Archivhilfe in Windhoek

Seit 1984 leitet Anke Rannegger das Stadtarchiv Wedel bei Hamburg. Jetzt aber unterstützt die deutsche Archivarin die Deutsch-Evangelisch-Lutherische Kirche in Windhoek bei der Archivarbeit. Sie verbringt einen Monat als freiwillige Helferin im Stadtarchiv in der Fidel-Castro-Straße in der Hauptstadt Namibias. Ihre Zeit in Namibia will Rannegger voll und ganz ausschöpfen und für das Archiv ein neues Ordnungssystem erarbeiten, bessere Archivierungsmethoden vermitteln und Weichen für eine deutsch-namibische Zusammenarbeit stellen.

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Abb.: Archivarin Anke Rannegger aus Wedel hilft derzeit einen Monat im Stadtarchiv Windhoek in Namibia (Foto: pirvat)

Laut Bischof Burgert Brand ist dies auch dringend notwendig. Das Archiv erhalte ungeahnte Schätze, die interessierten Lesern und Forschern nicht weiter vorenthalten werden sollen. So seien einmalige Dokumente zur namibischen Kulturgeschichte, Sozialgeschichte, Kirchen- und Familiengeschichte vorhanden, die aber derzeit nicht gefunden werden könnten. „Dabei ist das Interesse an der Geschichte Namibias groß und zum Beispiel im Zusammenhang mit der Diskussion um den Kolonialkrieg auch notwendig“, so Brand. Für verantwortliche Geschichtsschreibung seien zuverlässige Quellen unerlässlich und diese wolle die Kirche auch bereitstellen. Da es der Kirche finanziell nicht möglich sei, eine qualifizierte Archivkraft dauerhaft zu finanzieren, sei die Zusammenarbeit mit freiwilligen Helfern sehr wichtig.

QuelleAllgemeine Zeitung in Namibia, 27.4.2016

Die Sammlung Eberth im Stadtarchiv Kassel

In den Sonderausstellungsräumen des Stadtmuseums Kassel zeigt das Stadtarchiv Kassel vom 17. April 2016 – 18. September 2016 eine Auswahl aus dem ca. 80.000 Motive umfassenden fotografischen Nachlass der Fotoagentur Eberth, den das Stadtarchiv 2006 erwarb.

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Abb.: Aus der Sammlung Eberth, Stadtarchiv Kassel

Die Fotoagentur begleitete vom ausgehenden Kaiserreich bis in die ersten Jahre des wiedervereinigten Deutschland kontinuierlich die Regional- und Zeitgeschichte. Als der junge Carl Eberth 1906 sein Geschäft in Kassel eröffnete, spezialisierte er sich schnell auf ein zu dieser Zeit noch neues Tätigkeitsfeld: er widmete sich bevorzugt der Bildreportage, die für die Presse zunehmend an Bedeutung gewann. Neben die fotografische Arbeit für den bürgerlichen Alltag traten Industrie– und Werbeaufnahmen, Reportagen sowie Bildberichterstattung für Zeitungen und Nachrichtenagenturen.

Nach der systematischen Erschließung aller Fotografien kann nunmehr eine Auswahl des beeindruckenden Schaffens von Foto Eberth im Stadtmuseum präsentiert werden!

Alle bisher erschlossenen Eberth-Fotografien können recherchiert und in hochaufgelöster Qualität kostenpflichtig heruntergeladen werden: www.stadtarchiv-kassel.de.

Buch zur Ausstellung
Eine reich illustrierte Begleitpublikation bietet einen Querschnitt des fotografischen Werkes der „Presse-Illustrationszentrale Carl Eberth“, wie sich die Bildagentur in einem Werbetext nannte. Über die Ausstellung hinausgehend werden die unterschiedlichen Arbeitsfelder ausführlich präsentiert, auch solche, die in früheren Buchveröffentlichungen mit Eberth-Fotos meist unbeachtet blieben. Das Buch dokumentiert aber nicht nur den Nachlass von „Foto-Eberth“. Mit eindrucksvollen Bild-Impressionen bietet es zudem einen lebendigen Zugang zur Stadt- und Regionalgeschichte im 20.Jahrhundert.

Info:
ZeitBilder
Acht Jahrzehnte Foto Eberth Cassel
Die Sammlung Eberth im Stadtarchiv Kassel
Herausgeber: Verein Freunde des Stadtmuseums Kassel
und Magistrat der Stadt Kassel, Kulturamt
Kassel 2016, 240 Seiten, 300 Fotografien, € 25,-
ISBN Nr. 978-3-9817153-1-6

Kontakt:
Dr. Stephan Schwenke
Stadt Kassel
Kulturamt
– Stadtarchiv –
34112 Kassel
Tel.: 0561 / 787-4015
Fax: 0561 / 787-4060
stadtarchiv@kassel.de

Bedeutende Münzsammlung Bissinger im Stadtarchiv Pforzheim neu erschlossen

Aus der Serie „Geschichtsort Archiv“

Die Numismatik oder Münzkunde zählt zu den sogenannten „historischen Hilfswissenschaften“ und befasst sich hauptsächlich mit dem Geld und seiner Geschichte. Neben Münzen und Papiergeld werden auch verwandte Objekte wie Medaillen, Jetons oder Marken von Numismatikern untersucht. Zahlreiche kommunale und staatliche Archive besitzen entsprechende Sammlungen – auch das Stadtarchiv Pforzheim.

„Münzen besitzen einen hohen Wert für die lokale Wirtschafts- und Kulturgeschichte, vor allem wenn aus einzelnen Epochen wenige schriftliche Quellen überliefert sind“, erklärt Harald Katz, zuständig für die stadtgeschichtlichen Sammlungen. Pforzheim mit seiner römischen Vergangenheit hatte Teil an der Geldwirtschaft des Imperiums. Zwischen 1382 und 1431 war die Stadt Münzprägestätte der Markgrafen von Baden. Eine Vielzahl von Erinnerungsmedaillen, beispielsweise zur Einweihung von öffentlichen oder kirchlichen Bauwerken, geben zudem bleibende Eindrücke von Ereignissen der Stadtgeschichte wieder.

Abb. 1

Abb.: Römische Münze von 78 n. Chr. aus der Münzsammlung Bissinger (StadtA PF Katalog-Nr. 313)

„Eine herausragende Bedeutung unter den im Stadtarchiv Pforzheim verwahrten Münzen und Medaillen nimmt die Münzsammlung Bissinger ein“, sagt Katz. Der Geheime Hofrat Karl Bissinger, geboren 1845 in Karlsruhe, starb 1910 in Pforzheim. In seinem Testament vermachte er der Stadt seine schon zur damaligen Zeit exklusive und äußerst wertvolle Sammlung mit 14.000 Münzen. Vertreten sind darin die Antike mit vor allem griechischen und römischen Münzen, das Mittelalter und die Neuzeit mit deutschen Prägungen vor allem aus Baden. Die Sammlung enthält aber auch zahlreiche Münzen aus Europa und Übersee.

Abb. 2

Abb.: Chinesische Münze, 1017–1022, aus der Münzsammlung Bissinger (StadtA PF Katalog-Nr. 1910)

Nach dem Studium begann Karl Bissinger seine Laufbahn am Karlsruher Gymnasium. Über Donaueschingen führte ihn sein Weg nach Pforzheim, wo er 1895 das Direktorat am Reuchlin-Gymnasium übernahm. Die Archivkommission der Stadt erfreute sich 15 Jahre lang seiner tatkräftigen Mitarbeit. Zahlreiche Veröffentlichungen von ihm und über ihn zeugen von seiner ausgewiesenen Kennerschaft und fachlichen Kompetenz vor allem in der Münzkunde. Die Wertschätzung der Stadt zeigte die teilweise Umwidmung der Simmlerstraße: Bereits seit 1913 ist die Bissingerstraße in der Innenstadt zwischen Goethe- und Roßbrücke erwähnt.

Abb. 3

Abb.: Badische Münze, 1867, aus der Münzsammlung Bissinger. (StadtA PF Katalog-Nr. 753)

Aufgrund der großzügigen Stiftung wurde der Raum 11 im Reuchlinmuseum am Schloßberg das „Bissingerzimmer“ genannt. Um 1936 führt Alfons Kern in seinem Büchlein „Das Pforzheimer Reuchlin Museum“ aus, dass die „wertvolle Sammlung ältester Münzen bis zur Neuzeit den Raum völlig beherrscht“. Der Wert der „wohlgeordneten“ Sammlung wurde in einer damaligen Fachzeitschrift mit 20.000 Mark angegeben, was heutzutage rund 100.000 Euro entspräche.

Abb. 4

Abb.: Schulpädagoge, Heimatforscher und Münzsammler: Die wertvolle Sammlung des Geheimen Hofrats Karl Bissinger, dem Pforzheim zur zweiten Heimat wurde, soll in Kürze vollständig erfasst und katalogisiert sein (StadtA PF S1-29-Bissinger-Karl)

Während des 2. Weltkriegs entschloss man sich, die Münzsammlung zusammen mit anderen Unterlagen im Keller des Hilda-Gymnasiums zu deponieren. Der verheerende Luftangriff des 23. Februar 1945 beschädigte den Münzschatz jedoch ganz erheblich: Teilweise waren die Münzen geschmolzen, viele schwer in Mitleidenschaft gezogen. „Dennoch konnten überraschenderweise nach und nach rund 13.500 Münzen in mühseligster Arbeit geborgen werden“, wie Harald Katz erklärt.

Da auch sämtliche Unterlagen verlorengegangen waren, wurden die losen Münzen nach einer ersten fachlichen Säuberung dem Leiter des Münzkabinetts des Badischen Landesmuseums in Karlsruhe, Prof. Dr. Friedrich Wielandt, für eine Neubestimmung übergeben. Ein fertiggestellter Teilbestand von etwa 2.000 Stücken wurde 1984 dem Heimatmuseum in Brötzingen übergeben und dort ausgestellt. Im Jahr 2005 erfolgte dann anhand der vorhandenen Beschriftung eine Katalogisierung durch den Numismatiker Dr. Holger Komnick von der Universität in Frankfurt am Main; seit 2009 werden die Münzen im Stadtarchiv verwahrt. Als der noch in Karlsruhe verbliebene Teil zwei Jahre später nach Pforzheim zurückkehrte, war die Sammlung wieder vereinigt.

„Die endgültige Wiederherstellung der leider inzwischen unvollständigen Münzsammlung liegt uns sehr am Herzen“, erläutert Sammlungs-Archivar Katz. Sie diene nicht nur der geschichtlichen und numismatischen Forschung, sondern auch der Dokumentation und Würdigung des Lebens und Wirkens von Karl Bissinger. Deshalb wurde Komnick 2013 beauftragt, den zweiten Teil der Münzsammlung, der noch rund 2.800 Münzen umfasst, neu zu bestimmen und zu systematisieren, so dass in Kürze im Stadtarchiv auf den gesamten Bestand zugegriffen werden kann.

Wer mehr über die Münzsammlung und den „Geheimen Hofrat Karl Bissinger“ erfahren möchte, hat am 25. April 2016 um 19 Uhr in der Kronprinzenstr. 24a dazu Gelegenheit: In der Reihe „Montagabend im Archiv“ wird sie Holger Komnick auf Einladung von Stadtarchiv und Löblicher Singergesellschaft vorstellen; der Eintritt ist frei.

Kontakt:
Stadtarchiv Pforzheim –
Institut für Stadtgeschichte
Kronprinzenstr. 28
75177 Pforzheim
07231/39-2899
archiv@stadt-pforzheim.de

Quelle: Enzkreis, Pressemitteilung, 5.4.2016

Staatsarchiv Nürnberg zeigt „Goldene Bulle“ Kaiser Karls IV.

Im Staatsarchiv Nürnberg ist vom 4. bis zum 10. April eine Sonderausstellung mit einem ganz besonderen Ausstellungsstück geöffnet: dem Nürnberger Exemplar der „Goldenen Bulle“ von Kaiser Karl IV. (1316-1378).

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Abb.: Ein Exemplar der Goldenen Bulle von 1356 zeigt die Kabinetts-Ausstellung im Staatsarchiv Nürnberg (Foto: STA Nürnberg)

Bayerns Wissenschaftsminister Dr. Ludwig Spaenle eröffnete zusammen mit Prof. Dr. Peter Fleischmann, dem Direktor des Staatsarchivs Nürnberg, im Staatsarchiv Nürnberg die „Kabinetts-Ausstellung“ zu herausragenden Quellen der Herrschaft Kaiser Karl IV. „Für mich ist Karl IV. eine Leitfigur einer historisch gewachsenen Verbindung zwischen Bayern und Tschechien, ein Brückenbauer. Nürnberg stellte einen tragenden Pfeiler für den Brückenbau dar“, so Minister Spaenle bei der Ausstellung.

Der böhmische Thronfolger Karl hatte in einer Auseinandersetzung mit Kaiser Ludwig dem Bayern die deutsche Königskrone zunächst als Gegenkönig im Jahr 1346, schließlich 1349 unangefochten erlangt. Er war 1355 in Rom zum Kaiser des Hl. Römischen Reichs gekrönt worden. Bekannt ist Karl IV., der 1365 auch die Krone von Burgund erwarb, aufgrund der Goldene Bulle von 1356, die gern als ein „Grundgesetz“ des Reichs beschrieben wird. In dieser wurde die Wahl des deutschen Königs durch die Kurfürsten geregelt und die Notwendigkeit des Papstes für die Erlangung der Kaiserwürde negiert.

Eine Ausfertigung dieser Urkunde gehört ebenso zu den Exponaten der „Kabinetts-Ausstellung“ wie verschiedene andere Urkunden, mit denen Kaiser Karl IV. auch Privilegien für die Stadt Nürnberg bestätigt hat und die mit Goldsiegel versehen wurden.

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Im Jahr 2013 erklärte die UNESCO die weltweit sieben Exemplare der „Goldenen Bulle“ Kaiser Karls IV. zum Weltdokumentenerbe. Karl IV. wurde 1355 zum römisch-deutschen Kaiser gekrönt. Er gilt als einer der beeindruckendsten Herrscher des ausgehenden Mittelalters.

Minister Spaenle bezeichnete das Staatsarchiv Nürnberg als „Schatzhaus fränkischer und deutscher Geschichte“. Er erinnerte, dass 1880 das Staatsarchiv Nürnberg als erster reiner Archiv-Zweckbau errichtet worden war. Hier lagert nicht nur historisches Kulturgut aus dem Mittelalter und der Frühen Neuzeit, sondern hier werden auch der Nürnberger Kriegsverbrecherprozess und die Nachfolgeprozesse dokumentiert. Derzeit werde das Genehmigungsverfahren zur Generalsanierung des Staatsarchivs in Nürnberg auf den Weg gebracht.

Kontakt:
Staatsarchiv Nürnberg
Archivstr. 17
90408 Nürnberg
Tel. 0911/935190
Fax 0911/9351999
poststelle@stanu.bayern.de

Quelle: Bayerisches Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst, Pressemitteilung 095, 3.4.2016; Bayerischer Rundfunk / BR24 Mittelfranken, 5.4.2016

Archiv und Wirtschaft 1/2016

In Kürze erscheint die neueste Ausgabe (1/2016) von „Archiv und Wirtschaft„.

Inhaltsverzeichnis „Archiv und Wirtschaft“ 1/2016

52. VdW-Jahrestagung vom 24. bis 26. April 2016 in Zürich (Programm) (4)

AUFSÄTZE

Christina Loose: Die Balanced Scorecard als zukunftssicherndes Archivmanagement-Instrument (6-13)

Elke Pfnür: RENAFO – das Historische Archiv der HypoVereinsbank übernimmt eine Kernaufgabe (14-18)

Helen Müller: „Unternehmen Oper“ – Das Archivio Storico Ricordi in Mailand (19-24)

BERICHTE

Susanne Witschaß-Beyer und Thorsten Wehber: Das Verbandsarchiv – ein unbekanntes Wesen? Erster Erfahrungsaustausch der Verbandsarchivare am 12. November 2015 in Berlin (25-27)

Natalie Lorenz und Kathrin Wurzer: Einführung in das Wirtschaftsarchivwesen. 82. VdW-Lehrgang vom 11. bis 16. Oktober 2015 in Heidelberg (27-29)

REZENSIONEN

Jan-Otmar Hesse u.a. (Hrsg.): Perspectives on European Economic and Social History – Perspektiven der Europäischen Wirtschafts- und Sozialgeschichte (Svenja Kunze) (29-31)

Martin Kukowski und Rudolf Boch: Kriegswirtschaft und Arbeitseinsatz bei der Auto Union AG Chemnitz im Zweiten Weltkrieg (Benjamin Obermüller) (31-32)

Takahito Mori: Elektrifizierung als Urbanisierungsprozess. Frankfurt am Main 1886–1933 (Manfred Grieger) (32-34)

Nachrichten (35-37)

Rezensionsliste (38-39)

Impressum (44)

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