Archiv und Wirtschaft 1/2013

Das gerade erschienene Heft 1/2013 der Zeitschrift "Archiv und Wirtschaft" bietet neben einem Programmhinweis auf die anstehende VdW-Jahrestagung 2013 Fachaufsätze über die Folgen von Unternehmensveränderungen für die Unternehmensarchive sowie eine Reihe von Rezensionen.

Inhaltsverzeichnis Archiv und Wirtschaft 1/2013

VdW-Jahrestagung vom 28. bis 30. April 2013 in Wien (Programm) (4)

AUFSÄTZE

Michael Jurk und Detlef Krause: Integration nach einer Übernahme. Der Zusammenschluss der Archive von Commerzbank und Dresdner Bank (6-11)

Thore Grimm und Michael Pohlenz: LANXESS – Schering – Bayer. Unternehmenswandel als Herausforderung für ein Unternehmensarchiv (12-20)

Judith Hanft: „Zukunft braucht Herkunft und Tradition“ – Das SCHOTT Archiv: Eine deutsch-deutsche Erfolgsgeschichte (21-29)

BERICHTE

Iris Berndt: Überlieferung zur Industriekultur in den Museen des Landes Brandenburg (30-34)

Birgit Becker, Achim Korres und Doris Lindemann: Cloud Computing oder doch „alles unter einem Dach“: Unternehmensarchiv(ar)e und Records Management. 76. VdW-Lehrgang vom 14. bis 17. Oktober 2012 in Heidelberg (35-37)

REZENSIONEN

Keith R. Allen und Dirk Ullmann: Fach-Englisch für Archivare (Peter Blum) (38-39)

Jens Blecher und Sabine Happ (Hrsg.): Archive ohne Lobby? Strategien im Umgang mit dem Archivträger (Brigitta Hafiz) (39-41)

Heinz Peter Brogatio und Klaus-Peter Kiedel (Hrsg.): Forschen, Reisen, Entdecken. Lebenswelten in den Archiven der Leibniz-Gemeinschaft (Volker Beckmann) (41-42)

Gerald Maier und Thomas Fritz (Hrsg.): Archivische Informationssysteme in der digitalen Welt. Aktuelle Entwicklungen und Perspektiven (Frank Becker) (42-45)

Julia Laura Rischbieter: Mikro-Ökonomie der Globalisierung. Kaffee, Kaufleute und Konsumenten im Kaiserreich 1870–1914 (Marcel Müller) (45-47)

Joachim Scholtyseck: Der Aufstieg der Quandts. Eine deutsche Unternehmerdynastie (Beate Schreiber) (47-49)

Jürgen Treffeisen (Hrsg.): Vom Büro ins Depot. Rationelle Verfahren der Bewertung und Übernahme von Akten. Vorträge des 70. Südwestdeutschen Archivtags am 19. Juni 2010 in Müllheim (Christian Wolfsberger) (49-50)

Wissenschaftsförderung der Sparkassen-Finanzgruppe e. V. (Hrsg.): Regionalgeschichte der Sparkassen-Finanzgruppe, Bd. 2 (Harald Wixforth) (50-52)

Nachrichten (53)

Rezensionsliste (54-55)

Impressum (56)

Kontakt:
Redaktionsleitung "Archiv und Wirtschaft"
Dr. Helen Müller und Dr. Martin Münzel
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Herwig Zens: Feuerbach-Paraphrasen im Stadtarchiv Speyer

Wenig glücklich und künstlerisch nicht gerade erfolgreich war der 1829 in Speyer geborene Maler Anselm Feuerbach während seiner Jahre als Professor an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Durch das österreichische Kaiserhauses mit einem fürstlichen Gehalt aber gegen den Willen der Akademie nach Wien gelockt, hatte er bald die gesamte Professorenschaft gegen sich. Dennoch schuf er in seiner Zeit als Lehrer dort zwischen 1875 und 1877 die beeindruckende Deckenausmalung der Aula des Akademiegebäudes. Sein Gemäldezyklus, in dessen Mittelpunkt das große Ovalbild „Titanensturz“ steht, für das ihm Hesiods „Theogonie“ als Quelle diente, zieht bis heute Kunstkenner und begeisterte Besucher aus aller Welt an.

Herwig Zens: Feuerbach-Paraphrasen im Stadtarchiv Speyer

Der Wiener Künstler Herwig Zens, Jahrgang 1943, der selbst von 1961 bis 1967 an der Wiener Akademie studierte, seit 1975 am Haus Lehrbeauftragter war und von 1987 bis 2006 dort eine Professur inne hatte, begegnete diesen Gemälden Feuerbachs, die Titel wie „Gaia“, „Uranus“, „Gefesselter Prometheus“ oder „Aphrodite“ tragen, in „seinem“ Haus über fünf Jahrzehnte nahezu täglich.

Als Ergebnis seiner langen künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Werk des frühen Malerkollegen Feuerbach tritt Herwig Zens jetzt mit seinen „Feuerbach-Paraphrasen“ hervor, in denen er die Deckengemälde aus seiner heutigen, individuellen Sicht interpretiert und fortschreibt. Das Stadtarchiv Speyer ist die erste Station, an der Herwig Zens seine nicht nur künstlerisch sondern auch als Beitrag lebendiger Kunstgeschichte höchst interessanten Arbeiten präsentiert.

Info:
Herwig Zens: Feuerbach-Paraphrasen
Ausstellung im Stadtarchiv Speyer
3. April bis 31. Juli 2013
Öffnungszeiten: Mo-Do 9-12/13-16 Uhr, Fr 9-12 Uhr. Eintritt frei.

Link: Flyer

Kontakt:
Stadtarchiv Speyer
Johannesstraße 22a
67346 Speyer
Tel. 06232/14-2242
www.stadtarchiv.speyer.de
http://www.facebook.com/Speyer.Stadtarchiv

»Alles digital?« Der 65. Westfälische Archivtag in Münster

Im historischen Rathaus der Stadt Münster fand am 19. und 20 März 2013 der 65. Westfälische Archivtag statt. Das übergreifende Thema der mit 250 Besuchern restlos ausgebuchten Veranstaltung lautete dieses Jahr "Alles digital? Elektronische Archivierung in der Praxis, Bauaktenarchivierung und digitale Dienstleistungen." Die Wahl war auf Münster gefallen, um das 100-jährige Jubiläum der hauptamtlichen Führung des Stadtarchivs Münster zu begehen.

Alles digital auf dem 65. Westfälischen Archivtag in Münster

Die Eröffnung des Archivtags oblag Michael Pavlicic, dem 1. stellvertretenden Vorsitzenden der Landschaftsversammlung Westfalen-Lippe, der das elektronische Langzeitarchiv des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) als Masterlösung für Mitgliedsarchive bewarb und auf die Vorteile von Einheitlichkeit und Synergien bei gemeinsamer Umsetzung der Herausforderung Digitalisierung verwies. Es folgten Grußworte von Markus Lewe, Oberbürgermeister der Stadt Münster, sowie des Herzogs von Croy, Vorsitzender der Vereinigten Westfälischen Adelsarchive e.V. und von Prof. Dr. Wilfried Reininghaus, scheidender Präsident des Landesarchivs NRW.

Die Einführung in das Thema der Tagung übernahm Dr. Marcus Stumpf, Leiter des LWL-Archivamtes für Westfalen, und warnte in dieser vor dem Schreckgespenst des "digital cliff", was den befürchteten, plötzlichen Totalverlust von digitalisierten Daten bedeutet, der im Gegensatz zu dem schleichenden Verfall von herkömmlichen Archivalien steht. Er betonte außerdem die Wichtigkeit von praktischen Erfahrungen und den Zusammenschluss zu Nutzergemeinschaften, da die Digitalisierung, welche er als Herausforderung begreift, die von auf sich allein gestellten Archiven nicht bewältigt werden könne. Mit Blick auf den inhaltlichen Schwerpunkt des zweiten Tages der Veranstaltung verwies er außerdem auf die zentrale Rolle von Bauakten für die Erschließung der Stadtgeschichte.

Den Eröffnungsvortrag, welcher sich mit der wechselhaften, 60-jährigen Geschichte des LWL beschäftigte, hielt Prof. Dr. Bernd Walter vom LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte. Er beleuchtete die verschiedenen Aufgaben des Landschaftsverbandes, welche weit über die in der Öffentlichkeit am ehesten wahrgenommene Kulturförderung hinausgehen und beispielsweise Behindertenhilfe, Psychiatrie und Jugendarbeit umfassen. Dabei betonte er die Veränderungen, die viele dieser Bereiche in ihrer Geschichte erfahren haben und betonte auch die dunklen Seiten der Geschichte, beispielsweise den körperlichen und seelischen Missbrauch von Kindern in Jugendheimen in den vergangenen Jahrzehnten. Auch über die Einbindung in die Politik und die rechtliche Stellung des LWL klärte er auf.

Näheren Archivbezug enthielten die folgenden Vorträge, welche sich mit der Langzeitsicherung von elektronischen Unterlagen befassten. Auf eine kurze Einführung durch Moderatorin Anja Gussek vom Stadtarchiv Münster, welche die zentrale, wenn auch nicht allumfassende Rolle digitaler Daten und die Wichtigkeit von Kooperationen verschiedener Institutionen zur Entwicklung langfristiger Archivierungsstrategien für diese betonte, erfolgte ein Erfahrungsbericht von Eckhard Möller (Stadtarchiv Harsewinkel) und Heiner Jostkleigrewe (regio iT, Gütersloh), die in enger Kooperation das Programm Archivo entwickelt hatten, welches die Übernahme von digitalen Daten des Einwohnermeldeamts für Archive ermöglichen soll. Dabei wurde kurz die Geschichte der Meldedaten beleuchtet, welche sich von Familienkarten ab ca. 1950 zu personenbezogenen Meldedaten gewandelt haben. Es wurde vor allem die Dringlichkeit einer Lösung für den "digitalen Gedächtnisverlust" betont. Zwar werden die Datensätze grundsätzlich Jahrzehnte nach Tod oder Wegzug erhalten, jedoch trifft dies nicht auf alle Bestandteile des Datensatzes zu. So werden beispielsweise Steuerkarten und Religionszugehörigkeit ein Jahr nach Tod oder Wegzug der betroffenen Person gelöscht, die Familienverkettung wird sogar bereits mit Erreichen des 18. Lebensjahrs gelöscht, für spätere Familienforscher sind diese Daten aber von unschätzbarem Wert.

Als eine Art Musterlösung für das Problem wurde die Software Archivo vorgestellt, welche die Übernahme von zur Löschung vorgesehen Datensätzen durch die Archive im XML-Format ermögliche und außerdem das Recherchieren, Zusammenfügen und Drucken der entsprechenden Informationen ermögliche. Die Nutzung erfolge im Einklang mit dem Archivgesetz und eigne sich für die Zusammenarbeit verschiedener Archive und Partner. In der folgenden Diskussion wurde das Problem festgestellt, dass nicht alle Meldeämter mit Archivo kompatible Datensätze nutzen und außerdem die für kleine Archive mitunter nicht zu stemmenden Lizenzgebühren angemahnt.

Ein weiteres Beispiel aus der Praxis erläuterte der folgende Beitrag von Dr. Peter Worm und Katharina Tiemann vom LWL-Archivamt für Westfalen. Dabei wurden die durch die Heterogenität der Aufgabenfelder des Verbandes bedingten organisatorischen Schwierigkeiten erläutert und als Lösung das Programm Doxis 4 der Firma SER vorgestellt, welches nicht nur Vorgangsbearbeitung von elektronischen Akten ermögliche, sondern als komplettes Redaktionssystem für diese dienen könne. Ein Problem stelle die permanente Aktualisierung der Daten dar, die vom Programm so nicht erfasst werden könne, da bei einer Überarbeitung einer Datei automatisch die vorherige Version überschrieben würde. Als Lösung dafür diene die Nutzung von Zeitschnitten bei der Archivierung der Daten, sodass der Arbeitsprozess an diesen jeweils sichtbar werde. Als Fazit wurde festgehalten, dass gute Kommunikation und Organisation elementar für die Umsetzung von E-Akten seien, auf Rechtssicherheit zu achten sei und außerdem eine ganzheitliche Betrachtung des Problems erfolgen müsse, welche den gesamten Lebensweg der e-Akte von Erstellung bis zur Archivierung im Blick habe. Auch hier wurde erneut die zentrale Rolle von Kooperation verschiedener Partner betont.

Auch der dritte Vortrag zu dem Oberthema Langzeitarchivierung elektronischer Unterlagen schlug in eine ähnliche Kerbe. Im gemeinsamen Vortrag von Prof. Dr. Andreas Engel (Geschäftsführer des Verbands kommunaler Archivdienstleister KDN, Köln), Thorsten Preuss (Amt für Informationsverarbeitung, Köln) und Manfred Huppertz (Historisches Archiv der Stadt Köln) wurde die Benutzung eines Schwestersystems des LWL-Systems bei der Stadt Köln erläutert, welche aus der HP/SER Benutzergruppe stamme, welcher u.a. das Bundesarchiv, das Landesarchiv NRW sowie das Archiv des LWL angehören. Die Rolle des KDN sei dabei die eines Vermittlers, der zwischen Nutzern und Anbietern von Archivsoftware Kontakt herstelle und so für Synergieeffekte bei der gemeinsamen Entwicklung der entsprechenden System Sorge. Als Fazit der praktischen Erfahrung bei der Elektronischen Langzeitarchivierung kam man auf die simple Formel "Besser im Verbund."

Mitunter kontroverse Debatten fanden im nachmittäglichen Diskussionsforum zu Innovationen bei der Erinnerungsarbeit von Archiven statt, welches von Christoph Laue (Kommunalarchiv Herford) moderiert wurde. Grundlegende Einigkeit bestand darin, dass das Archiv bei der Erinnerungsarbeit primär Dienstleister für Vereine, Initiativen und Politik sei. Wie die Verbindung aber aussah, wurde durchaus unterschiedlich gesehen. Während manche von einem Geben und Nehmen sprachen und erfolgreiche Kooperation lobten, beklagten andere die Deutungshoheit von Politik gegenüber Archiven und Historikern und fühlten sich mit der Erinnerungsarbeit oft von Vertretern aus Politik allein gelassen. Dabei berichteten einige Teilnehmer über die Erfahrung, dass häufig Arbeit auf die Archive "abgewälzt" würde, welche nicht ihrem Aufgabenbereich und ihren Ressourcen entspreche. Außerdem befürchtete man, sich bei eigener Initiative zur Erinnerungsarbeit durch die daraus häufig entstehenden Kontroversen politisch positionieren zu müssen. Andere sahen die Kontroverse durchaus als Chance für die Erinnerungsarbeit und das Geschichtsbewusstsein der Bevölkerung an. Es wurde ebenfalls in Frage gestellt, was überhaupt heutzutage noch innovativ sei, als eines der wenigen wirklich neuen Beispiele in der Erinnerungsarbeit wurden QR-Codes bei Denkmälern genannt, die bisher weniger geschichtsinteressierten Jugendlichen einen Zugang zur Erinnerungsarbeit verschaffen könnten.

Den inhaltlichen Abschluss des Abends bildete ein Vortrag von Dr. Hannes Lambacher (Stadtarchiv Münster), welcher über die 100 Jahre hauptamtliche Führung des Stadtarchivs referierte und dabei die Geschichte von Stadt und Stadtarchiv zu verknüpfen wusste. Eine Kontinuität dieser Geschichte war der Ruf von Münster als "schwarze" Stadt, durchdrungen von einem abgeschlossenen, konservativen, katholischen, vormodernem und autoritären Verständnis Milieu. Diese Vorstellung habe sich von den Zeiten des Kulturkampfes bis in die 1980er Jahre erhalten und sei erst durch Modernisierung und erfolgreiches Stadtmarketing durchbrochen worden.

Endgültig beschlossen wurde der erste Tag mit einem Empfang der Stadt Münster mit anschließendem Abendessen im Stadthaus.

Am zweiten Tag der Veranstaltung stand die Überlieferung von Bauakten im Vordergrund. Den Anfang machte Dr. Michael Huyer (LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen, Münster) mit einem Vortrag über den historischen Wert von Bauakten für die Stadtgeschichte. Dabei betonte, dass die Bauakten nicht nur einen individuellen Zeugniswerten hätten, sondern auch für übergreifende Fragestellungen relevant seien. Ein Beispiel dafür sei die Verwendung des Baumaterials, welches Schlüsse zur Wirtschaftsgeschichte ermögliche, außerdem wiesen die Situationspläne über das eigentliche Gebäude hinaus. Außerdem stellten Bauakten oft die einzige kontinuierliche Dokumentation von weniger exponierten Gebäuden dar. Daher plädierte er für die Erhaltung aller Bauakten und sprach sich gegen die Vernichtung von Bauakten nach der Digitalisierung aus, was auf Widerspruch einiger Archivare stieß.

Unter dem Titel "Scan und gut? Bauaufsichtsakten im digitalen Zeitalter als Herausforderung für Archive" befasste sich Dr. Axel Metz vom Stadtarchiv Bocholt mit den Auswirkungen der Digitalisierung von Bauakten auf deren Archivierung. Dabei warf er die Frage auf, ob übergeordnete Rechtsnormen Scan und anschließende Vernichtung der Akte überhaupt zulasse. Er sprach sich nicht grundlegend gegen dieses Verfahren aus, betonte jedoch, dass dafür einige Voraussetzungen gegeben seien müssen, beispielsweise eine ausreichende Qualitätssicherung des Scans, eine Einzelfallüberprüfung des intrinsischen Wertes der jeweiligen Akte und die bestehende Möglichkeit für elektronische Langzeitarchivierung. Da diese Voraussetzungen oftmals noch nicht erfüllt würden, sei eine Vernichtung der Akten zur Zeit noch sehr kritisch zu betrachten so das Fazit der folgenden Diskussion. Er widersprach außerdem seinem Vorredner, indem er nicht alle Baupläne als archivwürdig bezeichnete. Zum Abschluss betonte er bei der Digitalisierung auch die Bringschuld der Archive, welche darin bestände, dass Grundlagen für die Bewertung der Archivwürdigkeit von Bauakten geschaffen werden müssten.

Mit der praktischen Umsetzung dieser Grundlagen befasste sich der folgende Vortrag von Annett Schreiber vom Institut für Stadtgeschichte in Gelsenkirchen. Sie beschrieb die Praxiserfahrungen, die das Institut bei einem Pilotprojekt zur Bewertung der Archivwürdigkeit von Bauakten gemacht habe. Dabei sei angesichts der Zerstörungen im 2. Weltkrieg jede Akte mit einem Baubeginn vor 1945 grundsätzlich als archivwürdig einzustufen. Außerdem archivwürdig seien öffentlichkeitswirksame Gebäude, wie Geschäfts- und Fußgängerzonen, Sehenswürdigkeiten, Gebäude, welche mit Architektenpreisen ausgezeichnet wurden sowie alle Gebäude, die ihren Niederschlag in der Presse fanden. Bei den Wohnbeständen sei ein Architekt zu Rate zu ziehen, um Baustile und ähnliches zu bewerten. Außerdem sei es wichtig, die Heterogenität der Stadt Gelsenkirchen zu betonen, daher hätte man stets darauf geachtet, exemplarische Bauakten für die unterschiedlichen Entwicklungen der späteren Stadtteile zu erhalten. Kassiert hingegen wurden Akten ohne Pläne, Abbruchakten, Akten von Stallgebäuden, Schuppen, Lagerhallen, (Wohn)barracken (außer bei Verbindung zu Asylanten oder Zwangsarbeitern), nicht realisierte Pläne, Akten zu Schornsteinen, Heizungen, fliegenden Bauten, Umkleiden, Gewächshäusern, Wartehäuschen, fliegende Bauten, Behelfsheime, Gartenlauben, Trinkhallen, Toilettenanlagen, Parkhäusern, Spielhallen und Werbeanlagen. Außerdem wurde betont, dass viele der Bereiche aufgrund der industriellen Vergangenheit auch in den Zuständigkeitsbereich des Umweltamtes fielen und daher eine entsprechende Kooperation nötig sei. Zu achten sei bei der Auswahl auf Besonderheiten in der Stadtentwicklung und in den Akten, verschiedene Wohntraditionen, Benutzerwünsche und die Bestandsdauer der Gebäude, ein Blick auf andere ähnliche Akten sowie die Auswahl an archivwürdigen Vorgängen in den Akten. Anschließend wurde der Verkauf von bereits eingescannten Bauakten an die Eigentümer des Gebäudes diskutiert, welches von einigen Kommunen bereits praktiziert wird. Hier äußerte man rechtliche Bedenken, da durch den Einsatz eines Vermittlers möglicherweise Dritte Zugang zu sensiblen, persönlichen Daten erhalten würden.

Einen Einblick in die aktuelle Verwaltungsarbeit mit Bauakten gewährte der folgende Beitrag von Michael Möllers und Thomas Overkott vom Stadtplanung- und Bauordnungsamt in Bochum. Sie beschrieben, wie elektronische Akten die Lösung für die oft langwierige und schwerfällige Zirkulation von Bauakten gewesen sei, über die sich Unternehmen oft beschwert hätten. Diese Langsamkeit entstand v.a. dadurch, dass oft bis zu 12 verschiedene Behörden nacheinander die Dokumente prüfen mussten. Durch digitale Akten könne dies nun gleichzeitig geschehen. Dabei sei die digitale Akte aber als Zusatz, nicht als Ersatz der Papierakte zu sehen. Außerdem erfolge keine nachträgliche Digitalisierung mit anderen Behörden. Hauptmotivation für die Einführung der digitalen Akten sei allein die Zeitersparnis im Kontakt mit anderen Behörden gewesen. Im Umgang mit den Archiven seien bei digitalen Akten zur Zeit noch einige Fragen ungeklärt, beispielsweise ist unklar, ob eine Signatur oder ein Zeitstempel benötigt wird, in welchem Format die Daten vorliegen sollen und ob die Papierakte vernichtet werden dürfe.

Den finalen Vortrag hielt Hans-Jürgen Höötmann vom LWL-Archivamt für Westfalen in Vertretung von Nicola Bruns. Die Arbeit von Bruns beschrieb die Arbeit mit digitalen Gebäude- und Geländeplänen, welche in einer Oracle-Datenbank zentral gespeichert werde. Dieses System habe einen dynamischen Aufbau, besitze aber keine Historie, d.h. Änderung überschreiben automatisch die jeweils vorherige Version. Das System sei grundsätzlich als archivwürdig einzustufen und nutze ausschließlich digitale Daten. Dabei seien aber nicht alle Liegenschafts- und Gebäudedaten archivwürdig und es müsse eine Einzelbewertung erfolgen. Außerdem sei zu klären, welche Zeitschnitte für die Archivierung gewählt würden. Eine Alternative sei die Informationen in Form einer PDF-Datei auslesbar zu machen, was die Daten leichter nachvollziehbar mache, dabei aber die Datenbankstruktur des Systems aufgebe. Nach ausgiebiger Diskussion habe man sich für diesen Weg entschlossen, um die Daten besser zugänglich zu machen. Das Fazit dieser Erfahrung bestehe darin, dass neue Quellen jeweils auch neue Ansätzen bei der Überlieferungsbildung erfordern.

Abgeschlossen wurde der Archivtag mit der Aktuellen Stunde, in dem verschiedene anstehende Anlässe und Fristen behandelt wurden. Beworben wurde der 66. Archivtag, welcher im folgenden Jahr in Bielefeld stattfinden wird. Außerdem wurden verschiedene Fristen von Projekten mit finanzieller Förderung von Digitalisierung genannt. Des Weiteren wurde auf eine anstehende Lehrerfortbildung hingewiesen, welche auf die Kooperation mit Archiven angewiesen sei. Weiterhin wurde auf eine Gesetzesänderung verwiesen, die die Übernahme von beim Landesarchiv kassiertem Archivgut durch die Kommunalarchive ermögliche, was bisher aber kaum genutzt worden sei.

Nach den Vorträgen bestand für Besucher noch die Möglichkeit zur Besichtigung von Stadtarchiv und Technischem Zentrum des Landesarchivs.

Insgesamt stand der Archivtag gewissermaßen unter dem ungenannten Motto "Einigkeit macht stark." Die durch die Digitalisierung anfallenden Herausforderungen waren in vielen Fällen nur im Verbund und in Kooperation mit entsprechenden Dienstleistern zu realisieren. Dies schonte nicht nur die Ressourcen kleinerer Archive, sondern konnte auch für Einheitlichkeit und Synchronisierungseffekte sorgen. Grundsätzlich wurde bei der Realisierung des Umgangs mit digitalen Akten noch ein großer Arbeitsbedarf ausgemacht, viele Lösungen befinden sich noch in der Testphase. Die neuen Quellenarten erfordern auch neue Grundlagen bei der Bewertung der Archivwürdigkeit, der Übernahme und dem Verzeichnen. Dabei drängt häufig die Zeit, da bereits einige digitale Daten durch Löschung unwiederbringlich verloren sind.

Abstracts der Vortrage und weitere Eindrücke von der Tagung können im Blog des Archivtags eingesehen werden:
https://www.lwl.org/LWL/Kultur/Archivamt/westfaelischer-archivtag-blog/

Raphael Hennecke (Bielefeld)

23. Landesarchivtag Mecklenburg-Vorpommerns in Putbus

Die jährlich im Wechsel in Mecklenburg und Vorpommern stattfindenden Landesarchivtage Mecklenburg-Vorpommerns fanden im östlichen Landesteil bisher meist in Stralsund oder Greifswald statt. Da viele der kleineren Städte Vorpommerns über kein professionell besetztes Archiv verfügen, ließen sich Tagungen hier nur schwer organisieren. Der VdA – Verband deutscher Archivarinnen und Archivare sieht es aber als seine Aufgabe an, auch in diesen Gebieten für eine Professionalisierung des Archivwesens einzutreten und hat daher die kleine Stadt Putbus als Tagungsort gewählt. Außerdem bietet dieser erste auf Rügen stattfindende Archivtag die Möglichkeit, die Archivare des Landes wie auch andere historisch Interessierte mit der Geschichte dieser größten deutschen Insel vertraut zu machen.

Nach einer einführenden allgemeinen Darstellung werden sich dann noch besondere Vorträge mit den Landschaftsgemälden von Caspar David Friedrich und der Geschichte der Fürsten von Putbus und ihrer kleinen Residenz beschäftigen.

Der zweite Tag des 23. Landesarchivtags Mecklenburg-Vorpommerns in Putbus am 4. und 5. Juni 2013 steht dann unter dem Schwerpunktthema: „Die Folgen der Kreisgebietsreform für die Archive“. Die gerade hinter uns liegende Kreisgebietsreform, die das Land in sechs große Kreise und zwei kreisfreie Städte gliederte, hatte auch einschneidende Folgen für die Archive. Bestände, Zuständigkeiten, Verwaltungsstrukturen änderten sich. Es erscheint hier dringend geboten, vor allem den Kreisarchivaren ein Forum zum Meinungs- und Erfahrungsaustausch zu bieten. Das Thema wird daher nach einem allgemeinen Einführungsvortrag von den Betroffenen unter verschiedenen Blickwinkeln behandelt und bietet viel Raum für Diskussion. Anschließend gilt es auch noch die neueren Entwicklungen im staatlichen und kommunalen Archivwesen vorzustellen und zu erläutern.

Programm

04.06.2013

13.00 Uhr Eröffnung, Grußworte
13.15 Uhr Dr. Fritz Petrick (Rugenhof): Geschichte Rügens
14.15 Uhr Pause
15.00 Uhr Prof. Dr. Hannes D. Knapp (Insel Vilm): Zur Geschichte der Stadt und des Hauses Putbus
16.15 Uhr Ende
17.00 Uhr Stadtführung
19.00 Uhr geselliges Beisammensein in Lauterbach, „Zum Bodden“

05.06.2013

9.00 Uhr Mitgliederversammlung
10.00 Uhr Jan-Peter Schröder (Landkreistag Mecklenburg-Vorpommern): Erste Bilanz zur Umsetzung der Kreisgebietsreform von 2011
10.30 Uhr Tobias Sofka (Archiv des Landkreises Rostock): Kreisgebietsreform 2011 – Ein großes Problem für unser Archiv?
10.50 Uhr Pause
11.20 Uhr Regine Neitzel (Stadtarchiv Greifswald): Die Folgen der Kreisgebietsreform für das Stadtarchiv Greifswald
11.40 Uhr Dr. Martin Schoebel (Landesarchiv): Die zukünftige Struktur des Landesarchives an den Standorten Schwerin und Greifswald
12.00 Uhr Mittagspause
13:00 Uhr Dr. Burkhard Kunkel (Stadtverwaltung Stralsund): Die zukünftige Entwicklung des Stadtarchivs Stralsund
13:30 Uhr Aktuelle Stunde
15:30 Uhr Besichtigung Jagdschloss Granitz

Ort:
18581 Putbus (Rügen)

Veranstalter
Landesverband Mecklenburg-Vorpommern im VdA
http://www.vda.lvmecklenburg-vorpommern.archiv.net/ 

Kontakt
Dr. Bernd Kasten
Vorsitzender des Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern
E-Mail: bkasten(at)schwerin.de

Link: Programm.

Halbjahresprogramm April bis September 2013 des Kreismuseums Wewelsburg

Die Wewelsburg, einzige Dreiecksburg Deutschlands in heute noch geschlossener Bauweise, ist das Wahrzeichen des Paderborner Landes. Fürstbischof Dietrich von Fürstenberg ließ das Gebäude von 1603 bis 1609 unter Einbeziehung älterer Bauten neu errichten. In den Jahren 1933 bis 1945 sollte die Wewelsburg unter der Leitung des „Reichsführers“ der SS, Heinrich Himmler, zu einem ideologischen Zentrum der Schutzstaffel ausgebaut werden. Gigantische Bauvorhaben sollten von KZ-Häftlingen des eigens für diesen Zweck im Ort eingerichteten Konzentrationslagers Niederhagen-Wewelsburg realisiert werden.

Heute befinden sich in der Wewelsburg das Historische Museum des Hochstifts Paderborn und eine beliebte Jugendherberge. In der Erinnerungs- und Gedenkstätte Wewelsburg 1933-1945 im ehemaligen Wachgebäude der SS wird in der Dauerausstellung die lokale Geschichte der SS in Wewelsburg und des hiesigen Konzentrationslagers in eine umfangreiche Gesamtdarstellung der Schutzstaffel eingebettet.

Das Kreismuseum Wewelsburg erfährt auf sein Veranstaltungsprogramm regen Zuspruch. Das Halbjahresprogramm April bis September 2013 wartet auf mit Ferienspielen, Führungen, einer Lesung, einer Revue, Sonderausstellungen, Vorträgen, einem Wissenschaftlichen Symposium und einer Wanderung:

– Anpassung – Überleben – Widerstand, Künstler im Nationalsozialismus
– Aus dem Leben einer Magd
– Alme – Nicht nur ein Fluss mit vier Buchstaben
– Das Hochstift Paderborn im konfessionellen Zeitalter
– Das SS-Helferinnenkorps
– Die Heilkunst der Jesuiten
– Heimat
– Vergangenheit erinnern – Zukunft gestalten: Museen machen mit!
– Kann denn Jubeln Sünde sein? Frauen unter Hitler
– Lebensborn – lebenslang
– O schaurig ist`s übers Moor zu gehen
– Tatü Tata die Feuerwehr ist da!
– Verbrannte Bücher verkannter Dichter
– Zofia Pociłowska

Info:
Kreismuseum Wewelsburg
Programm April 2013 – September 2013
Historisches Museum des Hochstifts Paderborn
Erinnerungs- und Gedenkstätte Wewelsburg 1933–1945

Kontakt:
Kreismuseum Wewelsburg
Burgwall 19
33142 Büren-Wewelsburg
Tel.: 02955 / 7622-0
Fax: 02955 / 7622-22
kreismuseum.wewelsburg@t-online.de 
www.wewelsburg.de

Sonderausstellung »Heimat« noch bis Mitte April im Burgsaal der Wewelsburg

Heimat hatte lange keinen guten Ruf: ihr schien eine nationalistische Ideologie der Ausgrenzung innezuwohnen und der Staub von Dirndldamen in technicolor anzuhaften. Heimat stand in dem Verdacht, ein verlorener Ort zu sein, den nur Vertriebenenverbände zurückforderten. Sie hatte ihren Platz in den Namen von Vereinen und Museen gefunden.

\"Heimat

Das Image hat sich gewandelt. Ob Heimat nun als Gegenentwurf zur Globalisierung funktioniert oder als ländliche Idylle, aus der Zeitschriftenverlage Profit schlagen, ob sie als Kulisse in der Werbung zum Garant für regionale Wertigkeit wird oder durch das Leben mit Migranten und der eigenen, zunehmenden Mobilität in den Fokus rückt – die Heimat ist zurück.

Was ist die Heimat? In dem Begriff vereinen sich räumliche und sensorische Dimensionen mit einer zeitlichen Komponente. So bezeichnen viele den Ort der Kindheit als Heimat – Schutz, Unbeschwertheit und Apfelkuchen. Heimat ist auch Vertrautheit mit kulturellen Gepflogenheiten und vor allem mit der Sprache. So vielfältig wie die Heimat ist auch ihr Verlust: das Erwachsenwerden schmilzt die Kindheit, Bauprojekte verändern die vertraute Natur, Freunde und Familienmitglieder entfremden sich oder sterben. Der größte Schritt aus der Heimat heraus ist allerdings der, den zu machen man gezwungen ist: Heimatverlust durch Krieg, Flucht, Vertreibung oder durch Hunger und Armut. Während die Heimat auf die Rückkehr des Abenteuerlustigen wartet, bleibt dem Flüchtling nur eine Erinnerung, die ihn begleitet.
Nach 1990 haben viele Menschen erfahren, was es bedeutet, der Heimat beraubt zu werden, ohne sie je verlassen zu haben. Verklärende „Ostalgie“ zeigt, wie sehr das Heimatgefühl mit kulturellen und durchaus auch politischen Strukturen verwoben ist.

All diese Facetten des Begriffes Heimat werden in der aktuellen Sonderausstellung "Heimat" im Burgsaal der Wewelsburg thematisiert. Darüber hinaus wird auch dem Kreismuseum Wewelsburg, seiner Geschichte und der vielfältigen Repräsentation der Heimat auf der Wewelsburg Raum gegeben.

\"Eröffnung

Das Kreismuseum Wewelsburg hat seine Wurzeln im Heimatmuseum, das 1925 in der Burg eröffnet wurde und heute als Historisches Museum des Hochstifts Paderborn bekannt ist. Doch was bedeutet Heimat für die Menschen? Damals war es ein Ort, an dem man geboren war und lebte. Das vertraute Umfeld mit seiner Natur und dem geübten Brauchtum. Später wurde der Begriff „Heimat“ mit Unbehagen ausgesprochen. Seit der Zeit Blut-und-Boden-Ideologie haftete ihm das Stigma des Nationalsozialistischen an.

Wie ist es heute? In einer globalisierten Welt, in der auch die Arbeitssuche immer stärker mit großen räumlichen Veränderungen verbunden ist, erlebt die Heimat eine Renaissance. Ist Heimat eine Landschaft, der vertraute Dialekt, ein Geschmack? Sind es Menschen, die man lange kennt, oder ist es der Ort, an dem man aufgewachsen ist? Kann Heimat in der Fremde gefunden werden? Wie denken Menschen über Heimat, die aus anderen Ländern zugezogen sind und hier im Kreis Paderborn seit kurzem oder aber bereits in der zweiten oder dritten Generation leben?

Die Sonderausstellung „Heimat“, die seit dem 17. Februar und noch bis zum 14. April 2013 im Burgsaal der Wewelsburg gezeigt wird, geht diesen Fragen nach und möchte herausfinden, was der Begriff „Heimat“ im Hochstift bedeutet – nicht nur denen, die hier aufgewachsen sind, sondern auch den Aus- und besonders den Eingewanderten: Heimat im Kreis Paderborn hat viele Gesichter.

Die von Sabine Angenendt konzipierte Ausstellung ruht auf zwei Säulen: „Heimat“ und „Fremde“. Verbindendes Element ist ein Medientisch. Als Kernstück der Ausstellung lädt er dazu ein, mehr zu erfahren über Menschen verschiedener Herkünfte und ihre Migrationsgeschichte. Zwölf Interviewpartner erzählen aus ihrem Leben, von ihren Wurzeln, einem Neuanfang. Die Interviews wurden unter Anleitung ihres Lehrers Martin Rottmann von Schülerinnen und Schüler der Multimedia-AG des Bürener Liebfrauengymnasiums geführt und erstellt.

\"Postkarte:

Zu sehen sind darüber hinaus historische und zeitgenössische Souvenirs aus dem Kreis Paderborn. Anekdoten, Statements und Fotos erzählen von Auswanderung und Vertreibung. Die Ausstellung zeigt auch einen Zusammenschnitt von Interviews mit Spielern des SC Paderborn 07, einem Verein der Region mit Spielern aus aller Herren Länder.

Die Ausstellung richtet sich sowohl an Erwachsene als auch an Schülerinnen und Schüler. Die Pädagogen des Kreismuseums haben verschiedene Programme zur Vertiefung des Themas erarbeitet, die über das Sekretariat der Wewelsburg gebucht werden können. Angeboten werden Workshops für Schülerinnen und Schülern der 3. bis 5. Klasse, Seminare und Theaterprojekte in Kooperation mit dem Theater Paderborn für Schülerinnen und Schüler der 9. Klasse. Gespannt sein dürfen die Besucher auch auf eine szenische Lesung im März, die von Schülerinnen und Schülern der Hauptschule Niederntudorf/Wewelsburg und mit Hilfe der Theaterpädagogin Ann-Christin Ebert und der Dramaturgin Maren Simoneit erarbeitet wurde, sowie eine begleitende Heimatfilmreihe. Die Filmreihe wird finanziell unterstützt vom Förderverein des Kreismuseums Wewelsburg e.V.

Die Sonderausstellung kann während der Öffnungszeiten des Kreismuseums Wewelsburg besucht werden.
Eintritt einschl. Historisches Museum des Hochstifts Paderborn: 3 €, ermäßigt 1,50 €, Familienkarte 6 €
Gegen Vorlage des Eintrittsbons erhalten Besucher im Café – Restaurant Zur Wewelsburg 20 % Rabatt auf eine Kaffeespezialität und ein Stück Kuchen.
Die Wewelsburg im Internet: www.wewelsburg.de.

Kontakt:
Kreismuseum Wewelsburg
Burgwall 19
33142 Büren-Wewelsburg
Tel.: 02955 / 7622-0
Fax: 02955 / 7622-22
kreismuseum.wewelsburg@t-online.de
www.wewelsburg.de

Quelle: Der Landrat des Kreises Paderborn, Pressemitteilung Sonderausstellung „Heimat“, 2013

8. Detmolder Sommergespräch. Familie? Blutsverwandtschaft, Hausgemeinschaft und Genealogie

Am 19. Juni 2013 findet im Landesarchiv NRW Abteilung Ostwestfalen-Lippe (Detmold) das 8. Detmolder Sommergespräch statt. Das Thema lautet "Familie? Blutsverwandtschaft, Hausgemeinschaft und Genealogie".

Beim 8. Detmolder Sommergespräch geht es um die Frage, welche Familienkonstellationen es in der Vergangenheit gab und welche (Ideal-)Vorstellungen von Familie in unterschiedlichen historischen Situationen vorherrschend waren. Damit wird mit Klischees von der „heilen Familie“ in „früheren Zeiten“ aufgeräumt. Die Referentinnen und Referenten werden in ihren Vorträgen historische Quellen vorstellen, mit denen man etwa Repräsentationen von Verwandtschaft in Stammbäumen, „Patchworkfamilien“ im 18. Jahrhundert oder Familien in Migrationssituationen nachweisen kann.

Im Anschluss veranstaltet das Landesarchiv gemeinsam mit der VHS Detmold eine Podiumsdiskussion zu heutigen Familiensituationen unter dem Titel „Der ganz normale Wahnsinn? Familie im Wandel!“

Link: Programm

Info:
8. Detmolder Sommergespräch
Familie? Blutsverwandtschaft, Hausgemeinschaft und Genealogie

Eintritt jeweils frei.
Anmeldung für die Tagung erbeten.

Kontakt:
Landesarchiv Nordrhein-Westfalen
Abteilung Ostwestfalen-Lippe
Willi-Hofmann-Straße 2
32756 Detmold
Tel.: 05231 -766-0
Fax: 05231 -766-114
owl@lav.nrw.de
www.archive.nrw.de/lav/

Archivseminare 2013 von transfer media

Im Jahr 2013 werden von transfer media die Archivseminare erneut angeboten: ein umfangreiches Seminarangebot für Mitarbeiter von audiovisuellen Archiven, Produktionsfirmen, TV-Sendern und Unternehmen, die sich mit der Digitalisierung und Archivierung von filmischen Inhalten befassen. In Doppelworkshops wird dabei die digitale Herausforderung für Archive von audiovisuellen Inhalten vollständig durchgespielt: technische Grundlagen, die effiziente Nutzung von Metadaten, die richtige Digitalisierungstechnik, Datenspeicherung und -verwaltung und rechtliche Fragen der digitalen Distribution sowie Möglichkeiten der Zugänglichmachung über Internet werden von Fachexperten vermittelt.

Vorschau Archivseminare 2013

Doppelworkshop I „Technische Grundlagen & Metadaten“
Montag/Dienstag, 22./23.4.2013

Doppelworkshop II „Digitalisierung: Herstellung & Speicherung/Verwaltung“
Montag/Dienstag, 3./4.6.2013

Doppelworkshop III „Digitale Distribution: Rechte & Medien“
Montag/Dienstag, 2./3.9.2013

Zeit: 2-Tagesseminare, jeweils von 10-17 Uhr
Ort: DRA, Marlene-Dietrich-Allee 20, 14482 Potsdam
Kosten: 350,00 € pro Doppelworkshop / 900,00 € bei Buchung aller Termine

Kontakt:
Annika Kraus, Tel. 0331-721 21 67, a.kraus@transfermedia.de
Informationen und Anmeldungen unter: http://www.transfermedia.de/nc/bildung/archiv-seminare.html

Neuanfang im Vereinsarchiv des SC Freiburg

Seit einigen Monaten wird systematisch am Neuaufbau und an einer neuen Strukturierung des Vereinsarchivs des südbadischen Fußballbundesligisten SC Freiburg e.V. gearbeitet. Die Konsolidierung eines eigenen Vereinsarchivs war in der Vergangenheit immer wieder vor Probleme gestellt.

Abb. 1: Spielszene aus dem Jahr 1954 (1. Amateurliga Südbaden)

Abb. 1: Spielszene aus dem Jahr 1954 (1. Amateurliga Südbaden)

Das erste Archiv des 1904 gegründeten Vereins wurde durch einen Bombentreffer während des verheerenden Luftangriffs auf die Stadt Freiburg im November 1944 so gut wie vollständig vernichtet. Spätere Dokumentationstätigkeiten in der Nachkriegszeit wurden durch Umzüge und Umbauten der Vereinsgeschäftsstelle immer wieder unterbrochen. Erst im Vorfeld des 100-jährigen Vereinsjubiläums im Jahr 2004 erfolgte eine intensive Wiederaufnahme der vereinshistorischen Sammlungstätigkeit. Dieser Neuanfang geriet aber bald danach ebenfalls wieder ins Stocken.

Nun soll, unter der Ägide des Ältestenrats des Vereins und mit Unterstützung des Historikers Uwe Schellinger, das Archiv des SC Freiburg e.V. eine Wiederbelebung erfahren. Den Hintergrund hierfür bildet das sich seit einigen Jahren immer stärker entwickelnde gesellschaftliche, aber auch wissenschaftliche Interesse an der Sport- und insbesondere der Fußballgeschichte. Zunächst wurde das vorhandene, im Umfang derzeit noch überschaubare Archivmaterial gesichtet. Zudem wurden neue Aufbewahrungsmöglichkeiten in einem kleinen Archivraum geschaffen. Mittlerweile sind schon erste Neuzugänge von Archivalien zu vermelden, darunter als wohl bedeutsamstes Dokument das mit vielen Informationen ausgestattete Protokollbuch des Vereins aus den Jahren 1912 bis 1919. Im Vordergrund steht gegenwärtig der notwendige Ausbau der archivischen Sammlungen, sowohl aus vereinsinternen Provenienzen, aber auch durch mögliche Zugänge aus der Bevölkerung und den vielfältigen Fangruppierungen.

Abb. 2: Protokollbuch des SC Freiburg e.V. 1912-1919

Abb. 2: Protokollbuch des SC Freiburg e.V. 1912-1919

Sollten sich darüber hinaus in anderen Archiven Unterlagen zur Geschichte des Fußballvereins SC Freiburg e.V. nachweisen lassen, sind die Verantwortlichen für jeglichen Hinweis dankbar.

Kontakt:
SC Freiburg e.V.
Vereinsarchiv
c/o Ältestenrat
Schwarzwaldstraße 193
79117 Freiburg i.Br.
Oder per e-mail an den ehrenamtlichen Archivar: u.schellinger@scfreiburg.com

Buch zum Widerstand Düsseldorfer Frauen gegen das NS-Regime

Über den bislang wenig erforschten Anteil von Frauen am Widerstand gegen den Nationalsozialismus wurde ein Werk der Düsseldorfer Autorinnen Mareen Heying und Florence Hervé veröffentlicht. Die darin erforschten Widerständlerinnen haben weder die Strahlkraft noch den Bekanntheitsgrad einer Sophie Scholl, ihr Widerstand fand vor allem im Alltag statt. „Sie haben Flugblätter getippt und sie im Kinderwagen geschmuggelt, sich um die Familie gekümmert und die Männer unterstützt“, sagt Mareen Heying gegenüber der Westdeutschen Zeitung. Viele der Frauen entstammen Arbeiterfamilien, fast alle waren Kommunistinnen.

Die Basis der Arbeit bilden Interviews, die Hervé bereits 1980 durchführte. Damals lief in Düsseldorf der Prozess gegen die KZ-Aufseherin Hildegard Lächert, welche später für die NPD für das Europäisches Parlament kandidierte. "Uns hat empört, dass eine der Hauptangeklagten, Aufseherin Hildegard Lächert, für die NPD für das Europäische Parlament kandidierte, ohne dass jemand dem Bedeutung beimaß, dass sie vor Gericht auftrat, als sei sie nicht Angeklagte, sondern Anklägerin. Wir wollten zeigen, dass es Düsseldorferinnen gab, die ihr Leben riskiert hatten, um Menschen wie Lächert zu verhindern", beschreibt Hervé den Anlass für die Interviews. Die Interviews wurden ergänzt durch persönliche Dokumente der Opfer sowie Auszüge aus den Berichten der Gestapo unter anderem aus dem Landesarchiv NRW.

Info:
Florence Hervé und Mareen Heying (Hrsg.)
PapyRossa Verlag; Köln, 1. Auflage 1. März 2012
107 Seiten, 9,90 Euro
ISBN-10: 389438493X
ISBN-13: 978-3894384937

Quelle: Westdeutsche Zeitung, 8.3.2013

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