Bewegte Bilder von Freiburg von 1910 bis 1970

Haben Sie schon einmal einen französischen Kommandanten beim Sackhüpfen oder Bilder von einem Jiu-Jitsu-Wettkampf auf dem Freiburger Münsterplatz in den 1920er Jahren gesehen? Eine neue DVD mit historischen Filmaufnahmen von Freiburg gibt Einblicke in ungewöhnliche Momentaufnahmen.

In der DVD von Anita Bindner mit dem Titel „Freiburg im Breisgau. Der Film. Die Geschichte“, an deren Herstellung auch das Stadtarchiv Freiburg beteiligt war, wurde unterschiedlichstes Filmmaterial aus vielen Quellen von 1910 bis 1970 zusammengestellt. Neben Aufnahmen von professionellen Filmemachern sind viele bisher unbekannte Streifen von privaten Hobbyfilmern zu sehen.

Ausschnitte aus Werbefilmen wurden ebenso eingebaut wie offizielle Wochenschaubilder. Zu sehen sind eine Bootsfahrt auf der Dreisam, studentisches Leben im Jahr 1926, durch das Martinstor marschierende SA, die Verladung von Panzern am Wiehrebahnhof, die Folgen der irrtümlichen Bombardierung Freiburgs durch deutsche Flieger 1940, Wintersport und Bergrennen auf dem Schauinsland, ein Passionsspiel auf den Kriegstrümmern rund ums Münster, paradierende Besatzungstruppen oder Rudi Dutschke in Freiburg.

Die neue DVD ist die Fortsetzung der ersten erfolgreichen, Ende 2010 erschienen DVD „Zerstörung, Wiederaufbau, Alltag“ mit bewegten Bildern aus der Geschichte Freiburgs von 1940 bis 1950.
Die DVD ist im Stadtarchiv Freiburg, im Museumsshop an Oberlinden oder im Buchhandel für 19,95 Euro erhältlich.

Kontakt:
Stadtarchiv Freiburg
Grünwälderstraße 15
79098 Freiburg
Telefon: 0761 / 201-2701
Fax: 0761 / 201-2799
stadtarchiv@stadt.freiburg.de
www.freiburg.de/stadtarchiv

Quelle: Freiburg, Pressemitteilung, 20.12.2011

Die Brüder Grimm in Hessen. Leben und Werk im Spiegel historischer Dokumente

Im kommenden Jahr feiern die Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm ihren 200. Geburtstag. Dieses Jubiläum würdigt das Staatsarchiv Marburg mit der Ausstellung ‚Die Brüder Grimm in Hessen – Leben und Werk im Spiegel historischer Dokumente‘, die am 19. Dezember 2011 im Landgrafensaal des Staatsarchivs eröffnet wurde. Die Märchensammlung sowie andere bekannte und weniger bekannte Werke der Grimms werden hier anhand von Erstausgaben, Manuskripten, Buchillustrationen und Materialien zu ihrer Entstehungsgeschichte präsentiert.

Doch nicht nur das literarische Schaffen der berühmten Brüder fasziniert und so zeichnet die Ausstellung mit teils zum ersten Mal öffentlich gezeigten historischen Dokumenten die hessischen Lebensstationen von Jacob und Wilhelm nach. Persönliche Erinnerungsstücke, Briefe und Bildmaterial aus dem Nachlass der Grimms lassen Kindheit und privates Familienleben in Hanau, Steinau an der Straße und Kassel lebendig werden.

Andere Exponate geben Einblick in das Studium der Brüder an der Universität Marburg oder ihr Verhältnis zur Politik, wie die Teilnahme am Protest der ‚Göttinger Sieben‘ mit anschließender Rückkehr nach Kassel und Jacob Grimms Tätigkeit als Abgeordneter der Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche 1848. Ihr berufliches Wirken im diplomatischen Dienst des hessischen Kurfürsten in Paris und Wien oder als Bibliothekar in Kassel hat Spuren in den Akten hinterlassen, die die Besucher verfolgen können. Ein Blick auf Rezeption und Würdigung der Brüder Grimm in Hessen beschließt die Schau, indem u. a. Planung, Bau und feierliche Enthüllung des Denkmals auf dem Neustädter Marktplatz in Hanau im Jahre 1896 mitzuverfolgen sind.

Die Ausstellung ist von 20. Dezember 2011 bis 1. Juni 2012, Mo/Fr 8.30-16.30 Uhr, Di-Do 8.30-19.00 Uhr geöffnet; der Eintritt ist frei.

Kontakt:
Hessisches Staatsarchiv Marburg
Friedrichsplatz 15
35037 Marburg
Telefon: +49 (0) 6421 92 50 0
Telefax: +49 (0) 6421 16 11 25
www.staatsarchiv-marburg.hessen.de

Staatsarchiv Leipzig präsentiert bislang verschollene Klassikerbriefe

Das Sächsische Staatsarchiv / Staatsarchiv Leipzig präsentierte am 14. Dezember 2011 erstmals die wertvollen Briefbände, die kürzlich aus Privathand übernommen werden konnten. Es handelt sich um Korrespondenzen von Vertretern der Weimarer Klassik mit den Freiherren von Fritsch, die das sächsische Rittergut Seerhausen (nahe Oschatz) besaßen. Die Archivalien wurden bis zum 16.12.2011 in einer Vitrine ausgestellt.

Die Unterlagen befanden sich im Besitz einer Erbengemeinschaft, die leider über keine weiteren Hinweise zum bisherigen Schicksal der Archivalien verfügt. Mit der Übergabe an das Staatsarchiv konnte eine Lücke bei den bereits im Archiv vorhandenen Aktenbänden mit dem Briefwechsel zweier Besitzer des Ritterguts geschlossen werden: Jakob Friedrich Freiherr von Fritsch (1731-1814) und dessen Sohn Karl Wilhelm (1769-1851). Beide bekleideten hohe Ämter in Weimar am großherzoglichen Hof von Sachsen-Weimar-Eisenach.

Die neu übernommenen Archivalien bestehen aus fünf Aktenbänden mit insgesamt 256 Briefen. Den zahlenmäßig größten Komplex mit weit über hundert Briefen bildet die Korrespondenz mit Karl August, Großherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach. Zwei Bände enthalten insgesamt 25 Briefe Goethes an die beiden Freiherrn von Fritsch, verfasst zwischen 1779 und 1831. Weitere Briefe stammen von Christoph Martin Wieland, Johann Gottfried Herder, Alexander von Humboldt, Carl Bertuch, Christoph Wilhelm Hufeland, der Großherzogin Maria Pawlowna und anderen Weimarer Dichtern und Persönlichkeiten. Im Goethe-Briefrepertorium, herausgegeben von der Klassik Stiftung Weimar, sind die jetzt übernommenen Goethe-Briefe derzeit noch mit dem Vermerk „Verbleib unbekannt“ versehen.

Die Briefbände wurden im Staatsarchiv bereits als Teil des Bestands 20547 Rittergut Seerhausen verzeichnet. Er enthält nunmehr 551 Akten und 9 Urkunden zum Zeitraum von 1550 bis 1941. Im Archivbestand dominieren die Unterlagen aus dem Familienarchiv von Fritsch mit zahlreichen Erinnerungen, Berichten und dem Briefwechsel als Resultat der staatsmännischen Tätigkeit der Freiherren von Fritsch im 18. und 19. Jahrhundert. Das Findbuch zum Bestand ist auf der Homepage des Staatsarchivs veröffentlicht (http://www.archiv.sachsen.de/ofind/StA-L/20547/index.htm).

Link: Beitrag von Fernsehen Leipzig

Kontakt:
Sächsisches Staatsarchiv
Staatsarchiv Leipzig
Schongauerstraße 1
04328 Leipzig
Telefon: 0341/255-5500
Telefax: 0341/255-5555
poststelle-l@sta.smi.sachsen.de

Quelle: Staatsarchiv Leipzig, Medieninformation 10 / 2011

Jahresprogramm 2012 des LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrums

Das Jahresprogramm 2012 des LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrums ist ab sofort unter im Internet abrufbar. Neben der Vermittlung von Basiswissen stehen im kommenden Jahr vier Archivaliengattungen im Blickpunkt der Fortbildungsveranstaltungen und zwar Filme, Zeitungen, Handschriftenfragmente und Kirchenbücher. Die Veranstaltungsreihen zur Notfallvorsorge und zum Arbeitsschutz werden fortgesetzt. Fragen zum Umgang mit digitalem oder digitalisiertem Archivgut stellen in nahezu allen Seminaren einen wichtigen Aspekt dar und stehen darüber hinaus im Mittelpunkt des Rheinischen Archivtags 2012 in Ratingen.

Link:
http://www.rafo.lvr.de/fortbildungszentrum/jahresprogramm_2012.asp

Kontakt:
LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrum
Ehrenfriedstraße 19
D-50259 Pulheim
Fon 00 49 (0) 22 34 / 98 54-468
Fax 00 49 (0) 22 34 / 98 54-349
Monika.Marner@lvr.de
www.afz.lvr.de

Stadtarchivar verlässt Steinfurt

Nach nur 15 Monaten verlässt Achim Becker seine Stelle als Stadtarchivar in Steinfurt. Der 45-Jährige tritt im neuen Jahr in Münster eine neue Stelle im Landesarchiv NRW Abt. Westfalen an. Seine Arbeit im ehemaligen Behördenhaus gegenüber der Hohen Schule in Steinfurt sei angenehm und durchaus spannend gewesen – an einem Ort, der über einen Bestand verfüge, in dem sich Ortsgeschichte in vielen Bereichen teilweise sehr kontinuierlich bis ins Mittelalter zurückverfolgen lasse.

Der scheidende Leiter des Stadtarchivs Steinfurt, wo er Nachfolger von Dr. Ralf Klötzer war, hat es in seiner Amtszeit geschafft, das Magazin neu zu ordnen und dabei 50 laufende Meter Freiraum zu schaffen. Zudem wurde ein Mikrofilmscanner angeschafft, der die alten Zeitungsbände von 1904 bis 1942 wieder nutzbar macht. Darüber hinaus findet derzeit die Digitalisierung der über 10.000 historischen Fotos statt.

Ein kontinuierliches Problem bleibt hingegen der Platzmangel für das Stadtarchiv Steinfurt. So lagern u.a. im Zwischenarchiv in Borghorst Unterlagen, die eigentlich nach Burgsteinfurt gehörten. Viele Archivalien seien laut Becker in einem schlechteren Zustand als eigentlich notwendig. Die älteste Steinfurter Urkunde von 1359 ist beispielsweise von einem Wasserschaden gezeichnet. Becker wünscht seinem Nachfolger, dass die Stadt trotz angespannter Haushaltslage das Raumproblem für das Archiv löst.

Kontakt:
Stadtarchiv Steinfurt
An der hohen Schule 13
D- 48565 Steinfurt
Telefon: 02551-919742
Telefax: 02551-919743

Quelle: Dirk Drunkenmölle, Bocholter-Borkener Volksblatt, 13.12.2011

Staatsarchiv Nidwalden beendet die Digitalisierung zentraler Findmittel

Mit der Digitalisierung und Aufarbeitung der Karteikarten aus dem alten staatlichen Archiv werden wichtige Akten des Staatsarchivs Nidwalden aus der Zeit vor 1878 über das Internet recherchierbar. Davon profitiert neben der Wissenschaft auch der interessierte Laie.

Neu erschlossen wurden zum Beispiel Untersuchungsakten aus einem Hexenprozess in Beckenried aus dem Jahr 1621. Solche Akten fand man bis anhin nur nach langer Suche im Staatsarchiv. Seit neuestem sind sie zusammen mit rund 20.000 weiteren Neueinträgen in der Datenbank des Staatsarchivs Nidwalden verzeichnet. Das Projekt "Digitalisierung zentraler Findmittel" des Staatsarchivs Nidwalden ist damit beendet.

Blinder Fleck frühe Neuzeit
Das aufgearbeitete Archiv umfasst mehrere hundert Schachteln, welche hauptsächlich Akten und Korrespondenz der kantonalen Behörden und Amtsstellen aus der Zeit vor 1878 enthalten. Da aus dieser Zeit relativ wenig überliefert ist und die Akten der frühen Neuzeit oft nur rudimentär erschlossen sind, handelt es sich um wichtige Bestände, die Antworten auf verschiedenste Forschungsfragen enthalten.

Digitalisierungsprojekt
Mit der Digitalisierung von bereits vorhandenen Regesten wird ein bestehendes analoges Verzeichnis in die digitale Datenbank des Nidwaldner Staatsarchivs integriert. Die Karteikärtchen, die während der 1980er bis 1990er Jahre erstellt worden waren, wurden zunächst digitalisiert, die bereinigten Rohdaten dann automatisch in die Archivdatenbank importiert. Eine umfassende inhaltliche Qualitätssicherung konnte allerdings nicht vorgenommen werden. Alte Fehler in der Aktenerschließung und im Ordnungssystem sind folglich nicht auszuschließen.

Von vielen Verzeichnissen zu einer Datenbank
Die Hauptaufgabe des Staatsarchivs ist es, die archivierten Bestände in such- und benutzbarem Zustand zu erhalten. Für die Archivbenutzer wird die aufwändige und oft mühsame Recherche stark vereinfacht. Die aufwändige Suche in parallelen Verzeichnissen entfällt – zunächst zumindest für das alte Archiv. Von dieser Neuerung profitieren neben Historikern auch Familienforschende und interessierte Laien.

In den nächsten Jahren sollen weitere Verzeichnisse folgen. Als langfristiges Ziel wird ein Zusammenzug sämtlicher Findmittel in einer Datenbank angestrebt, so dass Benutzer Archivbestände selbständig über ein zentrales Suchportal recherchieren können.

Link:
Online-Archivverzeichnis: http://nidwalden.cmistar.cmiag.ch

Kontakt:
Staatsarchiv Nidwalden
Stansstaderstrasse 54
CH-6371 Stans
Telefon: 041 618 51 51
Telefax: 041 618 51 55
staatsarchiv@nw.ch
www.staatsarchiv.nw.ch

Quelle: Nidwalden, Medienmitteilung, 19.12.2011

Publikation »Archive im Web«

Von 23. bis 25. November 2010 fand die internationale Konferenz „Archive im Web – Erfahrungen, Herausforderungen, Visionen / Archives on the Web – Experiences, Challenges, Visions“ im Österreichischen Staatsarchiv in Wien statt.

Das nun im Dezember 2011 publizierte Buch "Archive im Web" vereinigt einen großen Teil der Beiträge zur Tagung aus zahlreichen europäischen Ländern, verfasst entweder auf Deutsch oder Englisch. Die Publikation vermittelt einen eindrucksvollen Überblick, auf welchen Wegen die europäischen Archive und benachbarte Kultureinrichtungen den Herausforderungen des digitalen Zeitalters begegnen.

Info:
Thomas AIGNER, Stefanie HOHENBRUCK, Thomas JUST und Joachim KEMPER (Hgg.)
„Archive im Web – Erfahrungen, Herausforderungen, Visionen / Archives on the Web – Experiences, Challenges, Visions“
St. Pölten 2011
ISBN 978-3-901863-39-4

Der Band umfasst 228 Seiten mit zahlreichen schwarz-weiß Abbildungen und ist für 19,90 € zuzüglich Versandkosten erhältlich.

Inhaltsverzeichnis:

Vorwort

Gerhart Marckhgott Vom Diener zum Dienstleister. Gedanken zu einem neuen Selbstbewußtsein der Archive

Alina Pavelescu Learning from others’ experiences: the debates around the public access to documents in electronic format at the National Archives of Romania

Marta Nogueira Archives on Web 2.0: new contexts, new opportunities (Facebook, Flickr, YouTube).

Katharina M. Bergmayr Digital sozial? Chancen und Herausforderungen sozialer Netzwerke für Bibliotheken und Archive

Gerald Maier Europeana und „Deutsche Digitale Bibliothek“ – Sachstand und Perspektiven für die Archive

Vlatka Lemić ARHiNET system as a model for archival networks

Karel Halla Porta fontium. Bayerisch-tschechisches Netzwerk digitaler Geschichtsquellen

István Kenyeres, András Sipos Hungarian Archives Portal – a collaborative solution for publication of digitized archival content and databases

Monika Péková, Jozef Hanus Archival heritage in Slovakian State Archives and its presentation on the Internet.

Barbara Berska Educational activities of Polish Archives in the web.

Francesco Roberg Die Urkundenabteilung des Staatsarchivs Marburg und ihre Erschließung.

Andreas Kränzle, Julia Leisinger Die Reorganisation des Einsiedler Klosterarchivs (nicht nur) im Netz.

György Rácz Medieval Hungary online: The Hungarian National Archives’ online portal on medieval charters.

Francesca Klein The Diplomatico project of the State Archives of Florence: new opportunities on the web.

Jitka Křečková Charters of the National Archives in Prague on Monasterium.net.

Redmer Alma Das Digitaal oorkondeboek Groningen en Drenthe (Cartago).

Simone Würz Mittelalterliche Quellen im Internet – Aspekte der Digitalisierung und Vernetzung der Regesta Imperii Online.

Hannah Keß, Stefan Petersen Die Hohe Registratur des Lorenz Fries (1489-1550). Erfassung, Untersuchung und Edition eines Archivrepertoriums des 16. Jahrhunderts im Internet.

Tobias Schenk Präsentation archivischer Erschließungsergebnisse analog und digital. Das deutsch-österreichische Kooperationsprojekt „Die Akten des Kaiserlichen Reichshofrats“.

Antonella Ambrosio Towards the Creation of a Learning Environment within the Monasterium Project: Teaching Experiences of Diplomatics.

Daniel Russell, Maria Magdalena Rückert Virtuelles deutsches Urkundennetzwerk – Virtual German Charters-network. A Project joining Archives and Research.

Autorenverzeichnis

Schularchiv wandert ins Stadtarchiv Herford

Es ist zwar eigentlich eine ganz „normale“ Abgabe an das Archiv, denn auch die Akten der städtischen Schulen Herfords gehören in den Zuständigkeitsbereich des Kommunalarchivs Herford. Trotzdem handelt es sich in diesem Fall um etwas ganz Besonderes: Das seit Gründung der Schule 1540 in verschiedenen Schulgebäuden verwahrte Schularchiv des Friedrichsgymnasiums wurde am 15. Dezember 2011 in das Stadtarchiv Herford transportiert.

Das Schularchiv ist eine der bedeutendsten geschlossenen Sammlungen zur Schulgeschichte in Westfalen. In ihm werden Archivalien vom 14. bis zum 20. Jahrhundert verwahrt. Der Bestand reicht von Lehnbriefen aus dem Jahr 1336 über die Rechnungen des Augustinerklosters – aus dem das Gymnasium nach der Reformation 1540 hervorging – bis zu detaillierten Informationen über die Finanzierung der Schule. Dazu zählten etwa die Einkünfte des mittelalterlichen Siechenhofes vor Herford oder die Beteiligung an Leichenbegängnissen. Die in den Dokumentenenthaltenen Informationen gehen weit über die eigentliche Schulgeschichte hinaus und stellen Verknüpfungen mit der allgemeinen Herforder Stadtgeschichte her.

Für die Schule selbst sind natürlich die seit dem 18. Jahrhundert vollständig erhaltenen Schülerlisten und Abiturarbeiten bedeutsam. Gerade im nächsten Jahr, zum 300. Geburtstag des Namensgebers Friedrichs des Großen – das FGH ist ja seit 1766 „weltweit“ das einzige nach ihm benannte Gymnasium – sind viele Bezüge gegeben.

Die ca. 950 Archivalien des „älteren Archivs“ sind Ende der 1980er Jahre verzeichnet worden, inzwischen sind aber weitere Archivalien dazu gekommen. Mit abgegeben werden die Abiturarbeiten der Jahrgänge aus dem 18. Jahrhundert bis 1949, Sammlungen von Fotos und Dokumenten sowie zahlreiche neuere Akten aus der Schulverwaltung, die in den Bestand eingefügt werden müssen. Mit der Überführung in das Stadtarchiv wird zudem die Benutzung durch die Forschung und andere Interessierte wesentlich erleichtert.

Kontakt:
Kommunalarchiv Herford
Amtshausstraße 2
32051 Herford
Telefon: 05221/132213
kommunalarchiv@kreis-herford.de

Quelle: Stadt Herford, Pressemitteilung, 8.12.2011

Stadtarchiv Sprockhoevel erinnert an den Beginn der Deportationen ins Ghetto Riga 1941

Das Stadtarchiv Sprockhövel erinnert an Herta Sander geb. Röttgen und den Beginn der Deportationen in das Ghetto Riga im Dezember 1941. – Vor 70 Jahren, am 10. Dezember 1941, begann die Deportationen jüdischer Menschen aus dem Rheinland und Westfalen in das Ghetto Riga. Auch eine gebürtige Sprockhövelerin, Herta Sander geb. Röttgen befand sich im ersten Transport ab Düsseldorf, der für fast tausend Menschen die Fahrt in den Tod bedeutete. Herta Sander, ihr Ehemann Max und drei ihrer fünf Kinder wurden in den Lagern Stutthoff, Sobibor und Bergen-Belsen ermordet.

Das Stadtarchiv hat aus Anlass dieses Jahrestages das Schicksal von Herta Sander recherchiert und nachgezeichnet. Es ist ein Beispiel von Millionen und zeigt die ganz Brutalität und Menschenverachtung der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.

Das Schicksal der jüdischen Menschen und der anderen Verfolgten des NS-Staates darf nicht vergessen werden. Es macht deutlich, dass Anhängern dieses verbrecherischen Regimes in unserer Gesellschaft nie wieder ein Platz eingeräumt werden darf.

Info:

Die Geschichte der jüdischen Familie Röttgen aus Sprockhövel ist festgehalten in der Broschüre "Die Toten werden Mahnung sein", erhältlich in den Bürgerbüros der Stadt Sprockhövel.

Über die Familie Sander hat Bernd Schäfer, Rees mehrere Aufsätze geschrieben:

Es geschah in der Oberstadt. Die Reichspogromnacht des Jahres 1938 in Rees, in: Kalender für das Klever Land auf das Jahr 1998.

Auch sie waren Reeser. Zur Erinnerung an die jüdische Gemeinde Rees, in: Kalender für das Klever Land 1997.

Jüdische Familien in Haldern – Familie Sander, in: Haldern einst und jetzt, 85. Folge, Juni 2000.

Wer mehr über den Transport vom 11.-14. Dezember 1941 nach Riga, über Helmut Sander und über die Lager Riga und Stutthof erfahren möchte, lese nach bei Ingrid Schupetta, Der Salitter-Bericht, (2011) www.villaMerlaender.de/public/system, Jan-Pieter Barbian, Michael Brocke und Ludger Heid (Hrsg.) Juden im Ruhrgebiet, Essen 1999, und bei Eugen Kogon, Der SS-Staat, München 1974.

Weitere Quellen: Stadtarchiv Sprockhövel Bestand Standesamt Sprockhövel Sammlung Familien: Familie Röttgen Sammlung
Aufgelöste Schulen: Rektoratschule/Schülerliste

Dank an Bernd Schäfer, Rees, Hildegard Jakobs, Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf, Tina Oostendorp, Stadtarchiv Rees und W. Grunewald, Stadtarchiv Isselburg

Kontakt:
Stadt Sprockhövel
Der Bürgermeister
– Stadtarchiv –
Rathausplatz 4
45549 Sprockhövel
Tel.: 02339 – 917-0
info@sprochoevel.de

Digitale Westfaelische Urkunden-Datenbank gestartet

Wer sich bisher einen Überblick über historische Urkunden verschaffen wollte, war gezwungen, viele Orte aufzusuchen. Denn die archivische Überlieferung in Westfalen-Lippe aus dem Mittelalter und der Frühneuzeit ist aufgrund der vielen Kleinstaaten, die sich in der Region seit dem Mittelalter herausgebildet hatten, außerordentlich zerstreut. Im Rahmen des Kooperationsprojekts "Digitale Westfälische Urkunden-Datenbank" (DWUD) machen das LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte und das LWL-Archivamt für Westfalen – in Kooperation mit der Stiftung Westfalen-Initiative – die heute auf viele staatliche, kommunale, private und kirchliche Archive verteilten Quellen nun online unter der Webadresse www.dwud.lwl.org öffentlich zugänglich.

Digitale Westfälische Urkunden-Datenbank: URL: http://www.dwud.lwl.org

Abb.: Digitale Westfälische Urkunden-Datenbank: URL: http://www.dwud.lwl.org

Bereits in den 1930er Jahren war von Archivaren der Plan entwickelt worden, über die Archiv- und Bestandsgrenzen hinweg einen Gesamtnachweis aller westfälischen Urkunden zu schaffen. Auf Karteikarten wurden seitdem von den Mitarbeitern der Vorläufereinrichtung des heutigen LWL-Archivamts für Westfalen so genannte Regesten verfasst, die inhaltliche Zusammenfassungen der Urkunden enthalten, die im Rahmen von Betreuungs- oder Erschließungsarbeiten in die Hand genommen worden waren. Auf diese Weise kamen bis in die 1970er Jahre rund 65.000 chronologisch geordnete Karteikarten aus über 250 Archivbeständen aus ganz Westfalen-Lippe zusammen. "Eine Menge, die man mit traditionellen Mitteln nicht mehr beherrschen konnte. Dies bedeutete das Ende der Arbeiten, und so ruhte dieser große kulturelle Schatz Westfalens seitdem in den Magazinräumen des Archivs", erklärt Projektleiter Dr. Marcus Weidner vom LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte.

Als neues Modul des Internet-Portals "Westfälische Geschichte", das Service- und Informationsangebote rund um die Geschichte Westfalens bietet, können Interessierte auf viele dieser Regesten nun über das Internet zugreifen. "Der besondere Vorteil liegt darin, dass Interessierte nun gleichzeitig alle in DWUD verfügbaren Archivbestände durchsuchen können ? jederzeit und von zuhause aus", so Weidner. DWUD bietet aber nicht nur die digitalisierten Karteikarten, die nach Datum und Archiv aufrufbar sind, sondern darüber hinaus auch zehntausende Urkundenregesten, deren Textinhalte im vollen Wortlaut durchsucht werden können.

Zahlreiche staatliche, kommunale, kirchliche oder private Archive haben hierfür ihre Urkundenregesten zur Verfügung gestellt, darunter die Mitglieder der Vereinigten Westfälischen Adelsarchive e.V. und das Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen. Doch Dr. Peter Worm vom LWL-Archivamt, der für das Projekt aus archivfachlicher Sicht verantwortlich ist, möchte mehr: "Langfristiges Ziel ist es, eine speziell auf die Quellengattung ‚Urkunde‘ ausgerichtete Internetpräsenz zu schaffen, in die alle Einrichtungen, die über Urkunden aus Westfalen-Lippe verfügen, ihre Regesten einspeisen können. Zudem soll das Angebot ständig erweitert werden."

Mit über 85.000 Regesten, die nun freigeschaltet worden sind, ist hierfür der Grundstein gelegt. Die beiden LWL-Einrichtungen versprechen sich von dem Projekt, in das auch Drittmittel der Westfalen-Initiative und des Westfälisch-Lippischen Sparkassen- und Giroverbandes eingeflossen sind, vielfältige Impulse für die Beschäftigung mit westfälischer Geschichte. "Heimat- und Familienforscher können besonders davon profitieren, da über eine spezielle Suche, die nicht exakt die Buchstaben, sondern deren Laut analysiert, nach Orts- und Personennamen gesucht werden kann, die von der heutigen Schreibung abweichen. Da hat es schon Aha-Erlebnisse von Testern gegeben, die nach ihren Ahnen gesucht haben", sagt Weidner.

Gesamtprojektleitung, Konzept
Dr. Marcus Weidner
LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte
Karlstraße 33
48147 Münster
Tel. 0251 591-5691
Fax 0251 591-3282
marcus.weidner@lwl.org
URL: http://www.westfaelische-geschichte.lwl.org (Internet-Portal)
URL: http://www.lwl-regionalgeschichte.de (Institut)
URL: http://www.dwud.lwl.org (DWUD)

Projektleitung Archiv
Dr. Peter Worm
LWL-Archivamt für Westfalen
Jahnstraße 26
48147 Münster
Tel. 0251 591-4030
Fax 0251 591-269
peter.worm@lwl.org
http://www.lwl-archivamt.de

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