Geschichte(n) der Stadt Würzburg nach 1945

Heft 21 der Schriften des Stadtarchivs Würzburg erschienen.

Für Würzburg bedeutete der Luftangriff des 16. März 1945 einen tiefen Einschnitt: Die Stadt lag in Trümmern, viele Menschen hatten ihr Leben verloren. Die Geschichte Würzburgs war nach diesen Märztagen gleichwohl nicht zu Ende. „Es ändert sich die Zeit, und neues Leben blüht aus den Ruinen“. Dieses Zitat von Friedrich Schiller gilt auch für Würzburg.

Gleichwohl ist die Würzburger Stadtgeschichte nach 1945 eine Epoche, die bisher nicht allzu sehr im Fokus des wissenschaftlichen Interesses stand. Deshalb veranstaltete das Stadtarchiv Würzburg im Winterhalbjahr 2019/20 die Vortragsreihe „Wintergeschichte(n)“, in der verschiedene Aspekte der Würzburger Geschichte in eben diesem Zeitraum behandelt wurden.

Nachdem diese Vortragsreihe vom Publikum äußerst positiv aufgenommen wurde, hat das Stadtarchiv Würzburg nun die Texte mehrerer Vorträge dieser Reihe in einem Sammelband, Heft 21 der Schriften des Stadtarchivs, veröffentlicht. „Mit diesem Sammelband sind die interessanten Beiträge der Vortragsreihe „Wintergeschichte(n)“ nun schriftlich nachzulesen und stehen einem noch breiteren Publikum zur Verfügung“, zeigte sich Oberbürgermeister Schuchardt bei der Präsentation im Ratssaal erfreut.


Abb.: Präsentieren Heft 21 der Schriften des Stadtarchivs Würzburg, v.l.n.r.: Oberbürgermeister Christian Schuchardt, Dr. Axel Metz, Leiter des Stadtarchivs, Maren Dürrschmid, Autorin, Achim Könneke, Leiter des Kultur- und Tourismusreferats (Foto: Petra Steinbach)

Die Vorträge umfassten ein breites Themenspektrum: So wurde mit dem 1962 eröffneten Würzburger Spielzeugmuseum der Familie Bayer in der Neubaustraße das erste private Spielzeugmuseum der Bundesrepublik Deutschland vorgestellt, das den Grundstock für das weltbekannte Nürnberger Spielzeugmuseum bildete. Mit Lydia Bayer wurde zudem eine Würzburgerin Gründungsdirektorin des Nürnberger Museums.

Die Hintergründe und Etappen der 1966 begründeten Städtepartnerschaft Würzburgs mit Mwanza in Tansania wurden erläutert ― eine der ersten Städtepartnerschaften zwischen einer deutschen und einer afrikanischen Kommune, nur wenige Jahre nach der Entlassung des einstigen britischen Mandatsgebiets Tanganjika in die staatliche Unabhängigkeit.

Und schließlich wurden die 60 prägenden Jahre, in denen die Stadt mit den „Leighton Barracks“ eine amerikanische Garnison beherbergte und in denen Besatzer zu Freunden wurden, beleuchtet.

„Das Stadtarchiv ist das Gedächtnis der Stadt und mit diesem Sammelband bleiben nun wichtige Teile der Stadtgeschichte erhalten“, hob der Leiter des Kultur- und Tourismusreferats, Achim Könneke, in Anwesenheit des Leiters des Würzburger Stadtarchivs, Dr. Axel Metz, und der Autorin des Beitrags „Amerikaner in Würzburg – Was bleibt? Erinnerungen einer US-Militärgemeinde“, Maren Dürrschmid, hervor.

Info:
„Es ändert sich die Zeit, und neues Leben blüht aus den Ruinen – Aspekte der Würzburger Stadtgeschichte nach 1945.“ (ISBN 978-3-87707-224-0) – Auf 90 Seiten kann man in die Geschichte(n) der Stadt nach 1945 eintauchen. Das Heft ist für 12 € im Stadtarchiv Würzburg, im Buchhandel oder direkt beim Verlag PH.C.W. SCHMIDT erhältlich.

Anlässlich des 75. Jahrestages des schwersten Luftangriffes auf Würzburg während des Zweiten Weltkriegs, am 16.3.1945, war bereits 2020 eine gesonderte Publikation des Stadtarchivs Würzburg erschienen. Es handelt sich um eine Dokumentation zu den Toten des Massengrabs vor dem Würzburger Hauptfriedhof sowie zu den Kriegstoten in Würzburg während der Endphase des Zweiten Weltkriegs insgesamt. Anlass für die Erstellung der Dokumentation war die Neugestaltung des Erinnerungsorts vor dem Würzburger Hauptfriedhof, der 2017 u. a. um Stelen mit den Namen der dort bestatteten Toten ergänzt wurde.

Info:
„Dreitausend Männer, Frauen und Kinder haben wir hier zur letzten Ruhe bestattet“. Eine Dokumentation zu den Toten des Massengrabs vor dem Würzburger Hauptfriedhof und zu den Kriegstoten in Würzburg während der Endphase des Zweiten Weltkriegs. Herausgegeben vom Stadtarchiv Würzburg (Sonderveröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg, Bd. 14), Würzburg 2020. 186 S., eine CD-ROM; ISBN: 978-3-87707-176-2; 19,95 Euro.

Kontakt:
Stadtarchiv Würzburg
Neubaustraße 12
97070 Würzburg
Tel: 0931 – 37 31 11
Fax: 0931 – 37 31 33
stadtarchiv@stadt.wuerzburg.de

Quelle: Stadt Würzburg, Pressemitteilung, 18.5.2022; Stadtarchiv Würzburg, Publikation des Stadtarchivs zum 16. März 1945 erschienen, März 2020

Nachrichten aus dem Stadtarchiv Gera 2/2022

In der Ausgabe 2/2022 der „Nachrichten aus dem Stadtarchiv Gera“ werden einige Jubiläen aus der Geraer Stadtgeschichte in den Blick genommen. Konkret wird auf das 60jährige Bestehen des Geraer Tierparks, auf die Ausrichtung der „13. Allgemeinen deutschen Lehrerversammlung“ in Gera vor 160 Jahren sowie auf die Einführung von Straßennamen in der Stadt vor 210 Jahren eingegangen. Der vierte Beitrag ist der Erinnerung an die einst bei Ernsee befindliche „Diebeseiche“ gewidmet.

Geras Stadtarchivar Ernst Paul Kretschmer (1887-1957) hatte 1933 in den „Geraer Heimatblättern“ über den Namen der einst bei Ernsee befindlichen „Diebeseiche“ berichtet:

„Der Name ist uralt. Daß sich die Frankenthaler Diebesbande (vor 1818) hier versammelt habe und Beratung gehalten habe, ist unsinnig. Der Name, schon 1609 bezeugt, hängt wie viele Namenserklärungen – ich erinnere an Diebeskeller und Diebeswert mit dem slawischen dubica, dub = Eiche zusammen – Stammformen in Taubenpreskeln (Dub = Prosklin = Verhau im Eichwald), vielleicht auch in Dobeneck (Eicheneck) und Debschwitz (urkdl. 1507 Doberschitz) erhalten. Das Wort Eiche ist in Zeiten als man das Dub (daraus: Dieb) nicht mehr verstand, angefügt worden. Die großen Eichen bei Ernsee, etwa 450 Jahre alt, sind immer wieder an Stelle alter Grenzbäume gepflanzt worden. Die Grenzmarkierung ist uralt.“


Abb.: Die sogenannte „Diebeseiche“ bei Ernsee, die also weder Unterschlupf noch Diebesgut von Räubern gewesen ist, musste infolge eines Sturmschadens 1943 gefällt werden. Im Bild: Teile der gefällten Diebeseiche (Quelle: Stadtarchiv Gera, A 0855; Fotograf unbekannt).

Inhalt:

  • 60 Jahre Tierpark im Martinsgrund
  • Die „13. Allgemeine deutsche Lehrerversammlung“ in Gera vor 160 Jahren
  • Die Einführung von Straßennamen in der Stadt Gera im Jahr 1812
  • Briefkasten der Heimatblätter: „Was bedeutete der Name Diebeseiche bei Ernsee?“

Link: Nachrichten aus dem Stadtarchiv Gera 2/2022

Kontakt:
Stadtarchiv Gera
Gagarinstraße 99/101
07545 Gera
Tel. 0365/838-2140 bis 2143
stadtarchiv@gera.de
www.gera.de/stadtarchiv

Projekt »Magdeburger Spuren« erhält EU-Fördermittel

Als erste Kultureinrichtung der sachsen-anhaltinischen Landeshauptstadt hat das Stadtarchiv Magdeburg einen Zuwendungsbescheid über finanzielle Unterstützung aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung erhalten. Damit kann das Projekt „Magdeburger Spuren“ fortgesetzt werden, das bereits überregional große Beachtung fand (siehe Beitrag vom 5.9.2019).

Authentische Fundstücke über Magdeburg in ganz Europa
„Magdeburger Spuren“ ist ein Projekt des Stadtarchivs zur Wiederherstellung des kulturellen Gedächtnisses der Ottostadt. Die durch Zerstörung erlittenen Verluste des Archivs im Zuge des Dreißigjährigen Krieges sowie des Zweiten Weltkrieges werden mithilfe des Projektes systematisch wieder erschlossen. Magdeburgs reiche Vergangenheit kann über die Erschließung von authentischen Fundstücken in den Archiven Europas reproduziert werden.

Dank der nun zugesagten Mittel in Höhe von etwa 80.000 Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) können die Arbeiten fortgesetzt und im Laufe der nächsten Monate weitere Fundstücke zugänglich gemacht werden. PD Dr. Christoph Volkmar, Leiter des Magdeburger Stadtarchivs, zeigt sich hoch erfreut:

„Zahlreiche Magdeburger*innen und viele Partner*innen aus der Scientific Community haben unser Projekt unterstützt und nach dessen Fortsetzung gefragt. Nun freue ich mich, Ihnen antworten zu können: Die Spurensuche geht weiter!“

Die Spurensuche geht dank 80.000 Euro-Förderung weiter
Die Pilotphase des Projektes dauerte von 2018 bis 2020 und wurde vom Land aus dem Programm Sachsen-Anhalt DIGITAL – Cultural Heritage gefördert. Dabei sind die Erwartungen an vielen Stellen übertroffen worden. Es wurden fast 800 Dokumente mit mehr als 3.200 digitalen Aufnahmen aus 6 europäischen Archiven in einem virtuellen Lesesaal im Internet verfügbar gemacht.

Die Sammlung herausragender Einzeldokumente zur Magdeburger Stadtgeschichte sind für eine breitere Öffentlichkeit als Schaufensterstücke aufbereitet worden und umfasst derzeit 22 Präsentationen. Darunter sind als Neuentdeckungen die beiden ältesten Schreiben des Magdeburger Gelehrten und Bürgermeisters Otto von Guericke (1602–1686).

Aktuelle Fortschritte können unter Magdeburger-Spuren mitverfolgt werden. Wer sich an dem Projekt beteiligen möchte, findet im hier Blog Anknüpfpunkte sowie regelmäßige Informationen über Neufunde und Projektpartner.
Weitere Kultureinrichtungen hoffen auf das Förderprogramm

Weitere Kultureinrichtungen der Landeshauptstadt Magdeburg hoffen auf die Bewilligung ihrer Förderanträge im Rahmen des Sachsen-Anhalt DIGITAL – Cultural Heritage Programms. Dazu gehören das Kulturhistorische Museum bzw. Museum für Naturkunde, das Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen, das Technikmuseum, die Stadtbibliothek und das Telemann-Zentrum sowie die Eigenbetriebe Theater, Puppentheater und Konservatorium. Die Anträge aus den städtischen Kultureinrichtungen belaufen sich auf ein Fördervolumen von insgesamt mehr als 1,6 Millionen Euro.

Link: https://www.magdeburger-spuren.de/

Kontakt:
Stadtarchiv Magdeburg
Mittagstraße 16
39124 Magdeburg
Tel. 0391-5402912
archiv@magdeburg.de
www.magdeburg.de/stadtarchiv

Quelle: Stadt Magdeburg, Aktuelles + Presse, 17.5.2022

Wie der Kölner Stadtarchiv-Einsturz nun der Ukraine hilft

Eine Reportage von »t-online. Nachrichten für Deutschland«.

Im März 2009 stürzte das Historische Archiv der Stadt Köln ein, tausende Archivalien wurden verschüttet. Mittlerweile sind die Kölner Restauratorinnen und Restauratoren Experten bei der Rettung von Archivgut – und weltweit nach Katastrophen im Einsatz.


Abb.: Beim Einsturz 2009 wurden die Archivbestände aus ihrem Zusammenhang gerissen und vermischt. Hinzu kommt, dass Signaturen nicht auf jedem Einzelblatt angebracht wurden. Dadurch kommt es vor, dass ein Aktenteil an einer Stelle mit ganz anderen Aktenstücken gelagert wird, während sich der zweite Teil an einem anderen Ort befindet. Seit 2009 sichten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Archivs in einer Art Gesamtinventurdie einzelnen Kartons und ordnen die Stücke wieder den Beständen zu (Foto: Stadt Köln/Jörg Sonntag). 

Allein 70 Mitarbeitende beschäftigen sich in Köln ausschließlich mit der Sicherung und Restaurierung der beim Einsturz beschädigten Archivalien. Bergung und Erstversorgung von Kulturgut ist zu ihrem Markenzeichen geworden. Nach dem Brand im Nationalmuseum von Rio de Janeiro 2018 berieten Restauratorin Nadine Thiel, mittlerweile Leiterin der Abteilung für Restaurierung und Bestandserhaltung im neuen Kölner Stadtarchiv am Eifelwall, und der stellvertretende Archivleiter Dr. Ulrich Fischer die Kollegen vor Ort. Nach der Flutkatastrophe 2021 halfen sie bei der Bergung und Erstversorgung von Archivalien und Kulturgut im besonders schwer getroffenen Stolberg und im Ahrtal.

Damit in Köln bei Notfällen schneller gehandelt werden könne, gibt es seit 2019 den Notfallverbund für Archive und Museen. Als im Februar 2022 der russische Angriffskrieg auf die Ukraine begann, habe das ukrainische Kulturministerium das Auswärtige Amt um Hilfe gebeten, und dieses wiederum habe die bundesweiten Notfallverbünde, so auch den in Köln, um Unterstützung ersucht (siehe: Netzwerk Kulturgutschutz Ukraine).

Carlotta Cornelius besuchte für »t-online. Nachrichten für Deutschland« das Historische Archiv der Stadt Köln und sprach mit Restauratorin Nadine Thiel über „Europas größte Papierrestaurierungswerkstatt“.
Der vollständige Beitrag kann online hier gelesen werden.

Kontakt:
Historisches Archiv der Stadt Köln
Eifelwall 5
50674 Köln
Telefon: 0221 / 221-22327
Telefax: 0221 / 221-22480

Quelle: t-online. Nachrichten für Deutschland, 16.5.2022

Neue Leitung für das Archiv zur Geschichte der schweizerischen Frauenbewegung

Lina Gafner und Simona Isler übernehmen die Leitung der Gosteli-Stiftung.

Das Archiv zur Geschichte der schweizerischen Frauenbewegung bricht auf in eine neue Ära. Die Stiftung wurde vom Bund 2020 als Forschungseinrichtung von nationaler Bedeutung eingestuft und kann dank der mittlerweile gesprochenen finanziellen Beiträge von Bund und Kanton Bern das Fortbestehen des Archivs zur Geschichte der schweizerischen Frauenbewegung sichern.

Ab 1.8.2022 übernimmt eine neue Leitung: Die beiden promovierten Historikerinnen Lina Gafner und Simona Isler werden die Geschicke der Gosteli-Stiftung und das Archiv zur Geschichte der schweizerischen Frauenbewegung leiten und mit dem Stiftungsrat in die Zukunft führen. Die Stiftung wird zu einer hybriden Gedächtnisinstitution mit Ausstrahlungskraft transformiert und Forschungsdienstleistungen und Vermittlungsangebote für die Wissenschaft und ein breiteres Publikum werden ausgebaut.

Lina Gafner (oberes Foto) studierte Geschichte, Philosophie und Deutsche Literatur an der Universität Bern und promovierte am Institut für Medizingeschichte daselbst. Seit 2017 steht sie als Co-Projektleiterin von Stadt.Geschichte.Basel für ein innovatives, umfangreiches Projekt zur Basler Geschichte in der operativen Verantwortung, konzipiert Projekte im digitalen Bereich und ist mit der Vermittlung und Öffentlichkeitsarbeit sowie der Koordination verschiedener Gremien betraut. Parallel dazu war sie in Kulturprojekten tätig und lehrte am Historischen Institut der Universität Bern. Zuvor arbeitete sie für die Nationale Informationsstelle zum Kulturerbe NIKE.

Simona Isler studierte Geschichte und spanische Literatur an der Universität Bern und kennt das Gosteli-Archiv à fonds dank der Erarbeitung ihrer Promotionsschrift «Politiken der Arbeit. Perspektiven der Frauenbewegung um 1900» vor Ort im Archiv. Seit 2017 ist sie Gleichstellungsbeauftragte des Schweizerischen Nationalfonds (SNF), leitet in dieser Funktion verschiedene Projekte und unterstützt und berät alle Organe und Abteilungen des SNF bezüglich Gleichstellung in der Forschungsförderung. Vor ihrer Tätigkeit beim SNF war sie u.a. als wissenschaftliche Mitarbeiterin mit Schwerpunkt Frauen- und Geschlechtergeschichte an der Universität Basel und als Online-Redaktorin bei der Zeitung der Bund tätig.

Gosteli-Stiftung
Marthe Gosteli wurde 1917 auf dem Bauernhof ihrer Eltern in Worblaufen bei Bern geboren. Während des 2. Weltkrieges arbeitete sie in der Abteilung Presse und Funkspruch des Armeestabes. Nach dem Krieg leitete sie die Filmabteilung des Informationsdienstes an der US-amerikanischen Botschaft in Bern.


Abb.: Stiftungsgründerin Marthe Gosteli (Foto: Elsbeth Boss)

Ihre Erfahrungen mit den Medien stellte sie ab Mitte der 1960er Jahre ausschliesslich in den Dienst der Frauenbewegung. In den Jahren von 1964 bis 1968 war sie Präsidentin des bernischen Frauenstimmrechtsvereins. Anschliessend war sie Vizepräsidentin des Bundes Schweizerischer Frauenvereine BSF. 1970/1971 präsidierte sie die Arbeitsgemeinschaft der schweizerischen Frauenverbände für die politischen Rechte der Frau. Diese Organisation trug mit ihrem Verhandlungsgeschick mit dem Bundesrat wesentlich zur Annahme des Frauenstimmrechts auf eidgenössischer Ebene bei. Marthe Gosteli gründete im Jahr 1982 das Archiv zur Geschichte der schweizerischen Frauenbewegung und die Gosteli-Stiftung.

Sie wurde 1989 mit dem Trudi-Schlatter-Preis, 1992 mit der Burgermedaille der Burgergemeinde Bern, 2008 mit der Silbernen Verdienstmedaille der Oekonomischen Gemeinnützigen Gesellschaft des Kantons Bern und 2011 mit dem Menschenrechtspreis der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte ausgezeichnet. 1995 erhielt sie den Ehrendoktor der Universität Bern.

Marthe Gosteli verstarb am 7. April 2017 in ihrem 100. Lebensjahr.

Kontakt:
Gosteli-Stiftung
Archiv zur Geschichte der schweizerischen Frauenbewegung
Altikofenstrasse 186
3048 Worblaufen
Tel. +41 31 921 02 22
info@gosteli-foundation.ch
https://www.gosteli-foundation.ch

Quelle: Gosteli-Stiftung, Medienmitteilung, 13.5.2022; Gosteli-Stiftung: Marthe Gosteli

Die Geschichte(n) des Goldenen Buches Mülheims 1914 bis 1999

Ausstellung im Haus der Stadtgeschichte Mülheim an der Ruhr.

Das erste Goldene Buch der Stadt Mülheim an der Ruhr wurde im Jahre 1914 von dem Webereibesitzer und ehrenamtlichen städtischen Beigeordneten Carl Roesch gestiftet. Von 1918 bis 1999 dienten seine insgesamt 377 Pergamentseiten als Chronik städtischer Ereignisse und Besucher. Das 15 Kilo schwere Goldene Buch gleicht einem Kaleidoskop der Stadtgeschichte im 20. Jahrhundert.

Die Liste derer, die ihre markante Unterschrift in das mit 58 Edelsteinen besetzte Buch setzen durften,  ist lang. Sie umfasst den Dirigenten Wilhelm Furtwängler (1940), die Nobelpreisträger Max Planck (1942) und Karl Ziegler (1963), Politiker wie Willy Brandt (1960), den Boxer Max Schmeling (1974), Papst Johannes Paul II. (1987) und viele mehr.

Im ersten Goldenen Buch Mülheims haben sich aber nicht nur berühmte und wichtige Gäste der Stadt eingetragen. Bis in die 1950er Jahre bemühte die Stadt auch Kaligrafen, um wichtige Stationen der Stadtgeschichte, wie etwa das Kriegsende 1945 und den nachfolgenden Wiederaufbau, ins kunstvolle Wortbild zu setzen.

Die womöglich spannendste Geschichte des Goldenen Buches sieht man nicht: „1934 gibt es eine fein säuberlich herausgetrennte Seite. Es wird von Zeitzeugen kolportiert und Indizien weisen darauf hin, dass sich hier Adolf Hitler eingetragen hat, als er nicht zum ersten und letzten Mal im Uhlenhorst seinen frühen Förderer, den langjährigen Bergbaumanager Emil Kirdorf, auf dem Streithof im Uhlenhorst besuchte“, erklärt der Stellvertretende Leiter des Mülheimer Stadtarchivs, Jens Roepstorff, die Lücke gegenüber der WAZ.

Einen ernsten, zugleich Versöhnung stiftenden Moment hält das Goldene Buch im Oktober 1988 fest: 50 Jahre nach der Reichspogromnacht, in der auch Mülheims Synagoge am Viktoriaplatz niedergebrannt wurde, besuchten 21 ehemalige jüdische Mülheimer, die nach 1933 vor der nationalsozialistischen Verfolgung in alle Welt fliehen mussten, die Stadt. – Das Goldene Buch dokumentiert in seinen Einträgen nicht nur Autographen, sondern Geschichte und Geschichten aus Mülheim an der Ruhr.

Die am 12.5.2022 eröffnete Ausstellung „Gäste und Grüße – Das Goldene Buch der Stadt Mülheim an der Ruhr 1914 bis 1999“ im Haus der Stadtgeschichte Mülheim an der Ruhr vermittelt einen Eindruck von den im Buch enthaltenen Einträgen und bietet darüber hinaus Hintergrundinformationen zu den Ereignissen, die im Buch ihren Niederschlag gefunden haben.

Die Ausstellung ist bis zum 19.8.2022 im Haus der Stadtgeschichte zu sehen. Öffnungszeiten sind von Montag bis Freitag, 9 bis 21 Uhr (Sa, So geschlossen).

Kontakt:
Stadtarchiv Mülheim an der Ruhr
Haus der Stadtgeschichte
Von-Graefe-Straße 37
45470 Mülheim an der Ruhr
Tel.: 0208 455 4260
Fax: 0208 455 58 4260
stadtarchiv@muelheim-ruhr.de
www.stadtarchiv-muelheim.de

Quelle: Stadt Mülheim an der Ruhr, Ausstellungen 2022: Gäste und Grüße, 13.5.2022; Thomas Emons: Welche Geschichte(n) Mülheims Goldenes Buch erzählt, in: WAZ, 12.5.2022; Reiner Terhorst: Beeindruckende Einträge ins erste Goldene Buch der Stadt, in: Mülheimer Woche / lokalkompass.de, 11.5.2022

Stadtarchiv Freiberg kann dank Spenden Kriegsakte und drei historische Siegel restaurieren

Eine Kriegsakte aus dem Bestand des Stadtarchivs Freiberg konnte dank einer privaten Spendenaktion restauriert worden. Olaf Born, langjähriger Nutzer des Stadtarchivs, startete zum Erhalt der Akte aus dem 19. Jahrhundert im Februar letzten Jahres einen Spendenaufruf. Mit dem gesammelten Geld ließ nun das Stadtarchiv die Akte aus den Befreiungskriegen sowie drei mittelalterliche Wachssiegel restaurieren.


Abb.: Mit der Spendenaktion von Olaf Born (2.v.l.) konnten im Stadtarchiv Freiberg eine historische Akte und drei Siegel restauriert werden. Juliane Bretschneider (l.), OB Sven Krüger (3.v.l) und Dr. Ines Lorenz zeigen die restaurierten Dokumente (Foto: Christian Möls).

Olaf Born ist häufig Gast im Lesesaal des Stadtarchivs. Dort erforscht er die Geschichte seines Heimatorts Mobendorf, sucht nach Einwohnern und deren Lebensdaten. Immer wieder stößt er dabei auf alte Handschriften, die für ungeübte Leser schwer zu entziffern sind. Deswegen gründete er eine facebook-Gruppe, in der sich die Teilnehmer gegenseitig beim Lesen alter deutscher Handschriften unterstützen. „Wir helfen uns kostenlos“, erklärt der 59-Jährige. „Ich hatte deswegen die Idee, dass die Nutzer als Gegenleistung Geld für die Restaurierung alter Dokumente spenden.“ Gemeinsam mit der Leiterin des Freiberger Stadtarchivs, Dr. Ines Lorenz, fiel die Wahl auf eine vergilbte Kriegsakte aus dem 19. Jahrhundert. Um sie vor dem weiteren Verfall zu bewahren, rief er in seiner facebook-Gruppe einer Spendenaktion auf. 37 Personen folgten dem Aufruf und stellten über 650 Euro zur Verfügung.

Mit dem Geld konnte nun die über 200 Jahre alte Akte restauriert werden. „Die Akte gibt uns Auskunft über die Einquartierungen von Soldaten in Freiberg zwischen 1813 bis 1815“, sagt Dr. Ines Lorenz. „Sie war jedoch durch die Nutzung und die lange Zeit verunreinigt und schadhaft.“ Für rund 600 Euro wurde das Dokumente in Leipzig im Zentrum für Bucherhaltung gereinigt und stabilisiert. Das restliche Geld reichte noch dafür aus, drei Wachssiegel aus dem 15. Jahrhundert reinigen zu lassen. Dabei handelt es sich um das Siegel Herzog Georgs (Urkunde ausgestellt in Dresden, 1496 Jan. 26 – rotes Siegel) sowie das Meißnische Kapitels- und Propsteisiegel (Urkunde ausgestellt in Meißen, 1499 Oct. 5 – grünliches Siegel). „Wir sind sehr dankbar, dass auch durch die Initiative von Olaf Born und die Spender seiner facebook-Gruppe unsere historischen Dokumente bewahrt werden können“, freut sich Lorenz. Insgesamt 2,5 Regal-Kilometer beträgt der Bestand, den das Archiv dauerhaft aufbewahrt. Darunter sind auch rund 2.500 Siegel, die zum Teil fast 800 Jahre alt sind.

Es war bereits die zweite Spendensammlung von Olaf Born für das Archiv. Bei einem Spendenaufruf im Jahr 2020 kamen durch zahlreiche Unterstützer 450 Euro für die Restaurierung eines Freiberger Stadtplans aus dem Jahr 1755 zusammen.


Abb.: Übergabe ans Stadtarchiv Freiberg im November 2020 mit Nicole Klinger, Diplom-Restauratorin vom Zentrum für Bucherhaltung (ZFB) Leipzig, Olaf Born, Initiator der Spendenaktion, Juliane Bretschneider, Mitarbeiterin Stadtarchiv Freiberg (v.l.n.r.). (Foto: SVF/Antje Ciecior).

Der Lesesaal des Stadtarchivs Freiberg im Rathaus ist umzugsbedingt seit 1.7.2021 für den Besucherverkehr geschlossen. Schriftliche Anfragen an das Stadtarchiv Freiberg werden weiterhin wie üblich bearbeitet – per Email oder auf dem Postweg.

Kontakt:
Stadtarchiv Freiberg
Obermarkt 24
09599 Freiberg
Tel.: 03731 273 126
Fax: 03731 273 73 127
stadtarchiv@freiberg.de

Quelle: Stadt Freiberg, Neuigkeiten, 11.5.2022; Stadt Freiberg, Neuigkeiten, 23.12.2020

Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd übernimmt Vertriebenen-Sammlung

Am 9.5.2022 unterzeichneten der Oberbürgermeister von Schwäbisch Gmünd, Richard Arnold, und der Vorsitzende des Vereins „Brücke nach Osten“, Wilhelm Lienert, im Barockzimmer des Rathauses den Vertrag zur Übernahme der „Sammlung Osten“ in die Bestände des Stadtarchivs Schwäbisch Gmünd.


Abb.: Vertragsunterzeichnung zur Übernahme der „Sammlung Osten“ in das Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd (Foto: Amt für Medien und Kommunikation, Schwäbisch Gmünd).

Die „Sammlung Osten“ ist ein umfangreiches Konvolut von Quellen und Literatur zur Geschichte eines bedeutenden Teils der Gmünder Stadtbevölkerung, nämlich der ab 1945 aus Ostmittel-, Ost- und Südosteuropa vertriebenen Deutschen. Die Stadt Schwäbisch Gmünd hatte im Zeitraum von 1945 bis 1949 eine so große Zahl von Vertriebenen aufgenommen, dass ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung zum Ende des Jahrzehnts fast ein Drittel ausmachte. Trotz allen Schwierigkeiten der Eingliederung gelang vielen der Neuankömmlinge bekanntlich ein erfolgreicher Neuanfang, so etwa vielen Sudetendeutschen aus Gablonz, deren Fachwissen in der Glas- und Schmuckwarenherstellung gefragt war. Diese Erfahrungen von Vertreibung, Flucht und Integration sind bis heute ein wesentlicher Teil der Familiengeschichte vieler Gmünderinnen und Gmünder.


Abb.: Neuanfang nach dem Zweiten Weltkrieg in Schwäbisch Gmünd. Bild aus der „Sammlung Osten“ (Foto: Amt für Medien und Kommunikation, Schwäbisch Gmünd).

Im Jahr 2005 initiierten mehrere engagierte Bürger, namentlich der 2021 verstorbene Dr. Kurt Scholze, die Gründung der „Arbeitsgemeinschaft Osten“, aus der letztlich im Jahr 2016 der Verein „Brücke nach Osten“ hervorging, sowie die damit verbundene „Sammlung Osten“, zeitweise auch als „Archiv Osten“ bezeichnet. Den Startschuss der Sammlung bildete ein öffentlicher Aufruf zur Sammlung von Unterlagen, Erinnerungsstücken und Büchern zur Dokumentation von Vertreibung, Flucht und Eingliederung in der neuen Heimat. Dieser Aufruf fand große Beachtung und die daraufhin eingehenden Abgaben bildeten den Grundstein des Sammlungsbestands, der bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt auf circa 105 Regalmeter angewachsen ist. Diese Unterlagen wurden in den folgenden 16 Jahren durch Klaus Rollny in Tausenden von Arbeitsstunden geordnet, in einer Datenbank erfasst und teilweise verpackt.

Die Stadt Schwäbisch Gmünd stellte den privaten Sammlungsträgern Räume im Unipark zur Verfügung und stellte zudem eine Übernahme der Sammlung in die Bestände des Stadtarchivs in Aussicht, um ihre dauerhafte Erhaltung zu sichern. Mit der Unterzeichnung des Übernahmevertrags wird dieser Schritt nun konkretisiert: Dieser sieht vor, dass die Sammlung nach Ablauf einer Übergangsfrist, in der die räumlichen und organisatorischen Voraussetzungen für die Übernahme geschaffen werden sollen, zum 1. Januar 2026 durch das Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd übernommen wird.

Kontakt:
Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd
Augustinerstraße 3
73525 Schwäbisch Gmünd
Tel.: 07171 603-4150
Fax: 07171 603-4159
stadtarchiv@schwaebisch-gmuend.de

Quelle: Stadt Schwäbisch Gmünd, Pressemitteilung, 11.5.2022

Offene Archive 2022 in Koblenz: Tagung, Workshops, ArchivCamp

Anmeldung, Zeitplan, Informationen.

Die Konferenz „Offene Archive“ kommt gemeinsam mit dem ArchivCamp unter dem Motto „Partizipation, Offenheit, Transparenz“ zurück!

Die Veranstaltung findet vom Mo., 13. bis Mi., 15. Juni 2022 in Koblenz statt.

Die Anmeldung ist seit dem 29. März und noch bis einschließlich 8. Juni 2022 über das Anmeldeformular des LVR möglich.

Weiterführende Informationen auf der Webseite zu Konferenz und ArchivCamp. Den Tagungsflyer finden Sie hier.

Tag 1 (13. Juni 2022)

Tagungsprogramm

ab 12:30 Uhr: Eintreffen, get-together

13:30 Uhr: Begrüßung durch Prof. Dr. Michael Hollmann (Präsident Bundesarchiv), Grußworte von Vertreter:innen des Verbands deutscher Archivarinnen und Archivare e.V. (VdA), der „Bundeskonferenz der Kommunalarchive“ beim Deutschen Städtetag (BKK) und des Arbeitskreises „Offene Archive“ im VdA

14:30 Uhr: Keynote Dr. Konstantin von Notz, MdB (Stellv. Fraktionsvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen) Weiterlesen

Digitale Perspektiven für das Stadtarchiv St. Ingbert

Im Keller des Rathauses von St. Ingbert befindet sich das Stadtarchiv. Dr. Heidemarie Ertle, die Archiv-Leiterin, zwei weitere feste Mitarbeiter und zeitweise auch studentische oder wissenschaftliche Hilfskräfte hüten hier das Gedächtnis der saarländischen Mittelstadt. Auch für das Stadtarchiv St. Ingbert steht die Digitalisierung ganz oben auf der Tagesordnung. Mit finanzieller Unterstützung des Bundes im Rahmen von „Neustart Kultur“ konnte ein groß angelegtes Digitalisierungsprojekt gestartet werden, dessen Ergebnisse nun vorliegen.


Abb.: Das Team vom St. Ingberter Stadtarchiv: v.l.n.r. Peter Klaus, Dr. Heidemarie Ertle, Leiterin Stadtarchiv, und Patrick Bohrer (Foto: Foto: Johannes Ertle).

Die Bestände des Stadtarchivs St. Ingbert aus der Zeit vor der Gebietsreform 1974 sowie die im Archiv vorhandenen Nachlässe, die Bürgerinnen und Bürger oder Vereine dem Stadtarchiv übergeben haben, wurden in den vergangenen 12 Monaten digital erfasst und zu Findbüchern zusammengestellt.

  • Wirtschaftsarchiv – Hier finden sich Dokumente ansässiger Firmen. Privatunternehmen sind nur während ihrer Geschäftstätigkeit verpflichtet, Unterlagen aufzuheben. Nach einer Geschäftsaufgabe werden diese häufig vernichtet. Das Stadtarchiv bietet an, für die Stadtgeschichte wichtige Unternehmensnachlässe zu übernehmen, da es sich meist um wertvolle Informationen handelt. In St. Ingbert gibt es z. B. den Bestand der ehemaligen Brauerei Becker.
  • Altes Archiv – In diesem Teil des Archivs werden alle Dokumente aus der Zeit vor 1974 gesammelt. So finden sich in den Regalreihen unter anderem alle Ausgaben des St. Ingberter Stadtanzeiger ab 1867, Dokumente aus den einzelnen St. Ingberter Stadtteilen, eine große Menge an Nachweisen aus der NS-Zeit, die zum Teil noch nie ausgewertet wurden, Unterlagen zum Waldstreit aus den Jahren 1754 bis 1791, einige Unterlagen aus dem späten Mittelalter und viele weitere Schätze.
  • Privatnachlässe – In diesen Beständen werden Unterlagen aus den Nachlässen von Privatpersonen gesammelt. Die teils noch lebenden Personen oder auch die Erben bestimmen selbst, ob und wenn ja, wann die Dokumente der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden dürfen. Das St. Ingberter Stadtarchiv beherbergt neben zahlreichen anderen die Nachlässe des Heimatforschers Dr. Wolfgang Krämer und des Heimatdichters Karl Uhl, die ebenfalls in Findbüchern katalogisiert sind.
  • Standesamtsregister – Personenstandsdokumente dürfen aus Datenschutzgründen erst 110 Jahre nach der Geburt oder 30 Jahre nach dem Tod einer Person veröffentlicht werden. Im Archiv findet sich unter anderem ein Standesamtsregister aus dem Jahr 1808. Ein wirkliches Goldstück, da vorher die Personenstände nur in Kirchenbüchern festgehalten wurden. Erst Napoleon Bonaparte führte das Standesamtsregister ein, weshalb das Dokument in den Regalen des St. Ingberter Archivs auch in französischer Sprache abgefasst ist. Der Ahnenforschung sind mit solchen Dokumenten fast keine Grenzen gesetzt.
  • Ein großer Aktenschrank mit breiten Schubladen birgt alte Karten und Pläne, die in St. Ingbert derzeit noch nicht sortiert und verzeichnet wurden.

Das sogenannte Alte Archiv beinhaltet in einer thematischen Gliederung Dokumente aus der St. Ingberter Geschichte bis zum Jahr 1974. Zu den bedeutendsten Nachlässen zählen die des Heimatforschers Dr. Wolfgang Krämer und des St. Ingberter Unternehmers und Kunstsammlers Franz Josef Kohl-Weigand. Zu den Beständen liegen jeweils Findbücher vor. Eine eigenständige Abteilung bildet das Musikarchiv. Es enthält Material zu Komponisten, die in St. Ingbert geboren wurden oder in der Stadt gewirkt haben. Einen beträchtlichen Teil des Musikarchivs verdankt man ebenfalls den Nachlässen der Komponisten.

Diese Findbücher stehen nun als PDF-Dateien auf der Internetseite der Stadt St. Ingbert allen interessierten Bürgerinnen und Bürgern online zur Verfügung. Sie vermitteln einen Eindruck von den Schätzen des Stadtarchivs. Wer das Archiv besuchen möchte, kann sich nun im Vorfeld online, vom eigenen PC aus, einen Überblick verschaffen und über die Verzeichnisnummern die gewünschten, einzelnen Dokumente bei den Archivmitarbeiterinnen und -mitarbeitern zur Ansicht bestellen. Darüber hinaus besteht nun die Möglichkeit, im Stadtarchiv in der Archivdatenbank selbständig zu recherchieren.


Abb.: Fotos wie dieses von einem Seifenkistenrennen hat der St. Ingberter Fotograf Erich Isenhuth (*1923, +2010) in den 1960er Jahren aufgenommen (Foto: Stadtarchiv St. Ingbert).

Ein besonderes Highlight im Rahmen des Digitalisierungsprojektes des Stadtarchivs St. Ingbert sind die Bilder von Erich Isenhuth (1923-2010). Der St. Ingberter Fotograf hatte 2001 seinen Fotonachlass dem Stadtarchiv St. Ingbert vermacht. Tausende Negative lagerten seitdem im Stadtarchiv. Mit Bundesmitteln, im Rahmen von „Neustart Kultur“, wurden nun rund 76.000 Negative von einer Firma im Auftrag des Stadtarchivs digitalisiert. Sie werden in einer Datenbank verzeichnet, die Interessierte im Stadtarchiv für ihre Recherchen nutzen können. Eine erste kleine Auswahl der Bilder ist ebenfalls auf der Internetseite des Stadtarchivs zu sehen, eine größere Auswahl soll in einer Fotoausstellung im Sommer 2022 gezeigt werden. Die Bilder geben einen wunderbaren Eindruck vom Leben in St. Ingbert, insbesondere für den Zeitraum der sechziger und siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts.

Kontakt:
Stadtarchiv St. Ingbert
Am Markt 12
66386 St. Ingbert
hertle@st-ingbert.de

Quelle: Stadt St. Ingbert, Aktuelles, 22.2.2022; Stadt St. Ingbert, Aktuelles, 3.5.2022