Gedenkbuch für die jüdischen NS-Verfolgungsopfer online

Seit dem 14.12.2007 ist das „Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945“ auf der Internetseite des Bundesarchivs unter www.bundesarchiv.de/gedenkbuch zugänglich. Gut eineinhalb Jahre nach der Veröffentlichung des Gedenkbuches in seiner 2., wesentlich erweiterten Auflage vom Frühjahr 2006 sind nun die Namen der Opfer im Internet recherchierbar.

Im Mai 2006 stellte das Bundesarchiv in einer gemeinsamen Veranstaltung mit der Stiftung „Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum“ diese 2. Auflage des Gedenkbuches vor (siehe Bericht vom 8.5.2006). Zwanzig Jahre nach der ersten Auflage 1986 wurden neueste Forschungsergebnisse auf der Basis der seit 1990 veränderten Quellensituation ausgewertet. Erstmalig fanden insbesondere die Opfer aus dem Gebiet der neuen Bundesländer und der ehemaligen Ostgebiete Berücksichtigung.

Eineinhalb Jahre später legt nun das Bundesarchiv mit der Internetpräsentation wiederum einen verbesserten Arbeitsstand, sozusagen eine 3. Auflage, in elektronischer Form vor. Ziel dieser Bemühungen ist es, den verschiedensten Nutzern einen jederzeit verfügbaren Zugriff auf die Forschungsergebnisse zu ermöglichen. Auf die 2006 veröffentlichte Publikation hat das Bundesarchiv umfangreiche Rückmeldungen und Anfragen erhalten. In den zurückliegenden Monaten wurden die Angaben zu den Namen kontinuierlich verbessert und erweitert.

Auf das Engste verknüpft mit der Arbeit für das Gedenkbuch ist das Projekt „Liste der jüdischen Einwohner im Deutschen Reich 1933 – 1945“. Die Erstellung der Liste begann im Bundesarchiv im Frühjahr 2005. Grundlage war ein von der Bundesregierung an das Bundesarchiv und an die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ mit Erlass vom 18. Oktober 2004 erteilter Auftrag, eine möglichst vollständige und genaue Liste der ca. 600 000 jüdischen Einwohner zu erstellen, die zwischen 1933 und 1945 in Deutschland – definiert durch die Grenzen vom 31. Dezember 1937 – ansässig waren und wegen ihrer jüdischen Abstammung oder ihres jüdischen Glaubens vom NS-Staat verfolgt wurden oder sich verfolgt fühlten. Die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ finanzierte mit umfangreichen Mitteln die Erstellung dieser Liste. Die Quellenbasis konnte von anfänglich ca. 300 auf derzeit 1.000 Quellen erweitert werden. Der hohe Synergieeffekt ermöglichte es, die Informationsdichte in kürzester Zeit zu erhöhen. Die Arbeiten daran dauern an.

Parallel zur Eingabe der Korrekturen und Ergänzungen aus den Zuschriften an das Bundesarchiv galt die Aufmerksamkeit der Bearbeiter der weiteren Präzisierung der Deportationsabläufe. Schwerpunkte waren u. a. die Auswertung der Daten aus der Forschungs- und Gedenkarbeit der KZ-Gedenkstätten Ravensbrück, Sachsenhausen, Buchenwald und Neuengamme. Durch Erhebung von Quellen aus ausländischen Institutionen mit der Konzentration auf die Emigration zwischen 1933 bis 1939, also vor der Volkszählung am 17. Mai 1939, konnte für viele der Emigranten nach Belgien, Luxemburg, in die Niederlande und nach Frankreich der Verfolgungsweg, das Schicksal des Einzelnen auch in den verschiedenen Etappen, genauer nachgezeichnet werden. Nicht selten wurden Verfolgungswege rekonstruiert, aus denen deutlich wird, dass Verfolgte drei und mehr Lager zu erleiden hatten.

Dennoch gilt nach wie vor, dass von Vollständigkeit noch nicht gesprochen werden kann. Die Bearbeiter bleiben angewiesen auf und interessiert an Rückmeldungen zu neuen Quellen sowie zu Korrekturen und Ergänzungen. Das Bundesarchiv möchte allen danken, die engagiert unsere Arbeit immer wieder unterstützen. Das Medium Internet bietet die Chance für breite Nutzerkreise, Anteil zu nehmen, an der Arbeit mitzuwirken und der Ermordeten zu gedenken.

Wurden in der Druckfassung 149.625 Namen veröffentlicht, umfasst die aktuelle Präsentation 158.728 Namen, davon rund 155.000 ermordete Personen. Im Vergleich zur vierbändigen Publikation werden auch die Namen aller Personen veröffentlicht, die 1938 nach Polen, hier häufig in den Grenzort Bentschen (Zbaszyn), oder im Sommer 1939 nach Polen abgeschoben wurden, unabhängig davon, ob dem einen oder anderen noch die Emigration glücken konnte und damit die Chance zum Überleben blieb. Die Namen dieses Verfolgtenkreises, insgesamt ca. 7.000 Personen, sind bei der Namenrecherche blau hinterlegt. Unter Die Zwangsausweisung polnischer Juden im Oktober 1938 und ihr weiteres Schicksal finden die Nutzer einen Abriss zur Zwangsausweisung polnischer Juden aus dem Deutschen Reich. Dieses Thema ist bisher in der Literatur noch nicht so präsent wie das gesamte Deportationsgeschehen seit 1941. Die namentliche Veröffentlichung zu diesem Personenkreis stellt ein Novum dar.

Die Geburtsorte wurden im Laufe der Bearbeitung weitestgehend an die territorialen Gegebenheiten zum Zeitpunkt der Geburt angepasst. Die Wohnortangabe entspricht der Erfassung zum Zeitpunkt der Volkszählung vom 17. Mai 1939. Die Onlinestellung des Gedenkbuches zeigt erstmalig das Feld Inhaftierung. Dieses enthält die Haftzeiten, die nicht mit der späteren Deportation in Zusammenhang stehen.

Wenn Anfang 2008 das Gedenkbuch online an einem Terminal im Ort der Information des Mahnmals für die ermordeten europäischen Juden in Berlin zur Verfügung steht, ist schließlich ein würdiger und zugleich öffentlichkeitswirksamer Platz gefunden, um dem regen öffentlichen Interesse am Schicksal der jüdischen Einwohner des Deutschen Reiches zu entsprechen. Diesen Terminal stellt die Gedenkstätte Yad Vashem den Besuchern zur Verfügung.

Mit Hilfe eines individuell zu nutzenden Suchfeldes und verschiedener Suchoptionen (Name, Vorname, Geburtsname, Geburtsdatum, Geburtsort, Wohnort, Deportationsdatum und Deportationsort) kann in der nunmehr also fast 159.000 Personen umfassenden Datenbank gesucht werden. Anhand der Trefferliste können die biographischen Einträge zu den jeweiligen Opfern und ihrem Schicksal ausgewählt werden.

Neben dem zentralen Namenverzeichnis und der Suchfunktion stehen die Texte der Druckauflage, die Chronologie der Deportationen sowie die Auswahlbibliographie zur Verfügung.

Die Startseite informiert über die geleistete Arbeit seit der Veröffentlichung im Jahr 2006. Erstmals enthält das Gedenkbuch auch die Namen der Personen, die 1938/1939 nach Polen abgeschoben wurden.

Die Internetnutzer werden gebeten, Ergänzungen und Korrekturen direkt an das Bundesarchiv unter gedenkbuch@barch.bund.de zu richten, um die laufenden Arbeiten daran zu unterstützen.

Kontakt:
Dr. Claudia Zenker-Oertel
Bundesarchiv
Potsdamer Str. 1
56075 Koblenz
c.zenker-oertel@barch.bund.de

Undine Völschow
Bundesarchiv
Finckensteinallee 63
12205 Berlin
u.voelschow@barch.bund.de

www.barch.bund.de

Archivturm für das Landesarchiv NRW im Duisburger Innenhafen

Nach einem aufwändigen Architekten-Auslobungsverfahren fanden am 21.12.2007 im Duisburger Hafenforum die finalen Präsentationen der teilnehmenden Planungsbüros für das neue Landesarchiv NRW statt (siehe Bericht vom 16.5.2007). Einstimmig entschieden sich das Land Nordrhein-Westfalen, die Stadt Duisburg und die Kölbl Kruse GmbH für den Entwurf des österreichischen Architekturbüros Ortner & Ortner

In dem Entwurf des Architekturbüros Ortner & Ortner wird das vorhandene und unter Denkmalschutz stehende Speichergebäude aus den 1930er Jahren durch einen Archivturm im Zentrum ergänzt. Das Archivgut des Landes kann nun prägnant sichtbar und in Gänze aufgenommen und den Bürgern zur Verfügung gestellt werden. Ein Lesesaal bietet die Möglichkeit, in Ruhe das interessante Archivgut zu studieren. Die Substanz des Speichers ist dafür hervorragend geeignet. Die Öffnungen und die Dachflächen werden geschlossen und fein verändert, die Klinkerfassade wird gereinigt. In der Nacht umfließen bewegte Bilder als Projektionen und Schriftzüge den Backsteinbau. Das Foyer liegt im Schnittpunkt des Speichers und der geplanten Erweiterungsflächen. Gegenüber der Schiffsanlegestelle der Arche-NRW entsteht ein angemessener Eingang. Das Foyer und die öffentlichen Bereiche öffnen sich zur Uferpromenade. Im Innern des Foyers wird der Blick frei auf das gesammelte Archivmaterial. Von hier aus wächst der Neubau nach Süden in das Baufeld hinein. Die einfache Baustruktur in der Materialität des Speichergebäudes erlaubt einen additiven Ausbau und Umbau. Dieser kann subtil auf den Entwicklungsbedarf des Archivgutes reagieren. Die Textur des Speichers überzieht auch die Freiflächen. Ruhige Klinkerflächen bilden einen harmonischen Übergang in Richtung Innenstadt. 

Staatssekretär Grosse-Brockhoff sagte: „Das Landesarchiv im Duisburger Innenhafen stellt eine wichtige Landmarke für Duisburg und für das gesamte Ruhrgebiet dar. Das historische Gedächtnis des Landes in Wort und Bild wird hier auf architektonisch sehr anspruchsvolle Weise aufgehoben.“ Bereits im Oktober 2007 unterzeichnete das Landesarchiv NRW einen Mietvertrag mit der Kölbl Kruse GmbH über die benötigten Büro- und Archivflächen. Erweiterungsflächen sind in der Planung bereits vorgesehen. 

Pünktlich zum Titel „RUHR.2010 – Kulturhauptstadt Europas“ im Jahr 2010 soll das Revitalisierungs- und Neubauprojekt fertig gestellt werden. Der Baubeginn ist für das zweite Quartal 2008 vorgesehen. Mitte 2007 hatte das Essener Immobilienunternehmen Kölbl Kruse GmbH das ca. 4.000 Quadratmeter große RWSG-Areal bereits erworben, zuversichtlich, dass hier eine interessante und spannende Projektentwicklung möglich ist. Für das geplante Landesarchiv wird das Essener Unternehmen als Investor und Projektentwickler tätig werden. 

Kontakt:
Landesarchiv NRW Zentrale Dienste
Graf-Adolf-Straße 67
40210 Düsseldorf
Tel.: +49 211 159 238-0
Fax: +49 211 159 238-111
poststelle@lav.nrw.de

Quelle: Stadt Duisburg, Presseinformation, 21.12.2007

Kreisarchiv Gütersloh zieht ins Haus des Bauern

Wer schon mal beim Umzug geholfen hat, weiß, dass Bücherkisten zu den schweren Brocken gehören, die lässt man lieber für die anderen Helfer stehen. Solche Kartons sollten zudem mit Bedacht und nicht bis Oberkante gepackt werden. Der Umzugsservice „Rund um“ hatte jedoch keine Wahl: Mit 600 Kartons galt es umzuziehen, wenngleich im November 2007 mit den 21.000 Büchern der Archivbibliothek begonnen wurde. Per Lkw mussten Bücher und Büromöbel des Kreisarchivs Gütersloh vom Kreishaus auf den Reckenberg in das rund 700 Meter Luftlinie entfernte "Haus des Bauern" transportiert werden. Im Dezember hatte der Bestand des historischen Archivs bis 1945 ist das neue Domizil des Kreisarchivs nachzufolgen. 

Frühestens im neuen Jahr wird dort ein geregelter Betrieb möglich sein. Noch werden Regale auseinander und wieder zusammengeschraubt, Kisten ausgepackt und die Bücher und Archivalien so wieder in die Regale gestellt, dass man sie auch wieder findet. Kreisarchivar Dr. Günter Brüning, Thomas Sinnreich und Sabrina Voss haben bis Januar 2008 noch alle Hände voll zu tun, um dann wieder für Besucher ein nutzbares Kreisarchiv eingerichtet zu haben.

„Die Idee zum Umzug kam auf, als die Kreisverwaltung auf der Suche nach Räumen für die Mitarbeiter war, die durch die Verwaltungsstrukturreform ab Januar neu beim Kreis anfangen. Von der Bezirksregierung kommen Mitarbeiter aus dem Bereich Immissionsschutz, von den Versorgungsämtern diejenigen, die sich um das Elterngeld und um die Schwerbehindertenversorgung kümmern, zum Kreis Gütersloh. Vor allem für die Mitarbeiter aus den dann aufgelösten

Versorgungsämtern, die sich um die Schwerbehindertenversorgung kümmern, wollte die Gebäudeverwaltung möglichst ebenerdige Räume. Und mit 13,5 Stellen ist dies auch die größte Gruppe. Als Dr. Brüning Ende September gefragt worden ist, ob er sich vorstellen könne, umzuziehen, habe er ja gesagt, erinnert er sich. Bereits seit November sitzt er nun zwischen Umzugskartons und den schwarzen Archivalien-Kartons voller Briefe und Dokumente im Haus des Bauern.

Vor allem Bücher zur Landes- und Ortsgeschichte finden sich in der Archivbibliothek, außerdem sind 4.000 Aufsätze per Karteikarten erfasst. Dazu kommt noch überholte Verwaltungsliteratur, die rund dreiviertel des Bibliotheksbestands ausmachen. „Irgendwann setzt dann plötzlich ein regelrechter Run ein“, berichtet Brüning von schlummernden Titeln aus den Bereichen beispielsweise der Landesplanung, des Umweltschutz oder der Müllproblematik. 

Die neuen Räume liegen im Haus des Bauern Ecke Nordring/Bielefelder Straße, Bielefelder Straße 47, in der ersten Etage und standen seit geraumer Zeit leer, sie werden vom Kreis angemietet, Eigentümer der früheren Kreisimmobilie ist die Landwirtschaftskammer. Dr. Brüning blickt sich um in seinem neuen Reich, alles ist noch etwas provisorisch. „Das wird ganz fein“, sagt er und deutet Richtung künftigem Lesesaal. Der liegt an der Frontseite des Gebäudes, eine Fensterreihe an der Stirnseite lässt reichlich Licht herein. An drei Seiten werden Bücherregale stehen, an den Wänden alte Gemälde und Wappen hängen und mittendrin sechs Tische. Im direkten Zugriff haben die Nutzer hier die Lexika sowie Bücher zur Landes- und Ortsgeschichte Westfalens. 

Kontakt (bisher):
Kreisarchiv Gütersloh
Herzebrocker Str. 140
33324 Rheda-Wiedenbrück
Telefon: 05241-85-2003
Telefax: 05241-85-2000
Guenter.Bruening@gt-net.de

Quelle: Kreis Gütersloh, Pressemitteilung, 28.11.2007

Stadtarchiv Düsseldorf hat 23.000 Totenzettel ausgewertet

Das Stadtarchiv Düsseldorf besitzt zwar viele für die Stadtgeschichte einzigartige Schätze, aber der, den seine ehrenamtlichen Mitarbeiter in dreijähriger Feinarbeit erschlossen haben, war bisher für die Allgemeinheit nicht zugänglich und ist vor allem für die Familienforscher der Region ein echtes Weihnachtsgeschenk. In Buch und CD hat das Stadtarchiv jetzt 23.000 Totenzettel ausgewertet, durch die Recherchen auch am heimischen Computer möglich werden. 

Wer in an einer katholischen Beerdigung teilnimmt, bekommt selbst heute noch oft einen Totenzettel – eins dieser kleinen Gedenkblätter mit einem Heiligenbildchen und den wichtigsten Lebensstationen des Verstorbenen – in die Hand gedrückt, der zum Gedenken und Gebet auffordert. In den beiden Weltkriegen häufig noch mit Fotos der in der Ferne gefallenen Väter, Söhne und Brüder versehen, bilden diese etwa Mitte des 18. Jahrhunderts zuerst in Holland aufgetauchten und bald in weiten Teilen des katholischen Mitteleuropa in Mode gekommenen Totengedenkzettel eine wunderbare Quelle für die Personenforschung. Aber auch für die Ortsgeschichte, die Mentalitätsgeschichte oder etwa – durch die aufwändige und individuelle Gestaltung der Zettel bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts hinein – für die Kunstgeschichte bietet eine größere Sammlung, wie sie das Düsseldorfer Stadtarchiv zusammengetragen hat, ein fruchtbares Feld. 

Dort finden sich zum Beispiel Totenzettel für den Gründer des Breidenbacher Hofes, für den Retter der Lambertus-Kirche Johann Joseph Wimmer, für berühmte Künstler wie Achenbach, Kohlschein, Scheuren, Murdfield, Mintrop oder den Landschaftsarchitekten Maximilian Friedrich Weyhe, für Politiker, Kaufleute und andere für die Geschichte der Stadt bedeutende Persönlichkeiten wie etwa die Familien von Fuchsius, Custodis, Schwann, Lupp oder Piedboeuf und den 1848er-Helden Dr. Josef Neunzig.

Wer einen Blick dafür hat, findet in den älteren Totenzetteln, die erheblich ausführlicher waren als heute, einen ausgezeichneten Beleg für den katholischen Teil der großen Arbeitszuwanderung nach Düsseldorf im ausgehenden 19. Jahrhundert – vor allem Westfalen, Bürger aus der Eifel, vom Niederrhein oder Eichsfeld zog es in die prosperierende Rheinmetropole. Berufsangaben der Verstorbenen zeichnen ein buntes Bild vom Leben der Stadt – wir erfahren von Rheinschiffern, Appellationsräten, Brauern, Königlichen Schauspieldirektoren oder dem Hofpumpenmacher Boos. Doch auch persönliche Katastrophen wie Arbeitsunfälle, der Tod zweier Kinder bei unvorsichtigem Eisgang auf dem Rhein 1821, ein Mord im Jahre 1847 oder die blutigen Straßenkämpfe des Jahres 1919 sind hier dokumentiert und natürlich die unzähligen Opfer der beiden Weltkriege. 

Knapp 18.000 Stücke hatten sich im Lauf der Jahrzehnte angesammelt, der älteste immerhin aus dem Jahre 1741, und durch Presseaufrufe und Spenden von Düsseldorfer Bürgern und Bürgerinnen kamen in den letzten drei Jahren nochmals rund 5.400 dazu, die aber alle bisher nur einigen wenigen Archivmitarbeitern zugänglich waren. Doch 2004 fanden sich ehrenamtliche Helfer, die sich daran machten, jeden einzelnen Totenzettel mit Akribie auszuwerten und alle darin enthaltenen Informationen elektronisch zu erfassen. Durch den Einsatz insbesondere von Manfred Dresen, Günter Kater und Wilfried Krüll ist für das Stadtarchiv selbst eine komfortable Datenbank entstanden, die das Auffinden zum Beispiel aller Totenzettel aus dem 18. Jahrhundert oder aller Weltkriegstoten oder der Verstorbenen eines Familiennamens schnell und einfach macht.

In Zusammenarbeit mit dem Düsseldorfer Verein für Familienkunde erscheint nun vor allem aber auch ein 120 Seiten umfassendes Bändchen mit einem einleitenden Aufsatz über Totenzettel, einer umfassenden Bibliographie zum Thema und ausführlichen Benutzungshinweisen für die beiliegende CD, die auf über 2.000 Seiten als pdf-Dokument in alphabetischer Reihenfolge die ausführlichen Inhaltsangaben aller 23.335 Totenzettel beinhaltet. Sie kann mit dem Acrobat Reader bequem zu Hause nach jedem beliebigen Begriff durchsucht werden. Die Originale können selbstverständlich im Stadtarchiv eingesehen werden.

Das Stadtarchiv freut sich natürlich über jeden weiteren einzelnen Totenzettel, der den Weg ins Archiv findet, um die Sammlung als familien- und stadtgeschichtliche Sammlung zu erweitern. Ansprechpartnerin dafür ist Heike Blumreiter. Sie ist erreichbar unter der Telefonnummer 0211.89-95722. 

Infos zu Buch und CD
Blumreiter – Dresen – Kater – Krüll: \“Die Totenzettelsammlung des Stadtarchivs Düsseldorf: 23.000 rheinische Totenzettel"; 
Düsseldorf (Selbstverlag des Stadtarchivs) 2007 
120 Seiten und CD, ISBN 978-3-926490-16-0, 20 Euro.

Bestellungen 
Stadtarchiv Düsseldorf
42000 Düsseldorf
stadtarchiv@stadt.duesseldorf.de 
www.duesseldorf.de/stadtarchiv/index.shtml

Quelle: Landeshauptstadt Düsseldorf, Pressemitteilung, 19.12.2007

MICHAEL-Portal: Aufnahme digitaler Bestände

Das EU-Projekt „MICHAEL“ (=„Multilingual Inventory of Cultural Heritage in Europe“) wurde 2004 von Frankreich, Großbritannien und Italien ins Leben gerufen. Seit 2006 haben sich weitere 15 europäische Länder dem Folgeprojekt „MICHAEL Plus“ angeschlossen, so auch Deutschland. Sieben deutsche Institutionen aus unterschiedlichen Kulturgutsparten beteiligen sich an „MICHAEL Plus“ (www.michael-culture.org): das Bundesarchiv, die Deutsche Nationalbibliothek, die Bayerische Staatsbibliothek, das Deutsche Museum, das Landesarchiv Baden-Württemberg, die Senckenbergische Naturforschende Gesellschaft und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

Im Rahmen von „MICHAEL Plus“ wird ein mehrsprachiges Kulturportal für den Nachweis digitaler und digitalisierter Bestände und Sammlungen in Europa aufgebaut. Das internationale MICHAEL-Portal wird das digitale Kulturerbe von Archiven, Bibliotheken und Museen auf europäischer Ebene präsentieren und den Zugang dazu vereinfachen.

Zu jedem digitalisierten Bestand und jeder digitalisierten Sammlung wird eine Beschreibung im MICHAEL-Informationssystem hinterlegt. Neben im Internet bereitgestellten Digitalisaten sollen auch im Intranet oder offline (auf Massenspeichern, CD-ROMs, DVDs etc.) verfügbare digitalisierte Bestände nachgewiesen werden, z.B. für die Lesesaal-Nutzung aufbereitete digitalisierte Zeitungssammlungen.

MICHAEL bietet keinen direkten Zugriff auf einzelne Objekte, sondern stellt auf der Bestands- oder Sammlungsebene jeweils eine eigens angelegte Beschreibung bereit. Diese soll einen Überblick über den Inhalt der Sammlung oder des Bestandes liefern und dem Nutzer einen Hinweis auf die Zugangsmöglichkeiten geben, z.B. über den Link zum entsprechenden Webangebot oder durch die Nennung von Adressen oder Bezugsquellen.

Die Aufnahme archivischer digitaler Bestände erfolgt durch das Landesarchiv Baden-Württemberg und das Bundesarchiv: Das Landesarchiv Baden-Württemberg koordiniert die Erfassung der Bestandsbeschreibungen von Archiven in den westdeutschen Bundesländern; das Bundesarchiv nimmt die Angaben zu digitalisierten Beständen in Berlin und den ostdeutschen Bundesländern entgegen. 

Damit das deutsche Portal (www.michael-portal.de) im Mai 2008 erfolgreich online gehen kann, wird um Mithilfe gebeten, insbesondere um die Benennung der eigenen digitalen und digitalisierten Bestände, so dass diese sowohl im deutschen als auch im europäischen MICHAEL-Portal präsentiert werden können.

Die Aufnahme der jeweiligen Bestandsbeschreibungen erfolgt kostenlos. Alle benötigten Angaben werden in einem Meldeformular abgefragt, das per E-Mail angefordert oder direkt von der Website des Landesarchivs Baden-Württemberg (www.landesarchiv-bw.de/michaelplus) heruntergeladen werden kann. Das nach Möglichkeit vollständig ausgefüllte Formular sollte bis spätestens 29. Februar 2008 per E-Mail zurückgesandt werden. 

Rückfragen und Kontakt:
– im Landesarchiv Baden-Württemberg: 
Christina Wolf
Landesarchiv Baden-Württemberg 
Referat 13 „Informations- und Kommunikationstechnologie, Elektronische Dienste“
Eugenstraße 7, 70182 Stuttgart
Tel. 0711 – 212-4270
christina.wolf@la-bw.de

– im Bundesarchiv:
Petra Rauschenbach
Bundesarchiv
Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR
Referat StA 1 
Finckensteinallee 63, 12205 Berlin
Tel. 030 – 187770-740
p.rauschenbach@barch.bund.de

EDV-Findbuch zum Familienarchiv Wippermann erstellt

Zahlreiche, bisher auf Karteikarten oder maschinenschriftlichen Findbüchern verzeichnete Archivalien im Stadtarchiv Lemgo warten darauf, in eine moderne, recherchierbare Archivdatenbank übertragen zu werden. Wertvolle Hilfe erhielt das Team des Lemgoer Stadtarchivs um Leiterin Dr. Anikó Szabó in den letzten Monaten von der Studentin Sabine Lehr aus Potsdam.

Sie studiert dort an der Fachhochschule Informationswissenschaften im Studiengang Archiv und absolviert im Stadtarchiv Lemgo nun ein mehrmonatiges Praktikum. Hier beteiligte sie sich an der Bewertung von Schriftgut im Verwaltungsarchiv, d. h. an der Entscheidung über Aktenvernichtung bzw. die dauernde Übernahme in das Stadtarchiv.

Vornehmlich verzeichnete Sabine Lehr jedoch Nachlässe. Hervorzuheben ist dabei der wertvolle und häufig nachgefragte Nachlass der Familie Wippermann. Eine Linie der Familie lebte in Lemgo, wo der Name nach wie vor Klang besitzt. Neben Bürgermeistern dieses Namens, die die Geschichte der Alten Hansestadt prägten, erinnern sich noch viele Lemgoer an die Schnapsbrennerei Wippermann. Das Familienarchiv Wippermann wurde dem Stadtarchiv 1995 zur dauernden Aufbewahrung und Sicherung übereignet, nachdem sich der Verein der Engelbert Wippermann’schen Familienstiftung aufgelöst hatte. 

Seit 1621 bestand diese Familienstiftung. Engelbert Wippermann, Domherr zu Bremen, gründete sie durch Testamentsverfügung. Die Stiftungsgelder sollten Söhnen der Familie das Rechtsstudium ermöglichen; außerdem wurde für Familienangehörige eigens eine Stiftungsprofessur an der Universität zu Rinteln eingerichtet. Im 20. Jahrhundert hatte sich der finanzielle Grundstock der Stiftung verringert. Stipendien konnten aus den Zinsen nicht mehr finanziert werden. Seitdem wurde das verbleibende Vermögen in die Traditionspflege investiert. 1971 wandelte sich die Rechtsform der Stiftung zum eingetragenen Verein, der sich schließlich – wie erwähnt – 1995 auflöste. Als das Stadtarchiv Lemgo das Familienarchiv Wippermann zur dauernden Aufbewahrung übernahm, erhielt das Stadtarchiv für den Aufwand von Erschließung und Sicherung der bedeutsamen Überlieferung die vormaligen Stiftungsgelder, die auch für Ankäufe von wertvollen und bedeutsamen Archivalien zur Stadtgeschichte genutzt werden sollen.

Das über vier Jahrhunderte gewissenhaft geführte Familienarchiv umfasst alle die Stiftung betreffenden Dokumente, so das Testament des Stifters Engelbert Wippermann, Urkunden, Siegel, Fotografien und eindrucksvolle, kunstvoll gestaltete Stammbäume. Ebenfalls Teil des Nachlasses ist die von Familienangehörigen gründlich erforschte Familienchronik „Geschichte der Engelbert Wippermann’schen Familie“ von 1893. Auch die „Geschichte der Einrichtungen der Engelbert-Wippermannschen Familie“, 1912 verfasst von Conrad Wilhelm Wippermann und zur Zeit ihrer Entstehung nur den Familienmitgliedern einsehbar, befindet sich im Bestand und ist Interessierten nunmehr zugänglich. Der jüngste Zugang zum Bestand ist das in diesem Jahr fertig gestellte Manuskript über die im 19. Jahrhundert nach Amerika ausgewanderten und in Wisconsin angesiedelten Familienmitglieder. Das von Sabine Lehr verzeichnete Findbuch zum Familienarchiv Wippermann ist im Stadtarchiv unter der Angabe „NL 16 – Nachlass Familienarchiv Wippermann“ einsehbar.

Kontakt:
Stadtarchiv Lemgo
Süsterhaus
Rampendal 20a
32657 Lemgo 
Tel. 0 52 61 / 21 34 13
Fax 0 52 61 / 2 13 1 61
stadtarchiv@ lemgo.de

Merckelsche Karte restauriert und digitalisiert

Die Ermittlung von Flächen und Grundstücken ist für den Staat und die Kommunen immer schon von Wichtigkeit gewesen, denn danach berechneten sich auch früher schon die Höhe der Abgaben. Im Jahre 1878 lagen derartige Daten flächendeckend für das Land Lippe vor. Die Stadt Lemgo war aber der Zeit um Jahrzehnte voraus, denn im Jahr 1794 beauftragte sie den Forstauditor und Feldmesser Phillip August Merckel mit der Kartierung der gesamten Lemgoer Gemarkung außerhalb der Innenstadt und der Erstellung eines dazugehörigen Messbuches.

Die aus dieser Vermessung resultierenden zwei Karten, eine als Generalkarte und eine als gebundene Mappe, befinden sich heute noch im Stadtarchiv der Alten Hansestadt Lemgo. Beide Kartenwerke wurden in den Jahren 2003/04 mit Landes- und städtischen Mittel aber auch dank der Unterstützung der „Frauen für Lemgo“ restauriert. 

Foto von der Vorstellung der Merkelschen Karte und des Messbuches ( von links): Dr. Wolfgang Ulrich, Günter Porst, Bürgermeister Dr. Reiner Austermann, Hannes Donat, Birgit Eisermann, Hildegard Tenberg, Georg Kramer, Barbara Hentschel, Dr. Hans-Otto Pollmann, Hermann Hentschel und Archivamtsleiterin Dr. Anikó Szabó

Foto von der Vorstellung der Merkelschen Karte und des Messbuches ( von links): Dr. Wolfgang Ulrich, Günter Porst, Bürgermeister Dr. Reiner Austermann, Hannes Donat, Birgit Eisermann, Hildegard Tenberg, Georg Kramer, Barbara Hentschel, Dr. Hans-Otto Pollmann, Hermann Hentschel und Archivamtsleiterin Dr. Anikó Szabó.

Aufbauend auf dieser Restaurierung haben, hatte der Vorstand des Vereins Alt Lemgo es übernommen, die Karten digital zu kopieren um sie für historische Arbeiten zur Verfügung stellen zu können. Ab 2006 stellte sich der Arbeitskreis Stadtgeschichte im Verein der Aufgabe, das mehr als 200 Jahre alte Messbuch, verfasst in handgeschriebener deutscher Schrift, in lateinische Schrift mit Hilfe eines Rechners zu übertragen. Hierdurch kann das Messbuch nun von Nutzern des Stadtarchivs leichter gelesen und ausgewertet werden. 

Vor einigen Tagen erfolgte nun die Vorstellung und Übergabe dieser umfangreichen Arbeit statt. Hermann Hentschel vom Verein Alt Lemgo übergab eine Ausfertigung der Arbeit sowohl in Papierform als auch als CD an Bürgermeister Dr. Reiner Austermann und Archivamtsleiterin Dr. Anikó Szabó. 

Bürgermeister Dr. Reiner Austermann würdigte mit den Worten: „Heute ist ein guter Tag für Lemgo, wir sind Zeuge geworden wie ein Schatz gehoben wurde“, in seiner anschließenden Dankesrede die ihm überreichten Arbeiten. Sein Dank ging an alle Beteiligten, die in intensiver Arbeit, sich mit außergewöhnlichem Engagement um die Stadt verdient gemacht haben. 

An der großen Gemeinschaftsaufgabe waren beteiligt: Hannes Donat, Dr. Hans-Otto Pollmann, Georg Kramer, Christa Brand, Birgit Eisermann, Barbara Hentschel, Hermann Hentschel, Günter Porst, Hildegard Tenberg, Dr. Wolfgang Ulrich und Dr. Gisela Wilbertz.

Kontakt:
Stadtarchiv Lemgo
Süsterhaus
Rampendal 20a
32657 Lemgo 
Tel. 0 52 61 / 21 34 13
Fax 0 52 61 / 2 13 1 61
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Ausstellung »Studentenproteste in Berlin 1967/68«

Die jüngere Geschichte der Alternativbewegung reicht zurück in die Mitte der sechziger Jahre. Sie hat ihre Ursprünge in den Aktivitäten des von der SPD 1961 ausgeschlossenen Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS). Er war die Keimzelle der Studentenbewegung, aus der sich wiederum alle weiteren sozialpolitischen Bewegungen und Proteste entwickelten. 

Die studentische Protestbewegung nahm ihren Anfang an der Freien Universität Berlin (FU), von hier breitete sie sich über die gesamte Bundesrepublik aus. Die FU war im bewussten Gegensatz zur als unfrei und undemokratisch bezeichneten Universität Unter den Linden im sowjetisch besetzten Sektor der Stadt als freiheitliche Reformuniversität 1948 gegründet worden. In allen beschlussfassenden Gremien waren die Studenten mit Sitz und Stimme vertreten. Damit unterschied sich die FU grundsätzlich von allen westdeutschen Universitäten. Die Auseinandersetzung um das „Berliner Modell“, das den Studierenden der FU weitgehende Mit- und Selbstbestimmungsrechte einräumte, begann mit dem Studentenkongress gegen die Atomrüstung im Jahre 1959. 

Blick in die Ausstellung Studentenproteste in Berlin 1967/68 (Abb.: Landesarchiv Berlin)

In den folgenden Jahren weitete sich die studentische Protestbewegung weiter aus. Neben dem Widerstand gegen die politische Bevormundung durch das erstarrte Universitätssystem protestierten die Studenten gegen die Ausgrenzung „kritischer“, vor allem marxistischer Denktraditionen, gegen die Verdrängung der NS-Vergangenheit in der Bundesrepublik, gegen den Krieg der USA in Vietnam, gegen die Unterdrückung der Bevölkerung in Persien (Iran) und in anderen Diktaturen, gegen die Große Koalition unter Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger und vor allem gegen die Notstandsgesetzgebung. 

In West-Berlin herrschte zu dieser Zeit eine radikale Trennung der Gesellschaft. Einerseits lebten in der Inselstadt Zehntausende junger Zugezogener aus Westdeutschland, die sich auf diese Weise dem Bundeswehrdienst entzogen hatten und die in der anonymen „Frontstadt“ etwas erleben wollten, sowie eine größere Zahl junger Flüchtlinge aus Ost-Berlin und der DDR, wie beispielsweise Rudi Dutschke und Bernd Rabehl, durch die das eher provinzielle Milieu eine erhebliche Belebung erfuhr. Auf der anderen Seite standen die alteingesessenen West-Berliner, die Trümmerzeit, Blockade, Luftbrücke, den Mauerbau erlebt und in all den Jahren dem Kommunismus „widerstanden“ hatten, für die es unerträglich war, dass sich die Proteste der Außerparlamentarischen Opposition (APO) verstärkt gegen eine Schutzmacht der abgeriegelten Stadt – die USA – richteten. 

Die am 13. Dezember 2007 eröffnete Ausstellung des Landesarchivs Berlin „Studentenproteste in Berlin 1967/68“ widmet sich vornehmlich jenen Jahren, die besonders durch den Tod des Studenten Benno Ohnesorg während der Demonstrationen gegen den Schah von Persien am 2. Juni 1967 und durch das Attentat auf den Studentensprecher Rudi Dutschke am 11. April 1968 gekennzeichnet sind. Am Anfang des Jahres 1967 stand zudem die Gründung der Kommune I, die eine neue alternative Lebensform praktizierte, die grundlegende Elemente des bürgerlichen Normen- und Wertesystems in Frage stellte und den Alltag wie auch die zwischenmenschlichen Beziehungen nachhaltig veränderte. Zum Ende des Jahres 1969 löste sich die Kommune I bereits wieder auf, und im Frühjahr 1970 folgte nach wochen- und monatelangen Fraktionskämpfen die bundesweite Selbstauflösung des SDS. Danach begann das Abdriften einzelner SDS-Mitglieder in die so genannten K-Gruppen, in marxistisch-leninistische bzw. maoistische Gruppierungen. Das Frühjahr 1970 wurde zugleich auch die Geburtsstunde der Roten-Armee-Fraktion (RAF). Damit begann ein qualitativ neuer Abschnitt des gewalttätigen Protestes auch gegen Menschen, der zwar aus der studentischen Protestbewegung hervorgegangen war, aber mit ihr nichts mehr gemein hatte. 

Anhand von Flugblättern, Handzetteln und Plakaten der studentischen Gremien, Verbände und der Kommune I sowie von Akten über Gerichtsprozesse gegen Mitglieder der APO beleuchtet die Ausstellung vor allem die Ereignisse am 2. Juni 1967 und um den 11. April 1968 sowie die Proteste der Studenten gegen die verkrusteten Strukturen an den Hochschulen und Universitäten, den Vietnamkrieg und die Notstandsgesetze sowie die Anti-Springer-Kampagne. Bereichert wird die Schau durch Fotografien und einmaliges Filmmaterial zu den Ereignissen der beiden Jahre. 

Info:
Studentenproteste in Berlin 1967/68 
Eine Ausstellung des Landesarchivs Berlin in Zusammenarbeit mit der Stiftung Stadtmuseum Berlin 

Dauer der Ausstellung: 
14. Dezember 2007 bis 18. April 2008 

Öffnungszeiten: 
Mo + Fr 9.00 – 15.00 Uhr 
Di – Do 9.00 – 18.00 Uhr 

Kontakt:
Landesarchiv Berlin 
Eichborndamm 115-121 
13403 Berlin 
Tel.: 030 – 90264 – 0 
Fax: 030 – 90264 – 201
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Großteil des Wittenberger Ratsarchivs digitalisiert

Die Städtische Sammlungen der Lutherstadt Wittenberg haben große Bestände des Ratsarchivs digitalisiert und drei digitale Arbeitsplätze für Besucher des Ratsarchivs geschaffen (siehe den Bericht vom 8.5.2007). 

Die Städtischen Sammlungen der Lutherstadt Wittenberg haben eine lange Tradition. Eine Dokumentenkammer ist schon vor über 700 Jahren vom Rat der Stadt Wittenberg angelegt worden. Später kamen auch verschiedenste Gegenstände hinzu, die von der Verwaltungstätigkeit der Stadt Wittenberg künden. Das Aufheben der Dokumente geschah anfangs noch ohne Wissen darum, welche Bedeutung den Dingen Jahrhunderte später einmal beigemessen werden würde. Im 16. Jahrhundert befand sich im damals neu erbauten Rathaus ein eigenes Ratsarchiv, später auch eine Ratsbibliothek. Das älteste erhaltene städtische Schriftstück, abgesehen von Urkunden, stammt aus dem Jahre 1332.

In den Städtischen Sammlungen der Lutherstadt Wittenberg, im Ratsarchiv, befinden sich derzeit etwa 600 laufende Meter an Archivalien, die von sieben Jahrhunderten Stadtgeschichte künden. Diese Bestände sind für die Öffentlichkeit zugänglich und werden von vielen Forschern aus dem In- und Ausland genutzt. Durch die intensive Arbeit mit den zumeist gebundenen Akteneinheiten, Landkarten und historischen Zeitungen, werden diese sehr beansprucht. Mechanische Schäden sind vor allem bei den Urbarien aufgetreten, was dazu führte, dass sie aus dem Nutzerverkehr genommen werden mussten, um Substanzverluste zu verhindern. 

Um den Inhalt der historischen Schriften für die Zukunft zu erhalten, werden die wertvollen Dokumente seit Jahren systematisch sicherheitsverfilmt. Es ist nun begonnen worden, von diesen Filmen digitale Kopien abzunehmen, die der Nutzer an großen Flachbildmonitoren einsehen kann. Insgesamt wurden so drei neue Arbeitsplätze für die Besucher geschaffen. Derzeit sind etwa 70.000 handschriftliche Seiten und 7000 Zeitungsseiten digital verfügbar. Der Benutzer kann jetzt eigenständig Ausdrucke von gewünschten Dokumenten vornehmen. Die Kopien sind gebührenpflichtig. Die technischen Voraussetzungen wurden durch die Spenden der Sparkasse Wittenberg, der Computerfirma Tconet, Büromaschinen und Computer GmbH aus Wittenberg und der Firma SZK Servicezentrum Kossenblatt GmbH ermöglicht.

Kontakt:
Stadtarchiv der Lutherstadt Wittenberg
Lutherstraße 56 
06886 Wittenberg 
Tel.: 03491 / 433493 0 
stadtgeschichte@stadtverwaltung.wittenberg.de 

Quelle: Lutherstadt Wittenberg, Presseservice, 14.12.2007

Aktentransfer von Chur nach Vaduz nicht ganz fachgerecht

Die Veröffentlichung des vermeintlichen bischöflichen "Diebstahls" von Akten aus dem Bischöflichen Archiv Chur (siehe Bericht vom 12.12.2007) hat das Bischöfliche Ordinariat Chur zu einer Richtigstellung der Sachlage veranlasst. In einer Pressemitteilung heißt es, dass in dem Artikel von Markus Rohner in der Zeitung „Südostschweiz“ vom 11. Dezember 2007 ausgeführt worden sei, dass die Übertragung der Akten in das Erzbischöfliche Archiv von Vaduz in einer Nacht- und Nebelaktion durch „Diebe“ erfolgt ist. Das Ordinariat Chur missbillige diese Darstellung jedoch und distanziere sich voll und ganz davon. "Die erwähnte Übertragung wurde vom damaligen Apostolischen Nuntius in der Schweiz mit Dekret vom 21. Dezember 1997 verfügt, welcher vom Papst den Auftrag hatte, die Errichtung des neuen Erzbistums Vaduz zu vollziehen."

Folglich sei es nicht richtig gewesen, dass der jetzige Churer Diözesanarchivar, der 1997 noch nicht im Amt war, sich in dem Sinne geäußert habe, dass die Aktenübertragung rechtswidrig geschehen sei. Es sei auch nicht korrekt, hier von Eigenmächtigkeit zu sprechen. Diözesanarchivar Dr. Albert Fischer bedauere, dass aufgrund seiner Aussagen der Eindruck in der Öffentlichkeit entstanden ist, dass beim erwähnten Aktentransfer etwas nicht im Einklang mit dem Kirchenrecht geschah. "Leider hatte er keine Kenntnis vom Dekret des Apostolischen Nuntius vom 21. Dezember 1997, und er entschuldigt sich in aller Form gegenüber dem Erzbischof von Vaduz, Msgr. Wolfgang Haas."

Allerdings gestand das Bischöfliche Ordinariat Chur zu, "dass die Aktenübertragung nicht ganz fachgerecht erfolgt" sei. Es sei kein Verzeichnis der transportierten Akten erstellt worden, und es liege weder eine Ausgangsbestätigung seitens der Kanzlei von Chur noch eine Eingangsbestätigung der Kurie von Vaduz vor. "Da der neu ernannte Erzbischof von Vaduz damals zugleich Apostolischer Administrator der Diözese Chur mit allen Vollmachten und Befugnissen eines Diözesanbischofs war, ist es nachvollziehbar, dass das Transferverfahren in sehr einfacher Form erfolgte."

Kontakt:
Bistum Chur
Hof 19, Postfach 133
CH-7002 Chur
Telefon: 081 258 60 00
Fax 081 258 60 01
kanzlei@bistum-chur.ch 

Quelle: Medienmitteilung des Bischöflichen Ordinariats Chur, 14.12.2007

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