Streifzug durch Dinslakener Historie

Immer mehr Bürger lassen sich bei Stadtführungen gern die Augen öffnen, vor allem zu historischen Themen. Geschichten „Vom Pranger, Stadtpförtner und adeligen Damen“ erzählt Gisela Marzin vom Stadtarchiv Dinslaken am Donnerstag, 14. September, bei einem Stadtrundgang, der um 15 Uhr auf dem Rathaus-Innenhof beginnt. Maximal 20 Personen können teilnehmen. Als Kostenbeitrag werden 4,50 Euro fällig. Anmeldungen nimmt das Stadtarchiv (Telefon 02064 / 66 269) entgegen. 

Der Streifzug durch die Dinslakener Historie dauert etwa 90 Minuten. Zu hören ist unter anderem der Eid, den der Stadtpförtner schwor. Die Teilnehmer erfahren, welche Schätze die Dinslakener im Mittelalter für ihre Kirche anschafften und wo und warum die Bürger damals am Pranger stöhnten und litten. Wo das Stadtbild nicht mehr ans Mittelalter erinnert, helfen reproduzierte Originalurkunden, Fotos und historische Stadtpläne, um sich einen Eindruck vom Gestern zu verschaffen. 

Kontakt:
Stadtarchiv Dinslaken
Platz d’Agen 1
46535 Dinslaken
Tel.: 02064 – 66 268
Fax: 02064 – 66 11 268
stadtarchiv@dinslaken.de

Quelle: Stadt Dinslaken, 30.8.2006

Tag des schriftlichen Kulturerbes am 2. September

Beim Brand der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar am 2. September 2004 wurden neben einem großen Teil der historischen Bausubstanz und Werken der Bildenden Kunst vor allem kulturgeschichtlich einmalige Buchbestände zerstört. Der Brand in der Anna Amalia Bibliothek hat die Aufmerksamkeit aller Deutschen mit einem Schlag auf ein Kulturgut gelenkt, das sonst in der Öffentlichkeit eher stiefmütterlich behandelt wird: das Buch. Zahllose Spender waren spontan bereit zu helfen, Prominente haben sich für die Bibliothek in Weimar eingesetzt, die Presse hat in großem Umfang berichtet.

Mit der Aktion Lesezeichen am 2.9.2005 haben Bibliotheken und Archive in Deutschland ein gemeinsames, sichtbares Zeichen in der Öffentlichkeit gesetzt, um auf die Gefährdung des schriftlichen Kulturerbes hinzuweisen. Erstmalig sind sie mit einer Stimme vernehmbar für den Schutz des schriftlichen \“Gedächtnisses der Menschheit\“ eingetreten. \“Rettet die alten Bücher – nicht erst, wenn sie brennen\“: Diesem Appell von Michael Knoche, dem Direktor der Herzogin Anna Amalia Bibliothek, folgen zahlreiche Bibliotheken und Archive nun bereits zum zweiten Mal. Am Samstag, 2. September 2006, gibt es eine Neuauflage der Veranstaltung.

Abgesagt wurde allerdings kurzfristig die Zentralveranstaltung des Tages des schriftlichen Kulturerbes, nachdem die Deutsche Stiftung schriftliches Kulturerbe wochenlang für den 2. September geworben hatte. Man müsse die geplanten Aktivitäten für den Tag des schriftlichen Kulturerbes "unter dem Druck von Teilen der ,Allianz zur Erhaltung des schriftlichen Kulturgutes\‘ aufgeben", teilt die Stiftung in einem offenen Brief an die Allianz mit, hofft aber, dass die Bibliotheken und Archive die eigenen Veranstaltungen anlässlich des Jahrestages dennoch unbeirrt durchführen.

In Mönchengladbach beispielsweise bietet die Zentralbibliothek an der Blücherstraße um 10.00 und 12.00 Uhr Führungen durch die Historischen Sammlungen im Turmmagazin an. Dabei werden auch kostbare Bücher gezeigt, die älter als 500 Jahre alt und sonst nicht zu sehen sind. Das Stadtarchiv Mönchengladbach lädt um 14.00 Uhr zu einer Führung mit dem Schwerpunkt \“Kreuzherrenbibliothek Wickrath\“ ein. 

Bereits um 11 Uhr trifft Oberbürgermeister Norbert Bude – selbst Buchpate – in der Stadtbibliothek Bürgerinnen und Bürger, die sich in den vergangenen zwei Jahren in der Initiative BÜCHER SUCHEN PATEN engagiert haben, um ihnen für das Engagement zu danken und gemeinsam mit Fachbereichsleiter Guido Weyer eine Urkunde zu überreichen. Bei dieser Gelegenheit können auch die \“Patenkinder\“ – also die inzwischen mit Hilfe der Spendengelder restaurierten Bücher – besichtigt werden. 

Kontakt:
Stadtarchiv Mönchengladbach
Aachener Str. 2
41050 Mönchengladbach
Telefon: 02161-253241
Telefax: 02161-253259
stadtarchiv@moenchengladbach.de 

Zentralbibliothek 
Bibliothek
Blücherstraße 6
41061 Mönchengladbach
Tel.: (0 21 61) 25 – 6354
Fax: (0 21 61) 25 – 6369
renate.minnich@moenchengladbach.de

Quelle: Pressemeldung Stadt Mönchengladbach, 30.8.2006

125 Jahre Stadtarchiv Leipzig

Obwohl der eigentliche Jubiläumstag der 1. Oktober 2006 ist, an dem vor 125 Jahren der Philologe und Historiker Gustav Wustmann zum ersten Direktor des Stadtarchivs ernannt und damit das Stadtarchiv als wissenschaftliche Einrichtung gegründet wurde, eröffnet das Stadtarchiv die Jubiläumsfeierlichkeiten bereits am 31.8.2006 mit der Ausstellung "Archive – Netzwerke der Gegenwart, Brücken zwischen Vergangenheit und Zukunft".

Die Ausstellung zeigt die Entwicklung der Institution Stadtarchiv vom Jahr 1881 bis zur Gegenwart unter den verschiedensten Gesellschaftssystemen auf. Die Aufgaben des Stadtarchivs werden ebenso dargestellt wie die vielfältigen Arbeitsbeziehungen, die es zu anderen Einrichtungen der Stadt Leipzig, zu Bildungseinrichtungen und Vereinen unterhält. Interessant ist, wie die technische Entwicklung der vergangenen Jahre die Arbeit der Archivare verändert hat. Wo früher Tinte und Feder bereit standen, sind heute moderne Computer zu sehen und Fotos erhält man nicht mehr als Papierabzug, sondern als Datei.

Besucher können in der Ausstellung die wertvollsten Archivalien sehen, die das Stadtarchiv als \“Gedächtnis der Kommune\“ verwahrt und die aus Gründen der Erhaltung nur selten öffentlich zu sehen sind. Zu diesen Kostbarkeiten zählen unter anderem die Urkunde über die Stadtrechtsverleihung um 1165, der so genannte Stadtbrief, das kaiserliche Messeprivileg von 1507, der Anstellungsvertrag, den die Stadt Leipzig 1723 mit Johann Sebastian Bach schloss, und der Ehrenbürgerbrief für den ersten Oberbürgermeister Leipzigs Otto Georgi, den Max Klinger gestaltete. Zu den Aufgaben des Stadtarchivs gehört es, diese einmaligen Unterlagen der internationalen und nationalen Geschichte sowie der Stadtgeschichte für kommende Generationen als Quellen der Geschichtsschreibung zu erhalten und zur Verfügung zu stellen. 

Das Stadtarchiv Leipzig, seit 1994 in dem für Archivzwecke rekonstruierten Gebäude Torgauer Straße 74 untergebracht, gehört zu den bedeutendsten kommunalen Archiven in Deutschland und wird von Dr. Beate Berger geleitet. Es ist zuständig für die archivalische Überlieferung aus der Tätigkeit der Stadtverwaltung Leipzig, der städtischen Einrichtungen, der unter städtischer Verwaltung stehenden Stiftungen sowie der städtischen Eigenbetriebe und Mehrheitsbeteiligungen. Seine Bestände, die ca. 10 000 laufende Meter Akten und Geschäftsbücher, mehr als 4.000 Urkunden, rund.75.000 Karten und Pläne, 325.000 Fotos und Postkarten sowie Leipziger Zeitungen und anderes Sammlungsgut umfassen, sind wichtige Quellen für die Geschichte Leipzigs von der Stadtrechtsverleihung um 1165 bis in die jüngste Vergangenheit. Den jährlich mehr als 1 000 Archivnutzern steht ein modern ausgestatteter Lesesaal mit 36 Arbeitsplätzen, acht Lesegeräten und zwei Kartentischen zur Verfügung. Im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit werden Vorträge, Ausstellungen und Führungen angeboten. Eine Übersicht über die Bestände des Stadtarchivs Leipzig kann zum Preis von 15 Euro beim Benutzerdienst oder im Buchhandel erworben werden. 

Info:
Ausstellung "Archive – Netzwerke der Gegenwart, Brücken zwischen Vergangenheit und Zukunft" – Ausstellung zum Jubiläum 125 Jahre Stadtarchiv Leipzig vom 31.8.2006 bis 31.7.2007

Kontakt:
Stadtarchiv Leipzig 
Torgauer Str. 74
04092 Leipzig 
Telefon:  0341 / 24 29-0
Fax:  0341 / 24 29 121
stadtarchiv@leipzig

Quelle: Newsarchiv der Stadt Leipzig; Leipziger Internetzeitung, 30.8.2006; Stadtarchiv.

Streifzug durch 800 Jahre Dresdner Stadtgeschichte

Nach seinem Umzug aus dem Königlich-Sächsischen Heeresarchiv Anfang 2000 in den Speicher der ehemaligen Königlich-Sächsischen Heeresbäckerei bietet das Stadtarchiv Dresden in einer Sonderausstellung ab dem 5. September 2006 allen Interessierten die Möglichkeit, wichtige Dokumente und Urkunden aus der 800jährigen Stadtgeschichte zu besichtigen. Von Archivdirektor Thomas Kübler und seinen Mitarbeitern wurden dabei vor allem solche Archivalien aus der Schatzkammer ausgewählt, die bisher entweder noch gar nicht oder nur wenigen Personen gezeigt wurden. In 16 Vitrinen und auf 24 Schautafeln werden unter anderem Briefe und Handschriften von Goethe und Rilke, vor allem aber Dokumente, die die Entwicklung des Dresdner Bürger-, Stadt-, Steuer- und Gewerberechts aufzeigen, präsentiert. Dazu zählt auch eine Urkunde des Markgrafen Heinrich aus dem Jahre 1260, in der die Dresdner Bürger das Recht erhielten, von allen Schuldnern, die in die Stadt kamen, ein Pfand zu verlangen. Von großer Bedeutung sind auch die ausgestellten Wachstafeln, in denen Stadtschreiber in den Jahren 1437 bis 1456 die Einnahmen und Ausgaben des Städtischen Haushaltes sowie die Namen aller Neubürger einritzten. Außer in Dresden gibt es solche Dokumente nirgendwo in Deutschland. Aber auch auf aktuelle Ereignisse – wie den Streit um den Bau der Waldschlösschenbrücke – wird durch die Urkunde Bezug genommen, in der die Unesco das Dresdner Elbtal zum Weltkulturerbe erklärt.

Zu den Exponaten zählen auch eine Kupferkapsel mit Originalurkunde aus dem Jahr 1910, die vor mehreren Monaten bei Arbeiten am mittleren Sandsteinsockel an der Augustusbrücke entdeckt worden war sowie eine „Flaschenpost“ von 1949. Nachdem die Fundstücke durch das Stadtarchiv Dresden und dem Amt für Kultur und Denkmalschutz entnommen, ausgewertet und konservatorisch behandelt wurden, kamen sie Anfang August als Kopie in einer neuen Kupferkapsel zurück an ihren Platz. Von der Originalurkunde, die die feierliche Übergabe vom 24. August 1910 dokumentiert, wurde ebenso wie vom Inhalt der Flaschenpost der die Personen aufführt, die am Wiederaufbau der zerstörten Brücke von 1945 beteiligt waren, eine Kopie angefertigt. Beide Kopien sowie ein Abdruck der äußeren Gravur der alten Kapsel liegen der neuen Kapsel bei, während sämtliche Originale im Stadtarchiv verbleiben.

Die Ausstellung widmet sich auch den Problemen bei der Erhaltung von Schriftgut. In zwei Vitrinen ist aufgezeigt, mit welchen Schäden ein Archiv zu kämpfen hat, sei es durch Papierzerfall oder Pilzbefall. Neben den Verlusten durch die Bombennacht vom 13. Februar 1945 gab es auch solche durch die Revolutionskämpfe der Jahre 1830 und 1849. Dennoch verfüge man über das zweitgrößte Stadtarchiv in Deutschland, betont Archivdirektor Thomas Kübler.

Info:
\“Schätze aus dem Stadtarchiv\“, Ausstellung im Stadtarchiv, Elisabeth-Boer-Straße 1.  5. September bis 1. Dezember 2006, Mo. u. Mi. 9- 16, Di. und Do. 9-18, Fr. 9-12 Uhr

Kontakt:
Stadtarchiv Dresden
Elisabeth-Boer-Straße 1 
01099 Dresden
Tel.:0351-4881515 
Fax: 0351-4881503 
stadtarchiv@dresden.de

Quelle: Peter Weckbrodt, Dresdner Neueste Nachrichten Online, 29.8.2006; Das Neue Stadtarchiv Dresden ; Pressemeldung der Stadt Dresden, 8.8.2006

Kreisky Archiv Grundlage für wissenschaftliche Forschungen

Das Archiv des ehemaligen österreichischen Bundeskanzlers und Parteivorsitzenden der SPÖ, Bruno Kreisky (1911-1990), befindet sich im alten Gebäude des Vorwärts-Verlags in Wien. Die Stiftung Bruno Kreisky Archiv wurde 1984 gegründet. Seit 1985 sichert und erfasst sie alle audiovisuellen und schriftlichen Quellen, die sich auf Kreisky als Staatsmann, Politiker und Diplomat beziehen.  Wissenschaftliche Leiterin des Archivs ist Dr. Maria Mesner. Gemeinsam mit sechs Kollegen (davon drei Halbtagskräften), verwahrt und katalogisiert sie nicht nur den Kreisky-Nachlass, der in 2.000 Archivkartons untergebracht ist, sondern setzt sich auch wissenschaftlich damit auseinander. Das Spektrum der Veröffentlichungen ist vielschichtig und hat nicht nur die Globalisierung oder eine Vergleichsstudie zwischen Schweden und Österreich zum Thema, sondern befasst sich auch mit der Abtreibungsdiskussion während der Regierungszeit Kreiskys. Zu den Benutzern des Archivs (etwa 100 jährlich) zählen vor allem Historiker, Lehrer und Journalisten, die sich ein unverfälschtes Bild über Kreisky und seine Regierungszeit machen möchten.

Ergänzt wird der schriftliche Nachlass Kreiskys durch zahlreiche Gastgeschenke, die er während seiner Amtszeit erhalten hat. Hierzu gehören unter anderem Silberleuchter und Paradedolche aus dem arabischen Raum. Aber auch das Modell der Wiener UNO-City, geschaffen vom österreichischen Architekten Johann Staber , findet sich hier, denn ohne den Einsatz Kreiskys wäre das Projekt wohl nicht verwirklicht worden.

Kontakt:
Bruno Kreisky Archiv
Rechte Wienzeile 97
A-1050 Wien 
Telefon: ++43/1/545 75 3532
Fax: ++43/1/545 30 97
maria.mesner@univie.ac.at
www.kreisky.org/index_archiv.htm

Quelle: die presse.com, 25.8.2006, Bruno-Kreisky Archiv.

Die Gesellschaft des Gettos Litzmannstadt (Lodz)

Die Geschichte der Juden im Getto Litzmannstadt (Lodz) ist längst geschrieben, allerdings nur aus der Außenperspektive. Wie die Menschen selbst ihren Alltag empfunden und gestaltet haben, wie sie auf die Deportationen und die Schikanen durch die Besatzer umgegangen sind, wird erst jetzt bekannt: In ihrer soeben erschienen Bochumer Dissertation hat die Historikerin Dr. Andrea Löw die zahlreichen Selbstzeugnisse von Juden aus dem Getto Litzmannstadt in deutscher, polnischer und jiddischer Sprache erstmals systematisch ausgewertet, um auf dieser Grundlage die Geschichte von Menschen im Getto aus deren Perspektive zu erzählen. Sie untersucht \“Lebensbedingungen, Selbstwahrnehmung, Verhalten\“. Die Arbeit entstand am Lehrstuhl von Prof. Dr. Norbert Frei (Historisches Institut der RUB/jetzt Universität Jena), veröffentlicht wurde sie nun in der "Schriftenreihe zur Lodzer Gettochronik", die gemeinsam von der Arbeitsstelle Holocaustliteratur (Universität Gießen) und dem Staatsarchiv in Lodz herausgegeben wird.

Zumindest die Texte sollten überdauern
\“Viele Schrecknisse gerieten in Vergessenheit. Viele Schrecknisse (Schandtaten) hatten keine Zeugen. Viele Schrecknisse waren derart, daß ihre Darstellung keinen Glauben fand. Aber sie sollen in der Erinnerung leben bleiben.\“ Oskar Rosenfeld schrieb diese Zeilen im Mai 1942 angesichts der Deportation von Juden aus dem Getto Litzmannstadt (Lodz) in das Vernichtungslager Kulmhof (Chelmno) in sein Tagebuch. Der Wiener Schriftsteller, im Herbst 1941 aus Prag ins Getto deportiert, war nur einer von vielen Menschen im Getto Litzmannstadt, die Aufzeichnungen machten, damit Leben und Sterben im Getto nicht in Vergessenheit geraten würde. Innerhalb der jüdischen Verwaltung wurde zu diesem Zweck sogar eigens ein Archiv eingerichtet, in dem vor allem in einer umfangreichen Tageschronik aufgeschrieben wurde, was im Getto geschah. Juden unter nationalsozialistischer Verfolgung wollten dokumentieren, wollten mitbestimmen, wie später an die Verbrechen erinnert wird – zumindest ihre Texte sollten überdauern.

Alltag, kulturelle \“Gegenwelt\“, Liebe und Freundschaft
In der polnischen Stadt Lodz hatten vor dem Einmarsch der Deutschen rund 233.000 Juden gelebt, sie stellten etwa ein Drittel der Gesamtbevölkerung. Als im September 1939 die Deutschen kamen, sahen sie sich Raubzügen und Schikanen ausgesetzt, wurden im Getto zusammengepfercht. Hunger, Armut, Parasiten und Gestank quälten die Menschen, die auf engstem Raum zusammenleben mussten; nicht wenige Familien zerbrachen an den Zuständen. Viele Bewohner starben an Krankheiten wie Typhus. Aus den Aufzeichnungen der Bewohner erschließt sich die Innensicht des Gettos: Die Menschen beschreiben ihr Leid und seine Auswirkungen, ihre Versuche, dem Gettoleben einen halbwegs erträglichen Alltag abzuringen. Andrea Löw kann zum ersten Mal die Frage danach beantworten, wie die jüdische Bevölkerung die Deportationen erlebt hat: Es war ab einem gewissen Zeitpunkt vielen von ihnen klar, dass die Transporte in die Vernichtung führten. Die Tagebücher und Erinnerungsberichte dokumentieren aber nicht nur den Schrecken des Gettolebens, sondern auch Liebe, Freundschaften und Strategien, aus der Situation das Beste zu machen. Kulturelle Aktivitäten wie Theateraufführungen und Konzerte halfen, den Menschen, eine Gegenwelt zum alltäglichen Grauen aufrecht zu erhalten. Auch gab es, wenn auch wenige, Kontakte nach \“draußen\“ und einen organisierten Schmuggel ins Getto. 

Nur nicht resignieren
\“Den Schwerpunkt der Untersuchung bilden die vielfältigen Versuche der Menschen, nicht zu resignieren, sondern im Gegenteil ihr aufgezwungenes Leben im Getto zu organisieren, um ihre Situation zu verbessern\“, erklärt Andrea Löw. In der mehr als vierjährigen Geschichte des zweitgrößten von den Nationalsozialisten eingerichteten Gettos fielen mehr als 45.000 Menschen den katastrophalen Bedingungen dort zum Opfer, das ist fast jeder vierte der dort Eingeschlossenen. Mit ungeheurem Aktionismus versuchten sowohl die innerjüdische Verwaltung mit Mordechai Chaim Rumkowski an der Spitze, als auch große Teile der übrigen Bevölkerung, unter existenzbedrohenden Bedingungen ihren Alltag zu organisieren und ihrem Leben einen Rahmen zu geben. Die Menschen im Getto schlugen mit ihren Aktivitäten sowohl in die Vergangenheit als auch in die Zukunft Brücken, schufen sich vor allem durch kulturelle Aktivitäten eine Gegenwelt zur destruktiven Welt des Gettos. 

Keine homogene Masse
Gleichzeitig zeigen die Selbstzeugnisse auch, dass die Gettogesellschaft keineswegs eine Einheit war; vielmehr waren starke soziale Konflikte ein Kennzeichen dieser Zwangsgemeinschaft. Auch diese werden in der Untersuchung thematisiert. \“Die Menschen im Getto erscheinen nicht mehr als anonyme, statistisch erfasste \’Opfermasse\’\“, beschreibt Andrea Löw, \“sondern als Individuen mit einer je eigenen Geschichte, als einzelne Menschen mit begrenzten Handlungsspielräumen, die sie auf unterschiedliche Arten nutzten.\“

Info:
Andrea Löw: Juden im Getto Litzmannstadt. Lebensbedingungen, Selbstwahrnehmung, Verhalten. Göttingen: Wallstein Verlag 2006 (584 Seiten, gebunden, 46,00 Euro, ISBN 3-8353-0050-4).

Kontakt:
Dr. Andrea Löw
Arbeitsstelle Holocaustliteratur
Otto Behaghel-Str. 10 B/1
35394 Gießen
Tel.: 0641-9929083
Fax: 0641-9929094
Andrea.Loew@germanistik.uni-giessen.de

Quelle: uni-protokolle Ruhr-Universität Bochum, 28.8.2006

Grundsanierung im Institut für Stadtgeschichte in Frankfurt/M.

Das Institut für Stadtgeschichte in Frankfurt am Main, hervorgegangen aus dem alten Stadtarchiv, gehört mit seinen bis ins frühe Mittelalter (9. Jahrhundert) zurückreichenden Überlieferungen zu den bedeutendsten Archiven Deutschlands. Seine Bestände übertreffen – trotz großer Verluste während des Zweiten Weltkriegs – an Umfang und Gewicht noch immer die der meisten vergleichbaren Kommunalarchive. Geleitet wird das Institut von Dr. Evelyn Brockhoff. Sie und ihre Mitarbeiter stehen allen historisch Interessierten, die forschen oder sich informieren möchten, gerne als kompetente Ansprechpartner zur Verfügung.

Der normale Arbeitsablauf wird jedoch in den nächsten dreißig Monaten nicht wie gewohnt stattfinden, denn es steht eine umfassende Renovierung des Karmeliterklosters, dessen heutige Form aus dem 15. Jahrhundert stammt und seit 1958 Sitz des Instituts ist, an. Erneuert werden nicht nur die sanitären Anlagen, sondern auch Heizung, elektrische Anlagen, Lüftung und vor allem die Brandmeldeanlagen. Eingebaut werden auch  ein Aufzug und behindertengerechte Zugänge. Und aus der Werkstatt der Restauratoren und Buchbinder  entsteht ein Seminarraum für Schulklassen. Das Foyer, das für zahlreiche Veranstaltungen genutzt wird, erhält eine entsprechende Beleuchtung. In der Zwischenzeit finden die beliebten Veranstaltungen im benachbarten Archäologischen Museum statt. Die Büros des Instituts befinden sich während der Sanierungsmaßnahmen in der Seckbächergasse 14 und im Magazingebäude in der Borsigallee 8 in Enkheim. Die Archivnutzung ist jedoch vorerst auch weiterhin – wenn auch eingeschränkt – möglich. 

Kontakt:
Institut für Stadtgeschichte (Karmeliterkloster) 
Münzgasse 9
D-60311 Frankfurt am Main
Telefon: (0) 69 212-30 142 
Fax: (0) 69 212-30 753 

Quelle: Claudia Michels, Frankfurter Rundschau, 25.8.2006; Offenbach-Post Online, 25.8.2006; Das Fenster zur Geschichte.

www.bam-portal.de: ein gemeinsamer Zugang zu Bibliotheken, Archiven und Museen

BAM ist ein Akronym für Bibliotheken, Archive und Museen. Das BAM-Portal bietet wissenschaftlichen und nichtwissenschaftlichen Nutzern einen ersten Zugang zu Bibliotheksgut, Archivalien und Museumsobjekten und leitet gleichzeitig in die jeweiligen Fachinformationssysteme weiter. Innerhalb des Portals werden die Ergebnisse einer Suchanfrage in einer Kurzanzeige dargestellt – bei Archivalien umfasst diese die Elemente Titel, Signatur, Laufzeit, Bestand und Archiv. Jeder Treffer ist mit dem Herkunftssystem verlinkt, so daß der Nutzer dort die vollständige Verzeichnungseinheit in ihrem Kontext betrachten kann. Das Element Bestand ist mit der jeweiligen Bestandseinleitung verlinkt, das Element Archiv mit der Homepage des Herkunftsarchivs.\"www.bam-portal.de:

Das Projekt
Das BAM-Portal startete 2002 als DFG-Projekt in Baden-Württemberg. Ziel war es zunächst, einen Prototyp für ein übergreifendes Portal als Zugang zu kulturellen Informationen zu schaffen. In der dritten Projektphase seit Ende 2005 wuchs das Portal über die Grenzen Baden-Württembergs hinaus. Archivischer Projektpartner ist nun neben dem Landesarchiv Baden-Württemberg auch das Bundesarchiv. Die Museen werden durch das Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim und das Institut für Museumskunde (Stiftung Preußischer Kulturbesitz) in Berlin vertreten. Das Bibliotheks-Service-Zentrum Baden-Württemberg vertritt die Bibliotheken und setzt die technische Realisierung des Portals um.

Inhalte
Zur Zeit können über das Portal der Katalog des Südwestdeutschen-Bibliotheksverbunds (SWB) und des Gemeinsamen Bibliotheksverbunds (GBV) durchsucht werden. Von archivischer Seite sind die Online-Findmittel des Landesarchivs Baden-Württemberg und des Bundesarchivs bereits integriert, die Einspeisung der Daten aus dem hessischen Online-Findmittel HADIS steht kurz bevor. Danach soll die Integration der Daten der rheinland-pfälzischen und saarländischen Staatsarchive in Angriff genommen werden. Zahlreiche Museen haben mittlerweile ihr Interesse an einer Teilnahme bekundet, integriert sind bisher die digitalen Inventare der Staatlichen Museen zu Berlin, des Landesmuseums Württemberg, des Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig, des Landesmuseums für Technik und Arbeit in Mannheim, des Badischen Landesmuseums und der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe. Ebenfalls auf der Warteliste steht der Datenbestand eines anderen Portals: die Informationen zu Nachlässen und Autographen aus der Kalliope-Datenbank.

Die neue Portaltechnik
Das Portal wurde Ende 2005 auf eine neue technische Basis umgestellt, da sich die in der zweiten Projektphase verwendete verteilte Suche auf externe Datenbestände als zu langsam und fehleranfällig erwiesen hatte. Die recherchierbaren Metadaten zu Beständen und Sammlungen aus den beteiligten Institutionen werden seitdem in einem Data-Warehouse System vorgehalten. Im Portal wird ein zentraler Suchindex aufgebaut, für den die beteiligten Institutionen ihre Daten liefern (oder abholen lassen). Dieser Suchindex enthält die vollständigen Verzeichnungsangaben. Bei einer Anfrage werden also auch Enthältvermerke oder spezielle Felder der Urkundenverzeichnung durchsucht, obwohl sich die Trefferanzeige innerhalb des Portals auf die Kernelemente (Titel, Laufzeit etc.) beschränkt. Das Portal basiert auf der freien Software Lucene und ist im Kern eine Suchmaschine. Diese ist jedoch direkt angebunden an die Fachinformationssysteme, deren Metadaten sie durchsucht. Das Portal integriert aber auch andere Dienste, zum Beispiel Benutzerdienste wie eine Merkliste und Informationen über die teilnehmenden Institutionen (noch im Aufbau). Als Datenaustauschformat für die teilnehmenden Archive wird der XML-Standard Encoded Archival Description (EAD) genutzt, was die Kompatibilität zu anderen Portalen erhöht, zum Beispiel zum geplanten deutschen Archivportal. Gleichzeitig fördert die Verwendung dieses amerikanischen Standards dessen Weiterentwicklung und Anpassung an die deutschen Gegebenheiten.

Zukunft
Das BAM-Projekt wird bis April 2007 von der DFG gefördert. Danach soll ein Konsortium der bisherigen Projektpartner den Weiterbetrieb sichern. In der restlichen Projektzeit steht die weitere Integration von Datenquellen auf dem Programm und es sollen möglichst viele Vorgänge – zum Beispiel die Datenlieferung – automatisiert werden. Die Funktionalität der Portaloberfläche wird noch schlüssiger durchstrukturiert werden, außerdem erhalten die Portalseiten voraussichtlich Ende des Jahres ein neues Design. Schon jetzt lohnt es sich, das BAM-Portal für eine übergreifende Suche entweder in den drei Sparten oder nur innerhalb der Archivsparte zu benutzen. Vor allem aber hat das Portal in der dritten Projektphase technisch und inhaltlich den kritischen Punkt überschritten, an dem seine Weiterexistenz und sein weiterer Ausbau wahrscheinlich ist. Nicht zuletzt können die hier gewonnenen Erfahrungen für den Aufbau anderer ergänzender Portale genutzt werden: zum Beispiel für ein deutsches Archiv- oder Museumsportal, oder für spartenübergreifende Portale auf europäischer Ebene.

Sigrid Schieber, Landesarchiv Baden-Württemberg.

Aberkennung akademischer Titel durch die Universität Köln

Während der Herrschaft der Nationalsozialisten in den Jahren 1933 bis 1945 erkannte die Universität Köln zahlreiche Doktortitel ab. Dieses lässt sich aufgrund des vorhandenen Aktenmaterials im Archiv der Universität Köln rekonstruieren, wo Dr. Andreas Freitäger die archivfachlichen Belange wahrnimmt. Gemeinsam mit der Historikerin Dr. Margit Szöllösi-Janze, Professorin an der Universität Köln, hat Freitäger sich ausführlich mit 65 diesbezüglichen Fällen beschäftigt (Bericht). Die Ergebnisse wurden bereits bis zum März 2006 in einer Ausstellung im Foyer der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln gezeigt. Als Ergänzung dazu wurde die Dokumentation "Doktorgrad entzogen" vorgelegt. Im Gegensatz zu anderen Universitäten hatte sich die Universität Köln jahrzehntelang geweigert, die betreffenden Akten dazu öffentlich zu machen. Erst 1998 setzte allmählich ein Umdenken ein, wodurch eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit diesem heiklen Thema möglich wurde.

Die Aberkennung der Titel erfolgte aus verschiedenen Gründen. Wer vor den Nazis ins Ausland geflohen war, wurde ausgebürgert und hatte somit  seinen Anspruch auf den akademischen Titel verloren. Genauso erging es denjenigen, die wegen verschiedener Delikte – wie z.B. Homosexualität oder durchgeführter Abtreibungen – von den Gerichten verurteilt worden waren. Trotz eines Appells des nordrhein-westfälischen Kultusministers im Jahr 1947, alle aus nationalsozialistischen Gründen entzogenen Titel wieder anzuerkennen, fand dieses bei den Verantwortlichen der Universität kaum Gehör. So erhielten im Laufe der Jahre nur 20 Betroffene ihren Titel wieder zurück.

Info:
Margit Szöllösi-Janze/Andreas Freiträger: Doktorgrad entzogen! Aberkennung akademischer Titel an der Universität Köln 1933 bis 1945, Kirsch Verlag, Nümbrecht 2005, 132 Seiten, 12 Euro.

Kontakt:
Universitätsarchiv Köln 
Universitätsstraße 33
50931 Köln-Lindenthal
Tel.  (0)221/470-3342, -3344, -3341
Fax  (0)221/470-6491
historisches-archiv@uni-koeln.de

Quelle: Dirk Ruder, Junge Welt, 24.8.2006

Wohlverdienter Ruhestand mit 81 Jahren

Ria Fischer, seit 1983 Leiterin des Stadtarchivs in Babenhausen, Landkreis Darmstadt-Dieburg, gibt aus familiären Gründen im Alter von 81 Jahren ihr Amt ab. Am 28. August 2006 wird sie offiziell von Bürgermeister Reinhard Rupprecht verabschiedet. Ihr Nachfolger steht noch nicht fest.

Ihre 23-jährige Tätigkeit im Stadtarchiv Babenhausen hat Ria Fischer dazu genutzt, die vorhandenen Archivalien zu ordnen und vor dem Verfall zu bewahren. Allen interessierten Bürgern stand sie darüber hinaus mit Rat und Tat zur Seite. So öffnete sie jeden Mittwochnachmittag das Archiv für Besucher und konnte – falls das vorhandene Aktenmaterial nicht ausreichte – mit ihrem umfangreichen Wissen über die Stadtgeschichte so manchem bei seinen Nachforschungen behilflich sein.  Und auch den Nachkommen zahlreicher Auswanderer – überwiegend aus den USA – konnte sie bei deren Suche nach ihren familiären Wurzeln weiterhelfen. Desweiteren hat sie gemeinsam mit Mitgliedern des Heimat- und Geschichtsvereins Babenhausen mehrere heimatgeschichtliche Beiträge verfasst. Als sachkundige Bürgerin gehört sie außerdem der Altstadtkommission der Stadt an. Als Anerkennung für ihre unermüdliche Arbeit und Wissensvermittlung erhielt sie den Ehrenbrief des Landes Hessen. Und auch in ihrem Ruhestand will sie sich noch nicht zur Ruhe setzen, sondern eine Dokumentation verfassen, in der sie alles Interessante zur Stadtgeschichte, aber auch aus ihrem eigenen Leben für die Nachwelt erhalten möchte.

Kontakt:
Stadtarchiv Babenhausen 
Burgmannenhaus
64832 Babenhausen 
Telefon: 06073/2948 oder Stadtverwaltung 602-0 
Telefax: 06073/602-22 
vorzimmer-bgm@babenhausen.de

Quelle: Michael Prasch, echo-online, 24.8.2006

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