Weinsberger Patientenfotografien aus dem frühen 20. Jahrhundert

Die Ausstellung "Das schöne Bild vom Wahn – Weinsberger Patientenfotografien aus dem frühen 20. Jahrhundert" im Staatsarchiv Ludwigsburg zeigt historische Fotografien aus der Heilanstalt Weinsberg. Der erste ärztliche Direktor, Dr. Paul Kemmler (1865-1929), hat im Rahmen seiner Tätigkeit zwischen 1904 und 1918 einen Fundus von rund 1000 Aufnahmen angelegt, darunter Einzel- und Gruppenporträts sowie Dokumentationen von Gebäuden und Parkanlagen der Klinik. Das Hauptwerk des Psychiaters gilt mit über 700 Glasplatten der Aufzeichnung seiner Patienten und des Personals der Anstalt. Zudem dokumentiert ein großer Anteil der Lichtbilder die therapeutische Situation der Klinik, das Sonnenbaden, Spinnen, Sägen, die Feldarbeit.

Die Aufnahmen Kemmlers zeichnet eine hohe technische wie ästhetische Qualität aus, die sich nicht zuletzt dem Interesse des Arztes am Medium der Fotografie verdankt. Vor allem die Porträts der sog. Pfleglinge lassen auf die besondere Umsicht und Sorgfalt des Psychiaters im sensiblen Moment der Aufnahme schließen. So zeigen diese Bilder denn auch weniger das Antlitz psychisch Kranker. Vielmehr sind sie anzusehen als Dokumente, welche den persönlichen Habitus, den gesellschaftlichen Status der Patienten sowie ihre persönliche Würde widerspiegeln. Die teilweise hochqualitativen Aufnahmen erinnern zuweilen an die Gesellschaftsporträts von August Sander. Das Staatsarchiv Ludwigsburg hat diese einzigartige Sammlung im Sommer 2005 vom Klinikum am Weissenhof in Weinsberg übernommen und präsentiert diese nun erstmalig im Kontext bürgerlicher Fotografie nach 1900 bis zum 27. März 2009. Ausstellungsführungen von Dr. Bernhard Stumpfhaus, Kurator der Ausstellung, finden am Sonntag, 11. Januar 2009 und Sonntag, 8. Februar 2009, jeweils 14.00 Uhr statt. Die Gebühr beträgt 5 Euro bzw. 3 Euro. Anmeldungen sind über die VHS Ludwigsburg (Tel.: 07141 / 9102438) erforderlich. Weitere Termine für Führungen können vereinbart werden.

Info
Begleitbuch zur Ausstellung: 
Bernhard Stumpfhaus (Bearb.): Das schöne Bild vom Wahn, mit Aufsätzen von Franz Andritsch und Dirk Lorenzen, Helen Bömelburg sowie Bernhard Stumpfhaus, 180 Seiten, 147 Abb., Kart., Stuttgart: Verlag W. Kohlhammer 2008
Buchhandelsausgabe: 18 Euro, in der Ausstellung 12 Euro.

Kontakt
Staatsarchiv Ludwigsburg
Arsenalplatz 3
71638 Ludwigsburg
Tel.: 07141 / 18 – 6310 
Fax: 07141 / 18 – 6311 
staludwigsburg@la-bw.de 

Quelle: Aktuelles Staatsarchiv Ludwigsburg.

Leiter des Staatsarchivs Bückeburg verabschiedet

Nach 16-jähriger Tätigkeit im Staatsarchiv Bückeburg wurde am 18. Dezember 2008 Archivdirektor Dr. Hubert Höing vom Präsidenten des Niedersächsischen Landesarchivs, Dr. Bernd Kappelhoff, in den Ruhestand verabschiedet. Als Abschiedsgeschenk erhielt er neben einer Dankesurkunde auch eine Plastik des Rintelner Künstlers Eg Witt. Dr. Bernd Kappelhoff betonte denn auch in seiner Rede, dass Dr. Hubert Höing das Staatsarchiv Bückeburg als Kern für die Identität der Region etabliert habe. Sigmund Graf Adelmann, Geschäftsführer der „Schaumburger Landschaft“, hob außerdem hervor, dass das Staatsarchiv besonders für seine Benutzerfreundlichkeit bekannt sei.

Dieter Brosius von der Historischen Arbeitsgemeinschaft für Schaumburg, lobte Hubert Höing außerdem dafür, dass er es verstanden habe, das Erbe Schaumburgs einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln. Darüber hinaus sei auch das Anwachsen der ,Schaumburger Studien‘ auf 18 Bände sowie die Begründung der „Schaumburger Profile“ ihm zu verdanken. Dr. Hubert Höing selbst stellte in seiner Abschiedsrede die Bedeutung der Werkstatt des Staatsarchivs mit den Abteilungen Sicherungsverfilmung und Restaurierung für die gesamte niedersächsische Archivlandschaft heraus. Er erwähnte auch, dass sogar das Bundesarchiv Praktikanten nach Bückeburg schicke, um die hier angewandten Verfahren kennen zu lernen. Außerdem zog er eine positive Bilanz seiner bisherigen Leistungen und äußerte den Wunsch, dass manches von dem, was er im Staatsarchiv so erfolgreich in die Wege geleitet habe, auch künftig beibehalten werde.

Kontakt
Staatsarchiv Bückeburg
Schloss
31675 Bückeburg
Tel.: 05722 / 9677 – 30
Fax: 05722 / 1289
Bueckeburg@nla.niedersachsen.de 

Quelle: Schaumburger Nachrichten, 19.12.2008

Virtuelle Präsentation zum 475. Todestag von Johannes Aventinus (1477-1534)

Der am 4. Juli 1477 geborene Humanist Johannes Turmair (Aventinus) gilt gemeinhin als einer der großen und einflussreichen Väter der bayerischen Geschichtsschreibung. Turmair, der sich nach seiner Heimatstadt Abensberg „Aventinus“ nannte, war nach einer Studienzeit als Prinzenerzieher am Münchner Hof tätig. Er verfasste als wittelsbachischer Hofhistoriker in den Jahren 1517 bis 1521 die „Annales ducum boiariae“ (Annalen der Herzöge von Bayern) und einige Jahre später seine berühmte, volkstümliche „Baierische Chronik“. 

Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Reichsstadt Regensburg Literalien 300 fol. 1

Abb.: Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Reichsstadt Regensburg Literalien 300 fol. 1. Fol. 1 des ursprünglich mit keiner Seiten- oder Blattzählung versehenen Manuskripts trägt nur den vollständigen Titel des Werks samt einer Erwähnung Aventins als des Autors. 

Aventinus verwendete für seine Werke erstmals die reiche Überlieferung der bayerischen Klosterarchive und -bibliotheken. Zugleich verherrlichte er in seinen Schriften die bayerische Vergangenheit und übte mit seinem Geschichtsbild großen Einfluss auf die bayerische Landesgeschichte aus. Eine (nicht vollständige) Ausgabe seiner Werke ist zwischen 1881 und 1908 in sechs Bänden erschienen, herausgegeben von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (diese Ausgabe ist im Internet abrufbar unter: www.bayerische-landesbibliothek-online.de). 

Aventinus starb am 9. Januar 1534 in Regensburg. Anlässlich seines 475. Todestages stellt das Bayerische Hauptstaatsarchiv in einer Internetpräsentation ausgewählte Archivalien zur Verfügung. Die jetzt frei geschaltete Internetpräsentation enthält mehrere, teils unbekannte originale Schriftstücke zu seiner Biographie sowie zwei Handschriften mit einer von Aventinus geschriebenen Regensburger Stadtgeschichte. Aventinus verfasste die Stadtgeschichte in seinen letzten Lebensjahren in Regensburg. Darin hob er die historische Bedeutung und das hohe Alter der Stadt Regensburg hervor. Diese beiden aus dem 16. Jahrhundert stammenden wertvollen Handschriften werden ebenfalls im Original präsentiert.

Die virtuelle Präsentation ist ein Angebot der staatlichen Archive Bayerns unter Mitwirkung des Amtes für Archiv und Denkmalpflege der Stadt Regensburg.

Kontakt:
Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns
Schönfeldstraße 5
80539 München
Telefon: (0 89) 2 86 38-2482 
Telefax: (0 89) 2 86 38-2615
poststelle@gda.bayern.de
www.gda.bayern.de

Quelle: Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns, Pressemitteilung, 29.12.2008

Die Herzöge von Schleswig und Holstein

Eine neue Ausstellung im Landesarchiv Schleswig-Holstein vom 5. Dezember 2008 bis 3. Juli 2009 erinnert an den Gottorfer Herzog Friedrich III. (1597-1659), dessen 350. Todesjahr im Jahr 2009 begangen wird. Durch die intensive Förderung von Kunst und Wissenschaft wurde die Regierungszeit Friedrichs III. zum glanzvollen Höhepunkt der Geschichte des Herzogtums Gottorf, die von 1544 bis 1773 dauerte. Die Gottorfer, deren langjährige Residenz vor den Toren der Stadt Schleswig lag, waren neben den dänischen Königen die einflussreichsten Landesherren in den Herzogtümern Schleswig und Holstein.

Anfang des Mittelalters gab es für das Gebiet des heutigen Schleswig-Holsteins nur zwei Fürstenhäuser: das Abel-Geschlecht in Schleswig und die Schauenburger in Holstein. Nach deren Aussterben wählten die schleswig-holsteinischen Stände 1460 in Ripen den dänischen König Christian aus dem Hause Oldenburg zu ihrem neuen Landesherrn. Sein Versprechen, Schleswig und Holstein nicht zu teilen, wurde schon 1490 das erste Mal gebrochen. Durch Erbteilungen entstand eine Vielzahl gleichzeitiger Herzöge und Herzogtümer. Einige von ihnen, wie die Gottorfer, waren Regenten mit großer Machtfülle, andere nur „abgeteilte Herren“ ohne Anteil an der gemeinschaftlichen Regierung, so die Plöner und Glücksburger Herzöge, und wieder andere waren nur Titularherzöge ohne fürstliche Rechte, so die Augustenburger. Die Ausstellung veranschaulicht die wechselvolle Geschichte dieser Herzogshäuser, die über Jahrhunderte das Land prägten, das heute Schleswig-Holstein heißt.

Entstanden ist die Ausstellung „Die Herzöge von Schleswig und Holstein“ aus Anlass des 175-jährigen Jubiläums der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte und des 100-jährigen Bestehens des Museums Sønderjylland – Sønderborg Slot 2008. Konzipiert wurde sie als ein gemeinsames deutsch-dänisches Projekt vom Sonderburger Museum und der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek in Kiel. Eine Auswahl aus dieser Ausstellung zeigt das Landesarchiv Schleswig-Holstein zusammen mit Objekten aus eigenen Beständen im Prinzenpalais in Schleswig. Zur Ausstellung ist ein zweisprachiger Katalog zum Preis von 16,00 Euro erschienen. Begleitet wird die Ausstellung von einer Vortragsreihe.

Kontakt:
Landesarchiv Schleswig-Holstein
Prinzenpalais
24837 Schleswig
Tel.: 04621 / 8618 – 00
Fax: 04621 / 8618 – 01
landesarchiv@la.landsh.de

Quelle: Veranstaltungen Landesarchiv Schleswig-Holstein.

Olga – Königin von Württemberg

Die aktuelle Ausstellung im Hauptstaatsarchiv Stuttgart, die vom 20. November 2008 bis zum 20. Februar 2009 zu sehen ist, trägt den Titel „Eine Königin vom Scheitel bis zur Zehe“ Olga – Königin von Württemberg.1846 heiratete Kronprinz Karl von Württemberg die schöne Großfürstin Olga (1822-1892), Tochter des Zaren Nikolaus I. und der Zarin Alexandra Feodorowna. Damit kam, nach Königin Katharina, die zweite russische Zarentochter auf den württembergischen Thron. Die Verbindungen zwischen dem Haus Württemberg und dem russischen Zarenhaus (Haus Romanow-Holstein-Gottorp) waren sehr eng. Mit keinem anderen Herrscherhaus unterhielt das Haus Württemberg so nahe verwandtschaftliche Beziehungen. Von 1776 bis 1874 kamen in vier Generationen insgesamt fünf Ehen zwischen beiden Herrscherfamilien zustande. Wie fast alle Fürstenehen zu damaliger Zeit wurden diese aus politischem und dynastischem Kalkül geschlossen. Am Beginn steht 1776 die Hochzeit der Prinzessin Sophie Dorothee von Württemberg (verheiratete Maria Feodorowna von Russland) mit dem späteren Zaren Paul I. In der Folge schenkte das Zarenhaus Württemberg zwei Königinnen: Katharina, die Gemahlin Wilhelms I., sowie Olga. 

Eine wichtige Quelle für Olgas Kindheit und Jugend am Zarenhof sind ihre Memoiren Traum der Jugend goldner Stern, die Olga 1881 bis 1883 schrieb und die als Manuskript im Hauptstaatsarchiv Stuttgart verwahrt werden. Darin schildert Olga das Leben am Zarenhof und ihre Erziehung durch Hauslehrer und Gouvernanten. Bereits mit fünf Jahren sprach Olga französisch, russisch und englisch. Olgas Eltern, Zar Nikolaus I. und Zarin Alexandra Feodorowna, gestatteten ihren Kindern gewisse Freiheiten und unbeschwertes Spielen, was für eine Fürstenerziehung in dieser Zeit eher ungewöhnlich war. Als Olga ins heiratsfähige Alter kam, drehte sich auch für sie das Heiratskarussell“. Als mögliche Kandidaten wurden unter anderem der spätere König Maximilian II. von Bayern und Erzherzog Stephan Viktor von Österreich gehandelt. Die Heirat mit Letzterem scheiterte schließlich an der Konfessionsfrage, da Olga ihren russisch-orthodoxen Glauben nicht aufgeben durfte. 

Nachdem das Heiratsprojekt mit Erzherzog Stephan von Österreich gescheitet war, brachte der russische Gesandte in Stuttgart, Fürst Gortschakow, Kronprinz Karl von Württemberg ins Gespräch. Karl war einer Heirat mit der schönen und vermögenden Zarentochter nicht abgeneigt. Die erste Begegnung fand im Januar 1846 in Palermo statt, wo Olga zusammen mit ihrer gesundheitlich angegriffenen Mutter den Winter verbrachte. Die Tage des näheren Kennenlernens verliefen positiv, und bereits am 18. Januar gaben Karl und Olga ihre Verlobung bekannt. Nachdem man alle Vorbereitungen getroffen hatte und der Heiratsvertrag abgeschlossen war, fanden am 7. Juli 1846 die zeremonielle Verlobungsfeier und am 13. Juli die prunkvollen Hochzeitsfeierlichkeiten in St. Petersburg statt. Am 23. September zog das jungvermählte Paar mit zahlreichem Gefolge in Stuttgart ein, wo ihnen ein großartiger Empfang bereitet wurde. Für Olga begann nun ein neuer – nicht immer leichter – Lebensabschnitt am württembergischen Hof. 

Wo immer die Kronprinzessin und spätere Königin Olga in der Öffentlichkeit auftrat, waren ihr Respekt und Hochachtung sicher. Sie war „königlich vom Scheitel bis zur Zehe in ihrem ganzen Wesen und Gebaren“, wie es in einem zeitgenössischen Bericht heißt. Olga engagierte sich besonders im sozialen Bereich, ihr reiches Privatvermögen gab ihr dazu die nötigen Mittel. Ihre karitativen Aktivitäten prägen noch heute gerade in Stuttgart die Erinnerung an sie. Bevor sie jedoch eigene Akzente setzte, übernahm sie zunächst die klassische Funktion der Schirmherrschaft für gemeinnützige Zwecke. So stellte sie 1847 die Heil- und Pflegeanstalt für schwachsinnige Kinder in Mariaberg und die Stuttgarter Kinderheilanstalt, das „Olgäle“, unter ihren Schutz. Besonders lag Olga die Erziehung und Bildung der Kinder und Jugend am Herzen. Mit ihrer Hilfe und Unterstützung entstanden zahlreiche Kinderkrippen, Kinderrettungsanstalten und Kleinkinderbewahranstalten. Sie gründete 1873 die zweite höhere Töchterschule Stuttgarts, das Olga-Stift, sowie zahlreiche Ausbildungsstellen für Mädchen und Frauen. 

Die Ausstellung des Hauptstaatsarchivs zeigt Fotos, wertvolle Dokumente und Gegenstände aus dem Besitz Olgas. Sie werfen ein Licht auf Olgas Kindheit und Jugend in St. Petersburg, ihre Vermählung mit dem Kronprinzen Karl, die Wohnsitze des Königspaares und die Wohltätigkeit Olgas. Erstmals wird ein bislang unbekannter Briefwechsel, den Olga auf wertvollem Briefpapier mit ihrer Verwandtschaft in St. Petersburg führte, der Öffentlichkeit präsentiert. Olga führte Zeit ihres Lebens eine umfangreiche Korrespondenz, um die räumliche Distanz zu ihren Angehörigen, befreundeten Personen und Politikern zu überwinden. Einen Ausschnitt aus dieser Überlieferung konnte das Hauptstaatsarchiv Stuttgart durch einen glücklichen Umstand vor kurzer Zeit erwerben. Auf einem Flohmarkt fanden sich Briefe, die – in einer stark verschliffenen Schrift – auf äußerst reizvollem Briefpapier geschrieben waren. Die Unterschrift „Oly“ und die Tatsache, dass es sich bei den Abbildungen um Gebäude der Sommerresidenzen der Zarenfamilie handelt, wiesen auf die Zarentochter Olga als Briefschreiberin hin. Das Konvolut umfasst circa 80 Briefe: Die ältesten schrieb Olga als 16-Jährige, der größte Teil stammt jedoch aus ihrer Zeit als Kronprinzessin am württembergischen Hof. Eine Serie von Briefen verfasste sie 1848 an ihre Schwägerin und Freundin Marie, die Frau ihres ältesten Bruders Alexander, die anderen, vor allem aus dem Jahr 1853, an ihre Mutter Zarin Alexandra Feodorowna. Öffentliche Kurzführungen durch die Ausstellung finden jeden Mittwoch um 11.30 Uhr statt. 

Kontakt
Hauptstaatsarchiv Stuttgart
Konrad-Adenauer-Straße 4
70173 Stuttgart
Tel.: 0711 / 212 – 4335
Fax: 0711 / 212 – 4360
hstastuttgart@la-bw.de 

Quelle: Pressemitteilung Hauptstaatsarchiv Stuttgart, 19.11.2008; Aktuelles Hauptstaatsarchiv Stuttgart.

Reichsarchiv Kopenhagen erhält Jahrzehnte verschwundenes Siegel

Jahrzehntelang war eines der acht Siegel einer Urkunde aus dem Jahre 1575, in der es um Dinggerechtigkeiten in der Karlslundharde geht, verschwunden. Die Urkunde gelangte im Zuge des Austausches von Archivalien nach dem Deutsch-Dänischen Archivabkommen vom 15. Dezember 1933 zwar vom Landesarchiv Schleswig-Holstein, Schleswig, ins Reichsarchiv, Kopenhagen; das achte Siegel aber blieb verschollen. Vor einigen Jahren wurde das Siegel im Landesarchiv in Schleswig gefunden; es ist gut erhalten. Prof. Dr. Rainer Hering, Leiter des Landesarchivs Schleswig-Holstein, überreichte das Siegel zum Abschluss des Festaktes "75 Jahre Deutsch-Dänisches Archivabkommen" in Schleswig an Reichsarchivar Dr. Johan Peter Noack. "Das ist ein Zeichen unserer guten Zusammenarbeit", freute sich der Reichsarchivar.

Das Archivabkommen sei "auf deutscher Seite nicht dem nationalsozialistischen Deutschland, sondern der Weimarer Republik zu verdanken", hatte Hering zuvor betont. "Unterschriftsreif war das Abkommen bereits im Herbst 1932; aufgrund der politisch instabilen Lage im Deutschen Reich konnte es erst ein Jahr später unterschrieben werden." Bis heute würden historisch Interessierte beiderseits der Grenze von den Regelungen des Abkommens profitieren, sagte Hering, seien es Familienforscher, Ortschronisten oder Universitätsprofessoren. "Daher ist dieser Vertrag ein wichtiges Beispiel konstruktiver deutsch-dänischer Zusammenarbeit selbst in schwieriger Zeit, bei der nicht nationales Pathos ausschlaggebend war, sondern in sachorientierter Weise die Wünsche der Menschen, die die Vergangenheit aufarbeiten – seien sie nun Dänen oder Deutsche."

Zweieinhalb Jahre nach Unterzeichnung seien die vielen Akten ausgetauscht worden, berichtete der dänische Generalkonsul Prof. Dr. Henrik Becker-Christensen, Flensburg. Vom Staatsarchiv Kiel (heute Landesarchiv Schleswig) gingen zwischen 20 und 24 Tonnen Archivalien nach Kopenhagen, von dort nach Kiel waren es zwischen 12 und 15 Tonnen. Außerdem wurden im Grenzgebiet etwa drei Tonnen Archivmaterial von Apenrade und Tondern nach Kiel geschickt, während das neue Landesarchiv Nordschleswig in Apenrade sechs Tonnen Archivmaterial aus dem Süden erhielt. Aus dem Abkommen gehe zudem hervor, "dass dänische Forscher von Abgaben für die Archivbenutzung im Staatsarchiv in Kiel so lange befreit sein sollten, wie bei wissenschaftlichen Studien bei dänischen Archiven keine Abgaben erhoben würden", sagte Becker-Christensen. Zudem habe man sich verpflichtet, dass keine der Parteien eine Vernichtung ausgetauschter oder früher abgegebener Dokumente vornehmen dürfe, ohne die andere Partei zuvor darüber zu unterrichten, "die damit die Gelegenheit erhält, jene Akten zu übernehmen, die vernichtet werden sollten". 

Kontakt
Landesarchiv Schleswig-Holstein
Prinzenpalais
24837 Schleswig
Tel.: 04621 / 8618 – 00
Fax: 04621 / 8618 – 01
landesarchiv@la.landsh.de 

Quelle: Nordschleswig, 17.12.2008

Ältestes Messbuch und neueste Forschungen zum Bonner Cassius-Stift vorgestellt

Das Liber Ordinarius, die einzige bekannte mittelalterliche Handschrift des Bonner Cassius-Stifts, die vor einigen Jahren zufällig bei Forschungsarbeiten gefunden wurde, präsentierte Münsterpfarrer Monsignore Wilfried Schumacher bei der Vorstellung des Buches \“Märtyrergrab – Kirchenraum – Gottesdienst II., Interdisziplinäre Studien zum Bonner Cassius-Stift\“. Das Liber Ordinarius, eine Beschreibung der vielfältigen Gottesdienste am Ort, gibt Auskunft über die reiche mittelalterliche Liturgie in dem von Münsterkirche, Kreuzgang und untergegangener Martinskirche gebildeten Komplex. Das vor den Wirren der Reformationszeit nach Köln gelangte Antiphonar wird heute in der Diözesanbibliothek aufbewahrt und kehrte für die Buchpräsentation für kurze Zeit an seinen Aufbewahrungsort zurück. 

Die sensationelle Entdeckung machte der Tübinger Liturgiewissenschaftler Professor Andreas Odenthal, der den Studienband mit dem Bonner Uni-Professor Albert Gerhards als Ergebnis eines wissenschaftlichen Kolloquiums über Bau-, Kunst- und Liturgiegeschichte der Bonner Münsterkirche herausgegeben hat. Das unter anderem von der Bonner-Münster-Stiftung geförderte neue Buch enthält Studien zur Geschichte, Archäologie, Kunst und Liturgie des Bonner Münsters und präsentiert die beiden wichtigsten Quellen über die Stiftsliturgie in Mittelalter und Neuzeit. Neben der historischen Bedeutung trägt der vorliegende Band zum besseren Verständnis der Münsterkirche und ihrer Geschichte bei. Erschienen ist er in den vom Historischen Archiv des Erzbistums Köln herausgegebenen Studien zur Kölner Kirchengeschichte als Band 36, verlegt im Verlag Franz Schmitt, Siegburg. 

Münsterkirche und Münster-Carré bilden im heutigen Bonn ein geistlich-kulturelles Zentrum, das in einer Jahrhunderte langen Tradition des Kanonikerstiftes und der Pfarrei steht. Unter den zahlreichen Kanonikerstiften im alten Erzbistum Köln standen St. Gereon in Köln und das Bonner Cassiusstift in Rivalität um die Vorrangstellung. Verbunden waren beide Institutionen durch ihre Patrone, frühchristliche Märtyrer der Thebäischen Legion. 

Kontakt
Historisches Archiv des Erzbistums Köln
Gereonstr. 2-4
50670 Köln
Tel.: 0221 / 1642 – 5800
Fax: 0221 / 1642 – 5803
archiv@erzbistum-koeln.de 

Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek Köln
Kardinal-Frings-Straße 1-3
50668 Köln
Tel.: 0221 / 1642 – 3781 
Fax: 0221 / 1642 – 3783
dombibliothek@erzbistum-koeln.de

Quelle: Pressemitteilung Stadt Bonn, 11.12.2008; Pressemeldung Bonner Münster-Stiftung, 10.12.2008; Marion Steeger, express.de, 11.12.2008

Geschichte der Universität Rostock in Bildern

Mit der Alma Mater Rostochiensis begann im Jahre 1419 die Historie der ältesten Hochschule im gesamten Ostseeraum. Eine wachsende Anzahl Studierender nicht nur aus den Hansestädten sorgte bereits im 15. Jahrhundert für einen raschen Aufschwung der Universität. In ihrer Geschichte wechselten sich Krisen und Blütezeiten ab, die stets auch in engem Zusammenhang mit der Rostocker Stadtgeschichte standen. Ein Bildband mit dem Titel "Die Universität Rostock – Geschichte der \’Leuchte des Nordens\‘ in Bildern", herausgegeben von Angela Hartwig, Leiterin des Universitätsarchivs Rostock, und Prof. Dr. Ernst Münch, seit 1998 Professor für Mecklenburgische Landesgeschichte am Historischen Institut der Universität Rostock, illustriert nun anschaulich die Geschichte der Rostocker Hochschule. Unterstützt wurden sie bei ihrer Arbeit durch Studenten vom Historischen Institut der Universität Rostock, die sich während des Sommersemesters 2008 in ihrem Hauptseminar mit der Geschichte der Universität befassten. Rund 200 000 Fotodokumente von Beginn der Fotografie bis heute haben die 32 Geschichtsstudenten im Universitätsarchiv Rostock gesichtet und schließlich eine Auswahl von gut 250 Fotos getroffen und passende und ergänzende Texte dazu verfasst. Der größte Teil der in die Publikation aufgenommenen Abbildungen wird hierbei zum ersten Mal veröffentlicht. Das Buch ist das siebte in der Reihe \“Campusbilder\“ des in Erfurt ansässigen Sutton Verlags. In sieben Kapiteln illustriert das Werk die Geschichte der Universität von der Gründung bis in die heutige Zeit und beleuchtet darüber hinaus auch die Feierlichkeiten und den Alltag der Studenten. Universitätsangehörigen wie Ehemaligen bietet dieser Bildband Gelegenheit, Erinnerungen aufleben zu lassen und ihre Hochschule neu zu entdecken. Mit Blick auf das Jubiläum der Universität Rostock im Jahre 2019 sieht es Archivleiterin Angela Hartwig als dringend notwendig an, in den nächsten Jahren die komplette Bildsammlung des Universitätsarchivs zu erschließen.

Kontakt
Universitätsarchiv Rostock
Universitätsplatz 1
18051 Rostock
Tel.: 0 381 / 498 – 8620
Fax: 0 381 / 498 – 8622
universitaetsarchiv@uni-rostock.de
angela.hartwig@uni-rostock.de

Quelle: Anke Rutkowski, Norddeutsche Neuste Nachrichten, 4.12.2008; Sutton Verlag, Campusbilder

Fotos einer Studienreise von Walter Gropius

Als Walter Gropius im Frühjahr 1928 das Amt als Direktor des Bauhauses Dessau niederlegt, erfüllt er sich einen lang gehegten Traum: Zusammen mit seiner Ehefrau Ise tritt er eine Reise durch die USA an. Dort will der Architekt moderne Bautechniken, insbesondere die Stahlkonstruktionen New Yorker Wolkenkratzer sowie den amerikanischen Wohungsbau studieren. Adolf Sommerfeld, Bauunternehmer und langjähriger Mäzen des Bauhauses, mit dem Gropius in Berlin große Bauprojekte unter Einsatz fortschrittlichster Technik plant, finanziert die Reise. Nach sieben intensiven Wochen des Studiums in Amerika kehrt Gropius nach Deutschland zurück. Im Gepäck hat er zahlreiche Fotografien: fast vierhundert eigene Aufnahmen, die Bauten in zeittypischer Schrägsicht oder moderne amerikanische Architektur von Frank Lloyd Wright und Richard Neutra thematisieren, sowie Eindrücke der unermesslichen Weite des Grand Canyon und Portraits von Hopi- und Havasupai-Indianern im Staat Arizona. Er bringt aber auch in Amerika erworbene fotografische Baudokumentationen, die jeden erdenklichen Fortschritt bei der Errichtung von Hochhäusern vom Ausheben des Fundaments bis zur Fertigstellung zeigen und die virtuose Architekturaufnahme \“Criss-Crossed Conveyors\“ des Fotografen Charles Sheeler mit nach Deutschland.

Die Auswahl der von Walter und Ise Gropius selbst aufgenommenen und mitgebrachten Fotografien machen ihre Reiseroute rekonstruierbar. Reportagen von Ise Gropius zur Amerikareise ergänzen und veranschaulichen diese eindrucksvollen Wochen. Die Sonderausstellung des Bauhaus-Archivs findet anlässlich des 125. Geburtstages von Walter Gropius in diesem Jahr in Zusammenarbeit mit der Bergischen Universität Wuppertal und im Rahmen des 3. Europäischen Monats der Fotografie Berlin statt. Bis zum 2. Februar 2009 kann die Ausstellung noch besucht werden. Der Katalog mit zahlreichen Abbildungen kostet 17,50 €. Darüber hinaus erscheint anlässlich des 3. Europäischen Monats der Fotografie Berlin ein Katalog mit einem Beitrag zur Ausstellung. 

Kontakt
Bauhaus-Archiv Berlin
Klingelhöferstraße 14
10785 Berlin
Tel.: 030 / 254 00 20
Fax. 030 / 254 00 210
bauhaus@bauhaus.de

Quelle: Aktuelles Bauhaus-Archiv.

Gründungsdirektorin für das NS-Dokumentationszentrum München berufen

Der Münchner Stadtrat hat in seiner Vollversammlung am 17. Dezember 2008 beschlossen, Frau Dr. Irmtrud Wojak als Gründungsdirektorin für das NS-Dokumentationszentrum München zu berufen. Kulturreferent Dr. Hans-Georg Küppers dankte den beteiligten Gremien: „Durch die Wahl von Frau Dr. Wojak als Gründungsdirektorin ist ein weiterer bedeutender Meilenstein auf dem Weg der Realisierung des NS-Dokumentationszentrums gelegt worden.“ Diese Personalentscheidung wurde in Abstimmung mit allen Projektbeteiligten getroffen. Das NS-Dokumentationszentrum München entsteht in Trägerschaft der Landeshauptstadt München mit Unterstützung des Freistaats Bayern und der Bundesrepublik Deutschland. Derzeit findet der Realisierungswettbewerb für den Neubau am Königsplatz statt. Baubeginn ist voraussichtlich 2011.

Die künftige Gründungsdirektorin begreift den Aufbau des Dokumentationszentrums als große fachliche und bildungspolitische Herausforderung: „ Es ist eine einmalige Chance historischer Aufklärung und des Erinnerns für die Zukunft – Auseinandersetzung mit unserer Geschichte in bestem Sinne.“ Zu ihren Aufgaben wird vor allem die Entwicklung der künftigen Einrichtung sowie die Ausarbeitung der Ausstellungskonzeption gemeinsam mit dem wissenschaftlichen Team im Kulturreferat gehören. Zudem wird sie die gesamte Bauphase begleiten.

Die Historikerin Dr. Irmtrud Wojak, die seit März 2008 beim Internationalen Suchdienst (ITS) in Bad Arolsen, einem der weltweit größten Archive über Opfer des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs, den Bereich der Forschung leitet, hat die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass Wissenschaftler am kurz zuvor für die Forschung geöffneten Archiv arbeiten können. Sie baute Kontakte auf zu wissenschaftlichen Einrichtungen und Gedenkstätten im In- und Ausland, legte erste Grundlagen für die Erschließung der Dokumente und richtete eine wissenschaftliche Bibliothek ein. Sie stellte die inhaltliche Qualität der beim ITS vorhandenen Dokumentation über die NS-Verfolgung dar und zeigte Perspektiven für die Forschung auf. Dazu fand unter anderem auch ein gemeinsamer Workshop mit dem US Holocaust Memorial Museum (USHMM) Washington statt. „Ich danke Frau Dr. Wojak für ihren außergewöhnlichen Einsatz für den ITS und wünsche ihr für ihre neue Aufgabe viel Erfolg“, sagte ITS-Direktor Reto Meister. 

Das geplante NS-Dokumentationszentrum in München werde auch die Zusammenarbeit mit dem ITS suchen, kündigte Dr. Irmtrud Wojak an. „Ich kann mir vorstellen, dass wir die Bestände des ITS im Hinblick auf die Fragestellungen des NS-Dokumentationszentrums gemeinsam auswerten und nutzbar machen.“ Mit dem Dokumentationszentrum will die Landeshauptstadt München gemeinsam mit dem Freistaat Bayern und dem Bund einen Lernort für die Zukunft gestalten. „Die Generation der Zeitzeugen wird uns nicht mehr lange begleiten. Dies bedeutet einen Paradigmenwechsel für die Forschung und Lehre über den Nationalsozialismus“, so Dr. Irmtrud Wojak. „Ich habe Respekt vor der Aufgabe und freue mich auf diese überaus interessante Herausforderung.“ 

Die 45-Jährige war vor ihrer Arbeit für den ITS als wissenschaftliche Mitarbeiterin und stellvertretende Leiterin beim Fritz Bauer Institut in Frankfurt, Studien- und Dokumentationszentrum zur Geschichte und Wirkung des Holocaust, tätig. Sie ist Autorin der Bücher „Eichmanns Memoiren“ und „Exil in Chile“ sowie des umfassenden Katalogs der von ihr 2004 konzipierten Gedächtnis- und Wanderausstellung „Auschwitz-Prozess 4 KS 2/63 Frankfurt am Main“, die auch in Berlin und München gezeigt wurde. Ab dem 27. Januar 2009 ist die Ausstellung für ca. fünf Wochen in der Portikus- und Wandelhalle des Niedersächsischen Landtags in Hannover zu sehen. Zuletzt verfasste Dr. Irmtrud Wojak eine Biographie des hessischen Generalstaatsanwaltes Fritz Bauer, mit der sie sich zugleich an der Leibniz Universität Hannover habilitierte.

Kontakt
Kulturreferat der Landeshauptstadt München
Abteilung Bildende/Darstellende Kunst, Film, Literatur, Musik, Geschichte, Wissenschaft
Projekt NS-Dokumentationszentrum
Burgstrasse 4
80331 München
Fax: 089 / 233 – 2 85 00
www.muenchen.de/kulturreferat

Internationaler Suchdienst (ITS)
Große Allee 5 – 9
34454 Bad Arolsen
Tel.: 05691 / 629 – 0
Fax: 05691 / 629 – 501 
email@its-arolsen.org

Quelle: Presseinformation NS-Dokumentationszentrum München, 18.12.2008; Pressemeldung ITS – Internationaler Suchdienst, 18.12.2008

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