Neue Gefahr für den Frieden in Europa (1815)

In loser Folge präsentieren die niedersächsischen Staatsarchive seit 2011 online ausgewählte Archivalien vom Hochmittelalter bis in die Gegenwart. Im März 2015 wird in der Serie „Aus den Magazinen des Landesarchivs“ ein Schreiben vom 29. März 1815 an den Bevollmächtigten des Königs von Großbritannien und Hannover zum Beitritt zu Allianz gegen Napoléon dokumentiert.

Neue Gefahr für den Frieden in Europa (1815) (NLA - Hannover - Dep. 110 A Nr. 53)

(NLA – Hannover – Dep. 110 A Nr. 53: Seite 1 des Schreibens; Seite 2 des Schreibens vom 29. März 1815)

Die militärische Katastrophe in Russland 1812, die verlorene Schlacht bei Leipzig im Oktober 1813, die anschließende Auflösung des Rheinbundes, innenpolitischer Druck und schließlich die Einnahme von Paris durch alliierte Truppen hatten im April 1814 zur Abdankung Napoléons und seinem Rückzug nach Elba geführt. Aber nur elf Monate später sollte er für eine „Herrschaft der Hundert Tage“ auf das Festland zurückkehren, bevor er nach der Schlacht bei Waterloo am 18. Juni 1815 endgültig von der politischen Bühne Europas abtreten musste.

Voraussetzungen für seine Rückkehr waren einerseits innenpolitische Differenzen in Frankreich, andererseits Unstimmigkeiten zwischen den europäischen Staaten. In Paris hatte im Juni 1814 der Bourbone Louis XVIII. auf neuer verfassungsrechtlicher Grundlage den französischen Thron bestiegen. Da zwar die von ihm erlassene Verfassung (Chartre constitutionelle) ein konstitutionelles System installierte, dem Zweikammernparlament aber nur wenige, dem Monarchen jedoch sehr umfassende politische Befugnisse zugestand, wuchsen Unzufriedenheit und Kritik. Zugleich stritten in Wien seit September 1814 die Vertreter der europäischen Staaten über die politische Neuordnung und die Zukunft des Kontinents.

In dieser Situation landete Napoléon am 1. März 1815 mit einer Truppe von 1000 Mann im südfranzösischen Antibes. Auf seinem schnellen Marsch nach Paris schlossen sich ihm königliche Einheiten und nicht zuletzt Marschall Ney, der zwar unter Napoléon Karriere gemacht, sich dann aber auf die Seite des Bourbonen geschlagen hatte, an. In Wien verkündeten angesichts dieser Entwicklung die Alliierten die Ächtung Napoléons und schlossen ein weiteres Bündnis gegen die neue Gefahr für den Frieden in Europa. Mit einem Schreiben vom 29. März 1815 wandten sich die Kongressvertreter Großbritanniens (Clancarty), Preußens (Humbold), Österreichs (Metternich und Wessenberg) und Russlands (Nesselrode) an den Bevollmächtigten des Königs von Großbritannien und Hannover, Graf Ernst Friedrich Herbert zu Münster (1766-1839), mit der Bitte um Beitritt zur dieser neuen Allianz gegen Napoléon.

Quelle: Niedersächsisches Landesarchiv, Aus den Magazinen des Landesarchivs, März 2015.

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