LWL stellt fast 50.000 Bilder zum Gratis-Download bereit

Ab sofort können Lehrer, Schüler und auch Heimatfreunde schnell und einfach an aktuelle und historische Fotos aus Westfalen kommen. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) stellt fast 50.000 Bilder aus dem Bildarchiv seines LWL-Medienzentrums für Westfalen über sein Online-Portal http://www.bildarchiv-westfalen.lwl.org für Unterricht und Bildungsveranstaltungen zum Gratisdownload bereit.

\“Das neue Angebot ist besonders interessant für alle Lehrer, die ihren Unterricht lokal- oder regional verankern wollen. Denn die Fotos aus Westfalen holen die Schülerinnen in ihrem unmittelbaren Erfahrungsraum ab\“, so Prof. Dr. Markus Köster, Leiter des LWL-Medienzentrums für Westfalen. Geschichtslehrer finden u.a. passende Bilder zu den Lehrplanschwerpunkten Industrielle Revolution und Soziale Frage, Frauenarbeit und Frauenbewegung, NS-Herrschaft im ländlichen Raum (Nachlass Ignaz Böckenhoff) sowie den Wiederaufbaujahren nach 1945. Auch für das Fach Erdkunde wird man fündig: Fotos aus verschiedenen Sammlungen illustrieren den Wandel wirtschaftsräumlicher Strukturen. Die umfangreiche Luftbildsammlung bietet Anschauungsmaterial zu den Lernbereichen Städtegliederung und Kultivierung von Naturräumen. Kurze Beschreibungen zu einer Auswahl der Fotosammlungen gibt es auf den Onlineseiten des LWL-Medienzentrums unter: Bildarchiv/Sammlungen.

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Abb.: Suche nach \“Kriegszerstörung\“ im Themenbaum der Online-Bilddatenbank. Foto: LWL

Um die Bilder vor Missbrauch zu schützen, stehen sie in der Gratisvariante mit kleinem Wasserzeichen und in Bildschirmauflösung zu Verfügung. Wer die Bilder kommerziell nutzen möchte, kann alle Fotos bequem mittels Onlinebestellung auch in anderen Größen kostenpflichtig erwerben.

Weitere Funktionserweiterungen entwickelt LWL-Bildarchiv-Mitarbeiterin Mareen Kappis momentan noch. So sind Videotutorials geplant, die das Suchen und Finden von Fotos weiter erleichtern sollen. Außerdem wird es ein Kontaktformular geben, mit dessen Hilfe sich ortskundige Experten bei der Dokumentation historischer Aufnahmen einbringen können. Der nächste Schritt wird die Integration von GPS-Daten in die sichtbaren Bildinformationen sein. So können alle neuen und digital erstellten Fotos demnächst noch genauer verortet werden.

Hintergrund:
Die Online-Bilddatenbank gibt es bereits seit 2004. Sie wird kontinuierlich um aktuelle Fotodokumentationen und historische Sammlungen erweitert. Der Gesamtbestand des Bildarchivs des LWL-Medienzentrums umfasst über 360.000 Fotos. Thematische Schwerpunkte sind: Landschaften, Städte und Dörfer Westfalens, Industrie und Handwerk, regionstypische Architektur, Kultur und Brauchtümer, Verkehr und Technik sowie Gesellschaftsleben und Alltag im Wandel der Zeit.

Link zum Online-Bildarchiv des LWL-Medienzentrums für Westfalen:
http://www.bildarchiv-westfalen.lwl.org

Kontakt:
Mareen Kappis
Bild-, Film- und Tonarchiv
LWL-Medienzentrum für Westfalen
Fürstenbergstr. 14
48147 Münster
Tel.: 0251/ 951-3923
mareen.kappis@lwl.org
www.lwl.org/LWL/Kultur/LWL-LMZ

Quelle: LWL, Pressemitteilung, 29.6.2012

Aktuelle Archivnachrichten aus Hessen 12/1 online

Die Juniausgabe der Archivnachrichten aus Hessen (12/1) mit dem Schwerpunktthema „Kultur und Kunst im Fokus“ ist ab sofort online unter www.hauptstaatsarchiv.hessen.de zu finden. Auf 90 Seiten informiert die halbjährlich erscheinende Zeitschrift über die hessische Archivlandschaft, berichtet über die neuesten Entwicklungen im hessischen Archivwesen und natürlich jede Menge über Kunst und Kultur.

Bezug:
Die analoge Ausgabe kann kostenfrei über das Hessische Hauptstaatsarchiv Wiesbaden bezogen werden.

Kontakt:
Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden
Mosbacher Str. 55
65187 Wiesbaden
Tel. 0611/8810
poststelle@hhstaw.hessen.de

\"Archivnachrichten

Neuer Online-Spielfilm zur Einführung in die Archivarbeit (nicht nur) für Schüler

Archive – schon das Wort klingt für manchen Schüler nach staubigen Kellern und muffigen Akten. Dass Archive spannende Lernorte sein können, die zu Entdeckungsreisen in die Vergangenheit einladen, zeigt ein neuer Film, den die Kooperationspartner LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte/Internet-Portal "Westfälische Geschichte", das Stadtarchiv Rheine und das LWL-Medienzentrum für Westfalen produziert haben.

Wie geht man vor, wenn man für ein Unterrichtsprojekt die Geschichte einer örtlichen Textilfabrik und ihrer Arbeiter aufbereiten soll? Vor dieser Frage stehen die vier Schüler Nele, Tom, Janina und Andy, die sich im Film des Berliner Regisseurs Kai Schubert auf Spurensuche in ihrem eigenen Stadtarchiv, einem Wirtschafts- und einem Staatsarchiv sowie einem Museum begeben.

In kurzen Spielfilmsequenzen schildert die Produktion "Vergangenheit, wir kommen! Spurensuche im Archiv" die spannenden Seiten der vermeintlich staubtrockenen Archivarbeit und vermittelt, dass Archive die Möglichkeit bieten, sich anhand authentischer Materialien mit der Geschichte des eigenen Ortes und der eigenen Region auseinanderzusetzen.

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Abb. LWL und Stadt Rheine präsentierten die DVD "Vergangenheit, wir kommen! Spurensuche im Archiv". Dr. Barbara Rüschoff-Thale (2.v.r.), Beigeordneter Axel Linke (3.v.r.) und die Projektbeteiligten wünschen dem Film viele Zuschauer bei der Premiere am 26. Juni im Citykino in Rheine (Foto: Stadt Rheine/Gehrke)

"Der Film bereitet Schülerinnen und Schüler praxisnah und anschaulich auf die besonderen Anforderungen der Arbeit im Archiv vor und fördert so die unterrichtliche Nutzung dieser wichtigen außerschulischen Lernorte", so LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Thale, die den Film am Donnerstag (21.06.) in Rheine der Presse vorstellte. "Das LWL-Medienzentrum, das LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte und das Stadtarchiv Rheine stellen damit Schulen in ganz Westfalen und darüber hinaus ein modernes, zielgruppenadäquates und ansprechendes Medium für den Unterricht zur Verfügung." Doch nicht nur Schüler können von diesem Film profitieren. Auch Erstsemester oder an der Archivarbeit Interessierte, z. B. Familienforscher, können diesen Film als Einführung nutzen.

Hintergrund
Das Bildungsmedium entstand auf Initiative von Dr. Marcus Weidner vom LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte in Kooperation mit dem Stadtarchiv Rheine und dem LWL-Medienzentrum für Westfalen, um Schülern auf dem Internet-Portal "Westfälische Geschichte" im Bereich "Wir machen Geschichte!" ein ansprechendes Medium zur Verfügung zu stellen. Die Realisierung übernahmen das Filmteam des LWL-Medienzentrums und der Berliner Regisseur Kai Schubert. Weitere Partner, vor allem das LWL-Archivamt, das Landesarchiv NRW, Abt. Westfalen in Münster und das Stadtarchiv Münster waren an der mehrjährigen Erarbeitung des Konzepts beteiligt.

Grundlegendes Ziel des Films ist es, Schülerinnen ab der 9. Klasse mit den verschiedenen Archiven bzw. der Archivlandschaft sowie den archivspezifischen Arbeitstechniken, Arbeitsschritten und Archivgut-Typen vertraut zu machen. Sie sollen Anregungen bzw. Hilfestellung bei der Formulierung einer Fragestellung, der Durchführung der Recherche sowie der Quellenkunde, -auswertung und -kritik erhalten. Der Film will nicht nur diese Arbeitstechniken und -regeln vermitteln, er gewährt auch einen Blick hinter die Kulissen und erklärt, was Archive sind, welche Funktion und Bedeutung sie für die Rekonstruktion von Geschichte besitzen, wie Archivare arbeiten, welche Aufgaben sie haben und wie sie Dokumente bewerten, erschließen und magazinieren.

Der Film zeigt die vielfältigen Möglichkeiten, die Archive für historisch-entdeckendes Forschen und Lernen bieten: "Lehrende finden hier ideale Partner: Archivare sind Spezialisten für die Geschichte des Heimatortes, der Heimatregion und der Arbeit mit Originalquellen. Bei der Arbeit mit Archivalien erhalten Schülerinnen einen neuen, unverstellten Blick auf Vergangenes und sind zur eigenen Reflexion aufgefordert. Weil sich die Archivalien auf den eigenen Ort beziehen, entsteht auch ein Bezug zur eigenen Lebenswelt. Historische Geschehnisse können lebendig und an konkreten Beispielen vermittelt werden", so Weidner.

Um eine niedrigschwellige Verbreitung zu gewährleisten, kann der Film nicht nur auf DVD oder über den Schulmediendienst EDMOND bezogen werden, sondern – kostenlos und in voller Länge – im Internet-Portal "Westfälische Geschichte" angeschaut werden. So können nicht nur Lehrer, sondern direkt auch Schüler erreicht werden. Je nach Einsatzzweck kann der Film im Unterricht oder im Archiv selbst eingesetzt werden. Der modularisierte Aufbau ermöglicht einen zielgerichtetn Einsatz auch bei speziellen Fragen.

Online-Film
Der Film und seine einzelnen Episoden (Gesamtlänge 61 Minuten) sind ein Modul des Internet-Portals "Westfälische Geschichte" und stehen ab sofort online auf der Portal-Website http://www.der-archivfilm.lwl.org als freier Videostream zur Verfügung.

DVD
Die DVD kostet 14,90 Euro (zzgl. Porto) und kann beim LWL-Medienzentrum
für Westfalen erworben werden: LWL-Medienzentrum für Westfalen,
Fürstenbergstr. 14, 48147 Münster, E-Mail: medienzentrum@lwl.org,
Fax: 0251/ 591-3982, http://www.westfalen-medien.lwl.org.

Link: www.der-archivfilm.lwl.org

Kontakt:
Dr. Marcus Weidner
Wissenschaftlicher Referent
Internet-Portal "Westfälische Geschichte"
LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte
Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL)
Karlstr. 33
48147 Münster, Deutschland
Tel.: 0251 / 591-5691
Fax: 0251 / 591-3282 (mittwochs)
Fax: 02921 / 3444828
marcus.weidner@lwl.org
http://www.westfaelische-geschichte.lwl.org 
http://www.lwl-regionalgeschichte.de

Archive in Nordhessen online

Am 22. Juni 2012 präsentierte die Arbeitsgemeinschaft der Archive in Nordhessen einen ersten gemeinsamen Internetauftritt. Seit gut 10 Jahren haben sich Archive verschiedenster Institutionen aus der Region mit teilweise durchaus unterschiedlichen Schwerpunkten zum gegenseitigen Informationsaustausch und Unterstützung zusammengeschlossen. Nicht zuletzt durch das anstehende Kasseler Stadtjubiläum – 2013 wird Kassel 1.100 Jahre alt – und die zahlreichen damit verbundenen Projekte, kommen momentan immer mehr Benutzer in die Archive.

Um hierbei eine Hilfestellung und erste Orientierung zu bieten, präsentieren sich die Archive der Arbeitsgemeinschaft nun unter www.archive-nordhessen.de im Internet. Interessierte finden hier zu jedem Archiv eine Kurzbeschreibung mit den wichtigsten Informationen, aber auch Hinweise zur Recherche im Archiv und zur einführenden Literatur. Zusätzlich werden die jeweiligen Bestände der Archive beschrieben, so dass jeder historisch Interessierte einen Überblick erhält und weiß, wohin er sich mit seiner Fragestellung am besten wenden kann. Denn schließlich gilt es, in den mehr als zehn Archiven in und um Kassel, historische Schätze wie alte Akten, Fotos, Karten, Pläne oder Plakate zu entdecken.

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Abb. von links nach rechts: Carsten Deiters (Konzeption), Siegfried Schmoll (Kasseler Sparkasse, Historisches Archiv), Cornelia Wenzel (Stiftung Archiv der Deutschen Frauenbewegung), Annelie Rau (Bundesarchiv Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder), Dr. Susanne Rappe-Weber (Archiv der deutschen Jugendbewegung), Prof. Dr. Christina Vanja (Archiv des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen), Dr. Karl Traugott Goldbach (Spohr Museum), Karin Stengel (documenta Archiv), Dr. Bettina Wischhöfer (Landeskirchliches Archiv der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck), Foto: Landeskirchliches Archiv Kassel

Im Beisein des Ersten Beigeordneten des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen, Dr. Andreas Jürgens, und einführenden Worten von Prof. Dr. Christina Vanja stellte Carsten Deiters, der den Internetauftritt konzipiert und gestaltet hat, zusammen mit den Vertretern und Vertreterinnen der Archive die Website bei einem Pressetermin in den Räumen des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen vor.

Vertreten sind das Archiv der deutschen Jugendbewegung (Burg Ludwigstein, Witzenhausen), das Landeskirchliche Archiv Kassel, das Archiv der Kasseler Sparkasse, das Archiv des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen, das Bundesarchiv Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder, die Stiftung Archiv der deutschen Frauenbewegung, das Deutsche Musikgeschichtliche Archiv, das documenta Archiv, das Stadtarchiv Kassel, das Stadtarchiv Baunatal und das Spohr Museum und Archiv.

Link: www.archive-nordhessen.de

Archiv und Wirtschaft 2/2012

In Kürze erscheint Heft 2/2012 der Zeitschrift "Archiv und Wirtschaft", herausgegeben von der Vereinigung deutscher Wirtschaftsarchivare e.V. (VdW). Die Aufsätze der aktuellen Ausgabe behandeln das Thema Nachlassbildung am Beispiel des Unternehmers Nicolaus August Otto, sodann einen Zustandsbericht über japanische Unternehmensarchive und schließlich die Neue Deutsche Biographie (DNB).

Inhaltsverzeichnis "Archiv und Wirtschaft" 2/2012

AUFSÄTZE

Ulrich S. Soénius: Ein Erfinder und sein Nachlass. Theorie und Praxis der Nachlassbildung am Beispiel des Unternehmers Nicolaus August Otto (1832-1891) (60-68)

Yuko Matsuzaki: Bijinesu Akaibuzu: Recent Events and Professional Conditions in Japanese Business Archives (69-75)

Bernhard Ebneth: Die Neue Deutsche Biographie (NDB): Vom Lexikon zum Online-Informationssystem (76-84)

BERICHTE

Kai Bosecker: „Wind of Change“ – Wirtschaftsarchive in Transformationsprozessen. Arbeitstagung der Vereinigung deutscher Wirtschaftsarchivare e. V. vom 6.–8. Mai 2012 in Leipzig (84-88)

Timo Gruber: 45. Jahrestagung des Arbeitskreises der Chemiearchivare innerhalb der VdW vom 13. bis 14. November 2011 in Hanau (88-89)

Andreas Knura und Kai Franke: Archivrecht für Wirtschaftsarchivare: Sensibilisierung – Orientierung – Professionalisierung. 73. VdW Lehrgang vom 6. bis 9. November 2011 in Heidelberg (90-91)

Evelyne Mosset: OS-Tool: Instrument zur Erstellung eines Ordnungssystems (92-95)

REZENSIONEN

Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung (Hrsg.): Krupp – Fotografien aus zwei Jahrhunderten (Michael Klein) (95-96)

Johannes Bähr und Bernd Rudolph: 1931 Finanzkrisen 2008, hrsg. v. d. Eugen-Gutmann-Gesellschaft e. V. (Volker Beckmann) (96-98)

Alexandra Lutz (Hrsg.): Zwischen analog und digital – Schriftgutverwaltung als Herausforderung für Archive. Beiträge zum 13. Archivwissenschaftlichen Kolloquium der Archivschule Marburg (Manfred Witt) (98-99)

Clemens Rehm und Nicole Bickhoff (Hrsg.): Rechtsfragen der Nutzung von Archivgut. Vorträge der Frühjahrstagung der Fachgruppe 1 – Staatliche Archive – im VdA – Verband deutscher Archivarinnen und Archivare e. V. am 29. April 2010 in Stuttgart (Frank Becker) (100-101)

Hans-Christoph Seidel: Der Ruhrbergbau im Zweiten Weltkrieg. Zechen – Bergarbeiter – Zwangsarbeiter (Stefan Przigoda) (101-104)

Nachruf Dr. Evelyn Kroker (Michael Farrenkopf und Renate Köhne-Lindenlaub) (105-108)

Dr. Carl Anton Reichling 90 Jahre alt (Klara van Eyll) (108-109)

Rezensionsliste (109-110)

Impressum (112)

Kontakt:
Dr. Martin Münzel
Redaktion "Archiv und Wirtschaft"
c/o Bertelsmann AG
Corporate History
Carl-Bertelsmann-Straße 270
33311 Gütersloh
Telefon: 030-25561150
0160-96736653 (mobil)
Telefax: 05241-80689992
Martin_Muenzel@Yahoo.com
www.wirtschaftsarchive.de/veroeffentlichungen/zeitschrift 

Handschriften-Experte aus Tschechien schreibt die Wallace-Urkunde für Schottland neu

Die berühmte und auf der Welt einzige Urkunde, die das Wirken des schottischen „Freiheitshelden“ William Wallace („Braveheart“) dokumentiert, wird im Archiv der Hansestadt Lübeck verwahrt. Sie gilt in Schottland quasi als Nationalheiligtum. Im August 2012 wird dieses zentrale Stück schottischer Identität nach Edingburgh „reisen“, um dort im Parlament für kurze Zeit feierlich ausgestellt zu werden.

Da die Urkunde wegen ihres Wertes nur kurze Zeit in Schottland bleiben kann, bevor sie in die Hansestadt zurückkehrt, haben die Schotten den Wunsch geäußert, wenigstens ein Duplikat des Wallacebriefes zu bekommen. Dieser Bitte konnte sich die Hansestadt nicht entziehen. Doch es gibt ein Problem: Wie soll man von Pergament und Siegel, das schon sehr zerbrechlich ist, ein Faksimile fertigen, ohne das Original zu gefährden?

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Abb.: William Wallace (um 1270-1305), Kupferstich, 17./18. Jahrhundert, Quelle: http://hdl.loc.gov/loc.pnp/cph.3c20690

Zwar hat das Archiv mittlerweile ein bundesweit einmaliges Verfahren entwickelt, das Siegel schonen zu duplizieren, aber der Text konnte bisher „nur“ durch ein Foto ausgedruckt auf Pergament nachgeahmt werden. Auf Vermittlung der schottischen Kollegen ist derzeit David Frank aus Prag im Archiv zu Gast. Frank ist Bilderrestaurator und hat spezielle Fertigkeiten, mittelalterliche Handschriften zu schreiben und nachzuahmen. Es ist erstaunlich, ihm bei seiner „Fälschertätigkeit“ zuzusehen: Originale Schrift und „Fälschung“ sind fast nicht zu unterscheiden, zumal wenn letztere noch auf Pergament geschrieben wird.

Die nationalbewussten Schotten werden hocherfreut sein, bald ein Duplikat ihres Symbols nationaler Freiheit im Land zu haben. Das Original im Lübecker Archiv wird dadurch keineswegs an Wert verlieren, ist sich der Lübecker Archivleiter Dr. Jan Lokers sicher: „Das Original bleibt das Original und hat den Schauer des Echten und Authentischen. Denn schließlich ist das Original der Mona Lisa im Louvre etwas anderes als ein Poster davon an der heimischen Wand.“

William Wallace und Andreas von Murray als Heerführer des schottischen Reiches machen in der Urkunde den Städten Lübeck und Hamburg bekannt, dass Schottland von den Engländern zurückerobert werden konnte und die schottischen Häfen frei seien. Die Kaufleute von Lübeck und Hamburg erhalten darin Handelsfreiheit nach allen schottischen Städten, eine direkte Einladung zum Wirtschaftsaustausch also.

Kontakt:
Archiv der Hansestadt Lübeck
Am Mühlendamm 1-3
23552 Lübeck
Telefon: 0451 122 4150
archiv@luebeck.de
http://archiv.luebeck.de

Quelle: Hansestadt Lübeck, Pressemitteilung, 19.6.2012

»What dust will rise from one horseman?« Die Konsistorialbibliothek Hanau und die dOCUMENTA (13)

Der Titel einer Installation von Michael Rakowitz auf der dOCUMENTA (13) leitet sich von einem afghanischen Sprichwort über Zusammenarbeit ab: „Wieviel Staub kann ein einzelner Reiter schon aufwirbeln?“ Präsentiert werden durch Brand stark beschädigte Bücher – Folge eines Bombenangriffs der British Royal Air Force, der im September 1941 die Landesbibliothek Kassel, gegründet im 16. Jahrhundert von Landgraf Wilhelm IV. und seit 1779 im heutigen Museum Fridericianum beheimatet, zerstörte. 400.000 Bände (etwa 90 Prozent des Bestands) gingen verloren, der Rest konnte mit Wasserschaden gerettet werden.

Mit Hilfe afghanischer und italienischer Steinmetze ließ Rakowitz auf der Grundlage dieser Überlieferung Nachbildungen einer Anzahl verlorener Bände aus Travertin, einem Stein aus den Bergen von Bamiyan, anfertigen. Dort wurden vor einigen Jahren monumentale Buddha-Statuen von den Taliban gesprengt.

Die steinernen Bücher wecken Assoziationen mit Grabsteinen. Die verlorenen Bücher und die Bücher aus Stein werden zusammen mit dem Bruchstück eines Meteoriten, der 1954 auf die Erde traf, Fragmenten der zerstörten Buddhas und einer sumerischen Keilschrift-Tontafel aus der irakischen Antike (2.200 v.Chr.), die durch ein Feuer zufällig erhalten blieb, ausgestellt. Rakowitz setzt sich zeit- und ortsübergreifend mit der Zerstörung von Büchern und der Verwüstung von Kulturerbe und Menschenleben auseinander.

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Abb.: Michael Rakowitz, „What dust will rise?“ Die theologischen Handschriften der Hanauer Konsistorialbibliothek auf der dOCUMENTA (13) im Museum Fridericianum als Teil der Installation (Foto: Landeskirchliches Archiv Kassel 2012) – Die zwanzig durch Feuer stark beschädigten theologischen Handschriften der Hanauer Konsistorialbibliothek sind auf der dOCUMENTA (13) im Museum Fridericianum als Teil der Installation von Michael Rakowitz zu betrachten: „Books damaged by fire and deemed too unimportant to restore after bombing oft he Fridericianum, 1941“. Im Vordergrund sind einige Bände aus Travertin, einem Stein aus den Bergen von Bamiyan, zu sehen.

Die bewegte Geschichte der Konsistorialbibliothek Hanau lohnt, noch etwas mehr Staub aufzuwirbeln. Die Landesbibliothek befand sich bis 1941 in einem Gebäude am Friedrichsplatz (heute Museum Fridericianum). 400.000 Bände sind bei einem Bombenangriff Anfang September 1941 in Flammen aufgegangen. Von dieser Zerstörung betroffen war auch die Konsistorialbibliothek Hanau, deren Standort mit Vertrag vom 1. März 1926 als Leihgabe der Evangelischen Landeskirche in Hessen-Cassel vom Landeskirchenamt im Renthof 5 in die Landesbibliothek verlegt worden war, um sie der Öffentlichkeit besser zugänglich zu machen.

Die Hanauer Konsistorialbibliothek (etwa 4.500 bis 5.000 Bände vorwiegend theologischen Inhalts) hatte zu diesem Zeitpunkt schon eine andere Reise hinter sich. Sie wurde im Rahmen der Vereinigung der drei Konsistorien Kassel, Marburg und Hanau zu einem Gesamtkonsistorium Kassel, die 1873 stattfand, im darauf folgenden Jahr nach Kassel in das Landeskirchenamt im Renthof 5 verbracht.

Nach dem Brand vergingen siebzig Jahre. Erst bei der Vorbereitung einer Installation für die dOCUMENTA (13) rückten die zerstörten Handschriftenbände wieder in das Bewusstsein. Der amerikanische Künstler Michael Rakowitz wählte sie nach einem Hinweis von Dr. Konrad Wiedemann, dem Leiter der Handschriftenabteilung in der Murhardschen Bibliothek, für ein documenta-Projekt aus. Die mühsame Recherche nach den Titeln der teilweise verbrannten Handschriften brachte auch den Leihvertrag zwischen Landeskirchenamt und Landesbibliothek aus dem Jahr 1926 wieder an das Tageslicht. So war nun innerhalb kürzester Zeit ein Leihvertrag zwischen der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und der Geschäftsführung der dOCUMENTA (13) vorzubereiten und abzuschließen. Die Übergabe an einen Vertreter der documenta fand am 16. Mai 2012 statt.

Genug Staub aufgewirbelt, nach dem Ende der dOCUMENTA (13) werden die Handschriften im Landeskirchlichen Archiv Kassel deponiert.

Bettina Wischhöfer

 

Neumarkt weiht neues Stadtarchiv für 1,6 Millionen Euro ein

Am 15. Juni 2012 hat Neumarkts Oberbürgermeister Thomas Thumann im Beisein zahlreicher Ehrengäste das neue Stadtarchiv in Neumarkt eröffnet. In seiner Ansprache wies er darauf hin, dass die Stadt hierfür rund 1,6 Millionen Euro ausgegeben und in einer Bauzeit von rund eineinhalb Jahren moderne Archivräume geschaffen habe, die den heutigen hohen Ansprüchen an ein Archiv genügen. "Es ist schon mehr als ein symbolisches Zeichen, dass jetzt mit dem Stadtarchiv das jüngste neben dem ältesten Gebäude in der Altstadt, dem ‚Schreiberhaus\‘ steht", stellte Oberbürgermeister Thumann fest. "Das neue Stadtarchiv ist eine Bereicherung für die Altstadt und ergänzt städtebaulich hervorragend das Ensemble in der Bräugasse."

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Abb.: Eröffnung des neuen Stadtarchivs Neumarkt in der Oberpfalz mit Archivleiter Dr. Frank Präger, 7. v.l. (Foto: Stadt Neumarkt)

Für die Festrednerin der Einweihung, die Generaldirektorin der Staatlichen Archive Bayerns Dr. Margit Ksoll-Marcon besitzt das Neumarkter Stadtarchiv "Schätze an Archivalien, die einmalig sind." So könne das Neumarkter Archiv so viele Kaiser- und Königsurkunden zur Stadtgeschichte aufweisen wie kaum eine andere Stadt. Das älteste dieser Dokumente datiere immerhin aus dem Jahr 1235 und stammt von Friedrich II. Weiter zeigte sie die Geschichte des Archivwesens in Neumarkt auf. Unter dem Titel "Das Stadtarchiv Neumarkt – Aufbewahrungsort für Dokumente aus 777 Jahren Stadtgeschichte" schlug sie einen Bogen von den Anfängen des Archivs bis hin zur heutigen Zeit.

Architekt Michael Kühnlein erläuterte die wichtigsten Stationen des Neubaus. Nach dem Abbruch des an dieser Stelle befindlichen maroden Gebäudes im Juli 2010 hatten die Arbeiten für das Stadtarchiv dann im Herbst 2010 begonnen. Am 11. Oktober 2010 konnte die Grundsteinlegung gefeiert werden. Er dankte ausdrücklich Oberbürgermeister Thumann, dem Stadtbauamt und allen beteiligten Firmen für die sehr gute Zusammenarbeit, die diesen Neubau entstehen habe lassen und überreichte im Beisein der Festgäste symbolisch den Schlüssel an Oberbürgermeister Thomas Thumann, Kulturamtsleiterin Dr. Gabriel Moritz und den Leiter des Stadtarchivs Dr. Frank Präger. Den kirchlichen Segen erteilten anschließend Domkapitular Norbert Winner und Dekan Dr. Norbert Dennerlein.

Nachdem der Platz im bisherigen Stadtarchiv im Dachgeschoss der "Bräugassenschule" knapp geworden war, hatte sich die Stadt zum Neubau entschlossen, der im Herbst 2010 begonnen wurde. Auf rund 360 Quadratmetern Nutzfläche bietet das neue Stadtarchiv Raum für die vielen Urkunden, Dokumente und Unterlagen. Es ist von seiner Ausstattung und Größe her für die Zukunft gerüstet. Das neue Archiv erstreckt sich auf vier Nutzungsebenen, wobei im Erdgeschoss der Eingangsbereich mit Leseräumen für die Besucher zu finden ist, während im Unter-, Ober- und Dachgeschoss die eigentlichen Archivräume angesiedelt sind. Der Bruttorauminhalt beträgt 2.253 Kubikmeter und es sind Regale mit einer Länge von 180,5 laufenden Metern vorgesehen.

Für Oberbürgermeister Thumann sind Stadtarchive nicht nur klassische Verwaltungseinrichtungen, sondern sie dienen der Pflege historischen Wissens und sind Aufbewahrungsort für Dokumente aus vielen Jahrhunderten. "Das Stadtarchiv ist das Gedächtnis unserer Stadt. Es ist die zentrale Stelle stadtgeschichtlicher Dokumentation und erste Anlaufstelle für recherchierende Wissenschaftler, den geschichtlich interessierten Laien und für die gesamte Stadtverwaltung."

Das Archiv nahm am Montag, 18. Juni 2012 seinen regulären Betrieb auf.

Kontakt:
Stadtarchiv der Stadt Neumarkt i.d.OPf.
Bräugasse 1
92318 Neumarkt
Tel: 09181 / 26 1663
stadtarchiv@neumarkt.de 

Quelle: Stadt Neumarkt i.d.Opf., Pressemitteilung, 15.6.2012

Ausstellung in Wien zur Motorisierungswelle der 1950er Jahre

Das Wiener Stadt- und Landesarchiv zeigt von 5. April bis 26. August 2012 eine Ausstellung über die Wiener Verkehrsplanung der 1950er Jahre. – Für Mobilität im innerstädtischen Raum sorgte noch in der Zwischenkriegszeit und während des Zweiten Weltkrieges in erster Linie das dichte Wiener Straßenbahnnetz. Unmittelbar nach Kriegsende dominierten Militärfahrzeuge sowie Fußgängerinnen und Fußgänger das Straßenbild. Nach der raschen Wiederherstellung des Fuhrparks der Verkehrsbetriebe schien die Dominanz der Straßenbahn ungebrochen. Schon zu diesem Zeitpunkt war der Stadtplanung jedoch klar, dass das Zeitalter des Individualverkehrs bald anbrechen sollte. Schon zu Beginn der 1950er Jahre erforderte der sprunghaft angestiegene Autoverkehr erste Maßnahmen, die der Trennung von Autos und Fußgängerinnen sowie Fußgängern dienten.

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Abb.: Verkehrsunfall in den 1950er Jahren (MA 8 / Vr LG4640-05)

In den 1950er Jahren wurden wichtige Unterführungen gebaut. 1951 am Matzleinsdorfer Platz, 1953/55 die "Jonas-Grotte" bei der Oper, 1958/59 der Südtiroler Platz und 1960/61 das "Jonas-Reindl" am Schottentor. Die Zahl der Pkw stieg weiter an. Daraus entstanden neue Herausforderungen und Probleme. Dem damaligen Zeitgeist entsprechend setzte eine im Jahr 1955 einberufene Verkehrsenquete auf die Beseitigung von "Verkehrshindernissen". In der City war die Parkplatznot so groß, dass Parkraumbewirtschaftung geplant und erste Parkgaragen wie jene am Schottentor gebaut wurden.

Zu den Schattenseiten der Motorisierungswelle zählte die hohe Zahl an Verkehrstoten. Im Wien der späten 1940er und der 1950er Jahre krachte es am laufenden Band. Straßenbahn gegen Lkw, Lkw gegen Pkw, Pkw gegen Motorrad und nicht zuletzt Pkw gegen Fußgängerinnen und Fußgänger. Vor allem Kinder und alte Menschen waren nicht gewohnt, mit der Verkehrslawine im Alltag umzugehen. Es gab weitreichende Planungen wie der Wiental-Autobahn, die jedoch nicht verwirklicht wurden. Bürgerinnen und Bürger sowie die Politik behielten eine gewisse Skepsis gegenüber allzu großen Veränderungen des Stadtbilds. Diese Skepsis schwächte die Entwicklung Wiens zur "Autostadt" ab.

Veranstaltungsdetails
Termin: 5. April bis 26. August 2012
Ort: Wiener Stadt- und Landesarchiv, 11., Guglgasse 14
Zugang über Gasometer A, Foyer im 4. Stock
www.wien.gv.at/kultur/archiv

Detmolder Tagungsband über Jüdische Genealogie im Archiv

Im Landesarchiv NRW Abteilung Ostwestfalen-Lippe in Detmold werden rund 900 Geburts-, Heirats- und Sterberegister von Juden aus ganz Westfalen, Lippe und dem Rheinland aus dem 19. Jahrhundert aufbewahrt. Dies stellt eine besondere, zudem seltene Quellensammlung dar. Denn zum einen haben die Machthaber zur Zeit des Nationalsozialismus viele Unterlagen aus jüdischen Familien, Gemeinden und Archiven zerstreut und zerstört. Zum anderen legten schon in den Jahrhunderten zuvor viele jüdische Gemeinden oft keinen Wert auf die schriftliche Dokumentation des Gemeindelebens.

Dr. Bettina Joergens vom Landesarchiv in Detmold hat ein Buch über "Jüdische Genealogie im Archiv, in der Forschung und digital" herausgegeben. Der Inhalt beruht auf zwei Tagungen, die das Landesarchiv 2010 und 2011 veranstaltet hat. Die in dem Band enthaltenen Beiträge spannen den Bogen von der Frühen Neuzeit bis in die Gegenwart – von der Quellen- und Archivkunde bis hin zur "Oral History". Sie diskutieren die Bedeutung von Familie und Genealogie in der jüdischen Kultur sowie Fragen nach der Kultur des Gedenkens und der Geschichtsdidaktik zum Holocaust.

Info:
Bettina Joergens (Hg.): Jüdische Genealogie im Archiv, in der Forschung und digital,
Veröffentlichung des Landesarchivs NRW, 230 Seiten,
Klartext-Verlag 2011, 24,95 Euro, ISBN 978-3-8375-0678-5.

Kontakt:
Landesarchiv NRW
Abteilung Ostwestfalen-Lippe
Willi-Hofmann-Str. 2
32756 Detmold
Tel.: +49 5231 766-0
Fax: +49 5231 766-114
owl@lav.nrw.de

Quelle: Lippische Landes-Zeitung, 15.6.2012

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