Illegales Privatarchiv in Linz

Vielleicht hat ihr Chef sie zu häufig aufgefordert, Arbeit mit nach Hause zu nehmen: Eine Chefsekretärin der Stadtverwaltung Linz, die Ende 2003 nach 45-jähriger Tätigkeit in den Ruhestand gegangen ist, soll zwanzig Jahre lang Akten aus dem städtischen Archiv zu Hause gehortet haben. Erst vor wenigen Wochen kam man hinter das Geheimnis der mittlerweile 64-Jährigen. Als sie keine Miete mehr für ihren Keller zahlte, entdeckte ihr Vermieter darin 500 Bananenschachteln. Er alarmierte er den Magistrat der Landeshauptstadt des österreichischen Bundeslandes Oberösterreich.

In der Linzer Stadtverwaltung wurden die Akten in den vergangenen Wochen gesichtet und anschließend wieder ordnungsgemäß reponiert. Der Personalstadtrat von Linz sprach von einem Ausnahmefall und glaubt nicht an Wiederholungstäter: Denn mit der Einführung der elektronischen Aktenführung sei Aktenklau ohnehin nicht mehr so leicht möglich…

Quelle: OÖNachrichten, 30.1.2007

Chronik über das Amt Elmshorn-Land

Otto Leverköhne, Amtsvorsteher des Amtes Elmshorn-Land, hat in der Vergangenheit geblättert. Herausgekommen ist eine 25 Bände umfassende umfangreiche Sammlung von Einladungen, Presseartikeln, Niederschriften, Satzungen, Statistiken, Dokumenten und Belegen aus den Jahren 2000 bis 2005. In einer Chronik über das Amt Elmshorn-Land mit seinen sieben Gemeinden Kölln-Reisiek, Klein Nordende, Klein Offenseth-Sparrieshoop, Raa Besenbek, Seester, Seestermühe und Seeth Ekholt dokumentiert er die Vielzahl der Aufgaben und Aktivitäten eines Amtsvorstehers und einer Amtsverwaltung. Außerdem zeigt die Chronik, wie vielfältig das Leben in einem der Ämter im Kreis Pinneberg ist. Am 24. Januar 2007 wurden die ersten elf Bände der Chronik offiziell an den Kreis Pinneberg übergeben. Kai Wittig, Leiter des Kreisarchivs Pinneberg, betonte, das durch diese Arbeit das Amt Elmshorn Land die am besten dokumentierte Verwaltung Schleswig-Holsteins sei.

Kontakt
Kreisarchiv Pinneberg
Drosteipark 19
25407 Pinneberg
Tel.: 04101 / 212 – 393 oder 212 – 200
Fax: 04101 / 209 – 137

Quelle: Presseinformation Kreis Pinneberg, 18.1.2007; Burkhard Fuchs, Hamburger Abendblatt, 27.1.2007

Heimatkundlicher Arbeitskreis ordnet Archiv der Gemeinde Geroldsgrün

Dank der ehrenamtlichen Tätigkeit einiger Mitglieder des heimatkundlichen Arbeitskreises befindet sich das Archiv der Gemeinde Geroldsgrün, Landkreis Hof, inzwischen in einem geordneten Zustand. Nach dem Umzug ins neue Rathaus im Jahre 2003 machten sich Max Weinhardt, Hilmar Ströhlein und Werner Munzert daran, das Aktenmaterial zu sichten und auszusortieren. Fachkundige Unterstützung erhielten sie dabei von Karsten Kühnel vom Stadtarchiv Hof. 200 nach Sachbereichen sortierte Archivkartons wurden, nach Sachgebieten getrennt, mit Aktenmaterial aus allen Lebensbereichen der Gemeinde gefüllt. Die ältesten Dokumente stammen aus dem Jahr 1846 und die jüngsten – mit Ausnahme der Protokollbücher der Gemeinderatssitzungen bis ins Jahr 1978 – aus den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts. Zu finden sind dort Unterlagen zum Straßenbau und der Wasserversorgung, aber auch über die Versorgung der Bevölkerung im Ersten Weltkrieg mit Brotkarten sowie die Unterstützung durch die Armenkasse. Um einen genauen Überblick über die vorhandenen Archivalien zu bekommen, ist in absehbarer Zeit auch deren elektronische Erfassung geplant.

Aufgrund zahlreicher Fotos, von denen die ältesten aus der Mitte des 19. Jahrhunderts stammen, ist die Entwicklung der Gemeinde Geroldsgrün und ihrer näheren Umgebung gut dokumentiert. Viele Fotos aus dem Besitz der Familie Faber Castell wurden für Reproduktionen zur Verfügung gestellt. Mitglieder des 1992 gegründeten heimatkundlichen Arbeitskreises nutzten bereits den im Archiv vorhandenen schier unerschöpflichen Fundus an Themen und Geschichten, um für das seit 1993 herausgegebene „Geroldsgrüner Blättla“ neben zahlreichen heimatkundlichen Beiträgen auch eine Faber-Chronik und eine Bilder-Sammlung aus Geroldsgrün zusammenzustellen. 

Kontakt:
Gemeinde Geroldsgrün
Keyßerstraße 25
95179 Geroldgrün 
Telefon: 09288 / 961 – 0 
Telefax: 09288 / 961 – 15 
rathaus@geroldsgruen.de

Quelle: Frankenpost, 24.1.2007

Westfälischer Zeuge des Holocaust. Neue DVD porträtiert Kurt Gerstein

Eine der \“merkwürdigsten, widersprüchlichsten und auch unheimlichsten Figuren des Widerstands im \“Dritten Reich\“ hat der Schauspieler Ulrich Tukur Kurt Gerstein genannt. Jetzt erinnert der Landschaftsverband Westfalen-Lippe mit einem Filmporträt an den in Münster geborenen Augenzeugen des Holocaust, der viele Bezüge nach Hagen besaß und besitzt, wie zum Beispiel das Kurt-Gerstein-Haus in Hagen-Berchum.

\“Das Leben Kurt Gersteins ähnelt einer Achterbahnfahrt\“, urteilt Dr. Markus Köster, Leiter des LWL-Medienzentrums für Westfalen, das den Film gemeinsam mit dem Landeskirchlichen Archiv der Evangelischen Kirche von Westfalen und der Matthias-Film gGmbH als DVD für die Bildungsarbeit herausgebracht hat.
Gersteins Elternhaus steht auf der Heerdestraße in Münster. Hier wurde er am 11. August 1905 als Sohn des Landgerichtspräsidenten Ludwig Gerstein und seiner Frau geboren und hier verlebte er die ersten sechs Jahre seines Lebens. In den 1920er Jahren fand Gerstein, dessen Jugend von häufigen Umzügen geprägt war und der vielleicht auch deshalb als schwieriges Kind galt, seine geistige Heimat in der protestantischen Jugendbewegung. Nach einem Bergbaustudium wurde er 1933 auf Drängen der Familie, aber auch aus beruflichen Gründen, Mitglied der NSDAP. Noch im gleichen Jahr protestierte Gerstein, der inzwischen in Hagen lebte, als Bundesführer im Bund Deutscher Bibelkreise heftig gegen die Eingliederung der evangelischen Jugend in die HJ. Drei Jahre später führte seine andauernde Kritik an antichristlichen Tendenzen des nationalsozialistischen Regimes zu seinem Ausschluss aus der NSDAP; es folgten mehrere Festnahmen, KZ-Haft und ein Berufsverbot. 

1941 vollzog sich dann eine weitere, ausgesprochen überraschende Wende in Gersteins Leben: Als Freiwilliger trat er in die Waffen-SS ein. Seinen konsternierten Freunden erklärte er, einen Blick hinter die Kulissen des Terrorregimes, \“in die Feueröfen des Bösen\“ tun zu wollen. Im Hygiene-Institut der Waffen-SS machte Gerstein rasch Karriere und gelangte schließlich tatsächlich in die Vernichtungslager Belzec und Treblinka, wo er Augenzeuge der Massenvergasung von Juden wurde. Tief geschockt versuchte er die internationale Öffentlichkeit zu informieren, fand aber kaum Gehör. 

Nach dem Krieg galt er zunächst als \“belastet\“; erst 1965 wurde er rehabilitiert. \“Bis heute lässt Gersteins erstaunliche Biografie immer noch viele Fragen offen, seine Person sperrt sich gegen alle gängigen Täter-Opfer-Kategorisierungen der nationalsozialistischen Zeitgeschichte\“ so Markus Köster.

Am 29. Januar 2007 wurde die DVD-Edition in Anwesenheit von Hagens Oberbürgermeister Peter Demnitz, LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch und dem Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Alfred Buß, im Historischen Centrum Hagen erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Im Anschluss an die Filmvorführung diskutierten Alfred Buß und der Filmemacher Claus Bredenbrock gemeinsam mit den beiden Historikern Bernd Hey und Ralf Blank über Gersteins Rolle und Position in der Gesellschaft.

Info:
Zum Preis von 14,90 Euro plus Versandkosten (bzw. 45 EUR mit dem Recht zur Öffentlichen Vorführung und zum Verleih) kann die DVD mit Begleitheft beim LWL-Medienzentrum für Westfalen (medienzentrum@lwl.org, Fax: 0251/591-3982) oder im Buchhandel erworben werden.

Selbst Geschichte schreiben

Zu einem Vortrag mit dem Titel „So schreiben Sie Geschichte“ lädt der Gesprächskreis Bocholter Stadtgeschichte am Donnerstag, dem 1. Februar 2007 um 18.30 Uhr ins Bocholter Stadtarchiv ein. Dr. Ziko van Dijk aus Varsseveld/NL erklärt in seinem Referat, wie man aus Quellenmaterial eine lesbare Geschichte schreibt. Der Historiker beschäftigt sich ganz praktisch mit dieser Frage und erklärt, worauf es beim Planen, Sammeln, Schreiben und Veröffentlichen ankommt – egal, ob die Zuhörer selbst forschen oder nur die Arbeit der Geschichtsschreiber besser nachvollziehen wollen. Die Moderation hat Stadtarchivar Dr. Hans D. Oppel. Der Einritt ist frei.

Kontakt
Stadtarchiv Bocholt
Münsterstr.76
46397 Bocholt
Tel.: 02871-953-349
Fax: 02871-953347
stadtarchiv@mail.bocholt.de 

Quelle: Pressemitteilung Stadt Bocholt, 16.1.2007

Neuer Masterstudiengang Geschichte an der Uni Hannover

Seit dem laufenden Wintersemester bietet das Historische Seminar der Leibniz Universität Hannover den forschungsorientierten Masterstudiengang Geschichte an. Im Regelfall kann das Studium ausschließlich zum Wintersemester aufgenommen werden, für 2007 gibt es jedoch eine Ausnahmeregelung. Interessierte können ausnahmsweise auch zum Sommersemester einsteigen, Bewerbungsschluss ist der 15. Februar 2007. 

Der fachwissenschaftliche viersemestrige Masterstudiengang umfasst von der alten Geschichte bis zur Zeitgeschichte die gesamte Breite des Fachs. Während andere Studiengänge des Historischen Seminars stärker an Epochen orientiert sind, ist der Masterstudiengang an systematischen Themenfeldern ausgerichtet. Belegt werden müssen themenspezifische Module, die teils fachliche, teils interdisziplinäre Inhalte vermitteln. Die Studierenden können sich Berufsperspektiven in international orientierten Bereichen der Wissenschaft, Forschung und Bildung, der Politik, internationalen Institutionen, im Archiv- und Verlagswesen sowie im Medien- und Kulturbereich eröffnen.

Schwerpunkte der Lehre sind der osteuropäische Bereich sowie die Regionen Afrika und Lateinamerika/Karibik. Angesichts der zunehmenden Globalisierung von Politik und Wirtschaft sollen die Studierenden über die nationalen und europäischen Entwicklungen hinaus Deutungs- und Aufklärungsfähigkeit erwerben. Der Studiengang verbindet eine zügige und bewusste Schwerpunktausrichtung mit einem ausgeprägten Praxisbezug und diversen Möglichkeiten, Auslandserfahrung zu sammeln. Bewerbungsvoraussetzung für den Masterstudiengang ist ein Bachelor-Abschluss im Fach Geschichte.

Kontakt
Beratungsstelle für Bachelor- und Masterstudiengänge 
Historisches Seminar der Leibniz Universität Hannover 
Im Moore 21
30167 Hannover 
Tel.: 0511 / 762 – 4429 
doerry@hist.uni.hannover.de

Zentrale Studienberatung der Leibniz Universität Hannover
Tel.: 0511 / 762 – 5587 
info@zsb.uni-hannover.de

Quelle: Uni-Protokolle, 26.1.2007

Kaisergeburtstage unter Wilhelm I. und Wilhelm II.

Der Geburtstag von Kaiser Wilhelm II. am 27. Januar war für die meisten seiner Untertanen ganz selbstverständlich der höchste Feiertag im Jahr, der mit großem Aufwand begangen wurde und folglich auch in Form von vielen Augenzeugenberichten festgehalten wurde, von denen sich einige im volkskundlichen Archiv des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) finden. Die Idee, den Geburtstag eines Oberhauptes zu zelebrieren, war nicht neu. In Teilen Deutschlands war diese Tradition schon vor Gründung des Kaiserreiches 1871 etabliert, indem in den deutschen Einzelstaaten die Geburtstage der herrschenden Fürsten gefeiert wurden. „Die Kaisergeburtstage unter Wilhelm I. und später besonders auch unter Wilhelm II. waren mit diesen Festlichkeiten in keinster Weise zu vergleichen, da sie auf nationaler Ebene stattfanden und somit ganz andere Dimensionen und Möglichkeiten der Selbstinszenierung mit sich brachten“, betont Laura Bröker, die sich im Rahmen ihres Praktikums bei der Volkskundlichen Kommission für Westfalen näher mit den Kaisergeburtstagsfeiern auseinandergesetzt hat. 

Die Feiern lenkten die Aufmerksamkeit der benachbarten Staaten auf das Kaiserreich und stellten gleichzeitig dessen Einheit und Geschlossenheit zur Schau. Das versuchten die Organisatoren beispielsweise mit penibel genau geplanten Parademärschen oder großzügig ausstaffierten Musikzügen mit Fackeln zu erreichen. Meist befand sich die gesamte Bevölkerung auf den Beinen, um den besonderen Ehrentag zu begehen und somit die nationale Gesinnung zu demonstrieren. Es wurden Festreden gehalten, Hymnen und Lobpreisungen angestimmt und Geschichtsvorträge gehalten, die von des Kaisers vorbildlichem Leben und seinen Heldentaten berichteten und ihren Teil dazu beitrugen, die Person des Kaisers weiter zu verherrlichen. Nachdem für das Wohl des Kaisers gebetet worden war, machte man sich meist auf den Weg in ein Kaffee- oder Wirtshaus, um dort mit Familie, Freunden und Bekannten weiterzufeiern.

Wie in den Schulen von Ladbergen (Kreis Steinfurt), Gütersloh oder Lünen (Kreis Unna), von wo im LWL-Archiv für westfälische Volkskunde interessante Berichte vorliegen, so war auch in anderen deutschen Schulen der Kaisergeburtstag ein ganz besonderer Tag, der für die Kinder eine willkommene Abwechslung mit sich brachte. So wurden schon Tage vorher die Klassen mit Tannengrün, Efeu und Stechpalmen geschmückt und die Bilder der kaiserlichen Familie, die ohnehin in jedem Klassenraum zu finden waren, mit Moos umkränzt. Diese Ehrenkränze durfte nicht jeder herstellen: In manchen Schulen wurden eigens die besten Schüler ausgesucht, um diese wichtige Aufgabe zu übernehmen. Die Feiern in der Aula fanden am Kaisergeburtstag selbst statt. Sie waren gesetzlich vorgeschrieben und beinhalteten sowohl Ansprachen und Lobreden der Lehrpersonen als auch das Singen von Liedern, die zumeist religiösen, militärischen oder kaiserverherrlichenden Inhalts waren: „Der Kaiser ist ein lieber Mann, er wohnet in Berlin, und wär das nicht so weit von hier, so ging ich heut’ noch hin. Und was ich bei dem Kaiser wollt’? Ich reicht’ ihm meine Hand und gäb die schönsten Blumen ihm, die ich im Garten fand.“

Solche Lieder mussten die Kindern, genau wie detaillierte Angaben zum Werdegang des Kaisers und seiner Familie, von klein auf lernen, um sie jedes Jahr am 27. Januar gemeinsam zum Besten zu geben, bevor die Schüler nach dieser Prozedur schulfrei bekamen. „Die schulische Ausbildung, die ohnehin einer Erziehung zum Untertanengeist und Patriotismus diente und dazu benutzt wurde, das sozialistische Gedankengut, eine zunehmende Bedrohung für das monarchische Kaiserreich, von vornherein aus den Köpfen des Nachwuchses zu verbannen, fand im Kaisergeburtstag ihren Höhepunkt. Durch das Schmücken der Kaiserbilder, das Singen von nationalen Liedern, sowie das Vortragen von kaiserlichen Heldengeschichten wurde für die Kinder eine künstliche Nähe zum kaiserlichen Hof erschaffen, die so niemals existierte“, erklärt Laura Bröker. Hinter dem Kaisergeburtstag stecke viel mehr, als man auf den ersten Blick vermute. Der 27. Januar sei nicht nur ein gewöhnlicher Feiertag, sondern ein perfekt inszeniertes und einstudiertes Großereignis gewesen, dass sowohl darauf abzielte, die nationale Gesinnung zu verschärfen und die Persönlichkeit des Kaisers zu glorifizieren, als auch anderen Staaten zu imponieren und diese dadurch einzuschüchtern, resümiert Laura Bröker. 

Kontakt
Landschaftsverband Westfalen-Lippe
Freiherr-vom-Stein-Platz 1
48147 Münster
Tel.: 0251 591-01
Fax: 0251 591-33 00
lwl@lwl.org 

Quelle: Pressemitteilung LWL, 25.1.2007; Paderzeitung, 26.1.2007

Populäre Medienrezeption okkulter Themen

Fremde Kulte und furchteinflößende Rituale haben immer wieder die Phantasie der Filmschaffenden angeregt. Auch im Archiv des Instituts für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene eV (IGPP) lassen sich an verschiedenen Stellen Hinweise auf die Rezeption okkulter Themen innerhalb der weiten Welt des Filmbusiness finden, so etwa im umfangreichen Teilbestand „Fernsehen – Film – Funk“ oder in den verschiedenen Pressesammlungen. 

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Eines der bekanntesten Beispiele aus diesem Genre dürfte Alan Parkers Erfolgsfilm "Angel Heart" aus dem Jahr 1987 sein, während der im gleichen Jahr in den deutschen Kinos gezeigte Streifen "Das Ritual" (Regisseur: John Schlesinger) weitaus weniger Aufmerksamkeit erreichen konnte. Der auf einem Roman von Nicholas Condé (The Religion, 1982) basierende Film mit dem bekannten Schauspieler Martin Sheen als Hauptdarsteller erschien zunächst in der US-Fassung unter dem Titel "The Believers". Dem Konkurrenzprodukt "Angel Heart" nicht unähnlich speist sich der Plot aus dem Fundus von Ahnenkult, Voodoo und Ritualmord und hat speziell den exotischen Santería-Kult zum gruselig aufbereiteten Sujet. Diese insbesondere auf Kuba und in der Karibik verbreitete Religion verbindet das katholische Heiligenwesen mit der Verehrung eigener, ursprünglich aus dem westafrikanischen Kontext herrührender Santería-Gottheiten und enthält viele Elemente der Magie und des Spiritismus. Die Adaption dieser geheimnisvollen Welt führt in "Das Ritual" schließlich zu einer mehr oder weniger aufregenden Filmhandlung. Unabhängig von der eigenen Qualitätsbewertung stellt der Film ein bemerkenswertes Beispiel für die populäre Medienrezeption okkulter Themen dar, die seit geraumer Zeit Gegenstand der wissenschaftlichen Forschung im IGPP ist. 

Kontakt:
Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene e.V.
-Institutsarchiv-
Uwe Schellinger
Willhelmstraße 3a
79098 Freiburg
0761/20721-61
schellinger@igpp.de
www.igpp.de

Quelle: Uwe Schellinger, Schaufenster ins Archiv 02/07, 1.2.2007

Region Neuenbürg in der Großen Landesausstellung »Königreich Württemberg« vertreten

Überraschende Bezüge zur Pforzheimer Region entdeckte kürzlich Enzkreis-Landrat Karl Röckinger im Alten Schloss in Stuttgart beim Besuch der Landesausstellung „Das Königreich Württemberg 1806 bis 1918 – Monarchie und Moderne“. So ist im Treppenaufgang zum Ausstellungsraum in großen Lettern folgendes Zitat zu lesen: „Im Allgemeinen verblüht das weibliche Geschlecht auffallend bald und die Gesichtsfarbe der Weiber ist meist gelblich und blaß“. Es handelt sich dabei um die wenig schmeichelhafte Beschreibung der Damen in einer Gemeinde im ehemaligen Oberamt Neuenbürg.

Die Ausstellung des Landesmuseums Württemberg dokumentiert anlässlich der 200-jährigen Jubiläums der Erhebung des bisherigen Herzogtums Württemberg zum Königreich die Geschichte bis zum Ende der Monarchie 1918. Das Herzogtum war in den Jahren um 1800 durch Napoleons Gnaden auf etwa doppelte Größe angewachsen und konnte diesen Besitzstand – nunmehr als Königreich – auch auf dem Wiener Kongress wahren. Nun aber galt es, die altwürttembergischen Gebiete mit den Neuerwerbungen auch administrativ und kulturell zu vereinigen. Zu dem früheren – rein evangelisch geprägten – Herzogtum waren im Zuge der Mediatisierung umfangreiche Gebiete kleinerer Fürsten, Reichsritter und Reichsstädte sowie – besonders in Oberschwaben – durch die Säkularisation Gebiete aufgehobener bischöflicher und klösterlicher Herrschaften hinzugetreten. Das Land wurde ohne besondere Rücksicht auf bisherige historische Strukturen in 64 Oberämter eingeteilt. Ein Instrument zur Schaffung eines neuen Landesbewusstseins war die Beschreibung dieser neuen Bezirke in Buchform. Der aller erste dieser Bände galt dem Bezirk Neuenbürg und war betitelt „Beschreibung des Oberamt Neuenbürg und der damit vereinigten vormaligen Oberämter Herrenalb, Liebenzell und Wildbad“ – diese Bezirke waren wie Neuenbürg bereits seit Jahrhunderten württembergisch gewesen. Als Autor fungierte Regierungsrat Christian Kausler, der sein Werk „Seiner Majestät, dem König Wilhelm von Wirtemberg, in tieffster Ehrfurcht“ widmete.

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Abb.: Die Neuenbürger Oberamtsbeschreibung von 1860 – ein Werk aus einer vielbeachteten landeskundlichen Reihe von 64 Bänden (Foto: Sabine Burkard)

Bis 1885 erschienen auch für alle anderen Bezirke entsprechende Oberamtsbeschreibungen, darunter Werke für Leonberg (1852) und Maulbronn (1870). Die Bücher gliedern sich nach einer einheitlichen Struktur in die Kapitel Topographie, Natur, Bevölkerung, Wirtschaft, Geschichte des Oberamts und enthalten eine detaillierte Beschreibung aller Gemeinden. Für diese landeskundliche Buchreihe war Württemberg im 19. Jahrhundert bekannt – und wurde zugleich darum beneidet, da Ähnliches im „Ausland“ – etwa in Baden – nicht existierte. 1860 wurde auch für Neuenbürg eine völlig überarbeitete Neuausgabe veröffentlicht, deren Hauptbearbeiter Finanzrat Karl Eduard Paulus war.

Aus diesem Band nun stammt die eingangs zitierte Aussage, der man weitere hinzufügen kann. So werden etwa die Leute in Schwann wie folgt beschrieben: „Die Einwohner sind im Allgemeinen gut gewachsene gesunde Leute, die sich durch Fleiß und Betriebsamkeit wie durch ein höfliches Benehmen auszeichnen.“ Bei Conweiler macht sich die Grenzlage zu Baden bemerkbar: „Die im Allgemeinen kräftig und großgebauten Einwohner erfreuen sich nicht selten eines hohen Alters; was ihre Sitten betrifft, so haben sie Manches mit den nahewohnenden Badensern gemein.“ Und besonders ausführlich ist der Abschnitt für die damalige Doppelgemeinde Gräfenhausen-Obernhausen formuliert: „Die Einwohner, unter welchen Heirathen mit Auswärtigen nicht vorkommen, sind im Allgemeinen von auffallend schwächlichem Körperbau, eine Erscheinung, deren Grund theils in unkräftiger Nahrung, welche meist aus Kartoffeln und Salat besteht, theils in übertriebenem Fleiß gesucht wird, wie denn der Volkswitz von den Gräfenhausern sagt, daß sie nur mit Einem Fuß in’s Bett gehen, die Obernhauser aber knieen nur in’s Bett.“

Zitate ähnlicher Art ließen sich beliebig fortsetzen und können gerne im Kreisarchiv des Enzkreises nachgelesen werden (Tel. 07231 / 308-508). Alle 64 Bände sind indes in der Großen Landesausstellung noch bis 4. Februar hinter Glas zu bestaunen (Info: www.koenigreich-wuerttemberg.de).

»Steinkeller-Dokumente« gehen ans Südtiroler Landesarchiv

Das Südtiroler Landesarchiv ist seit dem 24. Januar 2007 um einen wertvollen Bestand reicher. Doris Pizzecco Manfrini und Utta Steinkeller Brugger haben dem Archiv nämlich die so genannten „Steinkeller-Dokumente“ als Dauerleihgabe übergeben. „Die Geschichtsforschung ist auf Bürger angewiesen, die ihre private Überlieferung der Öffentlichkeit zugänglich machen", so Landesarchivar Josef Nössing bei der Übergabe. Die „Steinkeller-Dokumente“ sind im April 2006 im Dachboden des Mauracher-Hofes in Bozen entdeckt worden und wären wohl den Mäusen zum Opfer gefallen oder im Bauschutt verschwunden, wenn sie nicht vom Kunstauktionator Stefano Consolati gerettet worden wären. Consolati hat auch die Übergabe an das Südtiroler Landesarchiv angeregt.

Bei den Archivalien handelt es sich um private Briefe, Gerichtsakten, Kauf- und Pachtverträge, die Julius Steinkeller, Besitzer des Bozner Mauracherhofes, im Laufe seines Lebens gesammelt hat. Die Zeitspanne dieser, sowohl für die Familiengeschichte, als auch für die Bozner Stadtgeschichte interessanten Dokumente, erstreckt sich von den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg bis in die 1950er Jahre. Auch ein beachtlicher Fotobestand, der unter anderem eine Dokumentation des Russlandfeldzuges im Zweiten Weltkrieg umfasst und vom Schwiegersohn des Julius Steinkeller stammt, gehört zum Fundus, der gestern dem Landesarchiv übergeben worden ist.

„Die Geschichtsforschung ist auf aufgeschlossene Bürger angewiesen, die ihre private Überlieferung der Öffentlichkeit zugänglich machen. Diese ist eine wichtige Ergänzung zum behördlichen Schriftgut. Dadurch gelingt ‚der andere Blick’ auf das Geschehen. Gerade die Zeitgeschichte steht heute im Mittelpunkt des Interesses, durch diese Dokumentation hilft man der Geschichtsforschung, Lücken zu schließen“, sagte Landesarchivar Josef Nössing bei der gestrigen Übergabe des Bestandes an das Südtiroler Landesarchiv.

Kontakt
Südtiroler Landesarchiv
Armando-Diaz-Straße 8
I-39100 Bozen
Tel.: 0471 411940
Fax: 0471 411959
Landesarchiv@provinz.bz.it 

Quelle: Pressemeldung Autonome Provinz Bozen, 25.1.2007

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