Auf den Spuren des Landjudentums im Rheinland

Am Donnerstag, 10. Juni 2010, bietet die Gedenkstätte „Landjuden an der Sieg“ im Rahmen der Veranstaltungsreihe 2010 eine Exkursion zum LVR-Kulturhaus Landsynagoge Rödingen und zur ehemaligen Synagoge in Puhlheim-Stommeln an.

Die 1841 in Rödingen errichtete Synagoge bildet zusammen mit dem Wohnhaus der jüdischen Familie Ullmann das einzige weitgehend im Originalzustand erhaltene Gebäudeensemble dieser Art im westlichen Rheinland. Nach behutsamer Restaurierung sind die Gebäude nun als LVR-Kulturhaus Landsynagoge Rödingen seit September 2009 der Öffentlichkeit zugänglich. Zum Programm der Exkursion gehören ebenso der Besuch der Dauerausstellung, die anschauliche Informationen zu verschiedenen Facetten jüdischen Lebens im Rheinland in Vergangenheit und Gegenwart bietet, sowie ein Gang durch den Ort unter jüdischen Gesichtspunkten. Ein Besuch des jüdischen Friedhofs steht ebenfalls auf dem Programm.

Bereits für das Mittelalter belegen Dokumente aus den Jahren 1305 und 1321 die Existenz einer jüdischen Gemeinschaft in Stommeln. Sie wurde in den Pestpogromen von 1349 vermutlich vollständig vernichtet. Als einer der wenigen Synagogen in Deutschland überstand die 1882 erbaute Stommelner Synagoge die NS-Pogrome 1938 dagegen unbeschädigt. Um eine breite Öffentlichkeit auf die historische Stätte aufmerksam zu machen, wurde in den Jahren 1990 und 1991 das Kunstprojekt Synagoge Stommeln initiiert, das für den historischen Gehalt des Ortes sensibilisieren soll. Auch hier wird der jüdische Friedhof besucht.

Die Veranstaltung beginnt um 9.30 Uhr und endet gegen 17.00 Uhr. Treffpunkt ist der Busbahnhof in Siegburg. Die Teilnahmegebühr beträgt 25 Euro, Mitglieder des Fördervereins Gedenkstätte bezahlen fünf Euro weniger. Der Bustransfer, Eintrittsgelder sowie die Führungen sind im Preis enthalten.

Eine persönliche Anmeldung im Kreisarchiv des Rhein-Sieg-Kreises ist erforderlich. Anmeldeschluss ist der 28. Mai 2010.

Kontakt:
Gedenkstätte „Landjuden an der Sieg“
c/o Archiv des Rhein-Sieg-Kreises
Kaiser-Wilhelm-Platz 1 (Kreishaus)
53721 Siegburg
Tel.: 02241 / 13-2928
Fax: 02241 / 133271
gedenkstaette@rhein-sieg-kreis.de

Im Internet auf der Homepage des Rhein-Sieg-Kreises www.rhein-sieg-kreis.de über den Pfad: Bürgerservice, Dienstleistungen, Bildung & Kultur, Archiv, Gedenkstätte „Landjuden an der Sieg“ oder unter www.ns-gedenkstaetten.de/nrw.

Öffnungszeiten: Jeden Mittwoch von 14.00 Uhr bis 16.00 Uhr sowie jeden 3. Sonntag im Monat von 14.00 Uhr bis 17.00 Uhr. Eintritt: 2,00 € (Gruppen ab 5 Personen: 1,00 €). Führungen sind auch außerhalb der genannten Zeiten möglich.

Quelle: Rhein-Sieg-Kreis, Pressemitteilung, 22.3.2010

Über 150 Tondokumente der »Frankfurter Schule« erstmals komplett digitalisiert

Das Archivzentrum der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main hat seine komplette Sammlung der historischen Tondokumente der ‚Frankfurter Schule’ digitalisiert. Die Digitalisierung umfasste über 150 Tonbänder und Audiokassetten der Jahre von 1950 bis 1972 mit einer Gesamtspieldauer von über 6.700 Minuten. Damit steht der wissenschaftlichen Forschung nun ein komfortabler Zugang zu den teilweise noch unveröffentlichten und einzigartigen Originalaufnahmen von Max Horkheimer, Theodor W. Adorno, Leo Löwenthal und Alexander Mitscherlich zur Verfügung.

Die Tonbänder des Archivzentrums bilden eine Schlüsselquelle für die Geschichte der ‚Frankfurter Schule’. Die Aufnahmen, die zum größten Teil bereits 1974 mit dem Nachlass von Max Horkheimer in das Archivzentrum gelangten, geben nicht nur einen authentischen Eindruck auf Festreden zu Preis- und Ordensverleihungen und wissenschaftlichen Vorträgen zur ‚Kritischen Theorie’. Sie liefern vor allem auch neue biographische und bisher unbekannte Details der berühmten Frankfurter Sozialwissenschaftler. So gibt beispielsweise eine Aufnahme vom 15. August 1938 die Glückwünsche von Max Horkheimer zum 80. Geburtstag seines Vaters wieder. In einer weiteren Aufnahme berichtet Horkheimer 1971 ausführlich über seine Kindheit und Jugend in Zuffenhausen bei Stuttgart. Als authentische Zeugnisse geben die Aufnahmen bis hin zu Betonungen und Sprechpausen interessante Einblicke in die Atmosphäre der 1960er und frühen 1970er Jahre. Sie sind damit eine wichtige Ergänzung der schriftlichen Dokumente des Archivzentrums, welche die Forschung schon seit längerem bearbeitet.

Mit der Digitalisierung reagierte das Archivzentrum auf die unmittelbare Gefährdung dieses einmaligen Kulturgutes. Bei den vorhandenen Tonbändern begann sich bereits die Fixierung der Beschichtung abzulösen, sodass die Aufnahmen in den nächsten Jahren verloren und nicht wieder herstellbar gewesen wäre. Durch die Digitalisierung wurden die analogen Tonsignale nun in hochauflösende Audio-Dateien (wav-Format / 96 kHz / 24 bit) umgewandelt und auf einem Archiv-Massenspeicher in der Universitätsbibliothek abgelegt. Zusätzlich wurden automatisch mp3-Dateien als Benutzungsformat im Archivzentrum generiert.

Die digitalen Aufnahmen werden im Archivzentrum zusammen mit den dort verwahrten Dokumenten der ‚Frankfurter Schule’ inventarisiert und stehen für die Benutzer/innen an einem speziellen PC mit Kopfhörer als mp3-files zur Einsicht bereit. Diese und zahlreiche weitere originale Dokumente des Archivzentrums können montags bis freitags jeweils von 9:30 – 16:30 Uhr nach Voranmeldung und im Rahmen der Benutzungsordnung eingehend untersucht werden.

Kontakt:
Archivzentrum + Frankfurt-Abteilung
Universitätsbibliothek J.C.Senckenberg
Dr. Mathias Jehn
Leiter des Archivzentrums
Bockenheimer Landstrasse 134-138
60325 Frankfurt am Main
Tel: 069-798-39007
Fax: 069-798-39062
archivzentrum@ub.uni-frankfurt.de

Quelle: Archivzentrum + Frankfurt-Abteilung Universitätsbibliothek J.C.Senckenberg, Pressemitteilung, 15.3.2010

Neue Stader Stadtarchivarin

Die promovierte Historikerin und Verwaltungswirtin Christina Deggim wird neue Stadtarchivarin von Stade. Am 1. Juni 2010 tritt die 43-Jährige ihren Dienst im Stadtarchiv Stade an und löst damit Jürgen Bohmbach, der in den Ruhestand tritt (siehe Bericht vom 8.2.2010), ab.

Die gebürtige Bremerhaverin Christina Deggim arbeitet seit 2004 im Niedersächsischen Staatsarchiv Stade. In ihren Forschungen beschäftigt sie sich seit vielen Jahren mit dem Arbeitsalltag auf Schiffen und in den Häfen im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit. 2003 wurde sie mit einer Arbeit zum "Seehandel und Arbeitsregelungen in Hamburg und Kopenhagen vom 13. bis zum 17. Jahrhundert" an der Universität Hamburg promoviert.

Im Stader Stadtarchiv möchte Deggim unter anderem die Historie des Stader Zolls in Brunshausen erkunden und als erstes den Internetauftritt des Archivs inklusive Online-Findmittel ausbauen. Außerdem möchte sie mehr Studierende und weitere Wissenschaftler nach Stade locken, die ihre Forschungsarbeiten in der Hansestadt schreiben. Daher plant sie unter anderem eine Kooperation mit dem Historischen Seminar an der Universität Hamburg.

Deggim hat sich gegen vier weitere Kandidaten durchgesetzt, die in der engeren Wahl waren. Insgesamt hatten sich 23 Historiker für die Stelle beworben. Deggim habe sowohl beim achtseitigen Fragebogen als auch bei der schriftlichen Aufgabe und beim spontanen Redenschreiben durchsetzen können, sagt Stades Bürgermeister Andreas Rieckhof, ein studierter Historiker, der die Besetzung des Stadtarchivarsstelle als eine der wichtigsten Personalentscheidungen während seiner Amtszeit bezeichnet.

Kontakt:
Stadtarchiv Stade
Johannisstraße 5
21682 Stade
Tel. 04141/401460
Fax 04141/401462
info@stadt-stade.de

Quelle: Hamburger Abendblatt, 22.3.2010

Neue Ausstellung »Gott erhalte Franz den Kaiser« in Wien

Kaiser Franz II./I. – da stimmt doch etwas nicht. Tatsächlich resultiert diese "Verdrehung" der Zahlen aus einer Zeit, in der die Welt – oder zumindest Europa – auf dem Kopf stand. Die Französische Revolution und Napoleon, blutige Kriege und brüchige Friedensschlüsse, die Restauration und nationale wie liberale Strömungen, Haydn und das Biedermeier – all das und mehr prägten die Ära von Kaiser Franz (1768-1835). Dem letzten Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, zugleich erster Kaiser von Österreich, ist vom 16. März bis 13. August 2010 die neue Ausstellung der Münze Österreich gewidmet.

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Die neue Ausstellung
Wie war das nun mit Kaiser Franz II./I.? Franz Joseph Karl aus dem Haus Habsburg-Lothringen war von 1792 bis 1806 als Franz II. der letzte Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Napoleon zwang ihn zur Niederlegung der Krone und führte damit das Erlöschen des Heiligen Römischen Reiches herbei. Von 1804 bis 1835 trug der Monarch als Franz I. den Titel eines Kaisers von Österreich. Zwei Jahre lang behielt er beide Titel – eben als Kaiser Franz II./I.

Abb.: Die neue Ausstellung in der MÜNZE ÖSTERREICH trägt den Titel „Gott erhalte ….“. Sie beleuchtet das Leben und die Regierungszeit Franz II von 1792 bis 1806 als letzter Kaiser des Heiligen Römischen Reiches und erster Kaiser von Österreich (1804 – 1835): geprägt von Napoleons politischem Einfluss, Haydns Musik und dem Wechsel einer ganzen Epoche in das Biedermeier (Münze Österreich AG)

Wie mit ihren Münzen möchte die Münze Österreich mit ihren Ausstellungen Wissen unbeschwert, attraktiv und kurzweilig anbieten. Es geht weniger um Details als um ein Verstehen der Zusammenhänge und um das (Be-)Greifbar-Machen der Menschen ihrer Zeit. Rund 140 Exponate leiten durch Ära und Regentschaft des Monarchen. Die Liste der Akteure liest sich wie das "Who ist who" der europäischen Geschichte. Sie alle sind etwa durch eigenhändige Schriften, offizielle wie persönliche Dokumente und Abbildungen vertreten. Das gilt neben Kaiser Franz selbst für Napoleon Bonaparte, Staatskanzler Metternich, Erzherzog Johann bis hin zu Andreas Hofer und Joseph Haydn.

Zu sehen sind etwa Briefwechsel des Kaisers und Metternich, eine Botschaft von Andreas Hofer an Erzherzog Johann oder jenes Schreiben, mit dem Napoleon um die Hand von Kaiser Franz\‘ Tochter Erzherzogin Marie Louise anhielt. In diese Zeit fallen aber auch vertraute "Highlights" des Geschichte-Unterrichts, wie die Französische Revolution, Aufstieg und Fall Napoleons, das Drama von Marie Antoinette, der Tiroler Freiheitskampf bis hin zum Wiener Kongress, wo Kaiser Franz und Metternich Europa zu Gast hatten. Neben den "Großen" von damals geht es auch um die vielen unbekannten Schicksale, die von den Geschehnissen ihrer Zeit geprägt waren – etwa um die Soldaten dieser konfliktreichen Ära.

Eine neue Münzprägestätte in Wien
Von Bedeutung ist Kaiser Franz auch für die Münze Österreich selbst. Eine der letzten Entschließungen des Kaisers war die Errichtung einer neuen Prägestätte in Wien. Der damalige Standort, das Winterpalais des Prinzen Eugen in der Himmelpfortgasse, so wie heute Sitz des Ministeriums für Finanzen, war zu klein geworden. In der Ausstellung zu sehen ist daher auch die kaiserliche Entschließung vom 7. November 1834 betreffend der Errichtung des neuen Münzhauses. "Ich genehmige die Erbauung eines neuen Münzamt Strecks- und Schlämmwerksgebäudes auf dem angetragenen Platze am linken Ufer des Neustädter Kanals." Gemeint war damit die jetzige Adresse "Am Heumarkt 1" und jenes Gebäude, das heute die Münze Österreich und mit ihr die neue Ausstellung beherbergt.

Katalog und Termine der Ausstellung:
Die Beschreibung der Schaustücke sowie eine umfassende Dokumentation des Lebens der Ära von Kaiser Franz finden sich im kostenlos aufliegenden Ausstellungskatalog. Der Katalog liegt in deutscher Sprache vor, eine englische Fassung ist in Vorbereitung. Die Ausstellung findet in Kooperation mit dem Österreichischen Staatsarchiv statt.

Geöffnet ist "Gott erhalte…" vom 16. März bis 13. August 2010, werktags, Montag bis Freitag von 9:00 bis 16:00 – Mittwoch bis 18:00 – in der Münze Österreich, Am Heumarkt 1, 1030 Wien. Eintritt und Katalog sind kostenlos.

Quelle: Münze Österreich AG, Pressemitteilung, 15.3.2010

Farbige Sicherungsverfilmung im Kulturgutschutz

Die Vergänglichkeit von herkömmlichen Fotos und Filmen, deren Farben mit der Zeit verbleichen, ist allgemein bekannt. Reich verzierte Handschriften, Landkarten und Urkunden, bei denen Farbe über den ästhetischen Wert hinaus unverzichtbare Informationen liefert, blieben daher bei der Sicherungsverfilmung nach der Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut wegen unzureichender Fotomaterialien und Aufnahmetechniken bisher unberücksichtigt. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) hat nun gemeinsam mit Partnern aus Bund, Ländern und Privatwirtschaft die Farb-Mikroverfilmung unter optimaler Schonung der Originale während des Aufnahmevorgangs realisiert.

In der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar hat das BBK heute gemeinsam mit Fraunhofer IPM, dem Entwickler des eingesetzten Laserbelichters, die Farb-Mikroverfilmung vorgestellt. „Das ist ein besonderer Moment für mich. Nach zirka 850 Millionen Schwarz-Weiß-Aufnahmen können wir nun kostbare farbige Dokumente, wie sie in Bibliotheken und Archiven zu finden sind, dauerhaft auf Film sichern“, sagte Christoph Unger, Präsident des BBK in Weimar. „Ereignisse wie das Elbe-Hochwasser, der Brand in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek 2004 oder der Einsturz des Kölner Stadtarchivs machen bewusst, wie schnell wertvolles Kulturgut zerstört werden kann. Mit der neuen Technik leisten wir nun einen Beitrag, dieses Kulturgut auf höchstem Qualitätsstandard in Farbe für die folgenden Generationen zu erhalten.“

Moderne digitale Aufnahmetechniken und das analoge Speichermedium Film, das von schnellen Systemwechseln in der IT-Technik unabhängig ist, bilden hier eine zukunftsweisende Allianz für den Kulturgutschutz. Die Mikrofilme sind als Speichermedium sehr lange haltbar. Mit einfachsten Mitteln können die Informationen wieder zurück gewonnen werden – notfalls genügt ein Vergrößerungsglas.

Die Entwicklung der neuen Technik der Farbmikrofilm-Laserbelichtung ist über viele Jahre auch mit staatlichen Förderprogrammen vorangetrieben worden. Bereits ein Jahr vor dem Brand der Herzogin Anna Amalia Bibliothek wurde damit begonnen, farbige Unikate aus dem Bibliotheksbestand zu digitalisieren und für die Langzeit-Archivierung zu erfassen. Die Verfilmungsstelle ist an das Thüringische Hauptstaatsarchiv angeschlossenen. Im Landesarchiv Baden-Württemberg sind die Dateien mit Hilfe eines speziellen Laserbelichters von Fraunhofer IPM weiterverarbeitet worden. Ziel dieser Anstrengungen war stets, eine ebenso hohe Qualität bei der Sicherungsverfilmung auf Mikrofilm in Farbe zu erreichen, wie sie bereits seit Jahrzehnten bei der Schwarz-Weiß-Verfilmung vorhanden ist.

In einer Pilotphase wurde getestet, historische Dokumente farbgerecht für die Nachwelt sicherzustellen. Inzwischen ist der so genannte ARCHE-Laserbelichter im Routinebetrieb. Das Gerät kann über 250.000 farbige Aufnahmen auf 35-mm-Film pro Jahr erzeugen. Mit dieser Entwicklung hat der Bund nun eine neue Stufe der Sicherungsverfilmung nach der Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut erreicht.

Gesamtstaatliches Handeln zu dokumentieren und damit Entwicklungen nachvollziehbar zu machen, ist ein wichtiger Bausstein, um die Geschichte und Kultur eines Volkes begreifen zu können. Seit Beginn der 1960er Jahre hat der Bund die Sicherung wichtiger Dokumente auf Mikrofilm gefördert. Unverzichtbare Partner waren dabei von Anfang an die Länder, deren Archive die fachliche Begleitung der Verfilmungsmaßnahme übernehmen und für die Auswahl relevanter Dokumente sorgen. Seit dem Weimarer Projekt sind nun auch die Bibliotheken in die Kulturgutsicherung auf Film mit einbezogen.

Die Haager Konvention
Die UNESCO hat 1954 in Den Haag eine Konferenz zur Ausarbeitung eines Kulturschutzabkommens einberufen. Das Ergebnis ist die Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten, der bis heute über 100 Staaten beigetreten sind. Zu den beschlossenen Maßnahmen zählen die Kennzeichnung von unbeweglichem Kulturgut, der Bau von Bergungsräumen, die Sicherungsverfilmung von Archivgut von Bund und Ländern sowie die Sicherungsverfilmung von Bibliotheksgut. In Deutschland ist das BBK für die Durchführung verantwortlich.

Quelle: BBK, Klassik-Stiftung, Pressemitteilung: Farbige Sicherungsverfilmung im Kulturgutschutz, 15.3.2010

Rollregalanlage schafft mehr Platz im Kreisarchiv Warendorf

Nach mehrmonatigen Umbauarbeiten ist das Kreisarchiv Warendorf jetzt technisch auf dem neuesten Stand. Im Magazin, das im Kreishaus traditionell als "Endarchiv" bekannt ist, wurde eine neue Rollregalanlage eingebaut. Sie bietet Lagerplatz für mehr als 3.000 laufende Meter Archivgut.

Im Zuge der Umbaumaßnahmen nahmen die Mitarbeiter des Archivs eine komplette Neuordnung der Archivbestände vor. Dazu wurden rund 2.000 laufende Meter Archivgut umgelagert, 7.000 Archivkartons neu geordnet und rund 3.000 neu angeschaffte Archivkartons mit Archivalien gefüllt. Dr. Mark Steinert, Leiter des Kreisarchivs erklärt: "Der Einbau der Rollregalanlage und die Neuordnung der Archivbestände war nach zahlreichen Archivalienübernahmen im Laufe der letzten Jahre und angesichts neuer Aufgaben unbedingt erforderlich. Unser Magazin platzte aus allen Nähten".

Beim Neubau des Kreishauses vor rund 30 Jahren ging man davon aus, dass das Magazin bei üblichem Zuwachs an Archivgut bis in die ersten Jahre des neuen Jahrtausends ausreichen würde. Diese Planung ging auch auf. Ende 2007 stand dann aber endgültig fast, dass die Kapazitäten in absehbarer Zeit erschöpft sein würden, zumal sich die Übernahme umfangreicher neuer Bestände abzeichnete: Das Archiv der Stadt Sendenhorst sollte in die Obhut des Kreisarchivs überführt werden, und zum 1. Januar 2009 wurden die – bisher in den Standesämtern verbliebenen – historischen Personenstandsregister zu Archivgut. Das bedeutete, dass nicht nur umfangreiche zusätzliche Aufgaben auf die Mitarbeiter des Kreisarchivs zukamen, sondern auch Platz geschaffen werden musste.

Nach dem Umbau ist das Kreisarchiv für diese neuen Aufgaben gewappnet: Die Kapazität des Endarchivs konnte annähernd verdoppelt werden. Das Stadtarchiv Sendenhorst konnte bereits zum größten Teil in das Kreishaus überführt werden, und die Übergabe der Personenstandsregister wird in den nächsten Wochen sukzessive erfolgen.

Dr. Steinert erklärt: "Die Neuordnung des Archivs war für uns alle eine Herausforderung, und alle haben fleißig mit angepackt. Aber nun sind wir froh, dass die Bau- und Räumarbeiten weitgehend abgeschlossen sind und dass wir das Archiv am vergangenen Montag wieder für Benutzer öffnen konnten. Die neuen Bestände, also das Stadtarchiv Sendenhorst und die Personenstandsregister müssen zwar noch für die Benutzung erschlossen werden, aber sonst stehen seit der Wiedereröffnung des Kreisarchivs alle seine Bestände Benutzern wieder zur Verfügung."

Kontakt:
Kreisarchiv Warendorf
Waldenburger Str. 2
48231 Warendorf
Telefon: 02581-53-2197
Telefax: 02581-53-2452
kreisarchiv@kreis-warendorf.de

Quelle: Kreis Warendorf, Pressemitteilung, 18.3.2010

Erste frei gewählte DDR-Volkskammer vollständig im Internet abrufbar

Zum 20. Jahrestag der ersten freien Wahl zur DDR-Volkskammer am 18. März 1990 sind die vollständigen Fernseh-Mitschnitte, digitalisierten Drucksachen und Protokolle der 10. Volkskammer für jedermann im Internet abrufbar. Sie dokumentieren die spannenden Monate zwischen April und Oktober 1990, in denen die deutsche Einheit auf dem Weg gebracht wurde.

Die Filme und Dokumente wurden in Zusammenarbeit mit dem Bundesarchiv und dem Deutschen Rundfunkarchiv aufbereitet und digitalisiert. Die Sammlung auf www.bundestag.de umfasst rund 4.400 Seiten Drucksachen sowie die 39 Protokolle der Plenarsitzungen mit rund 1900 Seiten. Auch die knapp 200 Stunden Fernseh-Mitschnitte der Volkskammer-Sitzungen stehen den Nutzern mit den schriftlichen Dokumenten verknüpft zur Verfügung.

Link: www.bundestag.de/volkskammer

Kontakt:
Deutscher Bundestag
Platz der Republik 1
11011 Berlin
Tel.: +49 (0)30 227 0
Fax: +49 (0)30 227-36878 oder 227 36979
mail@bundestag.de

Quelle: Deutscher Bundestag, Pressemitteilung, 18.3.2010

Limburg im »langen« 19. Jahrhundert

Warum der Blick in die Vergangenheit lohnt, machte der Limburger Stadtarchivar Dr. Christoph Waldecker in seinem Vortrag "Limburg im langen 19. Jahrhundert (von 1789 bis 1914)" deutlich. Er betonte, dass es die 125 Jahre des "langen 19. Jahrhunderts" – von der Französischen Revolution bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs – benötigte, um den Ideen der Aufklärung wie Volkssouveränität und persönliche Freiheit zu ihrem Durchbruch zu verhelfen. Aus heutiger Sicht sei das 19. Jahrhundert deshalb "unsere Wurzel, auf die wir uns besinnen müssen".

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Erfreut von der großen Resonanz und dem starken Interesse an Limburger Geschichte hatte sich Bürgermeister Martin Richard (CDU) gezeigt. Die vielen Mühen im Vorfeld des Limburger Jubiläumsjahrs 2010 hätten sich gelohnt, stellte er zur Begrüßung im kleinen Saal der Stadthalle vor rund 180 Zuhörern fest, bevor er das Wort dem Referenten erteilte. In seinem eineinhalbstündigen Vortrag zeigte der Stadtarchivar unter anderem auf, dass Limburg im "langen 19. Jahrhundert" immer wieder ein Ort des religiösen Konflikts, aber auch religiöser Toleranz gewesen ist.

Es begann mit der Französischen Revolution 1789, in deren Verlauf etwa 400 französische Geistliche und Adlige ihren Weg nach Limburg fanden. Im Revolutionsjahr hatte die Stadt seit 383 Jahren dem Erzstift Trier angehört. Die Ereignisse der folgenden Jahrzehnte, wie die französischen Revolutionskriege, die Napoleonischen Kriege und die Beschlüsse des Wiener Kongresses von 1815 führten zu einem grundlegenden Wechsel der hiesigen Besitzverhältnisse. Limburg fiel damals nach und nach an das protestantische Herzogtum Nassau.

Einerseits profitierte die Stadt von der fortschrittlichen Politik Nassaus, die unter anderem zur Aufhebung der Leibeigenschaft sowie der Einführung der Reise- und Niederlassungsfreiheit führte. Andererseits löste der neue Landesherr das Limburger Stift, das Franziskanerkloster sowie weitere geistliche Einrichtungen auf. "Für die Stadt hatte dies schlimme Folgen", sagte Waldecker und verwies auf das von Franziskanern betriebene städtische Gymnasium, das 1813 seinen Betrieb einstellen musste. Limburg erhielt erst 25 Jahre später wieder eine weiterführende Schule.

An der territorialen Zugehörigkeit Limburgs änderte sich nach 1815 für mehrere Jahrzehnte nichts. 1866 beging der Herzog von Nassau aber einen folgenschweren Fehler und unterstützte im preußisch-österreichischen Krieg die Österreicher. Als Konsequenz wurde sein Land von den Preußen besetzt, er verlor seinen Thron und ging ins Exil. Der Wechsel der Herrschaft wurde keineswegs als "eine Vergewaltigung des Bevölkerungswillens" empfunden, betonte Waldecker. Vielmehr begrüßten Großbürgertum, Unternehmerschaft sowie auch die politischen Eliten den Anschluss an Preußen. Bis 1945 sollte Limburg eine preußische Stadt bleiben.

Aber auch diese Beziehung war nicht konfliktfrei. So war Limburg 1827 Bischofsstadt geworden, und die Beziehungen zwischen Stadt und Bistum waren "fast immer sehr gut" gewesen. Fackelzüge, Ehrenpforten und festliche Beflaggung anlässlich der Einführung eines Bischofs waren selbstverständlich, was Waldecker auch mit einigen alten Fotos belegte. Als es während des preußischen Kulturkampfes zum Konflikt zwischen der katholischen Kirche und dem preußischen Staat kam, unterstützten die Limburger Bürger vehement ihren Bischof Peter Joseph Blum. Sie kauften zum Beispiel 1874 dessen zwangsversteigerten Reisewagen, um ihn unter großer Anteilnahme der Bevölkerung feierlich an Blum zurückzugeben. Neben der katholischen Kirche existierten in Limburg auch wachsende evangelische und jüdische Gemeinden. So weihte man 1866 die evangelische Kirche am Bahnhof und 1903 den Neubau der Synagoge an der Schiede ein.

Kontakt:
Dr. Christoph Waldecker M.A., Dipl.-Archivar (FH)
Magistrat der Kreisstadt Limburg a. d. Lahn
-Stadtarchiv-
Mühlberg 2 (Schloss)
65549 Limburg a. d. Lahn
Tel.: 06431-932 367
Fax: 06431-584 39 47
christoph.waldecker(at)stadt.limburg.de
www.limburg.de

Text und Foto: Johannes Koenig (Nassauische Neuen Presse, 17.3.2010)

Archiv und Wirtschaft 1/2010

In Kürze erscheint Heft 1/2010 der Zeitschrift "Archiv und Wirtschaft", herausgegeben von der Vereinigung deutscher Wirtschaftsarchivare e.V. (VdW). Das aktuelle Heft enthält unter anderem Aufsätze über die Bestände des Wirtschaftsarchivs Baden-Württemberg, über die Entstehung, Entwicklung und Bedeutung der Lausitzer und mitteldeutschen Braunkohlenindustrie im Spiegel ihrer Überlieferung im Bergarchiv Freiberg sowie über Quellen zur Geschichte der Lederindustrie im Stadtarchiv Worms.

Inhaltsverzeichnis Zeitschrift „Archiv und Wirtschaft“ 1/2010

Aufsätze:

  • Jutta Hanitsch: Der Mittelstand im Zentrum der Überlieferung – die Bestände des Wirtschaftsarchivs Baden-Württemberg
  • Clemens Heitmann unter Mitarbeit von Matthias Fiedler und Sebastian Müller: Entstehung, Entwicklung und Bedeutung der Lausitzer und mitteldeutschen Braunkohlenindustrie im Spiegel ihrer Überlieferung im Bergarchiv Freiberg
  • Gerold Bönnen: Quellen zur Geschichte der Lederindustrie im Stadtarchiv Worms

Berichte:

  • Wolfgang Wimmer: Chemiearchivare zeigen, was sie haben. Jahrestreffen des Arbeitskreises der Chemiearchivare am 21. November 2009 in Darmstadt

Rezensionen:

  • Werner Abelshauser: Nach dem Wirtschaftswunder. Der Gewerkschafter, Politiker und Unternehmer Hans Matthöfer (Martin Münzel)
  • Ralf Banken: Edelmetallmangel und Großraubwirtschaft. Die Entwicklung des deutschen Edelmetallsektors im „Dritten Reich“ 1933-1945 (Benjamin Obermüller)
  • Ian Blanchard: The International Economy in the „Age of the Discoveries” 1470–1570. Antwerp and the English Merchants’ World (Wilfried Reininghaus)
  • Alexander Engel: Farben der Globalisierung. Die Entstehung moderner Märkte für Farbstoffe 1500-1900 (Wilfried Reininghaus)
  • Silke Fengler: Entwickelt und fixiert. Zur Unternehmens- und Technikgeschichte der deutschen Fotoindustrie, dargestellt am Beispiel der Agfa AG Leverkusen und des VEB Filmfabrik Wolfen (1945-1995) (Renate Schwärzel)
  • Andrea Franc: Wie die Schweiz zur Schokolade kam. Der Kakaohandel der Basler Handelsgesellschaft mit der Kolonie Goldküste (1893–1960) (Wolfgang Thomsen)
  • Daniel Hütter: Nachfolge im Familienunternehmen. Eszet Staengel & Ziller und Freudenberg & Co. KG im 19. und 20. Jahrhundert (Benjamin Obermüller)

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Impressum

Kontakt:
Redaktion "Archiv und Wirtschaft"
Redaktionsleiter: Dr. Helen Müller und Dr. Martin Münzel
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www.wirtschaftsarchive.de/zeitschrift/zeitschr.htm

Klagen im ersten Zivilprozess um den Einsturz des Kölner Stadtarchivs abgewiesen

Rund ein Jahr nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs hat die 5. Zivilkammer des Landgerichts Köln eine Klage im ersten Zivilprozess um den Archiveinsturz gegen die Stadt Köln abgewiesen. Drei Leihgeber, die dem Archiv Materialien in Verwahrung gegeben hatten, hatten die Feststellung beantragt, dass die Stadt Köln nach dem Archiveinsturz für die entstandenen Schäden ersatzpflichtig ist. Zudem verlangten sie die Herausgabe des Archivguts. Das Landgericht wies die Klagen am 16. März 2010 mit der Begründung ab, dass keine Pflichtverletzung der Stadt beim Einsturz des Stadtarchivs vorläge (Az:5 O 257 / 09; 5 O 299 / 09; 5 O 300 / 09).

Rechtsanwalt Dr. Louis Peter, der vor dem Landgericht die drei gegen die Stadt klagenden Leihgeber vertreten hatte, kündigte am Tag der Verkündung des Urteils Berufung an. Die Leihgeber hatten argumentiert, die Stadt habe ihre Obhutspflichten verletzt, weil sie vor dem Unglück auf bereits entdeckte Schäden am Stadtarchiv nicht ausreichend reagiert habe. Dies sei unter anderem durch eine öffentliche Äußerung der Archivleiterin deutlich geworden. Deshalb seien die Nachlässe des Baritons William Pearson, des Soziologen Rene König und der Familie von Wittgenstein fahrlässig gefährdet worden. Das Gebäude hätte im Februar 2009 aufgrund der Gefahrenlage geräumt werden müssen, argumentiert Peters.

Die 5. Zivilkammer des Landgerichts folgte dagegen der Argumentation der Kommune, die eine Pflichtverletzung abgestritten hatte. Fahrlässiges Handeln der Stadt liege nicht vor, weil es keine Auffälligkeiten gegeben habe, die bei den Verantwortungsträgern der Stadt Zweifel an der Standfestigkeit des Gebäudes hätten aufkommen lassen müssen. Die Kammer verwies auf Voruntersuchungen von 2004 sowie auf Untersuchungen aus dem Jahr 2007 während des Schildvortriebs und Messungen am 5. Februar 2009, die zum Ergebnis kamen, dass alle vorhandenen Setzungen innerhalb der Norm klagen und die Standsicherheit des Gebäudes nicht gefährdet war.

Die Stadt sei deshalb nicht verpflichtet gewesen, Archivgut auszulagern oder die Leihgeber über Gefahren zu informieren. Eine grundsätzliche Feststellung einer Schadensersatzverpflichtung der Kommune lehnten die Richter ab. Auch den Herausgabe- und Bereitstellungsanspruch der Leihgeber ließen die Richter nicht gelten. Angesichts der Gesamtumstände sei dessen Herausgabe des Archivmaterials derzeit nicht zumutbar, so Gerichtssprecher Dr. Dirk Esser.

Die drei Urteile sind allerdings noch nicht rechtskräftig. Gegen sie kann innerhalb einer Frist von einem Monat Berufung eingelegt werden. Die Urteile werden Ende März 2010 auf der Internetseite www.nrwe.de der NRW-Justiz einzusehen sein.

Quelle: Albert Huhn, Kölnische Rundschau, 16.3.2010; FAZ, 16.3.2010; Köln Nachrichten, 16.3.2010

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