Licht und Schatten. Ernst Mach – Ludwig Mach

Sonderausstellung im Deutschen Museum eröffnet

Mehr als 100 Personen kamen zur Eröffnung der Sonderausstellung „Licht und Schatten. Ernst Mach | Ludwig Mach“, die vom 9. Dezember 2016 bis zum 19. März 2017 im Vorraum der Bibliothek des Deutschen Museums in München (gegenüber vom Haupteingang des Museums) zu sehen ist. Die Festrede hielt Professor Jürgen Renn, MPI für Wissenschaftsgeschichte, zu „Ernst Mach und die Relativitätstheorie“. Der ganz kurzfristig verhinderte Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaft Professor Anton Zeilinger schickte ein Videobotschaft, und als Überraschung des Abends überreichten die Brüder Dr. Hans-Jürgen und Peter Ohlendorf, die viele Jahre im Haus der Machs in Vaterstetten bei München gelebt hatten, eine lange verschollen geglaubte Postkarte von Albert Einstein an Ernst Mach.

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Abb.: Ernst Mach an seinem Arbeitsplatz (Foto: Deutsches Museum)

Das Archiv des Deutschen Museums verwahrt den größten Bestand zu dem Physiker und Philosoph Ernst Mach (1838-1916). Ende 2015 konnte er um den sog. Konstanzer Bestand sogar noch ergänzt werden. Insofern lag es nahe, Mach anlässlich des 100. Todestags zu würdigen.

Mach, gerne auch als „Vordenker Albert Einsteins“ bezeichnet, hat in seiner wissenschaftlichen Laufbahn hat eine bemerkenswerte Vielseitigkeit an den Tag gelegt. Insgesamt publizierte er mehr als 160, teilweise umfangreiche Arbeiten, die fremdsprachigen Ausgaben seiner wichtigsten Bücher nicht eingerechnet. Er war nicht nur ein vielgerühmter Hochschullehrer und Experimentator, sondern auch ein bahnbrechender Forscher auf unterschiedlichen physikalischen Gebieten. Zeitlebens beschäftigten ihn Physiologie und Psychologie sowie wissenschaftstheoretische und -historische Fragen. Seine Schriften entfalteten eine bis heute anhaltende Wirkung. Die „Mach-Zahl“ für das Verhältnis der Bewegungsgeschwindigkeit von Objekten zur Schallgeschwindigkeit – sie wurde Ernst Mach zu Ehren so benannt – ist uns allen geläufig.

Dagegen ist sein Sohn Ludwig Mach heute nahezu unbekannt. Schon als Medizinstudent arbeitete er im Physikalischen Institut des Vaters in Prag, war an dessen ballistischen Versuchen beteiligt und entwickelte dort – zeitgleich mit Ludwig Zehnder (1854–1949) – ein Interferometer, das in der Literatur häufig fälschlicherweise dem Vater zugeschrieben wird. Er erfand ein Verfahren zur Herstellung von »Magnalium«, einer Legierung aus Aluminium und Magnesium, das 1898 patentiert wurde. Obwohl er damit ein großes Vermögen erwarb, verlor er es aus ungeklärten Gründen binnen weniger Jahre wieder. Ab 1913 lebte er gemeinsam mit Ernst Mach in einem eigens zu Forschungszwecken erbauten Haus in Vaterstetten bei München. Nach dem Tod seines Vaters 1916 betätigte sich Ludwig Mach als selbstständiger Erfinder, ohne letztlich finanziell erfolgreich zu sein.

Die Ausstellung spürt dem komplizierten und vielschichtigen Verhältnis von Vater und Sohn nach. Beide waren durch gemeinsame wissenschaftliche Arbeiten in verschiedenen Lebensphasen mit unterschiedlicher Intensität über fast 30 Jahre verbunden. Für die Ausstellung und deren Konzeption lieferte das von Ludwig Mach gebaute Instrument, das Interferometer, das sich in den Objektsammlungen des Deutschen Museums befindet, ein symbolhaftes Motiv – „Licht und Schatten“. Mit dem Interferometer ist das Thema der Interferenz verbunden, also der konstruktiven und destruktiven Überlagerung von Wellen. Im übertragenen Sinn von „Licht und Schatten“ lassen sich für Ernst und Ludwig Mach damit auch die positiven und negativen Seiten ihrer komplizierten Beziehung beschreiben. Insofern ist die Sonderausstellung auch ein Beitrag zu dem in den letzten Jahren immer wieder diskutierten Thema – die Erforschung von „creative collaboration“ und „creative couples“.

Der Eintritt ist frei. Kostenlose Führung jeden 2. und 4. Mittwoch im Monat, jeweils 16.00–17.00 Uhr.

Info:
Zur Ausstellung ist ein Begleitkatalog mit Aufsätzen und zahlreichen Abbildungen erschienen: Wilhelm Füßl / Johannes-Geert Hagmann (Hrsg.): Licht und Schatten. Ernst Mach | Ludwig Mach. München: Deutsches Museum, 2017 (136 Seiten), € 19.-.

Kontakt:
Deutsches Museum
Archiv
80306 München
Tel.: (089)  2179 220
Fax: (089)  2179 465
archiv@deutsches-museum.de
www.deutsches-museum.de

Archiv und Wirtschaft 4/2016

In Kürze erscheint die neueste Ausgabe 4/2016 von „Archiv und Wirtschaft„. Die seit 1967 vierteljährlich erscheinende Zeitschrift bietet Raum für Fachbeiträge. Sie diskutiert wichtige Neuerscheinungen auf dem Gebiet der Wirtschafts- und Unternehmensgeschichte, des Archivwesens sowie verwandter Gebiete und enthält aktuelle Informationen über Tagungen und Ausstellungen.

Inhaltsverzeichnis „Archiv und Wirtschaft“ 4/2016

AUFSÄTZE

Daniel Nerlich: Mit Fotosammlung und Firmenarchiv Landis & Gyr schweizerische Industriegeschichte „ins Bild setzen“ (156-165)

Heike Bazak: Wir, die PTT. Zeitzeuginnen und Zeitzeugen erzählen – ein Oral History-Projekt im schweizerischen PTT-Archiv (166-173)

Peter Toebak: Baukastensystem und Werkzeugkiste für das Records Management. Standardisierung von Ordnungssystem und Dossierplan (174-184)

WIRTSCHAFTSARCHIV DES JAHRES

Sebastian Kurbach: Das Archiv von Hannover 96 (185-189)

REZENSIONEN

Holger Berwinkel, Robert Kretzschmar und Karsten Uhde (Hrsg.): Moderne Aktenkunde (Gregor Patt) (190-192)

Christian Böse und Michael Farrenkopf: Zeche am Strom. Die Geschichte des Bergwerks Walsum; Gunnar Gawehn: Kohle – Erz – Chemie. Die Geschichte des Bergwerks Auguste Victoria (Klaus Wisotzky) (192-194)

Ellen Euler u. a. (Hrsg.): Handbuch Kulturportale. Online-Angebote aus Kultur und Wissenschaft (Alexandra Bloch Pfister) (194-196)

Institut für bankhistorische Forschung (Hrsg.): Sozialreformer, Modernisierer, Bankmanager. Biografische Skizzen aus der Geschichte des Kreditgenossenschaftswesens (Martin Krauß) (196-197)

Stefan Pätzold und Marcus Stumpf (Hrsg.): Mittelalterliche und frühneuzeitliche Rechnungen als Quellen der landesgeschichtlichen Forschung (Sebastian Beck) (197-199)

Ute Pothmann: Wirtschaftsprüfung im Nationalsozialismus. Die Deutsche Revisions- und Treuhand AG (Treuarbeit) 1933 bis 1945 (Gert Kollmer-von Oheimb-Loup) (199-200)

Nachrichten (201)

Rezensionsliste (202-203)

Impressum (208)

Kontakt:
Dr. Martin Münzel
Redaktion „Archiv und Wirtschaft“
c/o Bertelsmann SE & Co. KGaA
Corporate History
Carl-Bertelsmann-Straße 270
33311 Gütersloh
Telefon: 030-2093-70571
Martin_Muenzel@Yahoo.com
http://www.wirtschaftsarchive.de/veroeffentlichungen/zeitschrift

Abb.: Titelbild: Werbeaufnahme für Landis & Gyr-Temperaturregler, 1935 (Archiv für Zeitgeschichte, IB LG-Audiovisuals / GR.02452)

Erste lippische Kirchenbücher online

Familienforschung online: mit dem Kirchenbuchportal „Archion“

Seit Ende November 2016 können Familienforschende ihre lippischen Vorfahren auch online finden. Digitalisate von Kirchenbüchern aus sieben lippischen Kirchengemeinden sind im Kirchenbuchportal „Archion“ im Internet abrufbar. Anfang 2017 sollen Digitalisate aus weiteren 35 Gemeinden dazukommen.

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Abb.: Lippische Familienforschung online: mit dem Kirchenbuchportal „Archion“ (Foto: Lippische Landeskirche)

Das Kirchenbuchportal, das im März 2015 offiziell freigeschaltet worden ist, wurde von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und elf evangelischen Landeskirchen entwickelt. Zur Umsetzung des Großprojekts schlossen sie sich zu einer Kirchenbuchportal GmbH zusammen. Mittlerweile sind drei weitere Landeskirchen – darunter auch die Lippische Landeskirche – zum Gesellschafterkreis hinzugekommen. Die Kosten für die Digitalisierung der historischen Kirchenbücher trägt jede Landeskirche eigenständig. Der Portalbetrieb soll sich durch die kostenpflichtige Nutzung refinanzieren und nicht dauerhaft von Fördergeldern abhängig sein.

Die Kirchenbücher der Lippischen Landeskirche stellen nur einen kleinen Teil der insgesamt schon über 16 Millionen zugänglichen Kirchenbuchseiten im Portal dar. Das Angebot wird stetig erweitert – täglich kommen digitale Kirchenbücher aus ganz Deutschland sowie den ehemals deutschen Ostgebieten hinzu.

Damit ist Familienforschung von Zuhause aus möglich. Kristina Ruppel, Archivarin der Lippischen Landeskirche, erklärt, wie es geht: „Um mit der Forschung beginnen zu können, sollte man die Daten bis zu seinen Großeltern oder Urgroßeltern am besten bereits parat haben, um daran anknüpfend weitere Generationen zu finden.“ Jüngere Kirchenbuchdaten würden nicht im Portal bereitgestellt, da sie dem Datenschutz unterliegen und erst nach bestimmten Fristen einsehbar seien: „Taufen beispielsweise – je nach Archivgesetz – sind erst nach 90 bis 110 Jahren für alle zugänglich.“

Auch im Kirchenbuchportal sei die Recherche nicht ohne Aufwand, erläutert Kristina Ruppel weiter: „Denn man muss im digitalen Kirchenbuch selber blättern und die alten Handschriften entziffern können, da die Buchseiten als Foto oder Scan eingestellt sind.“ Wer seinen Vorfahren nachspüren wolle oder ortsgeschichtliche Forschung betreibe, brauche folgende Informationen: Konfession des Vorfahren, Namen des Vorfahren, den Ort des Ereignisses (Taufe, Konfirmation, Trauung, Beerdigung), sowie einen ungefähren Zeitraum, in dem man seine Suche beginnen möchte. „Ist man erst einmal fündig geworden, wird die Weitersuche einfacher. Denn bei den Eintragungen gibt es in der Regel Hinweise, mit denen man das nächste Puzzleteil zu seinem Stammbaum bekommt“. Die Archivarin macht aber auch deutlich: „Diejenigen, die gerne vor Ort in den Archiven forschen möchten, können dies auch weiterhin tun. Die Digitalisate stehen selbstverständlich auch im Lesesaal des Landeskirchlichen Archivs zur Verfügung.“

Weitere Infos u.a. zur Benutzung und Gebühren unter www.archion.de oder im Archiv der Lippischen Landeskirche.

Kontakt:
Archiv der Lippischen Landeskirche
Leopoldstraße 27
32756 Detmold
Tel.: 05231/976-803
Fax: 05231/976-850
archiv@lippische-landeskirche.de

Quelle: Lippische Landeskirche, Pressemitteilung, 15.12.2016

Geschichte(n) im Stadtmuseum Fürth 2017

Neues Programm

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Das Stadtmuseum Fürth lädt auch 2017 mit seiner erfolgreichen Reihe „Geschichte(n) im Stadtmuseum“ zu einem spannenden Streifzug durch die Geschichte. Interessante Vorträge über Ereignisse in Fürth, der Region sowie allgemein historisch bedeutende Begebenheiten und Schicksale werden darin zusammengeführt und heben eine Facette der jeweiligen Zeit hervor. Expertinnen und Experten geben dabei wissenschaftliche und nachdenkliche Einblicke in die Historie der Kleeblattstadt und beleuchten die Hintergründe.

Der Eintritt beträgt 5 Euro, ermäßigt 4 Euro, und berechtigt auch zum Besuch der Dauerausstellung und der aktuellen Sonderausstellung.

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Kontakt:
Stadtmuseum Fürth
Ottostraße 2
90762 Fürth
Tel.: (0911) 97 92 22 90
Fax: (0911) 97 92 22 99
info.stadtmuseum@fuerth.de
http://www.stadtmuseum-fuerth.de/

„Die Gymnastik, der Freiheit dankbare Tochter“: Kloster Maulbronn, das antike Griechenland und die Frühzeit des Turnens

Aus der Serie „Geschichtsort Archiv“

Für seine Bibliothek hat das Institut für Sportgeschichte Baden-Württemberg (IfSG) in Maulbronn unlängst einen besonderen Band erworben, der gleich mehrere Aspekte in sich vereint. Das Werk trägt den Titel „Ueber Gymnastik. Ein Gespräch Lucians“. Lukian von Samosata war im 2. Jahrhundert n. Chr. ein äußerst produktiver griechischer Schriftsteller, dessen Werke zum Bestandteil der europäischen Kultur wurden.

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Abb.: Titelblatt von August Paulys Lukian-Übersetzung „Ueber Gymnastik“ aus dem Jahr 1823 mit Bibliotheksstempeln (IfSG).

Bei dem Übersetzer handelt es sich um keinen Geringeren als August Pauly (1796-1845), der durch sein Hauptwerk „Real-Encyclopädie der classischen Alterthumswissenschaft in alphabetischer Ordnung“ nachhaltige Berühmtheit unter den Altphilologen erlangte. Pauly war der Sohn eines Maulbronner Klosterprofessors und selbst dort von 1811 bis 1813 Seminarist. Seine Mutter verstarb, wie auch die Schriftstellerin Caroline Schelling, im September 1809 im Kloster Maulbronn an der Ruhr. Südlich der Klosterkirche erinnert an Caroline Schelling bis heute ein Grabobelisk mit einer bewegenden Inschrift ihres Mannes, des Philosophen Friedrich Wilhelm Joseph Schelling (1775-1854).

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Abb.: Die Maulbronner Klosterkirche von Südwesten mit dem Turnplatz der Seminaristen; Lithographie nach einem Gemälde von G. Kübler, um 1840 (Stadtarchiv Maulbronn).

Die Gymnastik-Schrift war August Paulys erste Übersetzung, mit der er an die Öffentlichkeit trat. „Gewiss war es eine Reaktion auf die 1820 in Kraft getretene ‚Turnsperre‘, mit der die damals noch junge Turnbewegung untersagt wurde“, meint Markus Friedrich, Historiker und Archivar des IfSG. Hintergrund war die Ermordung des vermeintlichen russischen Spions und Staatsrats August von Kotzebue (1761-1819) im März 1819 durch den Burschenschafter und Turner Karl Ludwig Sand (1795-1820). Sand war – wie Pauly – ein Tübinger Stiftler. Das Stift war seit der Reformationszeit eine theologische Geistesschmiede, die zahlreiche württembergische Gelehrte und Dichter durchlaufen haben.

Dass durch die im selben Jahr erlassenen Karlsbader Beschlüsse die Turnplätze geschlossen und die Burschenschaften verboten wurden, war nicht nur eine Antwort auf das Attentat Sands, sondern auch auf das Wartburgfest von 1817 mit seinen Forderungen nach einem deutschen Nationalstaat. Die mit der reaktionären Politik Preußens einhergehende Demagogenverfolgung traf auch „Turnvater“ Friedrich Ludwig Jahn (1778-1852), der erst nach jahrelanger Haft entlassen wurde, nachdem er versichert hatte, sich in keiner Universitätsstadt mehr niederzulassen.

Die evangelischen Theologen Württembergs hatten nicht nur einen engen Bezug zu den alten Sprachen, sondern auch zu turnerischen Aktivitäten. So besuchte beispielsweise Friedrich Wilhelm Klumpp (1790-1868), ebenfalls Maulbronner Seminarist, bereits im Jahr 1816 Friedrich Ludwig Jahn auf dem Turnplatz Hasenheide in Berlin. Klumpp leistete auf dem Gebiet des württembergischen Schulturnens Pionierarbeit und ging als „Schwäbischer Turnvater“ in die Landesgeschichte ein.

Als Friedrich Theodor Vischer (1807-1887), der sich später einen Namen als Philosoph, Schriftsteller und Kenner Griechenlands machte, am Maulbronner Seminar unterrichtete, führte er mit seinen Zöglingen Turnübungen durch. Zu seinen Schülern gehörte Georg Herwegh (1817-1875), den Heinrich Heine als „Eiserne Lerche“ bezeichnete und der schließlich zum Dichter der Deutschen Revolution von 1848/49 werden sollte. Sie alle sind biografisch miteinander verbunden. So war Pauly auch ein Lehrer Mörikes, der aber offensichtlich nicht von der Turnbewegung ergriffen war.

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Abb.: Postkarte mit dem „Friesenhaus“ der Reichsakademie für Leibesübungen in Berlin (1930er Jahre). Aus der dortigen Institutsbibliothek stammt das Buch, das nun in Maulbronn aufbewahrt wird (IfSG). 

Um die Zeit, als Paulys Lukian-Übersetzung über die Gymnastik erschien, lässt sich über das sogenannte „Stuttgarter Turntagebuch“ von 1822/23 ein bemerkenswerter Kontakt zu den Philhellenen herstellen: Man unterstütze die seit 1821 im Freiheitskampf gegen die Türken stehenden Griechen sowohl materiell durch Spenden als auch ideell. In dieses Bild passt auch, dass sich in dieser Zeit deutsche Dichter mit altgriechischen Texten befassten. Über die Geschichte des Lukian-Bändchens von Pauly, das im berühmten Tübinger Osiander-Verlag erschien, lässt sich anhand der dort angebrachten Stempel eine weitere Spurensuche eröffnen. Denn Bücher haben ihre eigene Geschichte – sie zeigt sich oft anhand von Anstreichungen, Nutzungsspuren und Besitzstempeln.

Das nun in Maulbronn beheimatete Bändchen gehörte laut Exlibris-Vermerk ursprünglich dem Wiener Oberturnwart Anton Rath, dessen umfangreiche „Turnbücherei“ über 1.200 Bände umfasste. Es ist ein Indiz für den Bildungsanspruch der Turner und es zeigt, dass sich die Turnbewegung noch um die Jahrhundertwende an der klassischen Griechenland-Begeisterung orientierte. Freilich ging es auch darum, das Turnen durch eine bis in die Antike reichende Tradition zu adeln und es zum Kanon des humanistischen Bildungsideals hinzuzufügen. Eng damit verknüpft war der patriotische Nutzen der (antiken) Leibesübungen, wie es in Paulys Vorwort heißt: „Die Gymnastik“ sei „der Freiheit dankbare Tochter“ und Leibesübungen seien ein „gemeinsamer Eifer für des Vaterlandes Erhaltung und Ehre“.

Das Buch gelangte von Oberturnwart Rath vermutlich in die  Bücherei der Deutschen Turnerschaft, die wiederum Teil der Bibliothek der Deutschen Hochschule, ab 1936 Reichsakademie, für Leibesübungen wurde. Diese 1920 gegründete Institution war eine der ersten staatlichen Einrichtungen in Deutschland zur konsequenten Förderung des Sports und der Leibesübungen. Eine Legende besagt, dass der einflussreiche Sportfunktionär Carl Diem (1882-1962) die Bücher am Ende des Zweiten Weltkriegs aus dem brennenden Berlin rettete.

Erst 1947 fand die gesamte Bibliothek eine neue Heimat, nämlich in der Deutschen Hochschule für Leibesübungen, der heutigen Deutschen Sporthochschule in Köln. Dort wurde der Pauly-Band vermutlich als Doppelexemplar ausgemustert und gelangte so in den Antiquariatshandel. Nun schließt sich der Kreis, indem es künftig in Maulbronn aufbewahrt werden wird – dort, wo August Paulys klassische Bildung begann und revolutionäres Turnen der Körpererziehung diente.

(enz/Martin Ehlers und Markus Friedrich)

Kontakt:
Institut für Sportgeschichte Baden-Württemberg e.V.
Geschäftsstelle
Markus Friedrich, M.A., Leiter Dokumentations- und Archivierungsprojekte
Klosterhof 31
75433 Maulbronn
Tel: 07043-103-55
ifsg-friedrich@maulbronn.de

Quelle: Enzkreis, Pressemitteilung 443/2016

Findbuch zum Bestand des Pferdesportverbands Südbaden

Auf der Präsidiumsbeiratssitzung des Badischen Sportbundes (BSB) am 26.11.2016 in Oberried bei Kirchzarten übergaben der Vorsitzende des Instituts für Sportgeschichte Baden-Württemberg e.V. (IfSG), Erich Hägele, und der Leiter des Staatsarchivs Freiburg, Dr. Kurt Hochstuhl, das Findbuch zum Bestand des Pferdesportverbands Südbaden an Hans-Jürgen Schnebel.

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Abb.: Auf dem Foto von links nach rechts: Gundolf Fleischer (Präsident BSB), Erich Hägele, Hans-Jürgen Schnebel, Dr. Kurt Hochstuhl, Uwe Schellinger M.A. (Bearbeiter)

Der Bestand bildet das Verbandsleben aus der Zeit ab Mitte der 1950er Jahre bis zum Anfang unseres Jahrhunderts ab. Er enthält unter anderem Protokolle von Vorstandssitzungen und Hauptversammlungen, Gründungsprotokolle, Satzungen und Mitgliederlisten von Einzelvereinen, Verhandlungen zur Aufnahme neugegründeter Vereine, Ausgliederungen und Abspaltungen von Vereinen sowie die Rundschreiben und Mitteilungen an die Mitgliedsvereine. Neben der Korrespondenz mit den zahlreichen Einzelvereinen finden sich Informationen zur Kooperation mit anderen, organisatorisch übergeordneten Verbänden wie etwa dem Badischen Sportbund e.V. oder der Deutschen Reiterlichen Vereinigung e.V. sowie mit relevanten Institutionen wie etwa dem Landesgestüt Marbach a. d. L. oder der Landeskommission für die Durchführung von Pferdeleistungsprüfungen in Stuttgart, die u.a. für den sportlichen Turnierbetrieb zuständig war. Dokumentiert sind Lehrgänge für Pferdesportler, Übungsleiter sowie für ehrenamtliche Funktionäre. Der Bestand liefert Hinweise auf eine Vielzahl von sportlichen Reitwettkämpfen und sonstige Reitveranstaltungen.

Das Institut für Sportgeschichte Baden-Württemberg konnte dieses Archivprojekt durch einen Werkvertrag realisieren (Bearbeiter: Uwe Schellinger). Der Bestand umfasst insgesamt 113 Archivalieneinheiten in 2,9 laufenden Metern. Die Unterlagen werden zukünftig als Bestand U 304/1 im Staatsarchiv Freiburg aufbewahrt.

Quelle: Landesarchiv Baden-Württemberg, Pressemitteilung.

Ehrung des „Bibelfliesenpapstes“ Jan Pluis in Norden

Unter großer Beteiligung aus Norden erfolgte am 3.12.2016 die Vorstellung des Buches „Kleine Kostbarkeiten am Kamin. Bibelfliesen in Emsdetten“ in der voll besetzten evangelischen Gustav-Adolf-Kirche in Emsdetten. Dazu war ein rundes Dutzend Mitglieder des Norder Bibelfliesenteams angereist. In seiner Laudatio würdigte der frühere Norder Pastor i.R. Kurt Perrey den niederländischen Bibelfliesen-Experten Jan Pluis, der vor 50 Jahren mit der Erarbeitung einer ersten kleinen Schrift zum Thema „Bibelfliesen“ hervortrat.

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Ehrung: Perrey, Pluis, Kirschstein

Ihm verdanken auch die Norder Bibelfliesen-Freunde das wissenschaftlich anerkannte Standardwerk „Bijbeltegels“ / „Bibelfliesen“, das in einer zweisprachigen Ausgabe 1994 erschien und erstmals die rund 600 Motive darstellt und erläutert. So sei es Jan Pluis, der letztlich die Herausgabe der deutschlandweit beachteten „Fliesenbibel“ möglich gemacht habe. Auch bei allen weiteren Veröffentlichungen, etwa der jetzt 18-bändigen Reihe mit Meditationen zu „Bibelfliesen-Bildern“, habe Pluis beratend und begleitend im Hintergrund gestanden. Für seine Verdienste um die Erforschung der keramischen Kostbarkeiten überreichte ihm der ebenfalls extra angereiste Norder Superintendent Dr. Helmut Kirschstein eine von ihm entworfene Ehrenurkunde.

Auch der örtliche Superintendent Joachim Anicker war unter den Gratulanten, ebenso wie der Geschäftsführer der Ostfriesischen Bibelgesellschaft, Alwin Pfanne. Flötenmusik von Vivaldi, Bach und Händel (Arie „Meine Seele hört im Sehen“) umrahmte die feierliche Veranstaltung. Das neue Buch wurde anhand charakteristischer Bibelfliesen und zugehöriger Bildmeditationen exemplarisch vorgestellt. Es umfasst auf 210 Seiten über 100 Abbildungen und Texte von überwiegend aus Emsdetten stammenden Autorinnen und Autoren. Kurt Perrey dankte allen, die durch ihre Beiträge zum Gelingen dieser Buchausgabe beigetragen haben.

Bereits am 2.12.2016 hatte es dazu eine Auftakt-Veranstaltung gegeben: „Mit Bilderfliesen durch die Bibel“, heißt die Ausstellung, die bis zum 8. Dezember in der katholischen Emsdettener St. Pankratiuskirche gezeigt wurde. Über 100 Interessierte hatten sich in der Kirche eingefunden. Präsentiert wird diesmal nicht nur die „Standard-Ausstellung“ des Norder Bibelfliesen-Teams „Mit Bilderfliesen durch die Bibel“, sondern auch noch die Emsdettener Sonderausstellung „Bibelfliesen in Emsdetten“ mit den Motiven aus den vier hiesigen Fundstellen (Kaminrückwände in Gasthäusern und Villen) zu sehen.

„In der heutigen Zeit ist es wichtig, kleine Kostbarkeiten zu bewahren“, betonte Landrat Dr. Klaus Effing bei seinem Grußwort, und Bürgermeister Georg Moenikes bemerkte, an Pastor Kurt Perrey gerichtet: „Wären Sie nicht in die Gaststätte Engeln gekommen, würden diese Fliesen heute noch ein Schattendasein fristen. Man hätte sie zwar gesehen, ihnen aber keine Aufmerksamkeit geschenkt.“ Die Fliesen mit den Abbildungen von der Erschaffung der Welt bis zum Tode Jesu wurden an einem extra dafür vorbereiteten „Bibelfliesenkreuz“ angebracht, während zwei Mitarbeiterinnen die entsprechenden Bibeltexte dazu vortrugen. Nach einem Grußwort von Pfarrer Rainer Schröder, der den ökumenischen Charakter der Ausstellung hervorhob, eröffnete Pfarrer Norbert Weßel mit dem Satz „mögen die Fliesen uns zum Staunen anregen“ offiziell die Ausstellung.

Quelle: Kirchenkreis Norden, Aktuelles, Dezember 2016

Humboldt dankt, Adenauer dementiert. – Briefe aus dem Historischen Archiv Krupp

Ausstellung in der Villa Hügel, Essen: 25. März bis 8. Oktober 2017

„Der mochte mich nicht“, erinnerte sich Berthold Beitz an Konrad Adenauer, und der Kanzler habe ihm die nationale Zuverlässigkeit abgesprochen. Doch das dementierte Adenauer schriftlich, prompt und kühl. Impulsiv und pathetisch war dagegen der sechsseitige Brief, den Kaiser Wilhelm II. eigenhändig an die erst 16-jährige Konzernerbin Bertha Krupp schrieb. Und für die Glückwünsche zu seinem 85. Geburtstag dankte herzlich der weltberühmte Forscher und Entdecker Alexander von Humboldt.

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Erstmals zeigt die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung bedeutende Schriftstücke aus dem reichen Bestand des Historischen Archivs Krupp in einer Ausstellung: „Humboldt dankt, Adenauer dementiert. Briefe aus dem Historischen Archiv Krupp“ ist vom 25. März bis zum 8. Oktober 2017 in der Villa Hügel, Essen, zu sehen. Die Ausstellung gehört zu einer Reihe von Veranstaltungen und Förderaktivitäten, mit denen die Stiftung an ihre Gründung durch Alfried Krupp von Bohlen und Halbach (13. August 1907 – 30. Juli 1967) und an den Beginn ihrer Tätigkeit im Jahr 1968 erinnert.

Die 44 Dokumente – handgeschrieben oder eigenhändig unterschrieben – stammen von Politikern, Wissenschaftlern, Künstlern und Industriellen. Zu ihnen gehören u. a. Otto von Bismarck, Max Liebermann, Thomas Alva Edison, Andrew Carnegie, Max Planck, Albert Schweitzer, Willy Brandt und die letzte Fürstäbtissin von Essen, Maria Kunigunde von Sachsen. Die Schriftstücke zeigen die Bandbreite der Kontakte, die Firma und Familie Krupp in alle Welt unterhielten, und werfen ein Schlaglicht auf die Zeit vom frühen 19. bis zum späten 20. Jahrhundert. Sie geben Einblicke in Denkweisen, Stimmungen und Befindlichkeiten der Absender und zeichnen zugleich ein Bild der Adressaten.

Dabei ist nicht allein der Inhalt entscheidend, auch die Materialität erzählt Geschichten und spiegelt Wandel und Entwicklung der Schriftlichkeit: schwungvolle Schönschrift oder eng beschriebenes Papier, Wappen auf Büttenpapier oder hauchfeine Blätter für die Luftpost, Tinte oder Schreibmaschine. Zu sehen sind die Originale in einer Inszenierung, die sowohl das Lesen ermöglicht als auch die Hintergründe der Briefe erläutert. Zur Ausstellung erscheint ein Begleitband mit 66 Autographen und einführenden Aufsätzen im Philipp von Zabern-Verlag.

Kontakt:
Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung
Historisches Archiv Krupp
Villa Hügel
Hügel 1
45133 Essen
Telefon: +49 201 188 48 21
Fax: +49 201 188 48 59
archiv@hak-krupp-stiftung.de
www.villahuegel.de

Übernahme des Gerisch-Nachlasses ins Stadtarchiv Gera abgeschlossen

Zugleich Leitungswechsel im Stadtarchiv Gera

Der Nachlass des Geraer Journalisten und Schriftstellers Heinz Gerisch wurde in vier Etappen komplett dem Stadtarchiv Gera übergeben (s. Artikel vom 1.7.2016). Dennoch ist es Gerald Gerisch nicht leicht gefallen, den gesamten Nachlass seines Vaters Heinz Gerisch dem Stadtarchiv zu überlassen: „Es hängen so viele Erinnerungen daran. Oftmals war ich auch zusammen mit meinem Vater unterwegs, er hat geschrieben und ich fotografiert. Wegen dem Dix-Bild bin ich sogar beschimpft worden. Schließlich hätte ich es auch verkaufen können. Aber mit der Übergabe an das Stadtarchiv bleibt der Nachlass zusammen“, freut er sich dennoch. Und Klaus Brodale, scheidender Leiter des Stadtarchivs, ergänzt: „So kann die Öffentlichkeit den Nachlass für die Forschung nutzen und der Name Heinz Gersch wird geehrt“. Er spricht bezüglich des Nachlasses von einer noblen Geste, die hoch zu würdigen sei.

Insgesamt übergab Gerald Gerisch, der Sohn des Schriftstellers und Journalisten, dem Stadtarchiv im Zuge von vier Übergaben 205 Ordner, Mappen und Einzelstücke mit Manuskripten, Belegen, Korrespondenz beziehungsweise gesammelten Originaldokumenten und Abbildungen zum umfangreichen Schaffen seines Vaters. Insgesamt umfasst der eigenständige Bestand einen Umfang von vier laufenden Metern.

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Abb.: Nur zwei Porträts seiner Mutter und seines Vaters – gemalt von Paul Neidhardt beziehungsweise Alfred Uebel – möchte Gerald Gerisch noch bis nächstes Jahr in seinem Wohnzimmer hängenlassen. Die Gemälde wird dann Christel Gäbler als künftige Leiterin des Stadtarchivs Gera entgegennehmen.(Stadtverwaltung/Steffen Weiß)

Der Schriftsteller und Journalist Heinz Gerisch (geb. 13.06.1913 in Gera; gest. 03.04.1981 in Gera) wirkte neben seiner Tätigkeit als Mitarbeiter der „Thüringer Neuesten Nachrichten“ auch als Verfasser von Beiträgen in der „Wochenpost“, der „National – Zeitung“, der „BZ am Abend“ und vielen anderen Zeitungen. Daneben war er ein ausgesprochener Kenner der Geschichte, der Volkskunde, der Geologie und der Natur Ostthüringens beziehungsweise des Thüringer Waldes und verfasste zahlreiche Bücher und Broschüren zu diesen Themen.

Bereits in der Vergangenheit wurde über einzelne, für die Öffentlichkeit bisher kaum bekannte, aber besonders interessante, wichtige und wertvolle Bestandteile berichtet. Zuletzt war dies im Zusammenhang mit dem bisher selbst für das Archiv unbekannten Schriftwechsel Heinz Gerischs mit dem Maler Otto Dix und der von Dix gefertigten Bleistiftzeichnung des Geologen Rudolf Hundt der Fall.

Auch bei der abschließenden und mit 60 Einzelpositionen bisher umfangreichsten Übernahme konnten wiederum einige zum Teil einmalige beziehungsweise besonders wertvolle Unterlagen in das Archiv übernommen werden.

Obwohl hier eine Wertung nicht leicht fällt, dürfte doch die Überlieferung zum Rittergut Löbichau eine herausragende Bedeutung besitzen. Die Originalunterlagen aus dem 16. bis zum 19. Jahrhundert beinhalten zum Beispiel auch drei Lehnbriefe aus den Jahren 1661, 1714 und 1730. Aber auch Einzelstücke, wie die 1667 in Gera gedruckte und von Magister Johann Sebastian Mitternacht bei seinem Wechsel nach Neustadt an der Orla verfasste „Valet-Predigt oder Abschieds-Rede“, waren bisher in den Beständen des Stadtarchivs nicht überliefert.

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Abb.: Die 1667 in Gera gedruckte und von Magister Johann Sebastian Mitternacht bei seinem Wechsel nach Neustadt an der Orla verfasste „Valet-Predigt oder Abschieds-Rede“.(Stadtverwaltung/Steffen Weiß)

Mit der Übernahme des Nachlasses wird dem Willen von Heinz Gerisch nach einer dauerhaften Sicherung seines Lebenswerkes entsprochen. Auf Grund seines Inhaltes zählt er mit zu den wichtigsten Nachlässen im Geraer Stadtarchiv.

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Abb.: Klaus Brodale (links) und Gerald Gerisch präsentieren einen sehr gut erhaltenen auf Pergament geschriebenen Lehnbrief aus dem 16. Jahrhundert – dabei geht es um das Rittergut Löbichau.(Stadtverwaltung/Steffen Weiß)

Nach der der sicheren Lagerung des Nachlasses, der Verzeichnung und einer abschließenden redaktionellen Überarbeitung wird der Bestand „Nachlass Heinz Gerisch“ über die Internetpräsentation des Stadtarchivs Gera ab sofort für die Forschung allgemein zugänglich sein.

Der langjährige Leiter des Stadtarchivs Gera tritt zum Jahresende 2016 in den Ruhestand. Ab dem 1.1.2017 übernimmt Christel Gäbler die Leitung des Stadtarchivs. Sie war nach öffentlicher Ausschreibung aus einen sehr gut qualifiziertem Bewerberfeld ausgewählt worden. Neben ihrer wissenschaftlichen Qualifikation verfügt sie über mehrjährige Berufserfahrung im Archivwesen. Um eine geordnete Übergabe zu gewährleisten, nahm Frau Gäbler ihre Tätigkeit für die Stadt Gera bereits am 1.12.2016 auf.

Kontakt:
Stadtarchiv Gera
Gagarinstraße 99
07545 Gera
Telefon: 0365/8382140
stadtarchiv@gera.de
www.gera.de/stadtarchiv
www.stadtarchiv-gera.findbuch.net

Quelle: Stadt Gera, Pressemitteilung, 30.11.2016; Stadt Gera, Pressemitteilung, 2.12.2016

Mannheims Haus der Stadtgeschichte und Erinnerung feierte Richtfest

Richtfest im MARCHIVUM

Über 250 Mannheimerinnen und Mannheimer hatten sich angemeldet und noch viel mehr strömten am 26. November 2016 in den Hochbunker in der Neckarstadt-West, der zum neuen Sitz des Stadtarchivs Mannheim, dem künftigen MARCHIVUM, Mannheims Haus der Stadtgeschichte und Erinnerung, umgebaut wird. Anfang 2016 begannen die Abriss- und Umbauarbeiten im Inneren des Betonkolosses, mit dem Rohbau hat nun die zweigeschossige Aufstockung auch nach außen sichtbar Gestalt angenommen. Rechtzeitig zum Jahresende konnte so das nächste Etappenziel erreicht und am Samstag das Richtfest des MARCHIVUM gefeiert werden.

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Abb.: Im MARCHIVUM, Mannheims Haus der Stadtgeschichte und Erinnerung, wurde am Samstag, 26.11., das Richtfest gefeiert (Stadt Mannheim, Fachbereich Presse und Kommunikation, Foto: Thomas Tröster).

Kurz nach 11 Uhr erhob in luftiger Höhe traditionsgemäß ein Lehrling als Vertreter des Bauhandwerkwerks das Glas und wünschte dem Haus viel Segen und eine gedeihliche Zukunft. Nach dem Richtspruch dankte Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz dem Architekturbüro Schmucker und der GBG, die den Bunker für die Stadt umbaut, für die hervorragende Planung und Betreuung des Projekts, um in seinen weiteren Ausführungen auch das städtebauliche Potenzial der Maßnahme hervorzuheben.

„Dieses Projekt verbindet Identitätsstiftung und Geschichte, soziale Stadtteilentwicklung und konzeptionellen und architektonischen Anspruch. Ein unbequemes Denkmal aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs wird einer sinnvollen neuen Nutzung zugeführt. Und so setzen wir auch neue Impulse für die Aufwertung und Entwicklung des Neckarstadt-West“, betonte Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz.

Die Umnutzung des Bunkers fand noch während der Planungsphase weit über Mannheim hinaus große Beachtung, da der Bund das Vorhaben mit einem Zuschuss von 6,6 Millionen Euro zum 18,5 Millionen Umbau sogar in das Förderprogramm des Bundes „Nationale Projekte des Städtebaus“ aufgenommen hatte. Hoch erfreut, zeigten sich auch der Geschäftsführer der GBG Karl-Heinz Frings und Institutsleiter Professor Dr. Ulrich Nieß. Nach Abschluss der Baumaßnahmen wird der Bunker nicht nur das Magazin für die städtischen Akten und andere stadtgeschichtlich bedeutende Dokumente aufnehmen, sondern auch als Forschungsstätte, Bildungseinrichtung und Veranstaltungshaus dienen und darüber hinaus einer stadtgeschichtlichen Ausstellung und einem NS-Dokumentationszentrum Platz bieten – Einrichtungen die, so Nieß, für ein städtisches Archiv in Deutschland einzigartig sind und die Chance bieten, Mannheims Stadtgeschichte in all ihren Facetten einer breiten Öffentlichkeit nahe zu bringen. „Damit setzt das Stadtarchiv konsequent den Weg als Kultureinrichtung fort. Denn neben der Bewahrung hat es sich auch die Vermittlung der Geschichte unserer Stadt zur Aufgabe gemacht. Das MARCHIVUM wird das Ausstellungsangebot in Mannheim um einen wichtigen Baustein bereichern“, zeigt sich Bürgermeister Michael Grötsch überzeugt.

Dass das Interesse am MARCHIVUM groß ist, daran ließ das Richtfest keinen Zweifel. Die zahlreichen Besucher nutzten die Möglichkeit, sich über den Umbau vor Ort zu informieren. Selbstverständlich wollten viele auch die beiden neuen Obergeschosse besichtigen, die einen spektakulären Blick über die Neckarstadt, den Jungbusch und den Industriehafen bieten. Noch ist das Dach nicht gedeckt, noch sind die gläsernen Fassaden nicht eingefügt, schon jetzt aber lässt die Aufstockung ihre künftige Nutzung erahnen, wenn die Büro- und Seminarräume, das Digitalisierungszentrum, der Lese- und der große Veranstaltungssaal fertig gestellt sein werden. Dann werden in den darunter liegenden Stockwerken im Inneren des Bunkers die Sammlungen und Archivbestände des Archivs sicher aufbewahrt sein, und das Erd- und erste Obergeschoss werden die stadtgeschichtliche Ausstellung sowie das NS-Dokumentationszentrum mit multimedialen Präsentationen, Seminarraum und Stationen für individuelle Recherchen aufnehmen.

Die Besucher des Richtfestes zeigten sich schon jetzt beeindruckt und nahmen es gelassen, dass sie wegen des großen Andrangs nicht alle zugleich an den Baustellenführungen teilnehmen konnten. Viele überbrückten die Wartezeit, indem sie Baupläne und historische Aufnahmen des Bunkers studierten oder den Film anschauten, in dem Zeitzeugen eindringlich über ihre Erlebnisse in der Kriegs- und Nachkriegszeit im Bunker berichten. Der Film erinnert an die dunklen Kapitel der Bunkergeschichte, die bei allem Neubeginn nicht in Vergessenheit geraten sollen, wie Institutsleiter Professor Nieß betonte. Zunächst aber ist der Blick auf die Zukunft des Bunkers als MARCHIVUM, Mannheims Haus der Stadtgeschichte und Erinnerung, gerichtet. Und die ist gar nicht so fern: Aufgrund des guten Baufortschritts ist davon auszugehen, dass der Umbau des Bunkers im Spätjahr 2017 abgeschlossen sein wird. Dann kann der Umzug beginnen und das MARCHIVUM im Frühjahr 2018 eröffnet werden.

Link:
Blog zum Neubau des Stadtarchivs Mannheim – Institut für Stadtgeschichte http://www.marchivum-blog.de/

Kontakt:
Stadtarchiv Mannheim – Institut für Stadtgeschichte
Collinistraße 1
68161 Mannheim
Telefon 0621/293-70 27
Telefax 0621/293-74 76
stadtarchiv@mannheim.de
www.stadtarchiv.mannheim.de

Quelle: Stadt Mannheim, Pressemeldung, 28.11.2016

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