Oberschwäbischer Adel im Wandel

Eine große Ausstellung der Gesellschaft Oberschwaben für Geschichte und Kultur und des Landes Baden-Württemberg widmet sich am Beispiel Oberschwaben den Auswirkungen der Mediatisierung vor 200 Jahren. Erstmals werden in dieser Schau die Folgen der napoleonischen Neuordnung im Südwesten für die verschiedenen Adelshäuser systematisch aufgearbeitet. Namhafte Familien stellen dafür Exponate zur Verfügung, die vielfach noch niemals öffentlich gezeigt wurden. Die Ausstellung findet vom 13. Mai bis 29. Oktober 2006 im Prinzenbau (Staatsarchiv Sigmaringen) und im Landeshaus Sigmaringen statt, mit Sonderführungen wird auch das Schloss Sigmaringen mit seinen reichhaltigen Sammlungen zur Geschichte des Fürstenhauses Hohenzollern einbezogen. 

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Die Region zwischen Bodensee und Schwäbischer Alb präsentiert sich mit ihrer großen Dichte an Schlössern als klassische Adelslandschaft. Bis heute interessiert sich die Öffentlichkeit für Mitglieder der Häuser Baden, Fürstenberg, Hohenzollern, Waldburg, Württemberg oder Stauffenberg. Nicht zuletzt, weil sie über viele Jahrhunderte die südwestdeutsche Geschichte prägten, aber auch, weil sich mit der Zugehörigkeit zu diesen Familien besondere Erwartungen verknüpfen.

Vor 200 Jahren verloren bis auf Württemberg, Baden und Hohenzollern alle hier residierenden Adelshäuser ihre Souveränität und wurden „vom Landesherrn zum Standesherrn“ zurückgestuft. Seither waren sie nur noch eine Art privilegierter Staatsbürger. Mit dem Ende der Monarchie 1918 traten auch die Regenten in Baden und Württemberg in die Reihe der Staatsbürger zurück. 

Die Ausstellung geht von der Situation des Adels im 18. Jahrhundert aus und zeigt, wie die einzelnen Familien auf die Herausforderung des Herrschaftsverlusts 1806, der Revolution 1848/49 und schließlich auf das Ende der Monarchien 1918 reagierten. Sie dokumentiert Selbstverständnis und Selbstbehauptung des oberschwäbischen Adels in einer fortschreitend bürgerlichen Welt und sucht Antworten auf die Frage, was das Leben adliger Familien bis heute prägt.

Ein großer Teil der Ausstellungsstücke stammt aus den Schlössern und Sammlungen oberschwäbischer Adelsfamilien. Zu den Leihgebern gehören die Häuser Baden, Brandenstein-Zeppelin, Fürstenberg, Freyberg, Hohenzollern, Hornstein, Königsegg, Quadt-Isny, Stauffenberg, Ulm-Erbach, Waldburg-Wolfegg, Waldburg-Zeil und Württemberg. Weitere Exponate stammen aus staatlichen und kommunalen Museen und Archiven. Das Original der Rheinbundakte oder der Thron der badischen Großherzöge zählen zu den besonderen Ausstellungsstücken. Das umfangreiche Begleitprogramm mit Führungen, Exkursionen, Vorträgen, Konzerten, Kunstausstellungen, Theater- und Kleinaufführungen stellt die Geschichte der oberschwäbischen Adelshäuser sowie zahlreicher Schlösser, Adelspalais und Fürstliche Parkanlagen vor Ort der Öffentlichkeit vor. 

Link: www.adelimwandel.de 

Ausstellungsdaten:
Adel im Wandel. 200 Jahre Mediatisierung in Oberschwaben.
Veranstalter: Gesellschaft Oberschwaben für Geschichte und Kultur und Land Baden-Württemberg

13. Mai bis 29. Oktober, Sigmaringen, Prinzenbau (Staatsarchiv, Karlstraße 3) und Landeshaus (Antonstraße 11)
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10:00 Uhr bis 17:00 Uhr, Donnerstag bis 20:00 Uhr

Eintritt: Einzelkarte 5,00 Euro, ermäßigt 3,00 Euro, Familienkarte 14,00 Euro, Kinder bis 14 Jahre frei, Gruppen ab 10 Personen 3,00 Euro pro Person.
Katalog: 2 Bände 25,00 Euro (Ausstellungspreis)

Regelmäßige Führungen: Donnerstag 18:00 Uhr, Samstag und Sonntag 11:00 Uhr und 15:00 Uhr. 
Sonderführungen (maximal 25 Personen): 30,00 Euro; Kombi-Führung Ausstellung und Fürstliches Schloss 60,00 Euro 
Buchungen per E-Mail über fuehrungen@adelimwandel.de oder unter Telefon 07571 / 101-564, Fax 07571 / 101-552

Irritationen um das Fontane-Archiv

Das 1934 gegründete Theodor-Fontane-Archiv ist eine wissenschaftliche Institution des Landes Brandenburg. Im Zentrum seiner Arbeit als Literaturarchiv stehen Person und Werk des Schriftstellers Theodor Fontane (1819-1898). Die Aufgabe des Archivs besteht darin, Handschriften, Literatur und andere Medien zu Fontane und seiner Zeit zu sammeln, zu erschließen und durch seine Präsenzbibliothek, durch Publikationen und Veranstaltungen ebenso der Forschung wie der interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Darüber hinaus betreibt das Archiv Grundlagenforschung, fördert und initiiert literaturwissenschaftliche Forschungsprojekte und unterstützt Editionen zum Werk Fontanes.

Das Theodor-Fontane-Archiv umfasst 18.000 Blatt Originalhandschriften, darunter Werkmanuskripte, Briefe, Notiz- und Tagebücher (unter anderem Leihgaben der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz) sowie 12.000 Blatt Abschriften und Kopien von Handschriften, deren Originale zum Teil verschollen sind. Ende kommenden Jahres soll das Fontane-Archiv, das derzeit noch beengt am Potsdamer Bassinplatz untergebracht ist, in die Villa Quandt am Fuße des Pfingstberges umziehen, mit deren Sanierung just begonnen wurde. Die Villa, die ein bedeutendes Baudenkmal aus dem frühen 19. Jahrhundert ist, soll außerdem dem Brandenburgischen Literaturbüro und der Schlösserstiftung zur Verfügung stehen.

Das brandenburgische Kulturministerium trat unterdessen Befürchtungen entgegen, das Theodor-Fontane-Archiv könne aufgelöst werden. Die internationale Fontanegesellschaft hatte sich besorgt gezeigt, dass das Archiv aus Kostengründen mit dem Brandenburgischen Landeshauptarchiv fusionieren solle. Diese Vorwürfe seien laut Kulturministerin Johanna Wanka (CDU) "ohne Substanz" (FAZ). Allerdings werde über ein Outsourcing verschiedener Aufgaben nachgedacht, um die wenigen Mitarbeiter des Fontane-Archivs zum Beispiel von der Buchhaltung zu entlasten, die die Universität oder das Landeshauptarchiv übernehmen könnte. Noch sei jedoch nichts entschieden, so die Ministerin, die am 7. März die Archivleiterin Hanna Delf von Wolzogen zu Gesprächen treffen wird. 

Kontakt:
Theodor-Fontane-Archiv 
Am Bassin 4
14467 Potsdam
Tel. 0331-201396
Fax: 0331-2013970
wolzo@rz.uni-potsdam.de
www.fontanearchiv.de

Quelle: Berliner Morgenpost, 18.2.2006

Camburg erhält das zentrale Kreisarchiv

1994 wurde aus den ehemaligen Landkreisen Eisenberg, Jena-Land und Stadtroda der Saale-Holzland-Kreis gebildet. Das Kreisarchiv für den Saale-Holzland-Kreis erhielt seinen Sitz im Landratsamt der Kreisstadt Eisenberg. Außenstellen des Kreisarchivs wurden auch in Jena und Stadtroda beibehalten. Ende 2004 hatte der Kreistag eine Archivsatzung für das Kreisarchiv des Saale-Holzland-Kreises beschlossen.

Im Zuge von Plänen zur Zentralisierung des Kreisarchivs in dem ostthüringischen Landkreis schien der künftige Standort des Kreisarchivs angesichts der bevorstehenden Wahl eines neuen Landrats zum Wahlkampfthema und zum Zankapfel der Parteien zu werden. Camburg oder Eisenberg lautete die Alternative. Nun aber hat der Kreistag des Saale-Holzland-Kreises in seiner jüngsten Sitzung bei 24 Ja- und 15 Nein-Stimmen sowie einer Enthaltung entsprechend einer Vorlage des Landrates beschlossen, dass die kreiseigene, ehemalige Grundschule Camburg im Norden des Landkreises bis 2008 zum zentralen Kreisarchiv um- und ausgebaut wird.

Link: http://www.saale-holzland-kreis.de/

Kontakt:
Kreisarchiv für den Saale-Holzlandkreis
Landratsamt
Schloss 1-6
07607 Eisenberg

Außenstelle Jena des Kreisarchives für den Saale-Holzlandkreis
Kreisarchiv Jena
Ammerbach 108
07745 Jena

Außenstelle Stadtroda des Kreisarchivs für den Saale-Holzlandkreis
Kreisarchiv Stadtroda
Schlossstr. 2
07646 Stadtroda

Bremer Landesfilmarchiv bleibt bei der Landesbildstelle

Nur wenige Bundesländer unterhalten neben dem jeweiligen Staatsarchiv eine eigene Einrichtung zum Sammeln historischen Filmmaterials. In Bremen gibt es sie seit 1998, fast ebenso alt ist allerdings die Diskussion um die organisatorische Einbettung. Nun mehr scheint jedoch fest zu stehen: Das Landesfilmarchiv bleibt Bestandteil der Landesbildstelle, die wiederum zum Landesinstitut für Schule (LiS) gehört. 

Zu den Zukunftsplänen des Landesfilmarchivs zählt die Publikation eines wissenschaftlich fundierten Gesamtkatalogs bremischer Filmdokumente ebenso wie die Einrichtung einer \“Archivkinemathek\“ oder eines \“Archivkinos\“. Zu den Aufgaben des Landesfilmarchivs gehört es, historische Filmaufnahmen und Filmwerke inklusive der historischen Technik zu sichern, zu pflegen und der Nachwelt zu bewahren und zu überliefern, Dienstleistungen für schulische und außerschulische Bildungszwecke, für wissenschaftliche Forschung und Lehre sowie für journalistische Recherche anzubieten und sein Filmmaterial öffentlich zu präsentieren. Dazu gehört die inhaltliche Erschließung und zugriffsichernde Verwaltung des Materials.

Kontakt:
Landesfilmarchiv Bremen
Färberstraße 5
28759 Bremen-Grohn
Tel. 0421/361-7845
lfa@landesfilmarchiv.de
http://www.landesfilmarchiv.de/

Quelle: taz Bremen, 25.2.2006, 28

Google Video präsentiert NARA-Filme

Das 1934 als eine unabhängige Bundesbehörde gegründete US-amerikanische Nationalarchiv (NARA) hat zu Beginn seiner Zusammenarbeit mit dem Internet-Riesen Google über 100 historische Filmdokumente online gestellt: Das Pilotprojekt Google Video macht die historische Filme erstmals frei verfügbar, teilte Chef-Archivar Allen Weinstein mit.

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Als besonderes Einzelstück ist darunter auch der 1894 gedrehte Film Carmencita – Spanish Dance von Thomas Armat, der älteste Film, den das NARA aufbewahrt. Die anderen Filme stammen aus drei Bereichen: eine Auswahl aus US-Wochenschauen während des 2. Weltkriegs, eine Sammlung von Dokumentarfilmen der NASA zur Geschichte des Raumfahrtprogramms und Kinodokumentarfilme vor allem aus den 1930er Jahren über die Entwicklung der US-Naturschutzparks. 

Die Digitalisierung der Videoarchive wird schon seit Jahren diskutiert, durch den nicht-exklusiven Deal mit dem Online-Giganten Google können enorme Datenmengen veröffentlicht werden. \“Dies ist ein wichtiger Schritt für das Nationalarchiv, um sein Ziel, ein Archiv ohne Wände zu werden, zu erreichen\“, sagte Professor Weinstein in einer Presseerklärung. \“Unsere neue Strategie betont die Wichtigkeit des Zugriffs auf Aufnahmen jederzeit, überall\“. 

Der Manager von Google Video, Peter Chane, erklärt, dass das gesamte Material lizenzfrei sei. Daher könne es auch anderswo genutzt oder gezeigt werden, ohne dass Lizenzgebühren anfallen. Das Nationalarchiv und Google wollen nun untersuchen, ob die Zusammenarbeit auch auf andere Bereiche, etwa Textdokumente, ausgeweitet wird.

Links:

Quelle: Heise Online, 25.2.2006; RP Online, 25.2.2006; NARA Pressemitteilung, 24.2.2006; Pressetext Austria, 25.2.2006

Zwangsarbeiterinnen der NS-Zeit in Lippstadt – Eine schwierige Spurensuche

Ein weiteres düsteres Kapitel der NS-Zeit in Lippstadt soll jetzt in einer Ausstellung vom 5. März bis 14. April im Stadtarchiv Lippstadt aufbereitet werden. Nachdem man sich bereits mit einer speziellen Gruppe von Zwangsarbeiterinnen, den jüdischen Häftlingen der beiden Außenkommandos des KZ Buchenwald in Lippstadt, beschäftigt hatte, geht es jetzt um die große Zahl \“ziviler“ Zwangsarbeiter in Lippstadt. Von den ca. 5.000 namentlich Bekannten waren etwa zwei Drittel Frauen. Die meisten von ihnen kamen aus Osteuropa und wurden vorwiegend in der Rüstungsindustrie, aber auch in kleineren Betrieben, in der Landwirtschaft und in Privathaushalten eingesetzt. Das Leben der verschleppten Arbeitskräfte war vor allem in der Industrie oft sehr hart, viele starben an den Folgen der schlechten Versorgung. 

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ist das Schicksal der ausländischen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, die eine wesentliche Stütze für das kriegführende Deutsche Reich waren, schnell in Vergessenheit geraten. Erst durch das Entschädigungsgesetz aus dem Jahre 2000 hat die Aufarbeitung dieses Themas nach langer Zeit wesentliche Impulse erfahren. 

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Bild: Die Teilnehmerinnen des Arbeitskreises Frauengeschichte bei der Vorbereitung der Ausstellung \“Zwangsarbeiterinnen der NS-Zeit in Lippstadt – Eine schwierige Spurensuche\“ im Stadtarchiv. 

Der im Mai 2003 gegründete Arbeitskreis Frauengeschichte, an dem auch das Stadtarchiv und die Gleichstellungsstelle der Stadt Lippstadt beteiligt sind, hat sich auf Spurensuche begeben und sich mit den Schicksalen der zivilen Zwangarbeiterinnen der NS-Zeit in Lippstadt befasst. Die Teilnehmerinnen haben Zeitzeugen befragt und in Akten recherchiert. Das Ergebnis der Spurensuche will der Arbeitskreis in Form einer Ausstellung der Öffentlichkeit zugänglich machen. 

Info:
Die Ausstellungseröffnung findet am Sonntag, 5. März, um 11.30 Uhr, im Stadtarchiv, Soeststraße 8, statt. Die Einführung erfolgt durch Stadtarchivarin Dr. Claudia Becker. Die Ausstellung ist vom 5. März bis 14. April im Stadtarchiv, montags bis freitags von 8.30 bis 12.30 Uhr und zusätzlich montags bis donnerstags von 14.00 bis 17.00 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Kontakt:
Stadtarchiv Lippstadt
Dr. Claudia Becker
Soeststr. 8
59555 Lippstadt
Tel. 02941/980-262
Fax: 02941/720893 
claudia.becker@stadt-lippstadt.de

Quelle: Pressestelle Stadt Lippstadt, Pressemeldung, 23.2.2006

Historische Karnevals-Orden für das Siegburger Kreisarchiv

Die umfangreiche Karnevalsorden-Sammlung des Archivs des Rhein-Sieg-Kreis wurde heute um weitere herausragende Stücke bereichert: Günter Krengel, Präsident des Siegburger Karnevalskomitees 1861 e.V., überreichte im Kreishaus Landrat Frithjof Kühn etwa 300 historische Karnevalsorden als Dauerleihgabe für die Sammlung. Arthur Reis, Präsident der KG Siegburger Ehrengarde, und seine Ehefrau Elke Reis schenkten dem Siegburger Kreisarchiv sämtliche Sessionsorden der Gesellschaft seit ihrem Bestehen. 

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Abb.: Übergabe der Karnevalsorden an das Kreisarchiv (Foto: Rhein-Sieg-Kreis)

Die Leiterin des Kreisarchivs, Dr. Claudia-Maria Arndt, freute sich: „ Wir sind besonders dankbar für solche Zuwendungen, da die Anschaffung von Karnevalsorden – insbesondere der alten Stücke – sehr kostspielig ist. Wir hoffen, dass weitere Vereine dem guten Beispiel folgen.“ 

Bisher umfasst die Sammlung des Kreisarchivs fast 1.000 Orden. Der Schwerpunkt der Sammlung liegt auf Siegburger Orden aus der Zeit von 1980 bis heute. Mit ihren vielfältigen Motiven stellen die Karnevalsorden einen Spiegel der im Kreisgebiet stattgefundenen gesellschaftlichen und politischen Ereignisse dar und sind ein besonderer Ausdruck der Kultur in unserer Region. 

Alle Stücke sind im Kreisarchiv einzeln elektronisch erfasst, mit einem Schlagwort archiviert und können somit einzeln recherchiert werden – übrigens auch von interessierten Bürgerinnen und Bürgern. 

Kontakt:
Claudia Hess
Archiv des Rhein-Sieg-Kreises
Kaiser-Wilhelm-Platz 1 (Kreishaus)
53721 Siegburg
Telefon: 02241/13-2928
archiv@rhein-sieg-kreis.de

Quelle: Rhein-Sieg-Kreis, Pressestelle, 21.2.2006

Dresdner Bank im Dritten Reich

Die Dresdner Bank unterhielt während des Dritten Reiches enge Geschäftsbeziehungen zum nationalsozialistischen Regime. So lautet das Ergebnis der fast 2.400 Seiten umfassenden Forschungsarbeit \“Die Dresdner Bank im Dritten Reich\“, die dieser Tage in Berlin vorgestellt wurde.

Seit Ende 1997 hatte eine unabhängige Historikerkommission die Archive der Dresdner Bank gesichtet, ausgewertet und in der Studie zusammengefasst. \“Die Ergebnisse der Forschungsarbeit konfrontieren uns mit historischen Tatsachen, welche die Geschichte unserer Bank in der NS-Zeit in einem überaus kritischen Licht erscheinen lassen\“, sagt Wulf Meier, Vorstandsmitglied der Dresdner Bank. \“Sie nennt die Dinge beim Namen. Wir akzeptieren diese Wahrheiten, auch wenn sie wehtun. Mit dieser umfassenden Aufarbeitung der Vergangenheit übernimmt die Bank die moralische Verantwortung für ihr Handeln.\“ 

Die Forschungsarbeit beleuchtet die geschäftlichen und politischen Verbindungen der Dresdner Bank zum NS-Staat. Im Zuge der Bankenkrise von 1931 mehrheitlich in den Besitz des Deutschen Reiches gekommen, wurde in der Dresdner Bank nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 die antisemitische Politik durchgesetzt. Mit Karl Rasche und Emil Meyer rückten zwei überzeugte Nationalsozialisten in den Vorstand auf. In den folgenden Jahren war die Bank an der Verdrängung der Juden aus dem öffentlichen Leben sowie der so genannten \“Arisierung\“ jüdischer Vermögen beteiligt und unterhielt eine enge Verbindung zur SS. Sie finanzierte Rüstungsunternehmen und hielt 26 Prozent an der Breslauer Huta AG, einem damals führenden Baukonzern, der Baumaßnahmen im Vernichtungslager Auschwitz ausführte. Dazu gehörte auch die Errichtung von Krematorien. 

Meier: \“Nach 1945 sind viele Menschen und Institutionen der Frage nach der eigenen Rolle in der NS-Zeit zunächst aus dem Weg gegangen. Das galt für viele deutsche Unternehmen – auch für die Dresdner Bank. Mit dieser Forschungsarbeit haben wir nun die Geschichte der Bank im Nationalsozialismus besonders sorgfältig und detailliert aufarbeiten lassen.\“ 

Der Vorstand der Bank hatte 1997 das Hannah-Arendt-Institut unter der Leitung von Prof. Dr. Klaus-Dietmar Henke mit der Forschungsarbeit beauftragt. 2002 wechselte Henke auf den Lehrstuhl für Zeitgeschichte an der TU Dresden und nahm das Projekt mit. Verfasst wurde die Forschungsarbeit von den Wissenschaftlern Johannes Bähr, Dieter Ziegler und Harald Wixforth. Herausgeber ist Klaus-Dietmar Henke.

Für die Untersuchung hat die Dresdner Bank in Frankfurt am Main ein Historisches Archiv aufgebaut. Die Historiker hatten uneingeschränkten Zugang zu allen Dokumenten. Der Zeitraum der Forschungsarbeit beginnt mit dem Jahr 1931, als das Deutsche Reich im Zuge der Bankenkrise 91 Prozent der Dresdner Bank übernommen hatte. Die Untersuchung endet mit dem Zusammenbruch des NS-Regimes im Jahr 1945. Insgesamt sichteten und erschlossen die Wissenschaftler rund zwölf Regalkilometer Akten. Die Gesamtkosten des Forschungsprojektes belaufen sich auf 1,6 Millionen Euro.

Info:
Klaus-Dietmar Henke (Herausgeber): Die Dresdner Bank im Dritten Reich. R. Oldenbourg Verlag, München 2006, vier Bände, 2376 Seiten, 79,80 Euro.

Link: http://www.eugen-gutmann-gesellschaft.de/

Quelle: INar, 17.2.2006

DVD über die Wewelsburg als Kult- und Terrorstätte der SS

Schon ihre Lage hoch über dem Almetal und ihre ungewöhnliche Form als Dreieckschloss macht die von 1603 bis 1609 erbaute Wewelsburg zu etwas Besonderem. Deshalb interessierte sich auch SS-Reichsführer Heinrich Himmler für die Wewelsburg und machte sie zum ideologischen Zentrum der SS-Gruppenführer. Davon und von dem KZ Niederhagen, das Himmler hier errichten ließ, handelt ein Dokumentationsfilm, den der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) 1996 mit dem KZ-Überlebenden Otto Preuss gedreht hat. Diesen Film hat der LWL jetzt unverändert als DVD mit englischer und deutscher Version herausgebracht.

Himmler mietete 1934 das Schloss vom Kreis Büren für die SS an. Ursprünglich als "Reichsführerschule\“ gedacht, baute die SS die Wewelsburg seit 1936 zum ideologischen Zentrum und zur Repräsentationsstätte für ihre Gruppenführer aus. Ab 1941 griffen die Pläne auf die gesamte Umgebung über. Hätte die SS ihre Pläne ganz umsetzen können, wäre das ganze Dorf Wewelsburg einer gigantischen Anlage gewichen. 

Im Frühjahr 1939 errichteten die Nationalsozialisten ein Konzentrationslager in Wewelsburg, das 1941 zum selbstständigen "KZ Niederhagen\“ wurde. Die KZ-Häftlinge sollten für die umfangreichen Umbauarbeiten eingesetzt werden. 1.285 der rund 3.900 KZ-Häftlinge starben an den unmenschlichen Arbeits- und Lebensbedingungen im Lager. Kurz vor Kriegsende, am 31. März 1945, sprengte ein SS-Sonderkommando auf Befehl Himmlers das Schloss. Es wurde bis auf die Außenmauern zerstört. 1949 bis 1979 erfolgte der Wiederaufbau. Seit 1950 befinden sich auch wieder die Jugendherberge und das Kreismuseum (wie bereits vor 1934) in der Wewelsburg.

Im Mittelpunkt des LWL-Films über die Wewelsburg stehen die Erfahrungen des ehemaligen politischen Häftlings Otto Preuss. Er schildert seine Erlebnisse im Lager und während der Bauarbeiten im Dorf. Bis zu seinem Tod im Jahr 2003 suchte er immer wieder das Gespräch mit Jugendlichen und unterstützte die Arbeit des Kreismuseums.

Neben der Geschichte der Wewelsburg während der NS-Herrschaft zeigt die 1982 im Kreismuseum eingerichtete Dokumentation "Wewelsburg 1933 -1945. Kult- und Terrorstätte der SS\“ auch die Schwierigkeiten der Bevölkerung im Umgang mit dem nationalsozialistischen Erbe nach 1945. Lange war die Ausstellung die einzige Gedenkstätte, die an die Opfer des KZ Niederhagen erinnerte. Das Lager selbst wich einer Wohn- und Gewerbesiedlung. Lediglich einzelne Relikte, wie die Häftlingsküche, das Torhaus und ein Teil des Appellplatzes, sind heute noch zu identifizieren. Erst im Jahr 2000, 55 Jahre nach Kriegsende und vier Jahre nach Fertigstellung des Dokumentarfilms, wurde auf Initiative einer Gruppe von jungen Wewelsburgern ein von den Überlebenden des Konzentrationslagers stets gefordertes Zeichen der Erinnerung auf dem ehemaligen Appellplatz eingeweiht. Ein Mahnmal aus Bruchsteinen erinnert in drei Sprachen an die Opfer der SS-Gewalt in Wewelsburg. 

Info:
Wewelsburg. Kult- und Terrorstätte der SS
Neue DVD-Edition eines 1996 entstandenen Films,
ca. 30 Minuten, deutsch und englisch,14,90 Euro
Bezug: Museumsshop der Wewelsburg oder per Post beim Westfälischen Landesmedienzentrum,
medienzentrum@lwl.org, Tel: 0251 591-3902 (zzgl. 2,60 Euro Versandkosten)

Kontakt:
Kreismuseum Wewelsburg
Burgwall 19
33142 Büren-Wewelsburg
Telefon: (0049)-(0)2955-7622-0
Telefax: (0049)-(0)2955-7622-22
Kreismuseum.Wewelsburg@t-online.de
www.wewelsburg.de

Karneval in Münster vor 500 Jahren

Münsters Karneval besitzt eine lange Tradition. Vor 500 Jahren schon feierte man kostümiert und hinter Masken an den Tagen, bevor die Fastenzeit begann. „Münster außer Rand und Band?“ lautet der Titel eines historischen Themenabends im Stadtarchiv Münster am Montag, 20. Februar 2006, um 18 Uhr. 

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Wie feierten Münsteraner zu Karneval? Archivarin Irmgard Pelster wird bei dem historischen Streifzug Fastnachtsbälle in den Blick nehmen, über Umzüge und allerlei anderes ausgelassenes Treiben berichten. Das längst nicht bei jedem Gefallen fand: „Jeder that diese Zeit über, was ihm gelüstete und beliebte, ungestraft, und ward solches alles der Fastnacht zugeschrieben“, empörte sich Hermann Kerssenbrock um 1570. Dem Rektor des „Paulinischen Gymnasiums“ gefielen die Ausschweifungen überhaupt nicht. Das Stadtarchiv bewahrt in seinen modernen Magazinräumen die alten Chroniken, Plakate und Fotos auf, die Auskunft geben über die „Lustbarkeiten“ von früher. Beim Themenabend werden diese stadtgeschichtlichen Dokumente gezeigt. 

Der Eintritt ist frei. Wegen der begrenzten Teilnehmerzahl bittet das Stadtarchiv Münster, An den Speichern 8, jedoch um Anmeldung: Telefon 02 51 / 4 92 47 03 oder E-Mail: linkr@stadt-muenster.de

Quelle: Stadt Münster, Presseinformation, 14.2.2006 (Foto: Titelblatt des Programmheftes für den ersten Rosenmontagszug in Münster 1896).

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