Stadtarchiv Limburg gerät an seine Kapazitätsgrenzen

In einer Art Homestory berichtet das Weilburger Tageblatt über die Aufgaben, Sammlungen und Erträge der Arbeit des Stadtarchivs Limburg an der Lahn. Dabei wurde der Unterschied in den fachlichen Voraussetzungen und im Selbstverständnis des jetzigen Archivleiters Dr. Christoph Waldecker (seit 2007) im Vergleich zu seinen Vorgängern herausgestellt. Diese waren allesamt Gymnasiallehrer im Hauptberuf und nutzten die Archivschätze vordringlich für Ausstellungen und historische Vorträge. Waldecker hingegen widmete sich der Grundlagentätigkeit, d.h. der Erschließung und Verzeichnung des Archivgutes, um dessen Nutzbarkeit zu gewährleisten. Ausstellungen hingegen seien die Stärke von Museen.

516

Abb.: Übergabe der Sammlung Kloos 2009 im Stadtarchiv Limburg: (v.l.n.r.) Bürgermeister Martin Richard, Maria Kloos, Beate Kloos, Stadtarchivar Dr. Christoph Waldecker, Stephan Kloos (Foto: Stadt Limburg)

Das Stadtarchiv Limburg an der Lahn logiert seit 1977 im Südflügel des Schlosses hinter dem Limburger Dom. Die größten Bestände stammen naturgemäß aus dem Rathaus. Dazu gehören aber auch sämtliche Akten aus den bis Anfang der 1970er Jahre selbstständigen sechs Gemeinden, den heutigen Stadtteilen Limburgs. Viele Akten, die lange Zeit auf dem Speicher des Schlosses lagerten, werden mittlerweile von den Archivmitarbeitenden bearbeitet. Private Sammlungen oder Akten aus Vereinen erreichen das Stadtarchiv hingegen eher zufällig. Die wohl bedeutendste private Sammlung – Tausende von Fotos, die die gesamte Stadt dokumentieren – erreichte das Stadtarchiv 2009 von den Angehörigen des zwei Jahre zuvor verstorbenen Limburger Fotografen Friedel Kloos. Spenden privater Sammler und Historiker sind für die Archivare im Stadtarchiv wertvolle Fundgruben.

Diese Dokumente neueren Datums finden ihren Platz neben dem Stadtbuch von 1548 und einem Gemälde des englischen Künstlers John Lewis Wood von 1863, das eine Marktszene auf dem heutigen Bischofsplatz zeigt, und der ältesten Urkunde des Stadtarchivs von 1278. Darin beurkundet Graf Gerhard von Diez das Ende der Streitigkeiten zwischen der Limburger Bürgerschaft und ihrem Stadtherrn. Unter den Urkunden befinden sich 32 Kaiser- und Königsurkunden, einschließlich Kopien und Abschriften, sowie eine Bulle von Papst Pius II. (1558 bis 1564) neben Urkunden der Limburger Dynasten, der Grafen von Diez, des Stiftes St. Georg und ungeahnt vielen weiteren Dokumenten von unschätzbarem Wert, wie das Weilburger Tageblatt berichtet.

Problematisch ist die Benutzungssituation, da Benutzer- und Mitarbeiterbereich räumlich nicht getrennt sind. Stadtarchivar Waldecker hat bereits Vorschläge zur Verbesserung der räumlichen Situation, auch hinsichtlich der bereits zu etwa 75 Prozent gefüllten 1,3 lfd km Magazinflächen, unterbreitet und wartet auf eine Entscheidung der städtischen Gremien.

Geöffnet ist das Archiv mittwochs von 8.30 bis 16 Uhr und nach Vereinbarung. Kontakt unter Telefon  (0 64 31) 20 33 41 oder 20 33 68 oder an monika.jung(at)stadt.limburg.de oder christoph.waldecker@
stadt.limburg.de per Mail.

Kontakt:
Dr. Christoph Waldecker M.A., Dipl.-Archivar (FH)
-Leiter des Stadtarchivs-
Werner-Senger-Str. 10
65549 Limburg a. d. Lahn
Telefon 06431 203-368
Fax 06431 584 3947
christoph.waldecker@stadt.limburg.de

Quelle: Dieter Fluck, Weilburger Tageblatt, 8.6.2016

Wichtiges Beweismittel für Kölner Archiv-Einsturz gefunden

Beim Einsturz des Historischen Archivs der Stadt Köln am 3. März 2009 kamen zwei Menschen ums Leben und rund 30 Regalkilometer an Dokumenten zu Schaden.

Bei Taucharbeiten an der Unglücksstelle im Kölner Süden sind jetzt weitere Auffälligkeiten an einer Schlitzwand entdeckt worden, wie die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB), die Stadt Köln und die Staatsanwaltschaft Köln mitteilen. In mehr als 25 Metern Tiefe fanden Taucher einen dicken Gesteinsbrocken unter einer Stützwand neben der U-Bahnbaustelle. Dieser könnte dafür gesorgt haben, dass die Wand unterhalb des Brockens nicht richtig zu Ende gebaut wurde. Und der Hohlraum an dieser Stelle könnte große Mengen Wasser und Erdreich durchgelassen haben. Es sei denkbar, dass so das Fundament des nahe gelegenen Stadtarchivs beim Bau der U-Bahn beschädigt wurde.

Abb.: Seitenansicht der Archiveinsturz-  und Baustelle in Köln (Stadt Köln)

„Wenn es sich denn so herauskristallisiert, wie wir vermuten, dann ist die Ursache kein Naturereignis, sondern ein von Menschen verursachter Schaden“, sagte die Kölner Staatsanwaltschaft gegenüber dem WDR. In einem weiteren Schritt würden dann vor der Verjährungsfrist in drei Jahren Verantwortliche gesucht, die dann strafrechtlich zur Verantwortung gezogen würden.

Quelle: WDR Nachrichten, 13.6.2016; KSTA, 13.6.2016

Frankfurter Fotoschätze dauerhaft gesichert

Mehrere Zehntausend Aufnahmen des städtischen Denkmalamtes nun im Institut für Stadtgeschichte

Einen bedeutenden stadthistorischen Zuwachs haben die Fotosammlungen des Instituts für Stadtgeschichte Frankfurt am Main erfahren. Mit der Fotothek des Denkmalamtes der Stadt konnte eine über Jahrzehnte gewachsene Sammlung übernommen werden. Die knapp 35.000, kürzlich dem Institut für Stadtgeschichte übereigneten Aufnahmen geben einen hervorragenden Einblick in die bauliche Entwicklung von Gebäuden, Straßen und Plätzen der Stadt.

Abb. 2 Schutzdach, 1981

Abb.: Pavillon Huthpark, Schutzdach 1981

Exif_JPEG_PICTURE
Abb.: Pavillon Huthpark, Nordostansicht 2008

Abb. 4 Nordwestansicht, 2013

Abb.: Pavillon Huthpark/Bergstation, Nordwestansicht 2013

Das Denkmalamt der Stadt Frankfurt ist für alle denkmalgeschützten Kulturdenkmäler der Stadt zuständig. Im Stadtgebiet sind aktuell rund 9.000 Bau-, Garten- und Kunstdenkmäler geschützt. Da zu den Aufgaben der Denkmalpflege auch die Bauforschung und Bestanddokumentation gehören, entstand im Amt ein Bildarchiv mit Schwarzweiß und vielen Farb-Aufnahmen des Denkmalbestandes.

Teils fertigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Amtes die Aufnahmen selbst an; in vielen Fällen ergingen auch Aufträge an professionelle Fotografen. Das Denkmalamt hat die Fotothek systematisch gepflegt, erweitert und auf Basis einer Datenbank erschlossen, so dass Nutzung und Auswertung durch das Fachpersonal des Instituts für Stadtgeschichte unmittelbar und ohne Schwierigkeiten möglich sind. Der Clou: Nahezu alle Bilder liegen auch in digitalisierter Form vor! Sowohl die Digitalisate wie Originalfotos sollen im Institut für Stadtgeschichte langfristig archiviert, digital erfasst, gesichert und einem größeren Publikum zugänglich gemacht werden.

Dieser wertvolle und gut erschlossene Bestand ergänzt die bereits zuvor mehr als zwei Millionen Abbildungen umfassende Fotoüberlieferung des Instituts, das als eines der größten Kommunalarchive Deutschlands gilt, ganz ausgezeichnet.

Kontakt:
Tobias Picard
Institut für Stadtgeschichte
Münzgasse 9
60311 Frankfurt am Main
Tel. 069-212 379 86
tobias.picard@stadt-frankfurt.de
www.stadtgeschichte-ffm.de

Quelle: Institut für Stadtgeschichte Frankfurt am Main, Presseinformation, 9.6.2016

7. Netzwerktreffen Deutscher Fußballmuseen und Archive beim VfL Wolfsburg

Zu einem interessanten Austausch zwischen Vertretern der drei höchsten deutschen Fußballligen kam es am 2.6.2016 im Bauch der VfL-FußballWelt. Anlass war die siebte Zusammenkunft des „Netzwerks Deutscher Fußballmuseen und Vereinsarchive“, das seit 2012 existiert und dem der VfL Wolfsburg seit seiner Gründungsphase angehört. Wie bei jedem der halbjährlichen Treffen gab es ein übergeordnetes Thema. Da dieses „Vereinsmuseum oder Archiv als außerschulischer Lernort“ lautete, waren die Grün-Weißen als Gastgeber prädestiniert und richteten erstmals deshalb das Netzwerktreffen aus.

Netzwerktreffen Vereinsmuseen und Archive in der VfL-FußballWelt, Foto: regios24/Yvonne Nehlsen

Abb.: Netzwerktreffen Vereinsmuseen und Archive in der VfL-FußballWelt, Foto: regios24/Yvonne Nehlsen

Insgesamt 26 Teilnehmer von 16 Vereinen sowie vom Deutschen Fußballmuseum waren gekommen und erlebten auf dem VfL-Gelände einen nicht nur inhaltlich gehaltvollen, sondern auch spannenden und spaßigen Tag. Nach einer Einführung zum grün-weißen Konzept des außerschulischen Lernens ging es für alle in die VfL-FußballWelt, wo speziell die Module für viel Unterhaltung sorgten. Nach dem Mittagessen folgten Fachvorträge anderer Klubs, aus denen sich spannende Unterscheidungen und Anknüpfungspunkte ergaben.

„Das Mitwirken im Netzwerk bedeutet für uns einen wertvollen Austausch mit anderen Vereinen und gibt uns immer wieder interessante Anregungen nicht nur für die Archivarbeit, sondern auch darüber hinaus“, so VfL-Geschäftsführer Thomas Röttgermann. „Der Themenschwerpunkt ‚Außerschulischer Lernort‘ besitzt beim VfL Wolfsburg einen sehr hohen Stellenwert. Deswegen haben wir uns gefreut, diesmal die Gastgeberrolle einnehmen zu können.“

Quelle: VfL Wolfsburg, Aktuelles, 2.6.2016

Privatarchiv des Familienforschers Ernst Hahner vom Enzkreis geordnet

Aus der Serie „Geschichtsort Archiv“

Der Name Ernst Hahner genießt bei Familienforschern höchstes Ansehen; denn der frühere Seefunker erstellte gleich sechs Ortsfamilien- bzw. Ortssippenbücher und erhielt dafür vielfältige Ehrungen. Sein Privatarchiv hat das Kreisarchiv des Enzkreises jetzt geordnet und das Verzeichnis dazu online gestellt.

Hahner

Abb.: Vom Enzkreis geordnet wurde das Privatarchiv des angesehenen Familienforschers Ernst Hahner (enz)

Schon 1985 erschien das erste Familienbuch Hahners über den Neulinger Ortsteil Göbrichen. Es folgten, jeweils nach mehrjähriger Bearbeitungszeit, bis 2005 Bauschlott, Neuenbürg mit Waldrennach, dann Stein und Königsbach sowie Ottersdorf bei Rastatt. In diesen Büchern ist die gesamte Einwohnerschaft früherer Jahrhunderte aufgeführt, soweit sie in den vorhandenen Quellen Spuren hinterließ. Mit der Veröffentlichung der Bücher werden zeitaufwändige Recherchen überflüssig und die wertvollen Originalquellen geschont. Für zigtausende ehrenamtlich geleisteter Stunden erhielt Ernst Hahner mehrere Ehrungen, darunter in Neuenbürg das Bundesverdienstkreuz.

Ernst Hahner wurde 1926 in Manheim geboren und fuhr viele Jahre als Funker bei Kriegs-, Bundes- und Handelsmarine zur See. Vor allem im Ruhestand widmete er den Großteil seiner Zeit der genealogischen Forschung. Seit 1993 arbeiten Hahner und das Kreisarchiv eng zusammen. Dessen Leiter Konstantin Huber weiß: „Ohne bienenfleißige und selbstlos arbeitende Forscher wie Ernst Hahner wären derartige heimatkundliche Werke schlichtweg unrealisierbar, weil nicht zu bezahlen“.

Huber freute sich riesig, als Ernst Hahner nach Abschluss seiner Arbeiten am eigenen Stammbaum im Jahr 2010 sein Archiv und seine Bibliothek dem Enzkreis als Schenkung vermachte. Der Leiter des Archivs sagte zu, die schriftlichen Unterlagen in einem Verzeichnis aufzuarbeiten und damit einem breiten Interessentenkreis zugänglich zu machen. Die Hauptarbeit dafür leistete die Reutlinger Archivarin Ingrid Wieczorek, die im Kreisarchiv einen Teil ihrer Ausbildung zur Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste absolvierte.

Neuenbürg      Stein

Abb.: Die vom Enzkreis herausgegebenen Bücher Ernst Hahners: Das Ortssippenbuch Neuenbürg und das Ortsfamilienbuch Stein (enz)

Der Archivbestand füllt vier Regalmeter. Er enthält neben umfangreicher Korrespondenz einen nach Familien- und einen nach Ortschaften gegliederten Teil. Neben den in Büchern erarbeiteten Orten finden sich dort auch Unterlagen über Eisingen, Wössingen, Zaisersweiher und den Raum Nagold. Doch auch weit darüber hinaus finden sich Unterlagen: Da die Vorfahren von Ernst Hahner über das ganze Bundesland verstreut lebten, bietet der Bestand für (fast) ganz Baden-Württemberg Interessantes. Und nicht nur das: Eine Besonderheit bilden die reich illustrierten Berichte über Schiffsreisen um die ganze Welt, die der Seemann zwischen 1951 und 2003 unternahm.

Der heute 90jährige Ernst Hahner lebt seit vielen Jahren in Neustadt in Schleswig-Holstein. Er freut sich, dass sich sein im Ruhestand geschaffenes Lebenswerk beim Enzkreis in guten Händen befindet und dass sich über das Internet jeder Interessent darüber informieren kann. Das 44-seitige Findbuch ist online einsehbar unter www.enzkreis.de (durchsuchen mit dem Suchbegriff Hahner).

Seit kurzem lässt sich ebenfalls online im Verzeichnis des Privatarchivs von Heinrich Tölke (Bestand P 24) recherchieren. Darin sind die umfangreichen Forschungsunterlagen des Autors des Göbricher Heimatbuches erschlossen.

Kontakt:
Kreisarchiv des Enzkreises
Zähringerallee 3
75177 Pforzheim
Telefon 07231 308-9423
Telefax 07231 308-9837
Kreisarchiv@enzkreis.de

Quelle: Enzkreis, Pressemitteilung 201/2016, 6.6.2016

Stadtplan „Orte jüdischen Lebens und seiner Vernichtung in Nürnberg bis 1945“

StadtplanDas Stadtarchiv Nürnberg bietet einen kostenlosen deutsch-englischen Faltplan an, in dem anhand von zehn Punkten im Nürnberger Stadtgebiet schlaglichtartig die Entwicklung der lokalen jüdischen Geschichte vom Mittelalter bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs dargestellt wird.

Der Stadtplan enthält Erläuterungen zu folgenden Orten:

(1) Hauptmarkt (Main Market Square) und Obstmarkt (Fruit Market)
(2) Judenbühl (Jews’ Hill)
(3) Judengasse (Jews’ Alley)
(4) Spitalplatz 4 (today Hans-Sachs-Platz)
(5) Essenweinstraße 7
(6) Wielandstraße 6
(7) Obere Kanalstraße 25
(8) Frauentorgraben 49
(9) Bärenschanzstraße 40
(10) Schnieglinger Straße 155

PDF-Download:
Stadtplan „Orte jüdischen Lebens und seiner Vernichtung in Nürnberg bis 1945“ / City Map „Places of Jewish life and its extinction in Nuremberg until 1945“
https://www.nuernberg.de/imperia/md/stadtarchiv/dokumente/stadtplan_klein_geschuetzt.pdf

Zum Bestellformular für gedruckte Exemplare:
https://www.nuernberg.de/internet/stadtarchiv/projekte_juedische_geschichte_stadtplan.html

stadtplan_juedisch

Kontakt:
Stadtarchiv Nürnberg
Forschungsschwerpunkt jüdische Geschichte
Marientorgraben 8
90402 Nürnberg
Telefon: 09 11 / 2 31-27 70 oder -27 71
Telefax: 09 11 / 2 31-40 91
www.stadtarchiv.nuernberg.de

Ungewisse Wege. Flucht, Vertreibung, Genozid zur Zeit des Ersten Weltkriegs

36. Symposion des NÖ Instituts für Landeskunde gemeinsam mit dem Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgen-Forschung und dem Zentrum für Migrationsforschung

Amstetten, 4. bis 6. Juli 2016

Begründung und Zielsetzung des Symposions

An den östlichen und südöstlichen Frontlinien des Ersten Weltkrieges kam es immer wieder zu Phasen, in denen sich die Kampfräume rasch und über weite Distanzen verschoben. Dadurch wurden insbesondere in Gebieten wie Galizien und Russisch-Polen (heute zu Polen bzw. der Ukraine zugehörig), auf der Balkanhalbinsel sowie in Kleinasien wesentlich weitere Teile der Zivilbevölkerung von den direkten Kriegsfolgen getroffen, als dies in den vergleichsweise eng abgegrenzten Aktionsräumen im Westen der Fall war. Diese direkten Kriegsfolgen konnten sehr unterschiedliche Gestalt annehmen. Das Spektrum reichte von Tod und Verwundung im unmittelbaren Gefolge der Kampfhandlungen (Artilleriefeuer auf Städte, Dörfer etc.) über vielfältige Ausformungen von Vertreibung (erzwungene Evakuierung, Deportation, Flucht infolge mehr oder weniger systematischer Vernichtung der Lebensgrundlage) bis zu planmäßigem Massenmord und Genozid nach ethnisch-religiösen Kriterien. Gemeinsam war diesen Phänomenen, dass sie das Ausmaß humanitärer Katastrophen erreichten, wie es sie bis dahin zeitgleich und in derart weiten Gebieten nicht gegeben hatte.

Zivilvbevoelkerung_Galizien

Abb.: Zivilbevölkerung in Galizien im Frontgebiet (NÖLA)

Das Symposion widmet sich in einem ersten Schwerpunkt den oben kurz beschriebenen direkten Kriegsfolgen, wobei das Massenphänomen Flucht und Vertreibung im Zentrum der Betrachtung steht. Dabei werden dessen unterschiedliche Ausformungen ebenso wie die politisch-administrativen Reaktionsmuster der betroffenen Staaten thematisiert und in Vergleich gesetzt. Österreich Ungarn etwa setzte in Galizien umfangreiche Evakuierungen der ruthenischen Zivilbevölkerung in Gang, wobei es nicht nur um deren Schutz ging, sondern ebenso darum, eine mögliche Kollaboration mit der russischen Armee zu verhindern. Russland wiederum setzte im Falle der Rücknahme seiner Fronten wesentlich weniger administrative Maßnahmen hinsichtlich der eigenen Zivilbevölkerung. Die Menschen blieben weitgehend sich selbst überlassen, zugleich vernichtete die sich zurückziehende Armee deren Lebensmittelvorräte und Ernten um den nachstoßenden Achsenmächten Versorgungsschwierigkeiten zu bereiten. In Anatolien schließlich ging die osmanische Staatsgewalt aktiv gegen ausgewählte Teile der eigenen Zivilbevölkerung vor. Die christlichen Minderheiten der Armenier, Assyrer und Griechen wurden pauschal der Kollaboration mit Russland bzw. der Entente verdächtigt, was den jungtürkischen Machthabern als Vorwand für deren Enteignung und physische Vernichtung diente. Der Hergang dieser genozidalen Ereignisse und deren aktuelle Bewertung werden ebenfalls Thema des Symposiums sein.

17538_133

Abb.: Ruthenische (ukrainische) Mädchen im Lager Gmünd (NÖLB, TS 17.538)

Zweitens werden am Beispiel Niederösterreichs die Auswirkungen der erzwungenen Massenbewegungen aus der Perspektive des Hinterlandes betrachtet. Alleine in den Lagern des Landes Niederösterreich hielten sich zeitweilig an die 250.000 Menschen auf, wobei das Spektrum von Kriegsgefangenen über Deportierte („Evakuierte“) bis hin zu Flüchtlingen reichte. Der Großteil dieser Lager verschwand, in Einzelfällen entwickelten sich aus ihnen eigene neue Stadtteile wie dies beispielsweise in Gmünd der Fall war. Das „Ruthenenlager“, das größte seiner Art in der Monarchie, wurde zum heutigen „Gmünd Zwei“.

Einen dritten Schwerpunkt bildet eine offene Diskussionsplattform für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die in Form von moderierten Round Table Gesprächen konzipiert ist. Hier erhalten Historiker aus der Region, Heimatforscher, Vertreter der Zivilgesellschaft und die interessierte Öffentlichkeit generell die Möglichkeit, Gespräche mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern über das Phänomen der erzwungenen Migration zu diskutieren. Neben der historischen Perspektive werden bewusst aktuelle Bezüge gesucht und angesprochen.

Weitere Informationen und das Programm finden Sie unter:

http://www.noe.gv.at/Bildung/Landeskundliche-Forschung/Aktuelle-Projekte/Symposion_2016.html

Veranstalter:
NÖ Institut für Landeskunde, St. PöltenQR-Symposion_2016

Tagungsleitung
Mag. Elisabeth Loinig, MAS

Veranstaltungsort
3300 Amstetten
Rathaussaal, Rathausstraße 1

Anmeldung
post.k2institut@noel.gv.at

Tagungsbüro
Öffnungszeiten
Mo, Die 8:30–17:30, Mi 8:30–12:30

Teilnahmegebühr
€ 20,– (inkl. Tagungsmappe, Rahmenprogramm);
Studierende (bis 26 Jahre) kostenlos.

Unterkunft
Kultur- und Tourismusbüro Amstetten
Hauptplatz 29, 3300 Amstetten

Öffnungszeiten: Mo–Fr 9-17 Uhr  und Sa 9–12 Uhr
Tel. +43 07472 601-454
info@amstetten.noe.gv.at

Kontakt
NÖ Institut für Landeskunde,
3109 St. Pölten, Landhausplatz 1,
Tel. 02742 9005 16255
post.k2institut@noel.gv.at

Bibliothekskatalog des Kreisarchivs Warendorf im Internet

Katalog mit Literatur zur Kreisgeschichte ist jetzt online abrufbar

Für Geschichtsinteressierte ist das Kreisarchiv Warendorf und seine Bibliothek eine sehr beliebte Adresse: Im Leseraum des Archivs im Erdgeschoss des Warendorfer Kreishauses können neben Originaldokumenten aus 800 Jahren Kreisgeschichte auch rund 30.000 Literaturtitel zur Geschichte des Kreises, seiner Städte und Gemeinden sowie zur Westfälischen Geschichte im Allgemeinen genutzt werden. Nahezu der gesamte Bibliotheksbestand ist digital erfasst. Der Bibliothekskatalog dieser größten regionalgeschichtliche Bibliothek im östlichen Münsterland ist jetzt erstmals im Internet verfügbar.

Bild_1_Screenshot_1

Abb.: Der Bibliothekskatalog des Kreisarchivs ist unter dem Link http://www.bibliothek-kreisarchiv-warendorf.de zu erreichen.

Der Katalog gibt genaue Auskunft sowohl über Bücher und Zeitschriften als auch über unveröffentlichte Literatur wie Vereinsfestschriften oder Examensarbeiten. Er ist direkt online abrufbar unter www.bibliothek-kreisarchiv-warendorf.de – Die Nutzer können darin umfassend bequem von zu Hause aus recherchieren und stöbern.

Das Kreisarchiv hat seit seiner Gründung 1967 eine eigene Bibliothek zur Geschichte des östlichen Münsterlandes und als Unterstützung für die eigene Kreisverwaltung aufgebaut. Durch die Ablieferung der einzelnen Stadtarchive an das Kreisarchiv wuchs diese Büchersammlung in kurzer Zeit. Regelmäßige Bucherwerbungen finden bis heute statt, wobei das Hauptaugenmerk auf dem Gebiet der historischen Hilfswissenschaften und Archivwissenschaft sowie auf geschichtswissenschaftlicher, regionalgeschichtlicher und verwaltungswissenschaftlicher Fachliteratur liegt.

Bild_2_Bibliothek

Abb.: Mit rund 30.000 Titeln ist die Archivbibliothek die größte regionalgeschichtliche Bibliothek im östlichen Münsterland. Der Präsenzbestand kann von allen Interessierten zu den Öffnungszeiten des Kreisarchivs kostenlos genutzt werden.

Darüber hinaus werden die Benutzer des Archivs gebeten, ihre publizierten Forschungen bei der Bibliothek des Kreisarchivs kostenlos zu hinterlegen. Auf diese Weise hat die Bibliothek einen großen Schatz an so genannter „grauer Literatur“ zur Kreisgeschichte, u. a. Festschriften und Chroniken von Vereinen, Schulen, Kirchen und Unternehmen sowie Selbstzeugnisse gesammelt.

Heute ist die Bibliothek die einzige wissenschaftliche Bibliothek zur Geschichte des östlichen Münsterlandes. Zusammen mit der Bibliothek des Gymnasiums Laurentianum umfasst sie den ältesten Buchbestand im gesamten Kreis Warendorf.

Die Archivbibliothek ist eine Präsenzbibliothek, eine Ausleihe ist nicht möglich. „Dies bietet den Vorteil, dass unser Bestand immer komplett ist“, weiß Mareike Stiller, die als Fachangestellte für Medien und Informationsdienste die Spezialbibliothek fachlich betreut.

Die Bibliothek steht allen Besucherinnen und Besuchern während der Öffnungszeiten des Lesesaals des Kreisarchivs (montags bis freitags von 8 bis 12 Uhr und donnerstags von 8 bis 16 Uhr) kostenlos zur Verfügung.

Kontakt:
Bibliothek des Kreisarchivs Warendorf
Waldenburger Straße 2
48231 Warendorf
Tel.: 02581/ 53 1048, -41 oder -42
Fax: 02581/ 53 1099
mareike.stiller@kreis-warendorf.de

Quelle: Kreis Warendorf, Pressemitteilung, 27.5.2016

Jahresbericht 2015 des Staatsarchivs Luzern

Das Staatsarchiv Luzern hat am 28.5.2016 seinen Jahresbericht 2015 publiziert. – Die Anzahl der Aktenablieferungen von staatlicher Seite lag mit 48 im Rahmen des Vorjahres (50), darunter waren sechs rein digitaler Art. Die Menge der abgelieferten Unterlagen in Papierform stieg mit insgesamt 645 Laufmetern wider Erwarten auch 2015 nochmals an, allerdings nur noch in geringem Ausmaß (Vorjahr 590).

20160530

An nichtstaatlichen Archivalien sind 21 sehr kleine bis sehr große Ablieferungen im Umfang von rund 75 Laufmetern eingegangen. Darunter sind vollständige Archive, aber auch Nachlieferungen. Besondere Erwähnung finden im Jahresbericht die Archive des Berufsverbandes der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner Sektion Zentralschweiz (23 Lfm.) und das Archiv der Zeitung „Luzern heute“ (1.5 Lfm.). Im kirchlichen Bereich erhielten gelangte das Archiv des Dekanats Entlebuch (0.5 Lfm.) sowie eine Nachlieferung des Stifts St. Leodegar im Hof (18 Lfm.) an das Staatsarchiv Luzern und von der Christkatholischen Kirchgemeinde Luzern das Archiv des aufgelösten Kirchenchors Melodia (1.6 Lfm.).

Im Jahr 2015 benutzten 553 externe BenutzerInnen (Vorjahr 551) und 26 (33) Dienststellen Bestände des Luzerner Staatsarchivs, wobei die reinen Lesesaal- oder Bibliotheksbenutzerinnen nicht erfasst sind. Diese Personen waren an 3132 Tagen (2911) im Archiv. 293 Personen (340) konnten an 21 (23) Führungen das Archiv „hinter den Kulissen“ besichtigen. Von den 8389 (Vorjahr 7894) Ausleihen gingen 7031 (6582) an BenutzerInnen im Lesesaal, 740 (640) an archivinterne Mitarbeitende und 618 (675) an Dienststellen der kantonalen Verwaltung.

Das Staatsarchiv bewältigt auch unglaubliche Mengen Papier. So hat es 2015 „in house“ knapp 12,5 Tonnen Papier geschreddert, gleich viel wie im Vorjahr. Dazu wurden 5,9 Tonnen extern zur Aktenvernichtung übergeben.

Der Jahresbericht erinnert auch ausführlich an den am 15. Mai 2015 verstorbenen Alt-Staatsarchivar Fritz Glauser. Glauser, geboren am 29. Februar 1932, hat seit 1960 als „Adjunkt“ und von 1971 bis 1997 als Staatsarchivar das Luzerner Staatsarchiv in mehrfacher Hinsicht entscheidend geprägt und modernisiert. Er hat
u.a. die rasche und konsequente Erschließung aller modernen Neuzugänge eingeführt und damit überhaupt die organische und heute zunehmend geschätzte Funktion des Staatsarchivs als Partner der Verwaltung im Informationsmanagement in die Wege geleitet. Gleichzeitig hat sich Fritz Glauser auch um das Weiterbestehen der alten Schätze gekümmert und mit dem Aufbau einer professionellen Restaurierungsabteilung diesbezüglich neue Maßstäbe gesetzt.

Neue Maßstäbe gesetzt hat Fritz Glauser auch im Archivbau. Der nach zäher Überzeugungsarbeit zustande gekommene, 1993 bezogene Neubau des Staatsarchivs Luzern war lange Zeit das Studienobjekt, um das Architekten nicht herum kamen – und er überzeugt mit seinem ausgefeilten Konzept noch heute. Da Archive nicht ohne gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter funktionieren können, hat Fritz Glauser ab den späten 1980er Jahren auch gezielt eine Equipe von jungen Wissenschaftlern aufgebaut, die das Staatsarchiv Luzern im Wesentlichen heute noch trägt. Fritz Glauser war auch überzeugt, dass ein Staatsarchiv neben dem eigentlichen Archivbetrieb Forschung betreiben müsse, weil nur die persönliche Forschungserfahrung den Blick verschaffe für die Bewertung der Unterlagen.

Link: Jahresbericht 2015 des Staatsarchivs Luzern

Kontakt:
Staatsarchiv Luzern
Schützenstrasse 9
Postfach 7853
6000 Luzern 7
Telefon 041 228 53 65
Fax 041 228 66 63
staatsarchiv@lu.ch
https://staatsarchiv.lu.ch/

Kunstwerke fürs Stadtarchiv Hattingen

Der Wuppertaler Maler und Graphiker Erich Kresse (1902-1989) hat in den 1960er/1970er-Jahren Hattingen und die Henrichshütte zeichnerisch begleitet. Entstanden sind so verschiedene Altstadt- und Hüttenmotive. Anlässlich des DRK-Jubiläums wurden 30 Bilder im DRK-Haus Talstraße ausgestellt, nun wurden die Bilder an das LWL-Industriemuseum Henrichshütte und das Stadtarchiv Hattingen übergeben.

20160524

Abb.: Willi Hahn, Andreas Hahn, Geschäftsführer des DRK-Hattingen, Thomas Weiß, Stadtarchivar Hattingen und Robert Laube, Leiter des LWL-Industriemuseums Henrichshütte freuten sich bei der Übergabe der Bilder (Foto: Stadt Hattingen).

Willi Hahn, der dafür verantwortlich ist, das die Werke nun übergeben wurden, wurde von der Witwe des verstorbenen Künstlers gefragt, ob er die Bilder haben wolle. „Da sind mir das Stadtarchiv und das LWL-Industriemuseum Henrichshütte eingefallen, denn dort sind die Kunstwerke sicherlich besser aufgehoben als in einer privaten Wohnung“, erzählt er.

Stadtarchivar Thomas Weiß und Robert Laube, Leiter des LWL-Industriemuseums Henrichshütte haben beschlossen, den gesamten Bestand zusammen zu lassen und im Stadtarchiv unterzubringen. „So können die Werke der Forschung und für Ausstellungen problemlos zur Verfügung gestellt werden“, erklärt Thomas Weiß. „Die Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv ist so freundschaftlich und dadurch, dass sie hier bleiben, sind die Werke täglich nutzbar“, sagt Robert Laube.

Kontakt:
Stadtarchiv Hattingen
Rauendahlstraße 40/42
45504 Hattingen
Telefon: (0 23 24) 391 96 0
Telefax: (0 23 24) 391 96 19
stadtarchiv@hattingen.de

Quelle: Hattingen, Pressemitteilung, 24.5.2016

  • Um AUGIAS.Net aktuell zu halten, würden wir uns auch über Ihre Mithilfe freuen: Nehmen Sie einfach Kontakt mit uns auf, wenn Sie Neuigkeiten aus dem Archivwesen haben (Nachrichten, Literatur, Links, Termine etc.).
Top