Titel-Ehren für Themen aus der Parapsychologie

Zu den reichhaltigsten Beständen im Archiv des Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene (IGPP) zählen die verschiedenen Presse-Sammlungen zu allen denkbaren Themen aus der Parapsychologie und den Grenzgebieten der Psychologie. Es liegen Bestände aus den unterschiedlichen \’Generationen\‘ der Sammlungstätigkeit vor, im Kontext der Nachlässe zurückreichend bis in die 1920er Jahre. 

Wurde im IGPP lange Zeit vor allem eher projekt- oder themenbezogen gesammelt, erfolgt seit über zehn Jahren eine systematische und möglichst umfassende Dokumentation der relevanten Presseberichterstattung. Zu den entstandenen Sammlungen gehören auch Konvolute mit einzelnen ausgesuchten Zeitschriftenheften. Denn häufig widmeten bekannte Publikumszeitschriften oder auch wissenschaftlich orientierte Zeitschriften den IGPP-Themen Sonderausgaben bzw. erhoben diese prominent auf ihre Titelseiten. 

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Abb.: Du (CH), Nr. 11 / November 1952, Schwerpunkt: „Spuk“, IGPP-Archiv, 40/9/31

So veröffentlichte beispielsweise die Schweizer Kulturzeitschrift "Du" als Novemberheft 1952 eine Ausgabe zum Thema „Spuk“. Als Titelbild verwendete man das Gemälde „Walpugisnacht“ (1896) von Albert Welti. In neuerer Zeit (2006) warf schließlich die Literaturwissenschaft in ihrer Praxiszeitschrift "Der Deutschunterricht" mit mehreren Artikeln einen Blick auf „Das Unheimliche“. – Diese und viel andere ähnliche Beispiele machen deutlich, welche kontinuierliche Faszination von den Forschungsschwerpunkten des IGPP sowohl auf die Zunft der Journalisten und Journalistinnen als auch auf andere Wissenschaftsbereiche ausgeht. 

Kontakt:
Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene e.V.
Uwe Schellinger M.A.
Institutsarchiv
Wilhelmstraße 3a
79098 Freiburg i.Br
0761/2072161
schellinger@igpp.de
www.igpp.de

Quelle: Uwe Schellinger, Schaufenster ins IGPP-Archiv, Nr. 11-07, 1.11.2007

Das Landesarchiv Schleswig-Holstein blickt auf sechzig Jahre zurück

Das Landesarchiv Schleswig-Holstein zeigt derzeit im Rahmen einer Ausstellung über die letzten sechzig Jahre einen Rückblick auf seine wechselvolle Geschichte. Die Ausstellung ist noch bis zum 16. November 2007 im Prinzenpalais zu sehen.

Anlässlich der Einweihung des neuen Domizils des Landesarchivs 1991 schilderte ein Festredner seinen Eindruck mit den Worten: \“Wenn die Akten nicht mehr gebraucht werden, wenn sie aus der Sicht der Verwaltung tot sind, dann kommen sie in die Archive. Die Archive sind sozusagen ihr Himmel. Denn wie im Himmel müssen sich auf jeden Fall die Akten vorkommen, die im Magazin des neuen Landesarchivs untergebracht werden.\“ Bis in den Himmel war es für das Landesarchiv ein langer Weg, der mit dem Start 1871 als \“Preußisches Staatsarchiv\“ in Schleswig seinen Anfang nahm, über eine Zwischenstation in Kiel verlief und schließlich nach dem Zweiten Weltkrieg 1947 zurück nach Schleswig führte – zunächst ins Schloss Gottorf. Seit 1991 hat das Landesarchiv seinen Dienstsitz im historischen Prinzenpalais und einem Archivzweckbau, der als \“Schleswiger Modell\“ zum Vorbild moderner Archivarchitektur wurde.

1947 bis 2007: Der Erfolg dieser \“himmlischen\“ Zeit lässt sich in Zahlen ausdrücken: Der Aktenbestand des Hauses ist mittlerweile auf 35.000 Regalmeter gestiegen. Das Landesarchiv verwahrt darüber hinaus 11.000 Urkunden und 90.000 Karten. Zur Erfüllung seiner vielfältigen Aufgaben verfügt es über eine Foto- und eine Restaurierungswerkstatt. Hier hat das Landesfilmarchiv seinen Sitz mit 450.000 Metern Dokumentarfilm und einem umfangreichen Fotobestand. Die Präsenzbibliothek mit ihren 120.000 Bänden steht auch den Benutzern im Lesesaal zur Verfügung. Das Landesarchiv berät die Dienststellen des Landes bei der Informations- und Schriftgutverwaltung, entlastet sie und leistet einen wichtigen Beitrag zur Verwaltungsreform. Seine Aufgaben regelt seit 1992 das Landesarchivgesetz.

Kontakt:
Landesarchiv Schleswig-Holstein
Prinzenpalais
24837 Schleswig
Telefon: 04621 8618-00
Telefax: 04621 8618-01
landesarchiv@la.landsh.de

Vorträge vom 5. Bayerischen Archivtag 2007

Der 5. Bayerische Archivtag fand vom 15. bis 17. Juni 2007 in Erlangen statt. Er wurde veranstaltet zusammen mit Stadtarchiv Erlangen, Siemens Med-Archiv und dem Universitätsarchiv Erlangen. Es wurden über 250 Archivarinnen und Archivare aus dem staatlichen, kommunalen und kirchlichen Bereich sowie aus Wirtschaft, Industrie, Universität und Wissenschaft erwartet. Der Archivtag stand unter dem Zentralthema "Megatrend Digitalisierung – Strategien der Archive".

Eine Auswahl von Vorträgen vom 5. Bayerischen Archivtag steht online zur Verfügung:

OB Siegfried Balleis: Vortrag zur Verwaltungsmodernisierung und Dokumentenmanagementsystem

Prof. Dr. Manfred Thaller, Universität Köln: Zur Langlebigkeit des Flüchtigen. Digitale Langzeitarchivierung im Spiegel europäischer und internationaler Forschungspolitik 

Dr. Christoph Popp, Stadtarchiv Mannheim: Der eigene Schreibtisch papierarm? Erfahrungen mit einem DMS / VBS im Stadtarchiv Mannheim

Dr. Andrea Wettmann, Sächs. Staatsarchiv, HStA Dresden: Bewertung per Mausklick. Zur Aussonderung und Archivierung elektronischer Akten

Dr. Peter Pfister, Archiv des Erzbistums München und Freising: Vorarbeiten und Vorbereitungen für die Einführung eines Dokumentenmanagementsystem im Erzbischöflichen Ordinariat München

Schülerausstellung über das Schicksal deportierter Juden jetzt in Pforzheim

Über 6.000 Juden aus Baden, der Pfalz und dem Saargebiet verfrachteten die SA-Männer über die Sammelstelle Freiburg durch das Rhonetal in das Internierungslager Gurs in Südfrankreich. Am 22. Oktober 1940 wurden auch 186 Pforzheimer Juden deportiert – genau 67 Jahre später eröffneten Pforzheimer Gymnasiasten im Neuen Rathaus eine Ausstellung über die Judenverfolgung der Nationalsozialisten.

Der Kern der Ausstellung besteht aus Interviews, die Mannheimer Jugendliche vor zwei Jahren in Gurs mit Überlebenden führten – die Klasse 11c des Pforzheimer Theodor-Heuss-Gymnasiums sorgte für den auf Pforzheim bezogenen Teil.

Eine Woche lang hatten die Elfklässler im Pforzheimer Stadtarchiv recherchiert, Fotos gesichtet und Briefe gelesen. Eine Führung mit dem stellvertretenden Leiter des Archivs, Christian Groh, hatte sie in den Umgang mit Originalquellen eingeweiht. Anhand alter Telefonbücher und Meldelisten rekonstruierten die Schüler eine Karte mit jüdischen Geschäften. Briefe von Deportierten beschreiben zudem Einzelschicksale. „Ich habe die Biografie einer Überlebenden gelesen – so nah an unserer Geschichte war ich noch nie“, betonte einer der Schüler. „Das ist Geschichtsunterricht, wie er praxisnäher nicht sein könnte“, ergänzte Heike Reifurth, die Deutsch- und Geschichtslehrerin der Schulklasse.

Kontakt:
Stadtarchiv Pforzheim
Kronprinzenstr. 28
75177 Pforzheim 
Tel: 07231-39 2899 
Fax: 07231-39 1674 
archiv@stadt-pforzheim.de

Quelle: Pforzheimer Zeitung, 23.10.2007

Fotografien aus dem alten Euskirchen

Otto Mertens (1912-2000) aus Euskirchen war nicht nur Fotograf, er trug in den 1950er und 1960er Jahren auch unzählige Fotografien anderer Leute zusammen und reproduzierte sie. So entstand eine einzigartige Sammlung, die er 1992 dem Stadtarchiv Euskirchen übergab. Sie umfasst über 5.000 Positive und eine deutliche größere Zahl von Negativen. Die „Sammlung Mertens“, die in den 1970er Jahren mehrere Ausstellungen mit Bildern über das alte, im Krieg zerstörte Euskirchen bestückt hat, soll von einer Fachfirma digitalisiert werden. 

Den dafür notwendigen umfangreichen Vorarbeiten widmet sich der Doktorand Manuel von Zelisch. Er berichtete von seiner ehrenamtlichen Tätigkeit im Archiv im Rahmen des 36. Museumsgesprächs, das der Förderverein des Stadtmuseums veranstaltete. Der Titel seines Vortrags lautete: „Methodik und Problematik der Bildinterpretation am Beispiel der Fotosammlung Mertens aus dem Stadtarchiv Euskirchen“.

Die Texte zu vielen Bildern von Otto Mertens stammen von dem langjährigen Standesbeamten Hubert Lückerath (1887-1975). Für Mertens war der sehr ortskundige Lückerath eine wichtige Quelle. Gleichwohl handele es sich bei seinen Bildbeschreibungen häufig „um eine Mischung aus Oeskerche Verzällche und persönlicher Erinnerung“, sagte Manuel von Zelisch. Lückeraths Begleittexte bedürfen daher einer genauen Überprüfung, wobei mitunter unscheinbare Details bei der Entschlüsselung der Bildmotive helfen. Aufnahmen von Gebäuden führen dann oft zu den Menschen, die darin lebten oder arbeiteten – und die Geschichte werde dadurch wieder lebendig.

Kontakt:
Stadtarchiv Euskirchen
Stadtverwaltung Kölner Str. 75
53879 Euskirchen
Telefon: 02251-14439
Telefax: 02251-14249
gruenger@euskirchen.de

Quelle: Johannes Bühl, Kölner Stadt-Anzeiger, 23.10.2007

Berleburger Schüler erforschen Wanderwege

Auch das Stadtarchiv Bad Berleburg gehört zu den Gewinnern des nordrhein-westfälischen Landeswettbewerbs \“Archiv und Jugend\“. Das Berleburger Projekt resultiert aus einer Zusammenarbeit des Stadtarchivs mit der Ludwig-zu-Sayn-Wittgenstein-Hauptschule; es wurde von Matthias Heß, dem Geschäftsführer des Touristikvereins, Hauptschullehrer Rüdiger Grebe und Stadtarchivarin Rikarde Riedesel angestoßen.

Unter dem langen Titel \“Lokalgeschichte am Wegesrand. Verknüpfung von archivischer Grundlagenrecherche mit touristischem Marketing – Ein integratives Projekt für Jugendliche\“ recherchiert eine Schülergruppe aus sechs Jungen und fünf Mädchen historische und landschaftliche Grundlagen der \“Wander-Höhepunkte links und rechts des Rothaarsteigs\“. Dazu gehören der \“Wittgensteiner Schieferpfad", die \“Via Adriana\“ und der \“Ederauenweg\“ in Bad Berleburg.

Nachdem die Schüler die Wanderwege praktisch erfahren haben, folge jetzt in enger Abstimmung mit dem Touristikverein die Archivrecherche. Ziel sei es, so Stadtarchivarin Riedesel gegenüber der Westfälischen Rundschau, einen informativen Wanderführer zusammenzustellen, der die Wege und historischen Sehenswürdigkeiten entlang der Routen für Touristen beschreibt. \“Die Jugendlichen sollen sich über die Arbeit mit ihrer Heimat identifizieren\“, so Riedesel. Gerade Kinder mit Migrationshintergrund könnten so viel über die Geschichte und die Landschaft Wittgensteins erfahren.

Kontakt:
Stadtarchiv Bad Berleburg
Poststr.42
57319 Bad Berleburg
Telefon: 02751-85-232
Telefax: 02751-85-288
r_riedesel@bad-berleburg.de

Quelle: Westfälische Rundschau, 25.10.2007

Arnsberger Geschichten von Gebäuden und Familien

Unter den Preisträgern des erstmals ausgeschriebenen NRW-Landeswettbewerbs "Archiv und Jugend" befindet sich auch das Stadtarchiv Arnsberg. Dort hat es der ehemalige VHS-Leiter und jetzige Landtagsabgeordnete Klaus Kaiser (CDU) übernommen, dem Stadtarchiv zu dem Erfolg zu gratulieren.

Das Stadtarchiv Arnsberg konnte sich mit seinem Projekt „Arnsberger Bilder – damals und heute. Geschichten von Gebäuden und Familien“ unter den insgesamt 19 Gewinnern des Landeswettbewerb einreihen.

Kontakt:
Stadtarchiv Arnsberg
Rathausplatz 1
59759 Arnsberg
Telefon: 02932-201-1241 / 201-1859
Telefax: 02932/201-1426
stadtarchiv@arnsberg.de

Quelle: Dorfinfo.de, 26.10.2007

Neusser Stadtteilführer und Quellensammler

Beim Wettbewerb „Archiv und Jugend“ des Landes NRW, für den insgesamt 100.000 Euro zur Verfügung gestellt worden sind, hat sich das Stadtarchiv Neuss erfolgreich mit gleich zwei Projekten beworben. Das Team um Archivleiter Dr. Jens Metzdorf gewann insgesamt 10.000 Euro für die beiden Projekte „Stadtteilführer – Schüler-Geschichtswerkstatt erforscht Geschichte vor Ort“ sowie „Schülerexperten – Schüler der Oberstufe erarbeiten Quellensammlungen zur Stadtgeschichte“. 

Das Projekt "Stadtteilführer" sieht vor, dass Schüler der Jahrgangsstufen acht bis zehn der gerade gegründeten Geschichtswerkstatt am Marie-Curie-Gymnasium zu ganz konkreten Themen aus dem eigenen Stadtteil Material im Stadtarchiv Neuss recherchieren und das gewonnene historische Wissen in Führungen für Mitschüler und später auch für andere ganz direkt vor Ort weitergeben. 

Das zweite Projekt "Schülerexperten" richtet sich eher an Schüler der Oberstufe. Die "Schülerexperten" der Jahrgangsstufen zehn bis zwölf erarbeiten im Archiv Quellensammlungen zu bestimmten Themen und erstellen daraus Materialsammlungen. Diese sollen dann an der eigenen oder von anderen Schulen im Geschichtsunterricht genutzt werden. Man wolle sich im Projekt zunutze machen, dass die Arbeit mit echten historischen Quellen immer spannender sei als mit Quellen aus Lehrbüchern.

Im Stadtarchiv Neuss betreut seit drei Jahren Dr. Annekatrin Schaller alle archivpädagogischen Projekte. Stadtarchivar Metzdorf hat vor fünf Jahren sein Amt als Archivleiter mit dem Anspruch angetreten, die historische Bildungsarbeit wesentlich zu stärken. Die Anerkennung des Landes sei eine Bestätigung für den Weg, auch mit den Möglichkeiten einer relativ kleinen Besetzung Projekte zu entwickeln, die Jugendliche interessieren und die von Archiv und Schule langfristig weiter verwendet werden können.

Kontakt:
Stadtarchiv Neuss
Oberstraße 15
41460 Neuss
Telefon: 02131/ 90-4250
Telefax: 02131/ 90-2433
stadtarchiv@stadt.neuss.de

Quelle: NGZ-Online, 25.10.2007

Migration in Dinslaken und Umgebung

Beim NRW-Landeswettbewerb "Archiv und Jugend" hat das Stadtarchiv Dinslaken einen Preis für ein Gemeinschaftsprojekt mit dem örtlichen Theodor-Heuss-Gymnasium (THG) gewonnen.

Stadtarchivarin Gisela Marzin war bei der Suche nach Kooperationspartnern für den Wettbewerb auf Dennis Neumann, derzeit Referendar am THG, gestoßen. Schnell war das Thema gefunden: " Migration in Dinslaken und Umgebung". Weil die Stadt im 20. Jahrhundert maßgeblich von Bergbau und Zeche geprägt wurde, es immer noch Zeitzeugen gibt und auch auf viele Quellen zurückgegriffen werden kann, entschlossen sich Marzin und Neumann, dieses Thema beim Landeswettbewerb als förderungswürdig vorzustellen.

Nun werden Schülerinnen und Schüler des THG erforschen, wie der Bergbau Menschen aus fremden Länder ins Ruhrgebiet und auch in Lohn und Brot brachte. 15 bis 20 Schüler können bei der Arbeitsgemeinschaft mitmachen, die sich noch nicht formiert hat, die sich aber aus Gymnasiasten der Jahrgänge Sieben bis Zehn zusammensetzen soll.

Stadtarchivarin Marzin beginnt unterdessen mit der Suche nach Zeitzeugen. Wer über seine Zeit im Bergbau den Schülern etwas erzählen möchte, könne sich bei ihr melden. Deutsche wie ausländische Mitbürger sollen zu Wort kommen, da im Bergbau viele Nationalitäten vertreten waren.

Kontakt:
Stadtarchiv Dinslaken
Platz d\‘ Agen 1 / Postfach 100540
Postfach: 100540
46535 Dinslaken
Telefon: 02064-66-269
Telefax: 02064-66-435
gisela.marzin@dinslaken.de 

Quelle: Angelika Ritzka, RP Online, 27.10.2007

Filme in Archiven: Sammeln – Sichern – Sichten. Bericht von der öffentlichen Fachtagung des AK Filmarchivierung in NRW

Die außergewöhnliche Bedeutung, die das Medium Film inzwischen in der Archivarbeit beansprucht, unterstrichen die überaus starke Beteiligung an der Tagung "Filme in Archiven: Sammeln – Sichern – Sichten" ebenso wie die lebhafte Diskussion nach den Referaten und die intensiven Fachgespräche in den Pausen und vor allem auf dem „Markt der Möglichkeiten“.

Mehr als 80 (zahlende) Teilnehmer waren der Einladung des AK Filmarchivierung NRW in die nicht nur landschaftlich schön gelegene, sondern auch tagungstechnisch bestens ausgestatte Katholische Akademie Schwerte/Ruhr, die von dem AK-Mitglied Dr. Johannes Horstmann geleitet wird, gefolgt. Der 1991 vom damaligen Kulturministerium initiierte Arbeitskreis sorgt sich um das audiovisuelle Kulturerbe des Landes und versucht ihm die Zukunft zu sichern. Er hat bisher zwei große Erfassungsmaßnahmen, deren Ergebnisse in gedruckter Form vorliegen, durchgeführt; eine dritte, noch umfangreichere, ist vor wenigen Wochen angelaufen. Außerdem präsentiert er historische Filme in der Öffentlichkeit und sensibilisiert diese für den Wert historischer Filme.

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In der Erkenntnis, dass in vielen Archiven des Landes Roll- und Videofilme in heute nicht gebräuchlichen Formaten verwahrt werden, die aufgrund fehlender Abspielgeräte nicht präsentiert werden können und denen wegen schlechter klimatischer Lagervoraussetzungen die Vernichtung droht, hatte er zu der Informationsveranstaltung eingeladen.

Frau Dr. Sabine Lenk, Leiterin des Filmmuseums der Landeshauptstadt Düsseldorf und Sprecherin des Arbeitskreises Filmarchivierung in NRW, stellte in ihren Ausführungen das Medium Film vor. Sie behandelte die verschiedenen Trägerarten und ihre Eigenschaften. Dabei wurden die Probleme der optimalen Lagerung ebenso berücksichtigt wie die Folgen einer falschen Lagerung am Objekt veranschaulicht. Ein sachgerecht behandelter und gelagerter Film, daran ließ die Referentin keinen Zweifel, ist ein seit nunmehr über 110 Jahren zuverlässiger Archivierungsträger, der in vielen Fällen wichtiges Kulturgut speichert, das ihn äußerst sammelns- und schützenswert macht.

Dr. Ralf Springer, Projektmitarbeiter des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe, stellte die im Entstehen begriffene Filmdatenbank vor, die zunächst die (meist) von Vereinen und Privatpersonen gemachten Filme des Münsterlandes, später die des gesamten Landes Westfalen-Lippe erfasst, erschließt und kopiert. Die Abgabestellen erhalten eine Video-DVD, während der Rollfilm auf Wunsch im klimatisierten Magazin des Landschaftsverbandes verwahrt wird. Die rechtlichen und finanziellen Voraussetzungen für die Verwendung der Datenbank auch für die Erfassung und Erschließung der Filme des Rheinlandes sollen nach Abschluss der Pilotphase geprüft werden.

Prof. Dr. Rainer Polley, Dozent der Archivschule Marburg, erwies sich einmal mehr als kompetenter Referent für das ebenso komplexe wie differenzierte Urheberrecht. Filmgut (soweit nicht als Sicherheitsverfilmung von Akten verwendet) gehört zu den ergänzenden Sammlungen der öffentlichen Archive und ist damit auch öffentliches Archivgut. Zur Bewertung schutzwürdiger Belange ist u. a. von Bedeutung, ob die Filme bereits bei ihrer Entstehung für die Öffentlichkeit bestimmt waren. Schutzwürdige Belange einer Person können bis 70 Jahre nach dem Tode von vielen an der Filmproduktion beteiligten Personen eine Rolle spielen. Der Referent veranschaulichte dies an mehreren Fällen seiner langjährigen Praxis.

Die rege Diskussion der Referate zeigte nachdrücklich, dass bei der sachgerechten Archivierung von Filmmaterial und dessen Präsentation noch ein großer Nachholbedarf besteht; jedoch auch, dass der Wert des Films als Teil des kulturellen Erbes mehr und mehr erkannt wird und entsprechende Anstrengungen unternommen werden, um dieses dauerhaft zu sichern und zugänglich zu halten. Dazu trägt das Land NRW maßgeblich bei, in dem es auf Antrag bis zu 50 Prozent der Kosten für die Kopie wertvollen Filmgutes übernimmt, und zwar im Gesamtumfang von 300.000,- Euro für insgesamt drei Jahre.

Großen Zuspruch verzeichnete auch der „Markt der Möglichkeiten“ mit seinen vielen Beispielen aus der Archivpraxis. Das Filmmuseum Düsseldorf stellte die Filmformate von 70 mm bis Normal- und Super 8 vor, zeigte die verschiedenen Bild- und Tonformate sowie Trägermaterialien und präsentierte Filme in unterschiedlichen Erhaltungszuständen, demonstrierte sachgerechtes Filmkleben und informierte mit Film und CD-ROM über die Arbeit von Kopierwerken.

Die Abteilung Dokumentation und Archiv des WDR zeigte mittels Beispielen die gängigen und nicht mehr verwendeten Videosysteme einschließlich Tonband und nahm fundiert Stellung zu Fragen, die den Umgang mit Videoformaten sowie Videoüberspielung und die damit verbundenen Kosten betreffen. Die Präsentation von Filmen gab einen Ausblick auf die Möglichkeiten der Auswertungen eines Filmarchivs und seiner „Schätze“. Ausgehend von multimedialen Beispielen verschiedener audiovisueller Medien wie DVD oder Internetpräsentationen wurde zum einen gezeigt, wie unterschiedliche Filmmaterialien – in den richten Kontext gesetzt – verarbeitet und auf diese Weise einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden können. Andererseits wurde anschaulich gemacht, wie durch die Einbindung von Materialien anderer Sammlungen, z. B. Fotos, Schriftgut, ein neuer Gesamtzusammenhang entsteht und das Interesse an den verschiedenen Teilen steigern kann.

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe führte in den Aufbau und die Funktionsweise der bereits im Vortragsteil der Veranstaltung präsentierten „Filmdatenbank“ ein und beschäftigte sich mit den Themen „Erfassung“ und „Aufbereitung“ von Daten und Datenbanken. Außerdem wurde am Beispiel von DVDs aus der Film-Reihe des Landschaftsverbandes demonstriert, wie Filme zugänglich gemacht werden können. Der Schwerpunkt setzte hier die Praxis der Vorbereitung (Kosten, Arbeitsschritte) und die Möglichkeiten der Aufbereitung von Material, das gewöhnlich einer breiteren Öffentlichkeit nicht zugänglich ist (z. B. Amateurfilme, orphan films, historisch wertvolle, jedoch extrem kurze Filmwerke). Auch die Kooperationsmöglichkeiten zwischen dem Landschaftsverband und den Besitzern von Filmen wurden häufig diskutiert.

Der Beitrag der Oberhausener Kurzfilmtage betraf das von diesen betriebene Digitalisierungsprojekt. Gezeigt wurden ein rotstichig gewordener Film und seine neue farbkorrigierte digitale Version auf DVD.

Der Arbeitskreis Wirtschaftsarchivare des Ruhrreviers informierte über das laufende Projekt einer detaillierten Erfassung von Filmen aus den 1960er Jahren und stellte das neue Programm von „IndustrieFilm Ruhr“, das unter dem Thema „Das bewegte Ruhrgebiet – Das Ruhrgebiet bewegt“ am 27./28. Oktober 2007 in Essen präsentiert wird, vor. Zugleich informierte er über die Veranstaltungen und Veröffentlichungen der Vergangenheit, insbesondere über das Bestandsverzeichnis der Filme aus den 1950er Jahren und die Veröffentlichung „Industriefilm – Medium und Quelle“.

Das Kopierwerk CINECO aus Neuss informierte über Preise, die bei Umkopierung und Digitalisierung von Filmen anfallen.

Veranstalter und Teilnehmer zogen ein überaus positives Fazit und waren übereinstimmend der Auffassung, dass dies nicht die letzte Veranstaltung zum Archivgut „Film“ gewesen sein darf.

Horst A. Wessel, 4. Oktober 2007

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