Das Archiv der außergewöhnlichen Phänomene in Freiburg: Ein noch unbekanntes Wissenschaftsarchiv sucht interessierte Nutzerinnen und Nutzer

Vom: 19.06.2006

Noch weithin unbekannt in der Welt der wissenschaftlichen Forschung ist ein Spezialarchiv, das sich seit einigen Jahren die Überlieferung außergewöhnlicher menschlicher Erfahrungen, parapsychologischer Phänomene sowie so genannter „Anomalien“ zur Aufgabe gemacht hat: Das Archiv des 1950 in Freiburg gegründeten Instituts für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene e.V. (kurz: IGPP).

Das Freiburger Institut bewahrt in der Hauptsache die im Rahmen der eigenen wissenschaftlichen Arbeit anfallenden Materialien und Unterlagen auf, um diese längerfristig zu sichern und zukünftigen Forschungsprojekten zugänglich machen zu können. Im IGPP-Archiv liegen demzufolge vielfältige Bestände zu allen Formen außergewöhnlicher Erfahrungen vor, insbesondere zu den Bereichen "Außersinnliche Wahrnehmung (ASW)“ (Themen wie Telepathie, Hellsehen oder Präkognition) und "Psychokinese (PK)" (die rein mentale Beeinflussung biologischer oder physikalischer Systeme). Zudem sind zahlreiche Aspekte aus den Grenzgebieten der Psychologie sowie der Anthropologie (beispielsweise Astrologie, Esoterik, „Uri-Geller-Manie“, unorthodoxe Heilverfahren, Jugendszenen, Nahtodforschung, Okkultismus und Okkultkriminalität, Phänomene im religiösen Kontext, Traumforschung, UFO-Forschung, Wunder und Wunderheilungen u.v.a.m.) ausführlich dokumentiert. Umfängliches Aktenmaterial bietet Einblicke in die komplexen Strukturen so genannter Spuk-Fälle. Weiterhin lassen sich im Archiv unzählige Schilderungen von „Spontanphänomenen“, d.h. Berichten aus Bevölkerung über außergewöhnliche Erfahrungen, finden.

IGPP: Schaufenster ins Archiv 06-06: TOGO IST WELTMEISTER!

Mit diesem speziellen Archivierungs- und Sammlungsprofil deckt das IGPP-Archiv Bereiche menschlicher Erfahrungen ab, die in der Regel nur wenig in der Überlieferungsbildung berücksichtigt werden. Insofern nimmt das Archiv eine einzigartige Position nicht nur in der deutschen, sondern auch in der europäischen Wissenschaftslandschaft ein. Innerhalb des Gesamtinstituts ist das IGPP-Archiv im "Servicebereich: Bibliothek/Archiv" verortet und wird nach den bestehenden personellen Möglichkeiten sukzessive aufgebaut. Die Nutzung des Archivs ist auf Anfrage und nur für wissenschaftliche Zwecke im Rahmen der gängigen Archivgesetze möglich.

Die chronologisch recht jungen Bestände setzen sich aus drei großen Schwerpunktbereichen zusammen: Zum einen verfügt das Archiv über eine ganze Reihe von Nachlässen bzw. Teilnachlässen bedeutender Persönlichkeiten aus der Wissenschaftsgeschichte der deutschen bzw. der europäischen Parapsychologie sowie von Personen, die mit der Institutsarbeit in enger Verbindung standen. Diese Nachlass-Sammlungen gehen bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück und beinhalten die Dokumente von Forschern wie Louis Darget (1847-1921), Albert von Schrenck-Notzing (1862-1929), Fanny Moser (1872-1953), Albert Hellwig (1880-1951), Hans Bender (1907-1991) oder Johannes Mischo (1930-2001). Einen zweiten großen Block bilden die umfangreichen Materialien der seit 1950 laufenden Institutsarbeit, wobei sich hier die unterschiedlichsten Bestandsformen (Schriftgut zu Forschungsprojekten, Korrespondenzen, Fotografien, Tonbandaufnahmen, Filmaufnahmen) zu den oben genannten Themen ergänzen. Den dritten Bereich bilden verschiedene Sammlungsbestände aus dem Bereich der Wissenschaft und der Publizistik, etwa umfangreiche Pressesammlungen sowie Sammlungen von universitären Abschlussarbeiten und Projektberichten.

Nachdem die Existenz des IGPP-Archivs lange Zeit weitgehend unbekannt war, werden die Sammlungen in den letzten Jahren sowohl von Institutsmitarbeiter/innen als auch von externen Wissenschaftler/innen verstärkt für Forschungsarbeiten und Studien herangezogen. Hier kam zuletzt vor allem dem Bereich der Foto- und Kunstgeschichte eine größere Bedeutung zu (siehe nachfolgende Literaturauswahl). 

Seitens des IGPP wird angestrebt, die seriöse wissenschaftliche Nutzung des IGPP-Archivs zu intensivieren. Historische Teildisziplinen wie etwa Kulturgeschichte, Mentalitätsgeschichte, Medizingeschichte, Psychologiegeschichte oder Wissenschaftsgeschichte könnten von den Beständen des IGPP-Archivs ebenso profitieren wie kultur-, kunst- oder literaturwissenschaftliche Fachrichtungen.

Kontakt:
Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene e.V.
-Institutsarchiv-
Uwe Schellinger
Willhelmstraße 3a
79098 Freiburg
0761/20721-61
schellinger@igpp.de
http://www.igpp.de

Literatur zum Forschungs- und Sammlungsgebiet des IGPP: 

Titel, die durch Nutzung von IGPP-Material erarbeitet wurden (Auswahl): 

Abb.: Schaufenster ins Archiv 06-06: TOGO IST WELTMEISTER! (Foto: IGPP)

<http://www.augias.net/art_5094.html>