Tag der Archive 2014 im Kreis Steinfurt

Zum siebten Mal findet in diesem Jahr der "Tag der Archive" statt. Bundesweit öffnen Hunderte von Archiveinrichtungen ihre Schatzkammern, um interessierten Bürgerinnen und Bürgern Gelegenheit zu geben, Stadtgeschichte zu erleben.

Aus dem Kreis Steinfurt nehmen zwölf Kommunalarchive teil. Sie präsentieren am Sonntag, 9. März 2014 in der Stadthalle Ochtrup eine gemeinsame Ausstellung zum diesjährigen Motto Frauen – Männer – Macht und legen Akten, Fotos und Urkunden aus. Neben diesen archivspezifischen Präsentationen bietet ein vielfältiges Programm etwas für die ganze Familie: eine Beamer-Show historischer Fotos, ein Bücherflohmarkt und eine Mal- und Töpferaktion für Kinder gehören zu den ganztägigen Angeboten. Zum Internationalen Frauentag informieren Gleichstellungsbeauftragte aus dem Kreis über Schwerpunkte ihrer Arbeit. Das Archivcafé versorgt die Besucher mit Erfrischungen, Kaffee und Kuchen.

Außerhalb der Stadthalle gibt es für Ochtrup-Interessierte weitere Angebote: In Begleitung der Stadtführerin erkunden Sie die Innenstadt per Pedes. In der "Villa im Winkel", Winkelstraße 1 im Stadtpark, einer Fabrikantenvilla im Neobarockstil von 1899, wird Geschichte lebendig. Es geht um Franziska Klara Antonetta Gräfin von Westerholt, die von 1719-1763 Äbtissin im Stift Langenhorst war, und um Hochzeiten in der Familie des Fabrikanten Anton Laurenz, die in der Villa im Winkel gefeiert wurden.

Bürgerinnen und Bürger sind in der Zeit von 11 bis 17 Uhr herzlich eingeladen, in die Stadthalle Ochtrup zu kommen (Eintritt frei).

Veranstaltungsort:
Sonntag, 9. März 2014, 11.00 – 17.00 Uhr
Stadthalle Ochtrup
Gronauer Str. 1
48607 Ochtrup

Programm

11:00 Uhr Eröffnung der Veranstaltung
durch Herrn Kreisdirektor Dr. Martin Sommer und Herrn Bürgermeister der Stadt Ochtrup, Kai Hutzenlaub.

Tag der Archive 2014 im Kreis Steinfurt

Ganztägige Angebote in der Stadthalle:

– Präsentation von Archivalien, Fotos und Karten aus den 12 Kommunalarchiven
– Ausstellung der Archive "Frauen, Männer, Macht"
– Beamershow historischer Fotos
– Kinder malen und töpfern Wappen
– Bücherflohmarkt
– Archivcafé (Catering durch Happens Hof)
– Informationsstand der Gleichstellungsbeauftragten des Kreises Steinfurt

Begleitprogramm für Ochtrup-Interessierte:

– Stadtführungen (Treffpunkt Haupteingang Stadthalle, ab 12.00 Uhr)
– Ausstellung in der Villa Winkel, Winkelstr. 1 (11.00-17.00 Uhr)

Teilnehmende Kommunalarchive:

Der "Tag der Archive" ist eine Initiative des Berufsverbandes VdA – Verband deutscher Archivarinnen und Archivare e.V.

Kontakt:
Stadtarchiv Ochtrup
Winkelstr. 1
48607 Ochtrup
Tel.: 02553 939835
Mobil: 0151 12 11 23 54

Quelle: Stadt Greven, Pressemitteilung, 25.2.2014; WN, 24.2.2014; Grevener Zeitung, 24.2.2014

Stadtarchiv und BStU-Außenstelle Gera am Tag der Archive

Gera beteiligt sich gemeinsam mit insgesamt 160 Städten in Deutschland am bundesweiten 7. Tag der Archive am 8. und 9. März 2014 unter dem Motto "Frauen – Männer – Macht". Dazu aufgerufen hat der Verband deutscher Archivare. Das Stadtarchiv Gera in der Gagarinstraße 99 und die BStU-Außenstelle in Gera in der Hermann-Drechsler-Straße 1 stellten dazu bereits ihr gemeinsames Programm vor. „Ziel ist es, an diesem Tag den Bürgerinnen und Bürgern die jeweiligen Archive vorzustellen und ihr Anliegen, das archivalische Erbe als Kulturgut für die Erforschung der Vergangenheit und für das Verständnis der Gegenwart zu bewahren und aufzubereiten, stärker in das Bewusstsein zu rücken“, so der Leiter des Stadtarchivs Klaus Brodale. Der kommissarische Leiter der BStU-Außenstelle Gera, Reinhard Keßler, ergänzt: „Wir möchten in unserem Haus Einblicke in die entschlüsselte Macht der untergegangenen Geraer Geheimpolizei geben. Dabei geht es auch um die Frage, wie eine Diktatur funktionierte und was sie ermöglichte. Dafür möchte die BStU-Außenstelle Gera gerade auch junge Menschen sensibilisieren. Der Tag der Archive eignet sich dafür besonders.“ In Gera halten beide Archive am 8. März mit Veranstaltungen ihre Pforten geöffnet.

Zum Tag der Archive am 8. März stehen im Geraer Stadtarchiv bedeutungsvolle Frauen der Stadtgeschichte im Mittelpunkt. Dazu gehören u.a. auch die Stifterin Henriette Zabel, die Fotografin Aenne Biermann (Ausschnitt aus einem Plakat zu einer Fotoausstellung Aenne Biermanns 1930) und die Sportlerin Bruna Wendel-Plarre (v.l.). (Stadtarchiv Gera)

Abb.: Zum Tag der Archive am 8. März stehen im Geraer Stadtarchiv bedeutungsvolle Frauen der Stadtgeschichte im Mittelpunkt. Dazu gehören u.a. auch die Stifterin Henriette Zabel, die Fotografin Aenne Biermann (Ausschnitt aus einem Plakat zu einer Fotoausstellung Aenne Biermanns 1930) und die Sportlerin Bruna Wendel-Plarre (v.l.). (Stadtarchiv Gera)

Unter dem Titel „Stadtgeschichte ohne Frauen???“ gibt es im Stadtarchiv in der Gagarinstraße 99 am Samstag, 8. März, um 10 Uhr und 13.30 Uhr jeweils eine Veranstaltung. Dazu wird eine Archivalien-Ausstellung mit ausgewählten Dokumenten und Materialien aus dem Bestand vorbereitet, die bedeutungsvolle Frauen der Stadtgeschichte in den Mittelpunkt rückt. Das sind unter anderem die Stifterin Henriette Zabel, die Sportlerin Dr. Bruna Wendel-Plarre und die Fotografin Aenne Biermann, die in Gera lebten und wirkten. Anhand von Fotos und Dokumenten will das Stadtarchiv zeigen, wie Frauen in ihren jeweiligen Zeitepochen politisch und gesellschaftlich aktiv wurden. Auch das älteste Tondokument, ein Interview mit Dr. Bruna Wendel-Plarre, Dokumente aus Akten und Fotos sollen für die Besucher abwechslungsreich die Geschichte der Frauen darstellen. Anschließend gibt es eine Magazinführung.

Auch die BStU, Außenstelle Gera, in der Hermann-Drechsler-Straße 1 bietet am 8. März von 11 bis 17 Uhr eine ganze Reihe von Veranstaltungen. „Unter dem Motto ‚Im Dienste der Diktatur‘ finden von 11 bis 16 Uhr stündlich Führungen durch die Hinterlassenschaften der Geraer Geheimpolizei statt. 11 Uhr und 13 Uhr hält unsere Mitarbeiterin Regina Karell einen Vortrag zu den inoffiziellen Mitarbeiterinnen der DDR-Staatssicherheit im Bezirk Gera im Jahr 1989“, stellt der kommissarische Leiter der BStU-Außenstelle Gera, Reinhard Keßler, sein Programm vor. Einen Fachvortrag gibt es 15 Uhr zum Thema „Leben hinter Mauern“ zum Arbeitsalltag und Privatleben hauptamtlicher Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR mit Benedikt Vallendar, Studienrat für Geschichte und Spanisch am Wirtschaftsgymnasium Wolfenbüttel, und der Autorin Jenny Krämer. Der Film “Virtuelle Rekonstruktion zerrissener Stasi-Unterlagen“ (15 Minuten) ist den ganzen Tag über zu sehen.

Außerdem wird eine umfassende Präsentation zum Thema „Alltag in der Bezirksverwaltung des MfS“ vorbereitet. Auf 20 Tafeln sollen Dokumente den Arbeits- und Lebensalltag von Stasi-Mitarbeitern zeigen: Wie viel verdienten Stasi-Leute im Monat und welche Sondervergütungen bekamen sie darüber hinaus? Welche persönlichen Einschränkungen nahmen sie dafür in Kauf?

Auch an diesem Tag kann ein Antrag auf persönliche Akteneinsicht gestellt werden. Dazu sollte ein gültiges Personaldokument mitgebracht werden. Mitveranstalter der BStU, Außenstelle Gera, sind der Landesbeauftragte des Freistaates Thüringen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und Lese-Zeichen e.V. Thüringer Büro zur Förderung von Literatur und Kunst.

Kontakt:
Stadtverwaltung Gera
Fachdienst Zentrale Dienste
Stadtarchiv
Gagarinstraße 99
D – 07545 Gera
Fon: 0365 838-2140 bis -2144
Fax: 0365 838-2145
stadtarchiv@gera.de 

BStU, Außenstelle Gera
Haus 3
Hermann-Drechsler-Straße 1
07548 Gera
Telefon: (03 65) 55 18-0
Fax: (03 65) 55 18-42 19
astgera@bstu.bund.de 

Quelle: Stadt Gera, Pressemitteilung, 17.2.2014

Verzeichnis gefallener Soldaten des Ersten Weltkriegs im Stadtarchiv Neuss

Dank monatelanger Arbeit des ehrenamtlichen Mitarbeiters Johannes Diekers kann nun erstmals ein umfassendes Verzeichnis der gefallenen Soldaten des Ersten Weltkriegs aus Neuss der Öffentlichkeit im Stadtarchiv Neuss vorgelegt werden. Für die Zusammenstellung benötigte Diekers insgesamt anderthalb Jahre. Die notwendigen Daten fand er in den Standesamtregistern von den Jahren 1914 bis 1937.

Tatkräftige Unterstützung erhielt der 89-jährige von Gabriele Brüning. Sie fügte die Daten am Ende der Recherchen zu einer Tabelle zusammen. „Da auch mein Vater Soldat im Ersten Weltkrieg war, interessierte mich diese Arbeit sehr“, berichtet Diekers. Insgesamt erfasst die Datenbank 1.120 Gefallene, dazu gehören auch Kriegsgefangene aus Frankreich, Russland oder Großbritannien, die in einem Lazarett in Neuss verstarben. „Hinter jedem dieser Namen steckt ein Schicksal und in den Listen kann man diese nun einsehen“, erklärt Archivleiter Dr. Jens Metzdorf.

Ein Großteil der Neusser, die in den Krieg zogen, befand sich im Infanterie-Regiment 28 in Aachen. Die meisten starben beim Stellungskrieg in Frankreich. Mit 17 Jahren war Wilhelm Christian Quirinus Damen der jüngste Gefallene, er starb am 6. Juli 1918. Peter Posch wurde im Alter von 49 in Polen erschossen und ist der älteste eingetragene Kriegsgefallene aus Neuss.

In der Datenbank sind auch die damals noch selbstständigen Gemeinden Holzheim, Grefrath, Norf und Grimlinghausen vollständig erfasst. Daraus ergeben sich völlig neue Auswertungs- und Recherchemöglichkeiten. Interessierte können sich die Datenbank im Stadtarchiv ansehen.

Anlässlich des 100. Jahrestages des Beginns des Ersten Weltkriegs 1914 hat das Stadtarchiv Neuss zudem eine Übersicht der eigenen Quellen zum Ersten Weltkrieg erarbeitet. Sie stammt von Sandra Gesell und ist unter dem Titel "Brotkarten, Kriegschroniken und Lazarettbilder" auch im Internet abzurufen:

Kontakt:
Stadtarchiv Neuss
Oberstraße 15
41460 Neuss
Telefon: +49 (0) 2131 – 90 42 50
Telefax: +49 (0) 2131 – 90 24 33
stadtarchiv@stadt.neuss.de
www.stadtarchiv-neuss.de

Quelle: Stadt Neuss, Pressemitteilung, 21.2.2014

Neues Findbuch des Stadtarchivs Adelsheim

Am 10.2.2014 konnte der Kreisarchivar des Neckar-Odenwald-Kreises, Alexander Rantasa, das Findbuch des Stadtarchivs Adelsheim den Verantwortlichen der Stadt Adelsheim – Bürgermeister Klaus Gramlich und Hauptamtsleiter Hermann Thomas – übergeben. Das Projekt lief, mit Unterbrechungen, über mehrere Jahre und umfasste nicht nur die EDV-gestützte Neuverzeichnung und tiefere Erschließung des bisherigen Archivguts, sondern auch die Bewertung und die Übernahme neuer archivwürdiger Unterlagen aus der Stadtverwaltung. Die Fränkischen Nachrichten berichteten jetzt darüber.

Das neue Findbuch des Stadtarchivs hat einen Umfang von über 500 Seiten. Es ersetzt das alte Inventar aus dem Jahr 1970. Neben einer genaueren Verzeichnung der Archivalien bietet das neue, wesentlich erweiterte Repertorium auch Orts-, Personen- und Sachindizes an, die das Recherchieren in den Archivbeständen erleichtern sollen. Das Stadtarchiv Adelsheim umfasst insgesamt neun Bestandsgruppen bzw. Bestände: Akten, Amtsbücher, Sammlungen, Karten und Pläne, sog. Fremdprovenienzen, Nachlässe, Rechnungen, Urkunden und die Archivbibliothek.

Die Akten stellen mit 44,5 Regalmetern den größten Bestand dar, gefolgt von den Rechnungen mit 20,5 und den Amtsbüchern mit zwölf Regalmetern. Das Archivgut deckt einen Zeitraum von rund 700 Jahren ab, beginnend mit einer Urkunde Kaiser Ludwigs des Bayern von 1338 (Kopie von 1763) und vorerst endend mit einem Werkmanuskript des Heimatkundlers Reinhold Merkle von 2010.

Bereits 1884 war von Rentamtmann Dr. John Gustav Weiß, Pfleger der Badischen Historischen Kommission, ein Verzeichnis über das Adelsheimer Archivgut erstellt worden. Auch sein Nachfolger im Amt des Archivpflegers, Regierungsrat Gottlieb Graef, legte im Jahr 1937 eine Übersicht über die städtischen Archivalien an. Die Unterbringung im Rathaus-Erdgeschoss war bis 1970 sehr dürftig. Danach wurde das Stadtarchiv im alten Schulhaus verwahrt. Heute befindet es sich im Untergeschoss des neuen Rathauses.

Kontakt:
Landratsamt Neckar-Odenwald-Kreis
Zentralstelle – Kultur und Kreisarchiv
Kreisarchivar Alexander Rantasa M.A.
Renzstr. 12
74821 Mosbach
Tel. 06261/84-1102
Fax 06261/84-4710
kreisarchiv@neckar-odenwald-kreis.de 
www.neckar-odenwald-kreis.de/329 

Quelle: Fränkische Nachrichten, 14.2.2014

Erst Stolz, dann Wut in Limburg: Vor 60 Jahren kam »Die kleine Stadt will schlafen gehen« in die Kinos

Gert Fröbe, Gustav Fröhlich, Jester Naefe, Helen Vita und andere Leinwandstars der fünfziger Jahre kamen nach Limburg an der Lahn, um unter der Regie von Hans H. König einen Film zu drehen. Premiere war am 11. Februar 1954, vor genau 60 Jahren. Was dann aber unter dem Titel "Die kleine Stadt will schlafen gehen" in Düsseldorf uraufgeführt wurde und bald darauf in den Kinos der Republik lief, stieß in Limburg auf Ärger und Unverständnis.

Die kleine Stadt will schlafen gehen (Abb.: Stadtarchiv Limburg)

Im Herbst 1953 kam das Filmteam nach Limburg, um hier einige Szenen zu drehen. Zu sehen sind im Laufe des Films u.a. der Dom, die Plötze, der Kornmarkt, die Erbach, der Fischmarkt. Dabei blieb die „Kleine Stadt“ aber namenlos – „ihren Namen wollen wir nicht verraten, wir haben unsere Gründe dafür“, heißt es in der Anfangseinstellung. Die Dreharbeiten begannen am 15. Oktober 1953. Die Berichterstattung darüber war wohlwollend, die Geschichte wird als „recht nett“ bezeichnet. Geschäfte wurden umdekoriert, damit sie den Filmerfordernissen entsprachen. Die Limburger verfolgten die Dreharbeiten mit großem Interesse, und etliche übernahmen Statistenrollen. So wird über einen echten Briefträger berichtet, der mehr als zehn Mal am Schuhhause Brühl vorbeigehen muss, bis die Einstellung stimmt, oder die Männer der Stadtreinigung laufen durchs Bild. Auch „vier junge, frische und reizende Limburger Mädels“ werden gefilmt, wie sie aus der Böhmergasse kommen. Drei Drehtage verbrachte das Filmteam in der Stadt, vor allem an der Plötze. Hier fand eine wichtige Szene mit Enthüllung eines Denkmals statt (ungefähr dort, wo heute das Hattstein-Denkmal steht). Für viel Volk sorgten dabei Vertreter Limburger Vereine mit Fahnen, Schulkinder, Sänger und Turner. Die Kapelle des Ausbesserungswerks war angetreten und unterhielt das Publikum auch während der Drehpausen mit Musik. Versorgt wurden Schauspieler und Komparsen durch die Metzgerei Josef Fischer, die 900 belegte Brötchen lieferte. Regisseur König war mit der Unterstützung so zufrieden, dass er von einem Fenster aus dem Publikum zurief: „Ich stelle fest, dass die Limburger sehr gute Filmschauspieler sind.“ Die Berichterstattung über die Dreharbeiten endet mit dem Wunsch: „Hoffen wir, daß der Film ein künstlerisches Niveau trägt und daß Limburg dadurch noch bekannter wird.“ Während der Dreharbeiten erhielt Bürgermeister Joseph Schneider einen Brief von der „Königfilm GmbH“, mit dem für die große Unterstützung in Limburg gedankt wurde.

Die kleine Stadt will schlafen gehen (Abb.: Stadtarchiv Limburg)

Zur Premiere des Films, dessen Titel inzwischen von „Sieben Sünden“ auf „Die kleine Stadt will schlafen gehen“ geändert war, reiste Sonderberichterstatter Paul Dogan für den „Nassauer Boten“ nach Düsseldorf. In seinem Bericht, der eine drei-viertel Seite einnimmt, betont er: „Die kleine Stadt ist kein Limburg-Film.“ Dem Regisseur wird vorgeworfen, er sei in seinem Bemühen, einen „deftigen“ Film zu drehen, ins triviale und vulgäre abgerutschte. „Manche Szenen sind sogar peinlich und frivol.“ Tatsächlich ist mehrfach viel nackte Haut zu sehen – in Form von Fotos und Denkmälern. Dazu der Bericht: „Wahrhaftig, wir sind nicht prüde und kennen das Leben. Aber wir sagen: In dieser Form gehört dieser Film nicht auf die Leinwand. Weil er menschliche Sünden nicht an den Pranger stellt, sondern durch seine obszöne Art zur bedenkenlosen Nachahmung auffordert.“ Der Verfasser forderte nicht weniger als Zensur, stellt aber fest: „Wenn aus diesem Film aller Schmutz herausgeschnitten wird, bleibt kaum noch etwas übrig.“ Der katholische Filmdienst stufte den Film als „gefährdend“ ein, vom Besuch wurde abgeraten. Von evangelischer Seite wurde zur Wachsamkeit aufgerufen und die Zweideutigkeiten verurteilt. Zu einem ganz anderen Urteil kam die „Filmwoche“: „Mit leichter Hand inszeniert, beschwingte Kleinstadt-Geschichte voll ergötzlicher Episoden.“ Dem wollte in Limburg niemand zustimmen.

Die kleine Stadt will schlafen gehen (Abb.: Stadtarchiv Limburg)

Was wurde Schlimmes gezeigt? Ein Posttransport wurde ausgeraubt, doch statt des erhofften Geldes erbeuteten die Gangster nur Briefe. Sieben Honoratioren der kleinen Stadt fürchten nun, ihre Korrespondenz – Bestellung von Aktfotografien, Alimentenschecks und ähnliches – würde in die falschen Hände geraten. Sie haben den Bildhauer Peter Bruck (Gustav Fröhlich) im Verdacht, der in der Stadt als Künstler und alleinerziehender Vater ein Außenseiter ist. Der macht sich einen Spaß daraus, die ehrbaren Bürgerinnen und Bürger in dem Glauben zu lassen. Aus heutiger Sicht dreht es sich in diesem Film um Harmlosigkeiten, in den restaurativen fünfziger Jahren war dies ein Skandal. Fehlender Respekt vor der Obrigkeit, kein großzügiges Hinwegsehen über Doppelmoral und Verstoß gegen gesellschaftliche Normen waren Tabus. In einem Leserbrief machte sich ein wütender Bürger Luft: Die Stadtverwaltung „hätte … niemals gestatten dürfen, daß die Bischofsstadt herhalten mußte für eine einzige Kundgebung der Geschmacklosigkeit, die hier vor sich geht. … Limburg ist auf dem besten Wege, sich durch betonte Amoralität einen Namen zu machen. Das dürfte dem Ruf der Stadt nicht gerade förderlich sein.“ Der Bürgermeister wies darauf hin, dass die Filmleute nie eine Konzession für die Dreharbeiten beantragt hatten oder bekamen. Es habe keine gesetzliche Möglichkeit gegeben, die Filmarbeit zu unterbinden. Den Filmemachern wurde vorgeworfen, das Vertrauen der Limburger missbraucht zu haben. Wenige Tage nach der Uraufführung verlangte der Stadtjugendausschuss, dass der Film in Limburger Kinos nicht gezeigt werden dürfe. Der Kinobetreiber war zunächst damit einverstanden, musste aber, um einer Konventionalstrafe wegen Vertragsbruch mit der Verleihfirma zu entgehen, den Film doch ins Programm aufnehmen.

An Fastnacht lieferte der Film reichlich Stoff für Büttenredner. In der Fastnachtsausgabe „De närrisch Schote“ des Nassauer Boten findet sich der (fingierte) Bericht, Ex-König Faruk von Ägypten wolle nach Limburg kommen, da er an Schlaflosigkeit leide. Er habe so gut wie bei „Die kleine Stadt will schlafen gehen“ schon lange nicht mehr geschlafen. Auch das Friedel-Kloos-Quartett besang das Ereignis: „Die Plötz, die lag ja völlig brach, man filmte dort an viele Daach. Die Filmleut hatte für drumerum, bestellt weil Publikum. – Wo früher woarn so klaane Lädcher, vis-a-vis der Metzgerei, doo stande uff aamoal nackische Mädcher, ei, ei, ei, ei ….“

Im Stadtarchiv Limburg befinden sich 32 Fotos von den Dreharbeiten an der Plötze, aus denen das große Interesse der Bürger an der Entstehung des Films zu erkennen ist. Die Kinorechte an „Die kleine Stadt will schlafen gehen“ vertritt das Deutsche Filminstitut. Eine Kopie hat das Bundesarchiv, die aus konservatorischen Gründen nicht verleihbar ist.

Magistrat der Kreisstadt Limburg a. d. Lahn
-Stadtarchiv-
Dr. Christoph Waldecker M.A., Dipl.-Archivar (FH)
-Leiter des Stadtarchivs-
Mühlberg 3 (Schloss)
65549 Limburg a. d. Lahn
Tel.: 06431-203 368
Fax: 06431-584 39 47
christoph.waldecker@stadt.limburg.de
http://www.limburg.de

Quelle: Stadt Limburg an der Lahn, Pressemitteilung, 11.2.2014

Nachlass Heino Gehrts im IGPP aufgearbeitet

Im Archiv des Instituts für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene e.V. (IGPP) in Freiburg i.Br. wurde in der zweiten Jahreshälfte 2013 der wissenschaftliche Nachlass des Kulturhistorikers, Kulturwissenschaftlers und Autors Dr. Heino Gehrts (1913-1998) aufgearbeitet und erschlossen. Der Nachlass befindet sich seit 2005 im Institutsarchiv des IGPP. Er besteht hauptsächlich aus der umfangreichen wissenschaftlichen Korrespondenz, zahlreichen Werkmanuskripten sowie den verschiedenen Materialsammlungen von Gehrts. Der Bestand umfasst 222 Archiveinheiten auf 5 lfdm., die Laufzeit reicht von 1933 bis 1998.

Dr. Heino Gehrts (Foto: Christine Gehrts)

Der ursprünglich aus Hamburg stammende Wissenschaftler Heino Gehrts (Foto rechts: Christine Gehrts) hat in seiner Schaffenszeit über 70 Publikationen vorgelegt. Mittlerweile war sein Werk weitgehend in Vergessenheit geraten. Schwerpunkte seiner Studien waren die vielfältigen Aspekte des Schamanismus sowie die Märchen- und Sagenforschung. Weiterhin beschäftigte er sich intensiv mit dem Somnambulismus in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und verfasste einschlägige Arbeiten zu Justinus Kerner und dessen Umfeld sowie – wohl am bedeutendsten – zum ‚besessenen‘ "Mädchen von Orlach" (1832/33). Heino Gehrts, der Mitglied in verschiedenen wissenschaftlichen Gesellschaften war, kann als Beispiel eines überaus produktiven Privatgelehrten gelten, der auf selbstständige Weise nach Foren und Wegen für die Verbreitung seiner wissenschaftlichen Ergebnisse gesucht hat. Die vorhandene Korrespondenz verspricht Aufschluss über die dafür von Gehrts gewählten Strategien sowie die dabei entstandenen Netzwerke.

Der Nachlass von Heino Gehrts dürfte aufgrund seiner vielfältigen Inhalte für die Fachbereiche Germanistik, Ethnologie, Historische Anthropologie, Wissenschaftsgeschichte oder Volkskunde eine größere Bedeutung erlangen.

Kontakt:
Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene e.V.
Uwe Schellinger M.A., Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Wilhelmstraße 3a
79098 Freiburg i.Br.
0761-20721-61
schellinger@igpp.de
http://igpp.academia.edu/UweSchellinger
http://www.igpp.de

Reformation und Politik. Tagung vom LVR und Evangelischer Kirche im Rheinland

Im Rahmen der Reformationsdekade 2008-2017 widmen sich die diesjährigen Veranstaltungen dem Aspekt "Reformation und Politik". Die gemeinsame Tagung von LVR und Evangelischer Kirche im Rheinland wird vom 23. bis 25. April 2014 im Düsseldorfer Tagungszentrum FFFZ dieses Thema beleuchten.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stehen nicht etwa die Persönlichkeit Luthers und die Situation des 16. Jahrhunderts. Vielmehr wird die Frage nach der Realität reformatorischen Gedankenguts im 19. und 20. Jahrhundert im Rheinland ins Blickfeld gerückt. Hier spiegelt sich die Verwobenheit der Kirche in die sich wandelnden politischen Verhältnisse in ganz besonderer Weise. Das wird an den historischen Bruchstellen (z. B. Ende des Ancien régime, Revolution und Verfassungsfrage, Nationalsozialismus) dargestellt. Die Tagung steht daher unter der Überschrift "Bruchstellen deutscher Geschichte im Blick des Protestantismus".

In vielen Archiven, Bibliotheken und Museen, in Universitätsinstituten, aber auch kirchlichen Gemeinde- und Kommunalverwaltungen stellt sich die Frage, wie das Reformationsjubiläum umgesetzt werden soll. Die Tagung soll Ideen zur lokalen und regionalen Aufarbeitung des Themas liefern.

Vier Sektionen (Restauration und gescheiterte Revolution, Reichseinigung und Staat der Konfessionen, Vom Ende des landesherrlichen Kirchenregiments in die Diktatur und Diakonische Aufgabe im Sozialstaat) greifen spezielle historische Situationen heraus, um die Rolle der Evangelischen Kirche zu thematisieren. 17 Fachbeiträge ausgewiesener Experten werden erwartet. Eine Exkursion nach Kaiserswerth und zum dortigen Pflegemuseum der Fliedner-Stiftung wird in die Geschichte der Diakonie einführen und thematisiert deren Aufgabe im Sozialstaat.

Referenten:
Prof. Dr. Olaf Blaschke, Universität Trier,
Prof. Dr. Siegfried Hermle, Universität zu Köln,
Prof. Dr. Jörg Hübner, Ev. Akademie Bad Boll
Prof. Dr. Jochen-Christoph Kaiser, Universität Marburg,
Prof. Dr. Thomas Kuhn, Universität Greifswald,
Prof. Dr. Harry Oelke, Universität München

Mit Blick auf das Rheinland eignen sich die Ergebnisse der Tagung hervorragend zur Vorbereitung eines anderen Jubiläums: 2015 wird an das Ende des Wiener Kongresses erinnert. In dessen Folge kam das bis dahin katholische Rheinland an das evangelische Preußen.

Einzelheiten finden sich hier:
http://www.afz.lvr.de/de/fortbildungen___tagungen/veranstaltungsprogramm/veranstaltungsprogramm_1.html

Zum Detailprogramm:
http://www.afz.lvr.de/media/archive_im_rheinland/fortbildungen/veranstaltungsprogramm/FZ-SEM-2014-Reformation-PROGRAMM.pdf

Zum Tagungsflyer:
http://www.afz.lvr.de/media/archive_im_rheinland/fortbildungen/veranstaltungsprogramm/2014-04-23_25_Flyer.pdf

TERMIN
Mittwoch, 23. April 2014, bis Freitag, 25. April 2014

VERANSTALTUNGSORT
Tagungshaus FFFZ
Kaiserswerther Straße 450
40474 Düsseldorf

Eine Übernachtung kann auf eigene Kosten sehr preiswert im FFFZ gebucht werden:
fffzhotel@fffz.de
Bitte Tagungsstichwort "Bruchstellen deutscher Geschichte" angeben.

ENTGELT
140 Euro (einschließlich Tagungsunterlagen, 2 Mittagsimbisse, Tagungsgetränke, 2 Empfänge, 2 Bustransfers, eine Buchpublikation)

ANMELDUNG AUSSCHLIESSLICH AN:
LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrum
Ehrenfriedstraße 19
50259 Pulheim
Tel 02234 9854-313 und -225
Fax 02234 9854-349
afz.fortbildungszentrum@lvr.de 
www.afz.lvr.de

Archiv Bosnien-Herzegowinas in Sarajevo vernichtet

Demonstrationen gegen Arbeitslosigkeit und gegen die fortgesetzte Verelendung in Bosnien sind am 7.2.2014 in blutige Gewalt umgeschlagen. In der Hauptstadt Sarajevo setzten aufgebrachte Demonstranten das Präsidentschaftsgebäude in Brand, in Tuzla wurde der Sitz der Regionalverwaltung gestürmt und im Gebäude Feuer gelegt. Die Demonstrationen sind die größten seit dem Bosnienkrieg (1992-1995).

Der internationale Bosnien-Beauftragte, Valentin Inzko, teilte im ORF mit, dass ein gesamtes Archiv in Sarajevo verbrannt sei. Das Archiv habe drei Kriege überstanden, „der Schaden ist immens“, zeigte sich Inzko erschüttert. Es handelt sich angeblich um das erste moderne staatliche Archiv Bosnien-Herzegowinas, das sich im Gebäude des beschädigten Staatspräsidiums in Sarajevo befindet. Einige der wichtigsten Archivunterlagen Bosnien-Herzegowinas seien durch die im Gebäude gelegten Brände vernichtet worden. Dies bestätigte laut dem „Standard“ der Direktor des Archivs, Saban Zahirović, gegenüber der Tageszeitung „Dnevni avaz“.

Fotoserie über die unermesslichen Zerstörungen im Archiv Bosnien-Herzegowinas / Nerprocjenjiva šteta u Arhivu Bosne i Hercegovine:

Nerprocjenjiva šteta u Arhivu Bosne i Hercegovine (Abb.: http://www.arhivbih.gov.ba/en/node/165)

Nerprocjenjiva šteta u Arhivu Bosne i Hercegovine (Abb.: http://www.arhivbih.gov.ba/en/node/165)

Das Ausmaß des Schadens müsse erst festgestellt werden, sagte er. Es handle sich um einige sehr wertvolle Unterlagen, unter anderem Mikrofilme, Kopien von Dokumenten aus Wiener Archiven, Unterlagen der Kriegsverbrecherkommission nach dem Zweiten Weltkrieg und anderes mehr. Ein Großteil der Unterlagen sei völlig verbrannt, einiges dürfte aber noch zu retten sein, so Zahirović (siehe auch den Bericht auf 6yka.com).

Das Archiv wurde im Jahr 1947 gegründet. Es enthält Material aus folgenden Bereichen: Öffentliche Verwaltung, Justiz, Bildungs-, Kultur- und Wissenschaftsinstitutionen, Sozialpolitik und Gesundheitswesen, Wirtschaft, Gesellschaftlich-politische Organisationen, Vereine und Verbände, Personen -und Familienfonds, Sammlungen, Bosnisch-herzegowinische Emigration, Ausländische Organisationen in BiH. Das Archiv verfügt u.a. über das Material vom „Nationaltheater Sarajevo“ („Narodno pozorište Sarajevo“, ab dem Jahr 1914) sowie über das Archivmaterial des Nationalmuseums („Zemaljski muzej Bosne i Hercegovine, 1888-). Zu den Sammlungen des Archivs zählen u.a. Kartensammlung, Plakatsammlung (1941-1996) und Stempelsammlung. Außerdem gibt es eine Archivbibliothek.

Der Internationale Archivrat ICA verurteilte am 10.2.2014 in folgender Stellungnahme die Zerstörung des Archivs Bosnien-Herzegowinas:

"ICA condemns the destruction of archives in Bosnia-Herzegovina
On 10 February ICA received confirmation, from the Director of Archives of the Federation of Bosnia and Herzegovina in Sarajevo, that a significant amount of historical archives have been burnt, as a direct result of the actions of protesters on 7 February.
The Archives contain documents from the period from 1878 to 1918, when the Austro-Hungarian Ministry of Finance administered Bosnia, but also earlier archives from the Ottoman period and later archives of the war crimes commission after world war two.
ICA will pass on any more information, which it receives about the extent of the damage, to the global archival community. Meanwhile it condemns unreservedly the destruction that has already taken place, because the memory loss will be permanent. It also trusts that appropriate counter-measures are being taken to prevent any further destruction from occurring. Finally, ICA wishes to express solidarity with colleagues in the Archives of the Federation who will face immense challenges in rebuilding their institution."

Kontakt:
Arhiv Bosne i Hercegovine (Das Archiv Bosnien-Herzegowinas)
Reisa Džemaludina Čauševića 6
71000 Sarajevo
Telefon/Fax: +387 (0) 33 206 492
info(at)arhivbih.gov(dot)ba (derzeit nicht per Mail erreichbar!)
http://www.arhivbih.gov.ba/

Link: http://www.arhivbih.gov.ba

Quelle: Salzburg24.at, 7.2.2014; Der Standard, 8.2.2014; Don Juan Archiv Wien.

Wechsel im Historischen Zentrum Remscheid steht bevor

Der Historiker Dr. Urs Diederichs, der das Historische Zentrum der Stadt Remscheid leitet, tritt Ende Oktober 2014 in den Ruhestand. Zum Historischen Zentrum gehören das Deutsche Werkzeugmuseum, das Museum Haus Cleff und das Stadtarchiv Remscheid. Das Museum Haus Cleff ist eines der wichtigsten Baudenkmäler Remscheids, das 1778/79 von wohlhabenden Werkzeugkaufleuten erbaut wurde und seit 1927 als Museum – zunächst als "Heimatmuseum" genutzt wird.

Die Leitung des Deutschen Werkzeugmuseums, des Haus Cleff und des städtischen Archivs soll Sven Wiertz (SPD) übernehmen. Wiertz ist seit zehn Jahren persönlicher Referent von Oberbürgermeisterin Beate Wilding. Sven Wiertz studierte Sozialwissenschaften und Mathematik auf Lehramt. Nach der Wahl von Beate Wilding zur neuen Oberbürgermeisterin wurde er 2004 zu ihrer persönlichen Referentin. Seit 2008 ist Wiertz Leiter des Zentraldienstes im Remscheider Rathaus. 2010 wurde er zum Vorsitzenden des SPD-Kreisverbandes gewählt. Zum 1.4.2014 beginnt Wiertz ein Studium der Kulturwissenschaften mit Schwerpunkt Geschichte.

Sven Wiertz werde als neuer Chef des Historischen Zentrums Remscheid nicht von allen gern gesehen, berichtet der Remscheider General-Anzeiger (rga) nicht ohne Kritik. Oberbürgermeisterin Wilding und der für die Museen zuständige Kulturdezernent Dr. Christian Henkelmann (CDU) würden die Neubesetzung als interne Angelegenheit der Verwaltung betrachten und die Position daher nicht öffentlich ausschreiben. Das sei nicht erforderlich, sagt Henkelmann laut rga. "Was seine intellektuellen Kapazitäten angeht, ist er eine sehr gute Wahl. Mit seinem schnellen Auffassungsvermögen wird er in Nullkommanix in allen Aufgaben drin sein."

Am 18.3.2014 solle sich Sven Wiertz zunächst im Kulturausschuss vorstellen. Auf Wildings und Henkelmanns Geheiß arbeite er bereits an einer Neukonzeption für das Historische Zentrum. Mit einer "Ent- oder Versorgung" des persönlichen Referenten nach Wildings Ausscheiden aus dem OB-Amt habe die Personalie nichts zu tun, versichert Henkelmann gegenüber dem rga.

Quelle: Axel Richter, Ist Sven Wiertz der richtige Nachfolger für Dr. Urs Diederichs?, Remscheider General-Anzeiger, 6.2.2014

Modernisierung der sächsischen Archive abgeschlossen

Im Freistaat Sachsen ist zum 1.2.2014 nach längerer Bearbeitungszeit die novellierte Fassung des Sächsischen Archivgesetzes in Kraft getreten. Die Novellierung steht im Zusammenhang mit dem Abschluss der Modernisierung der sächsischen Archive.

Am 4.2.2014 hat Sachsens Innenminister Markus Ulbig den Abschlussbericht zur Modernisierung des sächsischen Archivwesens vorgestellt. Dabei geht es um die „Umsetzung des Konzeptes zur Erhaltung des staatlichen Archivgutes und die Unterbringung der Archivverwaltung bis zum Jahr 2020“. „Mehr als 10 Jahre Arbeit zahlen sich aus: Die Modernisierung der sächsischen Archive ist nun abgeschlossen. Das sächsische Gedächtnis hat eine neue Heimat bekommen“, so Ulbig.

Das sächsische Kabinett hatte im Jahr 2002 ein umfangreiches Bau- und Unterbringungsprogramm für das Sächsische Staatsarchiv beschlossen. Seitdem hat der Freistaat das Hauptstaatsarchiv Dresden saniert und erweitert sowie im Schloss Hubertusburg in Wermsdorf ein Archivzentrum gebaut. Außerdem konnte mit der Stadt Freiberg ein langfristiger Mietvertrag über die Unterbringung der Abteilung Bergarchiv Freiberg im Schloss Freudenstein abgeschlossen werden. Das Programm wurde mit dem Umzug des Staatsarchivs Chemnitz in das sog. Peretzhaus im Jahr 2013 abgeschlossen.

Das Sächsische Staatsarchiv ist damit erstmals seit seiner Gründung im Jahr 1834 an allen Standorten fachgerecht untergebracht und besteht heute aus fünf Abteilungen in Chemnitz, Dresden, Freiberg und Leipzig. In Wermsdorf ist darüber hinaus ein Archivzentrum entstanden, das insbesondere eine Zentralwerkstatt, klimatisierte Magazine sowie modernste Technik zur Anfertigung von Schutz- und Sicherungsmedien beinhaltet.

Insgesamt verwahrt das Sächsische Staatsarchiv ca. 110 km Urkunden, Amtsbücher, Akten, Karten, Tonbänder, Filme sowie elektronisches Archivgut aus fast 1100 Jahren sächsischer, deutscher und europäischer Geschichte. Die älteste Pergamenturkunde datiert aus dem Jahr 948. Mit rund 15.000 Nutzern und rund 10.000 schriftlichen Anfragen pro Jahr gehört das Sächsische Staatsarchiv im bundesweiten Vergleich zu den drei meistgenutzten Landesarchiven in Deutschland.

Ein weiterer Erfolg in jüngster Zeit war das Projekt „Langzeitspeicherung und elektronische Archivierung“, das im Jahr 2009 unter Federführung des Staatsarchivs gemeinsam mit dem Sächsischen Staatsministerium der Justiz und für Europa und dem Staatsbetrieb Sächsische Informatikdienste begonnen wurde.

Das Sächsische Staatsarchiv nahm im Februar 2013 als eines der ersten Archive in Deutschland ein „elektronisches Staatsarchiv“ in Betrieb. Mit diesem „elektronischen Gedächtnis“ soll sichergestellt werden, dass die archivwürdigen Unterlagen aus Justiz und Verwaltung (z. B. elektronische Akten, Geodaten und Register) auch für die Zukunft erhalten und nutzbar gemacht werden können. Dabei wird nicht mehr nur die Speicherung der Daten sichergestellt, sondern auch, dass diese Speicherung jeder Zeit dem aktuellen Stand der Technik entspricht. Dazu wurden international gültige Standards entwickelt. Die Daten werden regelmäßig in die neuen technischen Systeme übertragen.

Link:
Archivgesetz für den Freistaat Sachsen (SächsArchivG), SächsGVBl. Jg. 1993 Bl.-Nr. 24, S. 449, Fsn-Nr.: 290-1, Fassung gültig ab: 01.02.2014

Kontakt:
Sächsisches Staatsarchiv
Zentrale Aufgaben, Grundsatz
Archivstr. 14
01097 Dresden
Telefon: +49 351/89219-710
Telefax: +49 351/89219-709
poststelle@sta.smi.sachsen.de

Quelle: Medienservice Sachsen, Pressemitteilung, 4.2.2014; Pressemitteilung, 3.2.2014.

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