Schutzmasken und -ausrüstungen weiterhin benötigt

Archive und Notfallverbünde können helfen

Schon seit mehreren Tagen weisen Städte und Gemeinden, Kranken- und Pflegeeinrichtungen sowie andere Organisationen und Verbände im Gesundheitswesen darauf hin, dass Schutzausrüstungen und Desinfektionsmittel zum Schutz vor dem Coronavirus knapp sind und ihre Beschaffung sich als zunehmend schwierig gestaltet.

Schutzmasken und andere
Schutzrüstungen werden benötigt
(Foto: Pixabay)

Zudem wird auch in Deutschland über eine Mundschutzpflicht diskutiert, was den Bedarf erhöhen könnte.

Archive und Notfallverbünde verfügen über vergleichbare Schutzausrüstungen wie sie im Gesundheitswesen verwendet werden. Dazu zählen Masken, Schutzanzüge, Hand-Desinfektionsmittel, Schutzbrillen und ggf. auch Kopfhauben. Benötigt werden unter anderem Ausrüstungen mit folgenden Parametern:

Masken:

Atemmaske FFP 3 mit Ausatemventil
Atemmaske FFP 3 ohne Ausatemventil
Atemmaske FFP 2 mit Ausatemventil
Atemmaske FFP 2 ohne Ausatemventil
Mund-Nasen-Schutz („OP-Schutzmasken“)

Schutzanzüge:

Schutzoverall Kat.3 Typ 4b
Schutzoverall Kat 3 Typ 5/6
Schutzkittel, hinten schließend, mit langem Arm

Hand-Desinfektionsmittel:

mindestens mit dem Wirkungsbereich „begrenzt viruzid“

Schutzbrillen:

als Bügel- oder Kopfbandbrille,
Vollsicht mit seitlichem Augenschutz oder ähnlich

Kopfhauben:

Einwegschutzhauben/OP-Hauben

Archive und Notfallverbünde, die Schutzausrüstungen aus eigenen Beständen kurzfristig zur Verfügung stellen resp. spenden können, können sich – zur Weiterverteilung von dort aus an bedürftige Stellen – u.a. an die örtlichen Feuerwehren, an Stadt- und Landkreisverwaltungen sowie auch an Hausärzteverbände wenden. Die Ortsfeuerwehren sind in der Regel Mitglieder bzw. Partner in den kommunalen Notfallverbünden von Archiven, Bibliotheken und anderen Kultureinrichtungen.

Der Hausärzteverband Westfalen-Lippe beispielsweise richtete dieser Tage einen Spendenaufruf für Schutzmasken an Industrie und Einzelhandel: „Wir bitten die Unternehmen, die selbst Schutzmasken im Einsatz haben, die aber aufgrund der Corona-Krise geschlossen sind, um Unterstützung: Wenn Sie Schutzmasken vorrätig haben, die Sie erübrigen können, stellen Sie uns diese bitte zur Verfügung. Der Hausärzteverband verteilt sie dann an die Hausarztpraxen und regionalen Behandlungszentren vor Ort weiter“, erklärte Claudia Diermann, Geschäftsführerin der Hausärztlichen Service- und Wirtschaftsgesellschaft des Hausärzteverbandes Westfalen-Lippe. – Hiervon dürften sich auch Archive und Notfallverbünde angesprochen fühlen.

Zum Hintergrund:
Die Coronavirus-Erkrankung (COVID-19) führt zu einer Infektion der Atemwege. Die Krankheit kann per Tröpfeninfektion von Mensch zu Mensch übertragen werden. Die Inkubationszeit kann angeblich bis zu 14 Tage betragen. Aufgrund fehlender Impfstoffe muss die Ausbreitung der COVID-19-Pandemie unter anderem durch Maßnahmen der Vorbeugung beschränkt werden. Dazu gehören gesellschaftliche Vorbeugungsmaßnahmen, wie räumliche Distanzierung, aber auch individuelle Hygienemaßnahmen (Händehygiene, Hustenetikette etc.).

Pflege- und medizinisches Personal ist durch den Kontakt zu infizierten, erkrankten oder gefährdeten Personenkreisen nicht nur selbst in seiner Gesundheit gefährdet, sondern auch zur Einhaltung der besonderen Hygienevorschriften verpflichtet. Das Robert Koch-Institut benannte unlängst Hygienemaßnahmen zur Vermeidung einer Übertragung des Erregers durch Tröpfchen auf medizinisches Personal: Dazu zählen Schutzkittel und langärmelige, wasserdichte Einwegschürzen, Schutzhandschuhe, Schutzbrille und Atemschutzmaske (mindestens vom Standard FFP2). Auch Patienten und Verdachtsfälle müssen einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Zur chemischen Desinfektion der Hände und Flächen sind Desinfektionsmittel geeignet, die die Wirkungsbereiche „begrenzt viruzid“, „begrenzt viruzid PLUS“ oder „viruzid“ abdecken.

Abb.: Verhaltensregeln in der COVID-19 Pandemie (Guido4, CC BY-SA 4.0, File:13 Hegasy COVID-19 Pandemie Verhalten.png, Erstellt: 24. März 2020)

Links:

Zur Gründung des Landes Thüringen vor 100 Jahren

Ein Beitrag des Thüringer Landesarchivs zum Portal „Thüringen – legislativ & exekutiv“ (Thulex)

Landesgeschichte anhand von digitalisierten Quellen aus über 500 Jahren Thüringer Geschichte bietet das Portal Thulex – „Thüringen – legislativ & exekutiv“. Das Landesarchiv Thüringen und die Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena haben dafür mit Förderung durch die Thüringer Staatskanzlei jahrelang Quellen wie Gesetzesblätter und Landtagsprotokolle zusammengetragen, digitalisiert, verfilmt und katalogisiert.

Das Ergebnis ist eine umfangreiche und weiter wachsende Online-Datenbank mit Recherchemöglichkeiten in bisher über 1 Million gedruckter Seiten, die vielseitige Nutzungsmöglichkeiten bietet.

Auch anlässlich des 100. Jahrestages der Gründung des Landes Thüringen am 1. Mai sowie der Verabschiedung der Verfassung vom 12. Mai 1920 präsentiert sich das Portal als Fundgrube für wertvolle historische Dokumente aus der Zeit. Die „Verhandlungen des Volksrates von Thüringen“ der Jahre 1919 und 1920 bieten einen elementaren Einblick in die komplexen parlamentarischen Vorgänge und Auseinandersetzungen zwischen den Vertretern der Einzelstaaten (untereinander) und denen Preußens, um dem „Kleinstaatenjammer“ im nachrevolutionären Thüringen ein Ende zu bereiten.

Zum Land Thüringen
Das Land Thüringen wurde am 1. Mai 1920 durch die Vereinigung der Freistaaten Sachsen-Weimar-Eisenach, Sachsen-Meiningen, Sachsen-Altenburg, Sachsen-Gotha, Schwarzburg-Rudolstadt und Schwarzburg-Sondershausen sowie des Volksstaates Reuß gebildet. Rechtsgrundlage war das von der Deutschen Nationalversammlung am 23. April verabschiedete und vom Reichspräsidenten sowie vom Reichsminister des Innern am 30. April unterzeichnete „Gesetz, betreffend das Land Thüringen“. Zur Vorbereitung der gänzlichen Verschmelzung hatten sich die thüringischen Einzelstaaten bereits im Mai 1919 durch den seit 4. Januar 1920 umfassend wirksamen „Gemeinschaftsvertrag“ zu einer Staatengemeinschaft mit eigenen Organen und weitreichenden Rechten zusammengeschlossen.

Mit einem Gebietsstand von 11.724 Quadratkilometern und einer Bevölkerungszahl von 1.609.300 Einwohnern (16. Juni 1925) nahm das neue Land eine mittlere Stellung innerhalb der Gliedstaaten des Deutschen Reichs ein. Mitte der 1920er Jahre lebten ca. 42 % der Bevölkerung in Orten mit einer Einwohnerzahl von 5.000 Personen und mehr. Wirtschaftlich spielten Industrie und Handwerk eine wichtige Rolle: Knapp der Hälfte aller Erwerbstätigen boten sie zum damaligen Zeitpunkt Beschäftigung. In der Land- und Forstwirtschaft arbeiteten zur selben Zeit annähernd 30 % der erwerbstätigen Bevölkerung, während auf Handel und Verkehr gut 12 % entfielen.

Hinsichtlich der staatsrechtlichen Grundlagen musste Thüringen gemäß den Bestimmungen der Reichsverfassung über eine „freistaatliche Verfassung“ verfügen, welche als „Verfassung des Landes Thüringen“ am 11. März 1921 vom ersten Landtag verabschiedet wurde. Die Staatsgewalt ging demnach vom Volke aus und wurde vor allem durch den Landtag und die Landesregierung ausgeübt, wobei Ersterer die gesetzgebende Gewalt innehatte, die Verwaltung überwachte und die Landesregierung bestellte. Die Abgeordneten wurden in allgemeiner, gleicher, unmittelbarer und geheimer Wahl nach den Grundsätzen der Verhältniswahl für drei Jahre gewählt. Der Landesregierung, welche ein Kollegium war und die Bezeichnung Staatsministerium führte, oblag hingegen die Staatsleitung. Ihre Mitglieder waren dem Landtag verantwortlich und von seinem Vertrauen abhängig. Neben ehrenamtlich tätigen Staatsräten ohne Geschäftsbereich bestand die Landesregierung aus Staatsministern, die als Leiter von Fachministerien fungierten. Dem Vorsitzenden stand bis 1933 keine Weisungsbefugnis gegenüber den Fachministern zu. Im Zuge der „Gleichschaltung der Länder“ durch die Nationalsozialisten erfuhren sowohl die Landesregierung als auch der Landtag einen massiven Bedeutungsverlust: Erstere sank zu einem bloßen Ausführungsorgan der Reichsregierung in Berlin herab; Letzterer wurde Anfang 1934 gänzlich aufgehoben.

Nach dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft und der Übernahme der obersten Gewalt durch die amerikanische Besatzungsmacht konstituierte sich auf ihre Veranlassung hin Mitte Juni 1945 die „Provinz Thüringen“, welche neben dem Gebiet des Landes Thüringen auch den bisher preußischen Regierungsbezirk Erfurt sowie westsächsische Gebiete im Bereich der amerikanischen Truppen umfasste. Zum Regierungsbezirk Erfurt gehörte seit 1944 auch der Kreis Schmalkalden. Unter Abtretung Westsachsens wandelte die sowjetische Besatzungsmacht die „Provinz Thüringen“ in das „Land Thüringen“ um (26. November 1945: 15.634 Quadratkilometer; 1. Dezember 1945: 2.776.773 Einwohner). Die sich unter den Amerikanern eröffnenden Möglichkeiten eines Wiederaufbaus auf föderaler und demokratischer Basis wurden indes nach dem Anfang Juli 1945 erfolgten Besatzungswechsel zur sowjetischen Militäradministration schrittweise zurückgedrängt. Mit der Einführung der Bezirksstruktur im Gefolge der Verwaltungsreform vom 23. Juli 1952 wurde die administrative Einheit Thüringen – wie alle Länder der Deutschen Demokratischen Republik – durch die Beseitigung ihrer Legislative und Exekutive faktisch vollends bedeutungslos.

Kontakt:
Landesarchiv Thüringen
Marstallstraße 2
D-99423 Weimar
Telefon: +49 (0) 36 43 87 01 01
Telefax: +49 (0) 36 43 87 01 00
landesarchiv(at)la.thueringen.de
www.thueringen.de/landesarchiv

Quelle: Landesarchiv Thüringen, Aktuelles; Thulex: Land Thüringen.

Online-Ressourcen für die Digitale Lehre

Web-Verzeichnis von Clio-online

Die Redaktion von H-Soz-Kult verweist angesichts der Covid-19-Pandemie auf das Web-Verzeichnis von Clio-online über wissenschaftliche Angebote zur Geschichte im World Wide Web. Teilnehmende können eigene Websites, Fachdatenbanken und Online-Ressourcen melden sowie vorhandene Einträge bearbeiten (via MEIN CLIO in der Rubrik WEBSITES: https://meinclio.clio-online.de).

Da viele haben Forschungs- und Lehreinrichtungen in Deutschland derzeit flächendeckend ihren Betrieb stark eingeschränkt haben, sehen sich Lehrende mit der Situation konfrontiert, dass die universitäre Lehre im Sommer 2020 möglicherweise auch in digitaler Form abgehalten werden muss. Während die technischen Möglichkeiten der Lehrplattformen stark von den einzelnen Universitäten abhängig sind, stehen Lehrmaterialien, Quellenkorpora, Literatur, aber auch unterstützende Werkzeuge sowie Anwendungen der Digitalen Geschichtswissenschaften oft frei verfügbar im Netz zur Verfügung.

Im Clio-online Webverzeichnis finden sich zahlreiche Hinweise auf derartige Web-Angebote für die Geschichtswissenschaften. Man kann im Verzeichnis suchen oder nach Kategorien (wie Lehrmaterialien, Bildersammlungen) browsen. Das Clio-online Webverzeichnis findet man unter der URL:
https://www.clio-online.de/webresource/page

Unter den derzeit über 10.500 deutschen und internationalen Einträgen im Web-Verzeichnis von Clio-online finden sich knapp 920 Archive, 1.300 Museen und über 500 Bibliotheken und Bibliothekskataloge, darunter:

Willkommen im Mittelalter. Online-Tutorium der Abteilung für Mittelalterliche Geschichte, Uni Tübingen
Herausgeber: Krauth, Wolfgang ; Fröhlich, Larissa ; Radl, Clemens

Lernwerkstatt Geschichte (LWG)
Herausgeber: Universität Hannover – Historisches Seminar

Deutsches Textarchiv
Herausgeber: Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften

VIAMUS Das Virtuelle Antikenmuseum
Herausgeber: Archäologisches Institut der Universität Göttingen

Film: Tatort Archiv: Einem Gotteslästerer auf der Spur. Ein Film über die Arbeit mit Quellen im Archiv
Veröffentlicht durch: Lehrstuhl für Allgemeine Geschichte der Neuzeit: Schwerpunkt mittel- und westeuropäische Geschichte der Frühen Neuzeit und Sattelzeit, Universität Zürich

 

Quelle: Websites: Ressourcen für die Digitale Lehre, in: H-Soz-Kult, 22.03.2020, <www.hsozkult.de/text/id/texte-4943>.

Online durch die Villa ten Hompel

Unter dem Hastag #closedbutopen finden sich mittlerweile zahlreiche Online-Angebote von Kultureinrichtungen, die angesichts der Corona-Pandemie ihre Türen geschlossen halten müssen, die aber ihren Besucherinnen und Besuchern dennoch ein Angebot machen möchten: Museen, Archive, Kunstsammlungen, Stiftungen und Galerien bieten eine Art „Kultur-Lieferdienst“, indem sie ihre Einrichtungen, ihre Ausstellungen oder Präsentationen online und kostenlos vorstellen. Ein Beispiel dafür ist die Villa ten Hompel.

Der heutige Geschichtsort Villa ten Hompel in Münster – ehemalige Fabrikantenvilla, Sitz der Ordnungspolizei im Nationalsozialismus, Ort der Entnazifizierung und Dezernat für Wiedergutmachung im Nachkriegsdeutschland – bietet heute Raum für die Auseinandersetzung mit geschichtlichen und aktuellen Themen zwischen Erinnerungskultur und Demokratieförderung am historischen Ort.

Mit dem Smartphone durch die Ausstellung

Damit die Villa ten Hompel auch während der Corona-Virus bedingten Schließungszeit einen Blick in den Geschichtsort gewähren kann, haben die Mitarbeitenden mit Bordmitteln eine virtuelle Führung entwickelt! Jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter war gehalten, eine essentielle Station der Dauerausstellung zu zeigen und in maximal 90 Sekunden zu erklären. So entstanden zahlreiche Blickwinkel auf die Ausstellung aus dem gesamten Team, die wir nach und nach auf YouTube und auf der Homepage der Villa eingestellt werden.

Die Villa ten Hompel hofft, auf diese Weise trotz des Entfalls zahlreicher gebuchter Führungen und Seminare auch in der Schließungszeit einen spannenden Einblick in die Dauerausstellung „Geschichte – Gewalt – Gewissen“ gewährleisten zu können.

Im ersten Video – der Begrüßung – nimmt der Leiter des Hauses, Dr. Christoph Spieker, eine Einführung in die Hausgeschichte vor.

Wer es nicht erwarten kann: Die gesamte Führung gibt es bereits hier als Youtube-Playlist oder verlinkt auf der Homepage www.villatenhompel.de

Kontakt:
Geschichtsort Villa ten Hompel
Kaiser-Wilhelm-Ring 28
48145 Münster
Tel. 0251/492-7101
tenhomp(at)stadt-muenster.de
www.villatenhompel.de
www.facebook.com/villatenhompel

Archiv und Wirtschaft 1/2020

Auch Sonderheft 2020 von „Archiv und Wirtschaft“ erschienen

In Kürze erscheint die Ausgabe 1/2020 von „Archiv und Wirtschaft“, der Zeitschrift der Vereinigung deutscher Wirtschaftsarchivare e.V. (VdW). Außerdem veröffentlichte die VdW ihr Sonderheft 2020 von „Archiv und Wirtschaft“ mit dem Titel Gedrucktes Vertrauen. Von der Aktienurkunde zum Kulturgut im Wirtschaftsarchiv.

Zum 1.1.2020 hat es einen Wechsel in der Geschäftsführung der Vereinigung deutscher Wirtschaftsarchivare gegeben. Dr. Martin Münzel leitet die Geschäftsstelle fortan von Berlin aus und verantwortet auch weiterhin die Redaktion von „Archiv und Wirtschaft“. Münzel übernimmt die Tätigkeit von Dr. Katrin Lege und Gabriele Waldkirch. Beide haben seit 2008 neben ihren hauptberuflichen Tätigkeiten – als Geschäftsführerin der Eugen-Gutmann-Gesellschaft e.V. bzw. als Mitarbeiterin des Bayerischen Wirtschaftsarchivs – gemeinsam die Geschäftsstelle der VdW betreut.

Inhaltsverzeichnis „Archiv und Wirtschaft“ 1/2020

VdW-Jahrestagung vom 24. bis 26. Mai 2020 in Frankfurt am Main (Programm) (4-5)

AUFSÄTZE

Benjamin Obermüller: Quellen zur Geschichte von Henkel in Schweden (6-11)
Flavio Häner: Staatlicher Auftrag, private Verantwortung: Der Kulturgüterschutz in der Schweiz (12-22)
Martina Fähnemann und Ingo Stader: „Mein Feld ist die Welt“. Modernisierung und Outsourcing – das Archiv der Hapag-Lloyd AG in Hamburg (23-30)

BERICHTE

Nathalie Neumann: „Backfische 1913“ – Raubkunst oder Familienerbe eines Wirtschaftsfunktionärs? (31-37)
Carolin Stegner und Christian Helm: 92. VdW-Lehrgang „Medienkompetenz für Wirtschaftsarchivare: Fachspezifisches Video- und Kommunikationstraining“ vom 29. September bis 2. Oktober 2019 in Basel (38-41)

REZENSIONEN

Johannes Bähr, Paul Erker und Maximiliane Rieder: 180 Jahre KraussMaffei. Die Geschichte einer Weltmarke (Claus W. Schäfer) (42-43)
Rainer Karlsch, Christian Kleinschmidt, Jörg Lesczenski und Anne Sudrow: Unternehmen Sport. Die Geschichte von adidas (Kurt Schilde) (43-45)
Christian Kruse und Peter Müller (Hrsg.): Das Archivmagazin – Anforderungen, Abläufe, Gefahren. Vorträge des 78. Südwestdeutschen Archivtags am 21. und 22. Juni 2018 in Augsburg (Michael Bursian) (45-47)

Nachrichten (47-48)
Rezensionsliste (49-50)
Impressum (56)

Zudem hat die Vereinigung deutscher Wirtschaftsarchivare e.V. ihr Sonderheft 2020 von „Archiv und Wirtschaft“ publiziert:

Archiv und Wirtschaft – Sonderheft 2020

„Gedrucktes Vertrauen. Von der Aktienurkunde zum Kulturgut im Wirtschaftsarchiv“
Herausgegeben von Dirk Schaal und Ulrich S. Soénius im Auftrag der VdW
112 S., gebunden, 20 Euro zzgl. Porto

Aus dem Inhalt:

Martin L. Müller: Grußwort

Susanne Richter: Grußwort

Dirk Schaal und Ulrich S. Soénius: Einleitung

Dirk Schaal: Gedrucktes Vertrauen. Historische Wertpapiere als Kulturgut

Werner Scheltjens: Aktiengesellschaft und moderner Kapitalismus. Herausbildung und Entwicklung bis Anfang des 20. Jahrhunderts

Ulrich S. Soénius: Historische Wertpapiere in Wirtschaftsarchiven. Bestandsergänzende Quellen und ihre Bedeutung für die Vermittlung von Wirtschaftsgeschichte

Detlef Krause: Wertpapiergeschäft der Banken. Vom Depotgeschäft zur Wertpapierbereinigung

Constanze Budde-Hermann: Der Reichsbankschatz. Das Schicksal der Reichsbank, Wertpapierbereinigung und Perspektiven der Sammlung

Marc Mittelstaedt und Astrid Wolff: Einflüsse auf Gestaltung und Druck von Aktienurkunden im 20. Jahrhundert

Katharina Depner: Ikonographie der Wirtschaft. Bilder und Symbole auf Aktien

Thomas Keiderling: Spezialisierung und Standortwahl als Erfolgsgarant? Eine Ursachensuche für den raschen Aufstieg von Giesecke & Devrient in der Buchstadt Leipzig des 19. Jahrhunderts

Astrid Wolff: Giesecke+Devrient – Wertpapierdruck in Leipzig

Kontakt:
Dr. Martin Münzel
c/o F. Hoffmann-La Roche AG
„Archiv und Wirtschaft“
Bau 52/111
CH – 4070 Basel
Telefon: (0049) (0)30-2093-70571
martin.muenzel@wirtschaftsarchive.de
http://www.wirtschaftsarchive.de/veroeffentlichungen/zeitschrift

 

Bielefeld wird’s nicht geben

90. Deutscher Archivtag 2020 abgesagt

Die „Corona-Virus-Pandemie“ hat auch das deutsche Archivwesen erfasst. Mehrere archivfachliche Veranstaltungen mussten bereits kurzfristig abgesagt werden. Die Möglichkeit der Durchführung anderer Fachtagungen und Konferenzen wird vielerorts diskutiert und neu geprüft.

Nun musste der VdA – Verband deutscher Archivarinnen und Archivare e.V. auch den für den 6. bis 9. Oktober 2020 in Bielefeld geplanten 90. Deutschen Archivtag absagen. Auch die ursprünglich für den 6. bis 8. Oktober 2020 in Bielefeld geplante Fachmesse ARCHIVISTICA 2020 ist abgesagt worden.

Der VdA listet die abgesagten Veranstaltungen in seinem Blog auf. In den vergangenen Tagen wurden unter anderem folgende Veranstaltungen abgesagt oder verschoben:

– 5. Niedersächsischer Archivtag (geplant für den 23. und 24. März 2020 in der Hansestadt Stade)

– 30. Landesarchivtag Mecklenburg-Vorpommern (geplant für den 11. und 12. Mai 2020 in Neubrandenburg)

– 43. Landesarchivtag Hessen (geplant für den 19. Mai 2020 in Bad Homburg)

– 64. Landesarchivtag Thüringen (geplant für den 6. und 7. Mai 2020 in Schmalkalden)

– Frühjahrstagung des Verbandes hessischer Kommunalarchivarinnen und Kommunalarchivare e.V. (VhK) (geplant für den 25. März 2020 in Eschwege)

– 23. Brandenburgischer Archivtag (geplant für den 27. und 28. April 2020 in Potsdam)

Kontakt:
VdA – Verband deutscher Archivarinnen und Archivare e.V.
Wörthstraße 3
36037 Fulda
Telefon: +49 (0) 661/29109-72
Telefax: +49 (0) 661/29109-74
info(at)vda.archiv.net

 

Neuer Audioguide fürs Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg

Es gibt einen neuen Audioguide für das Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg. Das Archiv lädt zu einem Hörspaziergang mit Smartphone rund um den historischen Schönborner Hof ein – vor Ort, aber auch nicht zuletzt zuhause. #closedbutopen

Wie funktioniert es?
Einfach auf www.stadtarchiv-digital.de gehen, „Audioguide“ wählen (oder den obigen QR-Code scannen) – und schon kann es losgehen.

Angefangen von Informationen über den Schönborner Hof allgemein, in dem das Stadtarchiv sitzt, bis hin zu umfangreichen Infos zu zahlreichen weiteren Stationen, sprich zur Hauskapelle, zum hauseigenen Vortragssaal, dem „Storchennest“, das sich an das Gebäude anschließt oder zu dem naturwissenschaftlichen Museum, das sich im anderen Trakt des Schönborner Hofs befindet.

Außerdem wird dort aktuelles Infomaterial zu laufenden Ausstellungen bereitgestellt werden. Alle Inhalte sind sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch abrufbar.

Dem neuen Audioguide-Angebot kommt angesichts der Corona-Virus-Pandemie besondere Bedeutung zu, denn der Lesesaal des Stadt- und Stiftsarchivs Aschaffenburg bleibt bis auf weiteres geschlossen. Dies gilt auch für die Geschäftsstelle des Geschichts- und Kunstvereins Aschaffenburg im Schönborner Hof.

Kontakt:
Stadt- und Stiftsarchiv der Stadt Aschaffenburg
Wermbachstraße 15
63739 Aschaffenburg
Telefon: +49 6021 4561050
Telefax: +49 6021 29540
stadtarchiv@aschaffenburg.de
https://stadtarchiv-aschaffenburg.de/

Das Stadt- und Stiftsarchiv in den Sozialen Medien:
https://stadtarchiv-aschaffenburg.de/blog (Blog)
https://twitter.com/stadtarchivAB
https://www.facebook.com/stadtarchivaschaffenburg
https://www.instagram.com/stadtarchiv_ab/
Stadtarchiv-Chat (WhatsApp): 015202192665

 

Patronin gegen Seuchen: Heilige Corona

Sie war erst 16 Jahre alt, als die Märtyrerin in der Spätantike grausam hingerichtet wurde, und Legenden ranken sich in Asien, Afrika und Europa sie: Die heilige Corona hat mit dem gleichnamigen Virus, das derzeit die Welt in Atem hält, nicht nur diese grenzüberschreitende Internationalität gemeinsam. Sie gilt laut Ökumenischem Heiligenlexikon als Schutzpatronin gegen Seuchen. Doch vieles an ihrer Existenz bleibt ebenso wie beim Erreger der tückischen Epidemie im Dunkeln.

Hl. Corona, Glasfenster im Straßburger Münster,
um 1270. Quelle: Joachim Schäfer –
Ökumenisches Heiligenlexikon

Das Heiligenlexikon erzählt über Corona (lateinisch „die Gekrönte“ und damit ein Hinweis auf den allgemeinen Begriff „Märtyrerin“) nur Vages: Sie sei im Jahr 161 oder aber 287 geboren – wo, ist unbekannt. Noch als Teenager wurde sie die Ehegattin des Soldaten Victor, der sich während der Christenverfolgung weigerte, seinen christlichen Glauben zu widerrufen und deshalb hingerichtet wurde. Die junge Witwe sei unter den Römer-Kaisern Antoninus Pius oder Diokletian ebenfalls den Martertod gestorben, und das laut dem Lexikon auf ausgesucht brutale Weise: nämlich indem sie gebunden an zwei gebeugte Palmen bei deren Emporschnellen zerrissen wurde.

Die griechische Legende von Victor und Corona siedelt deren Martyrium in Damaskus an, sie war aber darüber hinaus in vielen Varianten verbreitet. Deshalb wird neben der syrischen Hauptstadt als Todesort auch Antiochia in der heutigen Türkei, Alexandria in Ägypten, Sizilien oder in Marseille angegeben. Verehrungstraditionen gibt es in der griechischen, der lateinischen und der äthiopischen Kirche; in Nord- und Mittelitalien galt Corona schon im 6. Jahrhundert als Vorbild an Glaubenstreue. Reliquien von ihr und Victor finden sich in Castelfidardo bei Osimo an der Adriaküste bei Ancona, wo es schon früh eine dem Paar geweihte Kirche gab. Durch die Kaiser Otto III. und Karl IV. gelangten Reliquien auch nach Aachen bzw. Prag.

Corona-Wallfahrten gibt es in Niederösterreich in St. Corona am Wechsel, seitdem 1504 dort in einer hohlen Linde eine Corona-Statue gefunden und daraufhin eine Kapelle errichtet wurde, wie das Heiligenlexikon weiter mitteilt. Auch in St. Corona am Schöpfl bei Altenmarkt (NÖ) sowie in Wien sei die Verehrung verbreitet. Dass die österreichische Münzeinheit bis 1924 nach der Heiligen „Krone“ hieß, ist wohl dem Umstand zuzuschreiben, dass Corona nicht nur Schutzpatronin gegen Seuchen ist, sondern auch in Geldangelegenheiten, bei der Schatzsuche und sogar in der Lotterie um Hilfe angerufen wird.

In der Tageszeitung „Der Standard“ (Ausgabe 11. März 2020) ist die heilige Corona „Kopf des Tages“. Einleitend heißt es dort: „Zufälle gibt es bekanntlich nicht – schon gar nicht mag man von einem solchen sprechen, wenn das Ökumenische Heiligenlexikon justament die Heilige Corona als Schutzpatronin vor Seuchengefahr ausweist.“

Quelle: Katholische Kirche Österreich, Aktuelles, 11.3.2020; kathpress; Ökumenisches Heiligenlexikon

Bruderschaft der Vagabunden – Alternativkultur der 1920er Jahre

Der Band „Künstler, Kunden, Vagabunden“ bildet den Auftakt der Reihe BIBLIOTHEK DER ARCHIVE, die außergewöhnliche Schätze zutage fördern und damit gleichzeitig die wertvolle Arbeit der sie behütenden Archive vorstellen will. Herausgeber der Reihe sind der Editionswissenschaftler Bernd Füllner und der Literaturwissenschaftler Christoph Steker.

Die »Bruderschaft der Vagabunden«, eine anarchistisch, später auch kommunistisch orientierte Bewegung von Landstreichern und Vagabunden, verschafft sich Ende der 1920er Jahre aus dem gesellschaftlichen Abseits heraus weithin Gehör: Im »Verlag der Vagabunden« erscheinen ihre Schriften, die eine »Philosophie der Landstraße« entwerfen und propagieren. Ihr künstlerischer Anspruch äußert sich in den Werken der »Künstlergruppe der Bruderschaft der Vagabunden«, gegründet vom »König der Vagabunden« Gregor Gog (1891-1945) sowie den Malern Hans Tombrock (1895-1966), Hans Bönnighausen (1906-1988) und Gerhart Bettermann (1910-1992). In diesem Umfeld erscheint auch die Zeitschrift „Der Kunde“ bzw. „Der Vagabund“ mit sozialkritischen Artikeln, autobiografischen Berichten, Liedern und Gedichten, Zeichnungen und programmatischer Prosa. Materialreich und in Farbe lässt dieser Band die durch die Zäsur von 1933 verdrängte vagabundische Kultur wieder lebendig werden und erinnert in einem breiten Panorama an das Leben und Wirken derer, für die das Unterwegssein einmal ein alternativer Lebensstil gewesen ist.

Neben Texten von Gregor Gog, Jo Mihàly, Artur Streiter und Rudolf Geist versammelt der Band „Künstler, Kunden, Vagabunden“ zahlreiche Arbeiten der Vagabundenkünstler sowie Reaktionen und Kommentare von Briefpartnern und Freunden der Bewegung wie Martin Buber, Hermann Hesse, Else Lasker-Schüler, Thomas Mann und Stefan Zweig.

Herausgeberinnen des Bandes:

Walter Fähnders, Jahrgang 1944, ist Professor für Neuere Germanistik an der Universität Osnabrück. Seine Arbeitsschwerpunkte sind: Literatur und Kultur sozialer Bewegungen, europäische Avantgarde, Literatur der Moderne. Zu seinen neueren Publikationen zählen: Avantgarde und Moderne 1890–1933 (2. Aufl. 2010); Projekt Avantgarde (2019); als Herausgeber bzw. Mitherausgeber: Die Epoche der Vagabunden. Texte und Bilder 1900–1945 (2009); Metzler Lexikon Avantgarde (2009); Annemarie Schwarzenbach: Orientreisen (2010, Neuausgabe 2017); Ruth Landshoff-Yorck: Die Schatzsucher von Venedig (2013, Neuausgabe 2019).

Hanneliese Palm, Jahrgang 1953, leitete von 2005 bis 2018 das Fritz-Hüser-Institut für Literatur und Kultur der Arbeitswelt in Dortmund, das Schrift-, Ton- und Bilddokumente zu allen Bereichen des kulturellen, insbesondere literarischen Umfelds der Arbeiterbewegung in der zeitgenössischen und modernen Literatur sammelt. Sie veröffentlichte zahlreiche Beiträge zur Geschichte des Instituts sowie zur Entwicklung der Arbeiterliteratur und zu einzelnen ihrer Autoren.

Christoph Steker, Jahrgang 1984, ist Programmleiter im C. W. Leske Verlag und arbeitet als freiberuflicher Lektor in Köln. Er studierte Germanistik, Philosophie und Geschichte in Köln und Prag. Neben Beiträgen in wissenschaftlichen Sammelbänden zählt zu seinen Veröffentlichungen die Monografie Böhmische Erinnerungsräume in W. G. Sebalds »Austerlitz« (2015).

Info:
Hanneliese Palm, Christoph Steker (Hrsg.):
Künstler, Kunden, Vagabunden. Texte, Bilder und Dokumente einer Alternativkultur der zwanziger Jahre,
mit einem Beitrag von Walter Fähnders
(Bibliothek der Archive, Band 1, Fritz-Hüser-Institut für Literatur und Kultur der Arbeitswelt, Dortmund),
C. W. Leske Verlag, Düsseldorf 2020,
240 Seiten, zahlreiche farbige Abbildungen, ISBN 978-3-946595-08-3, 28,00 €

Quelle: Mailingliste geschichtskultur-ruhr, 17.3.2020

Nachlass des Bildhauers und Keramikers Richard Kuöhl

Kreisarchiv Stormarn erwirbt Nachlassteile

Das Kreisarchiv Stormarn hat einen wichtigen Teil aus dem Nachlass des Bildhauers und Keramikers Richard Kuöhl erwerben können, der lange Zeit in Kupfermühle gelebt und gearbeitet hat. Urkunden, Schriftstücke und Fotos erlauben bisher unbekannte Einblicke in die Biografie des umstrittenen Künstlers.

Dem Bildhauer Richard Kuöhl (1880-1961) begegnet man in Bad Oldesloe auf Schritt und Tritt: Von ihm stammen der Gänselieslbrunnen vor dem Rathaus, die Figur des Jünglings vor der Stormarnhalle oder die Trauernde auf dem Alten Friedhof. Auch der Keramik-Schmuck am U-Bahnhof Ahrensburg-Ost ist von Kuöhl. Mit Stormarn war er eng verbunden – Kuöhl hatte 1931 die Schäferkate in Kupfermühle als Sommersitz erworben, und hier wohnte und arbeitete er ab 1943, nachdem sein Hamburger Atelier zerbombt worden war. Zudem betrieb er eine Werkstatt im ehemaligen Gericht der Kreisstadt.

Kreisarchivar Stefan Watzlawzik zeigt Fotoalbum aus dem Nachlass von Richard Kuöhl, 2020

Neben den ästhetischen Skulpturen hat Kuöhl aber auch im Auftrag der Nationalsozialisten gearbeitet. So stammt von ihm das 76er-Denkmal am Dammtor, das 1936 eingeweiht wurde und als kriegsverherrlichend gilt. Das macht den Künstler zu einer umstrittenen Figur, dem nach Kriegsende seine Arbeit für nationalsozialistische Auftraggeber vorgeworfen wurde – so hatte er unter anderem nationalsozialistische Hoheitszeichen entworfen. Am Dammtor führte das dazu, dass zu Kuöhls 76er-Denkmal 1985 ein Gegendenkmal von Alfred Hrdlicka errichtet wurde.

Kuöhl, Richard: Rohlfshagen/Kupfermühle im Garten seines Hauses „Schäferkate“ anlässlich seines 80. Geburtstages mit einer Vogel-Keramikplastik in der Hand, 1960

Neue Erkenntnisse über Kuöhl

„Wir erhoffen uns aus den Dokumenten neue Erkenntnisse über Richard Kuöhl“, erklärt Kreisarchivar Stefan Watzlawzik. „Aufgrund der ausführlichen Unterlagen kann sich bald jeder selber ein Bild von dem Künstler machen.“ Denn nachdem der Nachlass in den nächsten Monaten erschlossen wird, soll er digitalisiert und online zugänglich gemacht werden. Damit könne Kuöhls gesamte Biografie von der Geburt bis zum Tod nachgezeichnet werden. Watzlawzik erwartet auch Erkenntnisse zu der Zeit der Anfeindungen, die Kuöhl nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte.

Noch lagert der Archivschatz in zwei Kisten und einem Köfferchen, in denen sich neben der Geburtsurkunde und weiteren offiziellen Dokumenten auch Briefe und Aufträge an Kuöhl befinden, Entwurfszeichnungen für seine Arbeiten und viele Fotoalben, die den Künstler bei der Arbeit zeigen. „Auf einem Foto ist dokumentiert, wie Kuöhl die „Trauernde“ bearbeitet“, erklärt Watzlawzik. „Das Ganze muss jetzt im Rahmen eines Praktikums oder als Auftragsarbeit erschlossen werden.“ Der Kreisarchivar hofft auch auf Stiftungen oder Spender, die das Projekt unterstützen wollen.

Kleiner Koffer aus dem Nachlass von Richard Kuöhl im Kreisarchiv Stormarn, 2020

Mit der Erschließung kommt eine spannende Aufgabe auf den Verantwortlichen zu, denn Kuöhl war ein bekannter Mann. Vor allem seine Zusammenarbeit mit dem Hamburger Oberbaudirektor Fritz Schumacher bot ihm bei der Gestaltung zahlreicher öffentlicher Bauten und Plätze eine Plattform für sein künstlerisches Arbeiten, die bis heute sichtbar ist. Die Finanzbehörde am Gänsemarkt, die Davidwache auf der Reeperbahn, das Krematorium auf dem Ohlsdorfer Friedhof oder Chilehaus und Hummelbrunnen tragen in Form von Baukeramiken seine Handschrift. Auch in Bremen sind Werke von Kuöhl erhalten, der ursprünglich aus Meißen stammt.

Sammlung im Museum Hoisdorf

Im Stormarn-Lexikon (www.stormarnlexikon.de) erscheint jetzt ein Artikel zu Richard Kuöhl, in dem es unter anderem heißt, dass Kuöhl 1905 und 1906 auch Spielzeugtiere entwarf, die von Dresdner und Meißener Kunsthandwerkerstätten ausgeführt wurden. Tierfiguren von Richard Kuöhl kann man neben rund 40 weiteren Exponaten auch im Stormarnschen Dorfmuseum in Hoisdorf besichtigen. Sie stammen großteils aus dem Nachlass von Kuöhls Tochter, die in Hoisdorf gelebt hat. Andere Kleinfiguren sind von der Sparkassen-Kulturstiftung Stormarn als Dauerleihgabe ins Museum gekommen, darunter ein Hase und ein Springbock aus Bronze.

Ein Privatsammler hat dem Kreisarchiv auch den umfangreichen Nachlass Kuöhls angeboten, und Watzlawzik griff sofort zu. „Dass man eine so komplette Sammlung bekommt, ist äußerst selten“, erklärt er. Oft würden Sammlungen bekannter Persönlichkeiten aufgelöst und die Stücke einzeln verkauft.

Der Kreisarchivar überlegt schon über die zukünftige Nutzung. „Mit der Sammlung hat jeder die Möglichkeit, seine umstrittene Person selbst beurteilen zu können.“ Denkbar sind beispielsweise auch Schulprojekte, bei denen die Schüler auf Spurensuche geschickt würden, um anhand der Unterlagen den Künstler und seine Wirkung auf das Stadtbild bis heute zu erarbeiten.

Kontakt:
Kreisarchiv Stormarn
Mommsenstr. 14
23843 Bad Oldesloe
Tel.: 04531 / 160-1691
s.watzlawzik@kreis-stormarn.de
www.kreisarchiv-stormarn.de

Quelle: Kreis Stormarn, Pressemitteilung, 10.3.2020

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