Pforzheimer Stadtarchiv und Kepler-Gymnasium schließen Bildungspartnerschaft

Aanlässlich eines Archivbesuchs der Klasse 9c des Pforzheimer Kepler-Gymnasiums wurde am 12.4.2019 eine förmliche Bildungspartnerschaft zwischen den beiden Institutionen unterzeichnet. Führungen und Projektarbeit, das Arbeiten mit Originalen und selbständiges Forschen: Das Stadtarchiv Pforzheim macht Geschichte mit unmittelbarem Bezug zu Pforzheim für Schulen lebendig.

Abb.: Ab jetzt Bildungspartner: Schulleiterin Heike Reifurth (r.), Fachobmann Boris Radojević (l.) mit Andrea Binz-Rudek, Klara Deecke und Annett Post-Hafner (Mitte, v.l.n.r.) vom Stadtarchiv (Foto: Stadt Pforzheim)

Die archivpädagogischen Angebote werden jährlich von über 300 Schülerinnen und Schüler wahrgenommen. „Archive sind wichtige außerschulische Lernorte. Archivpädagogik führt Schülerinnen und Schüler an einen kritischen Umgang mit der Geschichte und die selbständige Erforschung von Originalquellen heran“, erläutert Schulleiterin Heike Reifurth den Hintergrund der Bildungspartnerschaft. Ziel der Bildungspartnerschaft ist es, dass jede Schülerin und jeder Schüler des Kepler-Gymnasiums im Laufe seiner Schulzeit mindestens einmal das Stadtarchiv besucht.

Für das Stadtarchiv ist es die dritte Bildungspartnerschaft mit einer Pforzheimer Schule. Im vergangenen Jahr kooperierte das Stadtarchiv mit zehn Schulen für archivpädagogische Projekte, darunter auch das Kepler-Gymnasium. „Die Bildungspartnerschaft ist damit auch eine Anerkennung für die bisherige erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen den engagierten Lehrerinnen und Lehrern und den Kolleginnen im Archiv, welche die archivpädagogischen Projekte hervorragend begleiten“, so Archivleiterin Klara Deecke.

Abb.: Die Klassensprecher der 9c des Kepler-Gymnasiums überreichen mit ihrer Geschichtlehrerin Sarah Reine (r.) einen Beitrag zum Wettbewerb um den Georg-Simler-Preis für stadtgeschichtliche Arbeiten an Schulen an Annett Post-Hafner, Andrea Binz-Rudek und Klara Deecke vom Stadtarchiv (v.l.n.r.) (Foto: Stadt Pforzheim)

Wie produktiv die Arbeit mit Archivmaterial sein kann, beweist die Klasse 9c des Kepler-Gymnasiums. Die Klasse überreichte mit ihrer Geschichtslehrerin Sarah Reine im Anschluss an die Archivführung eine Dokumentation zur Geschichte jüdischen Lebens in Pforzheim als Beitrag zum Wettbewerb um den Georg-Simler-Preis für stadtgeschichtliche Arbeiten an Schulen in Pforzheim und dem Enzkreis. Informationen über die Teilnahme am Wettbewerb wie zur Archivpädagogik finden sich auf der Website des Stadtarchivs.

Kontakt:
Stadtarchiv Pforzheim – Institut für Stadtgeschichte
Kronprinzenstr. 28
75177 Pforzheim
Tel. 07231 39-2899
archiv@pforzheim.de
www.stadtarchiv.pforzheim.de

Quelle: Stadt Pforzheim, Pressemitteilung, 12.4.2019

Jazzklub übergibt Dokumente ans Stadtarchiv Krefeld

Der Jazzklub Krefeld hat seinen Archivbestand mit Vereinsunterlagen aus den ersten 30 Jahren seines Bestehens an das Stadtarchiv Krefeld übergeben. Die Schenkung umfasst Aktenordner mit Fotos, Programmheften, Plakaten, Pressetexten und Korrespondenz mit Musikern. „Damit haben wir eine tolle Überlieferung zur Musikgeschichte in der Nachkriegszeit erhalten. Hier im Archiv möchten wir die Stadtgeschichte möglichst umfassend und nicht nur aus Sicht der Verwaltung präsentieren. Darum sind wir sehr begeistert von diesen Dokumenten“, freut sich Dr. Christoph Moß, der stellvertretende Leiter des Stadtarchivs.

Aus der Not heraus geboren
„Der Jazzklub wurde 1979 aus der Not heraus geboren“, berichtet Günter Holthoff, Grünungsmitglied des Klubs. Der Verein wurde ins Leben gerufen, um den damals verschuldeten Jazzkeller mithilfe von Spenden, Zuschüssen und Mitgliedsbeiträgen zu retten. Durch Sponsoren und Benefizkonzerte war dieses Ziel schnell erreicht und der „Förderverein“ des Jazzkellers hatte seinen Zweck erfüllt. „Aber der Klub machte einfach Spaß“, meint Holthoff. Es habe viele Gespräche mit bekannten Musikern gegeben und der Jazzklub entwickelte ein Eigenleben. „Wir haben tausende Konzerte veranstaltet, die genaue Zahl ist nicht zu erfassen“, berichtet der Jazzliebhaber. 1985 fand das erste Mini-Jazz-Festival im Vorhof der Burg Linn statt. Daraus entwickelte sich das internationale Festival „Jazz an einem Sommerabend“, welches heute ein Highlight im Kulturprogramm der Stadt darstellt.

Abb.: Übergabe von Archivgut des Jazz-Klub Krefeld an das Stadtarchiv (von links): Jürgen Sauerland-Freer, Leiter des Kulturbüros, Günter Holthoff vom Jazzklub Krefeld. Dr. Christoph Moß, stellvertretender Leiter des Stadtarchivs, und Christoph Kuntze vom Jazzklub Krefeld. (Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken)

Aktuell hat der Jazzklub Krefeld rund 375 Mitglieder, die sämtliche Veranstaltungen des Vereins ehrenamtlich organisieren. „Wir halten persönlichen Kontakt mit den Musikern und Agenturen und sind Ansprechpartner für deren Tourplanung“, weiß Christoph Kuntze, der Kassenwart des Jazzklubs. Jährlich finden rund 50 Konzerte und Aktionen an verschiedenen Standorten in Krefeld statt. Dazu gehören beispielsweise der Jazzherbst im Theater, Konzerte im Rahmen der Jüdischen Kulturtage im Habima und Jazzstunden mit jungen Bands im Musikunterricht der Krefelder Schulen. Städtische Zuschüsse unterstützen die Arbeit des Vereins. „Die Förderpolitik handelt nach der Maßgabe ‚Fördern, was es schwer hat‘ und das ist beim Jazz leider der Fall“, meint Jürgen Sauerland-Freer, der Leiter des Fachbereichs Kultur. Umso erfreulicher sei es, dass der Jazzklub als ehrenamtlicher freier Akteur diese Musikrichtung dezentral über die Stadt verteile.

Runde Geburtstage in diesem Jahr
„Dieses Jahr wird der Jazzklub 40 und das Jazzfestival 35 Jahre alt“, freut sich Kuntze. Um dies zu feiern, wurden die diesjährigen Quartalsflyer von mehreren jungen Krefelder Designern gestaltet und von einer Krefelder Druckerei produziert. Damit wird die Verbindung des Vereins mit der jungen kreativen Szene und der Stadt deutlich gemacht. Auch einige besondere Konzerte wird es in diesem Jahr geben: Am 6. Juli 2019 spielt das mittlerweile weltbekannte Michael Wollny Trio als „Hauptact“ bei „Jazz an einem Sommerabend“, im Dezember wird es im Rittersaal der Burg Linn ein feierliches Abschlusskonzert des Jubeljahres geben.

Großer Schritt für das Archiv
„Die Übergabe der Vereinsunterlagen an das Stadtarchiv leisten einen wichtigen Beitrag zur Bewahrung des kulturellen Erbes von Krefeld. Das sollten wir mit anderen freien Kultureinrichtungen viel öfter machen“, so Sauerland-Freer. Im Archiv gebe es bereits Unterlagen vom Theater am Marientor und von der Kulturfabrik. „Für uns als Archiv ist es wichtig, solche Einrichtungen zu dokumentieren, da sie ein bedeutender Teil der Krefelder Kulturgeschichte sind“, fügt Dr. Moß hinzu. Der Bestand des Jazzklubs wird im Laufe der nächsten Monate vom Archiv erfasst und für interessierte Bürger nutzbar gemacht werden. „Denn unser größtes Ziel ist es, dass die Krefelder sich bei uns mit vielen geschichtlichen Themen befassen können. Im Bereich Musikgeschichte sind wir dabei jetzt einen großen Schritt weiter“, so der Archivar.

Kontakt:
Stadtarchiv Krefeld
Konrad-Adenauer-Platz 17 (Eingang: Girmesgath 120)
47803 Krefeld
Tel.: 0 21 51 / 86-2701
stadtarchiv@krefeld.de

Quelle: Stadt Krefeld, Pressemitteilung, 17.4.2019

Stadtarchiv Magdeburg öffnet seine Fotoalben

Zum Bauhausjubiläum schaltet das Stadtarchiv Magdeburg ein neues Angebot frei: Mehr als 1.000 hochauflösende Fotoaufnahmen aus der Zeit der Magdeburger Moderne laden ein zu einem digitalen Stadtrundgang. Im Zentrum stehen die 1920er Jahre, als sich Magdeburg neu erfand.

Rechtzeitig zur großen Konferenz „Die Ära Beims. Ein Oberbürgermeister als Wegbereiter der Moderne“ am 24.–26. April 2019 veröffentlicht das Stadtarchiv mehr als 1.000 historische Fotografien aus dem umfangreichen „Fotobestand Hochbauamt“, der mit mehr als 33.000 Aufnahmen als wichtigster Fundus aus dieser Zeit in Magdeburg gilt. Lichtbildwerke von bedeutenden Künstlern wie Xanti Schawinsky geben teils unverstellte Einblicke in eine Zeit des Aufbruchs. Die originalen Glasplatten der im städtischen Auftrag gefertigten Fotografien wurden hochauflösend digitalisiert.

Ein Rundgang in 30 Kapiteln erzählt vom Ausbruch aus der Enge der Festungsstadt, vom neuen Leben in den modernen Siedlungen und von der Technisierung aller Lebensbereiche. Zu sehen sind die wichtigen Bauten der Moderne, aber auch Parkanlagen, Industriebetriebe oder der 1929 eröffnete Flughafen an der Berliner Chaussee. Noch nie veröffentlichte Aufnahmen führen in neue Schulen und moderne Wohnungen, zeigen Freizeit, Sport, Kultur und festliche Höhepunkte der Zwanziger Jahre. Über einen Zeitstrahl und durch die Volltextrecherche kann individuell gesucht werden. Es ist eine Einladung, sich selbst ein Bild von der Zeit des Aufbruchs vor 100 Jahren zu machen.

Das Angebot bildet den Auftakt für eine neue Plattform, auf der das Stadtarchiv Magdeburg digitalisiertes Archivgut aus ausgewählten Beständen online veröffentlicht. Die neue Website ist unter www.magdeburger-moderne.de erreichbar.

Kontakt:
Stadtarchiv Magdeburg
Mittagstraße 16
39124 Magdeburg
+49 391 540- 2912
archiv@magdeburg.de

Quelle: Stadtarchiv Magdeburg, Medieninformation

Ermordung des sächsischen Kriegsminister Gustav Neuring (MSPD) im April 1919

Archivale im Fokus, April 2019

Am 12. April 1919 wurde der Sächsische Kriegsminister Gustav Neuring von einer aufgebrachten Menge nach einer Protestkundgebung ermordet. Die Tat führte zur Ausrufung des Belagerungszustands im noch jungen Freistaat Sachsen und zog umfangreiche Gerichtsverhandlungen mit hohem Medieninteresse nach sich.

Abb.: Auszug aus der Ladung der elf Angeklagten im Mordfall Neuring zur Eröffnung des Hauptverfahrens am 21. Juli 1919 durch die Staatsanwaltschaft (SächsStA-D, 11120 Staatsanwaltschaft beim Landgericht Dresden, Nr. 2277/1)

Gustav Neuring war ein ehemaliger Gewerkschaftsbeamter und Mitglied der Mehrheitssozialdemokratischen Partei Deutschlands (MSPD).  Im Jahr 1919 wurde er zum Minister für Militärwesen des jungen Freistaats Sachsen ernannt. – Nachdem die Berliner Regierung beschlossen hatte, ab dem 11. April 1919 den Sold u. a. des Sanitätspersonals und der Lazarettinsassen zu kürzen, versammelten sich diese einen Tag später auf dem Dresdner Theaterplatz zu einer Kundgebung. Die Menge beschloss acht Forderungspunkte, die von zwei Deputationen, eine des Sanitätspersonals und eine der Kriegsversehrten, an den Kriegsminister Neuring überbracht werden sollten. Zu diesem Zweck zogen die Demonstranten über die Friedrich-August-Brücke (heute Augustusbrücke) zum Kriegsministerium im Blockhaus am Neustädter Markt.

Um den Kriegsversehrten zu ermöglichen, sich auszuruhen, öffneten die Wachsoldaten den Innenhof der Neustädter Wache und stellten Bänke bereit. Die erste Deputation wurde in das Büro des Ministers Neuring geführt, um Verhandlungen aufzunehmen. Neuring, der durchaus Verständnis für das Anliegen der Demonstranten äußerte, aber die Anordnungen der Berliner Regierung nicht eigenmächtig umgehen konnte, kam den Forderungen des Sanitätspersonals so weit wie möglich entgegen. Als anschließend die Forderungen der Kriegsversehrten verhandelt werden sollten, kam es jedoch zu größeren Unstimmigkeiten durch die versuchte Teilnahme von zwei bekannten Kommunisten an der Verhandlung. Nachdem der Sekretär des Ministers diese von den Verhandlungen ausgeschlossen hatte, traten sie vor die Demonstranten und verbreiteten Behauptungen über ein grundsätzliches Scheitern der Gespräche. Immer stärker gelang es den kommunistischen Teilnehmern, die Menge aufzuwiegeln. Die Stimmung in der Protestbewegung, die ursprünglich aus wirtschaftlichen Gründen entstanden war, kippte zunehmend in eine wilde und unversöhnliche Raserei.

Die Wachtruppen, in Unterzahl und bereits umgeben durch die ins Ministerium eingelassene Menge, wurden überwältigt und die Waffenvorräte verteilt. Regierungstruppen, die aufgrund der sichtbaren Eskalation der Lage aus verschiedenen Bereichen der Stadt angefordert worden waren, ließen sich durch die Demonstranten stoppen und entwaffnen.

Schließlich versuchte Gustav Neuring mit direkten Worten an die Demonstranten, die Lage zu beruhigen. Ob er freiwillig vor die Menge trat oder bereits unter Zwang, wurde nie restlos geklärt. Die Stimmung war jedoch bereits zu aufgeheizt. Der Minister kam kaum zu Wort. Er wurde gepackt und durch zahlreiche Demonstranten misshandelt. Die Menge schleppte ihn auf die Friedrich-August-Brücke, von wo sie den Minister über die Brüstung in die Elbe stürzte. Gustav Neuring versuchte sich trotz seiner schweren Blessuren schwimmend ans Ufer zu retten, wurde jedoch nun von der Brücke unter Gewehrfeuer genommen und tödlich getroffen. Seine Leiche konnte erst vier Wochen später elbabwärts am Kötitzer Fährhaus gefunden werden.

Der Mord führte zur Ausrufung des Belagerungszustands in Sachsen und umfangreichen Ermittlungen. 70 Beschuldigte und über 400 Zeugen wurden vernommen. Die Überführung der tatsächlichen Täter gestaltete sich allerdings überaus schwierig. Am Ende standen 11 Angeklagte vor Gericht. Die Urteile fielen milde aus: Sie reichten von anderthalb bis drei Jahre Gefängnis mit anschließenden fünf Jahren Ehrverlust.

Die Vorgänge um den 12. April 1919 sind umfassend in den Beständen des Hauptstaatsarchivs Dresden dokumentiert. Allein sechs Akten wurden von der Staatsanwaltschaft beim Landgericht Dresden (Bestand 11120 Staatsanwaltschaft beim Landgericht Dresden) zum Prozess angelegt. Weitere Überlieferungen finden sich in den Beständen 11248 Sächsisches Kriegsministerium, 10736 Ministerium des Innern, 10789 Polizeipräsidium Dresden und 11250 Sächsischer Militärbevollmächtigter in Berlin.

Links:
Ladung vor das Schwurgericht
Bestand 10736 Ministerium des Innern
Bestand 10789 Polizeipräsidium Dresden
Bestand 11248 Sächsisches Kriegsministerium
Bestand 11250 Sächsischer Militärbevollmächtigter in Berlin

Kontakt:
Sächsisches Staatsarchiv
Hauptstaatsarchiv Dresden
Archivstr. 14
01097 Dresden
Telefon: (+49) (0)351-89 219 711 (Lesesaal),
(0)351-89 219 710 (zentrale Einwahl)

Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Archivale im Fokus, 1.4.2019

Erweiterungsbau des Staatsarchivs Bamberg eingeweiht

Ausstellung „Staatliches Bauen in Oberfranken – eine Skizze“ eröffnet

Im Rahmen eines Festaktes wurde der nach zweieinhalb Jahren fertiggestellte Erweiterungsbau des Staatsarchivs Bamberg am 29.3.2019 von den bayerischen Staatsministern Bernd Sibler und Dr. Melanie Huml seiner Bestimmung übergeben. Der Magazinbau erfüllt modernste Qualitätsansprüche und besteht aus sechs Geschossen mit fensterlosen Magazinen. Es können rund 18,9 laufende Kilometer Archivalien gelagert werden. Eine Begleitausstellung mit dem Thema „Staatliches Bauen in Oberfranken – eine Skizze“, zu der ein kleiner Katalog erschienen ist, wurde im Rahmen der Einweihung eröffnet.

Abb.: Dr. Margit Ksoll-Marcon (Generaldirektorin der Staatlichen Archive) – Bernd Sibler, MdL (Bayer. Staatsminister für Wissenschaft und Kunst) – Peter W. Schmidt, Pforzheim (Architekt BDA) – Melanie Huml, MdL (Bayer. Staatsministerin für Gesundheit und Pflege) – Frank Spallinger (Dipl.-Ing., Architekt; Peter W. Schmidt Architekten GmbH) – Dr. Christian Kruse (Leiter des Staatsarchivs Bamberg) – Jürgen König (Leiter des Staatlichen Bauamts Bamberg) – im Hintergrund der neue Erweiterungsbau (Foto: Staatsarchiv Bamberg/GDA Bayern)

Im August 2014 hatte das damalige Bayerische Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst den Planungsauftrag für den Erweiterungsbau erteilt. Im Rahmen eines Wettbewerbsverfahrens ging der 1. Preis an das Architekturbüro Peter W. Schmidt, Pforzheim. Der erste Spatenstich wurde im Oktober 2016 gefeiert, ein Jahr später das Richtfest. Die Projektsteuerung und Bauleitung lag beim Staatlichen Bauamt Bamberg. Der Erweiterungsbau mit einem Bruttorauminhalt von 14.346 m³ realisiert auf einer Grundfläche von knapp 2.000m² eine Nutzfläche von 3469 m², davon rund 200 m² für Arbeitsund Lagerräume, darunter einen Reinigungsraum mit einer mikrobiologischen Sicherheitswerkbank.

Außerdem enthält das Gebäude dreizehn Magazinräume und drei kleine Magazine zur Lagerung von Spezialmaterial, vor allem Fotografien, die ein kälteres Raumklima benötigen. Der Erweiterungsbau besteht aus sechs Geschossen mit fensterlosen Magazinen. Das Untergeschoss ist 53,8 Meter lang und 24,9 Meter breit, die fünf Geschosse darüber sind quadratisch mit einer Seitenlänge von 24,4 Meter. Es können, wie erwähnt, rund 18,9 laufende Kilometer Archivalien gelagert werden. Als Baukosten wurden 9,1 Millionen Euro genehmigt. Mit einer Klimaanlage (Lüftung, Heizung, Kühlung, Be- und Entfeuchtung) und einem mehrschichtigen Wandaufbau (von innen nach außen: 25 cm Stahlbeton, 20 cm Dämmung, Luft, 8–10 cm eingefärbte Betonfassade mit Sandstein-Anmutung) soll ein konstantes Magazinklima mit einer Temperatur von 16 bis maximal 20 Grad Celsius und einer relativen Luftfeuchte von 40 bis maximal 55 Prozent geschaffen werden.

Staatsminister Bernd Sibler betonte bereits vor der Eröffnung: „Das Staatsarchiv Bamberg beherbergt einen großen kulturellen Schatz. Der Erweiterungsbau ermöglicht es nun, sämtliche Bestände an einem Ort zusammenzuführen. Wertvolle Zeugnisse unserer Geschichte spiegeln die Klosterkultur des Mittelalters, die verschiedenen Territorialherrschaften sowie die Grenznähe der Region zur ehemaligen DDR und zu Tschechien wider. Sie werden hier künftig unter hervorragenden Bedingungen aufbewahrt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dieses hochmoderne Archiv bietet uns beste Möglichkeiten, uns mit unserer Geschichte und Identität auseinanderzusetzen.“

Das Staatsarchiv Bamberg ist die staatliche Fachbehörde für alle Fragen des Archivwesens im Regierungsbezirk Oberfranken mit Ausnahme der kreisfreien Stadt Coburg und des Landkreises Coburg, die erst seit der Volksabstimmung von 1920 zu Bayern gehören. Es verwahrt derzeit rund 26 Kilometer Archivgut bei einem durchschnittlichen jährlichen Zuwachs von 300 Metern. Im Staatsarchiv ist historisch und rechtlich relevantes Material aus der Zeit von 815 bis in die Gegenwart überliefert, das für Forschung gesichert, erschlossen und bereitgestellt wird.

Im Rahmen der Festveranstaltung wurde die Ausstellung „Staatliches Bauen in Oberfranken – eine Skizze“ eröffnet. Die Ausstellung ist bis 7. Juni 2019 zu sehen (Mo, Do 8.00–16.00 Uhr, Di, Mi 8.00–18.00 Uhr, Fr 8.00–12.30 Uhr), es erscheint ein kleiner Katalog (Verkaufspreis 4 Euro).

Kontakt:
Staatsarchiv Bamberg
Hainstr. 39
96047 Bamberg
Tel. 0951/98622-0
Fax 0951/98622-250
poststelle@staba.bayern.de
https://www.gda.bayern.de/bamberg/

Quelle: Staatsarchiv Bamberg, Pressemitteilung, 25.3.2019