Dokumentation über die Geschichte Niedersachsens

Obwohl das heutige Niedersachsen erst 1946 durch den Zusammenschluss von Hannover, Oldenburg, Braunschweig und Schaumburg-Lippe entstand, blickt das Land Niedersachsen auf eine wesentlich längere Geschichte zurück. Eine zusammenfassende Dokumentation über die gut zweitausendjährige Geschichte Niedersachsens, verfasst im Auftrag der Niedersächsischen Sparkassenstiftung, wurde jetzt der Öffentlichkeit präsentiert. 

Geschrieben wurde das mehr als 260 Seiten umfassende und reich bebilderte Werk von Dr. Dieter Brosius – bis zu seiner Pensionierung im Jahre 2001 Leiter des Hauptstaatsarchivs in Hannover. Es war ihm wichtig, dieses Buch nicht nur für einen kleinen Leserkreis zu verfassen, sondern für alle an der Geschichte Niedersachsens Interessierten, selbst wenn sie keinerlei geschichtliche Vorkenntnisse besitzen. Besonders geeignet ist das Werk auch für Schulen und diverse andere Einrichtungen, an die es von der Lottostiftung kostenlos verteilt wurde. 

Da das Buch für einen breiten Leserkreis gedacht ist, stand Autor Brosius vor der schwierigen Entscheidung, sich auf die wesentlichsten Informationen zu beschränken und somit viele Details außen vor zu lassen. Herausragende Punkte der Geschichte Niedersachsens wie den ersten Motorflug der Welt in Hannover, die Erfindung der Glühbirne in Springe und die erste Erdölbohrung in Wietze finden aber durchaus Erwähnung, und sollen – wie der Präsident der Niedersächsischen Sparkassenstiftung, Thomas Mang, bei der offiziellen Buchvorstellung betonte – dazu beitragen, dass die Bürger Niedersachsens stolz sind auf das junge Bundesland mit altem Namen und großer Tradition. 

Info:
Dieter Brosius: Niedersachsen. Das Land und seine Geschichte in Bildern, Texten und Dokumenten. 
Hrsg. durch d. Niedersächsische Sparkassenstiftung
2006. 263 S. m. über 300 Farb- u. SW-Abb. 29 cm; GEB; Deutsch
Ellert & Richter, 2006
ISBN-10: 3831902658
ISBN-13: 9783831902651
29,95 Euro

Quelle: Thomas Hartmann, Rotenburger Rundschau, 26.12.2006.

Weihnachtsgeschenk für das Kreisarchiv Esslingen

Rechtzeitig zu Weihnachten kehrten vier seit Jahrzehnten vermisste teilweise in Schweinsleder gebundene Folianten aus dem 19. Jahrhundert ins Kreisarchiv Esslingen zurück. Durch Zufall waren sie auf dem Dachboden eines Abbruchhauses in der Altstadt von Nürtingen entdeckt und gerettet worden. Da der Finder die alte Schrift nicht entziffern konnte, war er sich zunächst nicht im klaren über die Bedeutung seines Fundes. Erst als er Kreisarchivar Manfred Waßner die Bände zeigte, konnte dieser die wertvollen Stücke sofort zuordnen. Es handelt sich um Amtsversammlungsprotokolle aus den Jahren 1823 bis 1868.

Kontakt
Kreisarchiv Esslingen
Pulverwiesen 11
73726 Esslingen am Neckar
Tel.: 0711/39 02 23 40
Fax: 0711/39 02 10 45
kreisarchiv@landkreis-esslingen.de

Quelle: Teckbote, 27.12.2006 

Eisenbahn-Romantik im Universitätsarchiv Karlsruhe

Dampfend rollte sie ab 1839 durch Baden: die Großherzoglich Badische Staatseisenbahn. Wie die Lokomotiven der ersten Stunde aussahen, zeigen die Konstruktionspläne aus den Jahren 1840 bis 1909, die das Archiv der Universität Karlsruhe jetzt zugänglich gemacht hat. Die Originale sind zum größten Teil auf Transparentpapier gezeichnet – das im Lauf der Zeit sehr brüchig und damit für die Benutzung viel zu empfindlich geworden ist. Mit Hilfe des Landesarchivs Baden-Württemberg konnte das Universitätsarchiv Karlsruhe nun von sämtlichen Plänen großformatige Farbdias erstellen. Hoch auflösende Digitalisierungen der Dias ermöglichen ein genaues Betrachten und Detailvergrößerungen am Bildschirm sowie Papierausdrucke. Zum ersten Mal ist diese Sammlung zur deutschen Technikgeschichte damit für eine breitere Öffentlichkeit zugänglich. Präzise, oft farbige Federzeichnungen zeigen auf 180 Blättern Lokomotiven, die vor allem die Maschinenbaugesellschaft Karlsruhe zwischen 1839 und 1874 gebaut hat. Je Lokomotive gibt es meist fünf bis zehn Planblätter mit verschiedenen Gesamt-, Teil- oder Detailansichten. Zum Bestand gehören aber auch Pläne der Bodenseeschiffe, die von 1840 bis 1888 ebenfalls im Dienst der badischen Staatsbahnen standen. 

Das Universitätsarchiv hat die insgesamt über 300 Pläne geordnet und einzeln erschlossen – jeden der Pläne haben die Mitarbeiter des Archivs genau beschrieben: welche Teile er zeigt und in welcher Ansicht, ob die Zeichnung farbig ist, in welchem Maßstab und auf welchem Material sie vorliegt, wie gut der Plan erhalten ist. Dazu kommen Daten wie Gattung, Größe und Baujahr der Maschine. Im Januar 1998 hatte das Institut für Straßen- und Eisenbahnwesen der Universität die Konstruktionspläne an das Universitätsarchiv abgegeben. Der größte Teil der Sammlung stammt aus der früheren Generaldirektion der Badischen Staatseisenbahnen. Von dort hatte sie Professor Dr. Otto Ammann, von 1912 bis 1933 Leiter des Instituts für Straßen- und Eisenbahnwesen und von 1920 bis 1921 Rektor der Universität, für das an seinem Lehrstuhl aufgebaute Verkehrsmuseum erhalten. Interessierte sind herzlich eingeladen, sich im Universitätsarchiv über den Bestand zu informieren. Digitalisate einzelner Pläne können Sie gegen eine Gebühr von 10,23 Euro je Stück erwerben.

Kontakt
Universitätsarchiv Karlsruhe
Kaiserstr. 12
76128 Karlsruhe 
Tel.: 0721 / 608-3494
Fax: 0721 / 608-6122
Nippert @verwaltung.uni-karlsruhe.de

Quelle: Presseinformation Universität Karlsruhe, 22.12.2006; ka-news, 27.12.2006

Wasserzeichen des Mittelalters im Hauptstaatsarchiv Stuttgart

Die aktuelle Ausstellung im Hauptstaatsarchiv Stuttgart, die am 14.12.2006 eröffnet wurde, trägt den Titel „Ochsenkopf und Meerjungfrau – Wasserzeichen des Mittelalters“. Wasserzeichen begegnen beim Kontakt mit Papier. Seit den Anfängen der Papierproduktion in Europa, die wohl noch ins 12. Jahrhundert zurückgehen, sind diese Wasserzeichen oder Papiermarken als Herkunfts- bzw. Qualitätsmerkmale ins Papier eingebracht. Sie kennzeichnen damit den Herstellungsort und Produktionsbetrieb, zunächst also die Papiermühle, wo das Papier produziert wurde. Modern formuliert würde man das Wasserzeichen quasi als „Label“ ansprechen können, als Herkunftsmarke oder Gütelogo. Dabei geben sich die Wasserzeichen im Papier freilich nicht auf den ersten Blick zu erkennen, sondern erst, wenn man das Papier gegen eine Lichtquelle hält. Die bekannteste aktuelle Verwendung finden Wasserzeichen in Banknoten. Die neuen Euro-Banknoten zeigen im Gegenlicht das Wasserzeichen auf beiden Seiten des unbedruckten Bereichs. Hier werden das Architekturmotiv des Geldscheins und die Wertzahl sichtbar. Wie seit jeher wird das Wasserzeichen noch immer direkt bei der Papierherstellung durch Variation der Papierstärke erzeugt. Es dient hier – wie bei den Geldscheinen überhaupt – in erster Linie zum Nachweis der Authentizität und zur Sicherung vor Fälschung.

Die Wasserzeichen des Mittelalters stehen zunächst repräsentativ für die zeitgenössische Papiererzeugung. Sie sind vor allem in den Papierhandschriften, -drucken und -zeichnungen erhalten, die heute in den Bibliotheken, Archiven und Museen verwahrt und gezeigt werden. Seitdem das Papier das teurere Pergament als Beschreibstoff mehr und mehr abgelöst hat – was in Mitteleuropa im 15. Jahrhundert, im Mittelmeergebiet früher, in Nord- und Osteuropa später zu beobachten ist – sollte es als bedeutendster Schriftträger bis in unsere Zeit fungieren. Natürlich hat sich die Papierproduktion gerade seit dem 19. Jahrhundert durch die Entwicklung der maschinellen Fertigung wesentlich verändert, und die Bedeutung der Wasserzeichen – bis auf die Banknoten – weitgehend marginalisiert. Doch erst mit der aktuellen Veränderung der Kommunikationsstrukturen durch die elektronischen Medien wird die Bedeutung des Papiers als Informationsträger zunehmend stärker reduziert. Die elektronische Speicherung auf unterschiedlichen Datenträgern ersetzt dabei bereits vielfach den Papierausdruck, wobei die Möglichkeiten ihrer langfristigen „Haltbarkeit“ bislang noch nicht absehbar sind.

Das Papier des Mittelalters und seine Wasserzeichen stellen bei professioneller Aufbewahrung und adäquatem Umgang normalerweise keine konservatorischen Probleme dar. Die Papier- und Wasserzeichenforschung hat entsprechend lange Tradition und wird seit Jahrhunderten international betrieben. Bereits den Zeitgenossen war der Einsatz von Wasserzeichen bei der Papierproduktion und deren Funktion natürlich bewusst, wie schon früh der Traktat des Bartolfus de Saxoferrato zeigt. Die Fragestellungen der modernen Papierhistoriker, Handschriften- und Inkunabelforscher, die sich vor allem mit den Wasserzeichen beschäftigen, orientieren sich neben den wirtschafts- und technikgeschichtlichen Feldern der Papierproduktion, des Papierhandels und der Papierverbreitung vor allem an den methodischen Möglichkeiten der Wasserzeichendatierung. Durch die Wasserzeichensammlungen und Untersuchungen maßgeblicher Forscher wie Charles-Moïse Briquet oder Gerhard Piccard wurde die einschlägige Aussagekraft von Wasserzeichen zur Datierung undatierter Handschriften und Drucke herausgearbeitet. Der Wasserzeichenvergleich und die damit einhergehende Feststellung identischer Wasserzeichen bietet demnach die Möglichkeit, diese in der Regel auf wenige Jahre genau zu datieren, was gerade für die frühen Stücke des 14. bis 16. Jahrhunderts von einschlägiger wissenschaftlicher Bedeutung ist. Voraussetzung für die Datierung mittels Wasserzeichen ist entsprechend eine möglichst große Bandbreite datierter Wasserzeichen, die zunächst vor allem mit den gedruckten Wasserzeicheninventaren von Briquet und Piccard geleistet war. Zahlreiche weitere Wasserzeichenrepertorien ergänzen dieses Material, so dass wesentliche Teile der Wasserzeichen des Mittelalters mittlerweile erfasst sein dürften.

Seit einigen Jahren werden die großen Wasserzeichensammlungen auch elektronisch erschlossen und digital präsentiert, wobei jetzt die Sammlung von Gerhard Piccard im Hauptstaatsarchiv Stuttgart mit ca. 92.000 Wasserzeichenbelegen bereits komplett über Internet zugänglich ist. Daneben stehen die großen Datenbanken „WZMA“ (Wien) und „WILC“(Den Haag), die nun als zentrale Informationsquellen in dem von der Europäischen Kommission geförderten Projekt „Bernstein – the memory of papers“ zu einem gemeinsamen „watermark-portal“ im Internet vereint werden sollen. Dabei spielt natürlich die gemeinsame Terminologie bei der Wasserzeichennomenklatur eine besondere Rolle. Die obligatorische Mehrsprachigkeit des Zugangs und der Wasserzeichenbeschreibung erfordert eine internationale Fachdiskussion, wie diese vor allem im Rahmen der IPH (International Association of Paper Historians) bereits Tradition hat.

„Ochsenkopf“ und „Meerjungfrau“ stehen schließlich für zwei bekannte und markante mittelalterliche Wasserzeichentypen, die die zeitgenössische Welt des frühen Papiers genauso repräsentieren, wie die mittelalterliche Ikonologie und die Problemfelder in der aktuellen Papier- und Wasserzeichenforschung. Sie stehen damit auch für die Verbindung mittelalterlicher Papierproduktion mit ihrer modernen Präsentation und Deutung. Die Ausstellung im Hauptstaatsarchiv Stuttgart kann noch bis zum 2.2.2007 besichtigt werden.

Kontakt:
Hauptstaatsarchiv Stuttgart
Konrad-Adenauer-Strasse 4
70173 Stuttgart
Telefon: 0711/212-4335
Telefax: 0711/212-4360
hstastuttgart@la-bw.de
www.lad-bw.de/hstas

Quelle: Landesarchiv Baden-Württemberg.

Sportgeschichte im Mülheimer Stadtarchiv

Ziel des im Mülheimer Stadtarchiv integrierten Sportarchivs ist es, die Mülheimer Sportgeschichte nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Karl Könen, ehemaliger Pressewart des Landessportbundes NRW, und Hans-Karl Starke, früherer Vorsitzender der Mülheimer Turngemeinde 1856, gründeten 1985 aus diesem Grunde das Mülheimer Sportarchiv, dessen Grundstock damals vor allem die Vereinsgeschichte der TG 56, Historisches aus dem Mülheimer Sport, Bücher und Materialien der Turn- und Sportverbände sowie alte Urkunden und Fotos bildeten. Inzwischen ist das historische Material von 90 Sportvereinen im Archiv vorhanden. Ziel ist es jedoch, alle Mülheimer Sportvereine zu veranlassen, auch weiterhin ihr historisches Material dem Sportarchiv zu überlassen, um nicht nur vorhandene Lücken zu schließen, sondern auch, um die Sportgeschichte kontinuierlich weiterschreiben zu können. Zuständig für die Sparte Sport in der historischen Mülheimer Sammlung ist von Beginn an Eva Kniese, kommissarische Leiterin des Stadtarchivs Mülheim. Im Keller des Archivs ist das historische Sportmaterial untergebracht und steht allen Interessierten zur Verfügung, die sich näher mit der Mülheimer Sportgeschichte befassen möchten. Ergänzend dazu liefern Sitzungsprotokolle der Ratsausschüsse, die in der Archivbibliothek untergebrachten Sportbücher und die im Zeitungsarchiv gesammelten Zeitungsartikel die benötigten Informationen.

Kontakt
Stadtarchiv Mülheim
Aktienstraße 85
45473 Mülheim an der Ruhr 
Tel: 02 08 / 455 4260
Fax: 02 08 / 455 4279
stadtarchiv@stadt-mh.de

Quelle: Gaby Rüter, WAZ, 22.12.2006

Lippische Mitteilungen aus Geschichte und Landeskunde 75/2006

Themenschwerpunkte: Archivgeschichte regional und global / „Von Straßen, Häusern und Wohnungen in Detmold“. – Was wäre die (regional-)historische Forschung ohne die Archive? Ja, sie stünde ohne Grundlagen da. Deshalb gratulieren die Lippischen Mitteilungen dem Detmolder Staats- und Personenstandsarchiv nachträglich zum Jubiläum mit dem Schwerpunktthema „Vom Lippischen Landesarchiv zum Landesarchiv Nordrhein-Westfalen“. Im letzten Jahr feierte das staatliche Archiv in Detmold 50 Jahre Staatsarchiv Detmold und 40 Jahre Personenstandsarchiv Westfalen-Lippe. Drei Beiträge der diesjährigen Ausgabe widmen sich daher einzelnen Aspekten der Geschichte des Archivs sowie der aktuellen Diskussion zwischen Archiven und Forschung.

Wolfgang Bender beleuchtet die Geschichte des Lippischen Landesarchivs im 18. Jahrhundert, als der legendäre Archivar Johann Ludwig Knoch enorme Ordnungs- und Verzeichnungsarbeiten leistete und so das Archiv auf den damaligen archivwissenschaftlichen Stand brachte. Noch heute verwenden Forscher und Archivare seine Repertorien, die noch nach dem damals geltenden Pertinenzprinzip gegliedert sind.

Robert Gahde widmet sich in seinem Beitrag der Zeit des Nationalsozialismus. Der Archivar und Historiker legt detailgenau und auf der Basis von zahlreichen Quellen dar, wie das Archiv für die politischen und rassistischen Zwecke unter dem überzeugten Nationalsozialisten Dr. Eduard Wiegand missbraucht wurde.

Michael Aumüller und Mario Wimmer berichten von einer Tagung des Bielefelder Graduiertenkollegs "Archiv – Macht – Wissen“ und stellen ihren sehr abstrakten und weit gefassten Archivbegriff zur Diskussion. Sie dokumentieren darin auch das gemeinsame Ringen zwischen Detmolder Archivaren und Bielefelder Wissenschaftlern um den Archivbegriff: Ist das Archiv eine Institution oder ein abstrakter Speicher für Wissen?

Aus aktuellem Anlass entstand ein zweites Schwerpunktthema: „Von Straßen, Häusern und Wohnungen in Detmold“: Die Ausgrabungen in der Freiligrathstraße in diesem Frühjahr brachten eine Mikwe, ein jüdisches Ritualbad, zum Vorschein und initiierten damit eine Debatte über den Erhalt dieses seltenen Fundes als Hinweis auf das jüdische Leben in Detmold. Deshalb durfte ein – durchaus lebhafter – Bericht der beiden Ausgrabungsleiterinnen Antje Köllner und Melanie Delker-Hornemann nicht fehlen. Ingeborg Kittel unterfüttert hier die teilweise in der Presse nachzulesende Diskussion um ihre Forschungen zu den Häusern und deren Bewohnern in der Freiligrathstraße.

Aktuell in der Lokaldebatte ist auch das Haus Richthofenstraße 16, das Krullsche Haus, das nach aufwändiger Restaurierung einer verbreiterten Straße weichen soll. Frank Budde liefert reich bebildert die wechselhafte Geschichte dieses Hauses. Unbestritten steht das Detmolder Schloss, dessen Interieur sich Thomas Dann in ausführlichen Beschreibungen des Mobiliars widmet.

Selbstverständlich fehlt auch diesmal kein Beitrag zum „Mythos Varusschlacht“. Ein Ergebnis der Deutungen der „Varusschlacht“ ist das Hermannsdenkmal. An den Diskursen über die Planung und Errichtung des Hermannsdenkmals im 19. Jahrhundert kann man – wie die Kunsthistorikerin Imke Ritzmann zeigt – wesentliche Debatten zur nationalen Identifikation und Nationalstaatsbildung ablesen. Die Projektionen auf das Denkmal waren vielseitig und reichten von revolutionären Deutungen bis hin zu national-konservativen und antisemitischen Vereinnahmungen.

Modernisierten die Nationalsozialisten die Berufsausbildung? Dieser Frage geht Ralf Stremmel vom Historischen Archiv Krupp in seinem Beitrag für die Lippischen Mitteilungen und in seiner Habilitationsschrift nach. Der Historiker legt am Beispiel Lippes auf der Basis eines ausführlichen Quellenstudiums dar, wie die Ausbildung in Industrie und Handel durch die Industrie- und Handelskammern verstärkt reguliert und professionalisiert wurde.

Im naturwissenschaftlichen Abschnitt lesen Sie die Fortsetzung des Artikels über die Herbarien im Lippischen Landesmuseum von Dietrich Horstmann und Heinz Lienenbecker. Joachim Kleinmanns stellt darüber hinaus in seinem wissenschafts- und technikgeschichtlichen Beitrag die Sonnenuhr des Instrumentenbauers Heinrich van Lennep vor.

Inhaltsverzeichnis

Editorial

Nachruf
Schmincke, Bernhard / Wehlt, Hans-Peter 
In Memoriam Hermann Schierholz

Vom Lippischen Landesarchiv zum Landesarchiv Nordrhein-Westfalen: Aspekte

Bender, Wolfgang 
Archivar aus Leidenschaft – Johann Ludwig Knoch (1712-1808) 

Gahde, Robert
Im Dienst der nationalsozialistischen Rassenpolitik. Das Lippische Landesarchiv in Detmold 1933-1945

Aumüller, Michael / Wimmer, Mario 
Sammeln für die Ewigkeit: Zur Geschichte und Historiographie von Archiven – Tagungsbericht

Von Straßen, Häusern und Wohnungen in Detmold

Dann, Thomas
Die fürstlichen Parade- und Wohnappartements im Detmolder Schloss

Kittel, Ingeborg 
Die abgerissenen Häuser und ihre Bewohner in der Freiligrathstraße in Detmold

Delker-Hornemann, Melanie / Köllner, Antje 
Erste Mikwe in Detmold entdeckt – Ausgrabungen in der Freiligrathstraße Detmold

Budde, Frank 
Das Krullsche Haus Richthofenstraße 16 in Detmold

Weitere historische Beiträge

Gerking, Willy 
Die Grafen von Lippe-Falkenflucht. Entstehung und Leben einer Seitenlinie des Hauses zur Lippe-Biesterfeld

Ritzmann, Imke
Ideengeschichtliche Aspekte des Hermannsdenkmals bei Detmold

Stremmel, Ralf
Berufsausbildung in Handel und Industrie des „Dritten Reiches“. Das Beispiel Lippe

Technikgeschichte und Naturwissenschaft

Kleinmanns, Joachim
Die Sonnenuhr des Heinrich van Lennep. Ein Nachtrag zum Werkverzeichnis

Horstmann, Dietrich / Lienenbecker, Heinz
Das Herbarium im Lippischen Landesmuseum. Teil 2: Die „Lippische Flora“ 

Buchbesprechungen

Altenberend, Johannes (Hg.), Ein Haus für die Geschichte. Festschrift für Reinhard Vogelsang. 2004 (J. Prieur)

Aschoff, Diethard, Quellen und Regesten zur Geschichte der Juden in der Stadt Hamm. Von den Anfängen bis zur Zeit der Großen Kurfürsten. 1287-1664. (K. Pohlmann)

Bartelt, Fritz, "Unter dem Schatten deines Schwertes“. Von der Schwierigkeit kultureller Eroberungen. 2004. (S. Wiesekopsieker)

Bei der Wieden, Brage (Hg.), Handbuch der niedersächsischen Landtags- und Ständegeschichte. Band I: 1500-1806. 2004. (G. Wilbertz)

Budde, Frank, Holz und Historismus. Der Zimmermeister Wilhelm Schmidt und seine Bauten in Detmold. 2005. (H. Reimers)

Edition Detmold. Vol.1/Almena und Vol. 2/Alverdissen. 2006. (W. Bechtel)

Fischer, Annette. Paderborn. 2004 (S. Wiesekopsieker)

Haase, Bartolt, „Allerhand Erneuerung …“ Eine kirchengeschichtliche Studie zum Übergang deutscher Territorien der Frühneuzeit zur reformierten Lehre aus der Perspektive der Grafschaft Lippe. 2005. (N. Rügge)

Haase, Bartolt / Rickling, Matthias / Wilke, Axel, reformieren – streiten – bekennen. 400 Jahre reformiertes Bekenntnis in Lippe. 2005. (N. Rügge)

Höing, Herbert (Bearb.), Übersicht über die Bestände des Niedersächsischen Staatsarchivs in Bückeburg. 2004 (R. Gahde)

Meurer, Bärbel (Hg.): Marianne Weber. Beiträge zu Werk und Person. 2004. (U. Krey)

Quellen zur Bevölkerungsgeschichte in der Frühen Neuzeit im Niedersächsischen Hauptstaatsarchiv in Hannover. 2005. (R. Gahde)

Rademacher, Jörg W. und Christian Steinhagen, Gelehrtes Münster und rundum. 88 Schriftsteller, Philosophen und Theologen. Wohnorte, Wirken, Werke. 2005 (A. Tegtmeier-Breit)

Schmidt, Christoph, Nationalsozialistische Kulturpolitik im Gau Westfalen-Nord. Regionale Strukturen und lokale Milieus (1933-1945). 2006. (U. Halle)

Schütte, Friedrich, Westfalen in Amerika. Von Boeing, Bruns und Boas bis Ney, Niebuhr und Wewer. 2005 (W. Reininghaus)

Weiß, Gisela, Sinnstiftung in der Provinz. Westfälische Museen im Kaiserreich. 2005. (J. Scheffler)

Wiesekopsieker, Stefan, Hoffmann’s Stärkefabriken in Salzuflen. Unternehmer, Belegschaft und betriebliche Sozialpolitik 1850-1914. 2005. (W. Reininghaus)

Wiesekopsieker, Stefan (Hg.), *Der gute Geist der Badestadt“. 125 Jahre Heimat- und Verschönerungsverein Bad Salzuflen. 2001. (A. Tegtmeier-Breit)

Wilbertz, Gisela, „… ein überaus listiges Weib …“. Maria Rampendahl (1645-1705) und das Ende der Hexenverfolgungen in Lemgo. 2005. (R. Voltmer)

Wiwjorra, Ingo, Der Germanenmythos: Konstruktion einer Weltanschauung in der Altertumsforschung des 19. Jahrhunderts. 2006. (U. Halle)

Sammelrezension: Malwida von Meysenbug. (B. Joergens)

Sammelrezension: Film- und Fotogeschichte. (P. von Hugo)

Vereinschronik von Wolfgang Bender

Verzeichnis der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Sonderveröffentlichungen des Naturwissenschaftlichen und Historischen Vereins für das Land Lippe e. V.

Lippische Geschichtsquellen

Info:
Lippische Mitteilungen aus Geschichte und Landeskunde 75 (2006) 
ISSN: 0342-0876

Bibliotheksnachweis über (Feld „ZDB“ = Zeitschriftendatenbank): 
http://www.lwl.org/westfaelische-geschichte/portal/Internet/ku.php?tab=zes&ID=66

Kontakt
Dr. Bettina Joergens 
Naturwissenschaftlicher und Historischer Verein für das 
Land Lippe e.V. 
Willi-Hofmann-Str. 2 
32756 Detmold 
Tel.: 05231/766-112 
bettina.joergens@lav.nrw.de 
www.nhv-lippe.de

Quelle: Bettina Joergens, Mailingliste Westfälische Geschichte, 18.12.2006

Geschichte der Glocken im Landkreis Lüneburg

In mühevoller zweieinhalbjähriger Kleinarbeit hat Willi Sgodzaj aus Scharnebeck die Geschichte der Glocken im Landkreis Lüneburg aufgearbeitet. Er fotografierte in allen Glockentürmen des Landkreises die Klangwerke und katalogisierte sie anschließend. Eine Fülle von Ordnern und Karteikarten, gefüllt mit unzähligen Daten und Bildern, zeugt von seiner mühseligen Arbeit, die er gerne allen Interessierten in Buchform zur Verfügung stellen würde. Seine Recherchen führten ihn nicht nur ins Deutsche Glockenarchiv in Nürnberg, sondern auch ins Archiv des Landeskirchenamtes Hannover oder in sämtliche Pfarrarchive des Landkreises. Eine große Erleichterung für seine Arbeit bedeutete es, dass bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts und nach dem Ersten Weltkrieg der Lüneburger Glockenexperte Hermann Wrede die Glocken in Stadt und Landkreis umfassend untersuchte und seine Ergebnisse veröffentlichte. Aus der Zeit um 1200 stammen die ältesten Glocken, die sich im Landkreis Lüneburg erhalten haben. Bei ihnen handelt es sich um drei romanische Glocken im Bardowicker Dom. Im Gegensatz zu vielen anderen Glocken, haben sie die Kriegsjahre schadlos überstanden und landeten nicht auf dem so genannten \“Glockenfriedhof\“ im Hamburger Freihafen und von dort in der Verhüttung. Denn Glocken, von denen es unter anderem die Kirchenglocken gibt, die in Friedenszeiten die Gläubigen zum Gebet rufen, die Verstorbenen auf ihrem letzten Gang begleiten, zu Weihnachten die christliche Botschaft verkünden und das Neue Jahr einläuten, waren in Kriegszeiten genauso wie Rats-, Stunden-, Pest- und Richtglocken Objekte der Begierde und wurden zerschlagen und eingeschmolzen. Viele kunstvoll gefertigte Glocken gingen somit für immer verloren. Rund 80 000 kirchliche und weltliche Glocken wurden allein im Zweiten Weltkrieg von den Nationalsozialisten vernichtet. Unterteilt wurden die Glocken in sofort einzuschmelzende \“wertlose Glocken\“, oder in Glocken, die einen geschichtlichen, wissenschaftlichen oder Kunst-Wert besaßen, und erst einmal zurückgestellt wurden. Glocken, die der Zerstörung entgingen, konnten nach dem Ende des Krieges wieder zurückgekauft werden. 

Quelle: Kai Werner Lievenbrück, Landeszeitung Lüneburg, 23.12. 2006

Aufbau eines Gemeindearchivs in Bromskirchen

In der Gemeinde Bromskirchen, Landkreis Waldeck-Frankenberg, soll 2007 damit begonnen werden, ein Gemeindearchiv aufzubauen. Eine Gruppe von zehn Interessierten hat es sich zum Ziel gesetzt, historische Dokumente und Fotos, Akten und Urkunden vor dem Verfall zu retten. Damit soll auch der jüngeren Generation die Möglichkeit gegeben werden, etwas über die Geschichte ihres Heimatortes zu erfahren. Der Anfang dazu wurde bereits mit der Erarbeitung der Chronik zur 750-Jahr-Feier im Jahre 1988 gemacht. Doch erst jetzt soll die Einrichtung eines Gemeindearchivs in die Tat umgesetzt werden. Um sich einen Überblick zu verschaffen, hat die engagierte Gruppe Ehrenamtlicher das vorhandene Material bereits gesichtet. Jürgen Helduser, der vorerst als Ansprechpartner für die Gruppe fungiert, betonte, dass man dankbar sei für jedes weitere zur Verfügung gestellte Material, um den bisherigen Bestand aufzustocken. Er machte auch deutlich, dass sich jeder, der einen Beitrag zur Aufarbeitung und zum Erhalt der eigenen Ortsgeschichte leisten möchte, dieser Gruppe anschließen könne. Außer Bromskirchen sollen auch die Orte Somplar, Neuludwigsdorf, Dachsloch und Seibelsbach miteinbezogen werden. Als Standort für das künftige Archiv wird voraussichtlich ein Raum im Obergeschoss des alten Rathauses dienen. 

Kontakt
Gemeindearchiv Bromskirchen
Jürgen Helduser
59969 Bromskirchen
Tel.: 0 29 84 / 1668 

Quelle: Matthias Müller, HNA, 20.12.2006

Säurefraß bedroht Bestände im Arnsberger Stadtarchiv

Ein Problem, das bereits seit gut zwanzig Jahren bekannt ist, droht nun auch im Arnsberger Stadtarchiv einen großen Teil der Bestände zu zerstören. Etwa die Hälfte der rund 2000 Regalmeter Archivalien ist vom Säurefraß betroffen. Stadtarchivar Michael Gosmann har bereits damit begonnen, das betroffene Material zu sichten und eine Prioritätenliste für unbedingt zu erhaltende Dokumente zu erstellen. Eine komplette Rettung des befallenen Materials ist aus technischen und vor allem aus finanziellen Gründen momentan nicht möglich, denn für die Restaurierung würde man 10 bis 15 Jahre benötigen. Gemeinsam suchen nun die Archivare der betroffenen Archive nach Möglichkeiten, den Schaden auf das geringstmögliche Maß zu beschränken. Zur Zeit wird das sogenannte Entsäuerungsverfahren angewandt, bei dem man mittels Gas das alte Papier entsäuert. Ob diese Behandlung jedoch von Dauer ist, kann man heute noch nicht genau voraussehen. Außerdem sind die bisherigen technischen Anlagen nicht auf diese Unmengen von Papier aus den Archiven des gesamten Bundesgebietes ausgelegt. 

Der Säurefraß bedroht jedoch nicht alle Archivalien, sondern betrifft erst die Dokumente ab 1850. Mit zunehmender Nachfrage, die Papiermangel zur Folge hatte, begann man damals damit, minderwertiges Material herzustellen und zu verwenden, das sehr säurehaltig ist und vor allem bei Sonnen- und UV-Licht sich verfärbt und zerbröselt. Bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts produzierte man dieses anfällige Papier. Um wenigstens die Inhalte dieser Archivalien zu retten, gibt es die Möglichkeit der Mikroverfilmung, das Einscannen in einen Rechner oder das Fotokopieren. Unterstützt bei ihren Rettungsversuchen werden die nordrheinwestfälischen Archive durch die Landesregierung, die eine hohe Summe für diese Maßnahme zur Verfügung gestellt hat und sich mit 70 Prozent an den Kosten einer Massenentsäuerung beteiligt. Da viele Archive jedoch die restliche benötigte Summe kaum aufbringen können, bleibt den Archivaren nichts weiter übrig, als viele wichtige Dokumente dem Verfall zu überlassen, die damit unwiederbringlich für die Forschung verloren gehen.

Kontakt
Stadtarchiv Arnsberg
Klosterstraße 11
59821 Arnsberg
Tel.: 02932/201-1241
Fax: 02932/201-1426
stadtarchiv@arnsberg.de

Quelle: Westfalenpost, 21.12.2006

Facettenreiche Erinnerungen an das Kriegsende in Burscheid

Gemeinsam mit Rolf Engelhardt vom Bergischen Geschichtsverein haben die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen des Stadtarchivs Burscheid Barbara Sarx und Sabine Wurmbach das Buch „Kriegsende in Burscheid – Zeitzeugen erinnern sich“ heraus gegeben. Nach der erfolgreichen Ausstellung „60 Jahre Kriegsende in Burscheid“ vom 18.-29.04.2005 meldeten sich viele Zeitzeugen zu Wort. Somit war das Ziel der Archivmitarbeiterinnen erreicht, das Stadtarchiv in der Burscheider Bevölkerung bekannter zu machen und die Bestände des Archivs zu erweitern. Die Interviews mit den Zeitzeugen hat Constanze Nieder geführt. Viele persönliche Schicksale hat sie dabei erfahren, die sie ohne Veränderungen niedergeschrieben und nun veröffentlicht hat. Sie hat bei ihren Gesprächen erfahren, dass die Menschen trotz der Grausamkeiten des Krieges in den meisten Fällen nie ganz ihren Mut und ihre Hoffnung auf bessere Zeiten verloren hatten und versuchten, irgendwie diese schlimme Zeit zu überstehen. Vor allem nach dem Ende des Krieges entwickelte sich ein großes Gemeinschaftsgefühl, durch das der Wiederaufbau und der allgemeine Aufschwung erheblich erleichtert wurde. Außer den Zeitzeugeninterviews enthält das Buch noch zahlreiche Zeitungsartikel, Ausschnitte aus Tagebüchern, persönliche Erinnerungen, Polizeiberichte sowie Informationen zum Soldaten- und Russengrab auf dem Burscheider Friedhof. Die Dokumentation endet mit der amtlichen Mitteilung des Kriegsendes. 

Kontakt
Stadtarchiv Burscheid
Höhestraße 7-9
51399 Burscheid 
Tel.: 02174-670-342
Fax: 02174-670-111
bildung@burscheid.de 

Quelle: Lokale Informationen, 19.12.2006

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