Tagung süddeutscher Kirchenarchive in Speyer

Mit modernen Methoden an die Öffentlichkeit

Neue Wege in der Archivpflege hat eine Tagung süddeutscher Kirchenarchive am 19. und 20. Juni 2017 in Speyer aufgezeigt. Die 45 Veranstaltungsteilnehmer, Mitarbeitende evangelischer Kirchenarchive sowie der Leiter des Speyerer Bistumsarchivs, Thomas Fandel, und die Leiterin des Stadtarchivs Speyer, Christiane Pfanz-Sponagel, befassten sich bei der zweitägigen Konferenz – dem insgesamt 26. Süddeutschen Kirchenarchivtag – mit der Zukunft ihrer Einrichtungen. Archive seien nicht mehr nur „angestaubte“ Urkunden- und Dokumentensammlungen, sagte Archivdirektorin Gabriele Stüber vom gastgebenden Zentralarchiv der Evangelischen Kirche der Pfalz. Der Schwerpunkt liege heute auf modernem Informationsmanagement. „Wir sind Serviceeinrichtungen mit der berufsethischen Verpflichtung, der Wahrheit gerecht zu werden.“

Abb.: Die Teilnehmer der Tagung der süddeutschen Kirchenarchive, zu der das Zentralarchiv der Evangelischen Kirche der Pfalz nach Speyer eingeladen hatte (Foto: Pfälzische Landeskirche)

Als größte Herausforderung bezeichnete Archivdirektorin Gabriele Stüber die Digitalisierung der Bestände und der Verwaltung. Der Benutzer erwarte „schnellen und kompetenten Service“. Kirchenarchive seien die „Gedächtnisse“ ihrer Kirchen, ihre sorgfältige Pflege diene stets auch der Wahrheitsfindung und sie prägten das Geschichtsbild späterer Generationen, unterstrich Oberkirchenrat Michael Gärtner, der die Gäste im Landeskirchenrat in Speyer begrüßte. Der Bildungsdezernent der Evangelischen Kirche der Pfalz verglich die Einrichtungen mit „Schatztruhen, in denen sich Überraschungen verbergen, deren Entdeckung die Vergangenheit erhellt und damit die Gegenwart besser verstehen lässt“.

Die Tagung der süddeutschen Kirchenarchive besteht seit 1993 und ist eine Fortbildungsveranstaltung für Mitarbeiter in den kirchlichen Archiven. Ziel sei es, nicht nur die Leitungsverantwortlichen, sondern vor allem auch die Mitarbeiter aller Tätigkeitsbereiche zu einem fachlichen Austausch zusammenzuführen, erklärte Stüber. In Speyer hat die Tagung der süddeutschen Kirchenarchive nach 2000 und 2007 nun zum dritten Mal stattgefunden.

Interview mit der Leiterin des Zentralarchivs der Evangelischen Kirche der Pfalz, Gabriele Stüber:

Die Tagung hat sich vor allem mit der Zukunft der Kirchenarchive beschäftigt. Welches Thema war am spannendsten?

Die zukünftigen Herausforderungen sind spannend. Die Rechtslage stattet die Archive auf dem Arbeitsfeld der ‚Überlieferungsbildung‘ mit viel Macht aus: Nur die Archive entscheiden über die dauernde Aufbewahrung. Aus der Macht erwächst aber auch häufig ein Ohnmachtsgefühl. Archive haben zwar eine Systemrelevanz in der Demokratie, sie sind Speicher- und Funktionsgedächtnis und Garanten der Erinnerungskultur. Aber Kriterien dafür zu gewinnen, was aufbewahrt wird, ist eine ständige Herausforderung für die Archivwissenschaft.

Die Arbeit von Kirchenarchiven wird von der breiten Öffentlichkeit eher wenig beachtet und mehr von einem fachlich interessierten Publikum gewürdigt. Was kann man tun, um aus dem „Nischendasein“ herauszutreten?

Archive garantieren dauernde, geordnete, verlässliche Aufbewahrung von wichtigen Informationsquellen – das ist wenig spektakulär. Spektakulär sind eher die Resultate, die Produkte in der Verzeichnung oder die Publikationen der Forschung – also was mit den Informationen geschieht. Archive müssen Wege finden, diese Informationen zeitgemäß an die Nutzer heranzutragen. Dazu zählen auch mehr telefonische Beratung und Handreichungen im Netz. Mit dem Kirchenbuchportal „Archion“ haben die evangelischen Archive darauf bereits reagiert.

Ist der Beruf des Archivars noch attraktiv? Andersherum gefragt: Gibt es Nachwuchsprobleme?

Nachwuchsprobleme bereiten uns einerseits der demografische Wandel und andererseits eine zunehmende Minderschätzung der Orientierungswissenschaften wie etwa Geschichte. Der Beruf ist aber nach wie vor sehr attraktiv – vor allem für Historiker mit Interesse an digitaler Informationstechnik.

Quelle: Evangelische Kirche der Pfalz (Protestantische Landeskirche), Pressemitteilung, 21.6.2017

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