Ehemalige Archivarin kehrt ins Stadtarchiv Gaildorf zurück

Die ehemalige Gaildorfer Stadtarchivarin, Dr. Heike Krause, nimmt ab dem 1. Januar 2009 dort ihre Arbeit wieder auf, die sie Ende Juni 2008 aus finanziellen Gründen hatte beenden müssen (siehe Bericht vom 26.6.2008) In der Zwischenzeit hat sie als neue Leiterin des Stadtarchivs Eppingen gearbeitet. Da nun aber die langfristige Finanzierung ihrer Teilzeitstelle in Gaildorf gesichert ist, kehrt Dr. Heike Krause wieder an ihre alte Wirkungsstätte zurück. Dadurch ist gewährleistet, dass das historisch bedeutsame Schriftgut nun auch künftig professionell gesichtet und aufgearbeitet wird, um es in absehbarer Zeit für Forschungszwecke verwenden zu können. An zwei Tagen in der Woche, dienstags und mittwochs, wird sie künftig im Stadtarchiv Gaildorf, Landkreis Schwäbisch Hall, anzutreffen sein. 

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Stadtarchiv Gaildorf
Schloßstr. 20
74405 Gaildorf
Tel.: 07971 / 253 – 0
stadt@Gaildorf.de 

Quelle: Klaus Michael Osswald, Südwest-Rundschau, 22.11.2008; Simon Gajer, Heilbronner Stimme, 25.11.2008

Wertvolles Fotoalbum für Uni-Archiv Leipzig

Seit kurzem befindet sich ein reich verziertes, ledergeprägtes Fotoalbum im Besitz des Universitätsarchivs Leipzig. Ein einzigartiges Dokument, das frühere Schüler am 10. Dezember 1895 ihrem verehrten Professor Ferdinand Zirkel zur Feier seiner 25jährigen Lehrtätigkeit an der Universität Leipzig überreichten. Dieses Fotoalbum ist für wissenschaftshistorische Untersuchungen von großer Bedeutung – für die Universität Leipzig ist es zugleich ein wertvolles Zeugnis für die Erinnerungskultur aus vergangenen Tagen. Ferdinand Zirkel (1838-1912) hatte ab 1870 die Professur für Mineralogie als Nachfolger des berühmten Mineralogen Carl Friedrich Naumann an der Universität Leipzig inne, zuvor war er als Professor für Mineralogie an den Universitäten Kiel und Lemberg tätig gewesen. Größere Studienreisen hatten ihn bis dahin unter anderem nach Island (1860), Schottland, den Pyrenäen und Nordamerika (1874) zur \“geologischen Durchforschung des 40. Breitengrades\“ geführt. Zirkel war auch für seine Pionierarbeit bei der mikroskopischen Untersuchung von Mineralien und Gesteinen bekannt und trieb die Entwicklungen in der mineralogischen Wissenschaft erheblich voran. Nach fast 40 Jahren an der Universität Leipzig legte Ferdinand Zirkel im Jubiläumsjahr 1909 sein Lehramt nieder. Von seinem umfangreichen wissenschaftlichen Werk sind u.a. \“Die mikroskopische Beschaffenheit der Mineralien und Gesteine (1872)\“ und das klassische Werk \“Lehrbuch der Petrographie\“ (1866) zu nennen.

Das Fotoalbum ist überaus schmuckvoll gestaltet, enthält aber auch einen großen Faktenreichtum. Die Angaben über Studienzeiten, Promotionen und die aktuelle Berufsstellung der ehemaligen Studenten Zirkels, die aus ganz Deutschland, aber auch von weither, aus Nord- und Südamerika, Skandinavien und Japan kamen, dokumentieren eine anhaltend enge Bindung an den akademischen Lehrer. Unter den 100 Konterfeis finden sich berühmte Namen, wie Albrecht Penck (1858-1945), Johannes Walther (1860-1937) oder Heinrich Vater (1859-1930). Einer der Schüler war Dr. Karl Vogelsang (1866 – 1920), der 1894 nach bestandenem Examen bei Zirkel als Bergassessor auf mehreren Kontinenten die Bergreviere bereiste. Seit 1901 war er im preußischen Staatsdienst tätig und wurde 1908 Oberberg- und Hüttendirektor in Eisleben. 1920 wurde Vogelsang von aufständischen Arbeitern bei einem Streik erschossen. Zu Ferdinand Zirkels Studenten gehörte auch der spätere Professor für Geologie und Mineralogie an der Kaiserlichen Universität Tokyo, der Japaner Bundjiro Koto (1956 – 1935), dessen bedeutendste mineralogische Entdeckung seinen Namen trägt und sich noch heute als eigenständiger Begriff im Duden findet. Mit seinen Untersuchungen zur Anordnung und Benennung der Gebirgsketten in Korea wurde Koto in Asien berühmt. Die Vereinigte Geologische Gesellschaft in Japan stiftete einen nach ihm benannten Preis. 

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04317 Leipzig
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Quelle: Jens Blecher, Pressemitteilung Universität Leipzig, 25.11.2008

Kirchenkreis Senftenberg-Spremberg erhält Brandenburger Archivpreis

Am 31. Oktober 2008 wurde dem Kirchenkreis Senftenberg-Spremberg der Brandenburger Archivpreis verliehen. Dadurch wurde vor allem das große Engagement von Pfarrer Jürgen Pillwitz gewürdigt, der dort im Jahre 2002 zum ehrenamtlichen Archivpfleger ernannt worden war. Pfarrer Pillwitz nahm diese Aufgabe sehr ernst und kümmerte sich seitdem ernsthaft um den Erhalt und die Erschließung von Archivgut, das in den einzelnen Kirchengemeinden oftmals in Dienstzimmern oder auch auf Dachböden und in feuchten Kellern unsachgemäß gelagert wurde. Dies hatte nicht selten zur Folge, dass die Akten nicht nur verdreckt, sondern auch teilweise verschimmelt waren. Denn so manchen Kirchengemeinden war bis dahin gar nicht so recht bewusst, was sie an alten und für ihre Gemeinden wichtigen Akten besaßen. Pfarrer Pillwitz hofft nun, dass auch nach seinem Weggang, bedingt durch den Antritt seiner neuen Pfarrstelle in Querfurt, seine archivarische Arbeit vor Ort weitergeführt und auch zukünftig so manches Archivmaterial vor dem Verfall gerettet wird.

Quelle: André Kurtas, Lausitzer Rundschau, 1.11.2008

Licht und Schatten in der Geschichte der Universität Jena

Wo viel Licht ist, da gibt es auch Schatten. Diesen Schattenseiten in der 450-jährigen Geschichte der Jenaer Universität wollen Historiker in einer Tagung am 28. und 29. November 2008 nachgehen. Unter dem Titel "Politische Verfolgung von Universitätsmitarbeitern und Studenten" laden sie Fachkollegen, Zeitzeugen und die interessierte Öffentlichkeit in die Rosensäle (Fürstengraben 27) ein. Die "Tagung zur Vergangenheitsklärung", so steht es im Untertitel, behandelt den Zeitraum von 1945 bis 1989. Im Zentrum werden zwei Zeitzeugenrunden stehen, die sich zwei unterschiedlichen Zeiträumen der DDR-Geschichte widmen werden. Die Historiker interessieren sich für den Stand der Forschung zur Opposition in der DDR und die persönlichen Erfahrungen von Zeitzeugen. "Wir werden zwei ganz neue Arbeiten vorstellen", sagt Dr. Tobias Kaiser, der die Tagung gemeinsam mit Dr. Heinz Mestrup initiiert hat. Katharina Lenski erforschte die Tätigkeit der Staatssicherheit an der Universität, Susanne Wildner verfasste eine Arbeit über Disziplinarverfahren in den 1950er Jahren. Den ersten Tag beschließt eine Lesung von Martin Morgner, der sein Manuskript "In die Mühlen geraten – Porträts von politisch verfolgten Studenten der Friedrich-Schiller-Universität Jena zwischen 1967 und 1984" vorstellen wird. 

Am zweiten Tag kommen die Zeitzeugen zu Wort. "Es sind Gäste darunter, die zum ersten Mal öffentlich über ihre Erfahrungen berichten werden", sagt Tobias Kaiser. Zunächst steht die Zeit von 1945 bis zum Ende der 1950er Jahre im Mittelpunkt. Zu Wort kommen u. a. Ruth Weiß aus Rostock, die 1952 aus politischen Gründen exmatrikuliert wurde, Peter Herrmann aus Eisenberg, der zu 14 Jahren Zuchthaus verurteilt worden war und Dr. Wolfgang Möhring aus Hamburg, der bereits 1949 als Mitglied der liberal-demokratischen Opposition verhaftet worden war. Am zweiten Tag steht die Zeit zwischen Mauerbau 1961 und friedlicher Revolution im Fokus. Eingeladen wurden Zeitzeugen wie Guntram Clemens, der im Zuge des "Prager Frühlings" 1968 vom Studium suspendiert wurde, Lutz Rathenow, nach Protesten gegen die Biermann-Ausbürgerung 1977 exmatrikuliert und Roland Jahn, der 1983 gegen seinen Willen in die BRD ausgebürgert wurde. Der stellvertretende Direktor der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen Siegfried Reiprich soll ebenso über seine damaligen Erfahrungen sprechen wie Till Noack, der 1983 unter dem Vorwurf exmatrikuliert wurde, Kontakte zur polnischen "Solidarnosc" zu unterhalten. 

Veranstaltet wird die zweitägige Tagung von der Senatskommission zur Aufarbeitung der Jenaer Universitätsgeschichte im 20. Jahrhundert. Weitere Partner sind die Bundesstiftung Aufarbeitung, die Thüringer Landesbeauftragte für die Unterlagen der Staatssicherheit und die Landeszentrale für politische Bildung. Auf lokaler Ebene wird die Tagung durch das Thüringer Archiv für Zeitgeschichte "Matthias Domaschk" und die Geschichtswerkstatt Jena unterstützt. 

Kontakt
Historisches Institut der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Dr. Tobias Kaiser
Fürstengraben 13
07743 Jena
Tel.: 03641 / 944439
Tobias.Kaiser@uni-jena.de 

Quelle: uni-protokolle, 25.11.2008

Stadtarchiv Münster erinnert an den 9. November 1938

9. November 1938: Jüdische Bürger werden schikaniert, misshandelt, verhaftet, ermordet. Ihre Wohnungen und Häuser verwüstet. Die Synagogen stehen in Flammen. Den 70. Jahrestag des Novemberpogroms nimmt das Stadtarchiv Münster zum Anlass für einen Themenabend am Donnerstag, 27. November 2008. Beginn ist um 18 Uhr. Wie überall im "Dritten Reich" wurde auch in Münster die Synagoge, das Versammlungs- und Gotteshaus der jüdischen Gemeinde, in Brand gesteckt. Über die Vorgänge in dieser Nacht berichten die beiden Historikerinnen, Gisela Möllenhoff und Rita Schlautmann-Overmeyer. Die Referentinnen forschen seit vielen Jahren lokalgeschichtlich zum Thema Judenverfolgung. Sie erinnern an den Pogrom aufgrund persönlicher Berichte betroffener Juden wie nichtjüdischer Zeugen. Rekonstruiert wird das Ausmaß der Zerstörung von Geschäften und Privatwohnungen in Münster. Der Themenabend beleuchtet auch die Rolle, die der spätere Kardinal von Galen einnahm. Der Eintritt zum Themenabend im Stadtarchiv ist frei. 

Kontakt
Stadtarchiv Münster
An den Speichern 8
48157 Münster
Tel.: 0251 / 492 – 47 01
Fax 0251 / 492 – 77 27
archiv@stadt-muenster.de 

Quelle: Pressemitteilung Stadt Münster, 25.11.2008

Tag der offenen Tür im Stadtarchiv Sprockhövel

Am Sonntag, 30. November 2008, von 11.00 bis 16.00 Uhr lädt das Stadtarchiv Sprockhövel zum Tag der offenen Tür ein. Um 12.00 Uhr, 13.00 Uhr und 14.00 Uhr wird Stadtarchivarin Karin Hockamp durch die neuen Archivräume im Pavillon der Gemeinschaftshauptschule Dresdner Straße führen. Zusätzlich gibt es noch Filmvorführungen und zwar „Aufbewahren für alle Zeiten“ um 11.30 Uhr, 12.30 Uhr und 13.30 Uhr sowie „Durch das schöne Westfalen“ von 1929 (!) – Die erste filmische Dokumentation über Westfalen mit einmaligen historischen Aufnahmen um 15.00 Uhr. Des Weiteren gibt es Infos und Tipps zum Archivieren, zur Stadtgeschichte und zur Lokalen Agenda 21 Sprockhövel, Treffen und Austausch mit stadthistorisch interessierten Menschen, Bücher-Trödelmarkt, Sprockhövel-Bücher, Stöbern in der Archivbibliothek, Sprockhövel-Kaffee, Tee und Selbstgebackenes. 

Kontakt
Stadtarchiv Sprockhövel
Dresdener Str. 45 (Ortsteil Niedersprockhövel )
45541 Sprockhövel
Tel.: 02324 / 9701 – 555 
hockamp@sprockhoevel.de

Quelle: Pressemeldung Stadt Sprockhövel, 17.11.2008

Geschichte im Plakat im Stadtmuseum Karlsruhe

In zwei Abteilungen zeigt derzeit das Stadtmuseum Karlsruhe im Prinz-Max-Palais die Sonderausstellung \“Geschichte im Plakat 1945 bis 1963\“. Die beiden Stadtarchive Mannheim und Karlsruhe, Institute für Stadtgeschichte, zeigen damit den dritten von vier Teilen eines gemeinsam konzipierten Zyklusses, in dem sie vom Ende des Ersten Weltkrieges bis in die jüngste Vergangenheit die Entwicklung der Plakatwerbung in ihren Städten unter die Lupe nehmen. Die ersten beiden Teile hatte das Karlsruher \“Stadtgedächtnis\“ zusammengestellt, die Teile drei und vier oblagen und obliegen dem Mannheimer Archiv. 

Der Historiker Dr. Andreas Schenk hat dazu in beiden Archiven sowie im Landesmuseum für Technik und Arbeit rund 3 000 Plakate gesichtet und mehr als 110 für die Ausstellung ausgewählt. Die Ausstellung dokumentiert die alltägliche Not der Menschen nach der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs, lenkt den Blick auf die gesellschaftspolitischen Auseinandersetzungen in der jungen Demokratie und verweist auf den politischen Schlagabtausch zwischen dem Ostblock und den Westmächten in den Zeiten des Kalten Krieges. Im Zentrum der Ausstellung stehen politische Plakate, darunter viele bemerkenswerte Beispiele aus den Wahlkämpfen. Darüber hinaus führen Werbeplakate den wirtschaftlichen Aufschwung in den fünfziger Jahren und das Wiederaufblühen der beiden Städte vor Augen. Dass im Jahre 1947 bereits insgesamt 400 000 Kubikmeter Schutt aus der zerstörten Stadt Karlsruhe weggeräumt waren, verkündet stolz ein Plakat und fordert dazu auf, sich beim Arbeitsamt zum \“freiwilligen Ehrendienst\“ zu melden. Der erste Bundeskanzler Konrad Adenauer mahnt auf einem anderen, \“keine Experimente\“ zu wagen, während ein fröhliches Werbemädchen auf einem bunten Plakat die Vorzüge einer bestimmten Limonade ins rechte Licht rückt. Fotografien und Filmdokumente ergänzen und kommentieren die Schau, die einen umfassenden Überblick über die spannende und wechselvolle Epoche bietet. In Karlsruhe stammen sie vornehmlich vom ehemaligen BNN-Fotografen Horst Schlesiger.

In einem Begleitbändchen, dem eine CD-Rom angeschlossen ist, finden sich rund 160 Plakate, mit denen Schenk und die Stadtarchive die gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Entwicklung der unmittelbaren Nachkriegszeit bis zum Ende der Ära Adenauer in Karlsruhe und Mannheim Revue passieren lassen. Neben zahlreichen Plakaten hängen originale Fotos aus dem gleichen Zeitraum. Im Karlsruher Stadtmuseum ist die Ausstellung, die Kulturbürgermeister Wolfram Jäger und die Archivdirektoren Dr. Ernst Otto Bräunche (Karlsruhe) und Dr. Ulrich Nieß (Mannheim) am 14. November 2008 eröffneten, bis zum 22. Februar 2009 zu sehen. Ein umfangreiches Programm begleitet die Ausstellung. Führungen werden immer sonntags um 15 Uhr angeboten, die nächste am 23. November 2008 mit Dr. Roland Feitenhansl. Am Donnerstag, 27. November 2008, erwartet der ehemalige Stadthistoriker Dr. Manfred Koch interessierte Gäste zu seinem Lichtbildervortrag \“Zwischen Trümmern und Wirtschaftswunder – Streiflichter aus Karlsruhe 1945 – 1963.

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Stadtmuseum Karlsruhe
Prinz-Max-Palais 
Karlstraße 10 
76124 Karlsruhe
Tel.: 0721 / 133 – 4231
Tel.: 0721 / 133 – 4234
stadtmuseum@ kultur.karlsruhe.de

Institut für Stadtgeschichte
Stadtarchiv Karlsruhe
Markgrafenstr. 29
76133 Karlsruhe
Tel.: 0721 / 133 – 4225
Fax: 0721 / 133 – 4299
archiv@kultur.karlsruhe.de 

Stadtarchiv Mannheim
Institut für Stadtgeschichte
Collini-Center
Collinistr. 1
68161 Mannheim 
Tel.: 0 621 / 293 – 7027
Fax: 0 621 / 293 – 7476
stadtarchiv@mannheim.de

Quelle: Stadtzeitung Karlsruhe Aktuell; Ausstellungen Stadtmuseum Karlsruhe

Wiedenbrücker Schule Museum zeigt sakrale Kunst des Historismus

Das \“Wiedenbrücker Schule Museum\“ öffnet am 28. November 2008 seine Tore. Bei zwei Tagen der Offenen Tür können alle Interessierten am Samstag und Sonntag (29. und 30. November 2008) in einer ehemaligen Altarbauwerkstatt auf Entdeckungstour gehen. Das Wiedenbrücker Schule Museum beschäftigt sich trotz seines Namens nicht mit einer pädagogischen Einrichtung, sondern einer Gruppe von Künstlern und Kunsthandwerkern, die zwischen 1864 und dem Ersten Weltkrieg in Wiedenbrück und vereinzelt auch in Rheda Kircheneinrichtungen und sakrale Kunstwerke schufen. Es gab vor Ort ca. 60 Künstler und Kunsthandwerker, von denen 41 eine eigene Werkstatt und ein eigenes Atelier besaßen. Dabei handelt es sich um Bildhauer, Maler, Ornamentiker und Leiter einer Altarbauwerkstatt, die außerordentlich produktiv waren und Kircheneinrichtungen und Kunstwerke in alle Welt lieferten. Das Museum beleuchtet die Arbeit der vier großen heimischen Altarwerkstätten und vieler Künstler und Kunsthandwerker, die ihnen zugeliefert haben. Denn die heimischen Künstler und Kunsthandwerker arbeiteten eng bei der der Ausführung von Aufträgen zusammen. Auf diese Weise ersparten sich sowohl die Auftraggeber als auch die Werkstätten lange Wege und eventuelle Unstimmigkeiten in der gewünschten Ausführung. Kennzeichen der Arbeiten aller Werkstätten waren besondere handwerkliche und künstlerische Qualität und ein außergewöhnliches Stilempfinden. So heben sich die Kunstwerke der Wiedenbrücker von vielen der Konkurrenten ab. Berühmte Kirchenbaumeister in ganz Deutschland arbeiteten gern mit den Wiedenbrücker Werkstätten zusammen. Bereits in den 19 30er Jahren fassten Kunsthistoriker die Meister und ihre Nachfolger sowie ihre Kunstwerke unter dem Namen \“Wiedenbrücker Schule" zusammen. 

Auf Anregung des Rheda-Wiedenbrücker Bürgermeisters Bernd Jostkleigrewe wurde die Wiederbelebung des großen kulturellen Erbes angestoßen und viele aktive Mitstreiter gefunden. Besonders hervorzuheben sind dabei Manfred Schumacher und Alfons Brielmann vom Heimatverein Wiedenbrück-Reckenberg, die während der vergangenen drei Jahre intensive Nachforschungen anstellten. Inzwischen konnten Informationen über mehr als 1.700 Aufträge von etwa 700 Kirchen gesammelt werden, die mit Altären, Kanzeln, Kommunionbänken, Kreuzwegen, Beichtstühlen, Altarbildern, Heiligenfiguren und ganzen Ausmalungen ausgestattet wurden. Zusätzlich zu Aufträgen aus der heimischen Region kamen zahlreiche Aufträge aus dem Ruhrgebiet, dem Rheinland, dem Sauerland und Münsterland, aber auch aus dem Eichsfeld. Auch in Berlin gehörten mehr als zehn Kirchen zu den Kunden. Dort sind einige berühmte Kirchen, z.B. die Rosenkranzbasilika und St. Elisabeth, noch heute im alten Zustand erhalten. Sogar in Königsberg, in Kanada, den USA, Südamerika und China finden sich Erzeugnisse der Wiedenbrücker Werkstätten. 

Ein großes Hindernis bei den Nachforschungen war jedoch die Tatsache, dass ein sehr großer Teil der Geschäftsunterlagen inzwischen verloren gegangen ist und auch viele Kunstwerke zerstört sind. Letzteres ist neben zahllosen Kriegsverlusten unter anderem darauf zurückzuführen, dass ein einschneidender Wandel im Kunstverständnis der Nachkriegsgeneration einsetzte. Die Konsequenz davon war, dass zahllose Kirchenausstattungen und Kirchenausmalungen rigoros beseitigt wurden. Den Höhepunkt erreichte diese Entwicklung dann in den 1960er Jahren, als aufgrund der damals beschlossenen Liturgiereform, Chorraumumgestaltungen notwendig wurden. Diese missbrauchte man oftmals dazu, sich vollständig von den alten Kirchenausstattungen zu trennen und sie durch neue, moderne zu ersetzten. Da man in vielen Fällen keinerlei Verwendung mehr für die alten Stücke hatte, vernichtete man sie bedenkenlos oder überließ sie dem Verfall. Dieses führte schließlich dazu, dass kaum noch jemand eine Vorstellung von den Werken hat, die Künstler und Kunsthandwerker aus Rheda-Wiedenbrück geschaffen haben. Aus diesem Grunde bietet dieses durch den Schwerpunkt " Sakrale Kunst des Historismus" bundesweit einzigartige Museum die Möglichkeit, die Bedeutung und das Ansehen der Wiedenbrücker Künstler und Kunsthandwerker herauszustellen und verdientermaßen an ihre großartigen Leistungen zu erinnern. Anmeldungen für Führungen durch das Museum ab 1. Dezember 2008 nimmt die Flora-Westfalica GmbH, Frau Heidi Kellermann, Mittelhegge 11, 33378 Rheda-Wiedenbrück, Fon: (0 52 42) – 9301 – 16, Fax: (0 52 42) – 9301 – 20 oder per mail: kellermann@flora-westfalica.de entgegen.

Passend zur Museumseröffnung ist auch eine Broschüre zur Wiedenbrücker Schule entstanden. Die Schrift – erschienen als Band Nr. 16 in der Reihe der heimatkundlichen Beiträge der Volksbank Gütersloh eG – trägt den Titel “ Die “Wiedenbrücker Schule”. Eine Stadt entdeckt ihre künstlerische Tradition”. Martin Pollklas, Historiker und Pressesprecher der Stadt Rheda-Wiedenbrück, führt in die Geschichte der Wiedenbrücker Schule ein. Darüber hinaus werden die Traditionslinien der einzelnen Gewerke, wie Bildhauerei, Altarbaukunst und Malerei angesprochen. Martin Pollklas bündelt das Material, das beginnend mit dem Buch von Benedikt Große Hovest und Marita Heinrich "Die Wiedenbrücker Schule. Kunst und Kunsthandwerk des Historismus" im Laufe der letzten Jahre gesammelt wurde. Darüber hinaus werden die Forschungsergebnisse, die Manfred Schumacher und Alfons Brielmann vom Heimatvereins Wiedenbrück-Reckenberg für die Erarbeitung der Grundlagen für das Wiedenbrücker Schule Museum zusammengetragen haben, erstmals öffentlich vorgestellt. Ein reicher Fundus an Bildern , unter anderem aus dem Stadtarchiv Rheda-Wiedenbrück, wo sich auch umfangreiches weiteres Material zu diesem Thema befindet, ist in die Schrift von Martin Pollklas mit eingeflossen, so dass das Lesen nicht nur ein Fest für Heimatfreunde, sondern auch für Liebhaber sakraler und wirtschaftsgeschichtlicher Thematik wird.

Kontakt:
Wiedenbrücker Schule Museum
Hoetger-Gasse 1
33378 Rheda-Wiedenbrück
Tel.: 05242 / 9301 – 0
Fax: 05242 / 9301 – 20

Stadtarchiv Rheda-Wiedenbrück
Rathausplatz 13
33378 Rheda-Wiedenbrück
Tel.: 05242 / 963 – 274
Fax: 05242 / 963 – 222
Annette.Roesler@gt-net.de 

Quelle: Aktuelles Bildung & Kultur, Stadt Rheda-Wiedenbrück; Sondermeldungen Wiedenbrücker Schule Museum; Informationen Heimatverein Wiedenbrück-Reckenberg; Die Glocke, 20.11.2008

Historisch-kritische Neuedition von Goethes Briefen

Am Freitag, 28. November 2008, 18 Uhr, wird im Literaturhaus Berlin,  Fasanenstraße 23, die im Auftrag der Klassik Stiftung Weimar/Goethe- und Schiller-Archiv herausgegebene historisch-kritische Neuedition von Johann Wolfgang Goethes Briefen präsentiert. Die Herausgeber Georg Kurscheidt, Norbert Oellers und Elke Richter stellen gemeinsam mit dem Akademie Verlag im Rahmen einer Lesung und anschließenden Gesprächsrunde die beiden ersten Bände vor, die die Briefe des jungen Goethe aus den Jahren 1764 bis 1775 umfassen. Aus dem genannten Zeitraum sind 398 Briefe an 69 Adressaten, wie Goethes Schwester Cornelia, die mütterliche Freundin Sophie von La Roche, der Zürcher Pfarrer Johann Caspar Lavater oder Johann Gottfried Herder, überliefert. Das Hauptanliegen der neuen Ausgabe ist neben der Aktualisierung und Erweiterung des Textbestandes und dessen Edition nach heutigen wissenschaftlichen Prinzipien die Kommentierung von Goethes Briefwerk. 

In den Kommentarbänden werden die Briefe Goethes erstmals umfassend wissenschaftlich erläutert. Neben Begriffs- und Sacherklärungen, der Identifikation von Personen und dem Nachweis von Zitaten, widmet sich der Kommentar vor allem dem sich verändernden persönlichen Umfeld des Absenders, sowie der Persönlichkeit des Adressaten und dessen Beziehung zu Goethe. Auf diesen sozial-kommunikativen Aspekt der Briefe gehen übergreifende Erläuterungen ein, die sich auf den Brief als Ganzes beziehen. Ebenso gibt es zusammenfassende Überblickskommentare, die die Gesamtkorrespondenz Goethes mit einem Adressaten beleuchten und die über dessen Biographie, über Beginn und Verlauf der Beziehung zu Goethe, sowie über Charakter und Entwicklung des Briefwechsels informieren. Voraussichtlich im Januar 2009 wird die historischen-kritische Ausgabe der Goethe-Briefe auch in Weimar vorgestellt. 

Info
Johann Wolfgang Goethe: Briefe. Historisch-kritische Ausgabe. Im Auftrag der Klassik Stiftung Weimar, Goethe- und Schiller-Archiv hrsg. von Georg Kurscheidt, Norbert Oellers und Elke Richter. Band 1 I/II: Briefe. 23. Mai 1764–30. Text und Kommentar. Dezember 1772. Hrsg. von Elke Richter und Georg Kurscheidt. 2 Bde. ca. 830 S. Berlin: Akademie Verlag, 2008

Kontakt
Klassik Stiftung Weimar
Burgplatz 4
99423 Weimar
Tel.: 03643 / 545 – 0
Fax: 03643 / 545-454 
info@klassik-stiftung.de

Klassik Stiftung Weimar
Direktion Goethe- und Schiller-Archiv
Hans-Wahl-Straße 4
99425 Weimar 
Tel.: 03643 / 545 – 240
Fax: 03643 / 545 – 241
bernhard.fischer@klassik-stiftung.de

Quelle: Pressemitteilung Klassik Stiftung Weimar, 24.11.2008

Hegel-Symposium in Nürnberg

„’Hegel kommt’ – Die Nürnberger Jahre des Philosophen 1808-1816“ ist ein wissenschaftliches Symposium zum Hegeljubiläum überschrieben, das am Freitag, 28. November 2008, von 9.30 bis 16 Uhr in der Nürnberger Akademie, Gewerbemuseumsplatz 2, Fabersaal, stattfindet. Der Eintritt ist frei. 

Anlässlich des 200. Jahrestags von Hegels Ankunft in Nürnberg veranstaltet das Stadtarchiv Nürnberg in Kooperation mit dem Verein für Geschichte der Stadt Nürnberg und dem Bildungszentrum Nürnberg das ganztägige Symposium. Fünf Vorträge beleuchten Hegels Nürnbergbild, seine familiären Verhältnisse sowie seine Arbeit als Pädagoge und Bildungstheoretiker. So wird Prof. Dr. Georg Seiderer in seinem Vortrag über die Beziehung des Philosophen zu Nürnberg, insbesondere über sein gesellschaftliches Umfeld und seine Ansichten von der Stadt, referieren. Dr. Michael Diefenbacher stellt die Schwiegerfamilie von Tucher vor, eine der bedeutendsten Nürnberger Patrizierfamilien, die über Jahrhunderte hinweg das politische, wirtschaftliche und kulturelle Leben in der Stadt mitbestimmte. Dr. Alexandra Birkert gewährt Einblicke in das Ehe- und Familienleben, Hegels Beziehung zu den Söhnen, den Einfluss der Schwiegermutter Susanne von Tucher und das Verhältnis zwischen Hegels Ehefrau und seiner unverheirateten Schwester Christiane.  Dr. Charlotte Bühl-Gramers Vortrag beschäftigt sich mit den bildungspolitischen Diskursen in Nürnberg zwischen 1790 und 1840 vor dem Hintergrund der damaligen weiblichen und männlichen Bildungsmöglichkeiten. Dr. Stefan Büttner-von Stülpnagel widmet sich dem Bildungstheoretiker und Pädagogen: Hegels Vorstellungen von der Schule als Ort der Vorbereitung auf das Leben ist ein zentrales Thema seines Referats. 

Im November 1808 kam der Philosoph Georg Friedrich Wilhelm Hegel nach Nürnberg. Von seinem Freund, dem Münchner Oberschulrat Friedrich Emmanuel Niethammer, hatte der damals 38-Jährige das Angebot erhalten, in Nürnberg Gymnasialdirektor zu werden. Bis 1816 lebte einer der bedeutendsten Denker der europäischen Geistesgeschichte in der ehemaligen Reichsstadt an der Pegnitz. Die Stadt war dabei für ihn weit mehr als nur eine Durchgangsstation: Hier wurde er nicht nur Rektor des Egidiengymnasiums, sondern er verfasste sein zentrales Werk „Die Wissenschaft der Logik“ und verheiratete sich mit der Patriziertochter Marie von Tucher. 

Zu den Referenten: 
Prof. Dr. Georg Seiderer: Studium der Neueren und Mittelalterlichen Geschichte, Philosophie und Psychologie in Heidelberg und Erlangen, Professor für Bayerische und Fränkische Landesgeschichte an der Universität Erlangen-Nürnberg; zahlreiche Veröffentlichungen zur fränkischen Landesgeschichte und zur europäischen Aufklärung. Dr. Michael Diefenbacher: Studium der Geschichte, Germanistik, Mittellateinischen Philologie und Politologie an den Universitäten Tübingen, Wien und Marburg/Lahn, seit 1990 Leiter des Stadtarchivs Nürnberg; Herausgeber mehrerer stadtgeschichtlicher Publikationsreihen des Stadtarchivs Nürnberg und des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg; zahlreiche Veröffentlichungen zur Geschichte des Deutschen Ordens, zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, zur Nürnberger Stadtgeschichte und zur Geschichte Nürnberger Familien. Dr. Alexandra Birkert: Studium der Geschichte und Germanistik in Tübingen und Wien, Mitarbeiterin am Deutschen Literaturarchiv Marbach, in der Alfred Döblin Forschung tätig; im September 2008 erschien ihre Biografie „Hegels Schwester. Auf den Spuren einer ungewöhnlichen Frau um 1800“. Dr. Charlotte Bühl-Gramer: Studium der Fächer Deutsch, Geschichte und Italienisch für das Lehramt an Gymnasien in Erlangen, seit 2001 Akademische Rätin am Lehrstuhl für Didaktik der Geschichte an der Universität Erlangen-Nürnberg; Veröffentlichungen zur Nürnberger Stadt und Bildungsgeschichte und zur Geschichtsdidaktik. Dr. Stefan Büttner-von Stülpnagel: Studium der Philosophie und Griechischen Philologie in Tübingen, Heidelberg und München, Privatdozent an der Universität Potsdam und selbstständige Tätigkeit mit dem Unternehmen „denkInform“ als Projektentwickler und Organisator im Bereich Fort- und Weiterbildung; Veröffentlichungen zu philosophischen Themen und zur Ethik der Medizin. 

Kontakt:
Stadtarchiv Nürnberg
Marientorgraben 8
90402 Nürnberg
Tel.: 0911 / 231 – 2770 und – 2771
Fax: 0911 / 231 – 4091

Quelle: Pressemitteilung Stadt Nürnberg, 20.11.2008

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