Stadtarchiv Magdeburg öffnet seine Fotoalben

Zum Bauhausjubiläum schaltet das Stadtarchiv Magdeburg ein neues Angebot frei: Mehr als 1.000 hochauflösende Fotoaufnahmen aus der Zeit der Magdeburger Moderne laden ein zu einem digitalen Stadtrundgang. Im Zentrum stehen die 1920er Jahre, als sich Magdeburg neu erfand.

Rechtzeitig zur großen Konferenz „Die Ära Beims. Ein Oberbürgermeister als Wegbereiter der Moderne“ am 24.–26. April 2019 veröffentlicht das Stadtarchiv mehr als 1.000 historische Fotografien aus dem umfangreichen „Fotobestand Hochbauamt“, der mit mehr als 33.000 Aufnahmen als wichtigster Fundus aus dieser Zeit in Magdeburg gilt. Lichtbildwerke von bedeutenden Künstlern wie Xanti Schawinsky geben teils unverstellte Einblicke in eine Zeit des Aufbruchs. Die originalen Glasplatten der im städtischen Auftrag gefertigten Fotografien wurden hochauflösend digitalisiert.

Ein Rundgang in 30 Kapiteln erzählt vom Ausbruch aus der Enge der Festungsstadt, vom neuen Leben in den modernen Siedlungen und von der Technisierung aller Lebensbereiche. Zu sehen sind die wichtigen Bauten der Moderne, aber auch Parkanlagen, Industriebetriebe oder der 1929 eröffnete Flughafen an der Berliner Chaussee. Noch nie veröffentlichte Aufnahmen führen in neue Schulen und moderne Wohnungen, zeigen Freizeit, Sport, Kultur und festliche Höhepunkte der Zwanziger Jahre. Über einen Zeitstrahl und durch die Volltextrecherche kann individuell gesucht werden. Es ist eine Einladung, sich selbst ein Bild von der Zeit des Aufbruchs vor 100 Jahren zu machen.

Das Angebot bildet den Auftakt für eine neue Plattform, auf der das Stadtarchiv Magdeburg digitalisiertes Archivgut aus ausgewählten Beständen online veröffentlicht. Die neue Website ist unter www.magdeburger-moderne.de erreichbar.

Kontakt:
Stadtarchiv Magdeburg
Mittagstraße 16
39124 Magdeburg
+49 391 540- 2912
archiv@magdeburg.de

Quelle: Stadtarchiv Magdeburg, Medieninformation

Ermordung des sächsischen Kriegsminister Gustav Neuring (MSPD) im April 1919

Archivale im Fokus, April 2019

Am 12. April 1919 wurde der Sächsische Kriegsminister Gustav Neuring von einer aufgebrachten Menge nach einer Protestkundgebung ermordet. Die Tat führte zur Ausrufung des Belagerungszustands im noch jungen Freistaat Sachsen und zog umfangreiche Gerichtsverhandlungen mit hohem Medieninteresse nach sich.

Abb.: Auszug aus der Ladung der elf Angeklagten im Mordfall Neuring zur Eröffnung des Hauptverfahrens am 21. Juli 1919 durch die Staatsanwaltschaft (SächsStA-D, 11120 Staatsanwaltschaft beim Landgericht Dresden, Nr. 2277/1)

Gustav Neuring war ein ehemaliger Gewerkschaftsbeamter und Mitglied der Mehrheitssozialdemokratischen Partei Deutschlands (MSPD).  Im Jahr 1919 wurde er zum Minister für Militärwesen des jungen Freistaats Sachsen ernannt. – Nachdem die Berliner Regierung beschlossen hatte, ab dem 11. April 1919 den Sold u. a. des Sanitätspersonals und der Lazarettinsassen zu kürzen, versammelten sich diese einen Tag später auf dem Dresdner Theaterplatz zu einer Kundgebung. Die Menge beschloss acht Forderungspunkte, die von zwei Deputationen, eine des Sanitätspersonals und eine der Kriegsversehrten, an den Kriegsminister Neuring überbracht werden sollten. Zu diesem Zweck zogen die Demonstranten über die Friedrich-August-Brücke (heute Augustusbrücke) zum Kriegsministerium im Blockhaus am Neustädter Markt.

Um den Kriegsversehrten zu ermöglichen, sich auszuruhen, öffneten die Wachsoldaten den Innenhof der Neustädter Wache und stellten Bänke bereit. Die erste Deputation wurde in das Büro des Ministers Neuring geführt, um Verhandlungen aufzunehmen. Neuring, der durchaus Verständnis für das Anliegen der Demonstranten äußerte, aber die Anordnungen der Berliner Regierung nicht eigenmächtig umgehen konnte, kam den Forderungen des Sanitätspersonals so weit wie möglich entgegen. Als anschließend die Forderungen der Kriegsversehrten verhandelt werden sollten, kam es jedoch zu größeren Unstimmigkeiten durch die versuchte Teilnahme von zwei bekannten Kommunisten an der Verhandlung. Nachdem der Sekretär des Ministers diese von den Verhandlungen ausgeschlossen hatte, traten sie vor die Demonstranten und verbreiteten Behauptungen über ein grundsätzliches Scheitern der Gespräche. Immer stärker gelang es den kommunistischen Teilnehmern, die Menge aufzuwiegeln. Die Stimmung in der Protestbewegung, die ursprünglich aus wirtschaftlichen Gründen entstanden war, kippte zunehmend in eine wilde und unversöhnliche Raserei.

Die Wachtruppen, in Unterzahl und bereits umgeben durch die ins Ministerium eingelassene Menge, wurden überwältigt und die Waffenvorräte verteilt. Regierungstruppen, die aufgrund der sichtbaren Eskalation der Lage aus verschiedenen Bereichen der Stadt angefordert worden waren, ließen sich durch die Demonstranten stoppen und entwaffnen.

Schließlich versuchte Gustav Neuring mit direkten Worten an die Demonstranten, die Lage zu beruhigen. Ob er freiwillig vor die Menge trat oder bereits unter Zwang, wurde nie restlos geklärt. Die Stimmung war jedoch bereits zu aufgeheizt. Der Minister kam kaum zu Wort. Er wurde gepackt und durch zahlreiche Demonstranten misshandelt. Die Menge schleppte ihn auf die Friedrich-August-Brücke, von wo sie den Minister über die Brüstung in die Elbe stürzte. Gustav Neuring versuchte sich trotz seiner schweren Blessuren schwimmend ans Ufer zu retten, wurde jedoch nun von der Brücke unter Gewehrfeuer genommen und tödlich getroffen. Seine Leiche konnte erst vier Wochen später elbabwärts am Kötitzer Fährhaus gefunden werden.

Der Mord führte zur Ausrufung des Belagerungszustands in Sachsen und umfangreichen Ermittlungen. 70 Beschuldigte und über 400 Zeugen wurden vernommen. Die Überführung der tatsächlichen Täter gestaltete sich allerdings überaus schwierig. Am Ende standen 11 Angeklagte vor Gericht. Die Urteile fielen milde aus: Sie reichten von anderthalb bis drei Jahre Gefängnis mit anschließenden fünf Jahren Ehrverlust.

Die Vorgänge um den 12. April 1919 sind umfassend in den Beständen des Hauptstaatsarchivs Dresden dokumentiert. Allein sechs Akten wurden von der Staatsanwaltschaft beim Landgericht Dresden (Bestand 11120 Staatsanwaltschaft beim Landgericht Dresden) zum Prozess angelegt. Weitere Überlieferungen finden sich in den Beständen 11248 Sächsisches Kriegsministerium, 10736 Ministerium des Innern, 10789 Polizeipräsidium Dresden und 11250 Sächsischer Militärbevollmächtigter in Berlin.

Links:
Ladung vor das Schwurgericht
Bestand 10736 Ministerium des Innern
Bestand 10789 Polizeipräsidium Dresden
Bestand 11248 Sächsisches Kriegsministerium
Bestand 11250 Sächsischer Militärbevollmächtigter in Berlin

Kontakt:
Sächsisches Staatsarchiv
Hauptstaatsarchiv Dresden
Archivstr. 14
01097 Dresden
Telefon: (+49) (0)351-89 219 711 (Lesesaal),
(0)351-89 219 710 (zentrale Einwahl)

Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Archivale im Fokus, 1.4.2019

Erweiterungsbau des Staatsarchivs Bamberg eingeweiht

Ausstellung „Staatliches Bauen in Oberfranken – eine Skizze“ eröffnet

Im Rahmen eines Festaktes wurde der nach zweieinhalb Jahren fertiggestellte Erweiterungsbau des Staatsarchivs Bamberg am 29.3.2019 von den bayerischen Staatsministern Bernd Sibler und Dr. Melanie Huml seiner Bestimmung übergeben. Der Magazinbau erfüllt modernste Qualitätsansprüche und besteht aus sechs Geschossen mit fensterlosen Magazinen. Es können rund 18,9 laufende Kilometer Archivalien gelagert werden. Eine Begleitausstellung mit dem Thema „Staatliches Bauen in Oberfranken – eine Skizze“, zu der ein kleiner Katalog erschienen ist, wurde im Rahmen der Einweihung eröffnet.

Abb.: Dr. Margit Ksoll-Marcon (Generaldirektorin der Staatlichen Archive) – Bernd Sibler, MdL (Bayer. Staatsminister für Wissenschaft und Kunst) – Peter W. Schmidt, Pforzheim (Architekt BDA) – Melanie Huml, MdL (Bayer. Staatsministerin für Gesundheit und Pflege) – Frank Spallinger (Dipl.-Ing., Architekt; Peter W. Schmidt Architekten GmbH) – Dr. Christian Kruse (Leiter des Staatsarchivs Bamberg) – Jürgen König (Leiter des Staatlichen Bauamts Bamberg) – im Hintergrund der neue Erweiterungsbau (Foto: Staatsarchiv Bamberg/GDA Bayern)

Im August 2014 hatte das damalige Bayerische Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst den Planungsauftrag für den Erweiterungsbau erteilt. Im Rahmen eines Wettbewerbsverfahrens ging der 1. Preis an das Architekturbüro Peter W. Schmidt, Pforzheim. Der erste Spatenstich wurde im Oktober 2016 gefeiert, ein Jahr später das Richtfest. Die Projektsteuerung und Bauleitung lag beim Staatlichen Bauamt Bamberg. Der Erweiterungsbau mit einem Bruttorauminhalt von 14.346 m³ realisiert auf einer Grundfläche von knapp 2.000m² eine Nutzfläche von 3469 m², davon rund 200 m² für Arbeitsund Lagerräume, darunter einen Reinigungsraum mit einer mikrobiologischen Sicherheitswerkbank.

Außerdem enthält das Gebäude dreizehn Magazinräume und drei kleine Magazine zur Lagerung von Spezialmaterial, vor allem Fotografien, die ein kälteres Raumklima benötigen. Der Erweiterungsbau besteht aus sechs Geschossen mit fensterlosen Magazinen. Das Untergeschoss ist 53,8 Meter lang und 24,9 Meter breit, die fünf Geschosse darüber sind quadratisch mit einer Seitenlänge von 24,4 Meter. Es können, wie erwähnt, rund 18,9 laufende Kilometer Archivalien gelagert werden. Als Baukosten wurden 9,1 Millionen Euro genehmigt. Mit einer Klimaanlage (Lüftung, Heizung, Kühlung, Be- und Entfeuchtung) und einem mehrschichtigen Wandaufbau (von innen nach außen: 25 cm Stahlbeton, 20 cm Dämmung, Luft, 8–10 cm eingefärbte Betonfassade mit Sandstein-Anmutung) soll ein konstantes Magazinklima mit einer Temperatur von 16 bis maximal 20 Grad Celsius und einer relativen Luftfeuchte von 40 bis maximal 55 Prozent geschaffen werden.

Staatsminister Bernd Sibler betonte bereits vor der Eröffnung: „Das Staatsarchiv Bamberg beherbergt einen großen kulturellen Schatz. Der Erweiterungsbau ermöglicht es nun, sämtliche Bestände an einem Ort zusammenzuführen. Wertvolle Zeugnisse unserer Geschichte spiegeln die Klosterkultur des Mittelalters, die verschiedenen Territorialherrschaften sowie die Grenznähe der Region zur ehemaligen DDR und zu Tschechien wider. Sie werden hier künftig unter hervorragenden Bedingungen aufbewahrt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dieses hochmoderne Archiv bietet uns beste Möglichkeiten, uns mit unserer Geschichte und Identität auseinanderzusetzen.“

Das Staatsarchiv Bamberg ist die staatliche Fachbehörde für alle Fragen des Archivwesens im Regierungsbezirk Oberfranken mit Ausnahme der kreisfreien Stadt Coburg und des Landkreises Coburg, die erst seit der Volksabstimmung von 1920 zu Bayern gehören. Es verwahrt derzeit rund 26 Kilometer Archivgut bei einem durchschnittlichen jährlichen Zuwachs von 300 Metern. Im Staatsarchiv ist historisch und rechtlich relevantes Material aus der Zeit von 815 bis in die Gegenwart überliefert, das für Forschung gesichert, erschlossen und bereitgestellt wird.

Im Rahmen der Festveranstaltung wurde die Ausstellung „Staatliches Bauen in Oberfranken – eine Skizze“ eröffnet. Die Ausstellung ist bis 7. Juni 2019 zu sehen (Mo, Do 8.00–16.00 Uhr, Di, Mi 8.00–18.00 Uhr, Fr 8.00–12.30 Uhr), es erscheint ein kleiner Katalog (Verkaufspreis 4 Euro).

Kontakt:
Staatsarchiv Bamberg
Hainstr. 39
96047 Bamberg
Tel. 0951/98622-0
Fax 0951/98622-250
poststelle@staba.bayern.de
https://www.gda.bayern.de/bamberg/

Quelle: Staatsarchiv Bamberg, Pressemitteilung, 25.3.2019

Die Straßen von Neuss

Nachschlagewerk des Stadtarchivs zur Geschichte aller Neusser Straßen und Stadtteile erschienen

Nach über zwölf Jahren intensiver Forschung und Recherche legt das Stadtarchiv Neuss ein für Neuss bislang einmaliges und mit 880 Seiten stattliches Buch vor: „Die Straßen von Neuss“. Herausgeber Dr. Jens Metzdorf verspricht mit Band 22 der Schriftenreihe des Stadtarchivs einen „sehr lebendigen Teil der Stadtgeschichte!“

Erstmals präsentiert das Stadtarchiv Neuss mit in 1.131 Artikeln alle Straßen der Stadt, ihre heutigen und früheren Namen sowie ihre Bedeutungen und Benennungsgeschichten. Dabei behandelt das Buch alle Straßen im Kontext der Geschichte der 26 Neusser Stadtteile (statistischen Bezirke), die ebenfalls mit ihren Besonderheiten in ausführlichen Beiträgen – ergänzt um aktuelle Karten – vorgestellt werden. Illustriert wird das Nachschlagewerk durch über 700 Abbildungen, vornehmlich aus dem Bestand des Stadtarchivs Neuss. Ein Personen- und ein Straßenregister schaffen übergreifende Zugänge zu allen Einträgen des Lexikons.

„In seiner enzyklopädischen Breite und Tiefe,“ betont der Herausgeber, „richtet sich das Buch an alle Menschen in der Stadt Neuss und ihren selbstbewussten Stadtteilen: Kleine und Große, Alte und Junge, kundige Bewohner und interessierte Gäste, Heimatverbundene und Lokalforscher, alteingesessene Bürgerinnen und Bürger sowie Neubürgerinnen und Neubürger unterschiedlicher Herkunft.“

Die „Straßen von Neuss“ gliedern seit Jahrhunderten den öffentlichen Raum und verbinden die Menschen der Stadt. Außerdem knüpfen sie vielfältige Bande zur spannenden Geschichte von Neuss. So sind die Straßen von Neuss – auch im Zeitalter digitaler Navigationssysteme – weit mehr als lokale Orientierungshilfen für Einheimische und Besucher. Als „Erinnerungsorte“ bilden sie ein über Generationen gewachsenes Denkmal, welches das kollektive Gedächtnis prägt. Die „Straßen von Neuss“ sind gepflastert mit Stadtgeschichte: Ihre Namen erzählen vertraute, kuriose und überraschende Episoden von Menschen und Orten, Politik und Propaganda, Tradition und Erinnerungskultur.

Das Buch ist erhältlich im Stadtarchiv Neuss, in der Tourist-Information und im Buchhandel. Das Kompendium des Stadtarchivs zu den Neusser Straßen wird in digitaler Form ständig um aktuelle Straßenbenennungen ergänzt. Die Texte für Straßen, die nach der Fertigstellung des Buches benannt werden, stehen zum Download zur Verfügung.

Info:
Jens Metzdorf (Hg.):
Die Straßen von Neuss, Lexikon zur Geschichte der Neusser Stadtteile, der Straßen, Wege, Plätze und ihrer Namen (= Schriftenreihe des Stadtarchivs Neuss, Bd. 22),
Neuss 2019, 880 Seiten, über 700 Abb., 39,90 Euro. ISBN 978-3-922980-25-4

Kontakt:
Stadtarchiv Neuss
Oberstraße 15
41460 Neuss
Telefon: +49 (0) 2131 – 90 42 50
Telefax: +49 (0) 2131 – 90 24 33
stadtarchiv@stadt.neuss.de
www.stadtarchiv-neuss.de

Quelle: Stadtarchiv Neuss, Mitteilung, 21.3.2019

Anforderungen an die Aussonderung von E-Akten

Rückblick auf das Informationsforum 2019 des Bundesarchivs in Koblenz und Berlin

Nach welchen Vorgaben sind elektronische Akten zu führen? Welche Metadaten werden benötigt? Wie können elektronische Akten ausgesondert werden und welche Anforderungen gelten? Diesen Fragen war das 14. Informationsforum des Bundesarchivs gewidmet. Es fand unter der Überschrift „Alles gut vorbereitet? – Anforderungen an die Aussonderung von E-Akten“ am 13. Februar 2019 in Koblenz und am 20. Februar 2019 in Berlin statt. Das Bundesarchiv liefert einen Tagungsbericht und die Präsentationen der Tagung auf seiner Webseite:

Im Mittelpunkt des Informationsforums des Bundesarchivs für die Bundesverwaltung standen die speziellen Anforderungen an die Aussonderung elektronischer Akten an das Bundesarchiv. In den beiden Veranstaltungen begrüßte die Abteilungspräsidentin der Abteilung B (Bundesrepublik Deutschland) des Bundesarchivs, Frau Martin-Weber, insgesamt mehr als 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Stellen und Einrichtungen des Bundes.

Abb.: Eröffnung des Informationsforums in Berlin durch Abteilungspräsidentin Frau Martin-Weber, 20. Februar 2019 (Quelle: Bundesarchiv / Körner, Christian)

Anforderungen an die elektronische Schriftgutverwaltung
Den Auftakt machten zwei anregende Grundsatzvorträge: Herr Dr. Müller, Richter am Hessischen Landessozialgericht, stellte die rechtlichen Fundamente der elektronischen Aktenführung vor. Frau Eisvogel in Koblenz bzw. Herr Kalich in Berlin (beide Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend) beschrieben die veränderte Rolle der Registratur in der Welt der elektronischen Akte.

„Der lange Weg der E-Akte“
Am Nachmittag wurde „Der lange Weg der E-Akte“ beschritten. In einem fokussierten Blick auf den gesamten Prozess der elektronischen Aussonderung beleuchteten die Vorträge unterschiedliche Aspekte: Den Beginn machte der Erfahrungsbericht von Frau Palandt (Bundesverwaltungsamt) zum Thema „Aktenplanrevision und -aktualisierung“, an den sich die Rolle von Bewertungskatalogen als Teil einer automatisierten Aussonderung anschloss. Hierzu schlug Herr Wendt (Bundesarchiv) den Bogen „Vom Aktenplan zum Bewertungskatalog“, den Herr Jacobs (Bundesarchiv) in seinem Beitrag zum Zusammenspiel von „Bewertungskatalogen in E-Akte-Systemen“ fortführte.

Daraufhin stellten zwei Vorträge zum Thema Metadaten und Dateiformate die Formierung der auszusondernden Datenpakete und ihre Herausforderungen dar. Frau Busch (Bundesarchiv) erläuterte die „Erstellung von Datenpaketen mit Hintergründen, Anforderungen, Metadaten und Verfahrensfragen“. Anhand von Praxisbeispielen beschrieb Frau Simon (Bundesarchiv) die Problemfelder und Lösungsstrategien beim Umgang mit Dateiformaten in der elektronischen Akte.

Frau Range (Bundesministerium für Finanzen) schilderte ihre Erkenntnisse bei der Erstellung eines Konzepts zur elektronischen Aktenaussonderung an das Bundesarchiv. Als potenzielle Aussonderungsmöglichkeit ging Herr Obkircher (Bundesarchiv) abschließend auf „Die manuelle Aussonderung im zwei- und vierstufigen Verfahren“ ein.

Der Prozess der Aussonderung
Nach diesem inhaltsreichen Vortragsreigen machten die Veranstaltungsteilnehmerinnen und -teilnehmer von dem Angebot rege Gebrauch, ihre Fragen und Anregungen an die Vortragenden zu richten. An beiden Veranstaltungsorten wurden innerhalb einer Plenumsrunde die angefragten Themen weiter erörtert, die sich u. a. auf die E-Akte Bund, das sich wandelnde Berufsbild des Registrators oder Aspekte rund um die Konvertierung von Dateiformaten bezogen.

Abgerundet wurde die Veranstaltung durch den Vortrag „Aussonderung über das Digitale Zwischenarchiv des Bundes (DZAB)“ von Herrn Bannert (Bundesarchiv). In seinem Beitrag stellte er die in den vorangegangenen Sektionen behandelten Themenkomplexe in den Kontext des DZAB und erläuterte dessen Funktionsweise. Dabei wurde deutlich, dass die Nutzung des DZAB, das als zentrale Lösung des Bundesarchivs für die Langzeitspeicherung allen Stellen und Einrichtungen des Bundes offensteht, mit einer Reihe von Vorteilen sowohl für die teilnehmenden Behörden als auch das Bundesarchiv verbunden ist.

Bilanz
Der abwechslungsreiche Mix aus den Erfahrungen der Justiz und der Behördenwelt gemeinsam mit den prozessorientierten Vorträgen der Mitarbeiterinnen und Mitarbei-ter des Bundesarchivs bot anschauliche und praxisnahe Einblicke in die Umstellungsprozesse, die sich für Stellen und Einrichtungen des Bundes ergeben. In diesem Sinne konnte der Moderator, Herr Dr. Christian (Bundesarchiv), für beide Veranstaltungen ein positives Fazit ziehen.

Präsentationen zum Download

Rechtliche Grundlagen, Dr. Henning Müller, Landessozialgericht Hessen (PDF, 3MB)

Die neue Rolle der Registratur, Andrea Eisvogel, BMFSFJ (PDF, 2MB)

Vom Aktenplan zum Bewertungskatalog, Gunnar Wendt, Bundesarchiv (PDF, 2MB)

Bewertungskataloge in E-Akte-Systemen, Rainer Jacobs, Bundesarchiv (PDF, 2MB)

Erstellung von Datenpaketen: Hintergründe, Anforderungen, Metadaten und Verfahren, Stefanie Busch, Bundesarchiv (PDF, 2MB)

Erstellung von Datenpaketen: Dateiformate, Heike Simon, Bundesarchiv (PDF, 2MB)

Erstellung eines Aussonderungskonzepts, Nicolle Range, BMF (PDF, 4MB)

Die manuelle Aussonderung im zwei- und vierstufigen Verfahren, Hartmut Obkircher, Bundesarchiv (PDF, 2MB)

Quelle: Bundesarchiv, Pressemeldung und Tagungsbericht, 28.3.2019

Archiv und Wirtschaft 1/2019

Die neue Ausgabe (1/2019) der Zeitschrift der Vereinigung deutscher Wirtschaftsarchivare e.V., „Archiv und Wirtschaft“, beinhaltet u.a. mehrere Aufsätze über die Geschichte von Unternehmensarchiven und einen Bericht über Records Management und Elektronische Archivierung bei Evonik.

Inhaltsverzeichnis „Archiv und Wirtschaft“ 1/2019

VdW-Jahrestagung vom 5. bis 7. Mai 2019 in Stockholm (Programm) (4-5)

AUFSÄTZE

Florian K. Öxler: WALA Heilmittel in Bad Boll und ihr Historisches Firmenarchiv. Eine Geschichte mit Startschwierigkeiten (6-14)

Monika Klar: Das Unternehmensarchiv der Südzucker: Entstehung, Aufgaben und Projekte (15-20)

Klaus Grenzner: Die Entstehung des Konzernarchivs der BSH (21-25)

Jakob Wührer und Martin Stürzlinger: Die DSGVO und die Folgen für Privatarchive (26-31)

BERICHTE

Frank Becker: Learning by doing – Records Management und Elektronische Archivierung bei der Evonik Industries AG (32-34)

Natalie Lorenz und Johannes Donkers: 89. VdW-Lehrgang „More than ‚nice to have‘! – Ein Unternehmensarchiv, das sich rechnet!” vom 8. bis 11. Juli 2018 in Wattens, Innsbruck und Hall (35-37)

REZENSIONEN

Gratwanderungen. Lebenserinnerungen von Wolfgang Gruber (1886–1971). Pionier, Alpinist und Chefchemiker (Alexander Lukas Bieri) (38-39)

Sebastian Panwitz: Das Haus des Kranichs. Die Privatbankiers von Mendelssohn & Co. (1795–1938) (Volker Beckmann) (39-42)

Nachrichten (43)

Rezensionsliste (43-45)

Impressum (48)

Kontakt:
Dr. Martin Münzel
c/o F. Hoffmann-La Roche AG
„Archiv und Wirtschaft“
Bau 52/111
CH – 4070 Basel
Telefon: (0049) (0)30-2093-70571
Martin_Muenzel@Yahoo.com
http://www.wirtschaftsarchive.de/veroeffentlichungen/zeitschrift

Datenverlust: Myspace verliert Musikarchiv

Das soziale Netzwerk „Myspace“, ursprünglich ein Anbieter für kostenlose Datenspeicherung im Internet, musste im März 2019 zugeben, sämtliche Musik aus den Jahren 2003 bis 2015 verloren zu haben, ohne dass ein Backup existiert. Ursache für den Datenverlust sei ein Serverwechsel gewesen.

Das Unternehmen entschuldigt sich auf seiner Webseite lapidar für die Unannehmlichkeiten. „As a result of a server migration project, any photos, videos, and audio files you uploaded more than three years ago may no longer be available on or from Myspace. We apologize for the inconvenience. If you would like more information, please contact our Data Protection Officer“.

Das Thema Archivierung von Netzinhalten scheint an Myspace vorüber gegangen zu sein. Ein Backup der verlorenen Fotos, Videos und Audiodateien – man spricht von 50 Millionen Liedern von insgesamt 14 Millionen Künstlern – besitzt das Unternehmen offenbar nicht. Heise online erinnert daran, dass Myspace früher für angehende Musiker zeitweise die wichtigste Plattform gewesen sei, um ihre Werke schnell unters Volk zu bringen. Das über die Jahre entstandene große Musik-Archiv sei nunmehr unwiederbringlich verloren.

Das Onlinemagazin Boing Boing warnt bereits präventiv auch in Bezug auf die Inhalte anderer sozialer Netzwerke: „Irgendwann wird dies auch mit Facebook, Instagram, Tumblr etc. passieren. Vertraut die Archivierung eurer Daten nicht diesen Plattformen an.“

Ob es sich bei der Löschung der Daten von und auf Myspace aber tatsächlich um einen Unfall und nicht vielmehr um eine Sparmaßnahme gehandelt hat, wird bereits diskutiert. „Flagrant incompetence may be bad PR, but it still sounds better than ‚we can’t be bothered with the effort and cost of migrating and hosting 50 million old MP3s‘.“ (Andy Baio)

Quelle: boingboing, Myspace lost all the music its users uploaded between 2003 and 2015, 17.3.2019;  Daniel Berger (heise online), Datenverlust: Myspace verliert riesiges Musikarchiv, 18.3.2019; Leonard Klint, MySpace löscht 50 Millionen einzigartige Songs – „Versehen – Sorry für die Umstände“, windowsunited, 20.3.2019

Ausstellung: Zeitenwende in Hessen 1918/19

Revolutionärer Aufbruch in die Demokratie

Vor 100 Jahren, am 19. Januar 1919, wählten alle Deutschen, erstmals auch Frauen, die verfassunggebende Weimarer Nationalversammlung. Die Nationalversammlung handelte eine demokratische Reichsverfassung aus und begründete damit die Weimarer Republik. Aus diesem Anlass zeigt das Hessische Landesarchiv noch bis zum 25.5.2019 eine Tafelausstellung mit Begleitpublikation. Ausstellung und Publikation dokumentieren den revolutionären Umbruch der Jahre 1918/1919 auf dem späteren Gebiet des Bundeslandes Hessen und zeichnen seine Auswirkungen auf den demokratischen Neubeginn in Hessen 1945/1946 nach.

Abb.: Wahlkampf 1919 in Frankfurt am Main – Demonstrationszug der Sozialdemokraten (ISG Frankfurt, S7Z1919, 5)

In Hessen gab es verschiedene, oftmals verfeindete politischen Akteure, wobei die Parteien der Arbeiterbewegung SPD, USPD und die später sich aus dem Spartakusbund herausbildende KPD in den ersten Monaten bestimmend waren. So bestimmten Arbeiter- und Soldatenräte in weiten Bereichen des heutigen Hessen die ersten Monate nach dem Zusammenbruch des Kaiserreiches.

Die Novemberrevolution von 1918 markierte den revolutionären Wendepunkt von der mit der Niederlage des Ersten Weltkriegs scheiternden Monarchie zur ersten deutschen Demokratie. Dieser ereignisreichen, komplexen und so wirkungsmächtigen historischen Phase und ihren Konsequenzen widmet das Hessische Landesarchiv neben der Tafelausstellung auch eine Begleitpublikation.

Der Katalog führt in Orte des politisch revolutionären Geschehens, wie Kassel, Frankfurt, Hanau, Darmstadt, Wiesbaden oder Arolsen. Indem die Entwicklung in verschiedenen Städten vertieft wird, werden unterschiedliche Kräfte vor Augen geführt. Dazu gehört es das Wirken einzelner Personen zu wirken, wie zum Beispiel den späteren Kasseler Oberbürgermeister Philipp Scheidemann. Entsprechend der Tafelausstellung im Staatsarchiv Marburg bietet der Katalog „Zeitenwende“ nach einer Einleitung fünf Abschnitte: Das Ende des Ersten Weltkriegs, Novemberrevolution in Hessen, Weichenstellungen und Folgen und Wirkungen.

Info:
Andreas Hedwig (Hg.): Zeitenwende in Hessen. Revolutionärer Aufbruch 1918/1919 in die Demokratie.
136 Seiten, zahlr. s/w und farb. Abb. Marburg 2019 (Schriften des Hessischen Staatsarchivs Marburg 36).
ISBN 978-3-88964-221-9, geb., € 10,00

Öffnungszeiten der Ausstellung:
Mo/Fr 8.30–16.30 Uhr, Di–Do 8.30–19.00 Uhr
Der Eintritt ist frei.

Kontakt:
Hessisches Landesarchiv
Abteilung Hessisches Staatsarchiv Marburg
Friedrichsplatz 15
35037 Marburg
Tel.: 06421/9250-0
Fax: 06421/161125
marburg@hla.hessen.de
https://landesarchiv.hessen.de/

Quelle: Hessisches Landesarchiv, Veranstaltungskalender; das Marburger Online-Magazin, Ausstellungskatalog 1918: Zeitenwende in Hessen, 12.2.2019

 

Stasi-Unterlagen sollen unter die Obhut des Bundesarchivs

Übergabe des 14. Tätigkeitsberichts zur Arbeit der BStU an den Bundestag

Der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen (BStU), Roland Jahn, hat dem Präsidenten des Deutschen Bundestages, Dr. Wolfgang Schäuble, am 13.3.2019 den 14. Tätigkeitsbericht zur Arbeit des BStU sowie gemeinsam mit dem Präsidenten des Bundesarchivs, Dr. Michael Hollmann, das Konzept zur Zukunft der Stasi-Unterlagen übergeben.

Wie soll sie konkret aussehen, die Zukunft der Stasi-Akten? Diese Frage hat den Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen (BStU) im Berichtszeitraum 2017 und 2018 stark beschäftigt. Mehr als eine Generation ist in einem vereinten Deutschland aufgewachsen. In diesem Jahr wird an den 30. Jahrestag des Mauerfalls erinnert, auch ein wichtiges Datum für die Stasi-Akten. Dazu sagte Jahn:

„Es ist in diesem Jahr 30 Jahre her, dass mutige Bürgerinnen und Bürger in der Friedlichen Revolution die Stasi-Unterlagen gesichert und den Zugang erkämpft haben. Die Öffnung der Stasi-Unterlagen gehört zu den zentralen Errungenschaften der Friedlichen Revolution. 30 Jahre Arbeit mit den Stasi-Unterlagen sind ein guter Zeitpunkt, um die Weichen für die Zukunft zu stellen.“

Im Berichtszeitraum hat der BStU gemeinsam mit dem Bundesarchiv ein Konzept zur Zukunft der Stasi-Unterlagen im Auftrag des Bundestags erarbeitet. Es beschreibt die Leitlinien für den Zukunftsprozess. Mit dem Bundesarchiv hat das Stasi-Unterlagen-Archiv einen starken Partner, mit dem es sich den Herausforderungen einer digitalen Welt stellen kann. Jahn beschrieb den Kern des Konzepts wie folgt:

„Mit dem Konzept zur Zukunft der Stasi-Unterlagen unter dem Dach des Bundesarchivs werden unsere Kompetenzen, Technik und Ressourcen gebündelt, um das Stasi-Unterlagen-Archiv fit für die Zukunft zu machen. Durch die Bündelung wollen wir die langfristige Sicherung der Akten gewährleisten und die Nutzungsmöglichkeiten durch eine breit angelegte Digitalisierung erweitern.“

Abb.: Der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen (BStU), Roland Jahn, mit dem Präsidenten des Deutschen Bundestages, Dr. Wolfgang Schäuble, und dem Präsidenten des Bundesarchivs, Dr. Michael Hollmann (Foto: BStU).

Die notwendigen Investitionen in archivgerechte Lagerung, Bauten und Digitalisierung können in gemeinsamer Anstrengung angegangen werden. Dazu wird am Standort des Stasi-Unterlagen-Archivs am historischen Ort der Stasi-Zentrale in Berlin-Lichtenberg ein Kompetenzzentrum zum Erhalt der Unterlagen mit Werkstätten zur Restaurierung und Digitalisierung aufgebaut. Auch die Rekonstruktion von zerrissenen Stasi-Unterlagen wird dort einen Platz einnehmen.

Dieses Zentrum soll Teil eines Archivzentrums zur SED-Diktatur werden, in dem in Zukunft auch die Unterlagen der Bestände der zentralen DDR-Behörden und der Stiftung Parteien und Massenorganisationen in der DDR (SAPMO) des Bundesarchivs untergebracht werden.

Das Recht auf den Zugang zu den Akten bleibt unverändert. Die Nutzung wird weiterhin auf Basis des Stasi-Unterlagen-Gesetzes erfolgen.

Für die Zukunft wird auch die Forschung neu ausgerichtet. Um die Recherche-Möglichkeiten für Forschung, Bildung und Medien zu verbessern und den steigenden Ansprüchen einer sich verändernden Wissenschaftslandschaft gerecht zu werden, wird die Forschung beim Stasi-Unterlagen-Archiv in Richtung einer gezielten quellenkundlichen Forschung weiterentwickelt.

Vieles weitere aus der Tätigkeit des BStU drehte sich in den vergangenen beiden Jahren um die Zukunft. „Einblick ins Geheime“- die neue Ausstellung zum Stasi-Unterlagen-Archiv am historischen Ort der Stasi-Zentrale in Berlin steht exemplarisch für den Weg in die Zukunft. Es geht darum, das „Monument der Überwachung“, die 111 Kilometer Stasi-Akten, an historischen Orten sichtbar und es im digitalen Dialog mit der neuen Generation nutzbar zu machen.

Das Stichwort Digitalisierung ist mit der Zukunft untrennbar verbunden. Mit der Stasi-Mediathek ist bereits seit einigen Jahren ein stetig wachsendes digitales Schaufenster ins Archiv geschaffen worden. In den letzten zwei Jahren wurde zusätzlich die Homepage www.bstu.de neu aufgesetzt. Sie ist ein Einstieg ins Archiv, mit einer umfassenden Suche zu den Ressourcen des Archivs, auf der in den kommenden Jahren weiter aufgebaut wird. Jahn sagte, dass aber auch in Zukunft gelte:

„Den Opfern gerecht werden, und gleichzeitig eine Brücke zur nächsten Generation schlagen. Das ist und bleibt die Mission des Stasi-Unterlagen-Archivs.“

Von der Option auf persönliche Akteneinsicht haben 2017 über 48.000 Menschen Gebrauch gemacht und 2018 gingen dazu gut 45.000 Anträge ein. In 2017 und 2018 sind je ca. 1.300 Anträge aus Forschung und Medien gestellt worden. In 2017 und 2018 gab es jeweils ca. 1.100 Ersuchen auf Überprüfung im öffentlichen Dienst und bei politischen Funktionsträgern.

Die Anträge zu Forschung, Bildung und Medien bleiben seit Jahren konstant. Journalisten und Wissenschaftler, sowie Dokumentar- und Spielfilmproduktionen, Gedenkstätten und Bildungseinrichtungen, oder auch Privat- und Regionalforschungen begeben sich oft auf eine intensive Spurensuche im Stasi-Unterlagen-Archiv.

Wie geht es nun weiter?
Das Konzept zur Zukunft der Stasi-Unterlagen soll in den nächsten Monaten in den Facharbeitsgruppen der unterschiedlichen Bundestagsfraktionen und innerhalb der Regierungskoalition beraten werden. Zudem ist im Ausschuss für Kultur und Medien in den kommenden Monaten eine ausführliche Vorstellung und Beratung des Konzeptes geplant.

Links:

Quelle: BStU, Pressemitteilung, 13.3.2019

Wie umgehen mit Akten und Daten von Studierenden?

AG der Hochschularchive NRW diskutierte an der Universität Paderborn

Wie sollten Hochschularchive mit Akten und Daten von Studierenden umgehen? Das diskutierten Archivarinnen und Archivare der nordrhein-westfälischen Hochschulen am 6.3.2019 bei einem Treffen ihrer Arbeitsgemeinschaft an der Universität Paderborn. Das AG-Treffen findet jährlich an einer anderen Hochschule in NRW statt und wurde in diesem Jahr von Dr. Anikó Szabó, Leiterin des Universitätsarchivs Paderborn und Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft, organisiert.

Abb.: Diskutieren in Paderborn über die Archivierung von Akten und Daten von Studierenden: die Archivarinnen und Archivare der Hochschulen NRWs (Foto: Universität Paderborn, Simon Ratmann).

Die Arbeitsgemeinschaft der Hochschularchive des Landes Nordrhein-Westfalen wurde 1999 gegründet. Sie berät Fragen gemeinsamen Interesses und fördert den Aufbau von und die Zusammenarbeit zwischen den Archiven. Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft sind die von den Universitäten und Hochschulen des Landes Nordrhein-Westfalen entsandten Vertreter sowie ein Vertreter der IuK-Koordinierungsstelle.

Zu Beginn des AG-Treffens präsentierte Szabó die Ergebnisse einer landesweiten Umfrage zum Umgang mit Studierendenakten und -daten an den nordrhein-westfälischen Hochschulen. Im Anschluss stellte Martin Löning, Leiter des Archivs der Universität Bielefeld, vor, wie seine Einrichtung Studierendenakten künftig archivieren möchte. Dr. Ansgar Molzberger vom Institut für Sportgeschichte der Deutschen Sporthochschule Köln berichtete über die geplante Einrichtung eines Archivs an seiner Universität.

Dr. Thomas Becker, Leiter des Archivs der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, berichtete über das konstituierende Treffen des Arbeitskreises „archivische Rechtsfragen“ im Verband deutscher Archivarinnen und Archivare (VdA). Der neue Arbeitskreis hat das Ziel, einerseits Empfehlungen für ArchivarInnen und Archive zum Umgang mit rechtlichen Problemen in der Praxis zu erarbeiten und andererseits Stellungnahmen des VdA in Gesetzgebungsverfahren auf Bundes- und Länderebene für den Vorstand vorzubereiten. Im VdA mit seinen rund 2.400 Mitgliedern kommen zudem als Fachgruppe 8 die Archive der Hochschulen sowie wissenschaftlicher Institutionen zusammen.

Zum Abschluss der Veranstaltung in Paderborn führte Anikó Szabó ihre Kolleginnen und Kollegen durch die neuen, Ende 2018 vollständig eingerichteten Räumlichkeiten des Universitätsarchivs Paderborn. Das 1989 gegründete Archiv hat seinen Sitz am Campus-Haupteingang im Gebäude I. Hier lagern rund 300 Regalmeter Archivalien. Zum Bestand gehören unter anderem Akten, Fotos, Filme, Plakate, Flugblätter und Broschüren der Universität und ihrer Vorgängereinrichtungen.

Kontakt:
Universitätsarchiv Paderborn
Warburger Str. 100
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33098 Paderborn
Telefon:
+49 5251 60-2026 Archivleitung
+49 5251 60-2138 Hilfskräfte
uniarchiv@ub.uni-paderborn.de
www.ub.uni-paderborn.de/universitaetsarchiv

Quelle: Uni Paderborn, Pressemitteilung, 7.3.2019

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