1914-1918. Der Krieg und die Frauen

Eine kleine Ausstellung des Bayerischen Hauptstaatsarchivs, bearbeitet von Elisabeth Weinberger und Ulrike Hofmann

Die kleine Ausstellung „1914-1918. Der Krieg und die Frauen“ erinnert an die Leistungen, die von Frauen während des gesamten Ersten Weltkrieges und vor allem im Hungerwinter 1916/17 erbracht wurden.

Abb.: In der Landwirtschaft traten die Frauen bereits zu Beginn des Krieges an die Stelle ihrer eingezogenen Männer. Vielfach führten Frauen auch den Pflug hinter dem Ochsengespann, da es an Pferden mangelte. Der Plakatentwurf des Malers und Grafikers Ludwig Hohlwein (1874-1949) beschreibt mit dem Titel „Die uns durchhalten helfen“ den unentbehrlichen Einsatz der Frauen in der Landwirtschaft (Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns)

Ab den ersten Kriegsjahren engagierten sich Frauen in der Krankenpflege und im Fürsorgewesen. Im weiteren Kriegsverlauf ersetzten sie dann in zahlreichen Berufen die eingezogenen Männer. Ohne den Einsatz der Frauen hätten die landwirtschaftlichen Betriebe nicht überleben können, viele öffentliche Dienstleistungen wären eingestellt worden. Dauerhafte Beschäftigungsverhältnisse entstanden jedoch kaum: Nach Kriegsende mussten die meisten Frauen ihre Arbeitsplätze zugunsten der heimgekehrten Soldaten wieder räumen.

Abb.: In Bayern wurden seit 1917 Ersatzarbeitskräfte für die Rüstungsindustrie gezielt angelernt. Frauen und Jugendliche benötigte man in Industriebetrieben bei Tätigkeiten wie dem Putzen, Abgraten und Verfeilen von Flugmotorenteilen (Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns)

Gezeigt werden in der kleinen Ausstellung etwa 40 Exponate aus den Beständen des Bayerischen Hauptstaatsarchivs, vor allem aus der Abteilung IV Kriegsarchiv.

Abb.: Die Sammelaktionen während des Ersten Weltkrieges wie die Brennnesselsammlung zur Herstellung von Nesselstoff dienten vorrangig der Beschaffung von Ersatzstoffen und sollten die Solidarität zwischen der Heimatfront und dem Feld bezeugen. Sie gaben den Frauen und Kindern das Gefühl, ebenfalls einen Beitrag zur Verteidigung des Vaterlandes zu leisten (Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns)

Die Ausstellung im Bayerischen Hauptstaatsarchiv, Schönfeldstr. 5, ist vom 24. Januar bis zum 24. März 2017 zu sehen.

Öffnungszeiten:
Mo–Do 8.30–18.00 Uhr, Fr 8.30–13.30 Uhr (am Faschingsdienstag 28.2. nur bis 12 Uhr geöffnet).
Der Eintritt ist frei.

Kontakt:
Bayerisches Hauptstaatsarchiv
Schönfeldstraße 5-11
80539 München
(Postfach 22 11 52, 80501 München)
Tel. 089/28638-2596
Fax 089/28638-2954
poststelle@bayhsta.bayern.de

Film über die Ausbildung der Hessischen Schutzpolizei von 1925 entdeckt

Hochexplosiver Sensationsfund

Im Keller der Polizeiakademie Wiesbaden wurden im Rahmen einer Sichtung der Altakten durch das Hauptstaatsarchivs Wiesbaden fünf Filmrollen entdeckt, die sich als spektakulärer Fund erwiesen.

Abb: Ausbildung der Hessischen Schutzpolizei, 1925 (HStAD G 12 A Nr. 46 bis 50), © Digitales Archiv Hessen

Zwar lieferten die unleserlichen Aufschriften keine Hinweise auf den Inhalt der Filme, es war aber anzunehmen, dass es sich aber um sog. Nitrofilme handelt. Die Schichtträger dieser Filme sind auf Zellulosenitratbasis aufgebaut. Bei der Zersetzung entwickeln sich nitrose Gase, die nicht nur giftig, sondern auch höchst feuergefährlich sind. Diese sind nicht löschbar, da während der Verbrennung Sauerstoff freigesetzt wird. Nitrozellulose wurde in Deutschland von etwa 1890 bis in die 1950er Jahre u.a. für die Emulsion von Film- oder Bildnegativen verwendet. Durch die Freisetzung von Säure kann sie auch umliegende Stoffe angreifen und muss daher – nicht nur aufgrund der Möglichkeit der Selbstentzündung – separat gelagert werden. Das Hauptstaatsarchiv Wiesbaden entschied sich daher für die zügige Digitalisierung der Filmrollen durch das Digitale Archiv Hessen.

Die Identifizierung der Filmaufnahmen gestaltete sich als schwierig: Die fünf Filme ohne Ton zeigen sportliche Trainingseinheiten, Übungen zur Nutzung von Gewehren und dem Bau von einfachen Wasserfahrzeugen sowie militärische Übungen wie z.B. Handgranatenwurf.

Anhand der gezeigten Gebäude, Filmszenen und Kleidungsstücke wurde eine zeitliche und räumliche Einordnung versucht. Schließlich stellte man fest, dass in der Publikation „Die Hessische Schutzpolizei“ von 1925 (hrsg. von Karl Schröder und Otto Schmidt) Gebäude sowie das Logo der im Film zu sehenden Sportkleidung „H/P“ abgebildet sind und auch derartige Übungen erwähnt werden. Bei den Gebäuden handelt es sich um die Schrautenbach-Kaserne und die Trainkaserne in Darmstadt, die als Ausbildungsstätte der Landespolizeischule dienten. Die Filme sind somit ein bedeutendes Zeugnis zur Polizeigeschichte, das in hervorragender Qualität einen Einblick in die Ausbildung der Polizei im Volkstaat Hessen vor rund 90 Jahren gibt.

Die feuergefährlichen Nitrofilme wurden zur besseren und sichereren Lagerung an das Filmarchiv des Bundesarchivs abgegeben. Der digitalisierte Film ist inzwischen erschlossen und kann im Staatsarchiv Darmstadt eingesehen werden. Ein kurzer Trailer mit Szenenausschnitten kann hier auf der Website und auf dem Youtube-Kanal des Hessischen Landesarchivs eingesehen werden.

Links:
Website: Trailer Polizeifilm
Youtube: Trailer Polizeifilm

Kontakt:
Hessisches Hauptstaatsarchiv
Mosbacher Str. 55
65187 Wiesbaden
Tel.: 0611/881-0 /
Fax: 0611/881-145
poststelle@hhstaw.hessen.de

Quelle: Maria Kobold, Newsletter HessenArchiv aktuell 02/2017, Seite 4

Empfehlungen für Aufbewahrungsfristen an nordrhein-westfälischen Hochschulen

Eine Arbeitsgruppe innerhalb der Arbeitsgemeinschaft Hochschularchive NRW hat im Jahr 2016 Empfehlungen für Aufbewahrungsfristen an nordrhein-westfälischen Hochschulen erarbeitet, die mittlerweile veröffentlicht sind und zum Download bereitstehen. Es handelt sich um zwei Dokumente, wobei sich das eine direkt an die aktenführenden Stellen richtet, das andere – ergänzt um Bewertungsentscheidungen – an die Hochschularchive. Die Empfehlungen, die eine weitgehend vollständige Auflistung von typischen an Hochschulen entstehenden Unterlagen enthalten, wurden bereits an mehreren Einrichtungen in NRW als Grundlage für die Verabschiedung offizieller Richtlinien für die Schriftgutverwaltung herangezogen.

Downloads:

Die Arbeitsgruppe der Arbeitsgemeinschaft Hochschularchive NRW bittet um die Mithilfe von Kolleginnen und Kollegen, um diese Empfehlungen weiter zu vervollständigen und im Falle sich ändernder rechtlicher Rahmenbedingungen zu aktualisieren.

Kontakt:
AG Aufbewahrungsfristen der Arbeitsgemeinschaft Hochschularchive NRW:
Elke Donath, Universitätsarchiv Duisburg-Essen (elke.donath@uni-due.de)
Dr. Bettina Frindt, Archiv der FH Aachen (archiv@fh-aachen.de)
Katja Lievertz, Historisches Archiv der TH Köln (katja.lievertz@th-koeln.de)
Martin Löning, Universitätsarchiv Bielefeld (martin.loening@uni-bielefeld.de)

(Hinweis von Dr. Hendrik Friggemann,
Uniarchiv Universität Duisburg-Essen)

Rheinisches Kirchenarchiv nimmt neues Außenmagazin in Betrieb

Das neue Archivmagazin der Landeskirchlichen Archivs der Evangelischen Kirche im Rheinland ist eröffnet. Als „Luftröhrenschnitt“, der die Funktionsfähigkeit des zentralen Archivs im Düsseldorfer Landeskirchenamt sichert, bezeichnet Archivdirektor Dr. Stefan Flesch den Umbau der Johanneskirche in Moers-Meerbeck zu einem Speziallager für Archivgut (360-Grad-Video).

Abb.: 360-Grad-Video über das Archivmagazin in Meerbeck

In rund einem Jahr wurde in den Bau aus den 1960er Jahren ein vierstöckiges stählernes Hochregalsystem eingezogen, das künftig 8.000 Regalmetern Archivalien Platz bietet. Im Januar 2017 wurden bereits 1.900 Meter Aktenordner und Archivkartons aus der Landeshauptstadt an den Niederrhein befördert. 160 der 600 landeskirchlichen Archivbestände gehen nach Moers. „Die Einrichtung ist auf Zukunft ausgelegt, eine strategische Reserve für die nächsten 30 Jahre“, betont Flesch.

Bei der Eröffnung des neuen Archivmagazins am 2.2.2017 ging es mehrfach um die Umnutzung. „Eine Kirche ist städtebauliche Verkündigung“, sagte Präses Manfred Rekowski. Er freut sich über diese „intelligente Umnutzung“.

Pfarrerin Barbara Weyand, Präses Manfred Rekowski und Lk.-Archivdirektor Stefan Flesch im Magazin (v.l.n.r.), Außenmagazin Moers

Kirche bleibt im Dorf
„Wo Kirche draufsteht, sollte auch Kirche drin sein“, meint die Leitende Landeskirchenbaudirektorin und Leiterin des Dezernates 5.3 Bauen und Liegenschaften, Gudrun Gotthardt. Eine Kirchen-Umnutzung sei keine Patentlösung, sondern ein Glücksfall, wenn sie – wie hier in Moers-Meerbeck – gelinge.

„Das wichtige Signal ist: Die Kirche bleibt im Dorf.“ Das erklärte Ferdinand Isigkeit, ehemaliger Superintendent des Kirchenkreises Moers, der im heutigen Archivmagazin Johanneskirche konfirmiert wurde.

Dass der „brennende Dornbusch“, die bunte Verglasung über dem Eingang, in der Dunkelheit leuchtet, freut das Meerbecker Pfarrer-Ehepaar Barbara und Ulrich Weyand. Das großflächige Kunstwerk über dem Eingangsbereich der entwidmeten Kirche ist erhalten und wird nun abends von innen angestrahlt. „Ein Symbol, das bleibt.“

Verwaltungsakten, Vereinsarchive, Nachlässe
An der Bismarckstraße in Moers-Meerbeck lagert künftig eine bunte Mischung aus Verwaltungsakten des 20. Jahrhunderts, Akten landeskirchlicher Einrichtungen, aus Vereinsarchiven, Nachlässen und Sammlungen. „Bestände, die eher selten genutzt werden“, sagt Flesch. Denn die Außenstelle wird nur etwa einmal in der Woche von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus Düsseldorf angesteuert, ansonsten bleiben die Türen verschlossen.

1,4 Millionen Euro kostete der Umbau, der das Äußere der Johanneskirche unverändert ließ. „Inspiration haben wir uns unter anderem in Essen geholt“, sagt Flesch. Dort zog das Bistumsarchiv vor einigen Jahren in die ehemalige Christophorus-Kirche im Stadtteil Kray.

Durch Digitalisierung sei künftig zwar mit einem geringeren Papieranstieg zu rechnen. Eine Ersatzdigitalisierung sei jedoch ein beachtlicher Kostenfaktor. Zur Veranschaulichung: Allein ein Regalmeter fasst rund 10.000 Blätter. „Für die nächsten Jahre rechnet sich das nicht.“

Archivmagazin: Außenaufnahme der Johanneskirche

Höchste Regalebene fast zehn Meter über dem Kirchboden
Mehr als fünfzig Jahre lang war die Johanneskirche in Moers-Meerbeck ein Ort für Gottesdienste und Gemeindeleben. Nachdem die Gemeinde die Kirche aus Kostengründen aufgeben musste, beheimatet sie nun einen Teil des „Gedächtnisses“ der rheinischen Kirche.

Der trapezförmige Bau hat eine Größe von rund 400 Quadratmetern. Die höchste Regalebene liegt 9,80 Meter über dem Kirchboden.

Kontakt:
Evangelische Kirche im Rheinland
Landeskirchliches Archiv
Hans-Böckler-Straße 7
40476 Düsseldorf
Tel.: 0211/4562-225
Fax: 0211/4562-421
archiv@ekir-lka.de

Quelle: EKiR, 2.2.2017

Ulm erwirbt Brief Einsteins von 1946

Das Stadtarchiv Ulm hat einen Brief von Albert Einstein aus dem Jahr 1946 erworben. Obwohl recht kurz gehalten, deutet der Text die komplizierte Beziehung zwischen dem Nobelpreisträger und seiner Geburtsstadt Ulm an.

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Abb.: Brief von Albert Einstein aus dem Jahr 1946 (© Stadt Ulm)

Der Brief war lange Zeit in Privatbesitz gewesen, bis ihn eine angesehene Autographenhandlung in New York erwarb und dem Stadtarchiv Ulm zum Verkauf anbot. So wechselte er nun für rund 7.000 € nach Ulm – ein Betrag, der im durchschnittlichen Preissegment für Briefe des berühmten Wissenschaftlers liegt.

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Abb.: Ulms Bürgermeisterin Iris Mann und Stadtarchiv-Leiter Prof. Dr. Michael Wettengel bei der Präsentation des Briefes (© Stadt Ulm)

Anlass für das Schreiben war die Rückbenennung der Fichtestraße zur Einsteinstraße. Die Straße im Westen der Stadt hatte im Jahr 1922 den Namen „Einsteinstraße“ erhalten, kurz nachdem vermeldet worden war, dass Einstein den Nobelpreis für Physik erhalten würde. Unter den Nationalsozialisten wurde der Name 1933 jedoch in Fichtestraße geändert, denn Einstein war jüdischen Glaubens und hatte die Judenverfolgung durch die Nazis kritisiert. Im Juli 1945, nach der Befreiung vom Nationalsozialismus, erhielt die Straße unter Oberbürgermeister Robert Scholl ihren Namen zurück.

Ein Verwandter informierte Einstein schriftlich über diesen Vorgang. Einstein lebte zu diesem Zeitpunkt bereits seit rund zehn Jahren in den USA. Trotzdem hatte er seinem Antwortbrief zufolge schon Kenntnis davon, dass die Einsteinstraße wieder als solche geführt wurde:

Sehr geehrter Herr Hirsch:
Die drollige Geschichte mit dem Strassen-Namen ist mir seinerzeit zur Kenntnis gekommen und hat mich nicht wenig amüsiert. Ob sich seither in der Sache etwas geändert hat ist mir unbekannt und noch mehr, wann evtl. die nächste Aenderung sich vollziehen wird – weiss aber meine Neugier zu zügeln.

Indem ich Ihnen freundlich für Ihre Mitteilung danke, bin ich

mit ausgezeichneter Hochachtung

Albert Einstein.

Der ironische Unterton des Briefes weist auf das problematische Verhältnis zwischen Einstein und Ulm hin. „Es ist für Ulm nicht nur eine Ruhmesgeschichte“, sagte Bürgermeisterin Iris Mann bei der Vorstellung des Briefes im Stadtarchiv. Mehrere seiner Cousins und Cousinen aus Ulm und Umgebungen waren während des Holocaust deportiert und ermordet worden. Die Ehrenbürgerwürde, die ihm 1949 angeboten wurde, lehnte Einstein ab.

Aktuell geht die Stadt Ulm der Frage nach, wie man dieses Verhältnis zum berühmtesten Sohn der Stadt aufbereiten kann: Was heißt es für Ulm, Geburtsstadt dieses genialen Wissenschaftlers zu sein? Was gibt es in Ulm für Bezüge zu Einstein und seiner Familie, was können wir für Spuren entdecken?

Ausstellung von 7. bis 9. Februar 2017
Der Brief wird von Dienstag bis Donnerstag, 7. bis 9. Februar 2017, im Haus der Stadtgeschichte (Schwörhaus) zu der üblichen Öffnungszeit 11 bis 17 Uhr zu sehen sein. Der Eintritt ist kostenlos. Grund für die kurze Dauer ist, dass das wertvolle Schreiben besonders gesichert und beaufsichtigt werden muss.

Hintergrund: Albert Einstein
Albert Einstein wurde am 14. März 1879 in der Bahnhofstraße 20 in Ulm geboren und ist der weltweit bekannteste Ulmer. Das Stadtarchiv sammelt solche Einstein-Dokumente, die seinen Bezug zu Ulm oder zu Ulmer Personen aufgreifen.

Kontakt:
Haus der Stadtgeschichte – Stadtarchiv Ulm
Schwörhaus
Weinhof 12
89073 Ulm
Telefon 0731/161-4200
Telefax 0731/161-1633

Quelle: Stadt Ulm

Kölner Akten-Asyl im Landesarchiv Schleswig-Holstein beendet

Nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs am 3.3.2009 konnten gut 95 Prozent der verschütteten Archivalien in mühsamer Arbeit über einen Zeitraum von zweieinhalb Jahren geborgen werden. Doch wohin mit ihnen?

Der erforderliche Platz im Rheinland, um die geretteten Archivalien bis zum Bezug eines Neubaus sicher zu lagern, war viel zu knapp. Unmittelbar nach der Katastrophe hatte der Leiter des Landesarchivs Schleswig-Holstein Prof. Dr. Dr. Rainer Hering den Kölner Kolleginnen und Kollegen Magazinfläche angeboten. „Diese Hilfsbereitschaft ist für uns in Schleswig-Holstein selbstverständlich“, betont Hering. Viele Kollegen aus seinem Hause haben vor Ort in Köln bei der Bergung mitgeholfen. In mehreren LKW-Ladungen wurde ein Kilometer Akten vom Rhein an die Schlei geliefert. In den Regalen des soliden Schleswiger Magazinbaus wurden sie sorgfältig bei optimalen klimatischen Bedingungen sicher gelagert. Schleswig war das nördlichste Asylarchiv der Kölner – und das am weitesten entfernte.

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Abb.: Dr. Ulrich Fischer, stellvertretender Leiter des Stadtarchivs Köln, mit dem Leiter des Landesarchivs Schleswig-Holstein, Prof. Dr. Dr. Rainer Hering (© Landesarchiv)

Fast acht Jahre später können diese Unterlagen nun wieder nach Nordrhein-Westfalen zurückkehren. In Düsseldorf werden die Kölner Akten zentral zusammengeführt und erfasst. Währenddessen laufen in Köln die Vorbereitungen für einen Archivneubau.

Der stellvertretende Leiter des Kölner Stadtarchivs Dr. Ulrich Fischer betont: „Die Unterstützung der Kolleginnen und Kollegen, die uns 2009 Magazinfläche zur Lagerung unseres geborgenen Archivgutes zur Verfügung stellten, hat uns überhaupt erst die Möglichkeit eröffnet, unsere Bestände perspektivisch wieder nutzbar zu machen. Nun freuen wir uns darauf, im Rheinland weiter an der Ordnung und Restaurierung der teilweise schwer geschädigten Archivalien zu arbeiten.“

Zu hoffen bleibt, dass möglichst bald in Köln ein Neubau bezogen werden kann. Erst dann sind die Archivalien wieder zu Hause. Das Historische Archiv der Stadt Köln ist eines der bedeutendsten kommunalen Archive nördlich der Alpen. Seine Unterlagen gehen bis ins 10. Jahrhundert zurück.

Kontakt:
Landesarchiv Schleswig-Holstein
Prinzenpalais
24837 Schleswig
Telefon: 04621 8618-00
Fax: 04621 8618-01
landesarchiv@la.landsh.de

Historisches Archiv der Stadt Köln
Heumarkt 14
50667 Köln
Telefon: 02 21/2 21-22327
Telefax: 02 21/2 21-22480
HistorischesArchiv@stadt-koeln.de

Quelle: Landesarchiv Schleswig-Holstein, 18.1.2017

Dresden Trust archivisch aufbereitet

Die Vorsitzende des britischen Dresden Trust, Eveline Eaton, hat am 20.1.2017 gemeinsam mit dem Direktor des Dresdner Stadtarchivs, Thomas Kübler, im Stadtarchiv Dresden den wertvollen Archivbestand des Dresden Trust vorgestellt. Nach einem Jahr archivwissenschaftlicher Arbeit ist der Bestand erschlossen und durch ein Findbuch zugänglich gemacht worden.

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Abb.: Präsentation des Bestandes Dresden Trust, v.l.n.r. Thomas Kübler, Michael Noth, Eveline Eaton, Martina de Maizière (© Stadtarchiv, A. Niering)

Eveline Eaton hatte dem Stadtarchiv Dresden diesen besonderen Bestand am 23. Oktober 2015 übergeben. Er dokumentiert die Arbeit des Dresden Trust von Anbeginn. Die Stiftung hat seit 1993 entscheidend an der Realisierung des Wiederaufbaus der Frauenkirche mitgewirkt und sich vor allem in Großbritannien für die Versöhnung von Briten und Dresdnern engagiert. Dem von Dr. Alan Russell als Antwort auf den ‘Ruf aus Dresden’ gegründeten Dresden Trust gelang es, u. a. mehr als eine Million Euro für die Anfertigung des goldenen Kuppelkreuzes der Frauenkirche aufzubringen. Mit dem Herzog von Kent übernahm ein prominenter Förderer aus der britischen Königsfamilie die Schirmherrschaft über die Stiftung. Der Bestand Dresden Trust zeigt eindrucksvoll die vielfältigen Dimensionen des Wirkens von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens.

Im Bestand befinden sich zahlreiche Dokumente wie Programmzettel, öffentliche Statements sowie Fotos, welche die Zusammenarbeit zwischen Dresden und dem Dresden Trust zum Ausdruck bringen. Enthalten sind ebenfalls Pläne des goldenen Kuppelkreuzes sowie mehrere Filme. Besondere Archivalien sind die Gründungsurkunde der Stiftung und die Ansprache des Herzogs von Kent zur Montage des Kuppelkreuzes.

Kontakt:
Stadtarchiv Dresden
Elisabeth-Boer-Straße 1
01099 Dresden
Telefon 0351-4881515
Fax 0351-4881503
stadtarchiv@dresden.de

Quelle: Stadt Dresden, Pressemitteilung, 20.1.2017

Stolperstein-App für Münster

In Münster sind mittlerweile durch die Koordination und Beratung von Peter Schilling 253 Stolpersteine verlegt worden. Die von dem Künstler Gunter Demnig ins Leben gerufene Kunstaktion verweist mit seinen ‚Pflastersteinen‘ und kurzen biografischen Hinweisen auf Menschen, die an diesem Ort gelebt haben und Opfer der NS-Diktatur wurden.

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Drei Screenshots der Anwendung

Aus Anlass des anstehenden Gedenktages für Verfolgte des Nationalsozialismus am 27. Januar bereitet eine Arbeitsgruppe in der Villa ten Hompel eine Anwendung vor, die auf Handys und Smartphones diese Erinnerungsorte im Stadtgebiet bewusst macht. Als Erweiterung der bestehenden App zu den Außenstationen der Dauerausstellung „Geschichte Gewalt Gewissen“ im Geschichtsort Villa ten Hompel (kostenloser Download über den Google Play Store, in Kürze auch für IOS) werden damit diese Stolpersteine auffindbar gemacht. Die sparsamen Informationen der Kunstaktion werden jetzt von der Arbeitsgruppe durch Biogramme mit Bildern und Dokumenten erweitert.

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Abb.: Arbeitsgruppe in der Villa ten Hompel, 1. Reihe v.l.n.r.: Rita Schlautmann Overmeyer, Alexandra Bloch Pfister, Gisela Möllenhoff, 2. Reihe v.l.n.r.: Christoph Spieker, Peter Schilling, Norbert Nowotsch (Foto: Villa ten Hompel)

Diese völlig neu erstellten Texte basieren auf den jahrelangen Forschungen von den Historikerinnen Gisela Möllenhoff, Rita Schlautmann-Overmeyer und Peter Schilling, der soeben eine Arbeit zu den Juden in Wolbeck erstellt hat. Ein Glossar erläutert, die in diesen Texten gebrauchten Orts- und Fachbegriffe und wird von Dr. Alexandra Bloch Pfister erstellt. Sie prüft auch die Texte auf ihre Lesbarkeit in elektronischen Geräten. Prof Norbert Nowotsch entwickelte das Konzept der Themenwege und Informationsangebote für die Smartpads in der Ausstellung und die apps der Außenstationen der aktuellen Ausstellung. Diese bilden auch den konzeptionellen und gestalterischen Rahmen für die app „Stolpersteine in der Stadt Münster“. Für die technische Umsetzung zeichnet die Firma „beemo“, für die  Screengestaltung  Frank Heuwes verantwortlich. Das Projekt wird im Geschichtsort Villa ten Hompel durch Dr. Christoph Spieker koordiniert und soll im Juli 2017 fertiggestellt sein, zu einem weiteren Erinnerungstag, nämlich an den 31. Juli 1942, an die zweite große Deportation der letzten hier noch lebenden Juden von Münster nach Theresienstadt.

Aktueller Link zur App:
https://play.google.com/store/apps/details?id=eu.beemo.villatenhompel&hl=de

Kontakt:
Geschichtsort Villa ten Hompel
Kaiser-Wilhelm-Ring 28
48145 Münster
Tel. 02 51/4 92-71 01
Fax 02 51/4 92-79 18
tenhomp(at)stadt-muenster.de
http://www.stadt-muenster.de/villa-ten-hompel

Medienstation Goldene Bulle in Frankfurt

Seit dem Jahr 2013 ist mit der Goldenen Bulle das zentrale Verfassungsdokument des Heiligen Römischen Reiches in die Liste des UNESCO-Weltdokumentenerbes aufgenommen (s.a. Bericht vom 20.6.2013). Die 1356 verkündete, 86 Seiten umfassende Urkunde, regelte bekanntlich das Verfahren der deutschen Königswahl durch die Kurfürsten bis zum Jahr 1806. Ihr Name leitet sich von dem goldenen Siegel Kaiser Karls IV. ab (lat. bulla = Siegel). Die Goldene Bulle schützte die Souveränität der Kurfürsten und ihrer Territorien, wodurch sich statt zentralstaatlicher föderale Strukturen auf Jahrhunderte – bis hin zu den heutigen Bundesländern – entwickelten und etablierten. Frankfurts gewohnheitsrechtlich entstandener Status als Wahlort der römisch-deutschen Könige wurde in der Goldenen Bulle verfassungsrechtlich festgeschrieben.

Medienstation

Abb.: Nutzerin an der neuen Medienstation zum UNESCO-Weltdokumentenerbe Goldene Bulle im Institut für Stadtgeschichte, © Institut für Stadtgeschichte, Foto: Jutta Zwilling

Mit der Aufnahme des Frankfurter Exemplars der Goldenen Bulle – gemeinsam mit den sechs anderen Ausfertigungen und der Prachthandschrift König Wenzels aus dem Jahr 1400 – in das Weltdokumentenerbe ist die Verpflichtung verbunden, solche herausragenden historischen und kulturellen Quellen der Öffentlichkeit digital zugänglich zu machen.

Im Foyer des Instituts für Stadtgeschichte Frankfurt am Main ist seit Dezember 2016 die Goldene Bulle per Medienstation vollständig „anklickbar“. Die multimediale Präsentation erlaubt nicht nur das Blättern im hochwertig digitalisierten Original, sondern auch die genau angepasste oder vergleichende Lektüre unterschiedlicher Fassungen (lateinischer Text, mittelalterliche und moderne deutsche Übersetzung).

goldenebulleZudem enthält die digitale Edition zahlreiche Erläuterungen zum Inhalt der Urkunde, zu deren Siegel, zur Rezeption des Frankfurter Exemplars in der Literatur und zum UNESCO-Programm „Memory of the World“. Damit verfügt das Institut für Stadtgeschichte über ein sehr modernes und ansprechendes multimediales Angebot zur Goldenen Bulle (weitere Exemplare, die auch zum Weltdokumentenerbe zählen, liegen in Darmstadt, München, Nürnberg, Stuttgart und Wien). Eine Internetversion der digitalen Präsentation befindet sich in Planung.

Kontakt:
Stadt Frankfurt am Main
– Der Magistrat –
Institut für Stadtgeschichte
Im Karmeliterkloster
Münzgasse 9
60311 Frankfurt am Main
Tel. 069 / 212-37914
Fax 069 / 212-30753
info.amt47@stadt-frankfurt.de
www.stadtgeschichte-ffm.de

Stadtarchiv Bonn soll in ehemalige Schule umziehen

Vorschlag zur Unterbringung auf dem Areal der ehemaligen Pestalozzischule

Die Bonner Stadtverwaltung hat jetzt eine Beschlussvorlage zur Unterbringung des Stadtarchivs Bonn vorgelegt. Es soll auf dem Areal der ehemaligen Pestalozzischule untergebracht werden. Für das Magazin soll ein Neubau entstehen und die Archivverwaltung in das denkmalgeschützte Bestandsgebäude ziehen. Die Vorlage steht Anfang Februar 2017 im Kulturausschuss und im Rat auf der Tagesordnung.

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Abb.: Die Pestalozzischule Bonn als eine der ältesten Förderschulen Nordrhein-Westfalens wurde am 1.10.1897 gegründet. Im Rahmen der Inklusion und dem Ausbau des Gemeinsamen Unterrrichts in Bonn wurde die Schule mit Ende des Schuljahres 2012/13 geschlossen (Fotos: Stadt Bonn).

Wegen der seit Jahren unzureichenden Unterbringung der Magazinräume des Stadtarchivs in den Kellerräumen des Stadthauses – wiederholte Wassereinbrüche, fehlende Lagerkapazitäten, unzureichende Klimatisierung – schlägt die Verwaltung dem Rat vor, das Stadtarchiv auf dem Areal der ehemaligen Pestalozzischule unterzubringen.

Grundlage des Vorschlags zur Unterbringung des Stadtarchivs sind zwei Machbarkeitsstudien aus den Jahren 2014 und 2016. Die aktuelle Studie soll mit Blick auf eine mögliche Unterbringung des Stadtmuseums Bonn – ebenfalls in dem ehemaligen Schulgebäude – überarbeitet werden. Auch die Ansiedlung der Gedenkstätte für die Bonner Opfer des Nationalsozialismus auf dem Areal soll geprüft werden, sofern Gedenkstätte und Stadt keine Alternative finden. Auf Neubauten soll dabei weitgehend verzichtet werden – mit Ausnahme des Magazins für das Stadtarchiv.

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Abb.: Homepage des Stadtarchivs Bonn (Ausschnitt)

Mit ihrem Beschlussvorschlag will die Verwaltung zudem die Ermächtigung einholen, die Architekten der Arbeitsgemeinschaft Scheidt Kasprusch/Reiner Becker mit der Grundlagenermittlung sowie der Vorplanung und Kostenschätzung zu beauftragen. Die Ergebnisse sollen den Ratsgremien dann mit einem Vorschlag über die Unterbringung auch des Stadtmuseums Bonn vorgestellt werden.

„Sowohl im Hinblick auf seinen Arbeits- als auch auf seinen Bildungsauftrag soll das Stadtarchiv in Zukunft in der Nähe der Stadtverwaltung in einer zentrumsnahmen Immobilie untergebracht werden, damit auch weiterhin eine gute Erreichbarkeit für die Ämter, für Schulen und Universität sowie für die Bürgerinnen und Bürger gewährleistet ist“, erklärte Kulturdezernent Martin Schumacher. Die Verwaltung schlägt daher als Standort für das Stadtarchiv das Areal der ehemaligen Pestalozzischule vor. „Mit dieser Immobilie kann eine langfristig angestrebte Nutzung von 30 und mehr Jahren auch unter wirtschaftlichen Aspekten sichergestellt werden, da sich diese Immobilie im Eigentum der Stadt befindet“, so Schumacher weiter.

Planungsrecht und Finanzierung

Für die Realisierung muss das bestehende Planungsrecht geändert werden. Im Haushalt 2017/18 sowie in der Finanzplanung für die Jahre 2019 bis 2021 sind für die Verlagerung des Stadtarchivs bisher 15 Millionen Euro veranschlagt. Welche Investitions- und auch Folgekosten durch eine mögliche Verlagerung des Stadtmuseums Bonn – und bei Bedarf auch der Gedenkstätte – entstehen, soll im Zuge der Vorplanung ermittelt werden.

Ob und in welchem Umfang das Projekt mit Drittmitteln gefördert werden kann, ist derzeit noch offen. In seiner Vorlage macht das Kulturdezernat deutlich, dass die Unterhaltung von kommunalen Archiven auf dem „Gesetz über die Sicherung und Nutzung öffentlichen Archivguts im Lande Nordrhein-Westfalen“ fußt und eine angemessene Unterbringung des Stadtarchivs nach dem Archivgesetz NRW für die Stadt eine Pflichtaufgabe darstellt.

Das Grundstück Pestalozzischule und alternative Standorte

Das Grundstück der ehemaligen Pestalozzischule umfasst eine Grundstücksfläche von 3.565 Quadratmetern, auf dem sich ein Gebäude mit vier Etagen plus Dachgeschoss befindet. Die Liegenschaft steht im Eigentum der Stadt. Alternative Standorte für die Unterbring des Stadtarchivs, wie zum Beispiel an der Oskar-Romero-Allee, in der Ermekeil-Kaserne, in der Wilhelmstraße oder im Gewerbegebiet Bonn-West wurden in der Vergangenheit geprüft.

Dabei wurde jeweils festgestellt, dass sie für die Unterbringung des Stadtarchivs nicht in Betracht gezogen werden können: Wegen mangelnder Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel oder weil dort die gleichen Investitionen vorgenommen werden müssten, wie am Standort der ehemaligen Pestalozzischule. Aktuell verzeichnet das Bonner Stadtarchiv landesweit die meisten Besucherinnen und Besucher. Das ist auch auf die gute Erreichbarkeit des Stadthauses per ÖPNV zurückzuführen.

Kontakt:
Stadtarchiv und die Stadthistorische Bibliothek
Berliner Platz 2
53111 Bonn (Stadthaus Ebene 0)
Tel.: 0228 – 77 24 10
Fax: 0228 – 77 43 01
stadtarchiv@bonn.de

Quelle: Stadt Bonn, Pressemitteilung, 18.1.2017

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