Umbau des Ulmer Schwörhauses hat begonnen

Bis vor anderthalb Jahren spielte im Ulmer Schwörhaus noch die publikumsintensive Stadtbibliothek die erste Geige. Das Archiv war (und ist) nur über einen Seiteneingang zu erreichen gewesen. Nach dem Auszug der Stadtbibliothek hat nun aber der Umbau des noch allein vom Stadtarchiv Ulm genutzten Schwörhauses begonnen. Spätestens am Schwörmontag 2007 soll dann das Schattendasein des Stadtarchivs endgültig ad acta gelegt sein.

Der mit zwei Millionen Euro veranschlagte Umbau des Gebäudes auf historischem Boden wird das Stadtarchiv in ein "offenes Haus der Ulmer Stadtgeschichte", so Stadtarchivar Dr. Michael Wettengel, verwandeln. Von den insgesamt 2.800 Quadratmetern Fläche, die sich im Schwörhaus über fünf Stockwerke verteilen, werden nunmehr 1.500 für das Stadtarchiv umgebaut. Der Umbau erfolgt unter laufendem Betrieb. Die unterschiedlichen Arbeitsbereiche für die Archivangestellten und die Dienstleistungsbereiche für die Archivbenutzer werden auf den verschiedenen Etagen des Gebäudes nach dem Prinzip eingerichtet: "Alles aus einer Hand auf einer Etage\“, fasst Wettengel den Plan bündig zusammen.

Bemerkenswert: Weil die Haustechnik aus den 1950er Jahren komplett erneuert werden muss, beträgt das Verhältnis der Bau- zu den Technikkosten 50 zu 50. Gewöhnlich liegt es bei 60 zu 40.

Kontakt:
Stadtarchiv Ulm
Schwörhaus
Weinhof 12
89073 Ulm 
Telefon 0731/161-4200 
Telefax 0731/161-1633 
stadtarchiv@ulm.de

www.stadtarchiv.ulm.de 

Quelle: Hans-Uli Thierer, Südwest Presse, 28.11.2005

vertikult – Service für den Kulturbereich

Für Menschen, die im Kulturbereich arbeiten, ist seit Anfang 2005 das Webportal des Dienstes vertikult zu erreichen. Das Internet-Portal und ein Servicebüro haben die Aufgabe, Arbeitsangebote jeglicher Art entgegen zu nehmen und an Dienstleistungsanbieter und Arbeitssuchende elektronisch zu vermitteln. Dieses Serviceangebot ist kostenfrei.

\"vertikult

Die Jobbörse vermittelt Stellen und projektbezogene Arbeitsangebote. Jedes registrierte Mitglied kann in einem eigenen persönlichen Bereich die eigenen Gesuche oder Angebote und Rechercheergebnisse abspeichern. 

Im Dienstleistungsbereich können detaillierte Angaben zur Person und den eigenen Angeboten gemacht oder Dienstleistungsaufträge eingestellt werden.

In Kürze erhalten vertikult-Mitglieder, die ein Jobgesuch oder ein Dienstleistungsangebot in das Portal eingestellt haben, eine Information, wenn im Portal ein neues Arbeitsangebot in ihrer Kultursparte eingestellt wird.

Auch eine Kooperationsbörse ist in vertikult integriert. Diese dient zur Anbahnung strategischer Partnerschaften im Kulturbereich (beispielsweise für Förderprojekte) und bringt vertikult-Mitglieder zusammen, die gemeinsam neue Projekte in Leben rufen möchten. 

Das Portal bietet zudem eine breite Palette an nützlichen Informationen rund um den Kulturbereich und das Thema Arbeit: Beiträge zu Weiterbildungsangeboten, Förderungen und Kulturwirtschaft sind hier redaktionell speziell für Kulturschaffende aufbereitet. Ein Newsletter wird monatlich versandt. Im November 2005 berichten wir über Internet-Archive im Kulturbereich. Im Dezember begeben wir uns auf den Weg der Visionen und informieren über neue Formen der Arbeit in Kultur und Wissenschaft. Der Januar 2006 ist dem Thema Förderung gewidmet. 

Das angegliederte Servicebüro gibt Hilfestellungen bei der Nutzung des Portals. 

vertikult wendet sich an Kulturschaffende in allen öffentlichen und privaten Einrichtungen sowie an alle Personen, die im Kulturbereich Dienstleistungen anbieten.

Das Portal ist unter www.vertikult.de aufrufbar. Das Servicebüro ist erreichbar unter Tel: 07931-56 36 373, Fax: 0721-151 532301 oder E-Mail k.prinz@vertikult.de; Ansprechpartnerin: Karin Prinz.

Lottofee beschenkt das Archiv für Agrargeschichte

Das 2002 gegründete "Archiv für Agrargeschichte" in Zollikofen sichtet historisch wertvolle Quellen zur Agrargeschichte in der Schweiz, erschließt sie und übergibt die Bestände bestehenden Archiven, damit sie dort aufbewahrt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden können (Liste der erschlossenen Bestände). Für seine Arbeiten im Zeitraum von 2005 bis 2007 hat das virtuelle Archiv für Agrargeschichte, das selbst keine Quellen aufbewahrt, um finanzielle Unterstützung bei den Kantonen nachgesucht.

Der Regierungsrat des landwirtschaftlich geprägten Kantons Thurgau leistet diesem Wunsch nun Folge und unterstützt das Archiv für Agrargeschichte für die fachgerechte Erschließung thurgauischer Archivbestände zur Agrargeschichte mit einem Betrag aus dem Lotteriefonds in Höhe von 19. 200 Franken. 

Dem Kanton erscheint die Aufarbeitung der Quellen durch das Archiv für Agrargeschichte in enger Zusammenarbeit mit dem Staatsarchiv Thurgau als sinnvoll. Das vorhandene Material zur kantonalen Agrargeschichte ist bisher noch wenig aufgearbeitet und gerade die kaum erschlossenen privaten Quellenbestände drohen verloren zu gehen.

Kontakt:
Archiv für Agrargeschichte
Schweizerische Hochschule für Landwirtschaft
Längasse 85
CH-3052 Zollikofen b. Bern 
Tel. +41 +31 910 22 38
Fax. +41 +31 910 22 95
peter.moser@shl.bfh.ch

Quelle: St. Galler Tagblatt, 28.11.2005

Garbsen – Neue Mitte am Rand?

Die Stadt Garbsen ist, obwohl erst einige Jahrzehnte jung, eine der 15 größten Städte Niedersachsens und ein wichtiges Nebenzentrum Hannovers. Als \“Mitten am Rand\“ prägen Städte wie Garbsen heute die Gestalt vieler Stadtregionen. Als Kinder der Gebietsreform sind sie zugleich darum bemüht, ihr Zentrum zu finden – etwa durch den Aufbau von \“Neuen Mitten\“ mit Rathaus und Shopping-Mall.

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Foto, von links: Rose Scholl, Leiterin des Stadtarchivs, Autor Dr. Christian Heppner, Prof. Dr. Adelheid von Saldern, wissenschaftliche Betreuerin der Arbeit

Am Beispiel Garbsens untersucht Christian Heppner, wie in den fünfziger und sechziger Jahren die Grundlagen solcher Stadtgründungen geschaffen wurden und eine neue Phase der (Sub-)Urbanisierung begann. Flüchtlingszustrom und \“Wirtschaftswunder\“, Automobilisierung und \“Flucht ins Grüne\“, Sozialer Wohnungsbau und politische Reformbereitschaft bildeten den Hintergrund für drei zentrale Projekte, die nicht nur Garbsens Geschichte kennzeichnen: eine neue Großsiedlung als Initiationskern der Stadtgründung, ein Freizeitheim als Ansatz für eine kulturelle Stadtmitte und die Gebietsreform, deren Ergebnisse die komplexe Identität der neuen Kommune zwischen Stadt und Land bis heute bestimmen. – Themenfelder wie diese behandelt Christian Heppner in seiner spannenden, zeitgeschichtlichen Untersuchung, die im Sommer von der Universität Hannover als Dissertationsschrift angenommen wurde.

Info:
Christian Heppner:
Garbsen – Neue Mitte am Rand? Die Entstehung einer Stadt im suburbanen Raum 1945-1975.
Hannover 2005. 456 Seiten. ISBN 3-93876802-5 (ecrivir – die textmacher)
Subskriptionspreis: 28,60 € (bis zur Präsentation am 6.12.2005)
Verkaufspreis ab 7.12.2005: 34,90 €.
Bestellungen über den Buchhandel oder über die u.a. Adresse des Stadtarchivs Garbsen.

Buchvorstellung:
Das Stadtarchiv Garbsen lädt ein zur Präsentation der Dissertation "Garbsen – Neue Mitte am Rand?" mit Vortrag des Autors Christian Heppner am Dienstag, 6. Dezember 2005, 19.30 Uhr im Rathaus Garbsen.

Kontakt:
Rose Scholl
– Stadtarchivarin –
Stadtarchiv Garbsen
Lehmstraße 1
30826 Garbsen
Tel. 05131/4544-25, 26; Fax -27
stadtarchiv-garbsen@t-online.de 

Das Wolfsburger Modell einer reflexiv-konstruktiven Archivdidaktik

Das Stadtarchiv Wolfsburg wurde Ende der 1970er Jahre zu einem funktionsfähigen Kommunalarchiv ausgebaut. Die 1938 zur Produktion des Volkswagens gegründete \“Stadt des KdF-Wagens\“, so ihr Name bis 1945, hatte damals gerade die 100.000er-Einwohner-Grenze zur Großstadt überschritten. Das Wolfsburger Stadtarchiv umfasst heute rund 12.000 historische Akten; ein Zwischenarchiv und umfangreiche Sammlungsbestände ergänzen das Archiv, in dem zwei Vollzeitkräfte (Leitung und Historische Dokumentation), drei halbe Kräfte sowie zwei Magaziner tätig sind.

\"Videoclip:

Die besonders kurze und zugleich besondere Geschichte Wolfsburgs als "NS-Reißbrettidyll" mag ausschlaggebend dafür sein, dass das Stadtarchiv Wolfsburg andere Prioritäten in seinen Betätigungsfeldern setzen kann als andere Archive. "Vermitteln geht vor Verzeichnen!" lautet zugespitzt die Herangehensweise des Stadtarchivs. Das Archiv versteht sich damit – wohl im Unterschied zur Mehrheit in der archivischen Zunft – "in erster Linie als Bildungszentrum", wie es in der anregenden Publikation "\’Ran an die Quellen!\‘ Theorie und Praxis der Archivdidaktik – Das Wolfsburger Modell" heißt, die die Wolfsburger Stadtarchivleiterin Birgit Schneider-Bönninger unter Mitarbeit von Anita Placenti in diesem Jahr herausgegeben hat und die dokumentiert, warum Wolfsburg zum Austragungsort der nächsten ANKA-Jahrestagung (28./29.3.2006) gekürt worden ist (siehe Bericht vom 26.6.05).

In Wolfsburg stellt der "archivdidaktische Service" Schwerpunktbereich und Kernaufgabe der stadtarchivischen Praxis dar. Engagiert und selbstbewusst vertreten die Autorinnen das "Wolfsburger Modell", das auf mittlerweile fünfjährigen Erfahrungen fußt, die mit problemorientiertem Unterricht und durch Versuche der Förderung von reflektiertem Geschichtsbewusstsein gemacht werden konnten. Karl-Ernst Jeismann, Wolfgang Klafki und Uwe Uffelmann stehen nachweislich Pate für die Wolfsburger Konzeption einer "reflexiv-konstruktiven Archivdidaktik", die die Selbstorganisation der Lernenden zum Prinzip erklärt und letztlich das "Demokratie-Lernen" ermöglichen soll. Der Feldversuch des "aktiven didaktischen Archivs" habe bereits mehr als 10.000 Kinder und Jugendliche für die lokalgeschichtliche Spurensuche motiviert. Der Erfolg ermuntert die Stadtarchivleiterin Schneider-Bönninger zu einem Plädoyer für eine "didaktische Wende im Archivwesen".

\"Workshop

Das "didaktische Primat" im Aufgabenkanon des Stadtarchivs Wolfsburg stellt sich als Erfolgsgeschichte dar, die der Einrichtung nicht nur einen "enormen Imagegewinn" einbrachte, sondern auch Besucherrekorde, einen Zugangsboom im Bereich der Sammlungen und Nachlässe, eine hohe Akzeptanz im städtischen Bildungsbereich, einen hohen Bekanntheits- und Beliebtheitsgrad in der Öffentlichkeit sowie zusätzliche interne und externe Fördermittel und Sponsoren.

Info:
Birgit Schneider-Bönninger unter Mitarbeit von Anita Placenti:
"Ran an die Quellen!" Theorie und Praxis der Archivdidaktik – Das Wolfsburger Modell,
Herausgeber: Stadt Wolfsburg, Stadtarchiv
Herstellung: Ruth Printmedien GmbH, Braunschweig; 36 Seiten; © 2005 Stadt Wolfsburg

Kontakt:
Stadtarchiv Wolfsburg
Dr. Birgit Schneider-Bönninger (Leiterin des Stadtarchivs)
Goethestraße 10a
38440 Wolfsburg
Tel. 05361/2757-39
Fax 05361/2757-57
birgit.schneider-boenninger@stadt-wolfsburg.de

(Abbildungen aus dem bespr. Band, Seite 32f.)

Du bist Deutschland gab\’s schon

Die Ende September 2005 gestartete Kampagne deutscher Medienunternehmen \“Du bist Deutschland\“ plädiert für Weltoffenheit, Engagement und Optimismus. Ausgerechnet der Slogan fand aber schon mal Verwendung: als Agitationsspruch der Nazis. Aus dem Stadtarchiv Ludwigshafen tauchte ein Foto einer NS-Kundgebung von etwa 1934 auf. Motto: \“Denn Du bist Deutschland\“. 

Das Pressebüro der aktuellen Initiative \“Du bist Deutschland\“ ist davon nicht begeistert. In einer Stellungnahme zur Debatte um den Slogan vom 24.11.2005 heißt es: "Der Begriff \’Deutschland\‘ darf nicht für die Vergangenheit reserviert sein. Die Kampagne verurteilt aufs Schärfste Nationalsozialismus, Rassismus und neonazistisches Gedankengut. Wir begrüßen und unterstützen die Aufarbeitung der deutschen Geschichte und verstehen die Kampagne als antifaschistisch, weil wir auf die Leistung und Persönlichkeit jedes Einzelnen und die Zivilgesellschaft setzen. Im TV-Spot belegen wir mit Bildern wie dem am Holocaust-Denkmal oder der Geschwister-Scholl-Szene, dass wir für Werte wie Menschenwürde, Demokratie, Respekt vor der Persönlichkeit und Pluralismus eintreten und uns der deutschen Vergangenheit stellen – ohne uns der Zukunft zu verschließen. Deutschland ist nur mit aufrichtigem Geschichtsbewusstsein und Weltoffenheit zukunftsfähig". 

Das Anstoß erregende Bild ist abgedruckt in dem 1999 erschienenen und längst vergriffenen Buch \“Ludwigshafen – ein Jahrhundert in Bildern". Die seltsame Ähnlichkeit zu der \“Du bist Deutschland\“-Kampagne ist dem Autor des Buches, dem Historiker und Stadtarchivar von Ludwigshafen Stefan Mörz, schon vor einiger Zeit aufgefallen. Die Aufnahme stammt aus den Jahren zwischen 1933 und 1935. \“Das Foto wurde bei einer Veranstaltung auf dem größten Platz der Stadt, dem Ludwigsplatz, gemacht\“, sagte Mörz gegenüber Spiegel Online. Weitere Aufnahmen vom selben Tag belegen, dass Nazi-Größen wie Hermann Göring und Joseph Goebbels anwesend waren.

Der sicherlich nicht mit Blick auf die Nazi-Propaganda, sondern wohl in Anlehnung an den BILD-Titel vom 20.4.2005 nach der Papstwahl Joseph Ratzingers entstandene Kampagnenslogan wird von Jörg Blumtritt (Betty TV, München) gar noch fortgeschrieben: \“Nachdem, ich laut \’Bild\‘ schon Papst bin, freue ich mich jetzt, Deutschland zu sein – und nächstes Jahr werde ich dann Weltmeister\“. Aber das gab\’s ja auch schon mal …

Link: http://www.du-bist-deutschland.de 

Kontakt:
Stadtarchiv Ludwigshafen
Rottstraße 17
67061 Ludwigshafen am Rhein 
Tel. 0621/504-3047 und 504-2047
Fax 0621/504-2433
Stadtarchiv.Ludwigshafen@t-online.de

Quelle: Berliner Kurier, 25.11.2005, Friederike Freiburg / Daniel Haas, SPIEGEL ONLINE, 24.11.2005

Neue Quellen zur Frauengeschichte im Stadtarchiv Karlsruhe

Das Stadtarchiv Karlsruhe kann eine wertvolle Ergänzung seiner Bestände durch den Nachlass der Schriftstellerin, Politikerin und Frauenrechtlerin Marie Schloß verbuchen. Deren in der Schweiz lebende Enkelin schenkte dem Stadtarchiv im Frühjahr 280 Briefe aus den Jahren 1900 bis 1952, die nun bearbeitet und der Öffentlichkeit zugänglich sind.

Marie Schloß, geb. Haas, wurde am 31. März 1872 in Freiburg im Breisgau geboren. Nach dem Tod ihres Mannes, des Zigarettenfabrikanten Adolf Schloß, im Jahr 1907, lebte sie von 1908 bis 1912 mit ihren Söhnen in Karlsruhe in der Karlstraße 90 und in der Akademiestraße 40. Wie ihr Bruder, der spätere badische Innenminister und Reichstagsabgeordnete Ludwig Haas, engagierte Marie Schloss sich in der linksliberalen Fortschrittspartei. Sie gehörte einem Kreis gebildeter Frauen des Bürgertums an, die in fortschrittlichen Organisationen mitarbeiteten, so z.B. im Verein für Frauenstimmrecht oder in der unentgeltlichen Rechtsauskunftsstelle für Frauen und Mädchen. Marie Schloß war zeitweise auch Redakteurin beim Badischen Landesboten, der Karlsruher Zeitung der Fortschrittlichen Volkspartei. Hier redigierte sie die Rubrik \’Was die Frauen angeht\‘ und schrieb selbst Artikel über alle in der Frauenbewegung diskutierten Fragen. Marie Schloß und Sonja Kronstein waren zwei der Karlsruherinnen, die häufig öffentlich auftraten und bei politischen Versammlungen auch in den Diskussionen das Wort ergriffen.

Bei den 280 Dokumenten des Briefnachlasses von Marie Schloß handelt es sich zum größten Teil um Korrespondenz in Form von Briefen, Briefkarten, Postkarten oder Mitteilungen auf Visitenkarten. Unter den Korrespondenzpartnern von Marie Schloß waren Persönlichkeiten wie die Schriftstellerin Helene Christaller, der Schriftsteller Detlev von Liliencron, die Schweizer Kunstmalerin Bertha Züricher, die Juristin und Frauenrechtlerin Anita Augspurg und die schwedische Schriftstellerin Ellen Key. Mit dem Schwarzwälder Kunstmaler Karl Bartels und der Schweizer Kunstmalerin Bertha Züricher (Foto) unterhielt Marie Schloß den umfangreichsten Schriftverkehr, gefolgt von dem Maler und langjährigen Direktor der Kunsthalle Karlsruhe Hans Thoma.

Die bislang spärlichen Quellen zu einer der ersten in Karlsruhe tätigen Politikerinnen und Frauenrechtlerinnen werden durch den Nachlass in sehr willkommener Weise ergänzt. 

Kontakt:
Institut für Stadtgeschichte
– Stadtarchiv –

Markgrafenstraße 29
76133 Karlsruhe
Tel: 0721/133-4223
Fax: 0721/133-4299
archiv@kultur.karlsruhe.de

Bürgerschule soll Stadtarchiv Frankfurt/Oder aufnehmen

Das Archiv des 1253 zur Stadt erhobenen Marktfleckens Frankfurt/Oder wurde 1890 eine selbstständige Einrichtung der Stadt. Standort war die Sakristei der Franziskanerklosterkirche, die heute als Konzerthalle dient. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zog das Stadtarchiv Frankfurt/Oder in das Rektoratsgebäude der einstigen Frankfurter Universität und schließlich in den ausgebauten Turmstumpf der Marienkirche um. 1952 erfolgte der Umzug in das Haus der Stadtbücherei, wo die Kleistgedenkstätte begründet wurde, aus der sich das heute international bekannte Kleist-Museum entwickelte. Stadtarchivleiter Dipl.-Archivar Ralf-Rüdiger Targiel erlebte 1976 bereits aktiv die langfristig vorbereitete Übersiedlung in das eigens für das Stadtarchiv restaurierte Collegienhaus.

Mittlerweile wird es aber eng im Collegienhaus. So herrschte am Montag dichtes Gedränge, als im Stadtarchiv eine Ausstellung über Carl Alexander Simon eröffnet wurde. Aber auch ohne besondere Anlässe platzt das Haus aufgrund belegter Magazine schier aus allen Nähten. Wände und Decken können die Last an Akten und Archivalien bald nicht mehr tragen. Schon seit längerem wurde deshalb erneut nach einem neuen Quartier für das Stadtarchiv gesucht – und mit der alten Gewerbe- und Bürgerschule am Lennépark auch gefunden. Das Haus muss vor einem Archivumzug allerdings zuerst noch saniert werden.

Kontakt:
Stadtarchiv Frankfurt (Oder),
Collegienstraße 8-9
(Collegienhaus)
15230 Frankfurt (Oder) 
Telefon: (03 35) 6 80 30 04 oder 6 65 96 10
Fax: (03 35) 6 80 27 73
stadtarchiv@frankfurt-oder.de
http://www.stadtarchiv-ffo.de

Quelle: Märkische Oderzeitung, 23.11.2005

Archivberatung für Hessen gefordert

Die Verleihung des erstmals vergebenen Hessischen Archivpreises an Stephanie Goethals vom Pfungstädter Stadtarchiv sowie an die drei ehrenamtlichen Archivare Reinhard Michel aus Oberursel, Christian Hilmes aus Kassel und Gerhard Steinel aus Hungen fand am 17. November in feierlichem Rahmen im Kulturhaus ehemalige Synagoge in Pfungstadt statt. 

Unter den zahlreichen Gästen waren Vertreter der hessischen Landespolitik wie die Vizepräsidentin des Hessischen Landtags Ruth Wagner (FDP) und Vertreter der Staats- und Kommunalarchive. Sie wurden von Hausherr Bürgermeister Horst Baier (SPD) und der Vorsitzenden des Landesverbands der hessischen Archivare, Brigitte Streich, begrüßt. Die Festansprache hielt Robert Kretzschmar, Vorsitzender des VdA – Verband deutscher Archivarinnen und Archivare und Leitender Direktor des Stuttgarter Hauptstaatsarchivs.

Während der Feierstunde würdigten Staatsekretär Joachim-Felix Leonhard vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst und andere Redner die Arbeit des örtlichen Archivs. Die Stadt habe sich um die kollektive Gedächtnisbildung verdient gemacht, so Leonhard.  

Stephanie Goethals arbeitet seit Oktober 1995 als hauptamtliche Archivarin in Pfungstadt. Das Preisgeld in Höhe von 3.000 Euro sei ein willkommener Baustein für eine Klimaanlage im Fotomagazin, freute sie sich bei der Preisvergabe. „Dieser Preis lenkt das Augenmerk auf die kommunale Archivpflege in Hessen, die es so kaum gibt“, merkte Goethals in ihrer Danksagung kritisch an. Viele Archive führten ein eher stiefmütterliches Dasein, Archivgut schimmele vor sich hin, werde nicht adäquat gepflegt. Erneut forderte sie eine Archivberatungsstelle, die vor allem die ehrenamtlichen Archivare berate, schule und Hilfestellungen gebe. Obwohl die Entscheidung gegen Pfungstadt bereits gefallen zu sein scheint, hofft die Archivarin, die Stadt vielleicht doch als Standort für die Archivberatung in Südhessen empfehlen zu können. 

Kontakt:
Stadtarchiv Pfungstadt, Stadtverwaltung
Hillgasse 8
64319 Pfungstadt
Tel.: 06157/988-1125
stadtarchiv@pfungstadt.de 

Quelle: Echo Online, 18.11.2005

Norddeutsche Mission übergibt Archiv

Das nach Auffassung von Experten in seinem Bestand einmalige Archiv der Norddeutschen Mission (NM) geht endgültig in den Besitz der öffentlichen Hand über. Das Missionswerk übergab mehrere tausend Schriftquellen, Bilder, Zeichnungen und seine Bibliothek dem Staatsarchiv Bremen. Damit sei das in Deutschland einmalige Material auf einfache Weise zugänglich, sagte der Direktor des Staatsarchivs, Konrad Elmshäuser. 

Die Dokumente gehören zur Liste der national bedeutenden Archivbestände in Deutschland und werden seit 1968 größtenteils im Staatsarchiv verwahrt. Ein Teil war im Missionshaus untergebracht. Mit der Übergabe sei das Archiv nun optimal verwahrt und an einem Ort verfügbar. Interessenten kommen u.a. aus der Wissenschaft: So ist erst im Mai ein dreijähriges Forschungsprojekt zur Arbeit der Norddeutschen Mission zwischen 1847 und 1939 abgeschlossen worden. Datenquelle für das Projekt (Transkulturationen. Eine Mikrogeschichte der Norddeutschen Mission in Westafrika, 1847-1939), das der Bremer Kulturwissenschaftler Rainer Alsheimer leitete, waren Berichte, Protokolle, Briefe und Broschüren des Missionswerkes aus dem 19. und 20. Jahrhundert. 

Anhand des Kulturkontaktes zwischen Afrikanern und Europäern dokumentiert und analysiert das Projekt individuelle und kollektive Veränderungen kultureller Verhaltensformen und Identitätskonstruktionen. Bisherige Missionsforschung geht davon aus, dass die nationalstaatlichen Europäer im 19. Jahrhundert fremde Kulturen in den Kolonialländern \“domestizierten\“. Mission wird in dem von der VW-Stiftung finanzierten Projekt innerhalb von struktur-historischen Untersuchungen in der Regel als Teil des kolonialen Machtsystems beschrieben. Eine solche Sichtweise verstellt den Blick dafür, dass die Kontakte zwischen den Bevölkerungen der Kolonien und den Europäern zu gegenseitigen Veränderungen der individuellen Verhaltensweisen und der kulturellen Normen geführt haben müssen. Unter Einsatz eines EDV-Dokumentationssystems wurde ein vernetztes Korpus von Quellentexten (Auszüge, Regesten, Kategorisierungen) erstellt. Die Dokumentation erfasste sowohl Textquellen als auch Bilder (2.500 Fotos). Quellenbasis war das Archiv der NM und der dort vorhandene Quellenbestand aus dem 19. und 20. Jahrhundert (Egodokumente, Berichte, Protokolle, Korrespondenzen, Regularien, Broschüren der Missionspresse). 

Alle historisch und volkskundlich wertvolle Bestände des Missionswerks lagern nun im Staatsarchiv Bremen und sollen mit der Zeit digitalisiert werden. Die Norddeutsche Mission wurde vor mehr als 150 Jahren gegründet. Sie ist ein Zusammenschluss von vier deutschen und zwei afrikanischen Kirchen. Nach anfänglichen Aktivitäten in Neuseeland und Ostindien entsandte das Werk ab 1847 Missionare nach Westafrika. Aus dieser Arbeit gingen zwei selbstständige Kirchen in Togo und Ghana hervor.

Kontakt:
Staatsarchiv Bremen
Am Staatsarchiv 1
28203 Bremen 
Fon: 0421 / 361-6221 
Fax: 0421 / 361-10247 
zentrale@staatsarchiv.bremen.de 

Quelle: Kreiszeitung Syke, 19.11.2005

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