Ulm erwirbt Brief Einsteins von 1946

Das Stadtarchiv Ulm hat einen Brief von Albert Einstein aus dem Jahr 1946 erworben. Obwohl recht kurz gehalten, deutet der Text die komplizierte Beziehung zwischen dem Nobelpreisträger und seiner Geburtsstadt Ulm an.

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Abb.: Brief von Albert Einstein aus dem Jahr 1946 (© Stadt Ulm)

Der Brief war lange Zeit in Privatbesitz gewesen, bis ihn eine angesehene Autographenhandlung in New York erwarb und dem Stadtarchiv Ulm zum Verkauf anbot. So wechselte er nun für rund 7.000 € nach Ulm – ein Betrag, der im durchschnittlichen Preissegment für Briefe des berühmten Wissenschaftlers liegt.

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Abb.: Ulms Bürgermeisterin Iris Mann und Stadtarchiv-Leiter Prof. Dr. Michael Wettengel bei der Präsentation des Briefes (© Stadt Ulm)

Anlass für das Schreiben war die Rückbenennung der Fichtestraße zur Einsteinstraße. Die Straße im Westen der Stadt hatte im Jahr 1922 den Namen „Einsteinstraße“ erhalten, kurz nachdem vermeldet worden war, dass Einstein den Nobelpreis für Physik erhalten würde. Unter den Nationalsozialisten wurde der Name 1933 jedoch in Fichtestraße geändert, denn Einstein war jüdischen Glaubens und hatte die Judenverfolgung durch die Nazis kritisiert. Im Juli 1945, nach der Befreiung vom Nationalsozialismus, erhielt die Straße unter Oberbürgermeister Robert Scholl ihren Namen zurück.

Ein Verwandter informierte Einstein schriftlich über diesen Vorgang. Einstein lebte zu diesem Zeitpunkt bereits seit rund zehn Jahren in den USA. Trotzdem hatte er seinem Antwortbrief zufolge schon Kenntnis davon, dass die Einsteinstraße wieder als solche geführt wurde:

Sehr geehrter Herr Hirsch:
Die drollige Geschichte mit dem Strassen-Namen ist mir seinerzeit zur Kenntnis gekommen und hat mich nicht wenig amüsiert. Ob sich seither in der Sache etwas geändert hat ist mir unbekannt und noch mehr, wann evtl. die nächste Aenderung sich vollziehen wird – weiss aber meine Neugier zu zügeln.

Indem ich Ihnen freundlich für Ihre Mitteilung danke, bin ich

mit ausgezeichneter Hochachtung

Albert Einstein.

Der ironische Unterton des Briefes weist auf das problematische Verhältnis zwischen Einstein und Ulm hin. „Es ist für Ulm nicht nur eine Ruhmesgeschichte“, sagte Bürgermeisterin Iris Mann bei der Vorstellung des Briefes im Stadtarchiv. Mehrere seiner Cousins und Cousinen aus Ulm und Umgebungen waren während des Holocaust deportiert und ermordet worden. Die Ehrenbürgerwürde, die ihm 1949 angeboten wurde, lehnte Einstein ab.

Aktuell geht die Stadt Ulm der Frage nach, wie man dieses Verhältnis zum berühmtesten Sohn der Stadt aufbereiten kann: Was heißt es für Ulm, Geburtsstadt dieses genialen Wissenschaftlers zu sein? Was gibt es in Ulm für Bezüge zu Einstein und seiner Familie, was können wir für Spuren entdecken?

Ausstellung von 7. bis 9. Februar 2017
Der Brief wird von Dienstag bis Donnerstag, 7. bis 9. Februar 2017, im Haus der Stadtgeschichte (Schwörhaus) zu der üblichen Öffnungszeit 11 bis 17 Uhr zu sehen sein. Der Eintritt ist kostenlos. Grund für die kurze Dauer ist, dass das wertvolle Schreiben besonders gesichert und beaufsichtigt werden muss.

Hintergrund: Albert Einstein
Albert Einstein wurde am 14. März 1879 in der Bahnhofstraße 20 in Ulm geboren und ist der weltweit bekannteste Ulmer. Das Stadtarchiv sammelt solche Einstein-Dokumente, die seinen Bezug zu Ulm oder zu Ulmer Personen aufgreifen.

Kontakt:
Haus der Stadtgeschichte – Stadtarchiv Ulm
Schwörhaus
Weinhof 12
89073 Ulm
Telefon 0731/161-4200
Telefax 0731/161-1633

Quelle: Stadt Ulm

Kölner Akten-Asyl im Landesarchiv Schleswig-Holstein beendet

Nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs am 3.3.2009 konnten gut 95 Prozent der verschütteten Archivalien in mühsamer Arbeit über einen Zeitraum von zweieinhalb Jahren geborgen werden. Doch wohin mit ihnen?

Der erforderliche Platz im Rheinland, um die geretteten Archivalien bis zum Bezug eines Neubaus sicher zu lagern, war viel zu knapp. Unmittelbar nach der Katastrophe hatte der Leiter des Landesarchivs Schleswig-Holstein Prof. Dr. Dr. Rainer Hering den Kölner Kolleginnen und Kollegen Magazinfläche angeboten. „Diese Hilfsbereitschaft ist für uns in Schleswig-Holstein selbstverständlich“, betont Hering. Viele Kollegen aus seinem Hause haben vor Ort in Köln bei der Bergung mitgeholfen. In mehreren LKW-Ladungen wurde ein Kilometer Akten vom Rhein an die Schlei geliefert. In den Regalen des soliden Schleswiger Magazinbaus wurden sie sorgfältig bei optimalen klimatischen Bedingungen sicher gelagert. Schleswig war das nördlichste Asylarchiv der Kölner – und das am weitesten entfernte.

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Abb.: Dr. Ulrich Fischer, stellvertretender Leiter des Stadtarchivs Köln, mit dem Leiter des Landesarchivs Schleswig-Holstein, Prof. Dr. Dr. Rainer Hering (© Landesarchiv)

Fast acht Jahre später können diese Unterlagen nun wieder nach Nordrhein-Westfalen zurückkehren. In Düsseldorf werden die Kölner Akten zentral zusammengeführt und erfasst. Währenddessen laufen in Köln die Vorbereitungen für einen Archivneubau.

Der stellvertretende Leiter des Kölner Stadtarchivs Dr. Ulrich Fischer betont: „Die Unterstützung der Kolleginnen und Kollegen, die uns 2009 Magazinfläche zur Lagerung unseres geborgenen Archivgutes zur Verfügung stellten, hat uns überhaupt erst die Möglichkeit eröffnet, unsere Bestände perspektivisch wieder nutzbar zu machen. Nun freuen wir uns darauf, im Rheinland weiter an der Ordnung und Restaurierung der teilweise schwer geschädigten Archivalien zu arbeiten.“

Zu hoffen bleibt, dass möglichst bald in Köln ein Neubau bezogen werden kann. Erst dann sind die Archivalien wieder zu Hause. Das Historische Archiv der Stadt Köln ist eines der bedeutendsten kommunalen Archive nördlich der Alpen. Seine Unterlagen gehen bis ins 10. Jahrhundert zurück.

Kontakt:
Landesarchiv Schleswig-Holstein
Prinzenpalais
24837 Schleswig
Telefon: 04621 8618-00
Fax: 04621 8618-01
landesarchiv@la.landsh.de

Historisches Archiv der Stadt Köln
Heumarkt 14
50667 Köln
Telefon: 02 21/2 21-22327
Telefax: 02 21/2 21-22480
HistorischesArchiv@stadt-koeln.de

Quelle: Landesarchiv Schleswig-Holstein, 18.1.2017

Dresden Trust archivisch aufbereitet

Die Vorsitzende des britischen Dresden Trust, Eveline Eaton, hat am 20.1.2017 gemeinsam mit dem Direktor des Dresdner Stadtarchivs, Thomas Kübler, im Stadtarchiv Dresden den wertvollen Archivbestand des Dresden Trust vorgestellt. Nach einem Jahr archivwissenschaftlicher Arbeit ist der Bestand erschlossen und durch ein Findbuch zugänglich gemacht worden.

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Abb.: Präsentation des Bestandes Dresden Trust, v.l.n.r. Thomas Kübler, Michael Noth, Eveline Eaton, Martina de Maizière (© Stadtarchiv, A. Niering)

Eveline Eaton hatte dem Stadtarchiv Dresden diesen besonderen Bestand am 23. Oktober 2015 übergeben. Er dokumentiert die Arbeit des Dresden Trust von Anbeginn. Die Stiftung hat seit 1993 entscheidend an der Realisierung des Wiederaufbaus der Frauenkirche mitgewirkt und sich vor allem in Großbritannien für die Versöhnung von Briten und Dresdnern engagiert. Dem von Dr. Alan Russell als Antwort auf den ‘Ruf aus Dresden’ gegründeten Dresden Trust gelang es, u. a. mehr als eine Million Euro für die Anfertigung des goldenen Kuppelkreuzes der Frauenkirche aufzubringen. Mit dem Herzog von Kent übernahm ein prominenter Förderer aus der britischen Königsfamilie die Schirmherrschaft über die Stiftung. Der Bestand Dresden Trust zeigt eindrucksvoll die vielfältigen Dimensionen des Wirkens von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens.

Im Bestand befinden sich zahlreiche Dokumente wie Programmzettel, öffentliche Statements sowie Fotos, welche die Zusammenarbeit zwischen Dresden und dem Dresden Trust zum Ausdruck bringen. Enthalten sind ebenfalls Pläne des goldenen Kuppelkreuzes sowie mehrere Filme. Besondere Archivalien sind die Gründungsurkunde der Stiftung und die Ansprache des Herzogs von Kent zur Montage des Kuppelkreuzes.

Kontakt:
Stadtarchiv Dresden
Elisabeth-Boer-Straße 1
01099 Dresden
Telefon 0351-4881515
Fax 0351-4881503
stadtarchiv@dresden.de

Quelle: Stadt Dresden, Pressemitteilung, 20.1.2017

Stolperstein-App für Münster

In Münster sind mittlerweile durch die Koordination und Beratung von Peter Schilling 253 Stolpersteine verlegt worden. Die von dem Künstler Gunter Demnig ins Leben gerufene Kunstaktion verweist mit seinen ‚Pflastersteinen‘ und kurzen biografischen Hinweisen auf Menschen, die an diesem Ort gelebt haben und Opfer der NS-Diktatur wurden.

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Drei Screenshots der Anwendung

Aus Anlass des anstehenden Gedenktages für Verfolgte des Nationalsozialismus am 27. Januar bereitet eine Arbeitsgruppe in der Villa ten Hompel eine Anwendung vor, die auf Handys und Smartphones diese Erinnerungsorte im Stadtgebiet bewusst macht. Als Erweiterung der bestehenden App zu den Außenstationen der Dauerausstellung „Geschichte Gewalt Gewissen“ im Geschichtsort Villa ten Hompel (kostenloser Download über den Google Play Store, in Kürze auch für IOS) werden damit diese Stolpersteine auffindbar gemacht. Die sparsamen Informationen der Kunstaktion werden jetzt von der Arbeitsgruppe durch Biogramme mit Bildern und Dokumenten erweitert.

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Abb.: Arbeitsgruppe in der Villa ten Hompel, 1. Reihe v.l.n.r.: Rita Schlautmann Overmeyer, Alexandra Bloch Pfister, Gisela Möllenhoff, 2. Reihe v.l.n.r.: Christoph Spieker, Peter Schilling, Norbert Nowotsch (Foto: Villa ten Hompel)

Diese völlig neu erstellten Texte basieren auf den jahrelangen Forschungen von den Historikerinnen Gisela Möllenhoff, Rita Schlautmann-Overmeyer und Peter Schilling, der soeben eine Arbeit zu den Juden in Wolbeck erstellt hat. Ein Glossar erläutert, die in diesen Texten gebrauchten Orts- und Fachbegriffe und wird von Dr. Alexandra Bloch Pfister erstellt. Sie prüft auch die Texte auf ihre Lesbarkeit in elektronischen Geräten. Prof Norbert Nowotsch entwickelte das Konzept der Themenwege und Informationsangebote für die Smartpads in der Ausstellung und die apps der Außenstationen der aktuellen Ausstellung. Diese bilden auch den konzeptionellen und gestalterischen Rahmen für die app „Stolpersteine in der Stadt Münster“. Für die technische Umsetzung zeichnet die Firma „beemo“, für die  Screengestaltung  Frank Heuwes verantwortlich. Das Projekt wird im Geschichtsort Villa ten Hompel durch Dr. Christoph Spieker koordiniert und soll im Juli 2017 fertiggestellt sein, zu einem weiteren Erinnerungstag, nämlich an den 31. Juli 1942, an die zweite große Deportation der letzten hier noch lebenden Juden von Münster nach Theresienstadt.

Aktueller Link zur App:
https://play.google.com/store/apps/details?id=eu.beemo.villatenhompel&hl=de

Kontakt:
Geschichtsort Villa ten Hompel
Kaiser-Wilhelm-Ring 28
48145 Münster
Tel. 02 51/4 92-71 01
Fax 02 51/4 92-79 18
tenhomp(at)stadt-muenster.de
http://www.stadt-muenster.de/villa-ten-hompel

Medienstation Goldene Bulle in Frankfurt

Seit dem Jahr 2013 ist mit der Goldenen Bulle das zentrale Verfassungsdokument des Heiligen Römischen Reiches in die Liste des UNESCO-Weltdokumentenerbes aufgenommen (s.a. Bericht vom 20.6.2013). Die 1356 verkündete, 86 Seiten umfassende Urkunde, regelte bekanntlich das Verfahren der deutschen Königswahl durch die Kurfürsten bis zum Jahr 1806. Ihr Name leitet sich von dem goldenen Siegel Kaiser Karls IV. ab (lat. bulla = Siegel). Die Goldene Bulle schützte die Souveränität der Kurfürsten und ihrer Territorien, wodurch sich statt zentralstaatlicher föderale Strukturen auf Jahrhunderte – bis hin zu den heutigen Bundesländern – entwickelten und etablierten. Frankfurts gewohnheitsrechtlich entstandener Status als Wahlort der römisch-deutschen Könige wurde in der Goldenen Bulle verfassungsrechtlich festgeschrieben.

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Abb.: Nutzerin an der neuen Medienstation zum UNESCO-Weltdokumentenerbe Goldene Bulle im Institut für Stadtgeschichte, © Institut für Stadtgeschichte, Foto: Jutta Zwilling

Mit der Aufnahme des Frankfurter Exemplars der Goldenen Bulle – gemeinsam mit den sechs anderen Ausfertigungen und der Prachthandschrift König Wenzels aus dem Jahr 1400 – in das Weltdokumentenerbe ist die Verpflichtung verbunden, solche herausragenden historischen und kulturellen Quellen der Öffentlichkeit digital zugänglich zu machen.

Im Foyer des Instituts für Stadtgeschichte Frankfurt am Main ist seit Dezember 2016 die Goldene Bulle per Medienstation vollständig „anklickbar“. Die multimediale Präsentation erlaubt nicht nur das Blättern im hochwertig digitalisierten Original, sondern auch die genau angepasste oder vergleichende Lektüre unterschiedlicher Fassungen (lateinischer Text, mittelalterliche und moderne deutsche Übersetzung).

goldenebulleZudem enthält die digitale Edition zahlreiche Erläuterungen zum Inhalt der Urkunde, zu deren Siegel, zur Rezeption des Frankfurter Exemplars in der Literatur und zum UNESCO-Programm „Memory of the World“. Damit verfügt das Institut für Stadtgeschichte über ein sehr modernes und ansprechendes multimediales Angebot zur Goldenen Bulle (weitere Exemplare, die auch zum Weltdokumentenerbe zählen, liegen in Darmstadt, München, Nürnberg, Stuttgart und Wien). Eine Internetversion der digitalen Präsentation befindet sich in Planung.

Kontakt:
Stadt Frankfurt am Main
– Der Magistrat –
Institut für Stadtgeschichte
Im Karmeliterkloster
Münzgasse 9
60311 Frankfurt am Main
Tel. 069 / 212-37914
Fax 069 / 212-30753
info.amt47@stadt-frankfurt.de
www.stadtgeschichte-ffm.de

Stadtarchiv Bonn soll in ehemalige Schule umziehen

Vorschlag zur Unterbringung auf dem Areal der ehemaligen Pestalozzischule

Die Bonner Stadtverwaltung hat jetzt eine Beschlussvorlage zur Unterbringung des Stadtarchivs Bonn vorgelegt. Es soll auf dem Areal der ehemaligen Pestalozzischule untergebracht werden. Für das Magazin soll ein Neubau entstehen und die Archivverwaltung in das denkmalgeschützte Bestandsgebäude ziehen. Die Vorlage steht Anfang Februar 2017 im Kulturausschuss und im Rat auf der Tagesordnung.

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Abb.: Die Pestalozzischule Bonn als eine der ältesten Förderschulen Nordrhein-Westfalens wurde am 1.10.1897 gegründet. Im Rahmen der Inklusion und dem Ausbau des Gemeinsamen Unterrrichts in Bonn wurde die Schule mit Ende des Schuljahres 2012/13 geschlossen (Fotos: Stadt Bonn).

Wegen der seit Jahren unzureichenden Unterbringung der Magazinräume des Stadtarchivs in den Kellerräumen des Stadthauses – wiederholte Wassereinbrüche, fehlende Lagerkapazitäten, unzureichende Klimatisierung – schlägt die Verwaltung dem Rat vor, das Stadtarchiv auf dem Areal der ehemaligen Pestalozzischule unterzubringen.

Grundlage des Vorschlags zur Unterbringung des Stadtarchivs sind zwei Machbarkeitsstudien aus den Jahren 2014 und 2016. Die aktuelle Studie soll mit Blick auf eine mögliche Unterbringung des Stadtmuseums Bonn – ebenfalls in dem ehemaligen Schulgebäude – überarbeitet werden. Auch die Ansiedlung der Gedenkstätte für die Bonner Opfer des Nationalsozialismus auf dem Areal soll geprüft werden, sofern Gedenkstätte und Stadt keine Alternative finden. Auf Neubauten soll dabei weitgehend verzichtet werden – mit Ausnahme des Magazins für das Stadtarchiv.

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Abb.: Homepage des Stadtarchivs Bonn (Ausschnitt)

Mit ihrem Beschlussvorschlag will die Verwaltung zudem die Ermächtigung einholen, die Architekten der Arbeitsgemeinschaft Scheidt Kasprusch/Reiner Becker mit der Grundlagenermittlung sowie der Vorplanung und Kostenschätzung zu beauftragen. Die Ergebnisse sollen den Ratsgremien dann mit einem Vorschlag über die Unterbringung auch des Stadtmuseums Bonn vorgestellt werden.

„Sowohl im Hinblick auf seinen Arbeits- als auch auf seinen Bildungsauftrag soll das Stadtarchiv in Zukunft in der Nähe der Stadtverwaltung in einer zentrumsnahmen Immobilie untergebracht werden, damit auch weiterhin eine gute Erreichbarkeit für die Ämter, für Schulen und Universität sowie für die Bürgerinnen und Bürger gewährleistet ist“, erklärte Kulturdezernent Martin Schumacher. Die Verwaltung schlägt daher als Standort für das Stadtarchiv das Areal der ehemaligen Pestalozzischule vor. „Mit dieser Immobilie kann eine langfristig angestrebte Nutzung von 30 und mehr Jahren auch unter wirtschaftlichen Aspekten sichergestellt werden, da sich diese Immobilie im Eigentum der Stadt befindet“, so Schumacher weiter.

Planungsrecht und Finanzierung

Für die Realisierung muss das bestehende Planungsrecht geändert werden. Im Haushalt 2017/18 sowie in der Finanzplanung für die Jahre 2019 bis 2021 sind für die Verlagerung des Stadtarchivs bisher 15 Millionen Euro veranschlagt. Welche Investitions- und auch Folgekosten durch eine mögliche Verlagerung des Stadtmuseums Bonn – und bei Bedarf auch der Gedenkstätte – entstehen, soll im Zuge der Vorplanung ermittelt werden.

Ob und in welchem Umfang das Projekt mit Drittmitteln gefördert werden kann, ist derzeit noch offen. In seiner Vorlage macht das Kulturdezernat deutlich, dass die Unterhaltung von kommunalen Archiven auf dem „Gesetz über die Sicherung und Nutzung öffentlichen Archivguts im Lande Nordrhein-Westfalen“ fußt und eine angemessene Unterbringung des Stadtarchivs nach dem Archivgesetz NRW für die Stadt eine Pflichtaufgabe darstellt.

Das Grundstück Pestalozzischule und alternative Standorte

Das Grundstück der ehemaligen Pestalozzischule umfasst eine Grundstücksfläche von 3.565 Quadratmetern, auf dem sich ein Gebäude mit vier Etagen plus Dachgeschoss befindet. Die Liegenschaft steht im Eigentum der Stadt. Alternative Standorte für die Unterbring des Stadtarchivs, wie zum Beispiel an der Oskar-Romero-Allee, in der Ermekeil-Kaserne, in der Wilhelmstraße oder im Gewerbegebiet Bonn-West wurden in der Vergangenheit geprüft.

Dabei wurde jeweils festgestellt, dass sie für die Unterbringung des Stadtarchivs nicht in Betracht gezogen werden können: Wegen mangelnder Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel oder weil dort die gleichen Investitionen vorgenommen werden müssten, wie am Standort der ehemaligen Pestalozzischule. Aktuell verzeichnet das Bonner Stadtarchiv landesweit die meisten Besucherinnen und Besucher. Das ist auch auf die gute Erreichbarkeit des Stadthauses per ÖPNV zurückzuführen.

Kontakt:
Stadtarchiv und die Stadthistorische Bibliothek
Berliner Platz 2
53111 Bonn (Stadthaus Ebene 0)
Tel.: 0228 – 77 24 10
Fax: 0228 – 77 43 01
stadtarchiv@bonn.de

Quelle: Stadt Bonn, Pressemitteilung, 18.1.2017

Stadtarchiv Darmstadt ab sofort im Netz erreichbar

Das Stadtarchiv der Wissenschaftsstadt Darmstadt ist ab sofort auch online auf der städtischen Webseite erreichbar. Bürgerinnen und Bürger sowie Mitarbeiter von Forschungseinrichtungen finden dort den Online-Katalog der Bibliotheken des Hessischen Staatsarchivs und des Stadtarchivs Darmstadt. Darüber hinaus können hier Fragen rund um die Geschichte der Wissenschaftsstadt Darmstadt oder zu den jeweiligen Vorfahren an die Mitarbeiter des Stadtarchivs gestellt werden.

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Das Stadtarchiv hat seinen Sitz im Haus der Geschichte am Karolinenplatz, dem früheren Hoftheater, und damit im Zentrum der landes- und stadthistorischen Forschung in Darmstadt. Es bewahrt und sichert die Unterlagen der städtischen Dienststellen und stellt sie, entsprechend den gesetzlichen Vorgaben, den Bürgerinnen und Bürgern zur Information und zur Forschung zur Verfügung. Im Stadtarchiv kann auch nichtamtliches Schrift- und Sammlungsgut eingesehen werden, das für die Geschichte der Stadt von Bedeutung ist. Dazu zählen unter anderem private Nachlässe, Vereinsunterlagen, Plakate und Fotos. Das Archiv beherbergt außerdem eine Sammlung von Kunstwerken mit stadtgeschichtlicher Relevanz. Mittels der in den Magazinen gelagerten Materialien dokumentiert es das städtische Leben und Verwaltungshandeln in Vergangenheit und Gegenwart für die Zukunft.

Kontakt:
Stadtarchiv Darmstadt
Karolinenpl. 3
64289 Darmstadt
Telefon: (06151) 16 217 66
Fax: (06151) 16 217 60
stadtarchiv@darmstadt.de
https://www.darmstadt.de/leben-in-darmstadt/bildung/stadtarchiv/

Stadtarchiv Völklingen: Nachlass Dr. Luitwin Bies übergeben

Im Beisein von Völklingens Oberbürgermeister Klaus Lorig, VHS-Direktor Karl-Heinz Schäffner und dem Leiter des Stadtarchivs Völklingen, Christian Reuther, wurden durch Waltraut und Patric Bies große Teile des Vermächtnisses des am 4. Mai 2009 verstorbenen Historikers Dr. Luitwin Bies dem Stadtarchiv Völklingen übergeben.

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Abb.: Übergabe der Unterlagen an das Stadtarchiv Völklingen: Waltraut und Patric Bies, VHS-Direktor Karl-Heinz Schäffner, Oberbürgermeister Klaus Lorig, Stadtarchivleiter Christian Reuther und Stadtarchivmitarbeiter Michael Röhrig (v.l.n.r.) (Foto: Stadtarchiv Völklingen, Nadja Hampel)

Luitwin Bies wurde am 8. Januar 1930 in Merzig geboren. Nach einer Ausbildung zum Elektriker kam er 1955 nach Völklingen. Zeitweise war das Mitglied der Kommunistischen Partei Redakteur der Parteizeitung „Neue Zeit“. Nachdem Bies sein Abitur nachgeholt hatte, nahm er ein Fernstudium im Fach Geschichte an der Humboldt-Universität in Berlin auf. 1978 promovierte er als Schüler von Kurt Pätzold mit einer Arbeit über die KPD im Saargebiet zwischen 1919 und 1935.

Bies vertrat zwischen 1956 und 1974 die DKP und DDU im Völklinger Stadtrat. Er war für die Vereinigung der Verfolgten des Nationalsozialismus (VVN) aktiv tätig. Außerdem war der Historiker Gründungsmitglied und späterer Ehrenvorsitzender der West-Ost-Gesellschaft im Saarland e.V. sowie Mitbegründer der Peter-Imandt-Gesellschaft. Mehr als 15 Jahre leitete Bies, der mehrere Jahre im Stadtarchiv tätig war, den an der VHS Völklingen angesiedelten Arbeitskreis Stadtgeschichte.

Die dem Archiv überlassenen zahlreichen Mappen, Einzelstücke, Fotos und Originaldokumente spiegeln Bies’ gesamtes Tätigkeitsfeld, seine Interessengebiete und Forschungsschwerpunkte wider. So findet sich ein breites Spektrum an Materialien zur Arbeit für die Vereinigung der Verfolgten des Nationalsozialismus und die West-Ost-Gesellschaft. Umfangreiche Sammlungen zur Geschichte der KPD an der Saar, zur Arbeiterbewegung oder zum antifaschistischen Widerstand gegen das Hitler-Regime sowie zu Opfern des Nationalsozialismus ergänzen die Papiere. In kleinerem Umfang ist seine Stadtratsarbeit dokumentiert.

Oberbürgermeister Klaus Lorig sprach der Familie Bies seinen Dank für die Überlassung des Nachlasses aus und würdigte die „wertvollen Verdienste von Luitwin Bies bei der Aufarbeitung der regionalen und lokalen Geschichte“. Ferner betonte Lorig, „wie wertvoll private Unterlagen als Ergänzung zum Verwaltungsschriftgut sein können“. VHS-Direktor Karl-Heinz Schäffner unterstrich die enge Zusammenarbeit mit Dr. Bies bei der Erarbeitung der Völklinger Bücher, die als Ergebnis des von Bies geleiteten „VHS-Arbeitskreises Stadtgeschichte“ entstanden sind.

Abschließend dankte Waltraut Bies der Stadt Völklingen für die Übernahme des Nachlasses in das Stadtarchiv, wodurch dem Willen ihres Mannes entsprochen und sein Lebenswerk dauerhaft gesichert werden konnte. Stadtarchivleiter Reuther erklärte, dass die Unterlagen im Rahmen der Möglichkeiten des Archivs nun gesichtet, geordnet und verzeichnet werden. Nach Abschluss der Arbeiten kann der dann wahrscheinlich mehr als zehn Regalmeter umfassende Bestand (C 9: Nachlass und Sammlung Dr. Luitwin Bies) im Stadtarchiv Völklingen durch die Öffentlichkeit eingesehen und für Forschungen genutzt werden.

Kontakt:
Stadtarchiv Völklingen
Alter Bahnhof
66333 Völklingen
Tel. (0 68 98) 13-2432

Quelle: Stadt Völklingen, Pressemitteilung Nr. 3/2017, 4.1.2017

Gesamtinventar des ITS online

Der International Tracing Service (ITS) hat sein Gesamtinventar im Internet veröffentlicht. Es bietet einen Überblick über die Archivbestände des ITS, zu denen rund 30 Millionen Dokumente über die nationalsozialistische Verfolgung und Zwangsarbeit sowie das Schicksal der Überlebenden zählen. Seit 2013 sind die Originaldokumente des Archivs Teil des UNESCO-Weltdokumentenerbes „Memory of the World“.

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Abb.: Ansicht des Inventarverzeichnisses vom ITS-Gesamtinventar

„Nutzer des Archivs können sich anhand des Gesamtinventars einen guten Eindruck von der Struktur und den Inhalten der Bestände verschaffen“, so Archivleiter Dr. Christian Groh. „Themenrecherchen und die Vorbereitung eines Archivbesuchs werden für Forscher erheblich leichter.“ Das Inventar bietet grundlegende Angaben zu den einzelnen Teilbeständen. Dazu zählen zum Beispiel der Titel, der Umfang, die Signatur und eine kurze inhaltliche Beschreibung. Die durchsuchbare Inventarstruktur wird als navigierbarer Baum angezeigt. Daneben kann nach Stichworten recherchiert werden. Das Gesamtinventar steht in deutscher und englischer Sprache zur Verfügung.

Die Erschließung der umfangreichen Bestände ist jedoch nicht abgeschlossen. Der ITS hat sich aus Gründen der Transparenz bewusst entschlossen, auch vorläufig oder oberflächlich erschlossene Bestände im Gesamtinventar anzuzeigen. Die bereits bestehenden Angaben zu den Teilbeständen werden schrittweise um detaillierte Bestandsbeschreibungen ergänzt, um einen tieferen Zugang zu den Dokumenten zu ermöglichen. Das Gesamtinventar auf der Website bildet den aktuellen Stand der Erschließung ab, da die Daten direkt aus dem digitalen ITS-Archiv abgerufen werden.

Link zum Gesamtinventar:
www.its-arolsen.org/archiv/bestandsueberblick/gesamtinventar/

Kontakt:
International Tracing Service
Große Allee 5 – 9
34454 Bad Arolsen
Tel: +49 (0)5691 629-0
Fax: +49 (0)5691 629-501
email[at]its-arolsen.org

Quelle: ITS, Pressemitteilung, 9.1.2017

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