Buxtehuder Hexenprozess-Akten restauriert

Nach knapp drei Monaten kehren die schriftlichen Zeugnisse zu den Buxtehuder Hexenprozessen aus der Zeit von 1540 bis 1644 im restaurierten Zustand in den Bestand des Stadtarchivs Buxtehude zurück.

Abb.: Rückgabe der restaurierten Hexenprozess-Akten an das Stadtarchiv Buxtehude: Andreas Boldt, Sabine Hauswald (beide Sparkasse Harburg-Buxtehude), Restauratorin Gudrun Kühl, Stadtarchivarin Eva Drechsler; v.l.n.r. (Foto: Hansestadt Buxtehude)

Die Hamburger Restauratorin Gudrun Kühl übergab die acht Archivmappen am 5.6.2019 an die Stadtarchivarin Eva Drechsler. Für diese sind damit zwei wichtige Etappenziele erreicht: Den Erhaltungszustand der ca. 3.200 Seiten zu verbessern und die Akten wieder einer interessierten Öffentlichkeit und vor allem der Forschung zugänglich machen zu können. Der Grundstein sei gelegt, dass die Wissenschaft die Opfer, den Ablauf und ggf. die Motive zu den Hexenprozessen eingehender untersuchen und in den Gesamtzusammenhang der europäischen Hexenverfolgung einbetten könne. 21 Frauen waren in Buxtehude der Hexerei und Zauberei angeklagt, 15 wurden nach grausamer Folter hingerichtet, davon 13 durch Verbrennen. Seit 2017 erinnert ein Mahnmal, angebracht am Historischen Rathaus, an die Opfer der Buxtehuder Hexenprozesse.

Abb.: Restauriertes Blatt aus den Hexenprozess-Akten (Foto: Hansestadt Buxtehude)

Risse, Fehlstellen und Schimmelbefall hatten den Akten zu schaffen und eine Reinigung und weitere Bearbeitungsschritte notwendig gemacht. Herausfordernd bei diesem Auftrag waren für Gudrun Kühl die fragilen Seitenränder, die stark aufgerollt waren und durch hauchdünnes Japanpapier stabilisiert werden mussten. Nun sind die Seiten wieder les- und blätterbar.

Die Kosten der Restaurierung belaufen sich auf 6.861,54 Euro. Die Sparkasse Harburg-Buxtehude übernimmt dabei einen Anteil von 3.500 Euro, den verbliebenen Teil deckt die Hansestadt Buxtehude.

Für den Herbst 2019 kündigte Stadtarchivarin Eva Drechsler bereits eine Veranstaltung in den Räumen der Sparkasse Harburg-Buxtehude in Buxtehude an. Bei dieser werden der ehemalige Stadtarchivar Bernd Utermöhlen die bisher vorhandenen Forschungsergebnisse zu den Buxtehuder Hexenprozessen vorstellen und Kühl die Restaurierungsverfahren anhand der Buxtehuder Akten präsentieren.

Opfer der Buxtehuder Hexenprozesse 1540-1644:

1540 Metcke Wildenbrockes, „gerechtfertiget“ (= bestraft)
1545 Metcke Wildenbrockes, hingerichtet
1555 Gesche Kahlen, hingerichtet, Ahlcke Rolapp, „gerechtfertiget“ (= bestraft), Gretcke Timmen, „gerechtfertiget“ (= bestraft)
1556 Ahlcke Hedendorp, hingerichtet durch Verbrennen, Margareta Bicker, Frau des Bürgermeisters Segebade Bicker, hingerichtet durch Verbrennen
1558 Namentlich nicht genannte Frau, hingerichtet durch Verbrennen
1588 Ilsabe Meyers, hingerichtet durch Verbrennen
1590 Gretje Wüppers, hingerichtet durch Verbrennen
1598 Gesche Meyers, hingerichtet durch Verbrennen, Ahleke Hagens, hingerichtet durch Verbrennen
1607 Wöbcke Richers, hingerichtet durch Verbrennen
1608 Gesche von Schleiseln, hingerichtet durch Verbrennen, Becke Lohmanns, hingerichtet durch Verbrennen, Catharina Möllers, hingerichtet durch Verbrennen
1609 Wummel Dickgreve, der Zauberei verdächtigt, Prozessausgang nicht belegt
1613 Anne Ropers, Verfahren aus Mangel an Indizien nicht fortgeführt
1614 Becke Kruse, hingerichtet durch Verbrennen, Ilse Dede, aus der Stadt gewiesen
1625 Else Meyer, hingerichtet durch Verbrennen
1643-1644 Elisabeth Hessel angeklagt, Prozessausgang nicht belegt

Der Aufsatz zum bisherigen Forschungsstand von Bernd Utermöhlen: Hexenprozesse in Buxtehude, Heimatliches Buxtehude, Bd. VII, Buxtehude 2015, S. 161-180., kann im Stadtarchiv eingesehen oder erworben werden.

Nach vorheriger Anmeldung per Email an das Stadtarchiv ist die Einsicht in ausgesuchte Hexenprozess-Akten im Stadtarchiv für Interessierte möglich.

Kontakt:
Stadtarchiv Buxtehude
Stavenort 5
21614 Buxtehude
Tel.: 04161 501-4127
Fax: 04161 501-74199
stadtarchiv@stadt.buxtehude.de

Quelle: Hansestadt Buxtehude, Pressemitteilung, 19.3.2019 und Pressemitteilung, 111/2019, 6.6.2019

Internationaler Tag der Archive 2019 auch in St. Pölten

Bisher fand der Internationale Tag der Archive jeweils am 9. Juni statt. In diesem Jahr ruft der ICA erstmalig zu einer Internationalen Archivwoche vom 3. bis 9. Juni 2019 auf, welche unter dem Motto „Designing the Archives in the 21st Century“ steht.

Aus Anlass des Internationalen Tags der Archive öffnen die Archive im österreichischen St. Pölten am 7. Juni 2019 ihre Türen. Unter dem „Motto: St. Pölten – Die Stadt im Spiegel ihrer Archive: Häuser und ihre Bewohner“ bieten das Niederösterreichische Landesarchiv gemeinsam mit dem Stadtarchiv St. Pölten und dem Diözesanarchiv St. Pölten interessante Einblicke in ihre Archive und die dort verwahrten Bestände.

In der Einladung der St. Pölter Archive heißt es: „Der Bummelzug der Stadt St. Pölten bringt Sie ab 10:30 Uhr von einem Archiv zum anderen. Bei der Abschlussveranstaltung „Bring Your History“ im Sommerrefektorium im Bistumsgebäude können Sie Ihre alten Familiendokumente, Briefe Ihrer Großmutter etc. mitbringen. Archivarinnen und Archivare werden Ihnen bei der historischen Bestimmung und beim Lesen der alten Schriften gerne weiterhelfen. Weiters geben Ihnen Restauratorinnen und Restauratoren Tipps für die Aufbewahrung. Führungen in den drei Archiven sind jeweils um 11:00, 13:00 und 14:30 Uhr. Die Abschlussveranstaltung startet um 16:30 Uhr. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Für Erfrischungen ist gesorgt.“

Link: Weitere Informationen und detailliertes Programm

 

Stadtarchiv Düsseldorf erhält bedeutenden Familiennachlass

Stadt nimmt wichtige Dokumente zur Familie Statz entgegen, darunter auch Briefe von Leo Statz / Zudem gibt eine neuerschienene Tagebuchedition Einblicke in den vom Kriegsgeschehen geprägten Alltag von Adele Statz

Der Erste Weltkrieg hat in den letzten Jahren stark im Fokus der wissenschaftlichen Forschung gestanden. Doch bei fast allen Rückblicken auf diesen Krieg blieb weitgehend das unbeachtet, was nicht im direkten Kriegsgebiet, sondern in der Heimat geschah. Deshalb ist es nicht nur sinnvoll, sondern auch notwendig, Quellen wie das Tagebuch der Düsseldorferin Adele Statz, geborene Biesenbach (1875-1934), Mutter des später von den Nationalsozialisten hingerichteten Leo Statz (1898-1943) zu veröffentlichen. Der ehemalige Leiter des Mannesmannarchivs sowie langjährige Vorsitzende des Düsseldorfer Geschichtsvereins, Prof. Dr. Horst A. Wessel, hat das Tagebuch mit Anmerkungen nun auf über 400 Seiten veröffentlicht.

Nachdem die Arbeiten an der Tagebuchedition beendet wurden, schenkte Dr. Tilman Pünder, der Enkel von Adele Statz und frühere Oberstadtdirektor von Münster, die Handschriften und weitere Materialien dem Stadtarchiv Düsseldorf. Darunter befinden sich auch zahlreiche Schriftstücke von Leo Statz, etwa sein letzter, am Tag der Hinrichtung (1. November 1943) verfasster Abschiedsbrief. Die Übergabe des Nachlasses fand am 29.5.2019 im Rahmen eines kleinen Empfangs statt.

Abb.: (V. l.) Stadtarchivleiter Dr. Benedikt Mauer, Dr. Tilman Pünder, Prof. Dr. Horst A. Wessel und Bürgermeister Friedrich G. Conzen (Foto: Landeshauptstadt Düsseldorf/Ingo Lammert)

Oberbürgermeister Thomas Geisel: „Die Landeshauptstadt Düsseldorf ist Prof. Dr. Horst A. Wessel und Dr. Tilman Pünder zu tiefem Dank verpflichtet. Mit den Tagebüchern von Adele Statz steht der Forschung eine wichtige Quelle zur Geschichte des Ersten Weltkriegs aus Düsseldorfer Perspektive zur Verfügung. Und mit dem Familienarchiv Pünder/Statz verwahrt Düsseldorf einen weiteren historischen Schatz im Stadtarchiv.“

Abb.: Die Düsseldorferin Adele Statz, geborene Biesenbach, (1875 – 1934) (Foto: Stadtarchiv Düsseldorf)

Das Tagebuch von Adele Statz (1914-1923)
In insgesamt fünf Kladden hat Adele Statz mit nur wenigen Lücken Tag für Tag militärische, politische, gesellschaftliche und familiäre Ereignisse, Gefühle, Ängste und Hoffnungen, nicht zuletzt auch die Probleme mit der Beschaffung von Lebensnotwendigem niedergeschrieben. Der Leser erhält auch hier natürlich nur einen kleinen und subjektiven Ausschnitt der Geschichte – nämlich das, was der interessierte Blick einer sozial engagierten Vertreterin des gehobenen Bürgertums erfasste und was sie davon niederschreibenswert erachtete. Die Tagebücher geben einen Einblick in das kriegsgeprägte Geschehen in der Stadt, vor allem beleuchten sie, was sich in Düsseldorf als Lazarettstandort und wichtiger Durchgangsstation für Truppen-, Waffen- und Verwundetentransporte ereignete. Nicht zuletzt zeigen sie aber auch den mitfühlenden Blick einer Zeitzeugin auf den ungleich schwereren Alltag, insbesondere der Kriegerfrauen und Kriegerwitwen mit Kindern. Diese waren oft gezwungen, die unzureichenden öffentlichen Unterstützungsleistungen dadurch aufzubessern, dass sie Arbeiten übernahmen, die zuvor die Männer getan hatten. Wichtige Themen unmittelbar nach dem Krieg sind das Wahlrecht der Frauen sowie die Spartakusunruhen in Düsseldorf.

Die Edition der Tagebücher wurde durch Prof. Dr. Horst A. Wessel vorgenommen. Zahlreiche Abbildungen illustrieren Adele Statz‘ Wahrnehmungen und Reflektionen.

Das Familienarchiv Pünder/Statz
Prof. Wessel arbeitete für die Edition mit den Originalhandschriften, die Dr. Tilman Pünder, Enkel von Adele Statz, zu diesem Zweck zur Verfügung stellte. Nachdem die Arbeiten an der Tagebuchedition beendet waren, schenkte Dr. Tilman Pünder diese Handschriften und weitere Materialien dem Stadtarchiv Düsseldorf. Der Gesamtbestand umfasst vier Archivkartons und enthält vielfältiges Material zur Geschichte der Vorfahren von Dr. Pünder und deren Familien, die zum Teil in Düsseldorf lebten. Zeitlich reicht er vom 19. bis ins 21. Jahrhundert. Im Moment wird der Nachlass im Stadtarchiv verzeichnet und wird in Kürze der Forschung zur Verfügung stehen.

Abb.: Teil des Nachlasses sind auch zahlreiche Schriftstücke von Leo Statz, etwa sein letzter, am Tag der Hinrichtung (1. November 1943) fertiggestellter Abschiedsbrief (Foto: Stadtarchiv Düsseldorf)

Der prominenteste, zugleich tragischste Vertreter der Familie Statz dürfte der 1943 in der Strafanstalt Brandenburg-Görden hingerichtete, fest in Düsseldorf verwurzelte, Leo Statz sein. Er wurde vom Volksgerichtshof wegen angeblicher „Wehrkraftzersetzung“ zum Tode verurteilt. Von ihm finden sich unter anderem neben Fotos mehrere Briefe aus den 1920er- bis 1940er-Jahren im Nachlass, zudem Abschriften von Gedichten, die er während seiner Inhaftierung schrieb und schließlich seinen letzten, auf einen Briefumschlag geschriebenen Brief vom 31. Oktober 1943. Ein Nachtrag vom 1. November 1943, dem Tag seiner Hinrichtung, legt nahe, dass dies der letzte Brief ist, den Leo Statz hatte schreiben können. Auch eine Sammlung von Unterlagen zur Verurteilung und der Aufhebung des Urteils finden sich im Nachlass, sowie Dokumente zum Rechtsstreit seines Schwagers Dr. Josef Eitel mit dem ehemaligen Düsseldorfer Gauleiter Friedrich Karl Florian.

Abb.: Leo Statz, der Sohn von Adele Statz (Foto: Stadtarchiv Düsseldorf)

Adele Statz war eine geborene Biesenbach und Schwester von Elisabeth Biesenbach, verheiratete Klausener, deren Sohn Erich Klausener 1934 ebenfalls von den Nationalsozialisten ermordet wurde. Bruder der beiden war der Düsseldorfer Rechtsanwalt Heinrich Biesenbach, der mehrere Bücher herausgab. Die vielfältigen Unterlagen des Archivs dokumentieren die familiären Bande, die Verdienste und das Leben dieser Familien.

Kontakt:
Stadtarchiv Düsseldorf
Worringer Strasse 140
40200 Düsseldorf
Tel. 0211- 8999230
Fax 0211- 8929155
stadtarchiv@duesseldorf.de
www.duesseldorf.de/stadtarchiv.html

Quelle: Valentina Meissner/Stadt Düsseldorf, Pressemitteilung, 29.5.2019

„Mitteilungen aus dem Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg“ im neuen Gewand

(Fast) quadratisch, praktisch und gut

In verändertem Design und Format sind vor wenigen Tagen die neuen „Mitteilungen aus dem Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg“ erschienen. Der Band für das Jahr 2019 umfasst auf 136 Seiten acht Beiträge und einen kurz gefassten Tätigkeitsbericht des Stadt- und Stiftsarchivs für das Jahr 2018.

Der Band ist ab sofort über das Archiv und den Buchhandel erhältlich. Für die digitalen Nutzerinnen und Nutzer der Angebote des Archivs ist der komplette Band voraussichtlich ab Oktober 2019 zusätzlich über das Blog des Archivs online verfügbar. Dort sind bereits jetzt sämtliche älteren Bände der „Mitteilungen“ abrufbar.

Die aktuelle Ausgabe der „Mitteilungen“ enthält stadtgeschichtliche Beiträge, unter anderem zum 30-jährigen Krieg, der vor 400 Jahren auch in und bei Aschaffenburg wütete, zum Aschaffenburger „Echo“ auf einen Mordanschlag auf den schwedischen König, zu einer Buchhändlerfamilie oder auch zur Revolution von 1918/1919 am bayerischen Untermain.

Es finden sich auch ein umfangreicher kunsthistorischer Beitrag zur heute kaum mehr bekannten Frankfurter Pastellmalerin Dorothea Chandelle sowie ein Rückblick auf die Modefotografie-Ausstellung des Archivs zu Erich Müller-Grünitz. Das tragische Ende von jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern im Jahr 1942 wird akribisch von Stephanie Goethals aufgearbeitet. Mit den digitalen Zukunftsthemen in Archiven beschäftigt sich schließlich ein abschließender Text.

Info:
Mitteilungen aus dem Stadt- und Stiftsarchiv,
Band 12 (2019),
Preis: 12€.
ISSN 0174-5328.

Bestellungen sind auch über das Stadt- und Stiftsarchiv möglich: stadtarchiv@aschaffenburg.de

Inhalt:

  • Editorial (Tätigkeitsbericht)
  • Christian König • Aschaffenburg und sein Umland im Dreißigjährigen Krieg – eine Übersicht
  • Hans-Bernd Spies • Die Berichterstattung in der Mainzer Zeitung über das tödliche Attentat auf König Gustav III. von Schweden (1792)
  • Andreas Hohm • Dorothea Chandelle (1784-1866)
  • Matthias Klotz • Der Aschaffenburger Buchhändler Christian Etlinger (1782-1837) und seine Nachkommen in Würzburg
  • Frank Jacob • Die Revolution an der Peripherie: Kurt Eisner, der Freistaat Bayern und Aschaffenburg
  • Stephanie Goethals • Sieben Selbstmorde im September 1942. Eine Spurensuche
  • Ulrike Klotz • Erich Müller-Grünitz – Ganz groß in Mode
  • Joachim Kemper • Zukunftsorientierte Archivarbeit – von der Papierform zur Digitalisierung

Kontakt:
Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg
Wermbachstraße 15
63739 Aschaffenburg
Telefon: 06021 45 61 05 0
Telefax: 06021 / 2 95 40
stadtarchiv@aschaffenburg.de
http://www.archiv-aschaffenburg.de

Quelle: Stadt Aschaffenburg, Pressemitteilung, 29.5.2019

Den digitalen Wandel gemeinsam gestalten – 13. Tagung der AABevK

Die Arbeitsgemeinschaft der Archive und Bibliotheken in der evangelischen Kirche (AABevK), die rund 100 evangelische Bibliotheken und 65 Archive umfasst, hatte vom 13. bis 15. Mai 2019 zur einer Fortbildungstagung in das Bistumshaus St. Otto nach Bamberg eingeladen. Unter dem Motto „Den digitalen Wandel gemeinsam gestalten“ tagten 70 Teilnehmende aus 56 Mitgliedsinstitutionen in Bamberg.

Abb.: Impressionen von der 13. Tagung der evangelischen Archive und Bibliotheken in Bamberg (Fotos: Marion Tonke, Landeskirchliches Archiv Nürnberg)

Nach dem 2016 verabschiedeten Strategiepapier galt es den allgegenwärtigen Medienwandel aktiv zu begleiten und zu koordinieren, etwa durch Digitalisierungsprojekte im Verbund. Diese 13. Tagung der evangelischen Archive und Bibliotheken präsentierte zum einen Erfahrungen anderer Institutionen (Landesarchiv Baden-Württemberg, Deutsche Nationalbibliothek, Deutsche Digitale Bibliothek, Generaldirektion der Archive in Bayern) im Umgang mit digitalen Unterlagen. Zum anderen wurden bestehende und geplante eigene Projekte auf dem Gebiet digitaler Zusammenarbeit vorgestellt (Archion, Digitale Bibliothek des Kirchenkampfes).

Im Mittelpunkt ganz unterschiedlicher Formate – Impulsreferate, Workshops und Camp – stand das Thema, das alle betrifft und dem sich niemand entziehen kann. Den digitalen Wandel mit vereinten Kräften gemeinsam in den Griff zu bekommen war Ziel dieser Veranstaltung der Arbeitsgemeinschaft, die ihre Mitgliedseinrichtungen bei der qualitäts- und fachgerechten Aufgabenerfüllung unterstützt und zukunftsfähig macht.

Eine Mitgliederversammlung, die nach der EKD-Satzung alle drei Jahre stattfindet, und ein Empfang der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Bayern rundete die Veranstaltung ab

Link: www.aabevk.de

(Bettina Wischhöfer)

Nachrichten aus dem Stadtarchiv Gera 2/2019

Unter dem Titel „Nachrichten aus dem Stadtarchiv Gera“ informiert das Stadtarchiv Gera vierteljährlich über aktuelle Herausforderungen und historische Themen rund um eigene Arbeit.

In Ausgabe 2/2019 der „Nachrichten aus dem Stadtarchiv Gera“ wird mit der Eröffnung der „Fachwebeschule“ sowie der Errichtung der „Spaethe-Passage“ an zwei Ereignisse erinnert, die sich 2019 zum 150. Mal jähren und die bis in die heutige Zeit auch architektonisch im Stadtbild Geras ihren Niederschlag gefunden haben. Darüber hinaus werden im aktuellen Informationsbrief auch die Geschehnisse im Zusammenhang mit einem Auftritt Adolf Hitlers im November 1925 in Gera sowie die in diesem Zusammenhang exemplarisch verdeutlichte Beschränkung der kommunalen Selbstverwaltungskompetenzen durch den damaligen thüringischen Innenminister in den Blick genommen.

Abb.: links: Blick in die Spaethe-Passage um 1900 (Quelle: Stadtmuseum Gera, Fotosammlung Nr. 2004.00280); rechts: Verbindungsteil der Straßen „Hinter der Mauer“ und „Große Kirchstraße“, um 1975 (Quelle: Stadtarchiv Gera, Bildersammlung B9305)

Mit der Übernahme der Unterlagen des „Bundes der Vertriebenen – Kreisverband Gera-Stadt e.V.“ im Oktober 2018 konnte das Stadtarchiv wichtige und aussagekräftige Dokumente über die Verbandsarbeit, seine Mitglieder und einzelne Vertriebenenschicksale dauerhaft sicherstellen. Die Unterlagen umfassen einen Zeitraum von 1990 bis 2007.

Neben der umfangreichen Mitgliederkartei sowie Unterlagen über die Gründung des Kreisverbandes der Landsmannschaft Schlesien am 12. Juli 1991 in Gera spiegeln diese die politische Verbandsarbeit, Aktivitäten in der Öffentlichkeit, geselliges Verbandsleben, die Zusammenarbeit u.a. mit Schulen, Jugend, Kultur und Museen wieder. Zahlreiche Fotoalben halten Verbandstage, Konferenzen, Vereinsfeste und kulturelle Ausflüge bildlich fest. Bemerkenswert sind einige Erlebnisberichte von Vertriebenen, die während und nach dem Zweiten Weltkrieg als Kinder bzw. Jugendliche mit ihren Familien aus den Heimatgebieten zwangsausgesiedelt wurden. In der ehemaligen DDR wurde das Thema der Heimatvertriebenen verschwiegen und es war regelrecht untersagt, über die Vertriebenenschicksale öffentlich zu informieren.

Auch das jahrelange Ringen der zumeist älteren Mitglieder um Anerkennung als Vertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostprovinzen sowie um Entschädigung für erlittenes Leid ist dokumentiert. Bis Ende 1991 traten rund 350 Mitglieder dem Verband bei; später wuchs die Zahl in Gera-Stadt und Gera-Land auf fast 3.000 an. Aufgrund des Alterungsprozesses der Erlebnisgeneration gibt es heute nur noch wenige Mitglieder. Diese haben beschlossen, nun den Verein aufzulösen. Sie wissen um die sichere und datenschutzgerechte Aufbewahrung Ihrer Vereinsüberlieferung im Stadtarchiv Gera, damit auch nachfolgende Generationen sich zu den Vertriebenenschicksalen informieren und forschen können.

Kontakt:
Stadtarchiv Gera
Gagarinstraße 99/101
07545 Gera
Tel. 0365/838-2140 bis 2143
stadtarchiv@gera.de
www.gera.de/stadtarchiv

Zwischen Fakt und Fiktion – Kloster Dalheim zeigt Ausstellung über Verschwörungstheorien

Fand die Mondlandung nur im Filmstudio statt? Lenken die Freimaurer die Geschicke der Welt? Und sollen Kondensstreifen am Himmel die Menschen vergiften? „Verschwörungstheorien – früher und heute“ sind seit dem 18.5.2019 das Thema der neuen Sonderausstellung im LWL-Landesmuseum für Klosterkultur, Stiftung Kloster Dalheim (Kreis Paderborn). „Die Schau geht Verschwörungstheorien auf den Grund und beleuchtet, warum sie heute wieder so populär sind“, so Matthias Löb, Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL). Gezeigt werden bis zum 22.3.2020 auf 1.200 Quadratmetern rund 250 Exponate internationaler Leihgeber aus 900 Jahren Verschwörungsdenken, ein eigens eingerichteter Escape Room wartet auf Besucher. Die Ausstellung in dem ehemaligen Kloster Dalheim steht unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der als Ehrengast auch an der Ausstellungseröffnung teilnahm.


900 Jahre Verschwörungsdenken: „Gegengift anbieten“
„Verschwörungstheorien der Vergangenheit lassen uns den Kopf schütteln. Die Konjunktur von Verschwörungstheorien in der Gegenwart bereitet uns Kopfzerbrechen, wenn sie die komplizierte Welt scheinbar mühelos erklären, denn Verschwörungstheorien sind ein süßes aber gefährliches Gift, weil sie oft einen vermeintlich Schuldigen präsentieren. Es wird immer mühevoller, in Zeiten ‚alternativer Fakten‘ und ’neuer Medien‘ Zusammenhänge zu verstehen – wir wollen mit der Ausstellung Aufklärung, also ein wenig Gegengift, anbieten“, sagte Löb am 14.5. in Lichtenau-Dalheim.

Abb.: Ausschnitt vom Holzschnitt: Die Hexen. Hans Baldung Grien, 1510. Stiftung Schloss Friedenstein, Gotha (Foto: © Stiftung Schloss Friedenstein Gotha, Inv.-Nr.43,68)

Die Ausstellung gliedert sich in sechs Abteilungen und berichtet vom Teufelsglauben und der Verfolgung von Hexen und religiösen Minderheiten, aber auch mächtigen Ordensgemeinschaften im Mittelalter, und zeigt, wie Geheimbünde – Illuminaten und Freimaurer – als „wahre Drahtzieher“ der gesellschaftlichen Umwälzungen in Folge der Französischen Revolution unter Verdacht gerieten.

Die ideologische Vereinnahmung des Verschwörungsglaubens steht im Mittelpunkt der Abteilungen zur jüngeren Geschichte: Im Nationalsozialismus trägt die verbreitete Lüge von einer „jüdischen Weltverschwörung“ zur Akzeptanz der antisemitischen Verfolgung bei. Im Kalten Krieg schüren Verschwörungstheorien Angst, indem sie das Ausmaß der realen Bedrohung zuspitzen.

Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger, Vorsitzende des Vorstands der Stiftung Kloster Dalheim und LWL- Kulturdezernentin: „Der Blick in die Geschichte zeigt: Unsichere Zeiten begünstigen die Popularität von Verschwörungstheorien. Die Ausstellung lädt die Besucherinnen und Besucher daher ein, ihre eigene Meinungsbildung zu reflektieren. Gemeinsam mit dem angebotenen Rahmenprogramm ist die Ausstellung ein gelungenes Beispiel dafür, wie wir Museen zu Orten entwickeln können, an denen wichtige gesellschaftspolitische Diskurse angestoßen und geführt werden“, erläuterte Rüschoff-Parzinger.

Verschwörungstheorien heute
Im Internetzeitalter erleben Verschwörungstheorien eine Blütezeit. Ganze Websites widmen sich der Vorstellung aktueller Verschwörungstheorien und bilden zugleich ein Forum für den Austausch zwischen deren Anhängern. Suchmechanismen und Algorithmen erzeugen sogenannte Filterblasen, die immer tiefer in die Welt der Verschwörungstheorien führen. Die Bandbreite reicht dabei von hochgradig politischen Verschwörungstheorien wie den zahlreichen Thesen über die „wahren Drahtzieher“ der Anschläge auf das World Trade Center vom 11. September 2001 bis zu inszenierten satirehaften Verschwörungstheorien, zum Beispiel der „Bielefeld-Verschwörung“, die behauptet, die westfälische Stadt existiere nicht und sei lediglich eine Erfindung geheimer Hintermänner.

Exponate
Rund 250 Exponate aus renommierten internationalen Museen, Bibliotheken, Archiven und von Privatleihgebern erlauben den Besucherinnen einen Blick hinter die Kulissen von 900 Jahren Verschwörungsdenken. Ihr Spektrum reicht dabei von wertvollen Gemälden und Handschriften bis hin zum „Entstör-Stift“ für Barcodes aus der Gegenwart.

Gezeigt werden zum Beispiel die rund 900 Jahre alte Gründungsurkunde des legendären Templer-Ordens oder eines der letzten Erkennungszeichen des Geheimbunds der Illuminaten sowie das Handexemplar des Herausgebers der angeblichen „Protokolle der Weisen von Zion“, Exponate und Dokumente aus dem Kontext der folgenreichen antisemitischen Verschwörungstheorien in der Zeit des Nationalsozialismus, Spionagewerkzeuge aus der Zeit des Kalten Krieges und ein Aufzugmotor aus den zerstörten Türmen des World Trade Centers in New York.

Escape Room
„Um generationsübergreifend neue Besuchergruppen für diese wichtige Ausstellung zu begeistern, geht das Dalheimer Museum neue Wege“, berichtete Rüschoff-Parzinger: „Die Stiftung Kloster Dalheim. LWL-Landesmuseum für Klosterkultur hat eigens zur Sonderausstellung einen Escape Room entwickelt.“ Unter dem Titel „Der Heilige Gral – auf der Suche nach dem Schatz der Tempelritter“ entdecken Gruppen bis acht Personen im historischen Gewölbekeller des Klosters Dalheim rätselhafte Artefakte, suchen nach versteckten Hinweisen und knacken verschlüsselte Botschaften. 60 Minuten haben die Teilnehmer Zeit, um dem Schatz des Templerordens mit Neugier, Kreativität und Teamgeist auf die Spur zu kommen.

„Faszinierend und folgenreich“
„Der Glaube an Verschwörungstheorien ist ebenso faszinierend wie folgenreich“, erläuterte Museumsdirektor Dr. Ingo Grabowsky: „Verschwörungstheorien hinterfragen, geben alternative Erklärungen und machen neugierig, weil sie vorgeben, Wahrheiten zu enthüllen. Doch zugleich erzeugen Verschwörungstheorien Feindbilder – mit teils drastischen Folgen.“

Dominierte in der Vergangenheit eine Verschwörungsangst der Eliten gegenüber den Randgruppen der Gesellschaft, stehen heute nunmehr die Eliten selbst im Fokus der Verschwörungstheoretiker. In einer aktuellen Umfrage der Friedrich Ebert-Stiftung gaben 46 Prozent der Befragten an, sie glaubten, es gebe geheime Organisationen, die Einfluss auf politische Entscheidungen nehmen. „Medien, Regierungsorganisationen und die Presse geraten zunehmend in den Fokus von Verschwörungstheorien“, sagte Grabowsky. „Mit den Verschwörungstheorien nehmen wir ein wichtiges Phänomen unserer Zeit in den Blick.“

Förderer
Die Sonderausstellung „Verschwörungstheorien – früher und heute“, die unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier steht, wird gefördert von der LWL-Kulturstiftung, der Kulturstiftung der Westfälischen Provinzial Versicherung, Bette, der Friede Springer Stiftung und der Stiftung der Sparkasse Paderborn-Detmold für den Kreis Paderborn.

Wissenschaftlicher Beirat
Ein wissenschaftlicher Beirat, bestehend aus Historikern, Soziologen, Psychologen und Museumsfachleuten begleitet die Sonderausstellung „Verschwörungstheorien – früher und heute“.

Freier Eintritt für Kinder und Jugendliche
Kinder und Jugendliche haben freien Eintritt in alle Museen des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe.

Mit dem neuen „Mobilitätsfonds“ werden Schulen und Kitas aus Westfalen-Lippe bei der Anreise ins Museum mit Bus und Bahn unterstützt. Informationen gibt es unter Tel. 05292 93 19-225 (Di.-Fr. 11-16 Uhr) oder https://www.mobilitaetsfonds.lwl.org.

Katalog
Zur Ausstellung erscheint ein rund 300-seitiger Katalog im Ardey-Verlag. Der reich bebilderte Katalog dokumentiert die ungebrochene Faszination und zugleich die Gefahren von Verschwörungstheorien. Historiker, Soziologen und Psychologen untersuchen historische Beispiele und heutige Verschwörungstheorien im Spannungsfeld von Fakt und Fiktion.

Der Katalog (ISBN 978-3-87023-442-3) kostet 29,90 Euro und ist im Dalheimer Klosterladen sowie im Buchhandel zu erwerben.

Programm zur Ausstellung
Zur Ausstellung wird ein Rahmenprogramm von Vorträgen, einer Wissenschaftsshow, einem Lesefestival und Ferienprogrammen aufgelegt.

Bei der Wissenschaftsshow „Geheimakte Verschwörung“ (29.6.) prüfen Expertinnen von der Organisation „Der goldene Aluhut gUG“ den Wahrheitsgehalt aktueller Verschwörungstheorien. Mit unterhaltsamen Experimenten und interaktiven Aktionen nehmen sie Kinder und Erwachsene mit in die Welt zwischen Schein und Sein. Der Besuch ist im Eintrittspreis für das Museum inbegriffen.

Das neue Lesefestival „Zeit für Helden“ lädt Familien ins Kloster Dalheim ein. Die als Staatsanwältin aus dem Münsteraner „Tatort“ bekannte Hörbuch- und Hörspielsprecherin Mechthild Großmann liest Geschichten von Sherlock Holmes und James Bond (21.9.). „Die drei Musketiere“ stehen ebenfalls auf dem Lesezettel (22.9.) – präsentiert vom neuen Intendanten des Kulturfestivals „Dalheimer Sommer“, dem Schauspieler Harald Schwaiger. Der Eintritt beträgt 10 Euro für Erwachsene und 1 Euro für Kinder. Der Besuch des Museums ist im Eintrittspreis inbegriffen. Karten gibt es unter Telefon 05292 9319-0.

Vorträge nehmen unterschiedliche Facetten von Verschwörungstheorien in den Blick: JProf. Dr. Caroline Heinrich gibt unter dem Titel „Und wenn doch was dran ist? – Wie Verschwörungstheorien unsere Urteilskraft aushebeln“ (26.5.) eine Einführung zum Kontext der Sonderausstellung. Unter dem Titel „Verborgene Schädlinge im Paradies – Metaverschwörung als Herrschaftskonzept in der UdSSR“ fragt Dr. Klaus Waschik nach der politischen Nutzung von Verschwörungstheorien in der Sowjetunion der 1930er Jahre (29.9.). Die Merkmale und möglichen Ursachen von Hexenverfolgungen sind Thema im Vortrag „Die Dalheimer Hexenprozesse“ von Dr. Rainer Decker (10.11.).

Dalheimer Strippenzieher
Auch 2019 gibt es nach klösterlicher Tradition in Dalheim ein Bier zur Ausstellung. Der „Dalheimer Strippenzieher“ ist ein schmackhaftes Rotbier -, „das sich sicher nicht verstecken muss“, ist sich Grabowsky sicher.

Führungen für Einzelbesucher
Öffentliche Führungen gehen sonn- und feiertags ab 15 Uhr durch die Sonderausstellung (Teilnahmegebühr pro Erwachsenem: 3 Euro zzgl. Museumseintritt).

Führungen für Gruppen
durch die Sonderausstellung, durch die Klostergärten und die Klosteranlage können Dienstag bis Freitag von 11 bis 16 Uhr unter Telefon (0 52 92) 93 19-225 oder per E-Mail unter besucherservice.dalheim@lwl.org gebucht werden.

Buchungen Escape Room unter: http://www.escapedalheim.de

Informationen zur Ausstellung sowie das gesamte Begleitprogramm unter http://www.stiftung-kloster-dalheim.lwl.org

Info
Sonderausstellung „Verschwörungstheorien – früher und heute“
Laufzeit: 18. Mai 2019 – 22. März 2020
Öffnungszeit: täglich außer montags 10-18 Uhr
ganzjährig geöffnet außer 24., 25. und 31.12.

Eintrittspreise
Erwachsene: 9,00 Euro, ermäßigt: 4,50 Euro
Kinder und Jugendliche: Eintritt frei
Gruppen ab 16 P.: 7,00 Euro p.P.
Gruppenführungen ab 45,00 Euro

Kontakt:
Stiftung Kloster Dalheim
LWL-Landesmuseum für Klosterkultur
Am Kloster 9
33165 Lichtenau-Dalheim
kloster-dalheim@lwl.org

Quelle: LWL, Pressemitteilung, 14.5.2019

Besuch aus South Dakota im Stadtarchiv Troisdorf

Auf den Spuren der Vorfahren in Sieglar und Bergheim

Robert „Bob“ Anthony Engels, 79 Jahre alt, ist derzeit erstmals auf Deutschlandvisite und besuchte auch kürzlich das Stadtarchiv Troisdorf. Organisiert und begleitet von Ute Mehlhorn von „The German American Connection – TGAC“ aus Suhl, wurden gleich mehrere biografische Stationen seiner Vorfahren angesteuert.

Zunächst war die Sieglarer Pfarrkirche St. Johannes das Ziel der Besucher. Hier konnten sie mit Kurt P. Schneider und Rolf Stahlschmidt vom Kirchenvorstand die einstige Taufkirche der Vorfahren von Bob Engels besichtigen.

Abb.: Blick auf eine Bergheimer Karte im Stadtarchiv Troisdorf (v.l.n.r. Ute Mehlhorn, Bob Engels, Paul-Heinz Schell, Antje Winter)

Weitere Hintergründe und Umstände jener Ahnen konnten mit Hilfe der Bestände des Troisdorfer Stadtarchivs weiter erschlossen werden. Auch Informationen auf der Basis der Publikation Auswanderer aus dem Siegkreis von 1844-1857 stellten für Bob Engels eine wichtige Quelle dar. Hieraus geht u.a. hervor, dass im genannten Zeitraum aus der Bürgermeisterei Sieglar, zu der  Bergheim gehörte, annähernd 128 Personen sämtlich nach (Nord-)Amerika ausgewandert sind.

Die Vorfahren
Mathias Schlimgen, 26 Jahre alt und geboren in Bergheim, wanderte mit Ehefrau Maria Catharina, geborene Schell, Sohn Johann (1/2 Jahr alt), Vater Johann, ein Ackerer aus Bergheim, Geschwistern und Halbgeschwistern im Jahre 1854 nach Nordamerika aus. Wilhelmina „Mimie“ Schlimgen, die Tochter von Mathias, wurde 1875 in den USA geboren. Sie war die Großmutter von Bob Engels.

Bob Engels Großvater war Wilhelm – „William“ – Engels, geboren 1881 in Oberkassel als Sohn von Anton Engels aus Geislar und Gertrud Wieland aus Bergheim. Diese Engels-Linie führt nach einem kurzen Intermezzo wieder nach Bergheim und Müllekoven zurück. Und sie lässt sich verfolgen bis Johannes Peter Engels, geboren 1753 in Bergheim und gestorben 1806 in Müllekoven. Dieser war Ackerer und Fischer.

Abb.: Führung im Fischereimuseum mit Dirk Ortmann (rechts)

Auch aufgrund dieser Recherchen konnte Bob Engels am darauffolgenden Tag in die traditionsreiche Fischerei-Bruderschaft zu Bergheim an der Sieg aufgenommen werden.

Zum Auswandererhintergrund
Eine wahre Massenauswanderung war just im Jahr 1854 zu verzeichnen. Ganze Familien verließen das Land. So auch die Familie von Mathias Schlimgen samt Vater, Geschwistern und Halbgeschwistern. Der ausschlaggebende Grund lässt sich noch nicht vollständig klären. Vermutlich führte aber die allgemeine Verarmung und Missernten jener Zeit zu diesem Schritt. Über politische Ursachen wie jene der Revolution von 1848 kann nur spekuliert werden.

Weitere Stationen
Verabschiedet wurde der illustre Archivbesuch mit einigen Exemplaren der Troisdorfer Jahreshefte. Hier erfuhr Bob Engels, der in Watertown, South Dakota, USA zu Hause ist, noch einmal Interessantes aus den Troisdorfer Stadtteilen Bergheim und Sieglar.

Später am Tag führte der Weg der Familienforscher nach Bonn-Oberkassel. Hier wurde der Großvater Wilhelm Engels 1881 geboren. Mit jungen 21 Jahren wanderte auch er aus. In Parkston/South Dakota heiratete er im Jahre 1905 dann Wilhelmina Schlimgen.

Abb.: Aylin Türk (Bundesfreiwillige im Archiv) zeigt Bob Engels die Troisdorfer Jahreshefte (Foto: Stadtarchiv Troisdorf)

Alles in Allem: Ein spannender und nicht alltäglicher Besuch für die Mitarbeiterinnen im Stadtarchiv Troisdorf und auch für die Engagierten im Fischereimuseum Bergheim, aber nicht zuletzt ein sicherlich vielfältig auf- und anregendes Erlebnis für Bob Engels.

Weitere Stationen auf der Deutschlandreise waren für Bob und die später eingetroffene Tochter Nancy dann noch Königswinter-Oberdollendorf, Trier, das Moseltal, der Schwarzwald, der Rheinfall in Schaffhausen, der Bodensee, die Wieskirche Steingaden, das Schloss Neuschwanstein, Rothenburg o.d.T. sowie Bamberg bis es über Frankfurt a.M. wieder zurück in Richtung Heimat USA ging.

Kontakt:
Stadtarchiv Troisdorf
Kölner Straße 176
53840 Troisdorf
Telefon 02241/900-135
Fax 02241/900-895
Stadtarchiv@troisdorf.de

Quelle: Stadtarchiv Troisdorf, Pressemitteilung

Preßfreiheit in Bayern im 19. Jahrhundert

Lehrausstellung des Fachbereichs Archiv- und Bibliothekswesen der Hochschule für den öffentlichen Dienst in Bayern endet am 21. Mai

Grundgesetz und Bayerische Verfassung garantieren heute die Freiheit der Presse und der Berichterstattung durch Rundfunk und Medien – Basis für eine freie Meinungsbildung und die Demokratie. Trotzdem belegte die Bundesrepublik Deutschland 2018 auf der Rangliste der Pressefreiheit, dem „Press Freedom Index“, der internationalen Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen hinter Portugal nur den 15. Platz. Anlässlich des „Tages der Pressefreiheit“ am 3. Mai blickt die kleine, von Benjamin Blumenthal bearbeitete Ausstellung (noch bis zum 21. Mai 2019) 200 Jahre zurück, fragt nach den Wurzeln des Begriffs „Preßfreiheit“ und beleuchtet seine Entwicklung in Bayern im 19. Jahrhundert.

Abb.: Die Karikatur zur „Preßfreiheit“ auf dem Plakat wurde 1847 in den „Fliegenden Blättern“ veröffentlicht; Zeichner: Carl Stauber

Der Begriff der „Preßfreiheit“ stammt aus dem Zeitalter der Aufklärung. Politische Bedeutung erhielt er mit der Französischen Revolution. In einem deutschsprachigen Nachschlagewerk erscheint der Begriff erstmals 1784. Anfangs wurde die „Preßfreiheit“ mit der Druckfreiheit gleichgesetzt. Dadurch stand nicht das heute mit Art. 5 des Grundgesetzes garantierte zentrale Grundrecht der „Pressefreiheit“ im Mittelpunkt, sondern einfach die Freiheit zu drucken.

Mit dem Übergang zum modernen Staat Anfang des 19. Jahrhunderts begann eine Zeit in Bayern, die durch den Wechsel von Zensur und Pressefreiheit gekennzeichnet war. Die Auseinandersetzung wurde auf rechtlicher bzw. verfassungsrechtlicher Ebene geführt. Wichtige Zäsuren waren der Erlass der Verfassung des Königreichs Bayern (1818), das Hambacher Fest (1832), die Märzrevolution (1848) und die deutsche Reichgründung (1871).

Abb.: Edikt über die Freiheit der Presse und des Buchhandels, 1818 (Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Gesetzblatt für das Königreich Bayern 24. Juni 1818, S. 181–182)

Im Lauf des 19. Jahrhunderts übernahm die Presse die Rolle eines Meinungsbildners. Die bürgerliche Öffentlichkeit wurde für die demokratischen Belange der Presse sensibilisiert.

Die kleine Ausstellung mit 29 Exponaten aus dem Bayerischen Hauptstaatsarchiv, dem Staatsarchiv München und der Bayerischen Staatsbibliothek wurde im Rahmen der Ausbildung im Vorbereitungsdienst 2017/2020 für den Einstieg in der 3. Qualifikationsebene der Fachlaufbahn Bildung und Wissenschaft, fachlicher Schwerpunkt Archivwesen, an der Hochschule für den öffentlichen Dienst in Bayern erarbeitet.

Die Ausstellung war ist seit dem 11. April nur noch bis 21. Mai 2019 im Hauptgebäude des Bayerischen Hauptstaatsarchivs (Treppenhaus, 1. OG), Schönfeldstraße 5, 80539 München zu sehen.

Quelle: GDA Bayern, Pressemitteilung, 11.4.2019

Moderner Fünfkampf in Warendorf

Der Moderne Fünfkampf wurde von Baron Pierre de Coubertin (1863-1937) ins Leben gerufen und ist seit 1912 eine Disziplin bei den Olympischen Spielen. Coubertin kombinierte die „Kavalier-Sportarten“ Reiten, Fechten und Schießen mit den Volkssportarten Laufen und Schwimmen. In späteren Jahren entwickelte sich Warendorf zum Zentrum des Modernen Fünfkampfs – und war lange Zeit Standort des Bundesleistungszentrums. Auf diese Zeit blickt das Kreisarchiv Warendorf in einer kleinen Ausstellung zurück und präsentiert im Warendorfer Kreishaus-Foyer interessante Dokumente.

Abb.: Der Fechtwettbewerb bei der WM 1970, die in Warendorf stattfand (Foto: Kreisarchiv Warendorf).

In der Anfangszeit wurde die Sportart hauptsächlich von Offizieren und Polizisten ausgeübt. Durch die verschiedenen Disziplinen war das Training sehr zeitaufwändig, außerdem mussten die Sportler Zugang zu Pferden und die Möglichkeit zum Schießtraining haben. Bedingt durch den Zweiten Weltkrieg konnten deutsche Sportler schließlich nicht mehr an internationalen Wettkämpfen teilnehmen.

Nach Kriegsende gründete sich Anfang der 1950er Jahre der „Deutsche Ausschuss für Modernen Fünfkampf“. Sportliche Erfolge blieben bei den anschließenden Wettkämpfen jedoch aus. Eine bessere Planung und straffere Organisation sollten Abhilfe schaffen. So wurde am 27. Mai 1961 in Warendorf im „Hotel im Engel“ der „Deutsche Verband für Modernen Fünfkampf“ (DVMF) gegründet und als erster Präsident General a.D. Hax gewählt. Die Deutsche Reitschule erklärte sich zu einer intensiven Zusammenarbeit bereit und so waren mit dem Freibad und einem neu errichteten Schießstand  in Warendorf ideale Bedingungen für die Ausübung des Modernen Fünfkampfs vorhanden. Zwischen 1960 und 1970 entstanden in den einzelnen Bundesländern weitere Landesverbände.

Abb.: WM-Auftakt mit dem Einmarsch der Mannschaften in das Warendorfer Stadtstadion. (Foto: Kreisarchiv Warendorf)

Der Landesverband NRW führte in Warendorf regelmäßig Aufbau- und Trainingslehrgänge durch. Dabei konnte man auch die Einrichtungen der Bundeswehr und der DEULA nutzen. Die Stadt Warendorf stellte bis in die achtziger Jahre finanzielle Mittel zur Unterstützung zur Verfügung. So entwickelte sich Warendorf in dieser Zeit zum Zentrum des Modernen Fünfkampfs.

Bei Länderkämpfen und Weltmeisterschaften konnten die deutschen Fünfkämpfer ihre Leistungen stetig verbessern und erreichten 1965 in Leipzig und 1967 in Jönköping den vierten Platz. Bei der Weltmeisterschaft 1969 in Budapest holte man schließlich die Bronzemedaille, ebenso bei der Weltmeisterschaft 1970 in Warendorf. Im Jahr 1968 begann man mit dem Bau eines Bundes- und Leistungszentrums mit Hallenbad in Warendorf. Dieses wurde 1972 fertiggestellt.  1977 führte man in Warendorf erstmalig den „Deutschland-Pokal“ durch.

Abb.: Das Logo der WM 1970 (Foto: Kreisarchiv Warendorf)

Im Jahr 1980 boykottierten die westlichen Länder die Olympischen Spiele in Moskau. Grund war der Einmarsch der Sowjetunion in Afghanistan. Aus Sportlerkreisen gab es Proteste und die Forderung Sport und Politik nicht zu vermischen. Die im Fünfkampf stets starken Ostblockstaaten boykottierten im Gegenzug die Olympischen Sommerspiele im Jahr 1984 in Los Angeles. Trotz Fehlens der starken Konkurrenz konnte die deutsche Mannschaft keine Medaille erringen.

Eine große Enttäuschung über dieses Ergebnis fand in negativen Berichterstattungen in der Presse ihren Ausdruck. Auch personelle Konsequenzen waren die Folge: Bundestrainer Herbert Rieden musste seinen Posten räumen und beim Verbandstag am 13.10.1984 wurde Präsident Walter Grein nach zwölfjähriger Amtszeit nicht wiedergewählt.

Neuer Präsident wurde Klaus Schormann aus Darmstadt. Nach und nach zog sich der DVMF aus Warendorf zurück. Die Geschäftsstelle verlegte man 1985 schließlich nach Darmstadt. Das Bundesleistungszentrum in Warendorf verlor an Bedeutung, da man dazu überging, Trainingslehrgänge nun dezentral durchzuführen. Damit verlor Warendorf als Zentrum des Modernen Fünfkamps langsam an Bedeutung.

Die Ausstellung des Warendorfer Kreisarchivs ist noch bis zum 31.5.2019 zu sehen. Die verwendeten Unterlagen stammen aus dem Bestand „Kreisarchiv Warendorf S1/81 Moderner Fünfkampf e.V. Warendorf“ und können im Lesesaal eingesehen werden.

Kontakt:
Kreisarchiv Warendorf
Waldenburger Straße 2
48231 Warendorf
Telefon: 02581/53-1040
02581/53-1041
kreisarchiv@kreis-warendorf.de

Quelle: Kreis Warendorf, Pressemitteilung, 3.5.2019

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