Wechselvolle Geschichte des Bocholter Gasthausplatzes

Seine monatliche Vorstellung wichtiger Fotos aus der Geschichte Bocholts setzt das Stadtarchiv Bocholt mit der historischen Aufnahme vom Gasthausplatz im Jahr 1937 fort. Der Gasthausplatz trägt seinen Namen nach dem \“Gasthaus\“, das zur Aufnahme und Verpflegung bedürftiger und gebrechlicher Personen gegründet worden war. Für Bocholt ist es urkundlich bereits vor 1348 nachzuweisen. Um 1443 war eine hierzu gehörende Kirche mit St.-Spiritus-(Hlg.-Geist-)Patrozinium vom Gasthaus erbaut worden. Von dieser Gasthauskirche wurde 1806 der Turm, einige Jahre später auch die Kirchenhalle wegen Baufälligkeit abgebrochen. Am 1. August 1814 wurden Gast- oder Armenhaus auf der östlichen Seite des heutigen Platzes (Parzelle Nr. 157, 157a, 157b) mit dem Waisenhaus (gegr. um 1600) vereinigt, das schon im 18. Jh. auf den Parzellen 158 und 159 untergebracht war. Das so verschmolzene Armen- und Waisenhaus zog bereits 1823 in das ehemalige Minoritenkloster an der alten Paterskirche (heute Liebfrauenkirche). Die alten Häuser des Gasthauses dienten nach dessen Auszug bis zum Abbruch 1827 bedürftigen Familien. Durch den Abbruch entstand hier – bis zur 1881 erfolgten Errichtung eines Spritzenhauses der Feuerwehr mit zwei Schulklassen im Obergeschoss längs der Langenbergstraße – ein \“freier öffentlicher Platz\“ mit Spielplatz zur Schulstraße hin. Anstelle der 1806 ff. abgerissenen Gasthauskirche entstand ein freier Platz \“unter alten Linden\“, auf dem die Brettschneider tätig wurden, deren Handwerk durch das Sägewerk an der Königsmühle abgelöst wurde. Zeitweilig waren die Feuerwehr (seit 1881) und Verwaltungsabteilungen der Stadt Bocholt von (1896 zum Teil bis 1937 – zuletzt Stadtkasse) am Gasthausplatz untergebracht. Die Verwaltung nutzte damals insbesondere die umgesiedelten Schulräume. Erst mit Abbruch der einstigen städtischen Gebäude 1925 wurde der heutige Platz in der auf dem Bild gezeigten Ausdehnung geschaffen und dem Wochenmarkt sowie Fahrgeschäften zur Bocholter Kirmes geöffnet. Die Bronzeplastik \“Tutemann\“ von Herrmann Schlatt wurde auf Betreiben der umliegenden Geschäfte 2001 im Nord-Ost-Bereich des Platzes aufgestellt. Im Rahmen des Projektes \“Bocholter Gartenträume\“ wurde der Gasthausplatz übrigens im Jahre 2002 für kurze Zeit zum attraktiven Renaissance-Garten umgestaltet. Das Schwarz-weiß-Foto wurde 1937 vom Städtischen Bauamt im Zusammenhang mit den Pflasterarbeiten angefertigt.

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Quelle: Stadt Bocholt, Pressemeldung, 30.10.2006

Die vergessenen Kinder von Köln

„Am 20. Juli 1942 verließen 1.164 jüdische Bürger mit dem Reichsbahnzug DA 219 ihre Heimatstadt Köln. Darunter 335 Kinder und Jugendliche, vor allem aus den jüdischen Schulen und Kinderheimen der Stadt. Das Reiseziel Minsk in Weißrussland war geheim. Keiner kehrte jemals zurück.“ So lautet die Kurzankündigung zu einem 60-minütigem Film von Jürgen Naumann, den der Westdeutsche Rundfunk am 1.11.2006 um 23.15 Uhr in seinem Dritten Fernsehprogramm erstmalig ausstrahlt. Dr. Martina Kliner-Fruck, Historikerin, Leiterin des Wittener Stadtarchivs und seit Jahren mit der Aufarbeitung der jüdischen Geschichte in Witten beschäftigt: „Wir waren bei den Recherchen und Dreharbeiten zu Naumanns Film beteiligt. Ich kann jedem nur empfehlen, sich diese erschütternde Dokumentation am Mittwochabend anzusehen.“ Denn mit diesem Transport wurden auch Wittener Jüdinnen und Juden „in den Osten“ verschleppt:

  • Margarethe Kramer, 1891 in Witten geboren, verzog mit ihrem Ehemann Norbert Kramer nach einer „Zwischenstation“ im so genannten „Judenhaus“ in der Hauptstraße 63 nach Köln. Sie wurde am 20. Juli 1942 nach Minsk deportiert.
  • Kurt Sommer, geboren 1906, wohnte mit seiner Familie in ihrem Haus in der Ruhrstraße 40. Nach der Zwangsenteignung und Unterbringung im „Judenhaus“ meldete er sich nach Köln ab. Er wurde von dort am 20. Juli 1942 nach Minsk deportiert.
  • Der Kaufmann Markus Smulowicz wohnte mit seiner Ehefrau Anna nach Auswanderung der Kinder Willy und Hilde in der Casinostraße 10. Im Mai 1939 meldeten sich die Eheleute nach Köln ab, von wo auch sie am 20. Juli 1942 nach Minsk deportiert wurden.

Laut Fahrplanordnung muss der Transport am Morgen des 24. Juli 1942 auf dem Güterbahnhof der weißrussischen Hauptstadt Minsk angekommen sein. Zunächst suchte die SS aus den 1.164 Menschen des Transportes 40 kräftig aussehende junge Männer für Zwangsarbeiten aus. Dann wurden die Deportierten zu einer etwa 14 Kilometer entfernten Wiese mit einigen Wohnwagen verbracht. Diese Wagen fuhren in die Nähe des Vernichtungslager Trostenez. Dort, in einem kaum einsehbaren Kiefernwald, kamen die so genannten Gaswagen zum Einsatz. Wenn die Kapazitäten nicht ausreichten oder die Wagen defekt waren, haben Erschießungskommandos mit Pistolen und Maschinenpistolen gemordet. Die Leichen wurden in Gruben geworfen. Niemand der nachweislich mit dem Deportationstransport am 20. Juli 1942 von Köln nach Minsk Verschleppten überlebte… 

Eine wesentliche Quellengrundlage für den Film von Jürgen Naumann befindet sich im Stadtarchiv Witten, wo Autor Jürgen Naumann im Mai 2004 die Deportationsliste mit 1.164 Namen und Geburtsdaten der am 20. Juli 1942 von Köln und dem umliegenden Rheinland verschleppten Juden filmte. Die Sammlung Wülfrath war im Oktober 1999 aus dem Märkischen Museum in das Stadtarchiv Witten übernommen worden. Es handelt sich dabei vorwiegend um Akten des „Rheinischen Provinzialinstituts für Sippen- und Volkskörperforschung an der Universität Köln/Rheinische Landeszentrale für sippenkundliche Bestandsaufnahme“ und um den persönlichen Nachlass des ehemaligen Rassenforschers Dr. Karl Wülfrath. Dieser der Stadt Witten übereignete Bestand gelangte 1985 stark verschmutzt und ungeordnet in das Märkische Museum. Dort wurden die Dokumente von der damaligen wissenschaftlichen Museumsmitarbeiterin Ulrike Witzel gereinigt, geordnet und zum Teil erschlossen. Nach zweijähriger intensiver Arbeit konnte sie 1987 ein erstes Findbuch maschinenschriftlich erstellen, das mittlerweile digital erfasst und in Teilen in ein Archivverwaltungsprogramm übertragen worden ist, was Recherchen und den Zugang zu den Dokumenten erleichtert. Der erschlossene Teil des Bestandes umfasst 189 Archivkartons mit über 1.000 Einzelakten für den Zeitraum 1933 bis 1943.

Nach dem bisherigen Stand der Forschung wurden 23 weitere ehemalige Wittener Bürger/Bürgerinnen nach Minsk verschleppt: Julius Examus, Bernhard Grünebaum, Walter Herz, Gertrud Herz geborene Gottstein, Max Mayer Hohenstein, Amalie Isaac geborene Neustädter, Hans Karl Kanarek, Julie Löwenstein geborene Grünebaum, Louis Löwenthal, Johanna Löwenthal, Berta Mendershausen, Helene Mildenberg, Biene Müller, Louis Neugarten, Anna Neuwahl, Lina Rosenbaum, Amalie Schlesinger, Samuel Schlesinger, Isidor Singer, Emma Stein, Hermann Strauss, Emma Strauss, Jenny Wolff. Sie wurden direkt nach Minsk oder über das Getto Theresienstadt nach Minsk deportiert. Keiner der Genannten überlebte. Am 20. Juli 1941 wurde in Minsk, einem bedeutenden Zentrum jüdischen Lebens in Russland, die Errichtung eines Ghettos angeordnet, wo die jüdische Bevölkerung konzentriert werden sollte. Die SS führte in den Straßen des Ghettos immer wieder brutale Mordaktionen durch. Zwischen November 1941 und Oktober 1942 verschleppte die SS insgesamt 35.442 Juden aus Deutschland, aus dem Protektorat Böhmen und Mähren nach Minsk. Die meisten Opfer wurden zwischen dem 28.und 31. Juli 1942, am 8. März 1943 und im Herbst 1943 ermordet. Bei der Befreiung von Minsk waren nur 10 deutsche Juden am Leben. Im Jahr 2000 hat die Gedenkstätte Yad Vashem (Israel) die in Witten archivierte Sammlung Wülfrath teilweise verfilmt und in einem atombombensicheren Bunker zwecks Überlieferung für die Zukunft eingelagert. Darunter auch sechs Deportationslisten der 1941/1942 von Köln nach Lodz, Riga, Theresienstadt und Minsk deportierten rheinischen Juden.

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Quelle: Universitätsstadt Witten, Presseinformation, 30.10.2006

Die Öffentlichkeit in Archiven – Archive in der Öffentlichkeit? Studentische Eindrücke vom 76. Deutschen Archivtag

Mit dem 76. Deutschen Archivtag, vom „Verband deutscher Archivarinnen und Archivare“ (VdA) gemeinsam mit der Fachmesse „Archivistica“ in diesem Jahr in Essen organisiert, wurde der Blick auf Archive und Öffentlichkeit gerichtet. Vom 26. bis 29. September 2006 referierten und diskutierten ArchivarInnen zur Transparenz der Archive in der Öffentlichkeit und den Einsatz neuer multimedialer Möglichkeiten (www.archivtag.de).

Längst haben ArchivarInnen erkannt, dass sich Historische Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit als ein fester Bestandteil neben der Erschließung etabliert haben und nicht länger ignoriert werden können. Der überwiegende Teil der großen und kleinen Archive setzt u. a. gezielt auf das Internet, Kooperationen, externe und interne Öffentlichkeitsarbeit sowie zielgruppenorientierte Bildungsangebote für alle Bevölkerungsschichten.

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Abb.: Studierende und Mitarbeitende der Fachhochschule Potsdam auf dem 76. Deutschen Archivtag 2006 in Essen (Foto: FHP)

Der Studiengang Archiv des Fachbereichs Informationswissenschaften bietet hierzu exzellente Studien- und Weiterbildungsmöglichkeiten an. Prof. Dr. Susanne Freund manifestiert derzeit das Lehrgebiet Historische Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit als festen Bestand der Lehre. Auf der Fachmesse präsentierte sich die FHP mit einem Info-Stand, der eine hervorragende Außenwirkung hatte und mit großem Interesse angenommen wurde. Es wurde umfassendes Material zu Studiengang und Fernweiterbildung zur Verfügung gestellt, begleitet von einer Diashow mit Bildern von der Fachhochschule und der Stadt Potsdam. Weiterhin veranschaulichten Landkarten von Deutschland und Europa die Verteilung der AbsolventInnen, PraktikantInnen und KooperationspartnerInnen und zogen (ganz im Sinne der Öffentlichkeitsarbeit) zusätzlich InteressentInnen an. Die studentische Arbeitsgruppe, bestehend aus Sebastian Post (3. Sem. Archiv), Christine Sander (3. Sem. Archiv), Donald Wagner (3. Sem. Archiv) und Simone Stumpe (7. Sem. Archiv), verteilte sich auf die verschiedenen, zum Teil zeitgleich durchgeführten Sektionen. Erste positive Eindrücke gewannen sie in der Veranstaltung des „Arbeitskreises Archivpädagogik und Historische Bildungsarbeit“. Umsetzung und Präsentation reichten von einem szenischen Rollenspiel zwischen Benutzer und Archivar, über einen theoretischen Ansatz zur effektiven Öffentlichkeitsarbeit bis hin zu einem praxisnahen Beispiel. Durch eine abschließende Diskussionsrunde konnten zudem weitere Auffassungen, wie die unabdingbare Notwendigkeit der aktiven Öffentlichkeitsarbeit, ausgetauscht werden.

Die Sektionssitzung III: Netz als „Öffentlichkeit“ beinhaltete zwei spannende praxisorientierte Initiativen; das von Tom Sello vorgestellte Projekt „Jugendopposition in der DDR. Geschichte im Internet“ und das von Christine Gohsmann international orientierte Dissertationsprojekt „Radio, CD-ROM und Internet – gleichberechtigte Marketinginstrumente eines NGO-Archivprojektes in Südafrika“. Beide Vorträge spiegelten die aktive Beteiligung an der Öffentlichkeit wider, die im Unterschied zur allgemeinen Bereitstellung von Unterlagen aus einem spezifischen Grund heraus entstanden sind. So gestaltete die Havemann-Gesellschaft in Kooperation mit der Bundeszentrale für politische Bildung eine Internetseite über die Jugendopposition in der DDR, die durch Anfragen von LehrerInnen ins Leben gerufen wurde. Diese Seite gewann neben sechs weiteren Webseiten den „Grimme Online Award 2005“, der für publizistische Qualität im Netz verliehen wird. Im Anschluss präsentierte Frau Gohsmann das NGO-Archivprojekt in Südafrika und wagte als einzige Referentin den Schritt in die Internationale Vernetzung und den Informationsaustausch. Das Online-Archivprojekt „South African Labour History Project“ (SALHP) ermöglicht die Digitalisierung von Dokumenten zur Geschichte der Arbeiterbewegung sowie von international verbreiteten Archivbeständen und Nachlässen von Persönlichkeiten und Organisationen aus Südafrika. Dadurch wird deutlich, dass Öffentlichkeitsarbeit nicht nur im nationalen, sondern auch im internationalen Sinne relevanter und aktueller ist als je zuvor. Denn es besteht in der Archivwelt längst Konsens darüber, dass mangelnde Öffentlichkeitsarbeit Einsparungen zur Folge hat, die zwangsläufig auch die Erfüllung der Kernaufgaben erschweren wird.

Die Studierenden der Fachhochschule Potsdam kehrten mit profunden Eindrücken zurück, welche für ihren weiteren Studienverlauf sehr wertvoll sind. Persönliche Gespräche mit verschiedenen ArchivarInnen und Archivdienstleistern oder die Teilnahme an den Sektionssitzungen wurden effektiv genutzt. Sie erkannten, dass Engagement und besonders technische Kenntnisse der Archivarinnen und Archivare für neue Herausforderungen wichtig sind. Der Schwerpunkt in ihrem Studium bietet ihnen dafür ein breites Spektrum, berücksichtigt dieser nicht nur die traditionellen Archivaufgaben, sondern auch den technischen Bereich sowie die Öffentlichkeitsarbeit und Historische Bildungsarbeit.

Simone Stumpe (Potsdam)

Integration der Flüchtlinge und Vertriebenen in Harsewinkel

Vor sechzig Jahren kamen sie nach Harsewinkel: die Vertriebenen aus Schlesien und den anderen Gebieten östlich von Oder und Neiße, die nach dem Potsdamer Abkommen polnisches Territorium geworden waren. In wenigen Monaten waren es über 600 Personen, vor allem Frauen, Kinder und alte Menschen, für die in Harsewinkel eine Bleibe geschaffen werden und die mit dem Lebensnotwendigsten versehen werden mussten. Anfang der 1950er Jahre lag die Zahl der Flüchtlinge und Vertriebenen in Harsewinkel, Greffen und Marienfeld bei 1.200. Die ersten Vertriebenen, die im März und im April 1946 in Harsewinkel eintrafen, stammten aus kleinen Gemeinden im Kreis Reichenbach, aus Groß Wilkau und Groß Ellguth. Aus Schlesien waren sie zunächst ins Auffanglager Friedland gekommen, von wo aus der Weitertransport nach Warendorf erfolgte. Nach kurzem Aufenthalt im Landgestüt, das als Aufnahmelager diente, wurden sie auf die Stadt- und Landgemeinden des Landkreises Warendorf verteilt. Aufgabe der örtlichen Verwaltungen war es, die Neuankömmlinge mit Wohnungen zu versorgen. Die Zwangseinweisungen auf den Bauernhöfen und in den kleinen Häusern der Stadt stießen bei den Eigentümern und Bewohnern keineswegs auf ungeteiltes Verständnis und erforderten auch von den Vertriebenen erhebliche Einschränkungen. Denn sie trafen im Amt Harsewinkel keineswegs auf stabile Verhältnisse: Vor allem die Stadt Harsewinkel, aber auch Greffen und Marienfeld hatten in den zwanzig Jahren vor Beginn des 2. Weltkriegs einen erheblichen Schub im Bevölkerungswachstum erfahren. Und während des Krieges waren über 1.000 Evakuierte aus Münster und dem Ruhrgebiet hinzugekommen, so dass das Amt mehr Einwohner zählte als bei Kriegsbeginn. 

Diese Voraussetzungen, die politischen Hintergründe der Fluchtbewegung am Ende und der Vertreibung nach dem 2. Weltkrieg und schließlich die Schwierigkeiten der Integration der Flüchtlinge und Vertriebenen im östlichen Münsterland – das alles ist Thema der Ausstellung ‚Neue Heimat – Harsewinkel’, die das Stadtarchiv Harsewinkel vom 3. November bis zum 20. Dezember 2006 in der Realschule Harsewinkel präsentiert. Der Titel der Ausstellung zeigt schon den Schwerpunkt an: Es geht darum aufzuzeigen, wie die Schwierigkeiten in den ersten Jahren nach dem Ende des 2. Weltkriegs überwunden und die Integration der evangelischen Flüchtlinge und Vertriebenen im katholischen Münsterland zu einem Erfolg werden konnte. Am 3. November 2006 wird die Ausstellung um 20:00 Uhr im Forum der Realschule durch Bürgermeisterin Sabine Amsbeck-Dopheide eröffnet werden. Danach ist sie während der Schulzeit geöffnet. Besichtigungstermine außerhalb dieser Zeit können vereinbart werden mit Stadtarchivar Eckhard Möller. 

Kontakt:
Stadtarchiv Harsewinkel
Münsterstr. 14
33428 Harsewinkel
Tel.: 05247 / 93 51 27
Fax: 05247 / 93 51 19
eckhard.moeller@gt-net.de

Quelle: Aktuelles Stadt Harsewinkel; Die Glocke, 28.10.2006

Stadtarchiv Hallenberg bezieht neue Räume

Am 27.10.2006 wurde im sauerländischen Hallenberg das Infozentrum Kump feierlich eröffnet. Das Baudenkmal Kump ist eine Gebäudegruppe unmittelbar am Marktplatz. Es besteht aus einem älteren Fachwerkkernbau, der im 19. und 20. Jahrhundert erweitert wurde. Zum Markt hin bestimmend ist ein dreigeschossiger Fachwerkturm mit rundbogiger Eingangstür und schmucker Schieferhaube. Der ehrenamtlich tätige Stadtarchivar Georg Glade gab einen kurzen Überblick über die knapp 300-jährige Geschichte des Gebäudes. Völlig heruntergewirtschaftet konnte die Stadt im Jahre 2002 das marode Gebäude dank zahlreicher Sponsoren und freiwilliger Helfer erwerben und umbauen, so dass es – ausgestattet mit der neuesten Technik – wiederhergerichtet und seiner Bestimmung übergeben werden konnte. 

Im "Kump" sind künftig das historische Archiv der Stadt, die Touristikinformation, das Haus des Gastes und das Infozentrum untergebracht. Dort findet man Informationen zu den Themen Geschichte, Brauchtum, Wirtschaft und Tourismus von Stadt und Region. Informationen über das Vogelschutzgebiet Medebacher Bucht und die ausgewiesenen FFH-Gebiete sowie ein Kräutergarten und mehrere Veranstaltungsräume, in denen permanent Ausstellungen zu Themenfeldern der Stadt Hallenberg, Präsentationen und Wanderausstellungen angeboten werden sollen, runden das Angebot für Bürger und Gäste ab. Die erste Ausstellung, die am 29.10.2006 eröffnet wurde, zeigt exklusive Bilder des gebürtigen Hallenberger Fotografen Elmar Welge  – der als junger Fotograf 1966 die Beatles auf ihrer Deutschland Tournee begleitet hat – über die spektakuläre Performance BED-IN for PEACE mit John Lennon und Yoko Ono aus dem Jahr 1969 in Amsterdam. Seine dabei geschossenen Fotos werden in Ausstellungen in der ganzen Welt gezeigt und waren bereits in New York, Palermo, Düsseldorf und Hamburg zu sehen. Die Ausstellung läuft bis zum 12. November 2006.

Kontakt
Stadtarchiv Hallenberg
Rathausplatz 1
59969 Hallenberg
Tel.: 02984-3030
Fax: 02984-303-31
www.stadt-hallenberg.de

Quelle: Aktuelles Stadt Hallenberg; Westfalenpost, 27.10.2006

documenta Archiv ergänzt Fotosammlung

Mit einer Spende von 7.000 Euro des Vereins documenta Forum, die am 27. Oktober von dem Vorsitzenden Prof. Dr. Hans Brinckmann an Bürgermeister Thomas-Erik Junge und die documenta Archiv-Leiterin Karin Stengel übergeben wurde, kann ein wichtiges Stück documenta-Geschichte aufgearbeitet werden. Die Geldspende ermöglicht es dem Archiv, wertvolles Fotomaterial zu erwerben. Es handelt sich um etwa 1.700 Negative zur documenta 4 im Jahr 1968. Sie stammen aus dem Besitz des bekannten Bamberger Fotografen Werner Kohn, der seit 1968 freischaffend tätig ist. Er hat an zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland teilgenommen, mehrere Bildbände veröffentlicht und wurde für seine engagierte Arbeit mehrfach ausgezeichnet. 

Die Rekonstruktion der documenta 4 aus dem Jahr 1968, galt bisher als besonders schwierig, weil damals kein Fotodokumentationsauftrag durch den documenta-Leiter Arnold Bode erfolgt war. Erst ab der documenta 7 im Jahre 1982 gibt es offizielle Fotos. Deshalb ist diese Erwerbung für die geschichtliche Rekonstruktion und wissenschaftliche Bearbeitung der frühen documenta Ausstellungen von besonderer Bedeutung und von großem Gewinn. Auf den Fotos sind nicht nur sämtliche Kunstwerke aus der damaligen Ausstellung zu sehen, sondern auch so mancher Besucher wird sich vielleicht wiedererkennen. Eine Auswahl der Fotos von Werner Kohn wird durch das gerade von der Deutschen Forschungsgesellschaft bewilligte Digitalisierungsprojekt auch online im virtuellen Bildarchiv des documenta Archivs einsehbar sein. Ein weiterer Teil der vom documenta Forum gespendeten Mittel wird zudem für die Fertigstellung eines farbigen Bildbandes über die documenta 4 verwendet. Der Band soll, wie die vorgehenden Bände zu den Kunstausstellungen 1 bis 3, im Verlag Edition Temmen erscheinen, und wird durch die Fotos von Kohn gefüllt und ergänzt.

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documenta Archiv für die Kunst des 20. + 21. Jahrhunderts 
Untere Karlsstraße 4
34117 Kassel 
Tel.: 0561 / 787-4022 
Fax: 0561 / 787-4028 
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www.documentaarchiv.de

Quelle: Aktuelles documenta Archiv; Ines Weissbach, HNA, 27.10.2006; Hessischer Rundfunk, 27.10.2006

Ruhr-Viadukt im Wittener Archivforum

Ein halbes Jahrhundert verging von der Entscheidung bis zum Beginn des Baues einer Eisenbahnbrücke zur Querung der Ruhr bei Witten. Inzwischen ist der Viadukt ein Wahrzeichen unserer Stadt geworden. Wer hat damals gebremst, wer hat angeschoben? Mit diesem Thema beschäftigt sich das 11. Wittener Archivforum am kommenden Montag (30.10.) um 19 Uhr im Konferenzraum von Haus Witten in der Ruhrstraße 86. Dr. Martina Kliner-Fruck, Historikerin und Leiterin des Stadtarchivs Witten, lädt zu diesem kostenfreien Vortrags- und Diskussionsabend alle interessierten Wittenerinnen und Wittener herzlich ein. „Wir melden uns auch mit diesem Archivforum über ein imposantes Bauwerk, das voller Geheimnisse steckt, nach längerer Umzugspause wieder in der Öffentlichkeit zurück“, freut sich die Archivchefin auf die hoffentlich gut besuchte Veranstaltung.

Peter Braun wird in seinem Eingangsvortrag den Eisenbahn-Viadukt über die Ruhr in Witten intensiv ausleuchten. Denn im Internet und auch in der Fachliteratur wird einiges Unzutreffende über den Viadukt berichtet. Ob sich der Architekt deshalb umgebracht haben soll? Eine Richtigstellung bezüglich Bauweise, Baustoffe und der Mischbauweise in Stahl / Bruchstein erfolgt im Vortrag mit Beispielen aus Jahrhunderten. Der Stadtteil Bommern sowie das Ziegelei-Gelände von Dünkelberg (Zeche Nachtigall) bekamen 1910 keine mit dem Bau des Viaduktes verknüpften Rangierbahnhöfe. Dies ist aus heutiger Sicht höchst erfreulich, denn die Wittener können sich nur deshalb immer noch an „Haus Witten“, seiner Nutzung und dem „Lohmannschen Park“ erfreuen, weil 1912 beherzte Wittener Bürger den mit dem Bau des Viaduktes für notwendig befundenen Abbruch elegant verhinderten. Dass der Referent bei seinem Vortrag eine von ihm selbst entwickelte Präsentations-Software mit Großprojektion nutze, mache die Sache noch spannender, so die Archivleiterin. Peter Braun hat übrigens mehrfache Beziehungen zum Viadukt. Einerseits ist er (1938) gebürtiger Wittener, andererseits hat er nach dem Studium des Bauwesens und der Mathematik an der TH Aachen und einem Diplomabschluss im konstruktiven Ingenieurbau leitende Tätigkeiten in Ingenieurbüros, vorwiegend für Industrie-, Kraftwerk- und Eisenbahnbrückenbau inne gehabt. Darüber hinaus war er für Planungen und Bauleitungen unter anderem für die Olympiade 1972 in München und die Universität Bochum verantwortlich.

Mit seiner Vortragsreihe „Archivforum“ will das Stadtarchiv Witten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Heimatforschern sowie Schülerinnen und Schülern Gelegenheit geben, ihre Forschungsergebnisse zur Wittener Stadtgeschichte der Öffentlichkeit vorzustellen. Im Anschluss an die jeweilige Präsentation der Referenten bietet sich die Möglichkeit zur öffentlichen Diskussion und Aussprache. Die Archivforen finden an wechselnden Orten in Witten statt, wobei die Wahl der Veranstaltungsorte am jeweiligen Thema orientiert ist. „Am kommenden Montag danken wir dem Kulturforum für die Bereitstellung der Veranstaltungsräume im Haus Witten“, so Dr. Martina Kliner-Fruck.

Kontakt:
Stadtarchiv Witten
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58449 Witten
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Quelle: Pressemeldung Stadt Witten, 26.10.2006

Landesarchiv Burgenland geht auf Tour

Um das Landesarchiv Burgenland in der Bevölkerung bekannter zu machen, wird nun im Jahresrhythmus jeweils in einem anderen Bezirksvorort, eine Schau präsentiert, die auf die jeweilige Region abgestimmt ist. Das Motto dieser sog. "Werbetour" durch das Land lautet „Archive sind nicht das Grab der Geschichte, sondern Laboratorien der Erinnerung“. Dr. Roland Widder, Direktor des Landesarchivs, hofft, dass durch die ausgewählten kleinen Sammlungen das Interesse geweckt wird, sich wieder verstärkt mit der eigenen Geschichte auseinander zu setzen und zu beschäftigen. Denn obwohl das Landesarchiv über eine umfangreiche Sammlung zur Landesgeschichte verfügt – 7.000 laufende Meter Akten, Tausende von Plakaten, Hunderte von Grafiken sowie ca. 35.000 Fotografien – wird diese kaum von Wissenschaftlern, Schülern, Studenten und Heimatforschern genutzt. Die erste Schau dieser Art – fachkundig gestaltet von Jakob Perschy und Milenia Snowdon-Prötsch – wurde nun im Foyer der Bezirkshauptmannschaft Mattersburg eröffnet. Bis Weihnachten sind dort historische Dokumente, Zeitungen, Plakate und Fotos mit lokalem Bezug zu sehen.

Kontakt:
Landesarchiv Burgenland
Europaplatz 1
A-7000 Eisenstadt 
Tel.: +43 (0) 2682 600-2358 
Fax: +43 (0) 2682 600-2058 
post.kultur@bgld.gv.at 

Quelle: Kurier, 26.10.2006

Postalische und philatelistische Dokumentationen im Stadtarchiv Frechen

Anlässlich des 60jährigen Bestehens des Philatelistenclubs Frechen wurde am 24.10.2006 eine Ausstellung mit Querschnitten aus verschiedenen Sammelgebieten rund um die Philatelie im Stadtarchiv Frechen eröffnet. Dabei werden nicht nur Briefmarken präsentiert, die vor allem für Sammler von Interesse sind, sondern es gibt darüber hinaus auch einen Überblick über die Frechener Postgeschichte sowie die Vereinsgeschichte. Und auch lokale und aktuelle Bezüge werden ausführlich dargestellt und können somit auch als Zeitdokumente angesehen werden. Von Interesse dürfte ebenfalls eine australische Briefmarkenserie sein, auf der ein Bartmannkrug zu sehen ist, der auch zu den traditionellen Frechener Gefäßen zählt. Aber auch Briefmarken mit berühmten und verdienten Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens – wie Papst Benedikt, Adolph Kolping, Max Ernst und sogar Michael Schumacher, von dem es offiziell ab November in Österreich eine Briefmarke gibt – werden in der Ausstellung präsentiert, die noch bis zum 30.11.2006 zu besichtigen ist.

Kontakt
Stadtarchiv Frechen
Hauptstraße 110-112
50226 Frechen
Tel.: 02234-501-238
Fax: 02234-501-219

Quelle: Wochenende-Frechen, 25.10.2006

Bildband über 60 Jahre Sankt Augustiner Geschichte

Ein weiterer Bildband von Clemens Brähler mit dem Titel \“Fahren Sie mit in die Vergangenheit -Alte Bilder aus Sankt Augustin\“ dokumentiert seit kurzem das Leben in St. Augustin im letzten Jahrhundert. Auf 72 Seiten sind mehr als 90 Fotos aus den Jahren 1900 bis 1960 zu sehen, die Menschen, Gebäude, Ereignisse und Landschaften der damaligen Zeit wiedergeben. Unterstützt wurde Clemens Brähler bei seiner Arbeit nicht nur von vielen Bürgern Sankt Augustins, sondern auch von Stadtarchivar Michael Korn und dem Heimatgeschichtlichen Arbeitskreis der Stadt Sankt Augustin. Das Stadtarchiv verfügt derzeit über eine Bildsammlung von rund 16.000 Fotos und Postkarten aus über 100 Jahren, nimmt aber weitere Fotos gerne entgegen.

Kontakt
Stadtarchiv Sankt Augustin
Rathaus, Untergeschoss
Markt 1
53757 Sankt Augustin
Tel.: 02241/243-331
Fax: 02241/243-77508
stadtarchiv@sankt-augustin.de
www.sankt-augustin.de/stadtarchiv 

Quelle: Rhein Sieg Echo Extrablatt, 25.10.2006

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