Vereinsarchiv des Schiffervereins Lahnstein ging ans Stadtarchiv

Die Schifffahrt spielte für die Stadt Lahnstein, besonders das ehemalige Niederlahnstein, traditionell eine große Rolle. Deshalb wurde auch bereits am 10. März 1774 den Schiffern vorn Trierer Kurfürsten das Recht eingeräumt, sich hier in einer eigenen Schifferbruderschaft zu organisieren, ein Beweis für die Achtung und Bedeutung, die diese Berufsgruppe in der Stadt, die an der Mündung der Lahn in den Rhein liegt, hatte.

Der Vorstand des heutigen Schiffervereins Lahnstein übergab im August 2021 die von ihm nicht mehr benötigten, aber archivwürdigen Unterlagen dem Stadtarchiv Lahnstein als Dauerleihgabe. Nachdem der Verein bereits 2007 einen Depositalvertrag mit der Stadt abgeschlossen und damals die ältesten drei Protokollbände abgeben hat, wurden nun alle Unterlagen bis 2018 gesichtet. Sofern sie nicht mehr für die Kassenverwaltung benötigt werden, wurde alles bewertet und übergeben. Stadtarchivar Bernd Geil dankte Karl Väth und seinen Mitstreitern und legte ein Findbuch an.


Abb.: Das Foto entstand bei der Aktenübergabe und zeigt von links nach rechts die Vorstandsmitglieder des Schiffervereins Lahnstein, Karl Väth, Manfred Woldeit, Hans Unkelbach und Günter Aderjahn, sowie Lahnsteins Stadtarchivar Bernd Geil (Foto: Renate Dasting)

Alle Niederschriften seit Gründung sind vollständig erhalten. Hieraus lässt sich die Vereinsgeschichte hervorragend dokumentieren. Demnach gründeten 26 Schiffer unter dem Ortspfarrer als Präses an Pfingsten 1889 den „Schifferverein vom heiligen Mathias zu Niederlahnstein“. Die Vereinsstatuten wurden in der ersten Generalversammlung am 30. Juni 1889 angenommen. Seither setzt sich der Verein zur Aufgabe, das Bewusstsein der Zusammengehörigkeit und die gemeinsamen Interessen unter den Schiffern zu wecken und zu pflegen.


Abb.: Fahne des Schiffer-Vereins Niederlahnstein 1889 (Foto: Schifferverein Lahnstein)

Anfangs war der Verein konfessionell an die Pfarrei St. Barbara gebunden. Neben der Beschäftigung mit rein wirtschaftlichen Fragen wie die Gesuche um Regulierung des Rheins bei der Johanniskirche oder die Kanalisierung der Lahn wirkte der Verein auch bei kirchlichen Veranstaltungen mit. Für die Allerheiligenbergkapelle stiftete der Verein 1901 ein Fenster. Im Ersten Weltkrieg kümmerte sich die Schifferfamilie um die Angehörigen der im Feld befindlichen oder getöteten Vereinsmitglieder. 1936 gründete sich parallel die Schifferkameradschaft „Rhein-Lahn“ Lahnstein, die für die Mitglieder „nur ein rein soziales Werk“ sein wollte. Die rege Aktivität an den örtlichen Feierlichkeiten kam durch den Zweiten Weltkrieg erneut zum Erliegen.

1948 schlossen sich beide Vereine zusammen, um die jahrzehntelange Tradition der Schifferfamilie fortzusetzen. Maskenball und Teilnahme an Kappenfahrt und Erdbeerfest, Bus- und Schiffsausflüge, Weihnachtsball und andere vereinsinterne Feiern. Für die Lehner Kirmes stellen sie das Ponton, das alljährlich Neptun und Rhein-Lahn-Nixe ans Ufer bringt. Für die Öffentlichkeit wurden mehrere Rheinschiffertage in Lahnstein durchgeführt, u. a. 1963, 1976 und 1995. Im Jahr 1952 wurde ein Schiffermast bei der KD-Anlegerstelle Niederlahnstein errichtet, der 1969 durch einen eisernen Mast ersetzt wurde und noch heute vom Verein beflaggt wird. Heute kann der Verein mit seinen rund 100 Mitgliedern auf 132 Jahre zurückblicken, in denen der angesehene Stand des Schiffers in Ehren gehalten wurde und der heutigen und nachfolgenden Generation das Erbe einer langen Tradition vermittelt wird.

Neben den Protokoll- und Kassenbüchern gehören zum Depositum des Schiffervereins auch der Schriftverkehr bestehend aus den Einladungen zu Veranstaltungen, Programmen und Presseberichten, Totenzettel, Fotoalben, gerahmte Bilder, Marineliteratur und Gastgeschenke befreundeter Schifferfamilien.

Das Stadtarchiv Lahnstein erstrebt langfristig, die wichtigsten Unterlagen aller Lahnsteiner Vereine zu archivieren, um sie dauerhaft zu sichern. Besonders die Niederschriften bilden eine für die Erforschung der Stadtgeschichte äußerst wichtige Quelle.

Link: www.schifferverein-lahnstein.de

Kontakt:
Stadtarchiv Lahnstein
Diplomarchivar Bernd Geil
Kaiserplatz 1
56112 Lahnstein

Postfach 2180
56108 Lahnstein

Tel: +49 (0)2621 914-296
Fax: +49 (0)2621 914-330
archiv@lahnstein.de

Quelle: Stadt Lahnstein, Pressemitteilung, 25.8.2021; BEN Kurier, 28.8.2021

Explosionsunglück im Stickstoffwerk Oppau der BASF 1921

Am Morgen des 21. Septembers 1921 ereignete sich im Werk Oppau eine der schlimmsten Katastrophen der Industriegeschichte. Bei einer Lockerungssprengung kam es um 7.32 Uhr zu einer verheerenden Explosion in einem Düngemittelsilo. Das Unglück forderte über 500 Menschenleben. Rund 2.000 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Die Druckwelle war so stark, dass selbst in Heidelberg, Worms, Darmstadt und vereinzelt sogar im über 80 Kilometer entfernten Frankfurt Glasscheiben zersprangen. Die Erschütterungen der Explosion wurden noch in der über 300 Kilometer entfernten Erdbebenwarte München registriert.

Abb.: Bild nach dem Unglück mit dem Explosionstrichter im Vordergrund. Blick von Südwest nach Nordost. Hinter dem Explosionstrichter und dem BASF-Werk Oppau der Rhein, die Mündung des Neckars und der Mannheimer Stadtteil Neckarstadt-West (Foto: Autor unbekannt – Popular Mechanics Magazine 1921).

Am 21.9.2021 jährt sich das Explosionsunglück im Oppauer Werk der BASF zum 100. Mal. Vertreter von BASF und der Stadt Ludwigshafen werden an diesem Tag gemeinsam der Opfer der Explosionskatastrophe gedenken. Insgesamt finden drei Veranstaltungen an den Mahnmalen auf dem Ludwigshafener Hauptfriedhof, dem Oppauer und dem Edigheimer Friedhof statt.

Unter dem Titel „Das Unglück von Oppau 1921 – ein Film zum Erinnern und Gedenken“ hat das BASF Unternehmensarchiv einen Filmbeitrag zur Erinnerung an die Opfer der Explosion von 1921 produziert. Der Film beleuchtet die historischen Ereignisse anhand von Dokumenten und Bildmaterial aus den eigenen Beständen und denen des Stadtarchivs Ludwigshafen sowie weiterer Quellen. Zeitgenössische Wahrnehmungen des Unglücks werden ebenso thematisiert wie die heutigen Erkenntnisse zur Unglücksursache. Gewidmet ist der Film all jenen, die Leben, Gesundheit oder ihr Zuhause durch das Unglück verloren haben. Der Film wird ab dem 21. September im Internet unter verfügbar sein.

Filmbeitrag zum BASF-Unglück
Der Beitrag wird darüber hinaus am Abend des 21.9.2021 bei einer gemeinsamen Vorführung des Stadtmuseums Ludwigshafen und des Stadtarchivs Ludwigshafen sowie des BASF Unternehmensarchivs zu sehen sein. Aufgrund der Corona-Lage ist die Teilnahme nur für geladene Gäste möglich. Außerdem wird der Film in den nächsten Wochen unter anderem am 13. Oktober 2021 im MARCHIVUM in Mannheim und voraussichtlich am 12. November 2021 im Bürgerhaus in Oppau gezeigt. Außerdem wird der Film auch am Nachmittag des 18. November 2021 im Rahmen der Vortragsreihe „Frau und Kultur“ bei der VHS Ludwigshafen zu sehen sein.

Gedenkfeiern auf mehreren Friedhöfen
Gedenkfeiern am Dienstag, 21. September 2021:
10.30 Uhr auf dem Hauptfriedhof Ludwigshafen
11.15 Uhr auf dem Friedhof in Oppau
11.45 Uhr auf dem Friedhof in Edigheim
Eine vorherige Anmeldung ist nicht erforderlich. Bei den Veranstaltungen sind die zum Veranstaltungszeitpunkt gültigen Corona-Schutzregeln wie das Abstandsgebot, die Maskenpflicht sowie die Hygieneregeln zu beachten.

Kontakt:
Stadtarchiv Ludwigshafen am Rhein
Rottstraße 17
67061 Ludwigshafen
Telefon: 0621 504-3047 und 504-2047
Telefax: 0621 504-2433
stadtarchiv@ludwigshafen.de

BASF Corporate History
BASF SE
Carl-Bosch-Str. 38
67056 Ludwigshafen
history@basf.com

Stadtmuseum Ludwigshafen am Rhein
Rathausplatz 20
67059 Ludwigshafen
Telefon: 0621 504-2574
stadtmuseum@ludwigshafen.de

Quelle: Stadt Ludwigshafen, Pressemitteilung; SWR, 15.9.2021; BASF, 100 Jahre Oppauer Explosionsunglück.

Schönhausen-Chor übergibt Vereinsunterlagen ans Stadtarchiv Krefeld

Der Schönhausen-Chor Krefeld hat seinen Bestand dem Stadtarchiv Krefeld übergeben und damit dort für Freude gesorgt. „Es ist ein ganz besonderer Bestand, den wir übernehmen konnten. Er bietet einen Blick in das Vereinsleben der Nachkriegszeit im Allgemeinen und das Krefelder Musikleben im Speziellen. Das ist interessant, denn es gehört zur Geschichte der Stadt“, erklärt Christoph Moss. Der stellvertretende Leiter des Stadtarchivs konnte nach über einem Jahr Corona-Pause nun endlich wieder Gäste – Gabriele Schulten, Vorsitzende des Chors, und ihr Vorstandskollege Norbert Herting – zu einem öffentlichen Termin im Haus an der Girmesgath empfangen. Bei Herting hatte ein Großteil des Vereinsbestandes zuletzt in Umzugskartons auf dem Speicher gelagert. Als sich Stadtarchiv-Leiter Olaf Richter persönlich um die Sammlung bemühte, entschied sich der Chor, dem Archiv die Unterlagen zu überlassen.


Abb.: Das Stadtarchiv Krefeld übernimmt das Archiv des Schönhausen-Chors. (Von links) Gabriele Schulten (Vositzende Schönhausenchor), Christoph Moß (stellvertretender Leiter Stadtarchiv), Norbert Herting (stellvertretender Vorsitzender Schönhausenchor) (Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, Dirk Jochmann)

2018 war dies, und bis 2020 dauerte es, ehe alles in einem Findbuch aufgezeichnet werden konnte. Drei wesentliche Bestandteile enthält die Schönhausen-Chor-Sammlung, so Moss: Schriftgut wie Protokolle, Artikel und Probenpläne sowie viele Fotos, zahlreiche Tonträger, der älteste davon aus dem Jahre 1965 (die Johannes-Passion von Bach) und rund 160 Veranstaltungsplakate. „Aus dieser Gemengelage ist es auch möglich zu erkennen, welche musikalischen Schwerpunkte sich der Chor in seinen fast 65 Jahren setzte.“ Günther Schmidt-Uhlig war der Initiator zur Gründung, das Ziel war, zusammen Musik zu machen. „Diese Gemeinschaft prägt den Chor seitdem, sie ist sehr wichtig. Neue Mitglieder sind schnell vom starken Zusammenhalt begeistert“, bestätigt Gabriele Schulten, die dem Verein seit 2008 vorsteht. 30 bis 80 Jahre alt sind die 60 Chormitglieder, die ihr Gesangspotential sowohl beim Eintritt in den Chor, aber auch danach regelmäßig mit einem Vorsingen unterstreichen müssen. Das hebt den Chor in die erste Liga der Krefelder Chöre.


Abb.: Das Stadtarchiv Krefeld erschließt das Archiv des Schönhausen-Chors, wie zum Beispiel dieses Album (Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, Dirk Jochmann)

In seinen Anfangsjahren habe es eine enge Beziehung zur Krefelder Musikschule gegeben. Nicht wenige Musikschüler fanden so den Weg zum Schönhausen-Chor, übrigens benannt nach dem Ort der seinerzeit ersten Probe, dem Haus Schönhausen. Und das war eben eine Dependance der Musikschule. Heute rekrutiere man neue Sänger auf anderen Wegen, allein sechs Mitglieder suchten zuletzt über die Website den Kontakt und schlossen sich schließlich an. „Das zeigt den Wandel der Zeit. In unseren Unterlagen lagerten noch Postkarten, mit denen seinerzeit zu Versammlungen oder Proben geladen wurde, heute findet man uns online“, so Herting.

Dieser Wandel ist vielerorts sichtbar: Ein Blick auf die zahlreichen Veranstaltungsplakate offeriert nicht nur die sich stetig ändernde Designsprache, sondern auch einen Wechsel im Programm. Herting: „Früher, unter Helmut Kahlhöfer, wurde zum Beispiel viel A-Capella-Literatur gesungen, heute widmen wir uns neben dem klassischen Repertoire auch englischen und baltischen Komponisten bis hin zu Jazz.“ Verantwortlich ist dafür der renommierte künstlerische Leiter Joachim Neugart, der dem Chor seit Februar 2002 vorsteht.

Und mit ihm begibt sich der Chor nun auch auf eine Art Experiment. Denn wie vielerorts veränderte die Corona-Pandemie das Vereinsleben und die Proben maßgeblich. Mal traf man sich zum digitalen Stammtisch oder in Stimmgruppen, mal gab es Audio-Dateien, in denen die jeweiligen Stimmen besonders hervorgehoben waren. Dies alles ersetzte die üblichen Proben und Zusammenkünfte natürlich nicht. Erst vor einer Woche kam man wieder im halbwegs normalen Rahmen zusammen, um sich auf das Experiment vorzubereiten. Dabei handelt es sich um den ersten Auftritt seit Oktober 2020. Um 18 und 20 Uhr singt der Chor am Sonntag, 19. September, „Shakespeare Reloaded“ im Café Ludwig im Mies van der Rohe Business Park, Girmesgath 5. Unter dem Titel verbergen sich Songs und Sonette von George Shearing und John Rutter. Begleitet wird der Chor dabei von Felix Neugart am Klavier und von Thorsten Drees am Kontrabass.

Kontakt:
Stadtarchiv Krefeld
Girmesgath 120
47803 Krefeld
stadtarchiv@krefeld.de

Quelle: Stadt Krefeld, Nachrichten aus Krefeld, 14.9.2021

Neueröffnung des jüdischen Zentralarchivs in Deutschland

Deutschland hat ein neues Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden. Das am 14.9.2021 in Heidelberg eröffnete Zentralarchiv „birgt einen Schatz: das Gedächtnis der jüdischen Gemeinden“, sagte Dr. Josef Schuster, der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, bei einem Festakt. Anlass war der Umzug des 1987 in Heidelberg gegründeten Zentralarchivs zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland in neue, wesentlich größere und modernere Räumlichkeiten. Zuvor waren die Bestände auf verschiedene Standorte in Heidelberg verteilt gewesen. „Wie hat man aus dem Nichts wieder jüdisches Leben in Deutschland entwickeln können – das spiegelt sich in den Beständen dieser Einrichtung“, sagte Archivleiter Dr. Ittai Joseph Tamari.


Abb.: Dr. Josef Schuster beim Festakt zur Einweihung neuer Räume des Zentralarchivs zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland, 14.9.2021, Heidelberg (Foto: Gregor Zielke)

Das Zentralarchiv ist eine Einrichtung des Zentralrats der Juden in Deutschland. In seiner Konzeption knüpft es an das Gesamtarchiv der deutschen Juden an, das von 1905 bis 1938 in Berlin bestand. Hauptanliegen ist die Aufbewahrung und Erschließung von historisch wertvollem Schriftgut jüdischer Gemeinden, Verbände, Organisationen und Personen. In der Regel werden die Akten dem Zentralarchiv als Depositum übergeben.

Die Richtlinien für die Arbeit werden von einem Beirat beschlossen. Zurzeit umfasst das Zentralarchiv, das derzeit über fünfzehn Mitarbeitende verfügt, rund 2.355 laufende Meter Dokumente, die das Leben vieler jüdischer Gemeinden in Deutschland überwiegend seit 1945 abbilden. Darunter sind Sitzungsprotokolle, Berichte über jüdische Lehrer und darüber, welche Feierlichkeiten stattfanden.


Abb.: Frau Lazarus Levy, Gerolsteiner Juden, Foto-Sammlung Lange, Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland: Bestand B. 3/47

Auch Dokumente wie Briefe jüdischer Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg und Berichte über den Gesundheitszustand von Holocaust-Überlebenden in den Jahren unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg werden hier aufbewahrt. Geplant ist auch eine digitale Datenbank, um den Austausch mit anderen Archiven zu fördern. Die Kosten von jährlich rund 900.000 Euro werden vom Bundesinnenministerium getragen.

Hauptsächlich genutzt werden die Bestände des Zentralarchivs von Studierenden, für Promotionen und für wissenschaftliche Arbeiten. Aber auch z.B. Geschichtsvereine, Familienforscher und Museen nutzen die Informationen, die in den Akten des Zentralarchivs zu finden sind. Dabei ist festzustellen, dass neben Personen oder Institutionen aus dem deutschsprachigen europäischen Raum zunehmend Studierende aus den USA um Akteneinsicht im Zentralarchiv bitten.

Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) würdigte das Zentralarchiv anlässlich der Neueröffnung als Ort, der nicht nur der Aufbewahrung, sondern auch der Erforschung und Begegnung dienen solle. Jüdisches Leben sei keineswegs einfach da und leider keineswegs selbstverständlich, sondern müsse verteidigt werden, sagte die Ministerin. Der neue Standort im Landfried-Komplex in der Nähe des Heidelberger Bahnhofs sei gut gewählt, weil jüdisches Leben in Deutschland in einem lebendigen Viertel „sichtbar“ werde.

Kontakt:
Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland
Bergheimer Str. 147, Gebäude C
69115 Heidelberg
mail@zentralarchiv-juden.de
https://zentralarchiv-juden.de

Quelle: Zentralrat der Juden in Deutschland, Einweihung u. Das Gedächtnis der jüdischen Gemeinschaft; ORF, News, 14.9.2021; Deutschlandfunk, Nachrichten, 14.9.2021; Die ZEIT, 14.9.2021; FAZ, 14.9.2021

Symposium zum Umgang mit kolonialen Straßennamen in Hamburg

Das Staatsarchiv Hamburg lädt am 16. und 17. September 2021 zu einem Symposium zum Thema „Umgang mit kolonialen Straßennamen in Hamburg“ ein. Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft diskutieren die Möglichkeiten eines zeitgemäßen Umgangs mit diesem geschichtlichen Erbe der Hansestadt. ​​​​​​​


Abb.: Wie umgehen mit den rund 130 Straßennamen in Hamburg mit kolonialem Bezug? (Bild: Staatsarchiv Hamburg, Anke Hönnig)

​​​​​Hamburg wurde von Kaufleuten und Reedern geprägt, die über Jahrhunderte Waren wie Zucker, Baumwolle oder Tee von anderen Kontinenten importierten. Dieser Handel war auch durch ökonomische und ökologische Ausbeutung anderer Kontinente geprägt. Die Spuren der Kolonialgeschichte finden sich bis heute im Stadtbild, so auch in über 130 Straßennamen mit kolonialem Bezug. Die Ausbeutung ging mit brutaler Gewalt, massiven Menschenrechtsverletzungen bis hin zu Genoziden einher. Die Stadt hat sich zum Ziel gesetzt, auch diesen Teil ihrer Geschichte aufzuarbeiten. Hierzu hat der Senat zahlreiche Initiativen gestartet. Ein Element dieses post-kolonialen Erinnerungskonzeptes ist der Umgang mit Verkehrsflächen, die nach kolonial-belasteten Personen oder Orten benannt worden sind. Im Rahmen dieses Prozesses zur Entwicklung einer Strategie im Umgang mit diesen Verkehrsflächen lädt das Staatsarchiv Hamburg jetzt zu dem Symposium ein.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Die Aufarbeitung der deutschen Kolonialgeschichte ist eine der wichtigsten erinnerungspolitischen Aufgaben unserer Zeit. Ein wichtiger Teil dieses Prozesses ist der Umgang mit Spuren der Kolonialgeschichte in unserem Stadtbild. Es gibt keine einfachen Antworten auf die Frage, wie wir mit diesen Spuren umgehen. Ein wesentlicher Schritt ist, dass wir uns dieser Spuren und damit auch unserer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst werden. Gemeinsam mit Expertinnen und Experten und den Communities wollen wir Wege finden, wie wir mit kolonial belasteten Straßennamen umgehen. Ziel muss es sein, dass wir uns so mit unserer Geschichte auseinandersetzen, dass sich die Verbrechen der Vergangenheit in Zukunft nicht wiederholen.“

Den Auftakt des Symposiums bilden eine wissenschaftliche Einführung in die deutsche Kolonialgeschichte aus verschiedenen Perspektiven sowie Vorträge zum erinnerungskulturellen Umgang mit kolonialen Themen und Orten in Deutschland und den Möglichkeiten zur Dekolonisierung. Zudem wird es um verwaltungsrechtliche Aspekte bei Straßenbenennungen gehen. Anhand von Fallbeispielen wird dargestellt, welche Formen im Umgang mit belasteten Straßennamen denkbar sind und welche neuen Namen die Straßen im Fall einer Umbenennung erhalten könnten. Kultursenator Dr. Carsten Brosda wird im Rahmen einer Podiumsveranstaltung am Freitag, 17. September, mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern kultureller Einrichtungen und Aktivistinnen und Aktivisten diskutieren, wie in Hamburg ein zeitgemäßer Umgang mit den kolonialen Straßennamen aussehen könnte.

Das Symposium findet per Zoom statt. Wir laden alle Interessierten herzlich zur Teilnahme ein. Eine Anmeldung bis zum 15. September 2021 ist erforderlich unter: verkehrsflaechenbenennung@bkm.hamburg.de.

Weitere Informationen unter: https://www.hamburg.de/bkm/strassennamen/15345630/symposium-koloniale-strassennamen/.

Download des Tagungsprogramms als PDF-Datei hier.

Kontakt:
Staatsarchiv der Freien und Hansestadt Hamburg
Kattunbleiche 19
22041 Hamburg
Tel.: 040 42831-3143
Fax: 040 4279-16001
office-staatsarchiv@staatsarchiv.hamburg.de

Pockenimpfungen und Impfpflicht im 18./19. Jahrhundert

Archivalie des Monats September 2021 des Stadtarchivs Lingen.

Im Laufe des 18. Jahrhunderts lösten Pocken (auch „Blattern“ genannt) die Pest als gefährlichste Krankheit ab. Vor allem viele Kinder starben daran. Manche Überlebende behielten Narben zurück oder erblindeten. Schon früh aber wurde erkannt, dass man nach überstandener Erkrankung immun war. Das ermöglichte eine einfache – und durchaus risikoreiche – Form der Impfung: durch die absichtliche Infektion mit den abgeschwächten Viren von Überlebenden.

1777 erreichte eine Anfrage die Stadt Lingen. Der Magistrat sollte die hiesigen Ärzte fragen, wie viele Menschen in den letzten drei Jahren inokuliert, also geimpft worden seien, als wie wirksam sich die Impfung erwiesen habe und ob es unter den Geimpften Todesfälle zu beklagen gebe. Die Rückmeldungen der angefragten Ärzte Hüllesheim und Donckermann waren ernüchternd. Hüllesheim antwortete, „daß meines Wißens alhier und in hiesiger Grafschaft noch niemahlen eine Pockeninoculation geschehen sey und die Leute hierzulande zu diese Inoculation gar nicht incliniren (= neigen), sondern vielmehr selbige verabscheuen.“ Donckermann äußerte sich ähnlich. Er habe sogar gratis Pockenimpfungen angeboten, doch bisher ohne Erfolg. „Die Ursach hiervon ist wohl, daß auf dem platten Lande, selbst bei natürlichen Blattern, kein vernünftiger Medicus zu Raht gezogen wird.“ Im Übrigen hätten sieben seiner eigenen Kinder die Pocken gut überstanden.


Abb.: Impfschein der einjährigen Marianne Kotte aus der Schlachterstraße, unterzeichnet von Dr. van Nes, 1844 (Stadtarchiv Lingen, Altes Archiv, Nr. 5637)

So blieb nur Hilfe zur Selbsthilfe. Bereits 1768 hatte das medizinische Oberkollegium in Berlin eine Anleitung herausgegeben, was bei einer Pockenerkrankung zu tun sei, wenn kein Arzt zur Verfügung stünde. Die Schrift unterschied zwischen falschen Pocken (Windpocken) und wahren Pocken. Bei letzteren gebe es einen harmlosen Verlauf mit eitrigen Pusteln, die schließlich platzen und austrocknen, und einen schweren, häufig tödlichen Verlauf mit Gliederschmerzen, Hitzewallungen, Zittern, blutigem Stuhl und flachen, ineinander übergehenden Pocken, die mitunter eine grünliche, violette oder schwarze Färbung annehmen konnten. Empfohlen wurden gut gelüftete Zimmer, Brunnenwasser mit Essig und Honig sowie Rhabarbersaft, keinesfalls aber hitzetreibende Nahrung wie Fleisch, Branntwein oder Säfte aus Schafs- und Gänsekot. 1785 wurde die Schrift in Lingen neu gedruckt und unter den Stadtkorporälen verteilt. Als 1796 in Berlin ein weiteres Heft erschien, wurde es ebenfalls in Lingen verbreitet.

Im selben Jahr 1796 wurden in England erstmals in größerem Umfang Kuhpocken verimpft. Das neue Verfahren erwies sich als deutlich sicherer als das alte, und da die Kuh im Lateinischen „vacca“ heißt, nannte man den Impfstoff „Vakzin“. 1803 sprach sich auch der preußische König für die Impfung mit Kuhpocken aus, starben doch in Preußen – wozu auch Lingen damals gehörte – jährlich über 40.000 Menschen. Neben Ärzten sollten nun notfalls auch Landgeistliche, Lehrer und Hebammen die Impfung übernehmen. Für die Impfung mit Kuhpocken warb 1804 auch ein Doktor Faust aus Bückeburg. Sein Aufruf wurde in den größeren Wirtshäusern Lingens ausgehangen: bei Starosky, Cappenberg, Rademaker, Hüvett, Borg, Determann und Huilmann. Ähnlich verfuhr man in Lingen 1805 mit einer Aufforderung des medizinischen Oberkollegiums. Selbst der König, so hieß es dort, habe inzwischen seine Kinder impfen lassen. Impfaufrufe wurden am Lingener Rathaus angeschlagen und in den Kirchen ausgelegt, und die Pfarrer predigten den Eltern von der Kanzel herab, ihre Kinder durch Verimpfung der „Schutzblattern“ vor einer Ansteckung zu bewahren.


Abb.: Aufforderung des medizinischen Oberkollegiums Berlin von 1805, sich impfen zu lassen (Stadtarchiv Lingen, Altes Archiv, Nr. 2760)

Zur Bekämpfung der Pocken wurde 1814 in Münster ein Zentralausschuss eingerichtet. Die ihm unterstellten Kreisausschüsse hatten für jede Gemeinde einen Arzt oder Wundarzt mit der Impfung zu beauftragen und waren auch für die Beschaffung von Impfstoff verantwortlich. Die Gemeinden sollten nun regelmäßig Listen mit den noch zu impfenden Kindern aufstellen, die Ärzte hingegen Listen mit den geimpften Kindern. Die erste in Lingen erstellte Liste nannte die Namen von 107 noch nicht immunen Kindern. Brachen fortan in einer Gemeinde die Pocken aus, musste der Bürgermeister über dem Eingang des betroffenen Hauses die Aufschrift „Blattern“ anbringen und sich gemeinsam mit Pfarrer und Schullehrer um die Impfung aller Kinder der Gegend bemühen. Außerdem durfte niemand mehr zur Schule, Konfirmation oder Lehre zugelassen werden, wenn er nicht belegen konnte, dass er entweder geimpft war oder die Pocken überstanden hatte, und zwar „durch ein gehoeriges Certificat“, ausgefertigt vom Arzt und beglaubigt vom Bürgermeister.

Zwei Jahre später kam es in Lengerich zu einem Pockenausbruch. Die betroffenen Familien wurden unter die Aufsicht einer Landsturmwache gestellt und durften weder andere Häuser noch den Gottesdienst besuchen. Wer in Lingen noch nicht geimpft war, sollte es nun dringend nachholen. Die Umsetzung konnte sich im Einzelfall jedoch als durchaus schwierig erweisen. Die Magd des Lingener Bürgers Schnebeck war schon zweimal geimpft, doch ohne jede Wirkung, und nun weigerte sie sich, sich ein drittes Mal impfen zu lassen. Und 1819 klagte der Lingener Kreisphysicus Finke, wie wenig Ärzte „bey manchen der hiesigen Einwohner“ ausrichten könnten. Er habe dem Verzeichnis entnommen, dass die vier Kinder des Putzmachers Grun noch immer ungeimpft seien. Er habe ihn also abends besucht und einen Impftermin ausgemacht. Doch dazu ist Grun niemals erschienen. Und das obwohl die Pocken, wie Finke in einem Brief zwei Tage zuvor bemerkt hatte, in der Lingener Umgebung „jetzt sehr stark um sich greiffen“ würden.

Lingen war inzwischen Teil des Königreichs Hannover. Und dort wurde 1821 die allgemeine Impfpflicht eingeführt. Fortan mussten alle Eltern ihre Kinder mit Kuhpocken impfen lassen. Dazu sollten besondere Impfärzte jährlich in jedem Distrikt eine öffentliche Vaccination durchführen, und nach acht bis zehn Tagen wurde jedes Kind zu Hause besucht, um den Erfolg der Impfung zu untersuchen. Eltern, die sich weigerten und nicht zum Impftermin erschienen, mussten eine Geldstrafe zahlen oder notfalls einen Tag im Gefängnis verbringen.

Dennoch kam es auch weiterhin zu Pockenausbrüchen. 1867 etwa wurden die Pocken bei dem Lingener Kaufmann Isaac Friedland festgestellt. Friedland wird zwar erst zwei Jahre später Vorsitzender der neugegründeten Synagogengemeinde werden, Schulunterricht wurde aber schon jetzt in seinem Hause gegeben. Die Lehrerin Borchers fand kurzfristig im Haus des Buchdruckers Sattler ein Ersatzlokal. Nach drei Wochen war Friedland wieder gesund, und die Sperre des Hauses wurde unter verschiedenen Hygieneauflagen wieder aufgehoben. Vor allem während des Deutsch-Französischen Krieges traten Pockeninfektionen vermehrt auf. Im April 1871 beschloss die Stadt deshalb die Einrichtung eines Pockenlazaretts an der Wallpromenade bei Greving, das von der Bevölkerung großräumig gemieden werden sollte. Auch die bei Hanekenfähr untergebrachten französischen Kriegsgefangenen, die zur Aushebung des Ems-Vechte-Kanals eingesetzt wurden, hatten neben zahlreichen anderen Krankheiten mit Pocken zu kämpfen. Erst durch das Reichsimpfgesetz von 1874 wurden flächendeckend alle Deutschen verpflichtet, ihre Kinder impfen zu lassen. Große Pockenepidemien, wie es sie bisher in Deutschland gegeben hatte, blieben danach aus.

Quellen und Literatur:

  • Stadtarchiv Lingen (StadtA LIN), Altes Archiv, Nr. 472, 2760, 2762, 2765, 2766, 2769, 2772, 5636, 5637
  • StadtA LIN, ev.-ref. Kirchenarchiv (Dep), Nr. 134
  • StadtA LIN, Lingensches Wochenblatt vom 16.4.1871
  • Willich, Friedrich Christoph (Hg.): Des Königreichs Hannover Landes-Gesetze und Verordnungen, insbesondere der Fürstenthümer Calenberg, Göttingen und Grubenhagen, Bd. 3, Göttingen 1826.

Kontakt:
Stadtarchiv Lingen (Ems)
Baccumer Straße 22
49808 Lingen (Ems)
Tel.: 0591 / 91671-11
stadtarchiv@lingen.de

Quelle: Stadtarchiv Lingen, Archivalie des Monats September 2021

Archivveranstaltungen am Tag des offenen Denkmals 2021

Das Motto am 12.9.2021 lautet: Sein & Schein – in Geschichte, Architektur und Denkmalpflege.

Von prachtvollen Burganlagen über funktionale Handwerkerhäuser bis zu archäologischen Stätten: Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz ruft als bundesweite Koordinatorin von Deutschlands größtem Kulturevent Denkmaleigentümer, ehrenamtliche und hauptberufliche Denkmalpfleger auf, am 12. September 2021 historische Bauwerke zu zeigen – vor Ort und digital.

Jährlich am zweiten Sonntag im September findet deutschlandweit am Tag des offenen Denkmals eine Entdeckungstour statt: Ob Befestigungsanlagen, Schiffe oder Kirchen, Industrieanlagen, Schlösser oder Windmühlen, Wohnbauten, Gärten oder archäologische Plätze – die Denkmale in Deutschland ist genauso abwechslungsreich wie seine Landstriche. Dies macht den Tag des offenen Denkmals jedes Jahr so vielseitig, lebendig und faszinierend.

Über 7.500 historische Stätten öffnen jedes Jahr kostenfrei beim Tag des offenen Denkmals und begeistern Millionen von Besuchern. Ganz nach dem Motto Kultur für alle erhaschen Jung und Alt, Experten und Laien, Familien und Einzelgänger Einblicke in sonst nicht zugängliche Innenräume.


Abb.: Praetorium in Köln bei der Bundesweiten Eröffnung des Tages des offenen Denkmals 2018 (Foto: Deutsche Stiftung Denkmalschutz)

Mindestens 20 Veranstaltungen zum diesjährigen Tag des offenen Denkmals besitzen einen konkreten Archivbezug, darunter:

Einsturzstelle des Historischen Archivs der Stadt Köln
Zukunft aus Vergangenheit: Was passiert künftig am Einsturzort des Kölner Stadtarchivs?
Führung
Sonntag 12.9.2021; 11:00 Uhr, wiederholt sich stündlich bis 17:00 Uhr
Veranstaltungort: Severinstraße 224-228, 50676 Köln
Neben der Einsturzstelle des Kölner Stadtarchivs wird das KVB-Bauwerk saniert. Daneben liegt der Krater, wo früher das Stadtarchiv stand. ArchivKomplex hat Vorschläge für die Zukunft gemacht. Oberbürgermeisterin Reker lobte das K3-Konzept von ArchivKomplex. Aber mit der Weiterentwicklung tut sich die Stadtverwaltung schwer. Die Katastrophe von 2009, die drei Menschen das Leben gekostet hat, Dutzenden die Wohnung und viele Archivalien schwer geschädigt hat, soll Anstoß sein für einen Aufbruch.

Ehemaliger Getreidespeicher, Landesarchiv Nordrhein-Westfalen
Öffnungszeiten am Tag des offenen Denkmals:
Sonntag, 12.9.2021 | 10:00‑17:00 Uhr
Adresse: Schifferstraße 30, 47059 Duisburg, Nordrhein-Westfalen
Verklinkerter Stahlbeton-Getreidespeicher der Rheinisch-Westfälischen-Speditionsgesellschaft, RWSG-Speicher von 1936. Auf acht Geschossen wurde Getreide als Schüttgut gelagert. Heute zählt der zum Archivturm umgebaute Speicher zu den größten Archivbauten Europas. In dem 76 m hohen Archivturm lagern heute auf 22 Etagen Archivalien aus 1200 Jahren rheinischer Geschichte.

Zu Gast in der Lutherstadt Wittenberg
Die Bundesweite Eröffnung findet am 12.9.2021 in der Lutherstadt Wittenberg statt. Die Bundesweite Eröffnung ist die offizielle Eröffnungsfeier vom Tag des offenen Denkmals. Gemeinsam mit der Deutschen Stiftung Denkmalschutz eröffnet die Gastgeberstadt feierlich alle deutschlandweiten Aktionen. Veranstaltungsort ist dabei immer eine Stadt mit historischem Wert.

Bezugnehmend auf das Motto „Sein & Schein – in Geschichte, Architektur und Denkmalpflege“ legt die Lutherstadt Wittenberg den Fokus auf das Sein: Mit vorbildlicher denkmalpflegerischer Arbeit seit über 30 Jahren stehen die Altstadt und die umliegenden Denkmale für den Erhalt und das originale, historische Zeugnis in der Denkmalpflege. Doch auch hier ist nicht alles, wie es auf den ersten Blick scheint.

Links:
Programm zum Tag des offenen Denkmals 2021

Webseite: Tag des offenen Denkmals

»Löschmoratorium« der Afghanistanakten

Gemeinsame Stellungnahme von Bundesarchiv, VdA und VHD.

Damit ein künftiger Untersuchungsausschuss einmal nachvollziehen kann, wer in der Bundesregierung was zu welchem Zeitpunkt der Afghanistan-Krise wusste und entschied, fordern die Fraktion Bündnis90/Die Grünen im Bundestag, alle Akten und Daten dazu zu sichern. Im Auswärtigen Ausschuss des Parlaments hat der Grünen-Abgeordnete Omid Nouripour darum beantragt, umgehend ein Moratorium für die Löschung von Daten, die Vernichtung von Akten sowie anderer Datenträger zu erlassen, die das Thema Afghanistan betreffen. So sollen Daten gesichert werden, die mit dem Abzug aus Afghanistan und dem Schutz wie der Rettung von afghanischen Ortskräften und anderen besonders schutzbedürftigen Personen zu tun haben – und zwar über die Bundestagswahl im September 2021 hinaus. – Union, SPD und AfD lehnten Nouripours Vorstoß hingegen ab.


Abb.: Gedenken an verstorbene Abgeordnete im Plenarsaal während der Sondersitzung des Deutschen Bundestages zu den TOP Aufbauhilfegesetz 2021, Feststellung des Fortbestands der epidemischen Lage von nationaler Tragweite und Einsatz bewaffneter deutscher Streitkräfte zur militärischen Evakuierung aus Afghanistan (Ort: Reichstagsgebäude, Plenarsaal, Berlin / DeutschlandAufgenommen: 25. August 2021, 12:10 Uhr, Bildnummer: 5004103; Fotograf/in: Thomas Köhler / photothek.net ).

Der Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands (VHD), der VdA – Verband deutscher Archivarinnen und Archivare e.V. und das Bundesarchiv fordern eine größere Sorgfaltspflicht bei der Aktenabgabe:

Die jüngste Auseinandersetzung über die Afghanistankrise hat im Bundestag die Forderung nach einem Löschmoratorium zugehöriger Akten aufkommen lassen. Dieses Moratorium wurde im Bundestag abgelehnt. Über diesen Einzelfall hinaus berührt es die für eine Demokratie zentrale Frage, ob und wie für politische Entscheidungsprozess wichtige Mitteilungen (in Form von E-Mails, Chats oder Textnachrichten) überliefert werden. Prinzipiell sind die Vorgaben des Bundesarchivgesetzes für die Archivierung von Dienstakten und Kommunikationsmedien ausreichend. Allerdings fehlt es an dem Bewusstsein, dass auch über Messengerdienste ausgetauschte Informationen nach dem Gebot der Aktenmäßigkeit der Verwaltung in den Dienstakten zu dokumentieren sind. Somit unterliegen SMS oder vergleichbare Kommunikationsformate einer zumindest mittelbaren Anbietungspflicht. Hier entsteht in der Praxis jedoch ein großes Defizit in der Umsetzung, wie an Fällen in der jüngeren Vergangenheit deutlich wurde (etwa Umgang mit den Handydaten der damaligen Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen). Der Legislaturperioden-Wechsel mit der Wahl am 26. September 2021 führt darüber hinaus zu einer Zäsur in der Aktenführung. Vor allem elektronische Daten (E-Mails, SMS, Messenger-Nachrichten) in den Ressorts sowie im Bundeskanzleramt rund um das Thema Afghanistan müssen deshalb jetzt durch ein Löschmoratorium gesichert werden.

Um wichtige Themen wie die Afghanistankrise aufarbeiten zu können, sind auch spätere Historikerinnen und Historiker zwingend auf die Rekonstruktion der internen Kommunikation angewiesen, auch wenn sie digital geschieht. Der VHD, der VdA und das Bundesarchiv möchten sich deshalb dem geforderten Löschmoratorium mit Nachdruck anschließen. Diese Informationen sind eine wesentliche Voraussetzung für jede wissenschaftliche historische Erforschung und Aufarbeitung. Vor allem möchten wir eine sachliche generelle öffentliche Diskussion über den Umgang mit flüchtigen Kommunikationsformen bei der Dokumentation von Regierungs- und Verwaltungshandeln und die oft mangelhafte Qualität und Lückenhaftigkeit der Dienstakten anstoßen. Wenn zentrale Informationen zum Verständnis politischer Prozesse dauerhaft verloren gehen, weil eine angemessene Dokumentation unterblieben ist, wird eine spätere abgewogene Rekonstruktion und Bewertung demokratischer Verfahren, die Gerüchten entgegentritt, kaum möglich sein.

Eva Schlotheuber, Vorsitzende VHD
Ralf Jacob, Vorsitzender VdA
Michael Hollmann, Präsident Bundesarchiv

Link: Download der Gemeinsamen Stellungnahme

Quelle: VdA, Gemeinsame Stellungnahme von Bundesarchiv, VdA und VHD, 10.9.2021; Süddeutsche Zeitung, 27.8.2021

Neue Leiterin des Stadtarchivs Gütersloh

Am 1.9.2021 hat Julia Kuklik (22) die Nachfolge von Stephan Grimm angetreten, der im Frühjahr dieses Jahres als Leiter des Stadtarchivs Gütersloh in den Ruhestand gegangen ist. Für die gebürtige Bielefelderin ist dies die erste Stelle nach ihrem dreijährigen Vorbereitungsdienst aus Theorie und Praxis zur Archivinspektorin beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe und in der Archivschule Marburg. Aber Geschichte, die Bedeutung von Quellen und die Erkenntnisse, die sich daraus gewinnen lassen, haben schon vorher ihre Interessen bestimmt.


Abb.: Frischer Wind im Stadtarchiv Gütersloh: (v.l.) Julia Kuklik hat die Leitung in der Molkestraße übernommen. Kultur-Beigeordnete Andreas Kimpel und Kultur-Fachbereichsleiterin Lena Jeckel freuen sich auf die Zusammenarbeit (Foto: Stadt Gütersloh).

„Wir freuen uns sehr, dass sich Julia Kuklik unter 18 Bewerberinnen und Bewerbern durchsetzen konnte”, betonte der städtische Kultur-Beigeordnete Andreas Kimpel bei der Vorstellung der neuen Stadtarchivarin. Erst einen Tag vor Amtsantritt in Gütersloh hatte die 22-Jährige ihr duales Studium mit einer Abschlussprüfung erfolgreich beendet. „Mit ihr bekommen wir jungen, frischen Wind in unser Stadtarchiv. Wir glauben, dass uns mit jemanden wie Julia Kuklik, die neu in die Archivarbeit einsteigt, viele tolle Chancen und Perspektiven geboten werden.“

Schon in ihrer Schulzeit hat Julia Kuklik ein Praktikum im Stadtarchiv Bielefeld absolviert. Nach dem Abitur 2017 ging der Weg dann genau in dieser Richtung weiter: ein Freiwilliges Soziales Jahr Kultur im Kreiszentralarchiv Warendorf und dann der dreijährige Vorbereitungsdienst beim LWL in Münster sowie an der Archivschule in Marburg.

„Das Archiv sehe ich gleichermaßen als Ort des kulturellen Gedächtnisses sowie als Partner für Kultur- und Bildungseinrichtungen und als Dienstleister für Bürger, Bürgerinnen und Verwaltung,“ fasst die neue Stadtarchivarin ihr Aufgabengebiet zusammen. Deshalb werde eine ihrer ersten Aufgaben der Kontakt zu den Schulen und die Aktivierung der Bildungspartnerschaften sein, die das Stadtarchiv mit zurzeit drei Schulen der Stadt unterhält. Und auch innerhalb der Stadtverwaltung sind gemeinsame Projekte in Planung: „Gemeinsam im Fachbereich Kultur haben wir uns bereits ausgetauscht“, berichtet Fachbereichsleiterin Lena Jeckel. „Gemeinsame Projekte ergeben sich innerhalb der Erinnerungskultur oder der Geschichtswerkstatt. Ich bin mir sicher, mit Julia Kuklik haben wir eine sehr gute Partnerin gefunden.”

Ein großes Projekt, in das auch das Stadtarchiv Gütersloh eingebunden sein wird, steht zur Vorbereitung des 200-jährigen Stadtjubiläums 2025 an: Der Ausschuss für Kultur und Weiterbildung der Stadt Gütersloh hat im Frühjahr 2021 mit seiner Zustimmung zum Haushalt 2021 des städtischen Fachbereichs Kultur grünes Licht für die Fortschreibung der Geschichte der Stadt Gütersloh (in einem zweiten Band) gegeben. „Gütersloh besitze im Jahr 2025 seit 200 Jahren die Stadtrechte“, erläutert Kulturdezernent Andreas Kimpel. „Dieses markante Jubiläum mit einer historischen Wegmarke bietet die Möglichkeit für die Stadt Gütersloh, sich der eigenen Geschichte zu stellen und diese in allen Facetten fachwissenschaftlich fundiert aufzuarbeiten. Zudem erscheint ein Lernen aus der eigenen Geschichte aktuell wichtiger denn je, nicht zuletzt angesichts der Zunahme von Populismus und des Rechtsrucks in unserer Gesellschaft.“ Und, so betont Andreas Kimpel: „Die Geschichte der Stadt ist zugleich eine Geschichte ihrer Bürgerinnen und Bürger!“ Und genau deshalb werden sie bald aufgerufen, sich mit einzubringen in das Projekt.

Im Auftrag der Stadt Gütersloh erarbeiten das LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte in Münster und die Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg (Prof. Dr. Thomas Großbölting) gemeinsam das Projekt. „Wir sind Feuer und Flamme für dieses Projekt“, freut sich Malte Thießen, Leiter des LWL-Instituts. „Gütersloh nimmt damit eine Vorreiter-Rolle ein.“ Denn: Thießen ist keine Stadt in Deutschland bekannt, die ihre Geschichte seit 1945 bis ins 21. Jahrhundert hinein systematisch wissenschaftlich aufgearbeitet und publiziert hätte. „Die jüngere und jüngste Vergangenheit ist traditionell eher nicht im Blick von Historikern“, sagt der 46-Jährige. Die Quellenlage ist dünn – über die gerade erst zurückliegenden drei, vier Jahrzehnte gibt es kaum Material in Archiven und Museen.

Das stellt auch das Team der beiden Institute in Gütersloh vor Herausforderungen. Umso wichtiger sind daher die Bürgerbeteiligung und der Austausch mit Zeitzeugen. Ein fester Bestandteil des Forschungsprojekts werden öffentliche Veranstaltungen wie Erzählcafés und Geschichtswerkstätten sein – Formate, die der städtische Fachbereich Kultur bereits erfolgreich etabliert hat und sowohl digital wie analog anbietet. „Auch in diesem Punkt leisten wir zusammen mit der Stadt Pionierarbeit“, betont Prof. Malte Thießen. „Einerseits dient der Austausch mit den Gütersloherinnen und Güterslohern dazu, sie über unsere Arbeit und die Erkenntnisse, die wir gewonnen haben, auf dem Laufenden zu halten. Und andererseits brauchen wir das Gespräch, um Konkretes aus der jüngeren lokalen Vergangenheit zu erfahren. Daraus können sich Themenfelder ergeben, die wir sonst gar nicht auf dem Schirm hätten. Nur so können wir Gesellschaftsgeschichte schreiben!“ Lena Jeckel, Leiterin des Fachbereichs Kultur, in dem die Fortschreibung der Stadtgeschichte angesiedelt ist, bekräftigt: „Unser gemeinsames Ziel ist eine möglichst breite Überlieferung der Stadtgeschichte. Viele Menschen können zu diesem Projekt ein Stück beitragen und ich bin auch überzeugt, dass viele mitmachen möchten. Wir machen gerade jetzt in der Pandemie-Zeit die Erfahrung, dass Angebote und Beteiligungsformate sehr gut angenommen werden. Es besteht ein großes Interesse an Mitwirkung.“

Die beauftragten Historiker haben für das Projekt drei Themenschwerpunkte ausgemacht, die widerspiegeln, was Gütersloh seit Ende des Zweiten Weltkriegs geprägt hat: Unternehmen in Gütersloh; Die Stadt in Bewegung – Wandel sozialer Milieus und Kulturwandel; Die Briten in Gütersloh. Mit den Vorrecherchen wurde begonnen, Kontakte zum Stadtmuseum Gütersloh und zum Stadtarchiv Gütersloh bestehen.

Julia Kukliks dortiger Vorgänger Stephan Grimm hat ein gut bestelltes Feld im Haus an der Moltkestraße hinterlassen, das mit zeitgemäßer Ausstattung, einem kleinen engagierten dreiköpfigen Team mit ehrenamtlichen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen sowie großzügigen und gut ausgestatteten Räumen die Voraussetzungen eines modernen Archivs bietet, das Lokalgeschichte nicht nur archivieren, sondern vermitteln und in seiner Bedeutung für Gegenwart und Zukunft erlebbar machen will. Durch die räumliche Zusammenlegung von Stadt- und Kreisarchiv Gütersloh an dieser Stelle sind zudem inhaltliche und organisatorische Synergien bei der Arbeit möglich. Das betrifft auch die Zukunftsaufgaben, die Julia Kuklik nun angehen wird: Aufbau und Führung eines digitalen Langzeitarchivs als digitales Gedächtnis der Stadt.

Kontakt:
Stadtarchiv Gütersloh
Frau Julia Kuklik
Moltkestraße 47
33330 Gütersloh
Tel+49 5241 / 82-2302
julia.kuklik@guetersloh.de

Quelle: Stadt Gütersloh, Pressemitteilung, 8.9.2021; Stadt Gütersloh, Pressemitteilung, 23.3.2021

100 Jahre Historisches Archiv des Erzbistums Köln

Mit einem Festakt mit geladenen Gästen ist das 100-jährige Bestehen des Archivs des Erzbistums Köln am 19.8.2021 gewürdigt worden. Zu Gast waren neben dem Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki auch Isabel Pfeiffer-Poensgen, Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW, sowie Michael Hollmann, Präsident des Bundesarchivs.


Abb.: Festakt 100. Jubiläum Historisches Archiv; Birgitt Schippers im Gespräch mit (von links) Michael Hollmann, der Präsident des Bundesarchivs, mit Damian van Melis von der Irene und Sigurd Greven Stiftung und Marc von der Höh vom Historischen Institut der Universität Rostock über den Wert und die Herausforderungen heutiger Archive (Foto: Robert Boecker).

„Völlig zu Recht rühmt sich das Archiv damit, das ‚Langzeitgedächtnis des Erzbistums Kölns‘ zu sein“, sagte Kardinal Woelki in seiner Begrüßung. „Neben aller rein historischen Forschung, die das Historische Archiv des Erzbistums Köln ermöglicht, wirkt es […] identitätsbildend für die Menschen, für die Gesellschaft und die Kirche. Unser Historisches Archiv gibt es nun seit 100 Jahren. Im Verhältnis zu den Quellen, die es birgt, mag das eine kurze Zeitspanne sein. Und doch: 100 Jahre – das ist eine Zeitspanne, die sich unserer persönlichen Erinnerung entzieht. Das ist eine Zeitspanne, die selbst schon wieder zur Erforschung einlädt.“

Auch die nordrhein-westfälische Kultur- und Wissenschaftsministerin Isabell Pfeiffer-Poensgen hob hervor: „Archive sichern Kontinuität von historischen Verläufen und Erfahrungen“. Die Arbeit, die hier geleistet werde, sei von großem Wert für das kollektive und kulturelle Gedächtnis des Landes und der Bundesrepublik. „Archive machen Geschichte erlebbar und begreifbar“, so die Ministerin.

Jazzig vertonte geistliche Stücke vom Luis Weiß Quartett brachten nicht nur die Füße der Gäste in Schwingung, sondern vermutlich auch die Regale genau zu ihren Füßen, denn der Festakt fand im Innenhof des Archivs statt.
In einer munteren Runde, moderiert von Birgitt Schippers vom Domradio, diskutierte Michael Hollmann, der Präsident des Bundesarchivs, mit Damian van Melis von der Irene und Sigurd Greven Stiftung und Marc von der Höh vom Historischen Institut der Universität Rostock über den Wert und die Herausforderungen heutiger Archive. Sie beschrieben, wie sich die Archivarbeit durch die zunehmende Digitalisierung von Archivalien verändert. Alle drei betonten die korrigierende Funktion der Forschung im Archiv. „Sie können leicht die Erfahrung machen, dass sie im Archiv eines Besseren belehrt werden“, so Hollmann. Selbst eigene biografische Erinnerungen könnten im Archiv widerlegt werden.


Abb.: Begrüßungsrede des Leiters des Archivs, Dr. Ulrich Helbach (Foto: Robert Boecker)

Dr. Ulrich Helbach, Leiter des Historischen Archivs des Erzbistums bedankte sich besonders herzlich bei seinen Mitarbeitenden, acht Frauen und fünf Männern und sagte: „Archivare wirken jeweils eine Wegstrecke weit. Wir sind stolz, den Schatz zu formen, zu hüten und in die Zukunft zu tragen.“

Das Historische Archiv des Erzbistums Köln
Vor 100 Jahren, im August 1921, begann das Historische Archiv seine Arbeit. Es wurde von Erzbischof Karl Joseph Kardinal Schulte als Stätte historischer Forschung gegründet. Das Archiv enthält wichtiges Quellenmaterial ab dem Jahr 942 zum gesamten Erzbistum – zu Köln ebenso wie zu Düsseldorf, genauso wie beispielsweise zu Bonn, Neuss, Zülpich oder Gummersbach.

Noch vor dem Zweiten Weltkrieg übernahm das Historische Archiv außer den Urkunden-, Amtsbuch- und Aktenbeständen des Generalvikariates die meisten der ins Mittelalter zurückreichenden Pfarrarchive der Kölner Innenstadt. Vor allem seit den 1980er Jahren hinterlegten hier wichtige katholische Einrichtungen, Vereine und Verbände ihre Archive. Mittlerweile beherbergt das Archiv Schriftgut im Umfang von knapp zehn Regalkilometern, darunter circa 5.300 Urkunden aus der Zeit seit dem Jahre 942. Damit ist das Archiv das Langzeitgedächtnis des Erzbistums Köln und eines der größten kirchlichen Archive in Deutschland.


Abb.: Urkunde aus der Pfarrei St. Kolumba aus dem Jahr 1212. Sie beschreibt die Wahl eines Pfarrers, damals wurden Pfarrer noch gewählt. Die Kirche existiert heute nicht mehr, sie ist im Krieg zerstört worden. Heute steht dort das Museum Kolumba (Foto: Erzbistum Köln/ Modanese).

Der Initiative der damaligen Archivare ist es zu verdanken, dass rechtzeitig und planmäßig vor den Bombenangriffen auf Köln im Zweiten Weltkrieg große Bestände an Archivgütern vor allem nach Westfalen ausgelagert und gesichert werden konnten.
Hunderttausende Dokumente lagern in den kilometerlangen Archivgängen des Historischen Archivs, bis zu vier Stockwerke tief unter der Erde. Auch die Nachlässe der Kölner Erzbischöfe werden hier verwahrt – wie zum Beispiel ein Ehrendoktorhut und der Talar des Kölner Erzbischofs Höffner.

Sofern die Archivgüter einen Bezug zu Kirche und kirchlichem Leben haben, finden auch weltliche Nachlässe Platz im Archiv. So finden sich hier beispielsweise auch die Nachlässe der Kölner Architekten Rolf Schwarz, Fritz Schaller oder Hans Schilling, die bei vielen Kirchenbauten mitgewirkt haben. Die Archivare müssen jeweils fachkundig entscheiden, welche Unterlagen archivwürdig sind, das heißt für die Nachwelt aufgehoben werden müssen.

Seit einigen Jahren arbeitet das Team des Historischen Archivs daran, dass auch die digitalen Akten aufgenommen, bewertet, manipulationssicher gespeichert und abrufbar gemacht werden. Außerdem versucht man, vielgefragte oder sehr fragile Dokumente durch die Digitalisierung offen zugänglich zu machen und gleichzeitig zu schützen. Das sind zunächst vor allem die Kirchenbücher und alte Amtsprotokolle der Generalvikare. Eine Herausforderung ist auch die Digitalisierung archivierter Fotos, die mit Hilfe der Greven-Stiftung digitalisiert und zugänglich gemacht werden.

Kontakt:
Historisches Archiv des Erzbistums Köln
Gereonstr. 2-4
50670 Köln
Tel.: 0221 1642 5800
Fax: 0221 1642 5803
archiv@erzbistum-koeln.de
www.erzbistumsarchiv-koeln.de

Quelle: Erzbistum Köln, Pressemitteilung, 20.8.2021

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