausgebern Dr. Dr. Rainer Hering (Landesarchiv Schleswig-Holstein) und Dr. Bettina Wischhöfer (Landeskirchliches Archiv Kassel) sowie Bischof Dr. Martin Hein.

Abb.: Prof. Dr. Dr. Rainer Hering (Landesarchiv Schleswig-Holstein), Dr. Bettina Wischhöfer (Landeskirchliches Archiv Kassel) und Bischof Prof. Dr. Martin Hein bei der Vorstellung des dritten Bandes (Quellenband) der dreibändigen Kirchengeschichte Kurhessen und Waldeck im 19. und 20. Jahrhundert am 5. Juli 2017 im Landeskirchen Archiv Kassel (Foto: medio.tv / Karsten Socher)

Sammlung regt zur Weiterforschung vor Ort an

Bischof Dr. Hein würdigte die Leistung aller, die an der Konzeption und Gestaltung beteiligt waren. Gerade die Sichtung und Zusammenstellung des Materials sei „harte Arbeit“ gewesen – aber anregend und notwendig. Denn Kirche lebe immer auch aus ihrer Geschichte. Hinter jedem Text, der im Quellenband aufgeführt sei, stehe die Frage: „Wie soll Kirche sein und handeln? Wie entsprechen wir dem Evangelium?“ Hein wünschte der dreibändigen Kirchengeschichte im Allgemeinen und dem Quellenband im Besonderen viele Leserinnen und Leser. Diesen Wunsch verband er mit der Hoffnung, dass die Quellensammlung manche anregen möge, vor Ort weiter zu forschen. Den Satz des Apostel Paulus zitierend „Prüfet alles, aber das Gute behaltet.“ (1. Thess 5 21) machte er geltend: „Um prüfen zu können, muss man Kenntnisse haben. Die Möglichkeit ist für unsere Landeskirche nun umfassend gegeben.“

Texte spiegeln das kirchliche Leben in seinen Facetten

Dr. Wischhöfer erläuterte die Zusammenstellung und den Aufbau der Quellensammlung. Man habe sich auf die reine Publikation von Quellen beschränkt und auf eine Kommentierung bewusst verzichtet. Die Texte seien chronologisch angeordnet, beginnend mit dem 300. Reformationsjubiläum 1817 und endend mit der Agende der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck 1996. Insgesamt würden im vorliegenden Band 111 Quellen präsentiert, darunter knapp die Hälfte normative Texte sowie zahlreiche Quellen aus Pfarrarchiven, aus Gesamtkonsistorialakten und dem Bereich Diakonie und Mission. So ständen sozialgeschichtliche Quellen neben Verfassungstexten, diakonische Quellen neben Kriegspredigten. Die Texte spiegelten das kirchliche Leben in all seinen Facetten wider. Damit sei das gesetzte Ziel erreicht, „ein spannendes, abwechslungsreiches Lesebuch zu gestalten.“

Erinnerung ist zentrale Komponente des Glaubens

Dr. Dr. Hering hob hervor, wie wichtig die Kirchengeschichte für Gemeinden und Schulen sei: „Die historische Entwicklung „ihrer“ Gemeinde, „ihres“ Kirchenkreises, „ihrer“ Landeskirche und deren kulturelle Traditionen bestimmen das Leben und wirken sich so auch auf das Denken und Handeln des Menschen aus.“ Gerade im Zeitalter der Globalisierung sei die Beschäftigung mit der Geschichte vor Ort identitätsstiftend und helfe den Menschen, sich in einer immer unübersichtlicher werdenden Welt zu orientieren und mental zu verankern. So sei „Erinnerung eine zentrale Komponente unseres christlichen Glaubens“. Ohne ein funktionierendes Gedächtnis könnten auch die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck, ihre Kreise und Gemeinden ihre Zukunft nicht gestalten. „Die beiden Bücher ihrer Geschichte im 19. und 20. Jahrhundert sowie der vorliegende Quellenband wollen dazu einen Beitrag leisten.“, so Hering.

Info:
Kurhessen und Waldeck im 19. und 20. Jahrhundert – Quellen zur Kirchengeschichte Band III,
herausgegeben von Rainer Hering und Bettina Wischhöfer im Auftrag der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck,
Kassel 2017, 19,90 € (ISBN 978-3-89477-892-7),

Das Gesamtpaket (Band I, Beiträge zur Kirchengeschichte im 19. Jahrhundert, Kassel 2006; Band II, Beiträge zur Kirchengeschichte im 20. Jahrhundert, Kassel 2012 und Band III) 49,90 €, zu beziehen über: Landeskirchliches Archiv Kassel, Lessingstraße 15 A, 34119 Kassel, Mail: archiv@ekkw.de

Quelle: Evangelische Kirche von Kurhessen und Waldeck, Pressemitteilung, 5.7.2017

Juden in Westfalen und Lippe (JuWeL): ein Online-Projekt zum Mitmachen

„JuWeL”: Hinter dieser Abkürzung verbirgt sich ein großangelegtes Online-Projekt zur Familiengeschichte der Juden in Westfalen und Lippe. Das Landesarchiv NRW, der Verein für Computergenealogie (CompGen) und die Westfälische Gesellschaft für Genealogie und Familienforschung (WGGF) haben eine Plattform geschaffen, auf der familien- und ortsgeschichtlich Interessierte die jüdischen Personenstandsregister des 19. Jahrhunderts vom heimischen Schreibtisch aus erschließen können. Auf dem 7. Westfälischen Genealogentag in Altenberge bei Münster startete das Projekt im März 2017. Nach drei Monaten haben die freiwilligen Teilnehmer bereits die Erfassung der Geburten, Heiraten und Todesfälle der Register aus dem Regierungsbezirk Münster abgeschlossen und insgesamt 18.809 Personendatensätze angelegt, die online recherchierbar sind (http://juwel.genealogy.net).

Abb.: Beurkundung der Geburt des Abraham Salomon in Unna 1827, Signatur: LAV NRW OWL, P 5 Nr. 193.

Abb.: Judenregister im Magazin des Landesarchivs NRW Abt. Ostwestfalen-Lippe in Detmold (Foto: M. Schultes).

Abb.: Judenregister im Magazin des Landesarchivs NRW Abt. Ostwestfalen-Lippe in Detmold (Foto: M. Schultes).

Freigeschaltet sind nun auch die Register aus dem Regierungsbezirk Arnsberg, die nächste Etappe ist somit gestartet. Jeder Interessierte kann sich auf der Projektseite anmelden und beteiligen, wobei er entweder einen bestimmten Ort ansteuern oder sich vom System einfach die nächste noch unbearbeitete Seite vorlegen lassen kann. Einzige Voraussetzung ist eine gewisse Erfahrung mit dem Lesen alter Handschriften, die für Familien- und Heimatforscher aber ohnehin unabdingbar ist. Unterstützt werden die Teilnehmer von den Administratoren Thomas Dickel und David Merschjohann.

Die Juden- und Dissidentenregister, in denen von 1815 bis zur Einführung der Standesämter 1874 die Geburten, Heiraten und Sterbefälle jener Einwohner Westfalens und Lippes registriert wurden, die nicht den Amtskirchen angehörten, sind fast vollständig und flächendeckend am Standort Detmold des Landesarchivs NRW erhalten. Das ist deutschlandweit eine Besonderheit. Bereits im vergangenen Jahr hat das Landesarchiv digitale Kopien der Register ins Netz gestellt und damit die Grundvoraussetzung für das Projekt geschaffen (www.lav.nrw.de).

Kontakt:
Landesarchiv NRW Abt. OWL
Dr. Volker Hirsch (volker.hirsch@lav.nrw.de) /
Dr. Bettina Joergens (bettina.joergens@lav.nrw.de),
Willi-Hofmann-Straße 2
32756 Detmold
Tel.: 05231 766-0
Fax: 05231 766-114
www.lav.nrw.de

Quelle: LAV NRW, 28.6.2017

Offene Archive + ArchivCamp – Berichte

Offenheit, Innovation, Vernetzung, Kommunikation – Mit diesen vier Zielen, die zum Abschluss von „Offene Archive“ (19. bis 20. Juni 2017, Landesarchiv NRW) nochmals dezidiert die Ziele der Konferenz umrissen haben, endete vor wenigen Tagen die vierte Ausgabe der gleichnamigen Konferenzreihe.

Abb.: Archivcamp, Vierte Runde (Fotos: Bohnensack; http://archive20.hypotheses.org/4737)

Bei den ca. 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern kam besonders das erstmals in dieser Form veranstaltete archivische BarCamp („ArchivCamp“) positiv an, eine ergebnisoffene Tagungsform, deren Inhalt und Ablauf von den Teilnehmenden selbst festgelegt wird.

Seitens des Organisationsteams wurden bereits während und kurz nach Abschluss von „Offene Archive“ Zusammenfassungen der ArchivCamp-Sektionen sowie erste Berichte zur Konferenz im Blog Archive 2.0 zur Verfügung gestellt:

Es finden sich außerdem (ebenfalls im Blog) fotografische Eindrücke unter den folgenden Links:

Die Tweets zu den bei „Offene Archive“ genutzten Schlagworten (Hashtags) #archive20 und #archivcamp sind in einem Storify zusammengefasst.

Tagung süddeutscher Kirchenarchive in Speyer

Mit modernen Methoden an die Öffentlichkeit

Neue Wege in der Archivpflege hat eine Tagung süddeutscher Kirchenarchive am 19. und 20. Juni 2017 in Speyer aufgezeigt. Die 45 Veranstaltungsteilnehmer, Mitarbeitende evangelischer Kirchenarchive sowie der Leiter des Speyerer Bistumsarchivs, Thomas Fandel, und die Leiterin des Stadtarchivs Speyer, Christiane Pfanz-Sponagel, befassten sich bei der zweitägigen Konferenz – dem insgesamt 26. Süddeutschen Kirchenarchivtag – mit der Zukunft ihrer Einrichtungen. Archive seien nicht mehr nur „angestaubte“ Urkunden- und Dokumentensammlungen, sagte Archivdirektorin Gabriele Stüber vom gastgebenden Zentralarchiv der Evangelischen Kirche der Pfalz. Der Schwerpunkt liege heute auf modernem Informationsmanagement. „Wir sind Serviceeinrichtungen mit der berufsethischen Verpflichtung, der Wahrheit gerecht zu werden.“

Abb.: Die Teilnehmer der Tagung der süddeutschen Kirchenarchive, zu der das Zentralarchiv der Evangelischen Kirche der Pfalz nach Speyer eingeladen hatte (Foto: Pfälzische Landeskirche)

Als größte Herausforderung bezeichnete Archivdirektorin Gabriele Stüber die Digitalisierung der Bestände und der Verwaltung. Der Benutzer erwarte „schnellen und kompetenten Service“. Kirchenarchive seien die „Gedächtnisse“ ihrer Kirchen, ihre sorgfältige Pflege diene stets auch der Wahrheitsfindung und sie prägten das Geschichtsbild späterer Generationen, unterstrich Oberkirchenrat Michael Gärtner, der die Gäste im Landeskirchenrat in Speyer begrüßte. Der Bildungsdezernent der Evangelischen Kirche der Pfalz verglich die Einrichtungen mit „Schatztruhen, in denen sich Überraschungen verbergen, deren Entdeckung die Vergangenheit erhellt und damit die Gegenwart besser verstehen lässt“.

Die Tagung der süddeutschen Kirchenarchive besteht seit 1993 und ist eine Fortbildungsveranstaltung für Mitarbeiter in den kirchlichen Archiven. Ziel sei es, nicht nur die Leitungsverantwortlichen, sondern vor allem auch die Mitarbeiter aller Tätigkeitsbereiche zu einem fachlichen Austausch zusammenzuführen, erklärte Stüber. In Speyer hat die Tagung der süddeutschen Kirchenarchive nach 2000 und 2007 nun zum dritten Mal stattgefunden.

Interview mit der Leiterin des Zentralarchivs der Evangelischen Kirche der Pfalz, Gabriele Stüber:

Die Tagung hat sich vor allem mit der Zukunft der Kirchenarchive beschäftigt. Welches Thema war am spannendsten?

Die zukünftigen Herausforderungen sind spannend. Die Rechtslage stattet die Archive auf dem Arbeitsfeld der ‚Überlieferungsbildung‘ mit viel Macht aus: Nur die Archive entscheiden über die dauernde Aufbewahrung. Aus der Macht erwächst aber auch häufig ein Ohnmachtsgefühl. Archive haben zwar eine Systemrelevanz in der Demokratie, sie sind Speicher- und Funktionsgedächtnis und Garanten der Erinnerungskultur. Aber Kriterien dafür zu gewinnen, was aufbewahrt wird, ist eine ständige Herausforderung für die Archivwissenschaft.

Die Arbeit von Kirchenarchiven wird von der breiten Öffentlichkeit eher wenig beachtet und mehr von einem fachlich interessierten Publikum gewürdigt. Was kann man tun, um aus dem „Nischendasein“ herauszutreten?

Archive garantieren dauernde, geordnete, verlässliche Aufbewahrung von wichtigen Informationsquellen – das ist wenig spektakulär. Spektakulär sind eher die Resultate, die Produkte in der Verzeichnung oder die Publikationen der Forschung – also was mit den Informationen geschieht. Archive müssen Wege finden, diese Informationen zeitgemäß an die Nutzer heranzutragen. Dazu zählen auch mehr telefonische Beratung und Handreichungen im Netz. Mit dem Kirchenbuchportal „Archion“ haben die evangelischen Archive darauf bereits reagiert.

Ist der Beruf des Archivars noch attraktiv? Andersherum gefragt: Gibt es Nachwuchsprobleme?

Nachwuchsprobleme bereiten uns einerseits der demografische Wandel und andererseits eine zunehmende Minderschätzung der Orientierungswissenschaften wie etwa Geschichte. Der Beruf ist aber nach wie vor sehr attraktiv – vor allem für Historiker mit Interesse an digitaler Informationstechnik.

Quelle: Evangelische Kirche der Pfalz (Protestantische Landeskirche), Pressemitteilung, 21.6.2017

Osnabrücker Museen und Archive gründen einen Notfallverbund

Gemeinsam Kulturgüter retten!

In Osnabrück haben die Stadt- und Kreisarchäologie, das hiesige Landesarchiv, die Universitätsbibliothek, das Museum Industriekultur, das Felix-Nussbaum-Haus / Kulturgeschichtliches Museum und das Bistumsarchiv einen Notfallverbund zum Schutz ihrer Kulturgüter gegründet. Vertreter der sechs Einrichtungen haben am 31. Mai 2017 im Osnabrücker Friedenssaal feierlich diese Vereinbarung, in der sie sich zu gegenseitiger Unterstützung in einem Notfall (Brand, Hochwasser, Sturmschäden oder sonstige Katastrophen) verpflichten, unterzeichnet.


Abb.: (v.li.) Dr. Wilfried Hötker (Vizepräsident der Universität Osnabrück), Theo Paul (Generalvikar des Bistums Osnabrück), Dr. Christine van den Heuvel (Präsidentin des Niedersächsischen Landesarchivs), Stadtrat Wolfgang Beckermann (Vorstand Kultur der Stadt Osnabrück) und Rolf Spilker (Geschäftsführer des Museums Industriekultur gGmbH); Foto: Niedersächsisches Landesarchiv Standort Osnabrück

Die Osnabrücker Kulturhäuser verfügen über zahlreiche bedeutende Kulturgüter. „Das Bewusstsein für den Erhalt dieses kulturellen Erbes ist in der Öffentlichkeit gewachsen“, sagte Dr. Christine van den Heuvel, Präsidentin des Niedersächsischen Landesarchivs, bei der Feierstunde im Osnabrücker Rathaus.

Gerade der Starkregen im Jahr 2014 im benachbarten Münster und Greven führte den Osnabrücker Kultureinrichtungen vor Augen, wie wichtig ein funktionierendes Risikomanagement ist, um im Notfall gewappnet zu sein.

Auch Stadtrat Wolfgang Beckermann lobte die Initiative: „Kulturgutschutz ist Kulturpolitik in der Gegenwart mit den Relikten der Vergangenheit für die Zukunft. Insofern freue ich mich, dass mit der Vertragsunterzeichnung der Startschuss gegeben wird für eine enge, zielgerichtete Zusammenarbeit.“

Abb.: Unterstützt wird der Arbeitskreis „Notfallverbund Osnabrück“ von der Osnabrücker Berufsfeuerwehr, vertreten von Herrn Heiko Schnitker; Foto: Niedersächsisches Landesarchiv Standort Osnabrück

Der frühere Kämmerer der Stadt Greven war Augenzeuge des Hochwassers 2014 und musste mit ansehen, wie Teile der städtischen Registratur im Wasser verloren gingen. Diese nassen Unterlagen hätten damals schnellstmöglich verpackt und tiefgefroren werden müssen, um sie später durch das Verfahren der Vakuum-Gefriertrocknung wieder in einen gebrauchsfähigen Zustand zu bringen.

Genau das ist das Ziel des neu gegründeten Verbundes: Die Kräfte der beteiligten Einrichtungen im Notfall zu bündeln und schnell handlungsfähig zu sein. Außerdem unterstützen sie sich gegenseitig in Fragen der Notfallprävention und pflegen Kontakte zu den für Kulturgutschutz verantwortlichen Einrichtungen. Eine enge Zusammenarbeit besteht schon jetzt mit der Feuerwehr Osnabrück.

Nach Aurich und Hannover ist Osnabrück die dritte Stadt in Niedersachsen, in der sich ein Notfallverbund etabliert hat. Frau Dr. van den Heuvel äußerte abschließend ihren Wunsch, dass sich bald weitere Verbünde in Niedersachsen gründen werden.

Quelle: Niedersächsisches Landesarchiv, Standort Osnabrück, Pressemitteilung, 1.6.2017

Einsturz des Kölner Stadtarchivs wäre vermeidbar gewesen

Die Kölner Staatsanwaltschaft ist in ihren Ermittlungen zu dem Ergebnis gekommen, dass der Einsturz des Historischen Archivs der Stadt Köln im März 2009 vermeidbar gewesen wäre. Auf zahlreichen Fotos aus den Jahren vor dem Einsturz seien Beschädigungen an einer U-Bahn-Wand zu sehen, die den Archiveinsturz ausgelöst haben sollen. Im Mittelpunkt der Ermittlungen stehen zwei Arbeiter der Baustelle, die massiv geschlampt und dies im Anschluss vertuscht haben sollen.

Abb.: Historisches Archiv Stadt Köln, Luftaufnahme der Einsturzstelle vom 4. März 2009 (Foto: Stadt Köln)

Die Staatsanwaltschaft Köln informiert über die Anklageerhebung: Auf der Grundlage eines Gutachtens ihrer Sachverständigen zu den technischen Ursachen für den Einsturz des Stadtarchivs und seiner Nachbargebäude am 03.03.2009 hat die Staatsanwaltschaft Köln am 15.05.2017 gegen sieben Personen Anklage zum Landgericht Köln wegen fahrlässiger Tötung und Baugefährdung erhoben. Zwei Angeschuldigten wird vorgeworfen, im September 2005 beim Aushub der Lamelle 11 auf ein Hindernis gestoßen zu sein, das sie nicht beseitigen konnten. Die Angeschuldigten sind in diesem Zusammenhang hinreichend verdächtig, entgegen den technischen Regeln eine Meldung an ihre Bauleitung unterlassen und den Aushub eigenmächtig fortgesetzt zu haben. Dabei schufen sie im Schatten des nicht beseitigten Hindernisses eine „Erdplombe“, die am 03.03.2009 schlagartig nachgab. Durch die so geschaffene Öffnung in der Schlitzwandlamelle wurden innerhalb kürzester Zeit große Mengen Bodenmaterial von außen ins Innere der Baugrube umgelagert, was zu einem Entzug der stützenden Wirkung des Bodens unterhalb der angrenzenden Bebauung und damit zum Einsturz der Gebäude sowie zum Tode zweier Anwohner führte. Diesen Angeschuldigten wird fahrlässige Tötung in Tateinheit mit Baugefährdung vorgeworfen, weil sie die technische Ursache für den Einsturz gesetzt haben sollen und ihr Verhalten beim Aushub einen Verstoß gegen die allgemein anerkannten Regeln der Technik bei der Ausführung eines Bauvorhabens darstellt.

Bei den übrigen fünf Angeschuldigten handelt es sich um Personen mit Prüfungs- und Überwachungsaufgaben. Diese Angeschuldigten sind hinreichend verdächtig, die Herstellung der Lamelle 11 im September 2005 nicht mit der gebotenen Sorgfalt begleitet bzw. überwacht und während des Aushubs der Baugrube in 2007 und 2008 eine gebotene Kontrolle der Schlitzwandfugen unterlassen zu haben. Ihnen wird vorgeworfen, durch die Nichtbeachtung der erforderlichen Sorgfalt bei der Ausübung ihrer Prüf- und Überwachungspflichten die Verstöße bei der Herstellung der Lamelle 11 weder bemerkt noch in späteren Bauphasen auf markante Auffälligkeiten im Fugenverlauf, die auf das Vorhandensein einer Fehlstelle hindeuteten, entsprechend reagiert zu haben. Diesen Angeschuldigten wird ebenfalls fahrlässige Tötung durch Unterlassen vorgeworfen, drei von ihnen wird darüber hinaus auch Baugefährdung bei der Leitung und Ausführung eines Bauvorhabens zur Last gelegt.

Für die Anklageerhebung hat die Staatsanwaltschaft ein gesondertes Verfahren abgetrennt. Die Ermittlungen und die Untersuchungen der Sachverständigen der Staatsanwaltschaft dauern im Ursprungsverfahren nach wie vor an. Dort sind noch Sachverhalte zu begutachten, die unabhängig von der Unglücksursache den Tatbestand der Baugefährdung verwirklicht haben könnten. Die Sachverständigen begleiten daher auch weiterhin die im Zivilverfahren vor dem Landgericht Köln andauernde Beweiserkundung zum noch zu detektierenden Verlauf der festgestellten Fehlstelle.

Link: Historisches Archiv der Stadt Köln

Quelle: WDR, 24.5.2017; KSTA, 29.5.2017; Oberstaatsanwalt Bremer, Staatsanwaltschaft Köln, Pressemitteilung, 24.5.2017

Nachrichten aus dem Stadtarchiv Gera 2/2017

Auch mit seinem zweiten Informationsbrief im Jahr 2017 beleuchtet das Stadtarchiv Gera wieder schlaglichtartig einige spannende Episoden aus der Stadtgeschichte Geras und unterstreicht damit die inhaltliche Vielfalt seiner Archivbestände.

In Ausgabe 2/2017 der „Nachrichten aus dem Stadtarchiv Gera“ werden historische Gauner- und Vagabundenbanden im Reußenland, das Wirken Eduard Gottlieb Amthors (1820-1884) sowie des Fotografenmeisters Georg Lothar Tuncsik (1917-1977) in den Blick genommen. Ein Gastbeitrag ermöglicht Einblicke in Forschungen über die Veränderung der Industriestruktur Geras in der Zeit von 1880 bis zur beginnenden Weimarer Republik.

Abb: Georg Lothar Tuncsik beim Anfertigen von Aufnahmen im Regen (Foto: Stadtarchiv Gera)

Georg Lothar Tuncsik wird in Gera als Sohn des Schneidermeisters Anton Tuncsik und
dessen Frau Wally Elisabeth am 19. April 1917 geboren. – Das Stadtarchiv Gera hat zahlreiche Fotografien von Georg Tuncsik sowie einige Filme des von ihm gegründeten Amateurfilmstudios Gera im Bestand. Seine Bandbreite in der Motivwahl umfasst Stadtansichten, Fotografien aus Theaterproben und Abbildungen von Feierlichkeiten und Großveranstaltungen in Gera.

Sein grafisches Atelier betreibt er mit bis zu acht Angestellten. Das Hauptgeschäftsfeld ist die Großproduktion von handkolorierten Kinodias für die Kinowerbung und die Fertigung von Diapositiven für die Deutsche Werbe- und Anzeigengesellschaft (DEWAG). Weiterhin ist er als Theaterfotograf und als Fotograf für private Fotoaufträge tätig. Es entstehen zahlreiche Fotodokumentationen über Gera. 1949 erfolgt der Umzug in ein neues Fotoatelier in der Bärengasse, wo auch Lehrlinge ausgebildet werden. 1961 bezieht er sein eigenes Haus neben dem Fotogeschäft.

Im Kulturbund zur Demokratischen Erneuerung arbeitet Georg Tuncsik aktiv mit. 1949 ist er als Jurymitglied an der Fotoausstellung „Das Foto“ beteiligt. Im Jahr 1952 gründet er eine Filmgruppe, die sich später „Amateurfilmstudio Gera“ nennt. Zahlreiche Filme, die Gera und die Umgebung in den 50er bis 70er Jahren dokumentieren, entstehen in diesem Filmstudio des Kulturbundes. – Am 05. Juli 1977 verstirbt Georg Tuncsik nach einem längeren Krebsleiden in Gera.

Kontakt:
Stadtarchiv Gera
Gagarinstraße 99/101
07545 Gera
Tel. 0365/838-2140 bis 2143
stadtarchiv@gera.de

Quelle: Nachrichten aus dem Stadtarchiv Gera 2/2017, 15. Mai 2017

Das Erbbereiten – ein alter Rechtsbrauch beim Bergbau

Aus der Serie „Archivale im Fokus“ des Sächsischen Staatsarchivs

Während die Arbeit der Markscheider bei der gesamten Tätigkeit des Bergbaus oft in den Hintergrund trat, stand sie bei einer bergmännischen Zeremonie im Mittelpunkt: beim Erbbereiten.

Unter Erbbereiten oder erblichem Vermessen verstand man seit dem 17. Jahrhundert eine genaue, feierliche Vermessung eines Grubenfeldes, um das vermessene Feld für alle Zeit vor zukünftigen Ansprüchen angrenzender Gruben zu sichern. Eine Voraussetzung für ein Erbbereiten war die Erbwürdigkeit der zu vermessenden Grube. Das bedeutete, dass die Grube über einen längeren Zeitraum Gewinn abwerfen (»in Ausbeute stehen«) musste.

Abb.: Erbbereitungsbuch (SächsStA-F, 40010 Bergamt Freiberg, Nr. 355) (© Sächsisches Staatsarchiv / Foto: Jens Kugler, Schätze aus dem Bergarchiv, Halle/S. 2008 (Veröffentlichungen des Sächsischen Staatsarchivs, Reihe A, Bd. 9), S. 50-51)

Bereits im 14. Jahrhundert finden sich erste Angaben zu dem Brauch des Erbbereitens. Damals sollte der Bergbau durch Wegfall fürstlicher Nebenlehen gefördert werden, womit größere Fundgruben als Erbgut verliehen werden konnten. Ursprünglich umfasste das Erbbereiten das feierliche Umreiten einer Fläche. »Weil in alten Zeiten alle öffentlichen Aufzüge zu Pferde geschahen, hielten die Bürgermeister bei dergleichen Vermessen einen Aufzug zu Pferde, dahero heisset das Erb-Vermessen noch zu dato das Erb-Bereiten (…). Jezo und in denen ältesten Zeiten wird es das Bereiten oder Erbbereiten genennet. Indem unsern Vorfahren alle Verrichtungen und Aufzüge zu Pferde halten gewohnet waren und aus eben dieser Ursache pflegten die Geschwornen der Stadt Freyberg, wenn etwas zu Erbe ausgegeben werden sollte, zu Pferde aus- und das Erbe zu umreiten«, schreibt Adolph Beyer in seinem bekannten Werk »Gruendlicher Unterricht von Berg-Bau, nach Anleitung der Markscheider-Kunst…« im Jahr 1749. Andere Deutungen führen den Begriff auf das Wort »beraiten« im Sinn von »berechnen « zurück.

Das Erbbereiten wurde meist feierlich unter bestimmten Ritualen durchgeführt. Die Bekanntesten waren: der Rücksprung, die Ohrfeige für die bezeugenden Bergjungen oder der Kampf der Bergjungen um das preisgegebene Bergleder, auf dem man die Erbbereitungsgelder ausgezahlt hatte. Über das durchgeführte Erbbereiten wurde ein entsprechender Bericht angefertigt und entweder in die Bergbücher oder in ein separat geführtes Erbbereitungsbuch eingeschrieben. Die Zeremonie war sehr kostspielig, die Gruben mussten sich die hohen Kosten für das Erbbereiten leisten können. Nicht zuletzt deswegen schaffte man den Jahrhunderte alten Brauch beim erzgebirgischen Bergbau ab. Das Erbvermessen wurde dagegen, sobald eine Grube in Ausbeute kam, beibehalten. Die markantesten Sachzeugen von Erbbereiten sind die nur noch in kleiner Zahl vorhandenen Erbbereitungs- oder Lochsteine und die unter Tage eingeschlagenen Grubenfeldgrenzen. Im 16. und 17. Jahrhundert wurden Erbbereiten in großer Anzahl durchgeführt. Ihre Zahl nahm in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts jedoch wieder erheblich ab. 1740 fand das letzte Erbbereiten im oberen Erzgebirge in Bärenstein statt. Zehn Jahre später hat man bei einem feierlichen Erbbereiten von fünf Freiberger Gruben diesen Brauch letztmalig vollzogen.

Abb.: Erbbereitungsbuch (SächsStA-F, 40010 Bergamt Freiberg, Nr. 355) (© Sächsisches Staatsarchiv)

Das hier abgebildete Erbbereitungsbuch enthält die Protokolle der feierlichen Vermessung (im Beisein von Oberbergamts- und Bergamtsbeamten, Gewerken, Grubenvorstand und Ratsmitgliedern der Stadt) und Vermarkung von Ausbeute führenden Grubenfeldern des Freiberger Reviers im Zeitraum von 1678 – 1781. Schon der kunstvoll gestaltete Einband mit Metallbeschlägen und Goldprägungen weist auf die Bedeutung des Geschehens hin. Die Frontseite ziert das kurfürstliche Wappen, die Initialen B A F (Bergamt Freiberg) sowie das Jahr der Anlage 1679. Zu diesem Zeitpunkt konnte man noch davon ausgehen, dass viele derartige Ereignisse ihren Niederschlag in dem Amtsbuch finden würden. Doch nur zwei Mal ist ein Erbbereiten eingetragen (1678 und 1750), es folgt noch eine vergleichsweise kurze Notiz über ein Erbvermessen im Jahr 1781, gut drei Viertel der vorhandenen, gebundenen Seiten sind unbeschrieben. Der Brauch war aus der Mode gekommen und fand nicht mehr statt.

Linkhttp://www.archiv.sachsen.de/

Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Archivale im Fokus, 8.5.2017

 

Stadtarchiv Sankt Augustin archiviert jetzt auch Webseiten

Online-Informationen werden damit für zukünftige Generationen gesichert

Als eines der ersten Kommunalarchive bundesweit archiviert das Stadtarchiv Sankt Augustin jetzt auch Webseiten. Ziel ist, auch Informationen die lediglich online bereitgestellt werden, dauerhaft im Stadtarchiv zu sichern und für Recherchen, vor allem aber für zukünftige Generationen aufzubewahren.

 

v.l.n.r. Ralf van Grinsven, Leiter der Stabsstelle Information und Kommunikation, und Stadtarchivar Michael Korn präsentieren das neue Archivierungssystem.

Der größte Teil des Archivbestandes besteht derzeit noch aus analogen Materialien, wie Büchern, Festschriften, Broschüren, Bildern, Zeitungen, Akten oder Plakaten. Hinzu kommen immer häufiger auch digitale Materialien wie Fotos, Videomaterial oder PDF-Dokumente. Auch die bei der Stadt vermehrt geführten elektronischen Akten werden, soweit sie archivwürdig sind, später digital in das Stadtarchiv übernommen.

Immer mehr Informationen werden jedoch nur noch im Internet veröffentlicht. Diese Informationen dauerhaft zu sichern ist eine zusätzliche Herausforderung für das Stadtarchiv Sankt Augustin.

Stadtarchivar Michael Korn: „Inhalte im Internet sind natürlich aus Sicht eines Stadtarchivs extrem kurzlebig: Seiten werden verändert, gelöscht, verschoben. Daher bestand bereits seit längerem der Wunsch, relevante Webseiten von Schulen, Vereinen, Firmen, sonstigen Institutionen oder Gruppen in Sankt Augustin zu archivieren.“ Mit Hilfe einer Software werden seit kurzem die für Sankt Augustin relevanten und öffentlich zugänglichen Webseiten als Zeitschnitte in einem langzeitspeicherfähigen Format gesichert.

Zu bestimmten Terminen, zum Beispiel jährlich, werden die Seiten „abfotografiert“ und als Bilddatei im jpg-Format ergänzt durch XML-Dateien für Struktur- und Inhaltsdaten gespeichert. Anschließend können die Seiten, einschließlich der zum Zeitpunkt des Zeitschnitts vorhandenen Links, angezeigt werden und stehen auch im Volltext für Recherchezwecke im Stadtarchiv zur Verfügung.

Allerdings gelingt keine hundertprozentige Archivierung der Webseiten. Zu unterschiedlich sind die eingesetzten Techniken und nicht immer werden vorhandene Standards bei der Webseitenerstellung genutzt. Die bisherige Erfahrung zeigt, das etwa zwei Drittel der Webseiten in unterschiedlicher Qualität archiviert werden können. Aber auch wenn nicht das gesamte Online-Angebot gesichert werden kann, ist das Projekt erfolgreich.

Michael Korn: „Fast alles würde ohne zeitnahe Archivierung sonst endgültig verschwinden. Und natürlich ist auch der analoge Bestand nie vollständig.“

Quelle: Stadt Sankt Augustin, Pressemitteilung, 9.5.2017 Weiterlesen

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