Mitgliederkartei der Marburger Bekenntnisgemeinde erschlossen

Im Keller des Melanchthonhauses Marburg wurden im Frühjahr 2010 im Rahmen der landeskirchlichen Archivpflege des Landeskirchlichen Archivs Kassel beim Stadtkirchenkreisamt Marburg zwei Karteikästen entdeckt, die zuvor vermutlich im Philippshaus in Marburg aufbewahrt worden sind. Die beiden Karteikästen enthalten die „Roten Karten“, die Mitgliedskarten der Marburger Bekenntnisgemeinde. Überliefert sind knapp 1.900 Karten, die inzwischen von Dekan i.R. Christian Hilmes in Einzelblattverzeichnung ehrenamtlich erschlossen wurden. Die „Roten Karten“ erlauben einen seltenen Blick auf die Jahre des Kirchenkampfes 1934/1935 bis 1938. Nur wenige Karteien der Bekennenden Kirche sind überliefert.

Abgebildet ist exemplarisch die Mitgliedskarte von Prof. Dr. Hans Freiherr von Soden aus dem Jahr 1934 (© Landeskirchliches Archiv Kassel)

Abgebildet ist exemplarisch die Mitgliedskarte von Prof. Dr. Hans Freiherr von Soden aus dem Jahr 1934 (© Landeskirchliches Archiv Kassel).

Von Soden wurde 1927/1928 zum Rektor der Philipps-Universität gewählt. 1933 war er als Dekan der Marburger Theologischen Fakultät federführend bei der Erstellung eines ablehnenden Gutachtens der Theologischen Fakultät zum „Arierparagraphen“ in den evangelischen Landeskirchen. Er war Mitglied im Pfarrernotbund und führender Kopf der Bekennenden Kirche in Kurhessen-Waldeck (Bruderrat), als deren Synodaler er 1934 an der berühmten Barmer Bekenntnissynode teilnahm. Wegen seiner regimekritischen Tätigkeit wurde er 1934 zeitweilig in den Ruhestand versetzt.

Bettina Wischhöfer, Landeskirchliches Archiv Kassel

Die Ludwigseisenbahn – Sonderausstellung im Schloss Burgfarrnbach

Zum Eisenbahnjubiläum zeigt das Schloss Burgfarrnbach seit dem 23. November 2010 und noch bis zum 31. Januar 2011 eine reizvolle Ausstellung mit dem Titel „Die Ludwigseisenbahn – zwischen Romantik und Industrialisierung“. Die Ausstellung präsentiert die unterschiedlichsten Aspekte von der Vorgeschichte über die Entwicklung und den Bau der Ludwigseisenbahn bis hin zum Alltagsbetrieb. Auch das Ende und die historische Bedeutung dieser Eisenbahn werden beleuchtet. Etliche bis heute noch nie gezeigte Exponate und herausragende Einzelstücke, wie z.B. die Originalrechnung des Adlers, dokumentieren diesen Bereich der Zeitgeschichte.

Abb. 1: Ludwigseisenbahn, Fahrt nach Fürth (Abb.: Schloss Burgfarrnbach)

Abb. 1: Ludwigseisenbahn, Fahrt nach Fürth (Abb.: Schloss Burgfarrnbach)

Das 19. Jahrhundert war besonders stark vom Wandel in allen Bereichen des menschlichen Lebens geprägt. Kein anderes Einzelbeispiel kann besser als Symbol für diese Zeit des Umbruchs dienen als die erste Fahrt einer Eisenbahn in Deutschland am 7. Dezember 1835 von Nürnberg nach Fürth. Hatten zuvor noch menschliche und tierische Muskelkraft die Reise- und Transportzeit auf höchstens 10 Kilometer in der Stunde begrenzt, so waren plötzlich Fahrten mit der sechsfachen Geschwindigkeit möglich. Die Eisenbahn erlaubte nicht nur den rascheren Transport von Menschen, sondern auch den umfangreicheren und billigeren Austausch von Waren zur besseren Versorgung einer immer rasanter wachsenden Bevölkerung. Dadurch verursachte soziale Probleme, Repressionsmaßnahmen der Obrigkeit und Umweltverschmutzung in bis dahin nicht bekanntem Ausmaß trüben das Bild von einer romantisch idealisierten Zeit.

Abb. 2: Adler (Abb.: Schloss Burgfarrnbach)

Abb. 2: Adler (Abb.: Schloss Burgfarrnbach)

Info:
Die Ludwigseisenbahn – zwischen Romantik und Industrialisierung
Sonderausstellung im Schloss Burgfarrnbach vom 23.11.2010 bis 31.1.2011

Weitere Infos unter Tel. 0911/97 53 43, arch@fuerth.de und im Internet: www.schloss-burgfarrnbach.de.

Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag 9-16 Uhr
Freitag 9-12 Uhr
Sonntags am 5.12.2010, 9.1.2011 und 23.1.2011, jeweils 9-16 Uhr
Eintritt frei

Kontakt:
Stadtarchiv – Stadtbibliothek – Städtische Sammlungen
Schloss Burgfarrnbach
Schlosshof 12
90768 Fürth
arch@fuerth.de
www.schloss-burgfarrnbach.de

Sonderausstellung »Der Ronhof – 100 Jahre Fußball in Fürth« verlängert

Das Stadtmuseum Fürth präsentiert bis 16. Januar 2011 in Kooperation mit der SpVgg Greuther Fürth die Sonderausstellung „Der Ronhof – 100 Jahre Fußball in Fürth“ (siehe Bericht vom 15.10.2010). Der Sportpark Ronhof ist ein Stück deutscher Fußballhistorie, einer der wichtigsten Identifikationsfaktoren der Stadt Fürth, ein Teil des Lebens von vielen Menschen in der Region. Am 11. September 2010 wurde er 100 Jahre alt. Mit zahlreichen, bisher in der Öffentlichkeit noch nicht gezeigten Dokumenten, Bildern und weiteren Exponaten illustriert die Schau den Werdegang des Sportgeländes, immer in Verbindung mit der damit eng verknüpften Geschichte der SpVgg.

Obwohl ein Teil des Archivs der SpVgg im Jahr 1945 einem Bombenangriff zum Opfer fiel, konnten die Bestände in den vergangenen Jahren zum Teil ergänzt werden. Viele private Leihgeber haben Exponate aus ihren Beständen beigesteuert, um der Ausstellung zusätzliche Aussagekraft und Lebendigkeit zu verleihen. Entstanden ist eine Ausstellung, die die Entwicklung des Sportgeländes und die damit verbundenen Erfolge des Kleeblatts dokumentiert.

Das Stadtmuseum Fürth Ludwig Erhard ist Di bis Do und So von 10 bis 16 Uhr und Sa von 13 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 3,- €/2,- € ermäßigt.
Telefonische Auskünfte unter 0911/97 92 22 90 oder per Mail: info@stadtmuseum-fuerth.de.

Alle Infos auch im Internet: www.stadtmuseum-fuerth.de.

Kreisarchiv des Odenwaldkreises erhält den Hessischen Archivpreis 2010

Der von der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen gestiftete und gemeinsam mit dem Landesverband Hessen im Verband deutscher Archivarinnen und Archivare e.V. (VdA) ausgelobte Hessische Archivpreis geht an das Kreisarchiv des Odenwaldkreises in Erbach. Der Preis wird alljährlich an kleinere nicht staatliche, insbesondere kommunale Archive unter hauptamtlicher Leitung vergeben. Mit der Auszeichnung ist ein Preisgeld von 5.000 € verbunden, das Haushaltsmittel des Trägers nicht ersetzen darf. Ergänzt wird der institutionelle Archivpreis durch die Würdigung ehrenamtlicher Archivmitarbeiter/innen durch das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst (HMWK).

Mitglieder der Jury sind neben dem Vorstand und der Vorsitzenden des VdA Hessen, Frau Dr. Brigitte Streich vom Stadtarchiv Wiesbaden, sowie je einem Vertreter des HMWK und der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen Leiter/innen hessischer Archive. Die Jury hatte in diesem Jahr die Aufgabe, aus einer großen Anzahl von Vorschlägen, die insbesondere aus der Fachwelt heraus unterbreitet wurden, den Preisträger des Hessischen Archivpreises auszuwählen und darüber hinaus die Ehrenamtler/innen auszuzeichnen, die sich mit ihrer Arbeit und durch besonderen Einsatz für hessische Archive hervorheben.

Besondere Leistung des Kreisarchivs

Mit ihrer Entscheidung würdigt die Jury insbesondere die Pionierarbeit, die das Kreisarchiv des Odenwaldkreises in den vergangenen Jahren geleistet hat. Über die Erschließung von Akten hinaus habe das Archiv eine der Regionalgeschichte gewidmete Bildungsarbeit geleistet und damit auch für die Bedeutung eines regionalen Archivs geworben so die Jury. Mit der hauptamtlichen Leitung bestehe zudem ein Betreuungsangebot im Landkreis für die weiteren kommunalen und privaten Archive, durch die für die Verwahrung und Vermittlung wichtiger archivischer Quellen Sorge getragen werde. Weiterungen wie die Entstehung von Arbeitsgemeinschaften und historisch arbeitenden Gremien zeigen, dass das Archiv des Odenwaldkreises nicht nur Anregungen gibt, sondern auch fachlicher und institutioneller Kern von Vernetzungen in der Region ist. Die Jury hebt dabei ausdrücklich den Angebotscharakter des Archives hervor, den dieses für die Kommunen im Landkreis hat.

Würdigung ehrenamtliche Archivarbeit

Eine Anerkennung für sein archivisches Engagement erhält Herr Wilhelm Franz Hartmann aus Bürstadt, der dort das Archiv seiner Heimatpfarrei, der Kath. Pfarrgemeinde St. Michael betreut. Dem Konzept des Diözesanarchivs Mainz für Pfarrarchive folgend übernimmt er die Pfarrakten ins Archiv und sichert die kontinuierliche Betreuung und Zugänglichkeit des Pfarrarchives. Für diese seit 1999 von ihm ehrenamtlich wahrgenommene Aufgabe hat ihm die Jury des Hessischen Archivpreises eine Anerkennung, die mit einem Geldpreis von 1.000 € verbunden ist, zuerkannt.

Eine besondere Anerkennung seines ehrenamtlichen, lang anhaltenden Engagements für das Archivwesen erhält der „Arbeitskreis zur Verzeichnung der Hofheimer Archivalien“ in Lampertheim. Unter der Ägide des Lampertheimer Stadtarchivars gründete sich dieser Arbeitskreis bereits im Jahr 2002. Seither stellt er die kontinuierliche Verzeichnung von Archivalien zur Ortsgeschichte sicher. Hieraus entwickelte sich auch eine lokalhistorische Ausstellung, die von einer Ortschronik begleitet wurde und von den vier Mitgliedern des Arbeitskreises selber erstellt wurde. Der Arbeitskreis, dem Hans Heim, Heide Kiefer sowie Gisela und Johann Schacherl aus Lampertheim-Hofheim angehören, erhält auf Vorschlag der Jury mit dem Ehrenamtspreis im Rahmen des Hessischen Archivpreises ein Preisgeld in Höhe von 2.000 €.

Die Verleihung des Hessischen Archivpreises soll am 15. Dezember 2010 in Michelstadt im Odenwald erfolgen.

Der Hessische Archivpreis wird alljährlich vom VdA Hessen gemeinsam mit der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen ausgelobt. Vorschläge zur Auszeichnung können von jedermann mit Begründung unterbreitet werden. Die Auswahl der Preisträger erfolgt durch eine fachkundige Jury. Das Preisgeld für den Archivpreis stellt die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, das für die ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst zur Verfügung.

Bisherige Preisträger des 2005 erstmals vergebenen Hessischen Archivpreises waren das Stadtarchiv Pfungstadt (2005), das Stadtarchiv Eschwege (2006), das Kreisarchiv Gießen (2007), die Stiftung „Archiv der deutschen Frauenbewegung“ in Kassel (2008) sowie die „Dokumentesammlung des Herderinstituts“ in Marburg (2009).

Quelle: Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, Frankfurt/Wiesbaden, November 2010

Geschichte mal anders »MACHT BESSER! Potsdamer Bürgerbewegungen ‘89«. DVD zur Ausstellung in der FH Potsdam vorgestellt

Im Herbst des vergangenen Jahres wurde in der Fachhochschule Potsdam die Ausstellung „MACHT BESSER! Potsdamer Bürgerbewegungen `89“ gezeigt. Für die Ausstellung hatten Studierende der Fachhochschule Potsdam Zeitzeugen befragt, Berichte recherchiert und historisches Bildmaterial zusammengetragen und waren der Frage nachgegangen, was junge Menschen heute damit verbinden. Ist die Losung aus dem Herbst ’89 „Gegen Resignation und Angst, für Veränderungen und Hierbleiben“ noch oder wieder aktuell?“ Um die strukturierte Sammlung von Informationen und die Recherchen über die Ausstellung hinaus greifbar zu machen, haben Studierende der Studiengänge Archiv, Europäische Medienwissenschaft und Kulturarbeit eine gleichnamige DVD entwickelt. Die DVD „MACHT BESSER! Potsdamer Bürgerbewegungen `89“ wurde am Dienstag, dem 9. November 2010 im Schaufenster der FH Potsdam in der Friedrich-Ebert-Straße 4 vorgestellt. Kooperationspartner ist – wie schon bei der Ausstellung – die Arbeitsgemeinschaft für Umweltschutz und Stadtgestaltung (ARGUS Potsdam e.V.). Die finanzielle Förderung hat die Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung übernommen.

DVD MACHT BESSER! Potsdamer Bürgerbewegungen '89. Foto: Ines Baumann

Abb.: DVD MACHT BESSER! Potsdamer Bürgerbewegungen ’89“. Foto: Ines Baumann

Sandra Anna Christen (Mitglied der Studentengruppe) moderierte mit viel Charme und frischem Witz durch das Programm. Nach einer kurzen anschaulichen Darstellung des Projektes und dessen Verlauf verwies sie auch auf die Bedeutsamkeit eines Mediums, das sich unter anderem mit Zivilcourage und aktiver Gestaltung einer Gesellschaft beschäftigt. Sie gab dann das Wort weiter an Prof. Dr. Hobohm (Dekan des FB Informationswissenschaften der FHP), der auf die zentrale Rolle von interdisziplinärer Projektarbeit an der Fachhochschule einging. Die Initiatorinnen des Projektes Prof. Dr. Susanne Freund und Dr. Elvira Schmidt betonten beide, dass die hohe Resonanz zur Ausstellung 2009 sie zu dieser Idee inspiriert hatte. Dr. Elvira Schmidt sprach über den Wert der neuen Aufbereitung für spätere Generationen, da Geschichte in Archiven alleine nicht erlebbar sein könne. Die Ziele, Wünsche und Emotionen dieser Zeit könnten nur über Zeitzeugen vermittelt werden. Diese Verknüpfung von persönlich Erlebtem und dokumentarisch Aufbewahrten lässt in medialer Form diesen zentralen Aspekt der lokalen Zeitgeschichte für jüngeres Publikum greifbar werden. Bob Bahra, einer der Zeitzeugen, betonte in seiner Rede, dass die Jugend versuchen solle, sich in diese Umbruchzeit hineinzuversetzen. Die DVD wurde dann inhaltlich und strukturell von zwei weiteren Mitgliedern der Studentengruppe, Julia Moldenhawer und Norman Warnemünde, präsentiert. Zum Abschluss erläuterte Kerstin Engelhardt die Aufbereitung des Materials im didaktischen Teil. Anschließend konnte die DVD beim Sektempfang an drei PC-Stationen erprobt werden.

Die DVD ist als Lernmaterial für Schülerinnen und Schüler ab der Klassenstufe 9 konzipiert und didaktisch aufbereitet. Geschichte mal anders ist die Devise! Den Nutzerinnen und Nutzern soll mit der DVD ermöglicht werden, wichtige Ereignisse, die in ihrer Stadt vor gar nicht allzu langer Zeit stattgefunden haben, in Bezug zu ihrer eigenen Lebenswelt aufzuarbeiten. Interaktive digitale Medien sind heute nicht mehr aus dem Alltag weg zu denken. Die DVD kommt deshalb vor allem mit ihrem Aufbau und ihrer Struktur Jugendlichen entgegen. Das Informationsmaterial auf dieser DVD lässt sich wie bei einem Spaziergang erfahren und verorten. Namen und Orte können direkt angeklickt und nachgelesen werden. Sie ist in fünf Themenblöcke untergliedert, die jeweils einzeln aufgerufen werden können. Als Einstieg dient eine Stadtkarte, über die die einzelnen Menüpunkte abrufbar sind. Themen der DVD sind die Kommunalwahl am 7. Mai `89, Umweltschutz, Stadtgestaltung sowie die Demonstrationen am 7. Oktober und 4. November `89. Das Engagement von Potsdamer Bürgerinnen und Bürgern wird am Beispiel der Arbeitsgemeinschaft für Umweltschutz und Stadtgestaltung, die in Potsdam im April 1988 unter dem Dach des Kulturbundes gegründet wurde, dokumentiert. Die Aktionen der Mitglieder von ARGUS stehen exemplarisch für andere Bürgerbewegungen. Wie schon in der Ausstellung, werden die genannten Aspekte anhand von Archivmaterial, Zeitzeugeninterviews, Fotos und Filmen anschaulich dargestellt.

Die Fragen von damals haben heute an Aktualität nichts verloren. Mit der DVD als begleitendes Lernmaterial kann ein entscheidender Meilenstein in der Lokalgeschichte Potsdams zur „Friedlichen Revolution“ vermittelt werden. Aus diesem Grunde wird sie Schulen und allen anderen Interessierten kostenlos zur Verfügung gestellt. Sie kann angefordert werden bei:

Prof. Dr. Susanne Freund / FH Potsdam
E-Mail: freund@fh-potsdam.de

oder

Dr. Elvira Schmidt / ARGUS Potsdam e.V.
E-Mail: info@argus.-potsdam.de

Ein Interview mit Prof. Susanne Freund und Sandra Christen zum DVD-Projekt ist abrufbar bei Potsdam TV unter folgendem Link: http://www.potsdamtv.de/Stadtleben/Macht_besser-15425.html.

Münchner Stadtarchivar neuer Vorsitzender des Historischen Vereins von Oberbayern

Am 15. November 2010 wählten die Mitglieder des Historischen Vereins von Oberbayern einen neuen Ausschuss, der nun die nächsten vier Jahre die Geschicke des Vereins leiten wird. Dr. Michael Stephan, Leiter des Stadtarchivs München, ist ab sofort 1. Vorsitzender des Vereins. Er übernimmt dieses Amt von dem früheren Stadtarchivar Dr. Richard Bauer, der dem Verein seit 1984 vorstand und nicht mehr kandidierte.

Dem Vereinsvorstand gehören neben dem 1. Vorsitzenden künftig an: Prof. Dr. Rupert Gebhard, Leiter der Archäologischen Staatssammlung München, als 2. Vorsitzender und PD Dr. Peter Fleischmann, Ltd. Archivdirektor, Leiter des Staatsarchivs München, als 3. Vorsitzender. Das Amt des Schriftführers übernimmt Dr. Manfred Peter Heimers, Archivoberrat am Stadtarchiv München. Schriftleiterin der Vereinszeitschrift „Oberbayerischen Archiv“ wird Dr. Brigitte Huber, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Stadtarchiv München. Schatzmeister bleibt Hans-Peter Maier, Oberhaching, Sparkassendirektor a.D. der Kreissparkasse München Starnberg.

Der Historische Verein von Oberbayern, der seinen Sitz am Stadtarchiv München hat, besteht schon seit 1837. Die Gründung von Geschichtsvereinen war ein besonderes Anliegen König Ludwigs I. Er gedachte sie politisch zu nutzen: Nach dem Ende der Napoleonischen Ära sollte die durch die Romantik entfachte patriotische Begeisterung für das Königreich Bayern dadurch vertieft werden, dass sich die Untertanen mit der eigenen Geschichte befassten. Gehörten dem Verein anfangs nur zwanzig Münchner Geschichtsfreunde an, so wuchs die Mitgliederzahl bis Ende 1838 auf 273 Personen. Man veranstaltete Mitgliederversammlungen und Vorträge, gab Publikationen heraus, darunter die bis heute existierende Vereinszeitschrift „Oberbayerisches Archiv“, und legte umfangreiche Sammlungen (Münzen, Medaillen, Wappen- und Siegelsammlung, Urkunden, Grafik u.a.) an.

Aus den Sammlungen des Vereins wurden seit 1937 sukzessive Objekte leihweise an staatliche, kommunale und kirchliche Institutionen abgegeben. Das Stadtarchiv verwahrt bis heute neben der Vereinsbibliothek (ca. 50.000 Bände) alle archivalischen Bestände, Urkunden, Nachlässe, Manuskripte u.a. sowie die so genannte Bildersammlung. Findbücher zu diesen Sammlungen befinden sich im Lesesaal des Stadtarchivs.

Heutzutage lädt der Verein seine rund 1.800 Mitglieder zu monatlichen Vorträgen, die sich mit historischen und kunsthistorischen Themen aus den verschiedensten Jahrhunderten befassen. Daneben finden in unregelmäßigen Abständen Sonderveranstaltungen (Führungen) statt. Einmal pro Jahr organisiert der Verein einen Tagesausflug zu historisch / kunsthistorisch interessanten Zielen im Vereinsgebiet und den angrenzenden Regionen. Regen Zuspruch findet das Sommerfest, zu dem der Historische Verein und das Stadtarchiv München seit 2009 gemeinsam ins Stadtarchiv einladen.

Am 14. Januar 2011 wird im Stadtarchiv München der 134. Band der wissenschaftlichen Zeitschrift „Oberbayerisches Archiv“ vorgestellt. Die Beiträge des diesjährigen Jahresbandes spannen einen Bogen vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert. Das „Oberbayerische Archiv“ ist das einzige wissenschaftliche Organ, das sich schwerpunktmäßig mit historischen und kunsthistorischen Themen aus Oberbayern befasst.

Kontakt:
Historischer Verein von Oberbayern
Winzererstraße 68 (Stadtarchiv)
80797 München
Telefon: (089) 233-0308
Fax: (089) 233-30830
stadtarchiv@muenchen.de
www.hv-oberbayern.de

Willkommen Schalom Ben-Chorin – Ausstellung im Stadtarchiv München

Das Stadtarchiv München zeigt ab 17. November 2010 im Vorzimmer des rekonstruierten Arbeitszimmers von Schalom Ben-Chorin (München 1913 -1999 Jerusalem) die multimediale Installation „Schalom Ben-Chorin – Willkommen“. Sie ist Teil des Begleitprogramms anlässlich der Rekonstruktion von Arbeitszimmer und Bibliothek des Schriftstellers und Religionsphilosophen Ben-Chorin im Stadtarchiv München. Als Brückenbauer zwischen den Religionen und als einer der wichtigsten Protagonisten des christlich-jüdischen Dialogs genießt der 1913 als „Fritz Rosenthal“ geborene und 1935 emigrierte Münchner bis heute höchstes Ansehen. Die Ausstellung wird realisiert mit freundlicher Unterstützung des Kulturreferats München.

Info:
„Schalom Ben-Chorin – Willkommen. Eine multimediale Installation von Georg Soanca-Pollak“
Ausstellung vom 17. November bis 23. Dezember 2010
Öffnungszeiten der Ausstellung: Mo, Mi, Do 9–12 Uhr sowie nach telefonischer Vereinbarung (089-233 30815)
Eintritt frei!

Kontakt:
Stadtarchiv München
Winzererstraße 68
80797 München
Tel. +49 (0)89 233 0308
Fax +49 (0)89 233 30830
stadtarchiv@muenchen.de

Erster Niederösterreichischer Archivtag

Das Niederösterreichische Landesarchiv St. Pölten veranstaltet am 19. November 2010 zum ersten Mal einen niederösterreichischen Archivtag. Diese für alle Betreuer/-innen niederösterreichischer Archive gedachte Veranstaltung soll dazu dienen, einen intensiveren Erfahrungsaustausch zu ermöglichen, Informationen über die neuesten Entwicklungen im Archivwesen zu bieten und vor allem einander besser kennen zu lernen.

In Zukunft sollen diese „Archivtage" regelmäßig stattfinden und dem niederösterreichischen Archivwesen eine Informations- und Diskussionsplattform bieten. Alle „amtlichen" und ehrenamtlichen Archivarinnen und Archivare im Lande sind daher am 19. November nach St. Pölten eingeladen.

Auf dem 1. Niederösterreichischen Archivtag wird das neue Online-Findbuch des NÖ Landesarchivs vorgestellt. Dieses ist auf Basis des Archivinformationssystems AUGIAS entstanden und ermöglicht die schnelle Online-Suche in den Beständen und eine bequeme Bestellmöglichkeit für bereits erfasste Verzeichnungseinheiten. Darüber hinaus bietet das System die Möglichkeit, eine künftige Vernetzung aller niederösterreichischen Archive anzudenken.

In diesem Sinne haben wir auch Dr. Gerhart Marckhgott, den Direktor des OÖ Landesarchivs, eingeladen, über den Zusammenschluss der oberösterreichischen Archive zu einem Verbund zu berichten. Dies mag auch Anregung für eine Diskussion über ein künftiges NÖ Archivportal sein, dessen Ziel die einheitliche Präsentation aller NÖ Archive im Internet und die Möglichkeit einer Online-Recherche in ihren Beständen sein könnte.

Dr. Thomas Aigner, der Direktor des Diözesanarchivs St. Pölten, wird in seinem Beitrag die weit gefächerten Möglichkeiten der Online-Präsentation von Archivalien anhand von konkreten Beispielen vorstellen.

Info:
Erster Niederösterreichischer Archivtag
19. November 2010, St. Pölten
Tagungsort: 3100 St. Pölten, Regierungsviertel
Festsaal der Niederösterreichischen Versicherung
Neue Herrengasse 10

Programm:
http://www.noe.gv.at/bilder/d50/Einladung_Erster_NOE_Archivtag.pdf?20157

Kontakt:
NÖ Landesarchiv
Landhausplatz 1
3109 St. Pölten
Tel.: 02742/9005/16250, 16255 (Sekretariat), 16550 (Fax)

Jürgen-Wessel-Stiftung finanziert Digitalisierung des Nachlasses von Raimund Marfels im Kreisarchiv Stormarn

Der Nachlass von Raimund Marfels ist der wichtigste Bildbestand im Kreisarchiv Stormarn. Ca. 50.000 Aufnahmen zeigen die Entwicklung Stormarns nach dem Zweiten Weltkrieg von 1949 bis Ende der 1980er Jahre. Die rasante wirtschaftliche Entwicklung mit der Ansiedlung von Firmen, die in ihren Branchen als Weltmarktführer gelten, ist anhand des Bestandes genauso gut nachvollziehbar wie die Veränderung der persönlichen Lebenswelten, z.B. das Verschwinden von „Tante-Emma-Läden“. Viele Aufnahmen von Ereignissen sind einmalig und gerade auch deshalb wertvoll.

Seit der Übernahme des Bestandes 1987 arbeitet das Kreisarchiv daran, die Fotos zugänglich zu machen. Es wurden von den Negativen Kontaktabzüge gemacht, eine Gliederung nach Orten vorgenommen und 1999 eine Auswahl von Bildern veröffentlicht. Die notwendige Einzelerschließung aller Negative in einer Datenbank sowie die Überprüfung und Ergänzung von fehlenden Informationen konnte bislang nicht umgesetzt werden, weil die Ressourcen des Kreisarchivs dafür nicht ausreichten.

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Abb.: Raimund Marfels 1984 (Foto: Kreisarchiv Stormarn)

Die Jürgen-Wessel-Stiftung aus Lübeck hat jetzt die finanzielle Unterstützung in Höhe von  225.000 € zur Realisierung dieses Mammutprojekts zugesagt! Bis Ende 2013 soll der gesamte Bestand inhaltlich erschlossen, die Negative digitalisiert und im Internet auf der Seite des Kreisarchivs eingestellt werden. Damit wird nicht nur ein wichtiger Abschnitt Stormarns erschlossen, der prototypisch für das gesamte Hamburger Umland steht, sondern auch die Arbeit eines Journalisten des 20. Jahrhunderts mit neuen Medien zugänglich gemacht. Auch das ist im Moment einmalig in Norddeutschland.

Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Jürgen-Wessel-Stiftung, Hans-Joachim Anrdt, betonte, dass der Beschluss über die Zuwendung vom Vorstand mit großer Freude getroffen worden sei. Jürgen Wessel hatte in seinem Testament niedergelegt, dass "heimatkundliche Sammlungen und Dokumentationen" gefördert werden sollen. Der Nachlass Marfels entspricht diesem Wunsch des Stiftungsgründers in exemplarischer Weise. Dass darüber hinaus das Lebenswerk eines Redakteurs der Lübecker Nachrichten in seinem Bestand dauerhaft gesichert werden wird, dürfte ebenfalls sehr im Sinne des früheren Verlegers der Lübecker Nachrichten sein.

Biografie Raimund Marfels (11.3.1917 Berlin – 26.10.1990 Bad Oldesloe):
Fotojournalist. Marfels kam 1946 kriegsbedingt nach Bad Oldesloe und begann, obgleich kaufmännischer Angestellter, 1949 als Autodidakt ein neues Berufsleben. Er arbeitete als Bildreporter und Journalist freiberuflich für die Deutsche Presseagentur (dpa) und verschiedene Zeitungen sowohl in Stormarn als auch überregional. 1957-1985 war er fester Mitarbeiter der Lokalredaktion Stormarn der „Lübecker Nachrichten“.

Seine Themen fand Marfels im gesamten Kreisgebiet: Politik und Verwaltung in Kreis und Gemeinden, Entwicklung der Dörfer und Städte, Ansiedlung von Gewerbe, Ausbau von Verkehrswegen und technischer Infrastruktur. Auch gesellschaftliche Ereignisse, Alltag und Kultur, Verbrechen, Unfälle und Brandkatastrophen hat er distanziert und sachlich festgehalten. 1983 wurde ihm für seine Verdienste um die kommunale Selbstverwaltung die Freiherr-vom-Stein-Gedenkmedaille verliehen. Sein Fotobestand von ca. 50.000 Negativen befindet sich im Kreisarchiv Stormarn und dokumentiert 40 Jahre Stormarner Zeitgeschichte und kommunales Leben.

Literatur:
Barbara Günther, Stormarn schwarz-weiß. Fotografien des Journalisten Raimund Marfels. Zeitgeschichte und kommunales Leben 1949-1989, Bad Oldesloe 1999.

Kontakt:
Kreisarchiv Stormarn
Mommsenstr. 14
23843 Bad Oldesloe
www.kreisarchiv-stormarn.de 
www.kreisarchiv-stormarn.findbuch.net

Quelle: Kreis Stormarn, Pressemitteilung, 8.11.2010

Vorfreude auf Mülheimer Haus der Geschichte

Mülheims Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld, Vertreter der Stadt Mülheim an der Ruhr, der ausführenden Baufirma und der Leonhard-Stinnes-Stiftung als Eigentümerin der früheren Augenklinik, die zum Haus der Stadtgeschichte umgebaut wird, besichtigten Anfang November 2010 das Bauprojekt an der Von-Graefe-Straße und feierten die Grundsteinlegung für den Anbau.

Nach jahrelangem Leerstand wird das Gebäude mit einem Budget von 10 Mio. Euro grundsaniert, um nach den Sommerferien 2011 als Haus der Stadtgeschichte (und Musikschule) eröffnet werden zu können. Was jetzt noch schlicht "Stadtarchiv" heißt und viel schweres Papier mitbringt, soll sich in den unteren Geschossen breit machen. Dem Leiter des Stadtarchivs Mülheim an der Ruhr, Dr. Kai Rawe, ist klar: „Das wird eine logistische Aufgabe für Fachfirmen. Ich kann ja 800 Jahre alte Urkunden nicht einfach in Umzugskisten packen.“

Mit Vorfreude sieht man der bevorstehenden Erweiterung des Stadtarchivs auf fast 1.400 qm entgegen. An der Aktienstraße, seinem bisherigen Standort, verfügt das Archiv über etwa 1.200 laufende Meter Archivakten. Zukünftig können auch Bestände ins Haus geholt werden, die derzeit noch ausgelagert sind. Das Interesse der Mülheimer Bevölkerung an Stadtgeschichte scheine zu wachsen, so berichtet die WAZ. Sobald die ehemalige Augenklinik auch die Musikschule beherberge, könnten Synergieeffekte eintreten, hofft Archivleiter Rawe: „Mit deren Eltern und Schülern kommen Leute ins Haus, die sonst vielleicht Hemmungen hätten, das Stadtarchiv zu betreten.“

Kontakt:
Stadtarchiv Mülheim an der Ruhr
Aktienstraße 85
45473 Mülheim an der Ruhr
Telefon 02 08 / 4 55 42 60
Fax 02 08 / 4 55 42 79
stadtarchiv@stadt-mh.de
www.stadtarchiv-mh.de

Quelle: Annette Lehmann, WAZ/Der Westen, 3.11.2010

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