Neuer Leiter des Stadtarchivs Braunschweig

Der Braunschweiger Kulturdezernent Wolfgang Laczny hat in einem Pressegespräch den neuen Leiter des Stadtarchivs Braunschweig, Dr. Henning Steinführer, vorgestellt. Zu den umfangreichen Aufgaben, die der 35-jährige in nächster Zeit mit seinem engagierten Team anpackt, gehört die komplette Verlagerung der wertvollen, bis in das 11. Jahrhundert zurückreichenden Bestände des Archivs vom bisherigen Gebäude am Löwenwall ins rekonstruierte Schloss. 

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„Durch diesen Umzug werden sich nicht nur die Bedingungen für die Lagerung der städtischen Archivalien von Grund auf verbessern, sondern das Archiv als solches wird an zentraler Stelle in der Innenstadt als Bestandteil der städtischen Kultureinrichtungen stärker in den Blickpunkt der Braunschweiger rücken“, sagte Laczny. Die sich daraus ergebenden Möglichkeiten gelte es in den nächsten Jahren zu nutzen. Ebenso seien die Herausforderungen zu meistern, die das Zeitalter der digitalen Daten an die Archivare stelle. 

Dr. Steinführer, 1970 geboren in Leipzig, studierte in seiner Heimatstadt sowie in München und Glasgow Geschichte, Latein und Historische Hilfswissenschaften. Er war Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes. Von 1998 bis 2001 arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Stadtarchiv Leipzig. 2002 wurde Steinführer an der Universität Leipzig mit einer Arbeit über spätmittelalterliche Stadtgeschichte promoviert. Das Referendariat für den höheren Archivdienst absolvierte er am Thüringischen Hauptstaatsarchiv in Weimar und an der Archivschule Marburg. Zuletzt war er als wissenschaftlicher Mitarbeit am Lehrstuhl für sächsische Landesgeschichte der Universität Leipzig tätig (Bearbeiter des Zwickauer Urkundenbuches im Rahmen des Codex diplomaticus Saxoniae, DFG-Projekt). In Braunschweig trat er die Nachfolge von Archivdirektorin Dr. Bettina Schmidt-Czaia (jetzt Köln) an. 

Kontakt:
Stadtarchiv Braunschweig
Löwenwall 18B
38023 Braunschweig 
Telefon: (05 31) 4 70-47 11/-47 19 
Fax: (05 31) 4 70-47 25 
stadtarchiv@braunschweig.de

Abb.: Der neue Leiter des Braunschweiger Stadtarchivs, Dr. Henning Steinführer, mit einer wertvollen alten Urkunde (Foto: Stadt Braunschweig). 

Quelle: Stadt Braunschweig, Pressemitteilung, 31.7.2006

Faksimile des Paffrather Roten Messbuchs im Stadtarchiv Bergisch-Gladbach

Der Vorstand der VR-Bank Bergisch Gladbach-Overath-Rösrath eG hat das einzige Faksimile des Paffrather Roten Messbuches als Dauerleihgabe dem Stadtarchiv Bergisch-Gladbach gestiftet. Die Paffrather Bank übergab die Rekonstruktion des wertvollen Roten Messbuchs anlässlich ihres 100-jährigen Bestehens. Das akribisch von Pastor Conrad Voeghe im 15. Jahrhundert geführte Messbuch war nicht nur maßgebend bei Rechtsstreitigkeiten, sondern gibt auch einen sehr guten Einblick in das damalige Alltagsleben. Denn der Pastor erläutert nicht nur die kirchlichen Rechtsbestimmungen, sondern hält auch genauestens alle Ein- und Ausgaben der Gemeinde fest und führt auch Protokoll über das Nachbarschaftsrecht des Paffrather Fronhofes.

Der Name des Messbuchs ist auf seinen roten Schafsledereinband zurückzuführen. Das Original, das aus 95 beschriebenen Kalbspergamentblättern besteht, befindet sich im Archiv der Pfarre St. Clemens in Paffrath. Das Faksimile wurde von Vertretern der Bank dem Stadtarchivar Albert Eßer und dem Fachbereichsleiter Lothar Speer übergeben. Letzterer hat das Buch vom Mittelhochdeutschen ins Hochdeutsche übertragen. Es kann jetzt zu wissenschaftlichen Forschungen benutzt werden.

Kontakt:
Stadtarchiv Bergisch Gladbach
Hauptstr. 310
D-51465 Bergisch Gladbach
Telefon: 02202-142212
Telefax: 02202-142216
archiv@stadt-gl.de 

Quelle: Matthias Niewels, Kölner Stadt-Anzeiger, 27.7.2006; Cityweb Bergisch-Gladbach

Internationales Interesse am Wiener Stadt- und Landesarchiv

Fünf Jahre nach der Eröffnung des Neubaus des Wiener Stadt- und Landesarchivs im Gasometer \“D\“ in Wien-Simmering – die feierliche Eröffnung fand am 29. September 2001 statt – hält das internationale Interesse an dieser ganz besonderen Archivbaulösung ungebrochen weiter an. Fachleute aus aller Welt überzeugen sich immer wieder von der hohen Qualität dieses Archivbaus im historischen Ambiente der Gasometer. 

So konnte Archivdirektor Dr. Opll am 12. Juli 2006 gemeinsam mit Dr. Michaela Laichmann eine Delegation von Archivarinnen und Archivaren eines der größten kirchlichen Archive Deutschlands, des Archivs des Erzbistums München und Freising, unter Leitung seines Direktors, Dr. Peter Pfister, empfangen. Am 25. Juli 2006 suchten dann 25 Archivarinnen und Archivare aus der Provinz Jilin im Nordosten Chinas, darunter insbesondere aus der Provinzhauptstadt Changchun, das Wiener Stadt- und Landesarchiv auf. Die Gäste unter Führung von Herrn Su Zhicheng, des Vizepräsidenten des Archivbüros der Provinz Jilin, zeigten sich überaus interessiert, eingehender von Geschichte und aktuellen Aufgaben des Wiener Archivs zu erfahren. In einem intensiven Dialog konnte Archivdirektor Dr. Opll gemeinsam mit Herrn Senatsrat Dr. Kretschmer die Informationswünsche der chinesischen Fachkolleginnen und -kollegen befriedigen. 

Kontakt:
ao. Univ.-Prof. Dr. Ferdinand Opll 
Direktor des Wiener Stadt- und Landesarchivs 
Leiter des Ludwig-Boltzmann-Instituts für Stadtgeschichtsforschung
Wiener Stadt- und Landesarchiv
Gasometer D
Guglgasse
A-1082 Wien
Tel. (Fax): 0043-1-4000-(99)84811
ferdinand.opll@archiv.wien.gv.at

Quelle: Presse- und Informationsdienst der Stadt Wien, Pressemitteilung, 26.7.2006

50 Jahre Leibniz-Forschungsstelle an der WWU Münster

50 Jahre Leibniz-Forschungsstelle an der WWU Münster

Die Leibniz-Forschungsstelle der Westfälischen Wilhelms-Universität wird 50 Jahre alt. Seit einem halben Jahrhundert werden in Münster in chronologischer Folge die philosophischen Schriften und Briefe von Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716) im Rahmen der zu Anfang des letzten Jahrhunderts begründeten historisch-kritischen Leibniz-Akademieausgabe herausgegeben. Die münstersche Forschungsstelle erschließt damit neben drei weiteren Arbeitsstellen in Hannover, Potsdam und Berlin einen der größten Nachlässe der Geistesgeschichte.

Der glückliche Umstand, dass fast der gesamte handschriftliche Nachlass von Leibniz erhalten geblieben ist, macht es möglich, die Gedanken des Universalgelehrten bis zu ihrer Entstehung zu verfolgen. Für Prof. Dr. Martin Schneider wird damit die Arbeit an der Edition aber auch zu einer \“besonders mühsamen und akribischen Aufgabe\“, die den Wissenschaftlern neben Sprachkompetenz auch \“detektivische Fähigkeiten\“ bei der Texterstellung der überwiegend in Latein und Französisch geschriebenen Texte abverlange.

Insgesamt sind bisher acht, teilweise über 1000 Seiten starke Bände erschienen, eine beachtliche Leistung angesichts der schwierigen Aufgabe und der begrenzten Zahl von zur Zeit drei wissenschaftlichen Mitarbeitern. Sieben der acht vorliegenden Bände enthalten die philosophischen Schriften von 1663 bis 1690 sowie im Vorgriff eine wichtige, sich mit Locke auseinander setzende Schrift aus den Jahren 1703 bis 1705. Rechtzeitig zum Jubiläum ist ein weiterer Band erschienen, die Neuauflage des bislang einzigen Briefbandes der philosophischen Korrespondenz von Leibniz aus den Jahren 1663 bis 1685. Dieser Band, dessen erste Auflage 1926 als reine Textausgabe erschienen war, liegt nun in erweiterter und vollständig neu bearbeiteter Auflage vor und erfüllt alle wissenschaftlichen Ansprüche.

Gerade dieser Briefband ist für Prof. Schneider von besonderem Interesse, \“weil hier der junge Leibniz – der am Ende seines Lebens auf 15.000 Briefe mit 1.100 Briefpartnern zurückblicken kann – die ersten Beziehungen zu berühmten Persönlichkeiten seiner Zeit knüpft\“. Auch der sich zeitlich anschließende zweite Briefband über die Korrespondenz zwischen 1686 und 1694 soll noch im laufenden Jubiläumsjahr abgeschlossen werden. Dieser Band wird unter anderem den wichtigen Briefwechsel von Leibniz mit dem Theologen Arnauld über seine \“Metaphysische Abhandlung\“ führte.

2006 verspricht damit ein besonders erfolgreiches Jahr in der Geschichte der Leibniz-Forschungsstelle in Münster zu werden, die 1956 von Prof. Dr. Erich Hochstetter als Institut der Westfälischen Wilhelms-Universität gegründet wurde. Nach Hochstetters Tod übernahm Prof. Dr. Heinrich Schepers 1969 die Leitung und behielt sie auch nach seiner Pensionierung im Jahr 1990 kommissarisch bis 1997, als Prof. Dr. Thomas Leinkauf ihm nachfolgte und Prof. Dr. Martin Schneider die Leitung der Edition übernahm. Das lange Zeit überwiegend aus Fördermitteln des Landes Nordrhein-Westfalen finanzierte Projekt wurde 1988 als Langzeitvorhaben in das Akademienprogramm aufgenommen und wird seitdem von der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen finanziert.

Die Leibniz-Forschungsstelle wird ihr 50jähriges Bestehen am 5. und 6. Oktober in Münster mit einer Festveranstaltung und einem Kolloquium feiern. Dabei wird Prof. Dr. Hans Poser (Berlin) dem langjährigen Leiter Prof. Dr. Heinrich Schepers nachträglich zur Vollendung seines 80. Lebensjahres in einem abendlichen Festvortrag über \“Leibniz\‘ dreifaches Freiheitsproblem\“ die Ehre erweisen.

Link: Leibniz-Forschungsstelle an der WWU Münster

Quelle: Pressestelle der Universität Münster, 26.7.2006

Ausstellung und Gedenkschrift über Ulmer Juden geplant

Zum 70. Jahrestag der Reichspogromnacht vom 9. November 1938 soll eine neue Dokumentation über das Leben der Juden in Ulm seit dem Mittelalter erarbeitet werden. Bisher galt das Werk von Heinz Keil aus dem Jahre 1961 zu diesem Thema als maßgeblich. Im Laufe der letzten Jahre haben sich jedoch durch neuere Forschungen und durch Befragungen Betroffener neue Erkenntnisse ergeben. 

Der Direktor des Stadtarchivs Ulm, Dr. Michael Wettengel, betont, dass großer Wert darauf gelegt werde, den vom Nazi-Regime verfolgten Mitgliedern der jüdischen Gemeinde Ulm ein Gesicht zu geben. Von den 500 jüdischen Einwohnern wurden etwa 140 Personen verschleppt und ermordet. Deren Leben soll anhand von Biographien und Fotos ausführlich dargestellt werden. Bei der Erstellung der Dokumentation und der Konzipierung der Ausstellung arbeitet das Stadtarchiv eng mit der jüdischen Gemeinde Ulm, der deutsch-israelischen Gesellschaft und dem Dokumentationszentrum Oberer Kuhberg zusammen.

Im Gegensatz zur Dokumentation, für die die Stadt Ulm 50.000 Euro zur Verfügung stellte, ist die Finanzierung der begleitenden Ausstellung noch nicht gesichert. Da die Stadt eine finanzielle Unterstützung ablehnte, werden nun private Sponsoren und Förderer gesucht, damit die Ausstellung wie geplant am 9. November 2008 im neuen Haus der Stadtgeschichte im Schwörhaus auf dem Weinhof stattfinden kann. Denn die 1870 erbaute Synagoge, die nach ihrer teilweisen Zerstörung im November 1938 kurze Zeit später von der nationalsozialistischen Stadtverwaltung abgerissen wurde, stand ebenfalls auf dem Weinberg.

Für Dr. Wettengel ist eine baldige Realisierung der beiden Projekte von großer Bedeutung, da er hofft, noch viele Zeitzeugen zu diesem Thema befragen zu können. Einen Bildband, in dem 54 Ulmer Juden, die den Holocaust überlebt haben, ihr Schicksal während der Nazi-Diktatur und in den ersten Nachkriegsjahren schildern, hat das Stadtarchiv bereits im Jahre 1991 herausgegeben.

Kontakt:
Stadtarchiv Ulm
Schwörhaus
Weinhof 12
89073 Ulm 
Telefon 0731/161-4200 
Telefax 0731/161-1633
stadtarchiv@ulm.de

Quelle: Schwäbische Zeitung online, 26.7.2006

Der deutsche Beitrag zum Wiederaufbau Palästinas im 19. Jahrhundert

Am Vorabend des Ersten Weltkrieges lebten ca. 5000 europäische Christen im Heiligen Land, davon stammte über die Hälfte aus Deutschland. Ihr Anteil an der Entwicklung Palästinas im ausgehenden 19. Jahrhundert war dementsprechend bedeutend. Ziel der Ausstellung "Mission Palästina. Der deutsche Beitrag zum Wiederaufbau Palästinas im 19. Jahrhundert", die bis zum 15. September 2006 im Bayerischen Hauptstaatsarchiv gezeigt wird, ist es, diesen weithin in Vergessenheit geratenen Beitrag deutscher Christen in seiner Vielfältigkeit bewusst zu machen und anschaulich zu präsentieren. In den einzelnen Teilen der Ausstellung werden zunächst Bevölkerung und Landschaft Palästinas im 19. Jahrhundert vorgestellt, gefolgt von den Anfängen deutscher Missions- und Siedlungstätigkeit (die heute noch im Stadtbild von Haifa oder im \“deutschen Viertel\“ von Jerusalem sichtbar sind). Auch die Erforschung Palästinas durch Deutsche im 19. Jahrhundert wird dokumentiert.

Die Ausstellung wurde noch von dem am 18. Dezember 2002 verstorbenen Historiker Prof. Dr. Dr. h. c. Alex Carmel konzipiert. Carmel, am 17. Juni 1931 in Berlin geboren und als Achtjähriger mit seinen Eltern nach Haifa geflüchtet, hatte im Jahre 1987 an der dortigen Universität das \“Gottlieb-Schumacher-Institut zur Erforschung des christlichen Beitrages zum Wiederaufbau Palästinas im 19. Jahrhundert\“ gegründet. Die Ausstellung \“Mission Palästina\“, das letzte vollendete Projekt Carmels, wurde zuerst in Haifa gezeigt, dann in der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart (10. Oktober – 23. Dezember 2003) und zuletzt unter der Schirmherrschaft des verstorbenen Bundespräsidenten Johannes Rau in der Staatsbibliothek zu Berlin (10. Januar – 6. März 2004).

Die Verwirklichung der Wanderausstellung wurde ermöglicht durch die finanzielle Unterstützung der Carmel-Stiftung in Stuttgart und weiterer privater Sponsoren, denen auch die jetzige Station in München zu verdanken ist. Nach dem Tod von Prof. Carmel wird die Carmel-Stiftung weiterhin gezielt die Erforschung christlichen Wirkens in Palästina fördern.

Die Ausstellung wird in München ergänzt durch die Präsentation von Luftbildaufnahmen aus den Beständen des Bayerischen Hauptstaatsarchivs. Die Bilder wurden von der Fliegertruppe der Bayerischen Armee während des Ersten Weltkrieges in Palästina aufgenommen.

Die Ausstellung wurde 17. Juli 2006 im Bayerischen Hauptstaatsarchiv eröffnet. Nach der Begrüßung durch Prof. Dr. Hermann Rumschöttel, dem Generaldirektor der Staatlichen Archive Bayerns, sprachen Jürgen Prockl, der Vorsitzende der Carmel-Stiftung, und Botschaftsrat Joel Lion von der Botschaft des Staates Israel in der Bundesrepublik Deutschland. In die Ausstellung führte Dr. Yaron Perry ein, langjähriger Mitarbeiter von Prof. Dr. Alex Carmel und dessen Nachfolger auf dem Lehrstuhl an der Universität Haifa. Die Eröffnung der Ausstellung nahm schließlich Prof. Dr. H. C. Reinhold Würth, Beiratsvorsitzender der Würth-Gruppe, vor.

Info:
Mission Palästina. Der deutsche Beitrag zum Wiederaufbau Palästinas im 19. Jahrhundert
Eine Ausstellung im Bayerischen Hauptstaatsarchiv
Schönfeldstraße 5, München
18. Juli bis 15. September 2006

Öffnungszeiten der Ausstellung: Montag-Donnerstag 8.00-18.30 Uhr, Freitag 8.00-17.30 Uhr; am 15. August geschlossen.
Der Eintritt ist frei. Zur Ausstellung erscheint ein Begleitheft.

Download:

350 Jahre Wittelsbacher Fürstentum Pfalz-Sulzbach

Der Neuburger Hauptvergleich von 1656, mit dem Pfalz-Sulzbach seine Unabhängigkeit von Pfalz-Neuburg erreichte, jährt sich in diesem Jahr zum 350. Mal. Aus diesem Anlass präsentieren das Stadtmuseum Sulzbach-Rosenberg und das Staatsarchiv Amberg noch bis zum 17. September 2006 in der ehemaligen Residenzstadt Sulzbach eine Ausstellung, die anhand einer Vielzahl ausgewählter Exponate die Geschichte des Fürstentums Pfalz-Sulzbach dokumentiert (hier: Plakat zur Ausstellung).

Das Territorium dieses jüngsten wittelsbachischen Fürstentums umfasste das Landgericht mit der Residenzstadt Sulzbach sowie die Ämter Parkstein-Weiden, Floß, Vohenstrauß und Pleystein. Unter dem bedeutendsten Sulzbacher Pfalzgrafen Christian August (1645-1708) entwickelte sich die Residenz, geprägt vom religiösen Toleranzgedanken des Fürsten, zu einem europäischen Geisteszentrum. Sein Kanzler Christian Knorr von Rosenroth, Dichter des noch heute gesungenen Kirchenliedes \“Morgenglanz der Ewigkeit\“ übersetzte zahlreiche frühaufklärerische Werke in das Deutsche und edierte die hebräische \“Kabbala Denudata\“. Knorr von Rosenroth wurde von dem Philosophen Gottfried Wilhelm Leibniz beeinflusst, der einige Tage in Sulzbach weilte. Die Ansiedlung von Juden im Jahr 1666 und die Privilegierung von Druckereibetrieben ließen das Fürstentum zu einem europaweit beachteten Druckort vor allem auch für hebräische Druckwerke in Erscheinung treten. 

Das Simultaneum im Fürstentum Pfalz-Sulzbach – die Gleichberechtigung der katholischen und protestantischen Konfession – war bei seiner Einführung 1652, kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg, in seiner Ausprägung einzigartig. Damit waren die Untertanen nicht mehr gezwungen, dem Konfessionswechsel des Landesherrn zu folgen. Karl Theodor (1733-1799), der letzte Wittelsbacher aus der Pfalz-Sulzbacher Linie, trat 1742 die Regierung in der Kurpfalz und den Herzogtümern Jülich und Berg an. 1777 erbte er das Kurfürstentum Bayern. Insgesamt vereinigte er damit sieben Länder unter seiner Herrschaft.

Die Ausstellung in Sulzbach-Rosenberg wird an zwei Orten gezeigt: In der Klosterkaserne beim Schloss Sulzbach (Außenstelle Staatsarchiv Amberg, Luitpoldplatz 13) werden die Herrschafts- und Territorialgeschichte, die Pfalzgrafen und das Land, über das sie herrschten, präsentiert. Das Stadtmuseum Sulzbach-Rosenberg zeigt das Leben im barocken Fürstentum: Wie lebten Fürst und Familie in der Residenz, wie die Untertanen in den Städten und Dörfern? Wie prägten Religion, Kunst und Kultur, Handel und Handwerk das Land?

Neben Original-Portraits der Sulzbacher Pfalzgrafen mit Leihgaben aus München, Heidelberg und Mannheim, wird erstmalig in dieser Dichte eine Sammlung von ca. 30 Sulzbacher Fayencen gezeigt. Außerdem konnten zwei Kelche und eine Thorarolle aus der Sulzbacher Synagoge in den USA ausfindig gemacht und für die Ausstellung gewonnen werden. Begleitend zur Ausstellung wird ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm mit Führungen, Exkursionen, Vorträgen und Konzerten angeboten. Ein Aufsatzband mit ausführlichem Katalogteil ist in Vorbereitung.

Kontakt:
Stadtmuseum Sulzbach-Rosenberg
Neustadt 14-16
92237 Sulzbach-Rosenberg
Tel. 09661/510-131
Fax 09661/811-000
stadtmuseum.sulzbach-rosenberg@asamnet.de

Staatsarchiv Amberg
Archivstr. 3
92224 Amberg
Tel. 09621/307-270
Fax 09621/307-288
poststelle@staam.bayern.de 

Neuer Leiter des Staatsarchivs Bamberg

Zum 1. August 2006 löst Dr. Stefan Nöth den langjährigen Leiter des Staatsarchivs Bamberg, Dr. Rainer Hambrecht, im Amt ab. Sechs Jahre lang stand Dr. Hambrecht an der Spitze des Bamberger Staatsarchivs und hat es trotz mancher Schwierigkeiten  nicht nur im organisatorischen und technischen, sondern auch im baulichen und konservatorischen Bereich geschafft, den Charakter eines lebendigen Hauses der Geschichte zu erhalten. 

In einer Feierstunde wurde Dr. Hambrecht am 24. Juli 2006 nach mehr als 30jähriger Tätigkeit im Archivdienst in den Ruhestand  verabschiedet. In seiner Rede betonte der Generaldirektor der Staatlichen Archive Bayerns, Professor Dr. Hermann Rumschöttel, dass Dr. Hambrecht in den 24 Jahren, in denen er in oberfränkischen Archiven tätig war, deren Erscheinungsbild nachhaltig geprägt habe.

Hambrechts Nachfolger Dr. Nöth, seit August 2000 Leiter des Staatsarchivs Coburg, ist mit den riesigen Beständen des Staatsarchivs Bamberg bestens vertraut, denn von 1997 bis 2000 war er dort bereits stellvertretender Leiter. Auf mehr als 20 Regalkilometern stapeln sich etwa 1,8 Millionen Archivalien. Die bestehende Raumknappheit soll jedoch in naher Zukunft mit einem Magazinneubau beseitigt werden.

Kontakt:
Staatsarchiv Bamberg 
Hainstr. 39 
96047 Bamberg 
Tel. 0951/98622-0, 
Fax 0951/98622-50 
poststelle@staba.bayern.de

Quelle: Harald Rieger, Fränkischer Tag, 25.7.2006

Archiv des Studienseminars St. Michael in Traunstein historisch aufgearbeitet

Das Traunsteiner Studienseminar, 1929 von Kardinal Michael Faulhaber gegründet,  war besonders im April 2005  – nach der Wahl Josef Ratzingers zum Papst – in den Mittelpunkt des Interesses gerückt. Denn Ratzinger war von 1939 bis 1943 im Alter von 12 bis 16 Jahren, Schüler dieses Seminars gewesen. Gemeinsam mit seinem Bruder Georg zählt er somit zu dessen bekanntesten Zöglingen.

Um möglichen Spekulationen – besonders von Seiten britischer und amerikanischer Journalisten –  einer Verstrickung Ratzingers in das Naziregime entgegenzutreten, ordnete Kardinal Friedrich Wetter, Erzbischof von München und Freising an, dass das Archiv des Seminars erschlossen und für die Forschung gesichert werden solle. Das Ergebnis dieser Arbeit ist jetzt als Band 11 der Schriftenreihe des Erzbistums München und Freising, (erschienen im Verlag Schnell und Steiner, Regensburg), der Öffentlichkeit präsentiert worden. Der Historiker Volker Laube hat in seinem 230 Seiten umfassenden Werk das Seminarleben seit der Gründung und insbesondere während der Zeit des Nationalsozialismus ausführlich dargestellt. 

So kann man unter anderem lesen, dass das Nazi-Regime die Schüler verunglimpfte und unter Druck setzte, um sie zum Eintritt in die Hitler Jugend (HJ) zu bewegen. Das stärkste Druckmittel hierbei sollte eine Verknüpfung von ermäßigtem Schulgeld mit dem Eintritt in die HJ im Jahre 1938 sein. Doch auch diese Maßnahme führte zu keinem Erfolg, denn das Erzbistum übernahm die Kosten für die betroffenen Schüler. Nachdem auch mehrere Versuche fehlgeschlagen waren, das Seminar zu schließen, – sie scheiterten am energischen Widerstand Kardinal Faulhabers – ließ erst die Pflichtmitgliedschaft in der HJ im Jahr 1939 den Seminaristen keine andere Wahl. Allerdings war das Seminarleben inzwischen schon weitgehend zum Erliegen gekommen. Nach Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde ein Großteil der 135 Seminaristen zur Wehrmacht, zur Luftwaffe und zum Reichsarbeitsdienst einberufen.. Währenddessen wurde das von der Wehrmacht beschlagnahmte Seminar in ein Lazarett umgewandelt.

Wie der Direktor des Archivs der Erzdiözese München und Freising, Peter Pfister, bei der Buchpräsentation am 20. Juli 2006 hervorhob, sei es auf der Grundlage dieser Arbeit nun leichter zu belegen, dass es keine freiwillige Verbindung der Seminaristen zum Nazi-Regime gegeben hat. Ähnlich äußerte sich auch der Direktor des Studienseminars, Thomas Frauenlob, in einem Vorwort zu dem vorgelegten Band. Er betont, dass die Aufarbeitung des Seminararchivs geboten gewesen sei, um „historisch belegbar die Vergangenheit des Seminars zu klären“ und der wissenschaftlichen Forschung zur Verfügung zu stellen. Unmittelbar vor dem Besuch des Papstes in seiner bayerischen Heimat im September dieses Jahres sei durch diese Arbeit die ablehnende Haltung der Seminarleitung und der Schüler gegenüber den Machthabern des Dritten Reiches „zu einer mit Dokumenten belegbaren Tatsache geworden“. 

Und auch Volker Laube hob in Bezug auf Papst Benedikt XVI. hervor, dass dessen Entscheidung zum Priestertum  in einer Zeit weltanschaulicher Polarisierung und auf dem Hintergrund dieser Erfahrungen mit dem Nationalsozialismus getroffen worden sei. Die neu erforschte Geschichte des Traunsteiner Studienseminars ermögliche somit eine gerechtere Beurteilung der persönlichen Haltung Ratzingers in der NS-Zeit. 

Quelle: Erzbistum München und Freising, Pressemeldung, 20.7.2006; Traunsteiner Tagblatt, 21.7.2006

Ausstellung über Papst Benedikt XVI. in München

Wenige Wochen bevor Papst Benedikt XVI. vom 9. bis 14. September 2006 seine bayerische Heimat besuchen wird (Link), zeigt eine große Ausstellung in München in Wort, Foto und Film die besondere Beziehung des Heiligen Vaters zu seinem Heimatbistum, der Erzdiözese München und Freising. Hier ist er aufgewachsen. Seine Kindheit und Jugend hat er in Orten des Erzbistums verbracht. In Freising und München hat er Theologie studiert. 1951 wurde er zum Priester geweiht und begann in Freising seine Laufbahn als Hochschullehrer. Von 1977 bis 1982 leitete er als Oberhirte die Erzdiözese München und Freising. 

Die vom Archiv der Erzdiözese München und Freising zusammengestellte Ausstellung in der ehemaligen Karmeliterkirche (Karmeliterstraße 1, nahe dem Promenadeplatz) trägt den Titel „Lebendige Kirche – lebendige Heimat. Joseph Ratzinger und das Erzbistum München und Freising“. In zahlreichen Exponaten wird das Leben und Wirken des Papstes in der Erzdiözese bis in die jüngste Vergangenheit dokumentiert und vorgestellt. Die Ausstellung wurde am 24. Juli durch den Direktor des Archivs, Peter Pfister, präsentiert und von Kardinal Friedrich Wetter offiziell eröffnet. Für die Öffentlichkeit ist die Ausstellung bis zum 24. September täglich von 10.00 bis 18.00 Uhr geöffnet.

Die Ausstellungseröffnung wurde bewusst auf den 24. Juli gelegt. Es ist der 30. Todestag von Kardinal Julius Döpfner, der unmittelbarer Vorgänger von Kardinal Ratzinger im Amt des Erzbischofs von München und Freising war. Zur Ausstellung ist auch ein Begleitbuch vorgesehen, das umfangreich über Leben und Wirken des jetzigen Papstes im Erzbistum informiert. Von besonderem Interesse ist auch eine vom Papst selbst autorisierte Zusammenfassung, die aus personenbezogenen Unterlagen aus dem Archiv des Traunsteiner Studienseminars St. Michael mit Daten und Aussagen von Joseph Ratzinger aus dieser Zeit zusammengestellt worden ist. Damit wird das bereits herausgegebene Quellenmaterial über das Erzbischöfliche Studienseminar St. Michael in Traunstein und sein Archiv noch einmal erweitert. Ratzinger besuchte von 1939 bis 1943 das Studienseminar, aus dem seit der Gründung im Jahr 1929 durch Kardinal Michael Faulhaber zahlreiche Priester des Erzbistums hervorgegangen sind.

Quelle: Erzbistum München und Freising, Pressemeldung, 21.7.2006

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