Solidarität für das kanadische Archivwesen. Unterstützung der ArchivarInnen und BibliothekarInnen in Kanada erforderlich!

Der VdA – Verband deutscher Archivarinnen und Archivare informiert über den finanziellen Kahlschlag im kanadischen Archiv- und Bibliothekswesen und bittet um Solidarität der deutschen Archivars- und Bibliothekskollegen:

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Fulda. Mitteleinsparungen sind ein Problem, mit dem auch das deutsche Archivwesen allenthalben zu kämpfen hat. In Kanada hat die Regierung nun allerdings so drastische Kürzungsmaßnahmen vorgenommen, dass es das dortige Archiv- und Bibliothekswesen in seiner Arbeitsfähigkeit empfindlich beeinträchtigen wird. Die dortigen Kolleginnen und Kollegen bitten daher um unsere Unterstützung.

Seit einigen Jahren sind die staatlichen Archive und Bibliotheken unter dem Dach der Library and Archives Canada (LAC) organisatorisch zusammengefasst. Die Regierung zwang die LAC nun vor wenigen Wochen, ihr Personal um 20% zu reduzieren. Die LAC musste daraufhin zahlreiche Einschnitte im Service für die Benutzer vornehmen und beispielsweise auch ihr Fernleihe-Programm abbrechen.

Auf Veranlassung der Regierung strich die LAC am 30. April 2012 weiterhin einen Betrag von 1.700.000 $ für das National Archival Development Programm (NADP). Das Geld wurde bis dahin vom Canadian Council of Archives (CCA) verwaltet und zur Unterstützung der 13 Territorial- und Territorialarchive sowie von kleineren Archiven verwendet. Dies sollte gewährleisten, dass Kanadas Geschichte auch in den Regionen gesichert bleibt und dort erforscht werden kann. Nun ist man in zahlreichen Fällen gezwungen, diese Tätigkeit sofort einzustellen.

Folglich wird der Auftrag der Archive, Dokumente zur kanadischen Kultur und Gesellschaft dauerhaft zu bewahren, Regierungshandeln zu dokumentieren und den Bürgern diese Informationen zugänglich zu machen, erheblich beeinträchtigt werden.

Für den 28. Mai 2012 ist ein Protestmarsch der ArchivarInnen in Ottawa, der Bundeshauptstadt von Kanada, angekündigt. Andere Proteste finden in den kommenden Monaten in ganz Kanada statt.

Mehr Informationen unter: http://archiviststrek2012.tumblr.com

Solch drastische Eingriffe der Regierung in das Archivwesen eines Staates mit einer demokratischen Verfassung sollten die Mitglieder des VdA nicht kommentarlos hinnehmen. Eine Online-Petition gegen den Kahlschlag im kanadischen Archivwesen unter:

http://www.change.org/petitions/make-it-better-write-a-letter-help-save-canada-s-national-archival-development-program

Wir können unsere Kolleginnen und Kollegen mit der Unterzeichnung einer Petition unterstützen!

VdA – 25.05.2012

Handschrift von Mittelalter-Mathematiker Francisco de Mello im Stadtarchiv Stralsund entdeckt

Im Stadtarchiv Stralsund sind fast alle älteren Archiv- und Bibliotheksbestände katalogisiert und für die Nutzung zugänglich. In diesen Beständen befinden sich zahlreiche Raritäten aus unterschiedlichen Jahrhunderten wie Urkunden, Bibeln, Breviere, Inkunabeln, Karten und Chroniken. "Jahrhunderte lang lagerte aber im Bestand eine Handschrift aus dem Jahre 1521, dessen außergewöhnliche Bedeutung wir erahnt, aber erst jetzt hinreichend belegen können. Bei dieser Analyse unterstützte uns maßgeblich der Fachmann auf dem Gebiet mittelalterlicher Handschriften, Dr. Jürgen Geiß, von der Staatsbibliothek zu Berlin", so die Leiterin des Stadtarchivs Dr. Regina Nehmzow.

Die Handschrift mit Kommentaren zur antiken Perspektiven- und Spiegellehre sowie zur Hydrostatik von Euklid bzw. Archimedes stammt aus der Privatsammlung des ehemaligen schwedischen Generalgouverneurs Axel Graf von Löwen, der diese 1761 testamentarisch der Stadt Stralsund übereignete.

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Abb.: Die Eingangsseite der Handschrift von Francisco de Mello (1490-1536) © dapd

Der Verfasser des auf Pergament geschriebenen außergewöhnlichen Buches ist der Portugiese Francisco de Mello. Er wurde 1490 in Lissabon als Sohn eines angesehenen Adligen geboren. Die Familie pflegte enge Kontakte zum portugiesischen Königshaus und Manuel I. (Regierungszeit 1489-1521) schickte den begabten jungen Mann nach Paris zum Studium, wo er von 1512 bis 1521 an der Artistenfakultät Mathematik und Theologie studierte. Sein Lehrer war Pierre Brissot, der ihm Grundlagenwissen in der Arbeit mit den Werken von Euklid und Archimedes vermittelte.

In Paris schloss er sich Personen an, die humanistisches Gedankengut vertraten. Zu seinen Freunden zählte u.a. der Mathematiker Gaspar de Lax, der Philosoph, Mathematiker und Schriftsteller Nicolas Clenard und der Philosoph, Jurist und Pädagoge Juan Luis Vivès. Nach seiner Rückkehr aus Frankreich wurde de Mello Lehrer der königlichen Nachkommen. Darüber hinaus war er auch als Mathematiker und Geograph an der Universität in Lissabon tätig, wo er zeitweilig auch als Rektor amtierte. De Mello gilt als wichtigster Mathematiker Portugals vor Pedro Nunes, dem bedeutendsten portugiesischen Astronomen des 16. Jahrhunderts. Er starb in seiner Heimat am 27.4.1536 kurz nach seiner Ernennung zum Bischof der portugiesischen Kolonie Goa in Westindien.

Während seines Studiums beschäftigte sich de Mello insbesondere mit Euklids Optik und der Hydrostatik von Archimedes und schrieb zu diesen Themen das vorliegende Buch, das nach jüngsten Untersuchungen als Widmungsexemplar für den portugiesischen König angefertigt wurde. Die Handschrift mit prachtvollen Ausschmückungen ist in einem professionellen Schreib- und Malatelier in Paris angefertigt worden.

Die ursprüngliche These, dass das Buch nach der Zerstörung der Königlichen Bibliothek durch das Erdbeben in Lissabon von 1755 dort entwendet wurde und auf bislang unbekanntem Weg in den Besitz des schwedischen Feldherren und späteren Generalgouverneurs von Schwedisch-Pommern Axel Graf von Löwen gelangte, kann nach neueren Untersuchungen nicht mehr bestätigt werden. Nach Kontakten mit Prof. Henrique Leitão vom Institut für die Geschichte der Naturwissenschaften der Universität Lissabon gilt als gesichert, dass die außergewöhnliche Handschrift im 17. Jahrhundert an einen portugiesischen Mathematiker verkauft wurde. Später ist sie dann in den antiquarischen Buchhandel gelangt.

Zu welchem Zeitpunkt das Buch durch den Bibliophilen Axel Graf von Löwen angekauft wurde, ist bislang ungeklärt. Inzwischen gibt es Kontakte zu portugiesischen Wissenschaftlern und Medien, die großes Interesse an der Handschrift bekunden. Die Frage nach einem möglichen Verkauf an den portugiesischen Staat wurde abschlägig beantwortet.

Am 28.6.2012 wird die Handschrift um 17 Uhr im Kapitelsaal des Johannisklosters der Öffentlichkeit präsentiert. Danach ist sie bis zum 15.7.2012 durch alle Interessierten zu besichtigen.

Kontakt:
Hansestadt Stralsund
Stadtarchiv
Am Johanniskloster 35
18439 Stralsund
Tel.: (0 38 31) 66 64 66 und 66 64 88
Fax: (0 38 31) 66 64 64
stadtarchiv@stralsund.de
www.stralsund.de/stadtarchiv

Quelle: Hansestadt Stralsund, Pressemitteilung, 24.5.2012

Neues Zwischenarchiv in Dresden eingeweiht

Dresdens Oberbürgermeisterin Helma Orosz konnte am 23. Mai 2012 gemeinsam mit Axel Walther, Geschäftsführer der STESAD GmbH, symbolisch den Schlüssel für das neue Zwischenarchivgebäude des Dresdner Stadtarchivs an Thomas Kübler, Leitender Archivdirektor und Amtsleiter des Stadtarchivs Dresden übergeben. Auf dem Areal der ehemaligen Königlich-Sächsischen Heeresbäckerei, Elisabeth-Boer-Straße 7 sind nach zwei Jahren Bauzeit 6.500 Quadratmeter modernste Archivfläche fertig gestellt worden. 15 Kilometer Schriftgut zogen in den letzten Wochen hierher um.

„Im neuen Zwischenarchiv steht mit 30 Kilometern Länge die größte zusammenhängende Regalanlage eines Stadtarchivs. Das papierene Gedächtnis Dresdens – 800 Jahre Überlieferungen bis heute – wohnt nun in einer eigenen Archivstadt", so Thomas Kübler stolz. Das Stadtarchiv, mit dem Historischen Archiv auf der Elisabeth-Boer-Straße 1 und dem neuen Zwischenarchiv Elisabeth-Boer-Straße 7 bilden diese Einheit. Die Kosten für den Umbau betragen etwa 9,5 Millionen Euro.

Im Zwischenarchiv werden alle zu archivierenden Unterlagen nach 1990 unter modernsten klimatechnischen, brandschutztechnischen und sicherheitstechnischen Bedingungen aufbewahrt. Dazu gehören unter anderem Übersiedlungsakten, Jugendhilfeakten, Ausländerakten und Facharbeiterzeugnisse sowie die Patientenunterlagen des Medizinisches Facharchivs. Die Akten im neuen Zwischenarchiv kommen aus den Depots Junghansstraße und Spenerstraße und aus dem Dresdner Rathaus.

Vor drei Jahren fiel die Entscheidung, den ehemaligen Getreidespeicher auf dem Areal der Königlich-Sächsischen Heeresbäckerei zu einem neuen Zwischenarchiv umzubauen. Auf dem Areal ist nun fast alles saniert.

Kontakt:
Stadtarchiv Dresden
Elisabeth-Boer-Straße 1
01099 Dresden
Telefonnummer 0351-4881515
Faxnummer 0351-4881503
stadtarchiv@dresden.de
www.dresden.de/stadtarchiv

Quelle: Stadt Dresden, Pressemitteilung, 23.5.2012

Notfallverbund für Leipziger Bibliotheken und Archive

Am 21. Mai 2012 fand in der Bibliotheca Albertina die offizielle Gründungsveranstaltung des Leipziger Notfallverbundes statt. Als eine der ersten städtischen Einrichtungen treten die Leipziger Städtischen Bibliotheken dem Bündnis zur Notfallvorsorge für Leipziger Archive und Bibliotheken bei. Gestartet wird das Bündnis mit rund 20 Partnern und soll nach und nach möglichst alle in Leipzig ansässigen Bibliotheken und Archive einschließen. Im Bündnis werden Institutionen verschiedener Träger und unterschiedlicher Größen zusammenarbeiten. So sind Einrichtungen des Bundes, des Landes Sachsen und der Kommune ebenso vertreten wie Einrichtungen kirchlicher oder privater Träger.

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Vor dem Hintergrund der folgenreichen Ereignisse und Naturkatastrophen wie dem Oder- und Elbehochwasser, dem Brand der Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar 2004 oder dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs lud die Universitätsbibliothek Leipzig im Juli 2009 zu einem ersten Arbeitstreffen zur Initiierung eines Leipziger Notfallverbundes ein. In halbjährlichen Abständen folgten weitere Arbeitstreffen, bei denen Referenten die Erfahrungen bereits bestehender Notfallverbünde vorstellten und verschiedene Fragen der Durchführbarkeit und Prävention erörtert wurden. Im April 2011 wurde der Entwurf für eine „Vereinbarung zur gegenseitigen Unterstützung der Leipziger Archive und Bibliotheken in Notfällen“ vorgelegt.

Ziel und Anliegen dieser Vereinbarung ist die Schadensprävention sowie die Bündelung der verfügbaren Kräfte personeller und sachlicher Art, um die zum Schutz von Kulturgut zu leistenden Aufgaben bei Schadensereignissen wie z.B. Brand, Wasserschäden, Unwetter oder technischen Defekten zu bewältigen. Aufgrund einer verbindlichen Kooperation wurden gemeinsame Gefahrenabwehrpläne erstellt und Maßnahmen zum Verhalten im Notfall sowie zur Noteinlagerung getroffen. Ein Netzwerk der Erreichbarkeit, gemeinsame Schulungen und Übungen und die gegenseitige Kenntnis der Einrichtungen der am Notfallverbund beteiligten Partner sollen eine reibungslose Zusammenarbeit im Notfall sicherstellen.

Quelle: Stadt Leipzig, Medienmitteilung, 14.05.2012

Josel von Rosheim (1478 bis 1554) zwischen dem Einzigartigen und Universellen

Josel ben Gerschon von Rosheim (1478-1554) ist eine herausragende jüdische Persönlichkeit des 16. Jahrhunderts. Er unterhielt enge Verbindungen zu Kaiser Karl V., die er nutzte, um die Rechtsstellung und Sicherheit der Juden im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation in einer Zeit des Umbruchs zu schützen. Die Reformation, die seit 1517 das Reich religiös zunehmend spaltete, führte zu tiefgreifenden Veränderungen, die sich zum Teil in gewalttätigen Übergriffen äußerten. In dieser Zeit wurden jüdische Gemeinden des Reiches häufig in die Position eines Sündenbocks gedrängt.

Als schtadlan (Fürsprecher) erreichte Josel von Rosheim eine reichsweit anerkannte Position sowohl bei den jüdischen Gemeinden des Reiches als auch bei den christlichen Landesregierungen, durch die er längerfristig eine stabilere Rechtsstellung jüdischer Gemeinden unter christlichen Herren durchsetzen konnte. Mit persönlichem Engagement verhinderte Josel vielfach religiös oder wirtschaftlich motivierte Austreibungsversuche lokaler Obrigkeiten.

Die Sonderausstellung \“Josel von Rosheim (1478-1554) zwischen dem Einzigartigem und Universellen\“ widmet sich Leben und Wirken dieses besonderen Menschen, der auch am damals in Speyer ansässigen Reichskammergericht für die Belange der jüdischen Gemeinden wirkte.

Es werden Rahmeninformationen zu den wichtigsten politischen Ereignissen des konfessionellen Zeitalters gegeben sowie die Person Josels und sein Wirken vorgestellt. Sein politischer und geistiger Nachlass wird in die Umstände der Zeit eingebunden. In einem Ausblick werden Parallelen zu heute aufgeworfen, die zu einer weiteren Auseinandersetzung mit aktuellen Fragen anregen.

Die Ausstellung ist vom 1. Juni bis 29. Juni 2012 in Speyer im Alten Stadtsaal (1. OG, Rathaushof, Maximilianstraße 12) zugänglich (Montag bis Donnerstag 9 bis 17 Uhr, Freitag 9 bis 12 Uhr).
Zusätzlich geöffnet ist sie im Rahmen des Begleitprogramms sowie während der Speyerer \“Kult(o)urnacht\“ am 1. Juni.

Begleitprogramm zur Ausstellung (Alter Stadtsaal):
Montag 4. Juni 2012, 19:00 Uhr
Josel von Rosheim in seinem jüdischen Kontext (Prof. Dr. Birgit Klein, Hochschule für Jüdische Studien, Heidelberg)

Montag 11. Juni 2012, 19:00 Uhr
Imperiale Versuchungen? Josel von Rosheim und Kaiser Karl V. (Dr. Stephan Wendehorst, Justus-Liebig-Universität Gießen/Universität Wien)

Montag 18. Juni 2012, 19:00 Uhr
Josel von Rosheim als „Befehlhaber der deutschen Judenheit“ (Prof. Dr. Friedrich Battenberg, Darmstadt)

Montag 25. Juni 2012, 19:00 Uhr
Einführung in die Ausstellung (mit Führung) (Dr. Werner Transier, Historisches Museum der Pfalz)

Kontakt und Organisation:
Stadtarchiv Speyer
Johannesstraße 22a
67346 Speyer
Tel. 0049 (0)6232 14 2265
stadtarchiv@stadt-speyer.de

Politisches Archiv des Auswärtigen Amts erhält Nachlass von Fritz Kolbe

Am 15. Mai 2012 hat die in Australien lebende Enkelin von Fritz Kolbe dem Auswärtigen Amt einen Teil des Nachlasses ihres Großvaters zur Obhut im Politischen Archiv übergeben. Frau Karin Kolbe wurde von dem Leiter der Zentralabteilung des Auswärtigen Amts, Herrn Dr. Hans Carl von Werthern, empfangen. "Fritz Kolbe hat das Böse um ihn herum gesehen, und er hat gehandelt", sagte Karin Kolbe. Hans Carl von Werthern, dankte der Familie Kolbe für die großzügige Übergabe der Dokumente. "Wir sind sehr stolz, Fritz Kolbe im Auswärtigen Amt gehabt zu haben", sagte er.

Fritz Kolbe (1900–1971) gehörte von 1925 bis 1945 dem Auswärtigen Dienst an. Dem Unrecht des NS-Regimes sah Konsulatssekretär Kolbe nicht tatenlos zu. Er suchte Kontakt zu amerikanischen Geheimdiensten in der Schweiz und übergab diesen ab 1943 wichtige, zum Teil geheime Unterlagen. Für die westlichen Alliierten wurde Kolbe zu einer der wichtigsten nachrichtendienstlichen Quellen während des Krieges. Mit seinem Einsatz hat Fritz Kolbe vielfach sein eigenes Leben und das seiner Familie großen Gefahren ausgesetzt. Seine Taten erlangten erst vor wenigen Jahren die ihnen gebührende Bekanntheit, als seine Biographie durch den französischen Journalisten Lucas Delattre veröffentlicht wurde.

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Abb.: Karin Kolbe und Hans Carl von Werthern (Foto: Auswärtiges Amt)

In den 1950er Jahren war Fritz Kolbes Tätigkeit nicht unumstritten, weshalb ihm der Wiedereintritt in den Auswärtigen Dienst nicht möglich war. An seinem aktiven Widerstand gegen das NS-Regime bestehen jedoch keinerlei Zweifel. Das Auswärtige Amt gedenkt Fritz Kolbes mit einem im Jahr 2004 nach ihm benannten Vortragssaal.

Die jetzt übergebenen Dokumente aus der Zeit von 1920 bis 1960 füllen zwei Archivkartons – darunter Ausweispapiere, Briefe und Notizbücher, teilweise dichtbeschrieben in Sütterlin oder sogar Kurzschrift. Das Politische Archiv hat alle Unterlagen in einem Findbuch erfasst. Darunter befindet sich zum Beispiel der Ministerialpass Kolbes, mit dem dieser seine zahlreichen Reisen in die Schweiz unternahm, um einen Verbindungsmann des amerikanischen Geheimdiensts zu treffen.

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Abb.: Briefe aus dem Nachlass von Fritz Kolbe (Foto: Auswärtiges Amt)

Den Kontakt zwischen dem Auswärtigen Amt und den in Australien lebenden Nachfahren Fritz Kolbes stellte der französische Journalist Lucas Delattre her. Erst durch seine 2004 erschienene Biographie Fritz Kolbes wurde dessen Wirken einer breiteren Öffentlichkeit bekannt.

Der aus Schrift- und Filmdokumenten bestehende private Nachlass kann nach Terminvereinbarung im Politischen Archiv des Auswärtigen Amts eingesehen werden.

Kontakt:
Auswärtiges Amt
Politisches Archiv und Historischer Dienst
11013 Berlin
Tel.: +49 30 1817-2179
www.diplo.de/archiv (Deutsch)
www.diplo.de/archive (English)

Quelle: Auswärtiges Amt, Medienmitteilung, 15.5.2012

Berlin-Brandenburgisches Wirtschaftsarchiv beteiligt sich an der Europawoche 2012

Im Berlin-Brandenburgischen Wirtschaftsarchiv e.V. erforschen Berufsschüler die Geschichte der Berliner Wirtschaft. Das Pilotprojekt zur außerschulischen Bildung wird vom Wirtschaftsarchiv in Kooperation mit dem Oberstufenzentrum Banken und Versicherungen Berlin organisiert. Die Berufsschüler bearbeiten anhand historischer Daten aus den Akten des Wirtschaftsarchivs Kreditanträge, simulieren Geschäftsvorgänge und bewerten Bilanzen. Seit Februar 2012 haben die Schülerinnen und Schüler mit dem Wirtschaftsarchiv einen neuen Lernort und erhalten dort Zugang zu originalen, historischen Unternehmensakten. Das bezirkliche Projekt wird durch das Programm „Lokales Soziales Kapital“ unterstützt

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Abb.: Martin Lambert, Reinickendorfer Stadtrat für Stadtentwicklung, Umwelt, Ordnung und Gewerbe, Björn Berghausen, Geschäftsführer des Berlin-Brandenburgischen Wirtschaftsarchivs, Henning Gehrmann, Oberstudienrat am Oberstufenzentrum Banken und Versicherungen © BBWA

Zusammen mit anderen bezirklichen Projekten stellt das Wirtschaftsarchiv das Projekt vom 8. bis 21. Mai 2012 im Rathauses Reinickendorf in einer Ausstellung vor, für die Bezirksbürgermeister Frank Balzer die Schirmherrschaft übernommen hat. Die Ausstellungseröffnung erfolgte am 8. Mai durch den Bezirksstadtrat für für Stadtentwicklung, Umwelt und Gewerbe Martin Lambert. Die Europawoche wird in Erinnerung an die Schuman-Erklärung vom 9. Mai 1950, die den Grundstein für die heutige Europäische Union legte, jedes Jahr im Mai als gemeinsame Aktion der deutschen Länder, der Bundesregierung, der Europäischen Kommission und des Europäischen Parlaments in ganz Deutschland gefeiert. Für die Berliner Europawoche wurden Verwaltungen, Vereine, Schulen, Firmen, Initiativen und alle aktiven Europäer/innen, aufgerufen, unter dem gemeinsamen Motto "Europa ist hier!" den Bürgerinnen und Bürgern wieder ein vielseitiges Angebot aus Information, Dialog und Aktion anzubieten. Ziel ist es, das europäische Bewusstsein zu schärfen und den Europagedanken zu stärken.

Das Berlin-Brandenburgische Wirtschaftsarchiv e.V.
Das Wirtschaftsarchiv bewahrt Akten, Fotos, Karten, Pläne und Filme von Unternehmen und Verbänden sowie Nachlässe von Unternehmern auf. Es ist gemeinnützig und als kulturelle Institution vom Berliner Senat anerkannt. Das Wirtschaftsarchiv ist eine Forschungsstelle für die Wirtschaftsgeschichte der Region und organisiert Ausstellungen sowie Konferenzen und Veranstaltungen zu wirtschaftshistorischen Themen. Es ist Lernort für Schulen und kooperiert mit Universitäten und anderen historisch ausgerichteten Institutionen. Das Wirtschaftsarchiv finanziert sich durch Mitgliedsbeiträge, Drittmittel und Spenden. Für Spenden können Spendenquittungen ausgestellt werden.

Kontakt:
Berlin-Brandenburgisches Wirtschaftsarchiv e.V.
Björn Berghausen (Geschäftsführer)
Eichborndamm 167, Haus 42
13403 Berlin
Telefon 030 41190698
Telefax 030 41190699
mail@bb-wa.de
www.bb-wa.de

Quelle: BBWA, Pressemitteilung, 9.5.2012

Neue Findbücher des Landesarchivs NRW online

Das Landesarchiv NRW Abt. Westfalen hat zahlreiche Findbücher neu in das Portal www.archive.nrw.de eingestellt und macht auf die Gesamtliste aller Online-Findmittel aufmerksam. Der Übersichtlichkeit halber sei in Anlehnung an die archivische Tektonik auf ausgewählte territorial orientierte Zusammenstellungen im GenWiki (http://wiki-de.genealogy.net) verwiesen:

1.1.1. Herzogtum Westfalen
(http://wiki-de.genealogy.net/Herzogtum_Westfalen/Archive)
1.1.2. Vest Recklinghausen
(http://wiki-de.genealogy.net/Vest_Recklinghausen#Archive)
1.2.1. Fürstbistum Münster
(http://wiki-de.genealogy.net/F%C3%BCrstbistum_M%C3%BCnster#Archive)
1.2.2. Fürstbistum Paderborn
(http://wiki-de.genealogy.net/F%C3%BCrstbistum_Paderborn#Archive)
1.3.1. Fürstabtei Corvey
(http://wiki-de.genealogy.net/F%C3%BCrstabtei_Corvey#Archive)
1.3.2. Fürstabtei Herford
(http://wiki-de.genealogy.net/Frauenstift_Herford#Archive)
1.4.1. Grafschaft Mark
(http://wiki-de.genealogy.net/Grafschaft_Mark#Archive)
1.4.2. Fürstentum Minden
(http://wiki-de.genealogy.net/F%C3%BCrstentum_Minden#Archive)
1.4.3. Grafschaft Ravensberg
(http://wiki-de.genealogy.net/Grafschaft_Ravensberg/Archive)
1.5.4. Grafschaft Rietberg
(http://wiki-de.genealogy.net/Grafschaft_Rietberg#Archiv)
1.5.5. Fürstentum Siegen
(http://wiki-de.genealogy.net/F%C3%BCrstentum_Siegen/Archiv)
1.6. Reichskammergericht
(http://wiki-de.genealogy.net/Reichskammergericht#Archive)
1.6. Johanniter Heitersheim und Wietersheim
(http://wiki-de.genealogy.net/Johanniter#Archiv)

Kontakt:
Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen
Bohlweg 2
48147 Münster
Tel.: 0251 / 4885-0
westfalen@lav.nrw.de
www.archive.nrw.de/lav/abteilungen/westfalen/oeffnungszeiten_und_kontakt/index.php

Quelle: LAV NRW, Portal Westfälische Geschichte, 3.5.2012

70 Jahre Deportation der Thüringer Juden: Eindrucksvolle Fotografien im Eisenacher Stadtarchiv

Am 9. Mai 2012 ist es genau 70 Jahre her, dass in Thüringen die Deportationen der jüdischen Bürger begannen. Den Anfang der Vernichtung stellten die Deportationen am 9. Mai 1942 dar – auch in Eisenach. Eindrucksvoll und bedrückend zugleich zeigen 20 Schwarzweißfotos aus dem Stadtarchiv Eisenach in aller Deutlichkeit, dass diese Deportationen nicht etwa im Geheimen, sondern unter den Augen der damaligen Eisenacher Einwohner vonstatten ging. So mussten die Juden am 9. Mai 1942 durch die Goethestraße, die Schillerstraße, die Gabelsberger Straße bis zum Bahnhof ziehen. Von dort aus ging es per Sammeltransport mit dem Zug nach Weimar, einen Tag später weiter nach Leipzig. Der Transport endete am 12. Mai 1942 im Ghetto in Belzyce (Polen). Aus Eisenach wurden damals 58 Menschen deportiert. Keiner von ihnen überlebte die Tortur.

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Abb.: Die Eisenacher Bürgermeisterin Ute Lieske und Stadtarchivar Dr. Reinhold Brunner mit den Fotos, die die Deportation der Eisenach Juden am 9. Mai 1942 zeigen. (© Foto: Stadt Eisenach)

Dr. Reinhold Brunner, Leiter des Eisenacher Stadtarchivs und Bürgermeisterin Ute Lieske erläuterten heute in Gedenken an diesen Tag die historisch wertvollen Bilddokumente. Denn sie sind die einzigen Fotografien aus Thüringen, die die Deportationen zeigen. Zwar ist der Ursprung der 20 Aufnahmen unbekannt, die abgebildeten Juden dagegen nicht. "Die Menschen sind für uns nicht einfach eine graue, anonyme Masse", sagt Dr. Brunner. Zum Teil konnten sie im Rahmen der jüdischen Begegnungswochen, die 1995, 1999 und 2002 in Eisenach stattgefunden haben, von Familienangehörigen identifiziert werden. "Wir verbinden mit den abgebildeten Menschen Biographien", sagt auch Ute Lieske.

Ebenso eindrucksvoll und emotional ist ein Brief vom 15. Oktober 1941. Das Original wird ebenfalls im Stadtarchiv aufbewahrt. Darin schreibt Alfred Maerker (Bankensachverständiger, seit den 1920er Jahren in Eisenach ansässig und jüdischer Abstammung) an seine Tochter in Shanghai über die Situation der Eisenach Juden: "Der Umzug ist regulär von statten gegangen, aber dieses Ereignis ist ganz fürchterlich: In einem so kleinen Zimmer wohnen, essen, schlafen etc. das ist wahrlich wenig angenehm. Aber für die Juden gibt es keine Kultur mehr, sie dürfen nur noch vegetieren."

Zusammen mit Einträgen in der amtlichen Chronik der Wartburgstadt von 1942 ergibt sich so ein klares Bild über den Ablauf der Deportationen. Die historische Bedeutung der Eisenacher Dokumente ist immens. In zahlreichen nationalen und internationalen Veröffentlichungen sind die Fotos vom 9. Mai 1942 zu finden. Darunter Schulbücher, Ausstellungskataloge und Geschichtsmagazine. Zu diesem Thema findet außerdem am Donnerstag, 10. Mai 2012, eine Gedenkveranstaltung im Erfurter Landtag statt. Im Rahmen einer Ausstellung werden dort auch die Fotos aus Eisenach gezeigt.

Kontakt:
Stadtarchiv Eisenach
Markt 24
99817 Eisenach
archiv@eisenach.de

Quelle: Stadt Eisenach, Pressemitteilung, 7.5.2012

Neue Ortsgeschichte Everswinkels publiziert

Ein neues Heimatbuch des Heimatvereins Everswinkel ist in limitierter Auflage erschienen und wurde jetzt durch den Autor Erwin Buntenkötter vorgestellt. Nach langer intensiver Vorbereitung und der notwendigen Finanzierung ist es dem Heimatvereins unter der Regie von Erwin Buntenkötter, Bernhard Zimmermann und Franz-Josef Rutsch in Begleitung von Albert Reinker gelungen, 30 Aufsätze zur Ortsgeschichte des Vitusdorfs Everswinkel auszuarbeiten und in einem gebundenen Buch mit 288 Seiten, Fotos und Zeichnungen von Albert Reinker zu veröffentlichen.

Der Titel der Publikation lautet "Zwischen Ems und Angel. Aufsätze zur Geschichte Everswinkel" (Inhaltsverzeichnis als PDF).

Zu den Beiträgen gehören die Entstehung des Dorfs und der Pfarrei im frühen Mittelalter, die Bevölkerungs-Statistik um 1750, die verpasste Eisenbahnlinie, die braune Diktatur in Everswinkel, den Einmarsch der Amerikaner 1945, die Entwicklung der Schule und des Kirchplatzes vom Mittelalter bis heute. Der Vorsitzende des Bürgerschützenvereins, Franz-Josef Rutsch, freute sich, dass es gelungen sei, das großartige Werk von Erwin Buntenkötter (83) in einem Buch zusammenzufassen und der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.

Die Arbeiten beruhen auf gründlicher Kenntnis des Archivmaterials. Zu den jeweiligen Themen forschte Buntenkötter im Gemeindearchiv, im Kreisarchiv, im Bistums- oder im Staatsarchiv. Er übersetzte lateinische Dokumente, entzifferte alte deutsche Handschriften und studierte zahllose historische Schriftstücke.

Quelle: Die Glocke Online, 2.5.2012

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