Thüringer Staatsarchive zu einem Landesarchiv vereinigt

Eigenständigkeit bleibt erhalten

Das Kabinett der rot-rot-grünen thüringischen Landesregierung hat im zweiten Kabinettdurchgang das „Erste Gesetz zur Änderung des Thüringer Archivgesetzes“ beschlossen. Die Landesregierung wird nun den beschlossenen Gesetzentwurf Landtagspräsident Christian Carius zuleiten.

Im Konzept der Regierungskommission zur Reform der Thüringer Landesverwaltung war vorgesehen, die sechs selbständigen Staatsarchive – das Hauptstaatsarchiv Weimar, das Staatsarchiv Altenburg, das Staatsarchiv Greiz, das Staatsarchiv Rudolstadt, das Staatsarchiv Gotha und das Staatsarchiv Meiningen – zu einem Landesarchiv zusammenzulegen.

Zu der Zusammenlegung der sechs Staatsarchive zu einer Behörde, mit dem Ziel einer effizienteren staatlichen Archivverwaltung, erklärt Prof. Dr. Benjamin-Immanuel Hoff, Minister für Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten: „Mit dieser Reform der Organisationsstruktur der Staatsarchive wird eine Optimierung der Zuständigkeiten für die Wahrnehmung öffentlicher Aufgaben und Verfahrensabläufe erfolgen. Zentralisierte archivübergreifende Planungen und Steuerungen der fachlichen Aufgaben machen die Aufgabenwahrnehmung in den einzelnen Häusern effizienter. Trotz der Zusammenlegung zu einer Behörde, bleiben die Standorte als kulturelle Einrichtung vor Ort erhalten.“

Im Vorfeld dieser Entscheidung hatte es aus einzelnen Staatsarchiven heraus deutliche Vorbehalte gegen diese Entwicklung gegeben, wie die Thüringische Landeszeitung berichtete. Letztlich setzten sich diese kritischen Stimmen aber nicht durch.

Das Landesarchiv wird die Behördenbezeichnung „Landesarchiv Thüringen“ führen. Die bisher selbständigen Staatsarchive werden zu Abteilungen des Landesarchivs und erhalten die Bezeichnung: „Landesarchiv Thüringen – Hauptstaatsarchiv Weimar“, „Landesarchiv Thüringen – Staatsarchiv Altenburg“, „Landesarchiv Thüringen – Staatsarchiv Greiz“, „Landesarchiv Thüringen – Staatsarchiv Gotha“, „Landesarchiv Thüringen – Staatsarchiv Meiningen“ und „Landesarchiv Thüringen – Staatsarchiv Rudolstadt“. Näheres zu Struktur und Organisation des Landesarchivs wird in einer Geschäftsordnung des Landesarchivs geregelt werden. Die Gesamtleitung des Landesarchivs Thüringen übernimmt der leitende Archivdirektor des Thüringer Hauptstaatsarchivs Weimar, Dr. Bernhard Post.

Quelle: Thüringer Staatskanzlei, Medieninformation 19/2016, 26.1.2016

Streifzug durch die Geschichte der Unternehmerfamilie Habig aus Oelde

Kreisarchiv Warendorf zeigt ausgewählte Stücke

Im Zuge der Serie „Wiedervorlage“ stellt das Kreisarchiv Warendorf einen neu verzeichneten Bestand vor: Das Archiv der Familie Habig aus Oelde. Im Foyer des Kreishauses werden aktuell ausgewählte Stücke des Bestandes in einer Vitrine ausgestellt. Die Unternehmerfamilie Habig bzw. später auch Müller-Habig führte seit 1915 über Jahrzehnte die Firma Westfalia Separator, ehemals Ramesohl & Schmidt, in Oelde.

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Abb.: Im Jahre 1951 heiratete Heinz-Werner Habig in Solingen Hilde Hilgenberg aus Essen. Auf dem Bild ist das Brautpaar mit ihren Eltern zu sehen, links im Bild Werner und Maria Habig, Hilde Habig (geb. Hilgenberg), Heinz-Werner Habig und Hilde Hilgenberg, die Schwiegermutter Heinz-Werner Habigs. Drei Jahre nach der Hochzeit verunglückten Heinz-Werner und Hilde Habig: Sie kamen am 05.09.1954 bei einem Absturz des niederländischen Passagierflugzeuges „Triton“ in Shannon (Irland) ums Leben. (KAW, S 1/59 Müller-Habig, Oelde Nr. 67)

Durch die Firma Westfalia und ihr gesellschaftspolitisches Engagement beispielsweise in Form von Spenden an Schulen, kirchliche Einrichtungen oder die Unterstützung des sozialen Wohnungsbaus in Oelde prägte die Familie auf bedeutende Weise das Stadtbild. Direktor der Firma war ab 1915 Werner Habig. Er war zunächst nur als Buchprüfer nach Oelde geholt worden, wurde jedoch noch im selben Jahr zum Direktor der Firma Ramesohl & Schmidt ernannt.

Seine Tochter Margot Müller-Habig überließ dem Kreisarchiv Warendorf 2005 den Nachlass ihrer Eltern, der heute unter der Signatur S 1/59 Müller-Habig im Warendorfer Kreisarchiv aufbewahrt wird. Die Dokumente behandeln hauptsächlich Ereignisse zwischen 1920 und 1970.

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Abb.: Anlässlich der Einweihung der Carl-Schmitz-Halle in Oelde veranstaltete Werner Habig am 27.04.1952 ein großes Fest mit rund 2500 Gästen. Alle Angestellten von Westfalia Separator waren mit ihren Partnern eingeladen. (KAW, S 1/59 Müller-Habig, Oelde Nr. 59)

Dabei beziehen sich die Unterlagen in erster Linie auf die Familie Habig und nur zum Teil auf die Firma Westfalia. Der wesentliche Fokus liegt auf dem Ehepaar Werner und Maria Habig und deren Kindern Margot Müller-Habig und Heinz-Werner Habig.

Ein Schwerpunkt des Bestandes ist die umfassende Korrespondenz der Familienmitglieder. Die Familie Habig war in Politik, Wirtschaft und Kirche ausgesprochen gut vernetzt. Ausdruck dieses Netzwerks sind zahlreiche Schreiben von Bischöfen und Ordensangehörigen oder auch politischen Autoritäten wie dem ehemaligen Reichskanzler Heinrich Brüning oder Regierungspräsident Franz Hackethal, die sich oft auch an Maria Habig wenden.

Erwähnenswert ist auch die Sammlung von Feldpostbriefen aus dem Zweiten Weltkrieg von Mitarbeitern der Firma Westfalia sowie von Freunden und Familienmitgliedern. Des Weiteren sind zahlreiche Briefe von Heinz-Werner Habig, dem einzigen Sohn von Maria und Werner Habig, aus den 1930er bis 1950er Jahren erhalten, die ein lebendiges Bild der Verhältnisse – besonders  von denen in den USA – Anfang der 50er Jahre zeichnen.

Deutlich wird dabei auch die Internationalität der Familie Habig: So vertrat Heinz-Werner Habig seit 1949 die Tochterfirma „Centrico“ in den USA. Fotos und Zeitungsausschnitte auch zu Heinrich Brüning, dem ehemaligen deutschen Reichskanzler, ergänzen den Bestand zusätzlich. Mit diesem war die Familie Habig befreundet. Einige gut dokumentierte Besuche von Angehörigen in den USA sind bezeichnend für den engen Kontakt der Familie.

Nicht zu vergessen sind die zahlreichen Manuskripte von Trude König geb. Hope. In ihrer Kindheit hatte Margot Müller-Habig Klavierunterricht bei der jüdischen Pianistin Trude Hope. Nachdem diese 1935 in die USA emigrierte, nahm Margot Müller-Habig in den 1980ern Kontakt zu ihrer ehemaligen Lehrerin auf und traf sich mit ihr 1996 in den USA. Als Trude König zwei Jahre später verstarb, ließ Margot Müller-Habig den Bericht ihrer Lehrerin über deren Flucht aus Nazi-Deutschland ins Deutsche übersetzen und veröffentlichen.

Kontakt:
Kreisarchiv Warendorf
Waldenburger Straße 2
48231 Warendorf
Telefon: 02581/53-1040
kreisarchiv@kreis-warendorf.de

Quelle: Kreis Warendorf, Pressemitteilung, 21.1.2016

Nach 12 Jahren Abschied vom Unitätsarchiv Herrnhut

Am 14. Januar 2016 wurde in einer öffentlichen Feierstunde in Herrnhut Dr. Rüdiger Kröger nach 12-jährigem Wirken als Leiter des Unitätsarchivs der Evangelischen Brüder-Unität verabschiedet. Mit ihm verliert die Brüdergemeine einen profunden Kenner und unermüdlichen Erforscher der vielfältigen Bestände des Unitätsarchivs (Beständeübersicht). Rüdiger Kröger verabschiedete sich mit einem Vortrag »Martin Eugen Beck (1833-1903) und die Erneuerung der evangelischen Paramentik im 19. Jahrhundert« und gab damit noch einmal Einblick in eines seiner Spezialgebiete.

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Abb.: Der bisherige Unitätsarchivar Dr. Rüdiger Kröger bei seinem Abschiedsvortrag in Herrnhut (Foto: Brüder-Unität)

Dass Hannover im Abschiedsvortrag oft genannt wurde, bekam einen besonderen Klang, da Kröger eine Stelle im Landeskirchlichen Archiv in Hannover antritt, wo auch seine Familie lebt. Mit den Worten »Ein letztes Mal in Funktion, aber nicht zum letzten Mal in Herrnhut« machte der Scheidende deutlich, dass ihm Brüdergemeine und Brüdergeschichte ans Herz gewachsen sind. Neue Unitätsarchivarin ist die bisherige Stellvertreterin, Claudia Mai. Ihr Stellvertreter wird Olaf Nippe. Claudia Mai hob an ihrem Vorgänger hervor, »nicht als hemdsärmelig verstaubter Archivar sondern als moderner Netzwerker« gewirkt zu haben.

Das Unitätsarchiv in Herrnhut ist das Archiv der zentralen Institutionen der weltweiten Brüder-Unität sowie der Europäisch-Festländischen Unitätsprovinz. Es wurde 1764 bei der ersten Generalsynode nach Zinzendorfs Tod mit dem Standort Zeist gegründet. Seit 1820 befindet sich das Archiv in Herrnhut, wo es 1890 erstmals in einem eigenen Archivgebäude untergebracht wurde. Dieser Altbau gilt als ältester Archivzweckbau Sachsens und steht unter Denkmalschutz. Im Jahr 1998 wurde durch Umbau ein Lesesaal für Benutzer eingerichtet und 2000-2002 das Archiv durch den Bau eines neuen Magazins erweitert.

Kontakt:
Unitätsarchiv
Zittauer Straße 24
02747 Herrnhut
Telefon +49 (0)35873-487 31
Fax +49 (0)35873-487 66
unitaetsarchiv(at)ebu.de
www.archiv.ebu.de

Quelle: Evangelische Brüder-Unität, Pressemitteilung, 15.1.2016

Israel veröffentlicht Adolf Eichmanns Gnadengesuch

Mehr als ein halbes Jahrhundert nach der Hinrichtung von Adolf Eichmann hat Israel das Gnadengesuch des deutschen NS-Verbrechers veröffentlicht. Eichmann hatte nach der Wannsee-Konferenz 1942 die Vertreibung und Deportation der europäischen Juden organisiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg flüchtete er nach Argentinien, wurde dort 1960 von Agenten des israelischen Geheimdiensts Mossad entführt. 1906 im Rheinland als Sohn eines Buchhalters geboren, wurde Eichmann SS-Obersturmbannführer und als Leiter des für die Organisation der Vertreibung und Deportation der Juden zuständigen Eichmannreferats des Reichssicherheitshauptamtes in Berlin zentral mitverantwortlich für den Holocaust in Europa.

Der Eichmann-Prozess vor dem Jerusalemer Bezirksgericht begann am 11. April 1961 und endete am 15. Dezember 1961 mit dem Todesurteil, das am 29. Mai 1962 durch das Berufungsgericht bestätigt wurde. 48 Stunden später wurde Eichmann gehängt. Eichmanns Gnadengesuch vom 29. Mai 1962 wurde jetzt vom israelischen Staatspräsidenten anlässlich des Holocaust-Gedenktages zusammen mit weiteren Dokumenten, u.a. von Geschwistern Eichmanns, seiner Ehefrau und seinem Anwalt, veröffentlicht.

Adolf Eichmann zeigte sich bis zuletzt uneinsichtig und bezeichnete sich in seinem Gnadengesuch als unschuldig. „Ich erkläre nochmals wie bereits vor Gericht geschehen: ich verabscheue die an den Juden begangenen Gräuel als größte Verbrechen und halte es für gerecht, dass die Urheber solcher Gräuel jetzt und in Zukunft zur Verantwortung gezogen werden. Es ist dabei aber die Grenze zu ziehen zwischen den verantwortlichen Führern und den Personen, die, wie ich, lediglich Instrument der Führung sein mussten. Ich war kein verantwortlicher Führer und fühle mich daher nicht schuldig“.

Abb.: Gnadengesuch Adolf Eichmann, 29.5.1962 (Spokesman Presidency of Israel)

Link: http://www.president.gov.il/English/Presidential_Activities/Press_Releases/Pages/news_2701.aspx

 

Alt-OB Kronawitter übergibt seine politischen Papiere dem Stadtarchiv München

Im Spätherbst 2015 erhielt das Stadtarchiv München einen gewichtigen Bestand zur Münchner Stadtgeschichte der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts – die politischen Akten des ehemaligen Münchner Oberbürgermeisters Georg Kronawitter (SPD). Es handelte sich dabei um 35 Kartons mit insgesamt ca. 20 Regalmetern Schriftgut, Fotos und Materialien in Leitzordnern, dazu Grafiken aus dem Zeitraum 1971 bis 2004. Der 1928 geborene Kronawitter war von 1972 bis 1978 sowie von 1984 bis 1993 Oberbürgermeister.

20160126Der Bestand enthält u.a. Wahlkampfunterlagen zu den OB-Kandidaturen 1972, 1984 und 1990, politische Reden im Zeitraum 1971 bis 1993, Fotodokumentationen seiner öffentlichen Auftritte in beiden Amtszeiten, Dokumentation seiner OB-Reisen, z.B. der China- und Japanreise im Jahr 1975, Materialsammlung und Korrespondenz über die Zusammenarbeit und die Kontakte zur SPD-Stadtratsfraktion, darunter umfangreiches Material zu den innerparteilichen Auseinandersetzungen der Münchner SPD in den 1970er Jahren, die im Parteiausschlussverfahren gegen den dem rechten Parteiflügel angehörigen Fraktionsvorsitzenden Hans Preißinger gipfelten und schließlich zum Verzicht Kronawitters auf eine erneute Kandidatur für 1978 führten, Karikaturen zu Kronawitters politischem Wirken, Material zu Kronawitters politischem Engagement als Landtagsabgeordneter (1994 bis 1998). Hervorzuheben ist hier das von ihm initiierte Bürgerbegehren „Initiative ‚Unser München’“, das den Bau von Hochhäusern verhinderte, die die Türme der Frauenkirche (99 Meter) überragen würden.

Von besonderem Interesse für die Forschung wird einmal Kronawitters politisches Tagebuch sein, das er von 1980 bis zu seinem Abschied als Oberbürgermeister im Mai 1993 führte; es umfasst allein 23 Ordner. Aufgrund von bestehenden Persönlichkeitsrechten ist dieses Material aber derzeit noch nicht für die Einsichtnahme freigegeben.

Kontakt:
Landeshauptstadt München
Stadtarchiv
Winzererstraße 68
80797 München

Quelle: Stadtarchiv München, Pressemitteilung

Bestände des Archivs der Akademie der Künste online recherchierbar

Seit kurzem sind die umfangreichen Bestände des Archivs der Akademie der Künste für jeden online recherchierbar. Unter der Adresse https://archiv.adk.de lassen sich detaillierte Informationen zu gut 1 Million Archivalien und 462.000 analogen wie digitalen Objekten abrufen. Zu den Beständen gehören derzeit 1.130 Vor- und Nachlässe von Künstlerinnen und Künstlern, die Archive von 45 Institutionen und Verbänden sowie 70 thematische Sammlungen.

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Neben Basisinformationen zu allen Beständen (Inhalt, Umfang, Benutzbarkeit, Literatur) werden die bereits bearbeiteten Archivalien in der Online-Datenbank detailliert beschrieben. Zum Beispiel lässt sich ermitteln, ob der Text vom Mackie-Messer-Song im Original vorliegt, mit wem Heinrich Mann korrespondierte, was Friedrich Hollaender komponierte und in welchen Rollen Elisabeth Bergner und Paul Wegener brillierten. Die Architekturmodelle und -zeichnungen von Bruno Taut und Hans Scharoun sind genauso erschlossen wie die Skizzenbücher von George Grosz oder Alfred Hirschmeiers Szenografien zum Film Solo Sunny von Konrad Wolf. Vor allem aber lassen sich die vielfältigen Beziehungen der Künstler untereinander aufspüren. Eine einfache Datenbanksuche dokumentiert das spartenübergreifende Geflecht von persönlichen und Arbeitsbeziehungen, das ein Kennzeichen der Moderne ist.

Eine Besonderheit bieten die Akten der Preußischen Akademie der Künste. Trotz großer Kriegsverluste ist die Geschichte der drittältesten europäischen Akademie gut dokumentiert. Die über 2.000 Aktenbände sind vollständig digitalisiert und können online gelesen und heruntergeladen werden. Die Akten sind nicht nur eine herausragende Quelle zur deutschen und Berliner Kunst- und Kulturgeschichte, sie sind auch ein hervorragendes Hilfsmittel für biographische Recherchen. Hier lassen sich Spuren von Daniel Chodowiecki, Karl Friedrich Schinkel und Max Liebermann genauso nachvollziehen wie die von Ricarda Huch, Renée Sintenis und Käthe Kollwitz – ideale Forschungsbedingungen, die nun auch online genutzt werden können.

Kontakt:
Akademie der Künste
Dr. Torsten Musial
Leiter des Filmarchivs
Akademie der Künste
Robert-Koch-Platz 10
10115 Berlin
Tel. +49(0)30 200 57-32 58 / -30 00
Fax +49(0)30 200 57-31 02
musial@adk.de
www.adk.de

90 Jahre Stadthalle Mülheim an der Ruhr

Ausstellung Räume festlicher Stimmung – Die Innenarchitektur der Stadthalle von 1926 in historischen Fotografien

Als die Stadthalle Mülheim an der Ruhr am 5. Januar 1926 eröffnet wurde, erhielt Mülheim an der Ruhr einen außerordentlichen Kultur- und Veranstaltungsort. Errichtet auf Initiative und mit finanzieller Beteiligung des Bürgertums, gab der Bau der Stadthalle während der Weltwirtschaftskrise vielen Mülheimer Firmen und Handwerkern eine Arbeitsgelegenheit. Doch der Bau war nicht nur eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, sondern auch ein Bauwerk mit ästhetisch-künstlerischem Anspruch. So wurde die Stadthalle an städtebaulich herausragender Stelle am Ruhrufer als Teil eines Ensembles von Rathaus, Stadtbad und Schlossbrücke errichtet und hochwertig ausgestattet. Besonders diese Innenraumgestaltung sorgte dann bei der Eröffnung für Furore und erfuhr überregionale Bedeutung.

Innenarchitektur im Stil der Zeit
Der Architekt Emil Fahrenkamp wollte im Zusammenspiel von Farben, Formen und Materialien „Räume festlicher Stimmung“ schaffen. Ihm gelang mit Unterstützung bedeutender Künstler wie Paul Speck, Max Läuger und Jan Thorn-Prikker eine überwältigende Ausstattung auf der künstlerischen Höhe der damaligen Zeit. Diese Innenarchitektur ist jedoch im Zweiten Weltkrieg weitgehend untergegangen.

20160123Abb.: Theatersaal nach der Eröffnung der Stadthalle am 5. Januar 1926 (und vor der Zerstörung durch Bomben am 22./23. Juni 1943)

Fotografische Quellen
Aus Anlass des Jubiläums der Stadthalle und auf der Grundlage historischer Fotografien aus den Beständen des Stadtarchivs Mülheim an der Ruhr ermöglicht es nun die Ausstellung „Räume festlicher Stimmung“, diese Originalausstattung von 1926 im Bild wieder zu entdecken. Ästhetisch und dokumentarisch eindrucksvolle Ansichten vermitteln Raumeindrücke, Gestaltungselemente und technische Details einer Innenarchitektur, die vor 90 Jahren zu der modernsten und avantgardistischsten ihrer Zeit zählte.

Info:
„Räume festlicher Stimmung“
Innenarchitektur der Stadthalle von 1926 in historischen Fotografien
Eine Ausstellung des Stadtarchivs Mülheim an der Ruhr
9. Januar bis 15. April 2016
(Montag bis Freitag 9.00 bis 20.00 Uhr)

Haus der Stadtgeschichte (Foyer)
Von-Graefe-Straße 37
45470 Mülheim an der Ruhr

Kontakt:
Dr. Kai Rawe, Stadtarchiv Mülheim an der Ruhr (0208 / 455 4260)

Westerholter Chronik ans Stadtarchiv Herten übergeben

Bei der Auflösung des Haushalts ihrer Mutter hat Elimar Koch einen wahren Schatz gefunden. Der Dorstenerin fiel die Westerholter Chronik von 1803 bis 1830 in die Hände. Jetzt gab sie dieses einmalige Schriftstück bei Kirsten Noetzel, Leiterin des Stadtarchivs Herten, ab. Das Buch gibt viel über das damalige Leben preis, voraussetzt, man kann die altdeutsche Schrift lesen. Dann erfährt man bislang unbekannte Details über Bevölkerungszahlen, Hungersnöte oder Mordprozesse.

20160122aAbb.: Kirsten Noetzel, Leiterin des Stadtarchivs, Bürgermeister Dr. Uli Paetzel, Hans-Jochen Schräjahr, Elimar Koch und Günter Kochen (v.l.) bei der Übergabe der Westerholter Chronik an das Stadtarchiv Herten (Foto: Stadt Herten).

„Das frühe 19. Jahrhundert war eine spannende Zeit. Die Westerholter erlebten Machtwechsel, Krieg, Hunger und echte Helden. Aber auch die Industrialisierung warf ihre Schatten voraus“, weiß Kirsten Noetzel. Für eine Ausstellung im Heimatkabinett Westerholt, die am Mittwoch, 27. Januar, um 11.30 Uhr eröffnet, stellt sie die Chronik zur Verfügung. Das Thema der Ausstellung ist die vorindustrielle Zeit in Westerholt, also der Zeitraum, bevor die Zechen öffneten. Neben der Chronik sind Exponate zu sehen, die diese Zeit repräsentieren, sei es den Alltag oder auch die kriegerischen Auseinandersetzungen.

„Solche Chroniken wurden damals durch die Gemeindevorsteher erstellt. Sie sind sehr selten und gehören unbedingt in die Obhut von Archiven“, erklärt Kirsten Noetzel und bedankte sich für die Abgabe des Buches. Wie dieses Erbstück in den Besitz ihrer Familie kam, weiß Elimar Koch nicht: „Wir hatten zwar Verwandtschaft in Scherlebeck, mehr ist mir über die Verbindung nach Herten aber nicht bekannt.“ Von ihrem Fundstück berichtete sie dem ehemaligen Studiendirektor und Geschichtslehrer Hans-Jochen Schräjahr. Als Vorstandsmitglied des Orts- und Heimatkundevereins Dorsten wusste er sofort, um welch ein seltenes Schriftstück es sich bei der Chronik handelt: „Die Rückschlüsse, die wir aus solch historischen Dokumenten ziehen könne, sind erstaunlich. So wissen wir heute, dass ein Vulkanausbruch in Indonesien 1815 die Ursache für eine große Hungersnot war, unter der die Bevölkerung aus hier gelitten hat.“

Bürgermeister Dr. Uli Paetzel bedankte sich ebenfalls persönlich bei Elimar Koch für die Zurverfügungstellung der Chronik: „Ich bin immer wieder begeistert, welche geschichtlichen Details auf diesem Wege deutlich werden. Einfach toll, dass Frau Koch uns dieses Dokument der Zeitgeschichte überlassen hat!“

Kontakt:
Stadtarchiv Herten
Rathaus
Kurt-Schumacher-Straße 2
45699 Herten
Telefon: 0 23 66 / 303 233
k.noetzel@herten.de

Quelle: Stadt Herten, Pressemitteilung, 21.1.2016

Das Stadtarchiv als Gedächtnis und Erlebnisort Aachens

Dass Dr. René Rohrkamp seit einem Jahr Leiter des Stadtarchivs Aachen ist, nahm die Aachener Zeitung zum Anlass, über die ersten Erfahrungen, die Aufgaben und Ziele mit dem Stadtarchivar zu sprechen.

20160122„Wir sind in Deutschland gewiss eines der bedeutendsten Kommunalarchive. Seit dem Umzug in die Nadelfabrik sind wir sicher auch eines der modernsten Archive. Das haben wir auch der Unterstützung von Politik und Verwaltung zu verdanken. Die besondere Bedeutung macht sich nach wie vor an Aachen als Krönungsort fest.“ (Dr. René Rohrkamp, Leiter des Stadtarchivs Aachen; Foto: Stadt Aachen)

Rohrkamp, Historiker mit Schwerpunkt Neuzeit, möchte das Aachener Stadtarchiv in der Nadelfabrik stärker im Bewusstsein der Bevölkerung platzieren. Man versuche, sich mit dem Stadtarchiv in der Nadelfabrik zwischen den dortigen sozialen, sportlichen und künstlerischen Angeboten zu behaupten und zu integrieren. Zweijährlich findet ein Tag der offenen Tür statt, das nächste Mal am 24. April 2016. Zusätzlich wird sich das Stadtarchiv erstmals am bundesweiten „Tag der Archive“ Anfang März 2016 beteiligen.

Eine neue Aktion des Aachener Stadtarchivs heißt „Archivalie des Monats„. Die Präsentation eines Dokuments soll dabei gemeinsam mit passenden Menschen geschehen. Im Dezember 2015 waren dies zum Beispiel Weihnachtswunschzettel vom Ende des 19. Jahrhunderts, die gemeinsam mit Kindern des Spielhauses Kennedypark vorgestellt worden sind. Ein Vorteil zur Realisierung dieser Idee wie für die tägliche Arbeit ist, dass im Gegensatz zu früher alle Bestände an einen Standort zusammen geführt worden sind.

Das Magazin weist einen Stauraum von 14 Kilometern auf. Davon sind bereits elf Kilometer besetzt. Das Stadtarchiv besitzt rund 100.000 Fotos, 20.000 Urkunden, 15.000 Pläne, mehrere Kilometer Akten. Das ist das Ergebnis der Überlieferung von beinahe 1.000 Jahren Stadtgeschichte, das älteste Stück stammt von 1018.

Zukünftig möchte sich das Stadtarchiv auch an der Auseinandersetzung mit dem Thema Identität und Migration beteiligen. Rohrkamp denkt dabei u.a. an einen „Archivführer Migration“, aber auch an Bachelor- und Masterarbeiten, die in Zusammenarbeit mit Studierenden der RWTH Aachen entstehen könnten.

Das ganze Interview mit Dr. René Rohrkamp findet sich hier.

Kontakt:
Stadtarchiv Aachen
in der Nadelfabrik
Reichsweg 30
52068 Aachen
Tel.: +49 / (0)241-432-4972
Fax: +49 / (0)241 / 432-4979
stadtarchiv@mail.aachen.de
www.stadtarchiv-aachen.de

Quelle: Hans-Peter Leisten, Aachener Zeitung, 2.1.2016

Leiter des Staatsarchivs Detmold geht in den Ruhestand

Der Leiter der Abteilung Ostwestfalen-Lippe des Landesarchivs NRW, des früheren Staatsarchivs Detmold, Dr. Hermann Niebuhr, wird am 22. Januar 2016 von NRW-Kulturministerin Christina Kampmann in den Ruhestand verabschiedet.

niebuhr12Nach gut 35 Jahren Archivdienst wird Dr. Hermann Niebuhr (*1950) in den verdienten Ruhestand verabschiedet. Niebuhr kennt das Detmolder Archiv seit seiner Ausbildung zum wissenschaftlichen Archivar 1981 und seiner Ernennung zum Archivrat 1983. Von 2003 bis zum August 2012 fungierte Dr. Hermann Niebuhr als stellvertretender Abteilungsleiter. Seit dem 30.08.2012 leitet er die Detmolder Abteilung des Landesarchivs NRW, das mit 31 Regalkilometern Archivgut größte Archiv in der Region Ostwestfalen-Lippe.

Niebuhr war seit seinem Amtsantritt in Detmold in verschiedenen Aufgabenbereichen tätig, etwa bei der Bewertung amtlichen Schriftguts, als Leiter der Fotowerkstatt oder in der Öffentlichkeitsarbeit. Sein besonderes Engagement galt jedoch seit dem Jahr 2000 der Ausbildung von Archivarinnen und Archivaren des höheren Archivdienstes, der Überlieferung nicht-amtlicher Unterlagen, also etwa von Personen-, Firmen- und Vereinsnachlässen, und der Kooperation mit den Archiven und Kultureinrichtungen in der Region. Dabei lag ihm die Gedenk- und Erinnerungsarbeit, an der sich das Archiv seit langem aktiv beteiligt, besonders am Herzen. Durch zahlreiche Veröffentlichungen machte er sich bei den historisch Interessierten einen Namen, etwa als langjähriger Redakteur der Lippischen Mitteilungen aus Geschichte und Landeskunde, als Mitherausgeber der Reihe zur Detmolder Stadtgeschichte oder der Reisetagbücher der Fürstin Pauline.

Das Landesarchiv NRW verabschiedet nun einen engagierten und vielseitigen Archivar, der das Detmolder Archiv nachhaltig prägte. Der Festakt mit Urkundenübergabe durch Kulturministerin Kampmann findet am Freitag, 22. Januar 2016, von 17.00 bis 19:30 Uhr, in der Abteilung Ostwestfalen-Lippe des Landesarchivs NRW, Willi-Hofmann-Straße 2, 32756 Detmold, statt.

Kontakt:
Landesarchiv NRW Abt. OWL
Willi-Hofmann-Straße 2
32756 Detmold
Tel.: 05231 766-0
Fax: 05231 766-114
owl@lav.nrw.de

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