80 Bände der Mescheder Zeitung ans Stadtarchiv übergeben

Das sei „ein unglaublicher Schatz, was in diesen Bänden steht“, strahlt Franz Drees. Die Begeisterung merkt man dem Mescheder an: „Darin habe ich sehr oft geblättert“, sagt er und streicht über den Einband der ersten Ausgabe. 80 Bände mit Ausgaben des Mescheder Kreisblattes und der Mescheder Zeitung aus den Jahren 1841 bis 1933 hat er nun dem Stadtarchiv Meschede zur Nutzung zur Verfügung gestellt.


Abb.: Den Depositalvertrag, in dem festgelegt ist, dass Franz Drees Eigentümer bleibt, die Bände aber im Stadtarchiv Meschede lagern und dort genutzt werden dürfen, unterzeichneten Bürgermeister Christoph Weber (rechts im Bild) und Franz Drees (li.) in den Räumen des Stadtarchivs in Grevenstein. Stadtarchivar André Algarve (m.) freut sich über den Neuzugang, der ein ganzes Regal füllt: „Das ist eine sehr schöne Ergänzung und bietet einen guten Einblick in die Alltagsgeschichte.“ (Foto: Stadt Meschede)

Ab sofort kann jeder Interessierte im Stadtarchiv Meschede in den alten Zeitungen recherchieren. „Der Bestand ist komplett in einer Datenbank verzeichnet und kann ab sofort genutzt werden“, erläutert André Algarve. Bürgermeister Christoph Weber freut sich über die Leihgabe: „Es ist schön, dass dieser Schatz nun für alle Interessierten im Stadtarchiv für Recherchen zur Verfügung steht.“

Jede Seite liefert einen tiefen Einblick in das Leben der Mescheder. Neben den Artikeln zu verschiedenen Themen aus aller Welt und der Region findet man darin Anzeigen für örtliche Geschäfte und Dienstleister. Auch amtliche Bekanntmachungen wurden darin abgedruckt – denn Meschede bekam erst 1975 ein eigenes Amtsblatt.

Für Franz Drees ist es auch ein großes Stück Familiengeschichte, die er ins Stadtarchiv gebracht hat. „Nicht nur der Druck, auch die Redaktion fand immer im Haus Drees statt“, erklärt er. Als Redakteur ist zum Beispiel in der Mescheder Zeitung vom 2. Dezember 1921 Franz Drees genannt – einer seiner Vorfahren, für die Zeitungmachen noch Handwerk war. Die erste Ausgabe des Mescheder Kreisblattes erschien am 3. Juli 1841 – damals noch einzeln gedruckt, mit äußerst niedriger Auflage. Einmal pro Woche erschien die Zeitung. Politisch konservativ angesiedelt, fiel das Kreisblatt 1870/71 in Ungnade. Die Zeitung bekam einen neuen Namen: „Mescheder Zeitung“.

Erst während des Ersten Weltkrieges wurde die Erscheinungsweise verändert: Drei Mal in der Woche konnten die Mescheder ab 1914/18 das Neueste aus ihrer Stadt lesen. Doch nicht nur das: Auch Lieder und Gedichte wurden abgedruckt. Beliebt waren Kurzgeschichten und Fortsetzungsromane. Das örtliche Leben spiegelte sich: Es gab Ankündigungen für kulturelle Veranstaltungen, Aktivitäten von Vereinen und Clubs. 1933 war dann Schluss – die NSDAP wünschte keine eigenständigen Zeitungen.

Franz Drees liegt das Thema immer noch sehr am Herzen. Die 80 Bände waren immer im Familienbesitz. Er hat oft hineingeschaut, in dieses Abbild der Historie seiner Heimatstadt. „Das macht unglaublich Spaß, darin zu blättern“, sagt er. Über den Vertrag mit dem Stadtarchiv freut er sich sehr: „Ich bin froh, dass die Zeitungen in guten Händen sind.“ Und dass die Bände nun im Magazin verstauben, denkt er nicht: „Ich glaube, dass es einige Leute geben wird, die sich dafür interessieren werden.“ Er selbst hat das oft und gern getan: „Allein die lange Geschichte der Eisenbahn im Sauerland zu verfolgen, bis dann endlich die ersten Schienen verlegt wurden – das macht richtig süchtig.“

Bis auf 13 Bände sind die Zeitungen komplett. Einige davon schlummern vermutlich noch als Leihgabe in privaten Haushalten. Familie Drees und das Mescheder Stadtarchiv würden sich über eine Rückgabe freuen.

Kontakt:
Stadtarchiv Meschede
Schadesche Wiese 3
59872 Meschede-Grevenstein
Tel. 0291 / 205 412
stadtarchiv@meschede.de

Quelle: Stadt Meschede, Pressemitteilung, 6.12.2021

Erste Ausgabe der Archiv- und Museumszeitschrift für Heppenheim

Das Stadtarchiv Heppenheim und das Museum Heppenheim haben „respectamus“, die gemeinsame Archiv- und Museumszeitschrift der Stadt Heppenheim, entwickelt. Der Titel der Zeitschrift respectamus stammt aus dem Lateinischen und bedeutet ‚wir blicken zurück‘. Er verweist auf die Intention, auf der diese Zeitschrift basiert: auf Ereignisse und Zeitzeugnisse der Stadtgeschichte zurückzublicken und damit identitätsstiftend auf die Gegenwart und Zukunft zu wirken.

Abb.: Die respectamus wird vorgestellt von Luisa Wipplinger (Museumsreferentin, links) und Katrin Rehbein (Stadtarchiv Heppenheim) (Foto: Stadt Heppenheim)

In der jährlich erscheinenden Zeitschrift werden Heppenheimer stadtgeschichtliche Themen diskutiert, archivische und museale Verfahren erläutert und Inhalte der Bestände des Stadtarchivs und des Museums präsentiert. Der Inhalt der respectamus orientiert sich dabei stets an den Schlüsselwörtern bewahren, erschließen, vermitteln, die der Archiv- und Museumsarbeit zu Grunde liegen. Interessante Fachbeiträge zu den unterschiedlichsten Themen aus der wechselvollen Stadtgeschichte Heppenheims, die auf intensiver Quellenbearbeitung basieren, fördern das Bewusstsein und das Verständnis für unsere Historie.

Abb.: respectamus. Archiv- und Museumszeitschrift der Stadt Heppenheim, herausgegeben vom Magistrat der Kreisstadt Heppenheim, 2021

Die erste Ausgabe der respectamus befasst sich unter anderem mit dem Heppenheimer Zunftwesen, einem Ehrenbürger Heppenheims, einer Verwaltungs- sowie einer Gebietsreform und einem Gefolgsmann Hitlers in Heppenheim. In einem Gastbeitrag von Mitgliedern des Vereins „Stolpersteine Heppenheim e. V. – Erinnern für die Zukunft“ wird die Familiengeschichte ehemaliger Heppenheimer jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger, für die im kommenden Jahr Stolpersteine verlegt werden sollen, anschaulich dargestellt.

respectamus 2021 – Inhalt
Grußwort (2)
Vorwort (3)

Rückblick
Die kommunale Gebietsreform in Hessen und ihre Auswirkungen auf Heppenheim (5)
Ferdinand Heinrich Koob (11)
200 Jahre Landratsbezirk Heppenheim (12)

Aus der Stadtgeschichte
Machtdemonstrationen – Entrechtung – Befreiung (15)
Werner Goerendt (20)

Gastbeitrag
Friedmann, Meyer, Goldblum und die Heppenheimer Stolpersteine (26)

Aus der Archiv- und Museumsarbeit
Archiv – nur totes Papier? (32)
Geschichte erlebbar machen! (34)

Aus den Beständen
Von Handwerkern und Zünften (36)
Literatur- und Quellenverzeichnis (41)
Abbildungsverzeichnis (44)

Heppenheims Bürgermeister Rainer Burelbach legt in seinem Grußwort zur neuen Zeitschrift dar, dass Archive und Museen keine „fertige Geschichte“ präsentieren würden, sondern Fragmente zu deren Rekonstruktion böten. „Diese Archiv- und Museumszeitschrift präsentiert die Ergebnisse intensiver Quellenbearbeitung und fördert damit ein kritisches Bewusstsein für unsere Stadtgeschichte. In ihr werden Fragmente der Vergangenheit wie Mosaiksteinchen zu einem Gesamtbild zusammengesetzt. Das hierbei entstandene Bild ist allerdings nicht statisch zu verstehen. Es spiegelt stets den Standpunkt und Fokus des Schaffenden einerseits und des Wahrnehmenden andererseits wider. Denn setzt man die Mosaiksteinchen in einer anderen Form zusammen, kann ein völlig anderes Bild entstehen.“

Die Zeitschrift ist kostenlos erhältlich beim Stadtarchiv Heppenheim, dem Museum Heppenheim und der Tourist Information. Außerdem können Anmeldungen für ein kostenfreies Abonnement der Printausgaben der respectamus unter Angabe des Namens und der Postanschrift an respectamus@stadt.heppenheim.de gesendet werden. Die Ausgaben der Zeitschrift stehen auf der städtischen Homepage unter zum Download zur Verfügung.

Kontakt:
Stadtarchiv Heppenheim
Frau Katrin Rehbein
Postanschrift:
Großer Markt 1
64646 Heppenheim
Dienstgebäude:
Gräffstraße 7 – 9 (Erdgeschoss)
Telefon: 06252 13-1241
Telefax: 06252 13-1233
archiv@stadt.heppenheim.de

Museum Heppenheim
Kurmainzer Amtshof
Frau Luisa Wipplinger
Amtsgasse 5
64646 Heppenheim
Telefon: 06252 69112
Telefax: 06252 69162
museum@stadt.heppenheim.de

Quelle: Stadt Heppenheim, Pressemitteilung, 3.12.2021

Stadtarchiv Zwickau ab Januar 2022 umzugsbedingt geschlossen

Ab 1.1.2022 bleibt das Stadtarchiv Zwickau am Standort Lessingstraße in Vorbereitung des Umzugs in das Gebäude der Sparkasse, Crimmitschauer Straße 1, für den Nutzerverkehr geschlossen. Auch schriftliche Anfragen können nur im begründeten Ausnahmefall bearbeitet werden. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Archivs bitten darum, dies v.a. im Zusammenhang mit Forschungsprojekten zu berücksichtigen. Die Bereiche „Personenstandsregister“ und „Bauakten vor 1990“ sind derzeit von diesen Einschränkungen nicht betroffen. Hier erfolgt die Bearbeitung zu einem etwas späteren Zeitpunkt.


Abb.: Unzählige Bücher und Akten müssen für den Umzug des Stadtarchivs Zwickau vorbereitet werden (Foto: Stadt Zwickau).

Das Stadtarchiv Zwickau, welches eng verknüpft ist mit der Arbeit des städtischen Rates seit dem 13. Jahrhundert, befindet sich seit 1921 im Gebäude der heutigen Kunstsammlungen. Wie es in der Natur eines Archivs liegt, wuchsen und wachsen die Bestände kontinuierlich an. Schon mit den Eingemeindungen von Planitz und Oberhohndorf 1944 war das vorhandene Platzkontingent aufgebraucht. Immer wieder verwiesen die Archivare darauf, dass ein neuer Standort gefunden werden muss, um das „Gedächtnis der Stadt“ zu sichern und Erweiterungsmöglichkeiten zu schaffen. Um eine Entlastung zu erreichen, wurden mehrere Außenstellen eingerichtet, die bei einem überschaubaren Personalbestand und auseinandergerissenen Einzelbeständen ein effektives und im Sinne der Bestanderhaltung und Benutzerfreundlichkeit erforderliches Arbeiten sehr schwierig machen. Nun scheint eine Lösung in sichtbarer Nähe zu rücken. Der Stadtrat hat auf seiner Sitzung im Mai 2020 beschlossen, das unter Denkmalschutz stehende Gebäude der Sparkasse Zwickau an der Crimmitschauer Straße anzumieten und als neuen Archivstandort umzubauen. Der Umzug des Stadtarchivs ist für 2024 vorgesehen.

Bis dahin gilt es ca. 6 Kilometer Schrift-, Archiv- und Sammlungsgut für den Transport vorzubereiten. Zu dem Bestand gehören kaiserliche und kurfürstliche Urkunden seit dem 13. Jahrhundert, das wertvolle Stadtrechtsbuch aus dem Jahr 1348, Ratsprotokolle ab 1510, Ratsrechnungen seit dem 15. Jahrhundert, Stadtbücher ab 1375, Dokumente und Akten zur Stadt- Sozial-, Handwerks- und Reformationsgeschichte, umfangreiche audiovisuelle Sammlungen (Foto-, Ansichtskarten, Filme, Tonaufzeichnungen), Gemeindebestände, Nachlässe, Bauakten, Personenstandsregister, aber auch aktuelles Verwaltungsschriftgut und eine umfangreiche Bibliothek.


Abb.: Die Eröffnung des neuen Stadtarchivs Zwickau im ehemaligen Sparkassengebäude ist 2024 vorgesehen (Foto: Stadt Zwickau).

Hierfür müssen die einzigartigen Bestände auf Vollständigkeit und Erhaltungszustand geprüft und unverzeichnete Akten dem jeweiligen Bestand zugeführt werden, was nicht nur physisch, sondern auch elektronisch über eine Archivierungssoftware erfolgt. Jede Urkunde und Akte, jedes Amtsbuch, jeder historische Stadtplan, aber auch jedes Foto muss in die Hand genommen, mögliche Schäden durch frühere unsachgemäße Benutzung und Lagerung erfasst und zumindest grob vom z.T. jahrzehntealtem Schmutz gereinigt werden. Geplant ist zudem, jede Archivalie mit einem Barcode zu versehen, der u.a. eine elektronische Bestandsübersicht und Magazinverwaltung ermöglicht. Obwohl der Großteil des Bestandes bereits in Kartons untergebracht ist, entsprechen diese nicht mehr den heutigen archivfachlichen Anforderungen. Deshalb müssen die Archivalien am Ende neu verpackt werden – in Archivkartons, die der neuesten DIN-Norm entsprechen und den bestmöglichen Schutz vor äußeren Einflüssen, wie Schmutz, Feuchtigkeit, aber auch schädliche Stoffen aus der Atmosphäre bieten. Das ist eine große Herausforderung und eine Menge Arbeit, die vor den sieben Archivaren steht, die aber notwendig ist, um alles gut, sicher und v.a. vollständig und unversehrt an den neuen Standort zu bringen – so, wie man es mit dem eigenen Haushalt bei einem Umzug auch tun würde.

Geplant ist, das Stadtarchiv Zwickau am neuen Standort voraussichtlich 2024 zu eröffnen und die historischen Quellen unter modernen Bedingungen für die öffentliche Nutzung wieder zugänglich zu machen. Dann werden alle Bereiche des Stadtarchivs unter einem Dach vereint sein, was sowohl für Nutzerinnen und Nutzer als auch für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine wesentliche Verbesserung der Arbeit bedeutet.

Kontakt:
Stadtarchiv Zwickau
Lessingstraße 1
08058 Zwickau
Telefonnummer: +49 375 834701
Fax: +49 375 834747
silva.teichert@zwickau.de

Quelle: Stadt Zwickau, Kulturamt, Pressemitteilung, 30.11.2021

Älteste überlieferte Urkunde der Stadt Osnabrück 850 Jahre alt

Die älteste im Archiv der Stadt Osnabrück überlieferte Urkunde, die im Niedersächsischen Landesarchiv Abt. Osnabrück aufbewahrt wird, feierte im November 2021 Geburtstag. Eine Reproduktion der Urkunde befindet sich in der Schatzkammer im Rathaus der Stadt Osnabrück, die früher das Archiv beherbergte.

Die Urkunde ist älter als das Rathaus, aber jünger als der Osnabrücker Dom. Als die Urkunde entstand war Friedrich I. Kaiser des Heiligen Römischen Reichs. Eben dieser Kaiser Friedrich I., in Anspielung auf seinen roten Bart auch Barbarossa genannt, unterzeichnete die älteste überlieferte Urkunde der Stadt Osnabrück am 23. November des Jahres 1171 – die Urkunde ist also genau 850 Jahre alt.


Abb.: Das Privileg de non evocando (NLA OS, Dep 3 a 1, I Nr. 1)

Mit dem sogenannten Privileg de non evocando erkennt der Kaiser die Gerichtshoheit der Stadt Osnabrück an und verbietet Osnabrücker Bürger vor auswärtige Gerichte zu laden, sofern der Fall nicht vorher in der Stadt Osnabrück vor der Obrigkeit der Stadt oder vor dem Kaiser selbst nach Osnabrücker Gewohnheitsrecht verhandelt worden ist (ius de non evocando).

Zusammen mit dem bereits zuvor erteilten Markt, Münz- und Zollrecht (vor 1002 [889?]) und dem ebenfalls unter Barbarossa erteilten Privileg zum Bau einer Stadtmauer (um 1180) gewann Osnabrück den Charakter einer Stadt im Rechtssinn. Die Entwicklung zur Stadt war also eher ein Prozess und kann nicht mit einem festen Datum in Verbindung gebracht werden.

Die Kaiserurkunde ist in lateinischer Sprache in der damals üblichen Urkundenschrift, der diplomatischen Minuskel, auf Pergament geschrieben. Als Beglaubigungsmittel findet sich an der Urkunde das Siegel des Kaisers aus Wachs an Seidenfäden. Friedrich I. war übrigens der einzige mittelalterliche Kaiser, der Osnabrück persönlich besuchte. Dieser Besuch fand allerdings bereits im Jahr 1157 statt. Das kaiserliche Privileg wurde erst 14 Jahre später in Goslar ausgestellt.

In der Abteilung Osnabrück des Niedersächsischen Landesarchivs, in der das Archiv der Stadt Osnabrück verwahrt wird, ist die Urkunde unter der Signatur NLA OS, Dep 3 a 1, I Nr. 1 verzeichnet. Ein Regest (inhaltliche Zusammenfassung) der Urkunde sowie ein Abdruck des Urkundentextes finden sich in dem ersten Band des Osnabrücker Urkundenbuchs. Eine Übersetzung der Urkunde ist in der Chronik der Stadt Osnabrück von Ludwig Hoffmeyer zu finden.

Literatur:

  • Friedrich Philippi, Osnabrücker Urkundenbuch. Die Urkunden der Jahre 772-1200, Osnabrück 1892, Nr. 328, S. 264/265
  • Ludwig Hoffmeyer, Chronik der Stadt Osnabrück, 6. Auflage, Belm 1995, S. 51ff.

Kontakt:
Niedersächsisches Landesarchiv
Abteilung Osnabrück
Schloßstr. 29
49074 Osnabrück
Telefon: (+49) 541 33 162 0
Fax: (+49) 541 33 162 62
Osnabrueck@nla.niedersachsen.de

Quelle: Stadt Osnabrück, Pressemitteilung, 23.11.2021; Niedersächsisches Landesarchiv, Neuigkeiten (Abruf: 2.12.2021).

Twitterkonto des Regierungssprechers wird archiviert

Staatssekretär Steffen Seibert ist sowohl Sprecher der Bundesregierung als auch Chef des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung. Er untersteht direkt Bundeskanzlerin Angela Merkel. Der Twitteraccount des bisherigen Regierungssprechers soll nach der Ernennung der neuen Bundesregierung archiviert werden. Der Account mit dem Namen @RegSprecher werde gleichsam eingefroren. Laut Seibert sei er „dann noch einsehbar, aber es kommt nichts mehr dazu.“ Seibert hatte das Amt des Regierungssprechers im August 2010 übernommen. Seinem seit Januar 2011 bestehenden Twitterkonto folgen mehr als eine Million Menschen.

Abb.: Twitter-Account von Regierungssprecher Steffen Seibert (3.12.2021)

Auf dem 20. Deutsch-Niederländischen Archivsymposium Anfang November 2021 berichtete der Leiter des Stadtarchivs Münster, Dr. Peter Worm, über den in Münster erfolgreich beschrittenen Weg zur Archivierung des Twitter-Accounts des Oberbürgermeisters Markus Lewe („Neue Ansätze für die Archivierung von Twitter-Accounts“). In seinem Bericht über vom Gelders Archief Arnhem und dem Stadtarchiv Bocholt gemeinsam mit dem LWL-Archivamt für Westfalen durchgeführte Tagung schreibt Dr. Marcus Stumpf, der Leiter des LWL-Archivamtes, über den Münsterschen Beitrag und Weg: „Nach gewissenhafter Prüfung der Zulässigkeit der Archivierung wurden verschiedene technische Wege beschritten und erprobt, um die signifikanten Eigenschaften des Twitter-Accounts möglichst vollständig zu erhalten. Am erfolgreichsten gelang die Archivierung mit dem Tool ‚Twint‚, das nunmehr dauerhaft zum Einsatz kommt. Die entstehenden SIPs sind in HTML-Ansicht sehr gut lesbar („Look & Feel“ fast wie beim Originaltweet), die AIPs sind standardkonform und lassen sich problemlos im digitalen Langzeitarchiv DiPS.kommunal ablegen.“

In den USA ist das Prinzip der Archivierung von Tweets aus der Regierung schon länger bekannt. Außerdem hat auch die National Archives and Records Administration (Nara) die Tweets von Präsident Barack Obama archiviert (heute unter @Potus44 zu sehen).

Quelle: SPIEGEL Netzwelt: Twitterkonto von Steffen Seibert wird archiviert, 3.12.2021; Marcus Stumpf: Das Web vergisst nichts? Stand und Perspektiven der Web(site)archivierung – ein Tagungsbericht, 17.11.2021

Adventskalender mit Fotoschätzen aus dem Stadtarchiv Wedel

Aufruf zum Nachfotografieren der historischen Fotos.

Das Stadtarchiv Wedel lädt mit einem täglich wachsenden Foto-Adventskalender auf seiner Homepage zu einer Zeitreise ein. Diesmal steht die Wedeler Bahnhofstraße im Mittelpunkt der Abbildungen, zu denen täglich bis zum 24. Dezember 2021 eine neue historische Fotografie hinzukommt.


Abb.: Die Bahnhofstraße in Wedel um 1900 (Foto: Stadtarchiv Wedel).

Gleichzeitig ruft das Wedeler Stadtarchiv dazu auf, selbst aktiv zu werden: Bei der Fotoaktion „Bahnhofstraße gestern und heute“ können Wedelerinnen und Wedeler die aktuellen Ansichten fotografieren – am besten vom selben Standpunkt aus, der auch bei der Originalaufnahme aus vergangenen Zeiten verwendet wurde. Anke Rannegger, Leiterin des Stadtarchivs der Stadt Wedel, freut sich auf Einsendungen per Mail. Rannegger hofft, beim kommenden bundesweiten TAG DER ARCHIVE, den das Stadtarchiv Wedel am 12.3.2022 begehen wird, dann historische Bilder den zeitgenössischen Fotos gegenüberstellen zu können, um die Veränderungen in der Bahnhofstraße auf einem Blick zu zeigen.

Die schönsten dieser Abbildungen werden am TAG DER ARCHIVE 2022 im Rathaus ausgestellt werden. Neben dieser Ausstellung sind am 12.3.2022 weitere spannende Zeitzeugengespräche zum Thema „Die Bahnhofstraße früher und heute“ und eine Fortführung der Reihe „Sex and Crime“ – gelesen aus Akten und Briefen des Stadtarchivs geplant.


Abb.: Die Bahnhofstraße in Wedel in Blick auf die Einmündung in die Straße Beim Hoophof, 1960. Links das Wohn- und Geschäftsgebäude von Ernst Schölermann mit dem Verkauf von Gemischtwaren der Firma A und O. Hier kam es in der Vorweihnachtszeit des Jahres 1971 zu einem schrecklichen Mord (Foto Gustav Maushake).

Die Bahnhofstraße in Wedel ist seit vielen Jahren die Hauptgeschäftsstraße der Stadt. Dabei wurde die Straße erst 1902 zur Provinzialstraße „Wedel – Schulauer Hafen“ ausgebaut. Bis dahin war der Weg zwischen den Straßenkreuzungen an der Feldstraße und an der Spitzerdorfstraße für Fuhrwerke nicht zu durchfahren. Denn der Weg führte über den Hofplatz des Landmanns Hans Hinrich Biesterfeldt. Fuhrwerke mussten daher den Weg über die Bürgerstraße, die spätere Spitzerdorfstraße nutzen.

Im Laufe des 20. Jahrhunderts haben sich zahlreiche Ladengeschäfte in der Bahnhofstraße angesiedelt, im Zweiten Weltkrieg wurden viele Gebäude zerstört, andere wurden nach dem Krieg abgebrochen. Die im Rahmen des Foto-Adventskalenders vorgestellten Abbildungen sind beinahe alle aus der Zeit nach 1945 und aus der Sammlung des Stadtarchivs Wedel.

Kontakt:
Stadtarchiv Wedel
Anke Rannegger
Rathausplatz 3-5
22880 Wedel
Telefon: 04103/707 215
Telefax: 04103/707 88 215
stadtarchiv@stadt.wedel.de

Quelle: Stadt Wedel/Kamin, News, 30.11.2021; Stadtarchiv Wedel: Adventskalender mit Fotoschätzen aus dem Stadtarchiv Wedel (Abruf: 2.12.2021)

»Archivar:in«, »Archiwar«, »Archivar a.D.«, »Archiv-Wesen«?

Zeitschrift für Archivwesen erhält einen neuen Namen.

Die Redaktion von „ARCHIVAR. Zeitschrift für Archivwesen“ kündigt die abermalige Umbenennung der zentralen deutschen archivfachlichen Vierteljahresschrift an. Der Beirat der Zeitschrift, in dem das Landesarchiv Nordrhein-Westfalen und der VdA – Verband deutscher Archivarinnen und Archive e.V. jeweils mit drei Mitgliedern vertreten sind, hat im Frühjahr 2021 beschlossen, diese „gendergerecht umzubenennen“. Die ausschließlich männliche Bezeichnung des Berufs im 2007 gewählten Titel der Zeitschrift sei „nicht mehr zeitgemäß“ und von der „personellen Realität“ im Archivwesen „längt überholt“. – Das ist zwar bereits vor anderthalb Jahrzehnten der Fall gewesen, und auch schon damals gab es Stimmen (aus allen Genera der Mitgliederschaft), die allein die Streichung des männlichen Artikels der Zeitschrift als nicht zu Ende gedacht empfanden.

Doch anders als der „Verein deutscher Archivare“, der sich auf dem 71. Deutschen Archivtag in Nürnberg 2000 in „Verband deutscher Archivarinnen und Archivare“ umbenannte, um u.a. dem großen Anteil an Frauen im Archivwesen gerecht zu werden, wird die seit 2007 als „Zeitschrift für Archivwesen“ (wohlgemerkt: nicht die, sondern das Archivwesen) untertitelte Grande Dame der deutschen Archivpublikationen diesem Beispiel nicht folgen und fortan „ARCHIVARIN und ARCHIVAR“ heißen oder – gemäß den eingetretenen Mehrheiten – schlicht „ARCHIVARIN“. Die in die engere Wahl – vermutlich der Redaktion, des Beirats und des VdA-Vorstands – gelangten Vorschläge lauten hingegen „Zeitschrift für Archivwesen“, wodurch der bisherige Unter- zum Haupttitel promoviert würde, und „Archivtheorie und -praxis“, was aufgrund der Bindestrich-Kleinschreibung ein wenig holprig und für die bibliothekarische Formalerschließung (Gruß an die Kolleg:innen!) ein wenig herausfordernd erscheint.

Das generische Maskulinum wird jedenfalls fortan (angepeilt ist Heft 1/2023) auch im deutschen Archivwesen nicht mehr Standard sein. Der Name der Zeitschrift „ARCHIVAR“ solle nunmehr „geschlechterneutral geändert werden“, wie es in der bereits eingangs zitierten Mitteilung „In eigener Sache“ in der aktuellen Ausgabe 4/2021 vom „ARCHIVAR“ weiter heißt. – Von ihrer Gründung im Jahr 1947 bis Ende 2007 war die Zeitschrift unter dem Titel „Der Archivar. Mitteilungsblatt für deutsches Archivwesen“ erschienen. Mit der ersten Ausgabe des Jahrgangs 2008 fiel der Artikel „Der“ zugunsten eines „neutraleren Titel[s]“ fort, und der Untertitel wurde dem gewandelten Selbstverständnis angepasst – weg von der gleichsam unidirektionalen Kommunikationsrichtung des alten „Mitteilungsblattes“.

Die sprachliche Nähe, die diskursive Diffusion und die teilweise Übereinstimmung von grammatischem und biologischem Geschlecht im Deutschen lassen die Duden-Grammatik (ebenfalls eine publizistische Instanz) in der Debatte um gendergerechte Sprache mittlerweile (9. Auflage 2016) zwischen „sexusspezifisch“ (geschlechtsbezogen) und „sexusindifferent“ (geschlechtsneutral) unterscheiden. Aber auch diese Kategorisierungen sind heute nicht über jede Kritik erhaben, so dass der bisherige Archivar, wie auch das Archivwesen die Untiefen der sprachlichen Gleichbehandlung aller Geschlechter nur umschiffen können, wenn sich die zukünftige Zeitschrift für Archivwesen weder indifferent noch neutral präsentiert. Der Titel fordert im Archivwesen immer noch Dignität ein, verliert jedoch angesichts des vielfach in Blogs und Foren verlagerten archivarischen Austauschs und der dort geführten archivfachlichen Debatten an Relevanz.

Quelle: Archivar 4/2021: In eigener Sache, 230; Archivar 1/2008, 5; Der Archivar 3/2007, 203; Der Archivar 4/2007, 394f.; archive.nrw: Über den „Archivar“ (Stand: 1.12.2021)

Jugendliche forschten zum Sport in Gemeinschaften

Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten 2020/2021 beschäftigte sich mit Sportvereinen und ihrer Vergangenheit.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat am 16.11.2021 in Schloss Bellevue die Gewinnerinnen und Gewinner der fünf ersten Preise des Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten 2020/2021 ausgezeichnet. „Bewegte Zeiten. Sport macht Gesellschaft“, so lautete das Ausschreibungsthema des 27. Geschichtswettbewerbs an dem sich bundesweit über 3.400 Kinder und Jugendliche mit 1.349 eingereichten Beiträgen beteiligten.


Abb.: Bundespräsident Steinmeier im Gespräch mit zwei der Erstpreisträgerinnen und -träger des Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten 2020/2021, Simon Große-Bley und Malin Käter, in Schloss Bellevue (Foto: Bundespräsidialamt/Guido Bergmann). – Bei Klick auf’s Bild: Ansprache des Bundespräsidenten anlässlich der Bundespreisverleihung.

Zeitlich beleuchteten die Schülerinnen und Schüler insbesondere die Zeit der Weimarer Republik, des Nationalsozialismus sowie des geteilten Deutschlands. In mehr als 150 eingereichten Beiträgen, ob in Schriftform, im Audioformat oder als Film, verfolgten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die historische Entwicklung diverser Sportvereine und untersuchten dabei, inwiefern die Vereinsmitgliedschaft das Leben der Sportlerinnen und Sportler beeinflusste, wer überhaupt Mitglied werden konnte und welchen Stellenwert sportliche Erfolge mit Blick auf den Vereinszusammenhalt einnahmen.

»Vereine haben für die Gesellschaft als auch für die Politik und Wirtschaft eine große Bedeutung, denn diese fördern das Zusammenleben und verstärken das Gefühl miteinander verbunden zu sein. Vereine sind also soziale Orte, in denen die Mitglieder innerhalb des Vereins ihren persönlichen Interessen nachgehen und sich selbst verwirklichen können. Außerdem bietet ein Verein eine Abwechslung von Alltag und Beruf«, erklärt eine Schülerin aus Erlangen. In ihrem Beitrag betrachtet die Teilnehmerin die Entstehungsgeschichte von Vereinen in Deutschland, wie sich diese über die Zeit im 19. und 20. Jahrhundert verändert haben, welche Hürden es mit Blick auf die Unabhängigkeit von der Politik zu meistern galt und welchen Mehrwert das sportliche Zusammenkommen für die Gesellschaft bereithält.

Häufig wählten die Schülerinnen und Schüler einen persönlichen Zugang über die eigene Vereinsmitgliedschaft und interviewten Vereinsvertreter, um sich den historischen Kontext als auch die damaligen gesellschaftlichen Gepflogenheiten zu erschließen.

Vereinsmitgliedschaft: Ein Privileg oder ein Recht für alle?
Die Schülerinnen und Schüler forschten zur Mitgliedschaft in diversen Sportvereinen und deren Veränderung zu verschiedenen Zeitpunkten in der Geschichte. Von der Gründung des ersten Golf-Clubs in Deutschland, über die Entwicklung des Tennissports oder die Bedeutung von Reitsportvereinen für die Politik – stets lag der Fokus auf der Frage, inwiefern die Vereinsmitgliedschaft die damaligen sozialen Strukturen widerspiegelte. So fragten sich beispielsweise zwei Zwölftklässler aus Kronberg im Taunus, wann der Golfsport überhaupt entstand, welche Gesellschaftsschicht ihn damals wie heute ausübt und inwiefern die Mitgliedschaft aus sozialen oder sportlichen Gründen angestrebt wurde. Letztlich halten beide Teilnehmer fest, dass es in Vereinen auch immer um gesellschaftlichen Austausch sowie die Repräsentation in der Öffentlichkeit geht. Des Weiteren untersuchten beispielsweise zwei Schülerinnen der 12. Klassenstufe aus Königstein in ihrem Beitrag, auf welche Art und Weise bereits bestehende Reitsportvereine im NS-Regime genutzt wurden, um die Mitglieder auf den Krieg vorzubereiten und die NS-Ideologie zu verbreiten. Aber eben auch, um durch die Mitgliedschaft und das Verbot anderer Vereine gezielt bestimmte Gruppen, wie beispielsweise Jüdinnen und Juden, auszugrenzen.


Abb.: Die Trainingsgruppe des Schwimmvereins SSV 70 Halle-Neustadt, 1979 (Foto: Dr. Matthias Mitte)

Identitätsfrage: Wer sind wir vor und nach der Wiedervereinigung?
Sowohl innerhalb der DDR als auch der BRD spielte sich das sportliche Leben vielerorts in Vereinen ab. Die gemeinsame sportliche Betätigung, die Bildung einer Gemeinschaft und das Ziel körperlicher Bestleistungen stand gleichermaßen im Fokus des Vereinslebens. Zugleich gab es jedoch auch tiefgreifende Unterschiede mit Blick auf die Organisation sowie die staatliche Einflussnahme auf und Repräsentation durch die Vereine. Dies zeigt sich beispielsweise bei der Ausübung des Rock’n’Roll-Tanzes, dessen Entstehung und Entwicklung in der DDR und BRD ein Zehntklässler aus Dresden untersuchte. Insbesondere in der DDR löste das Rock’n’Roll-Tanzen neben dem Generationenkonflikt auch politischen Gegenwind aus: Der aus den »feindlichen, kapitalistischen USA« importierte Musik- und Tanzstil wurde durch seine Popularität als Gefährdung für die Ideologie der sozialistischen Regierung eingestuft. Der Mauerfall bedeutete für die Rock’n’Roll-Begeisterten in der DDR also nicht allein einen politischen Wechsel, sondern auch endlich den freien Zugang zu Musik, Turnieren und Trainingslagern. Doch es änderte sich nicht nur der Zugang zu Sportarten nach 1989, sondern auch die Struktur der Vereine selbst, wie zwei Neuntklässlerinnen anhand ihrer Ausstellung zur Geschichte ihres Schwimmvereins in der DDR und später der BRD aufzeigen. »Während man am Anfang von einem Einspartenverein sprechen konnte, welcher auf das Schwimmen spezialisiert war, wurde er nach der Wiedervereinigung Deutschlands zu einem selbstständigen Mehrspartenverein, welcher dadurch so viel mehr Sportangebote zu bieten hat als einfach nur das Schwimmen.«

Zusammenhalt: Gemeinsam schafft man alles oder ein Wettmessen in geschlossener Gesellschaft?
»Wir sitzen alle in einem Boot«, heißt es im Titel eines Beitrags des Geschichtswettbewerbs 2020/2021, der die Geschichte von vier hessischen Rudervereinen im Hinblick auf gesellschaftliche Umbrüche genauer beleuchtet. Insbesondere die Einflussnahme der jeweiligen Regierung und die Verbreitung ihrer politischen Ansichten waren stets von entscheidender Bedeutung, wenn es um die Struktur und das Leben der deutschen Sportvereine geht. So führte die Gleichschaltung der Vereine im Nationalsozialismus im Falle der hessischen Rudervereine zu gravierenden Mitgliederrückläufen und teils der Auflösung dieser, da die politischen Werte über dem Sport standen. Sport wurde als Mittel zur Stärkung der Volksgesundheit und Volksgemeinschaft betrachtet und im Sinne der NS-Ideologie missbraucht – bestimmten Bevölkerungsgruppen, die nicht dem arischen Gesellschaftsbild des NS-Regimes entsprachen, wurde der Zugang zum Vereinsleben gar untersagt. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann die geschichtliche Aufarbeitung in den Vereinen auf unterschiedliche Weise, teils steht diese jedoch bis heute noch aus. Die Hürden für die Aufnahme von neuen Mitgliedern wurden in vielen Vereinen herabgesetzt, was viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer als ein verändertes Wettbewerbsverständnis und als einen Schritt hin zu einem gelebten Miteinander deuten. Auch bildeten neu gegründete Vereine einen wichtigen Anschlusspunkt in der wachsenden Zuwanderungsgesellschaft der BRD und der DDR.

spurensuchen 2021: Die Ergebnisse des Wettbewerbs im Magazin spurensuchen. Im neuen Magazin spurensuchen werden die Erstpreisträgerinnen und Erstpreisträger sowie die Themen der 50 bundesbesten Arbeiten vorgestellt. Die Wettbewerbsergebnisse zeigen, wie der Geschichtswettbewerb an Schulen ganz selbstverständlich zur Schulkultur gehört.

Über den Geschichtswettbewerb
Seit 1973 richten die Hamburger Körber-Stiftung und das Bundespräsidialamt den Geschichtswettbewerb aus, der auf eine gemeinsame Initiative des damaligen Bundespräsidenten Gustav Heinemann und des Stifters Kurt A. Körber zurückgeht. Ziel ist es, bei Kindern und Jugendlichen das Interesse für die eigene Geschichte zu wecken, Selbstständigkeit zu fördern und Verantwortungsbewusstsein zu stärken. Ausgeschrieben wird der größte historische Forschungswettbewerb für junge Menschen in Deutschland in einem zweijährigen Turnus und zu wechselnden Themen.

Link: Kurztexte 50 Bundespreise

Kontakt:
Körber-Stiftung
Kehrwieder 12
20457 Hamburg
Telefon +49 · 40 · 80 81 92 – 145
Telefax +49 · 40 · 80 81 92 – 302
gw@koerber-stiftung.de

Quelle: Körber-Stiftung Geschichtswettbewerb, News, 29.11.2021; Bundespräsident, Geschichtswettbewerb, 16.11.2021

Bilddokumentation über den Bau des Laufenburger Wasserkraftwerks

Das Laufenburger Wasserkraftwerk, das zwischen dem schweizerischen Laufenburg und seiner badischen Schwesterstadt Laufenburg liegt, gilt in technikgeschichtlicher Hinsicht als Pioniertat. Es ist das älteste quer zum Fluss stehende Laufwasserkraftwerk am Rhein und war zu seiner Bauzeit (1909-1914) das leistungsstärkste Flusskraftwerk in Europa. Für den Bau des Kraftwerkes wurde die Stromschnelle von Laufenburg – auch „kleiner Laufen“ genannt – gesprengt, und stattdessen eine Wehranlage errichtet.


Abb.: Die gesamte Staustufenunterseite des Wasserkraftwerks Laufenburg (Foto: Taxiarchos228, FAL, via Wikimedia Commons, 18. Mai 2014)

Für den Südkurier berichtet Charlotte Fröse über einen besonderen Zugang für das Stadtarchiv Laufenburg: Durch Vermittlung der Bad Säckinger Stadtarchivarin Eveline Klein konnte Martin Blümcke, Stadtarchivar der Stadt Laufenburg, eine große Sammlung von Fotografien zum Bau des Kraftwerks Laufenburg übernehmen. Das heute unter Denkmalschutz stehende Wasserkraftwerk am Hochrhein, das unter Leitung der Ingenieure Gruner und Natter erbaut worden war, ging am 14. Mai 1914 in Betrieb.

Das nun vom Stadtarchiv Laufenburg übernommene Album mit rund 540 originalen Fotografien aus der Zeit des Kraftwerkbaus stammt aus dem Privatbesitz von Joachim Scheffzek, Oberstudiendirektor im Ruhestand aus Esslingen und Enkel des ursprünglichen Besitzers Josef Koder. Koder war Regierungsbaumeister und in der Zeit von 1908 bis 1913 an führender Stelle der Mannheimer Firma Grün & Bilfinger am Bau des Kraftwerks tätig. Die Aufnahmen in dem etwa 15 Zentimeter dicken und acht Kilogramm schweren Album dokumentieren eindrücklich die einzelnen Bauphasen.


Abb.: Zeitweise arbeiteten bis zu 1.500 Mann auf der Jahrhundertbaustelle, vor allem über dem Wasser des Rheins. Aber auch unter Wasser wurde gearbeitet, Taucher übernahmen diese gefährliche Arbeit. – Dieses Bild ist mit dem Datum 12. September 1912 versehen (Bildrepro: Charlotte Fröse)

Der frei zugängliche Artikel von Charlotte Fröse im Südkurier („Pionierleistung der Technik in Bildern“) vereint weitere interessante Hintergründe zum Bau des Kraftwerks sowie zur Übergabe des Albums an das Stadtarchiv Laufenburg, präsentiert überdies noch mehrere Bilder aus der Fotosammlung.

Kontakt:
Stadt Laufenburg
Stadtarchivar Martin Blümcke
(Archiv Feuerwehrgebäude)
Hauptstraße 30
79725 Laufenburg
Tel.: 07763 / 7935
barbara.rueb@web.de

Quelle: Charlotte Fröse, „Pionierleistung der Technik in Bildern: Stadtarchiv erhält einen besonderen Schatz“, in: Südkurier, 26.11.2021; Art. „Kraftwerk Laufenburg“, in: Wikipedia, 23.10.2021

Neuer Stadtarchivar für Ratingen

Dr. Sebastian Barteleit (52) leitet seit November 2021 das Stadtarchiv Ratingen. An seinem ersten Arbeitstag am 2. November begrüßten ihn Kulturdezernent Patrick Anders und Kulturamtsleiterin Andrea Töpfer mit einem Blumenstrauß und wünschten ihm einen guten Start an der neuen Wirkungsstätte.


Abb.: Kulturdezernent Patrick Anders (l.) und Kulturamtsleiterin Andrea Töpfer (r.) begrüßen den neuen Stadtarchivar Dr. Sebastian Barteleit (Foto: Stadt Ratingen)

Der promovierte Historiker war viele Jahre als Archivar des höheren Dienstes im Bundesarchiv Berlin tätig, wo er zuletzt als Abteilungsleiter beispielsweise für die Archivtechnik und die zentralen fachlichen Dienste zuständig war. „Ich freue mich sehr auf die Aufgabenvielfalt eines kommunalen Archivs“, sagte Dr. Barteleit, der in Bochum und Freiburg studiert und anschließend in Münster und Osnabrück promoviert hat.

Im Rahmen des Begrüßungsgesprächs wurden auch gleich die ersten großen anstehenden Themen angesprochen: die digitale Langzeitarchivierung, die Übernahme der Aktenbestände aus der Verwaltung und nicht zuletzt das Ratinger Stadtjubiläum im Jahr 2026.

Barteleit folgt auf Dr. Erika Münster-Schröer, die Stadtarchiv und Medienzentrum Ratingen in Personalunion geleitet hat. Nach 31 Jahren in Diensten der Stadt Ratingen war die Stadtarchivarin und Leiterin der Stadtbibliothek im Herbst 2020 in den Ruhestand getreten. Bürgermeister Klaus Pesch dankte ihr aus diesem Anlass für ihre in vielfacher Hinsicht wegweisende und engagierte Arbeit. „Durch akribische Spurensuche haben Sie wichtige Aspekte der Ratinger Stadtgeschichte aufgehellt. Die Spuren, die Sie durch Ihre Arbeit hinterlassen, muss man nicht lange suchen. Sie sind für alle leicht auffindbar.“


Abb.: Ein paar Erinnerungen an Ratingen gab Bürgermeister Klaus Pesch der langjährigen Stadtarchivarin und Büchereileiterin Dr. Erika Münster-Schröer mit in den Ruhestand – verbunden mit einem herzlichen Dankeschön für drei Jahrzehnte wegweisende und engagierte Arbeit (Foto: Stadt Ratingen).

Dazu reicht ein Blick auf die Liste ihrer Publikationen, die rund 70 Positionen umfasst – vom Aufsatz in der Quecke oder in der Werkreihe „Ratinger Forum“ über Monografien zu historischen Spezialthemen bis hin zum stadtgeschichtlichen Überblickswerk „Ratingen. Geschichte 1780 bis 1975“, das sie mit fünf weiteren Autoren im Jahr 2000 verfasste. So unterschiedlich die Formate, so vielfältig waren auch die Themen, über die sie schrieb. Es gibt aber auch deutliche Schwerpunkte, etwa die Geschichte der Frauen, die Geschichte der Juden und die Hexenverfolgung – mal mit, mal ohne Ratinger Bezug.

Außer den Schriften bleibt aber auch eine Reihe von Innovationen und Projekten in beiden städtischen Einrichtungen mit ihrem Namen verbunden: die Übernahme und Aufarbeitung des Fotoarchivs Klöckner und des Filmarchivs Kürten und in der Bibliothek die Einführung der Onleihe und der RFID-Technik, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Dr. Erika Münster-Schröer schloss ihr Studium mit dem 2. Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien im Jahr 1982 ab, aber es war keine gute Zeit für angehende Lehrer, vor allem nicht in den Fächern Deutsch und Geschichte. Sie arbeitete ein paar Jahre an Volkshochschulen und anderen Bildungseinrichtungen der Region, bevor sie im Rahmen eines befristeten Projekts zum Thema „Geschichte der Frauen“ 1989 zur Stadt Ratingen kam. Nach dem Projekt kam eine unbefristete Einstellung, und 1995 wurde ihr die Leitung des Ratinger Stadtarchivs übertragen. 2007 übernahm sie zusätzlich die Leitung der Stadtbibliothek Ratingen.

„Als heimathistorisch interessierter Mensch fand ich es immer wieder inspirierend, Frau Dr. Münster-Schröer zuzuhören, wenn sie mit ihrer großen Kenntnis und beruflichen Leidenschaft Aspekte Ratinger Geschichte erläuterte“, sagt Bürgermeister Pesch. Darauf wird er möglicherweise auch in Zukunft nicht verzichten müssen, denn Dr. Erika Münster-Schröer bleibt Ratingen, „wo ich mehr als 30 Jahre lang wirklich sehr gern gearbeitet habe“, schon durch ihre Mitgliedschaft im Heimatverein verbunden. Und zur Stadtgeschichte gibt es immer Interessantes zu erforschen und zu publizieren, was aufgrund ihrer beruflichen Doppelaufgabe in den letzten Jahren ein wenig zu kurz kam.

In der Nachfolge von Dr. Erika Münster-Schröer werden die beiden Stellen – Leitung des Stadtarchivs Ratingen und Leitung der Stadtbibliothek Ratingen – wieder getrennt besetzt. Anders als im Stadtarchiv ist die Leitung der Stadtbibliothek derzeit noch vakant.

Kontakt:
Stadtarchiv Ratingen
Dr. Sebastian Barteleit
Mülheimer Str. 47
40878 Ratingen
Telefon 02102 550-4190
stadtarchiv@ratingen.de

Quelle: Stadt Ratingen, Pressemitteilung, 2.11.2021; Stadt Ratingen, Pressemitteilung, 1.10.2020

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