Ein Freisinger Kochbuch aus dem 19. Jahrhundert

Das Archivstück des Monats Januar 2021.

Das Stadtarchiv Freising besitzt eine enorme Quantität und Vielfalt an Zeugnissen aus den vergangenen Jahrhunderten der Stadtgeschichte. Jeden Monat bietet es der Öffentlichkeit mit dem „Archivstück des Monats“ einen tieferen Einblick in seine Bestände, indem es ein besonderes Archivstück präsentiert und beschreibt.

 

Abb.: Karikatur zum Freisinger OB-Wahlkampf 1958 von Dieter Hanitzsch (Stadtarchiv Freising).

Im Sommer 2001 überließ der Münchner Architekt Georg Pezold dem Stadtarchiv Freising verschiedene historische Dokumente, die auf seine Vorfahren mütterlicherseits zurückgehen. Pezolds Mutter, Magdalena Pezold, geborene Sporrer, entstammte einer bedeutenden Freisinger Brauer- und Wirtsfamilie. Ihrem Vater Eduard Sporrer hatte eines der größten Anwesen der Stadt gehört: der Heigl- oder Sporrerbräu in der Unteren Hauptstraße, der nachmalige „Bayerische Hof“.

Abb.: Hotel „Bayerischer Hof“ in der Unteren Hauptstraße (Stadtarchiv Freising)

Die enormen Dimensionen des bis heute erhaltenen Hauses, das sich über drei historische Parzellen erstreckt, gehen auf die Zukäufe und Erweiterungen zurück, die Eduards Vater bzw. Magdalenas Großvater Franz Seraph Sporrer in den 1830er und 1840er Jahren getätigt hatte. An die Familie erinnern in Freising heute noch die „Sporrergasse“, die westlich an das Anwesen grenzt, sowie die historischen „Sporrerkeller“ unter dem Lindenkeller.

Zu den Dokumenten, die der Sporrer-Nachfahre Georg Pezold ans Stadtarchiv schickte, gehören unter anderem Menüzettel und Rechnungen des Sporrerbräus aus den 1850er und 1860er Jahren, die während verschiedener Aufenthalte von Mitgliedern der bayerischen Königsfamilie gefertigt wurden. Um besonders bedeutende Dokumente handelt es sich bei zwei handschriftlich verfassten Kochbüchern. Sie liefern konkrete Hinweise auf die regionale Esskultur in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Abb.: Textseite mit Rezept aus einem Kochbuch des Freisinger Sporrerbräus (Stadtarchiv Freising)

Das umfangreichere der beiden Kochbücher dürfte aus der zweiten Hälfte der 1860er Jahre stammen. Es findet sich zwar kein Entstehungsdatum, jedoch datieren einige Beispiele umgesetzter Menüfolgen, die sich am Ende des Kochbuchs befinden, vom Jahr 1867. Keine Kenntnis haben wir von der Autorin beziehungsweise vom Autor. Da es sich augenscheinlich immer um dieselbe Handschrift handelt, dürfte hier nur eine Person infrage kommen. Das Kochbuch setzt sich aus 133 dicht beschriebenen Seiten zusammen. Insgesamt enthält es 288 Rezepte, die sich oftmals nicht auf ein ganzes Gericht, sondern auf einzelne Bestandteile beziehen. Im Folgenden zwei transkribierte Beispiele aus dem Kochbuch:

Transkription zweier Rezepte

(Anmerkung: Abkürzungen wurden in eckigen Klammern aufgelöst; ebenfalls in eckigen Klammern sind inhaltliche Ergänzungen eingefügt; die meisten Kommata wurden aus Gründen eines besseren Leseverstehens ergänzt.)

[Rezept Nr.] 6 Bisquittsupp

Rühre ein Stück Butter in einer Schüßl schaumig ab, nim 6 Eiergelb u[nd] 6 – 8 Eßlöffl voll Mehl, jedesmal 1 Ei u[nd] 1 Löffl Mehl, rühre es gut ab, von den weißen [Eiweiß] schlage einen Schnee, rühre i[h]n darunter u[nd] salze den Teig gehörig, dan streiche mehrere Wandln [Backreine] mit Butter aus u[nd] fühle [fülle] sie ein, dan backe sie in [im] Rohr schön gelb, wenn sie ausgebacken sind, nim´s heraus, laße sie auskühlen, dan schneide sie in Blätter, thues in eine Suppschüßl, gieße die Fleischsupp darauf u[nd] giebs zur Tafl.

[Rezept Nr.] 253 Gefüllte Äpfel

Wenn selbe geschällt sind, schneide einen Deckel ab, höhle sie dan aus, stoße sie in ein weißes Mehl, backe sie dan in Schmalz. Zu der Fülle wiege [vermenge] geschällte Mandeln, große Weinbeeren [Rosinen], Zittronenschalle u[nd] gekochte Äpfel, wenn sie gefühlt [gefüllt] sind, kocht man sie in Wein oder Hollersaft auf, man kann sie zum Geflügel als kalten Salat geben.

Quellen: Stadtarchiv Freising, NLSp Georg Pezold (inkl. der Überlassungsunterlagen).
Weiterführende Literatur: Bienen, Hermann: Freisinger Brauereien im Überblick. Eine Datensammlung zur Familien-, Besitz- und Baugeschichte, in: Notter, Florian (Hg.): Freising als „Stadt des Bieres“. Kulturgeschichtliche Aspekte (Schriften des Stadtarchivs Freising 1), 2016, hier (zum Sporrerbräu) S. 194-202.

Kontakt:
Stadtarchiv Freising
Major-Braun-Weg 12
(Zimmer-Nr. 1.07 bis 1.10)
Telefon 08161/54-44710
Telefax 08161/54-54700
stadtarchiv@freising.de
https://www.freising.de/kultur-freizeit/stadtarchiv

Quelle: Florian Notter, Stadtarchiv Freising, Das Archivstück des Monats

Neuzugänge im Stadtarchiv Nürnberg 2018-2020

Das „Gedächtnis der Stadt“ steht nicht still – und so hatte das Stadtarchiv Nürnberg auch in den vergangenen zwei Jahren nicht nur durch die Abgaben von städtischen Behörden und Dienststellen, sondern auch durch Schenkungen, Dauerleihgaben und eigenen Erwerb stetig Zuwächse zu verzeichnen. Diese ergänzen und bereichern unsere Bestände. Manchmal sind sie sogar in der Lage, das Bild von der Vergangenheit entscheidend zu beeinflussen, es zu schärfen – oder es überhaupt erst entstehen zu lassen.

Unterlagen aus privater Überlieferung, z.B. Nachlässe, Familien- und Patrizierarchive, Vereins- und Unternehmensarchive sind überaus vielfältig: So sind es Fotos, Briefe, Postkarten, Karten und Pläne, Stiche, Skizzenbücher und vieles mehr, die uns Vergangenes vergegenwärtigen. Sie machen greifbar und drücken aus, wie die Menschen zu früheren Zeiten „tickten“ und verraten uns etwas über den Zeitgeist, dem sie entstammen.

Für die Online-Präsentation wurde eine Auswahl aus den rund 200 Neuzugängen der Jahre 2018 bis 2020 getroffen. Sie alle sind „Neu im Stadtarchiv„, wurden bereits verzeichnet, verpackt, teilweise digitalisiert und in die Bestände aufgenommen, wo sie die Zeiten überdauern können.

Die Stücke sind so vielfältig wie die Menschen, die sie über- oder hinterlassen haben, und zeugen vom ständigen Wandel aller Dinge ebenso wie von der Beständigkeit mancher Phänomene. Tiefe und ganze Generationen betreffende historische Zäsuren wie das Kriegsende vor 75 Jahren, gezeigt durch den Blick des Künstlers Paul Speiser, stehen neben einer individuellen Freundschaftserklärung aus dem 19. Jahrhundert.

Abb.: Die Sebalduskirche im zerstörten Nürnberg, Zeichnung von Paul Speiser (1905-1979), August 1945 (Stadtarchiv Nürnberg A 7/II Nr. 1244)

Abb.: Freundschaftsdedikation aus dem „Album Amicorum“ der Pauline Rösler (1838-1903), 1850er Jahre (Stadtarchiv Nürnberg E 10/207 Nr. 2/25)

Der Protokollband eines privaten Lesezirkels aus den Jahren 1919-1923 gibt Einblick in das damalige Verständnis von Geselligkeit. Nachlässe, beispielsweise der des ,Schauspielers Erich Ude (1931-2018) wiederum bereichern die Bestände und geben einen individuellen Einblick in die jeweiligen Lebensrealitäten der ursprünglichen Besitzer.

Abb.: Aufnahme des Schauspielers Erich Ude (1931-2018) während einer Aufführung des Theaterstücks „Die Ehe des Herrn Mississippi“ von Friedrich Dürrenmatt, 1974 (Stadtarchiv Nürnberg E 10/197 Nr. 159)

Die Ausstellung war ursprünglich für das Kleine Foyer des Stadtarchivs geplant, konnte dort jedoch aufgrund der Einschränkungen durch die Covid19-Pandemie nicht stattfinden. So ist sie nun in Kooperation mit der Deutschen Digitalen Bibliothek unabhängig von Zeit und Ort im Web zu besuchen.

Links:

Kontakt:
Stadtarchiv Nürnberg
Marientorgraben 8
90402 Nürnberg
Telefon: 09 11 / 2 31-2770

Quelle: Stadtarchiv Nürnberg, Virtuelle Ausstellungen

Antragsfrist für hessisches Landesprogramm Bestandserhaltung 2021 endet bald

Wie der Bund so stellte auch das Land Hessen im Jahr 2021 Fördermittel für den Originalerhalt von Archiv- und Bibliotheksgut zur Verfügung, die bis 19.2.2021 bei der Koordinierungsstelle beantragt werden können. Das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst fördert Projekte, die die Förderkriterien erfüllen, mit bis zu 80 Prozent der Gesamtkosten.

Das Land Hessen gewährt außerdem für Projekte, die von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) gefördert werden, eine Zuwendung von mindestens 40 Prozent der Gesamtprojektkosten. Damit werden bei positiven Förderbescheiden des Sonderprogramms des Bundes und des Landes insgesamt 90 Prozent der Gesamtkosten übernommen.

Weitere Informationen zum Landesprogramm und zur Möglichkeit der Kofinanzierung finden sich auf der Internetseite der Koordinierungsstelle Bestandserhalt Hessen. Die KBH hat auf ihrer Seite außerdem alle wichtigen Informationen zu den Antragsfristen 2021 zusammengefasst.

Quelle: Rebekka Friedrich, Archivalltag im Stadtarchiv Darmstadt, 10.1.2021

Tagung zu Hexenglauben und Hexenverfolgung

Die wissenschaftliche Tagung „Zauberei ist deß teufels selbs eigen Werk – Hexenglaube und Hexenverfolgung im regionalen und interdisziplinären Vergleich„, die ursprünglich im März 2020 im Hessischen Staatsarchiv Marburg stattfinden sollte, wird am 21./22.01.2021 als online-Tagung abgehalten.

Da der zur Verfügung stehende virtuelle Tagungsraum auf 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer begrenzt ist, ist eine Voranmeldung erforderlich. Die Plätze werden der Reihe nach eingehender Anmeldung vergeben. Nach erfolgreicher Anmeldung erhält man eine zusätzliche Information mit dem Link, über den man an der Veranstaltung teilnehmen kann.
Anmeldung: Eva.Bender@hla.hessen.de

Programm

Donnerstag, 21.01.2021
10.00 Uhr: Grußworte

10.30 Uhr: Hexenglaube und Hexenverfolgung – eine Einführung (Ronald Füssel)

11.15-12.45 Uhr: Sektion 1 – Regionales
– Der Hexenprozess in der Landgrafschaft Hessen(-Kassel) (Christian Roos)
– Hexenglauben, Kriminalität, Machtkalkül? Zu den Hexenverfolgungen im Stift Fulda 1600-1606 (Berthold Jäger)
– Hexenprozesse im Hochstift Würzburg. Neue Perspektiven durch neue Archivalien (Robert Meier)

12.45 Uhr: Diskussion

13.30-14.30 Uhr: Mittagspause

14.30-16.30 Uhr: Sektion 2 – Studierendenprojekt „Hexenprozesse interdisziplinär: Der Fall Heinrich Sanger aus Biedenkopf 1631“
– Erste Verhöre Heinrich Sangers (Nadine Jöckel, Tobias Reichert)
– Das Gutachten der theologischen Fakultät Marburg (Kerstin Bechtelsheimer, Maximilian Glöckler, Florian Grenner, Greta Robischon)
– Die erste Stellungnahme des Verteidigers von Heinrich Sanger (Sebastian Alm, David Iselborn)

17.00 Uhr: Vortrag zur „Blauen Stunde“
„Hexen haben rothe Augen, aber eine feine Witterung“. Hexenfiguren im Märchen (Heinz Rölleke)

Freitag, 22.01.2021
9.00-10.00 Uhr: Sektion 3 – Hexenverfolgung interdisziplinär (Teil 1)
– Die Marburger Hexenprozesse (1653-1655) im Lichte der cautio criminalis (1632) Friedrich Spees (Jan Zopfs)
– Im Bannkreis des Stigmas. Ein kriminalsoziologischer Blick auf das Hexen-Machen (Sarah Masiak)

10.00 Uhr: Diskussion

10.45-11.15 Uhr: Pause

11.15-12.45 Uhr: Sektion 3 – Hexenverfolgung interdisziplinär (Teil 2)
– Maleficos non patieris vivere (Ex 22,18) – Der Beitrag der Theologie zu Hexendiskurs und Hexenverfolgung in der Frühen Neuzeit und heute (David Olszynski)
– Zauberei, Magie, Hexerei – genderbezogene Aspekte der Hexenprozesse (Heide Wunder)
– Hexentränke und Hexensalben – ein Thema der Pharmaziegeschichte? (Christoph Friedrich)

12.45 Uhr: Abschlussdiskussion

Download:
Programm Hexentagung-Online

Kontakt:
Hessisches Staatsarchiv Marburg
Friedrichsplatz 15
35037 Marburg
Tel.: 06421/9250-0
Fax: 06421/161125
E-Mail: marburg@hla.hessen.de
E-Mail: Eva.Bender@hla.hessen.de

Quelle: Landesarchiv Hessen, Aktuelles / Veranstaltungskalender

Elektronisches Terminbuchungssystem für Lesesaalplätze im Bundesarchiv

Arbeitsplätze für die Nutzung von Archivgut des Bundes an den Dienstorten Berlin-Lichterfelde und Koblenz des Bundesarchivs können jetzt online gebucht und storniert werden.

Abb.: Bundesarchiv Koblenz.- Ein Mitarbeiter bei der Erläuterung und Aushändigung eines Benutzungsantrages an einen Benutzer (Quelle: BArch, B 198 Bild-2017-0220-032 / Nobel, Jürgen)

Ab Januar 2021 erfolgt die Reservierung und Stornierung von Terminen an den Bundesarchiv-Dienstorten Berlin-Lichterfelde und Koblenz standardmäßig über ein elektronisches Buchungssystem. Für Berlin-Lichterfelde wird die Buchung über die Mailadresse be1@bundesarchiv.de gleichzeitig eingestellt. Freiburg folgt in Kürze.

Freie Termine sind in der Kalenderansicht fett markiert. Sollte man keine fett markierten Tage in einem Monat finden, so handelt es sich nicht um einen technischen Fehler. Da infolge der gebotenen Abstandsregeln nur ein Teil der Arbeitsplätze zur Verfügung steht, sind insbesondere an den Standorten Berlin-Lichterfelde und Freiburg sehr viele Termine des Jahres 2021 bereits vergeben. Bei Stornierungen werden die entsprechenden Termine freigegeben und sind neu buchbar.

Im Online-Buchungsformular wird man gebeten, eine von drei Bedingungen als zutreffend auszuwählen. Sollte keine der Bedingungen zutreffen, so rät das Bundesarchiv von einer Terminbuchung dringend ab, da in diesem Fall keine Unterlagen vorgelegt werden können und die Anreise vergeblich wäre. Stattdessen sollte man sich zunächst mit einer Anfrage an eine der auf der Bundesarchiv-Seite unter „Kontakt“ angegebenen Maildressen wenden.

Folgende organisatorischen Voraussetzungen sind für die Buchung unbedingt zu beachten:

  1. Das elektronische Buchungssystem dient der reinen Terminvergabe. Die Reservierung eines Lesesaalplatzes steht somit am Ende einer inhaltlichen Vorbereitung Ihres Benutzungsvorhabens.
  2. Damit man an seinem Besuchstag Unterlagen nutzen kann, müssen die Vorbereitungen durch das für das gesuchte Thema zuständige Fachreferat abgeschlossen sein. Sollte das aktuelle Benutzungsthema noch nicht genehmigt worden sein, so ist vor der Terminreservierung eine Nachricht an die für den Nutzungsort einschlägige E-Mail-Adresse zu richten („Kontakt“). Das Thema sollte dabei möglichst konkret beschrieben werden; idealerweise sollte der vollständig ausgefüllte und unterschriebene Benutzungsantrag sowie die Kopie eines amtlichen Ausweisdokuments angefügt sein. Man erhält dann vom zuständigen Fachreferat Antwort, was allerdings einige Zeit in Anspruch nehmen kann. Ein ausreichender zeitlicher Vorlauf ist daher einzuplanen.
  3. Durch die Fachreferate werden nicht automatisch Aktenbestellungen für die Benutzer durchgeführt. Im Normalfall sollte die Bestellung von Unterlagen durch den Benutzer selbst über das Recherche- und Bestellsystem „invenio“ erfolgen, wobei wir eine Vormerkung der gewünschten Unterlagen 14 Tage vor dem Besuchstermin empfehlen. Sollte es bei der Bestellung über invenio zu Schwierigkeiten kommen, sollte man sich per E-Mail an den Kontakt am jeweiligen Dienstort wenden.
  4. Eine kurzfristige Terminbuchung ist nur dann sinnvoll, wenn man bereits über ein genehmigtes Benutzungsthema verfügt und ausreichend Zeit für die eigenständige Bestellung von Unterlagen bleibt.

Die Wartezeit auf einen freien Lesesaalplatz kann mehrere Monate betragen. Durch eine möglichst frühzeitige Stornierung nicht mehr benötigter Termine können in diesen problematischen Zeiten im Bundesarchiv Plätze für so viele Interessenten wie möglich zugänglich bleiben.

Zum elektronischen Buchungssystem gelangt man über die Seite Archivbesuch vor Ort.

Kontakt:
Bundesarchiv

Akten Berlin-Lichterfelde
Serviceteam Berlin-Lichterfelde
030 18 7770 420
berlin@bundesarchiv.de

Akten Freiburg
Serviceteam Abteilung Militärarchiv
0761 47817 864
militaerarchiv@bundesarchiv.de

Akten Koblenz
Serviceteam Abteilung Bundesrepublik Deutschland
0261 505 383
b-benutzung@bundesarchiv.de

Quelle: Bundesarchiv Koblenz, Aktuelle Meldungen, 13.1.2021

Diözesanarchiv Dresden-Meißen stellt historische Kirchenbücher online

Seit kurzem sind die historischen Kirchenbücher des Bistums Dresden-Meißen über die vom Diözesanarchiv St. Pölten (Österreich) bereitgestellte Plattform www.matricula-online.eu kostenfrei einzusehen. „Dies betrifft vor allem die Bücher zu Taufen, Trauungen und Toten bis 1875. Nach 1875 gibt es in Deutschland Standesämter und es können zuerst deren Unterlagen für Familien- und Personenforschung genutzt werden“, erklärt dazu Diözesanarchivarin Dr. Birgit Mitzscherlich.

Abb.: Auszug mit dem ältesten Taufbucheintrag (Ostritz). (Quelle: Diözesanarchiv Dresden-Meißen)

Zur Verfügung gestellt werden jetzt die Bücher von 26 Pfarreien und der Stiftskapelle Strahwalde. Insbesondere die Bücher der Dresdener Hofkirche haben immer wieder auch Interesse bei wissenschaftlichen Forschern zur Landes-, Stadt- und Kulturgeschichte geweckt. Aber auch von Kirchenbüchern der ehemals zum Bistum (Dresden-)Meißen gehörenden vier Pfarreien östlich der Neiße Grunau, Königshain, Reichenau und Seitendorf konnten die im Diözesanarchiv vorhandenen Duplikate digitalisiert und wenigstens für die Jahre 1839 bis (um) 1890/1900 gemäß Laufzeit und archivischer Sperrfrist bereitgestellt werden.

Eine Übersicht der vorhandenen und digitalisierten Kirchenbücher befindet sich auf der Webseite des Diözesanarchivs Dresden-Meißen.

Kontakt:
Diözesanarchiv des Bistums Dresden-Meißen
An der Petrikirche 6
02625 Bautzen
Tel.: 03591 351950
Fax: 03591 35195-22
archiv@ordinariat-bautzen.de

Postanschrift:
Bischöfliches Ordinariat
Diözesanarchiv
Käthe-Kollwitz-Ufer 84
01109 Dresden

QuelleBistum Dresden-Meißen, Presseinformation, 13.1.2021

Sanierung der Limburger Schlossscheune verheißt Gutes fürs Stadtarchiv

Die Sanierung des Limburger Schlosses geht im Jahr 2021 weiter. Im Fokus steht die Scheune. Sie soll ein neues Dach mit Naturschiefer bekommen. Der Magistrat von Limburg an der Lahn hat dazu einen Auftrag an eine Dachdeckerfirma in Höhe von rund 87.000 Euro vergeben. Die Arbeiten sollen Ende Februar 2021 beginnen und im April beendet sein. Künftig soll die Scheune dann dem wachsenden Limburger Stadtarchiv zusätzlichen Raum bieten.

Abb.: Die Scheune des Schlosses soll ein neues Dach erhalten (Foto: Stadt Limburg)

Zum letzten Mal erneuert wurde das Scheunendach in den Jahren nach dem Brand des Schlosses von 1929. „Die Dacheindeckung ist in die Jahre gekommen und marode. Die Holzkonstruktion ist jedoch intakt“, sagt Markus Saal, der in der Stadtverwaltung für den Denkmalschutz zuständig ist. Gedeckt wird das Dach wieder mit Naturschiefer und in altdeutscher Deckung. Dabei werden die Schiefer nach Größe sortiert und in ihrer Sichthöhe zum First hin immer kleiner. Das Dach hat eine Fläche von 250 Quadratmetern und besteht bis auf einem Kamin aus geraden Flächen. Neben dem Dach werden auch die Regenrinnen, Fallrohre und der Schneefang erneuert.

Planungen vertiefen
Im nächsten Schritt soll dann die Planung für die Scheune vertieft werden, denn dort soll künftig das Stadtarchiv Limburg erweitert werden. Im Erdgeschoss soll über die gesamte Gebäudebreite ein Lesesaal entstehen und künftig Besucherinnen und Besuchern Raum für ihre Recherche geben. Im ersten Stock sollen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Stadtarchivs ihre Büros bekommen und das Dachgeschoss soll als Zwischenlager für Archivalien dienen, die noch gesichtet werden müssen. Auch soll ein Übergang von der Scheune zum Saalbau des Schlosses errichtet werden, um direkt in die bisherigen Archivräume zu gelangen. Aufgrund der unterschiedlichen Gebäudehöhen birgt dies jedoch Herausforderungen, aber erste Überlegungen wurden bereits gemacht.

Das Stadtarchiv Limburg an der Lahn
1977 erfolgte der Einzug des Limburger Stadtarchivs ins Schloss, dem heutigen Standort. Aufgrund der gestiegenen Anforderungen, nicht zuletzt aus den gesetzlichen Vorgaben herrührend, entschloss sich die Stadt Limburg 2007, das Stadtarchiv nicht mehr ehrenamtlich betreuen zu lassen, sondern die Stelle eines hauptamtlichen Archivars zu schaffen. Dipl.-Archivar (FH) Dr. Christoph Waldecker stellte das Stadtarchiv seither fachlich auf eine neue Grundlage entsprechend den Anforderungen des modernen Archivwesens.

Kontakt:
Stadtarchiv Limburg a. d. Lahn
Mühlberg 3
65549 Limburg
Tel. 06431/203-368
christoph.waldecker@stadt.limburg.de

Quelle: Stadt Limburg a.d. Lahn, Pressemitteilung, 11.1.2021

Historische Pläne zum Lippeverlauf für Dorsten

Der Dorstener Georg Greiwe hat dem Stadtarchiv Dorsten zahlreiche Pläne vom Bau des Wesel-Datteln-Kanals überreicht. Darunter sind auch Pläne vom Lippeverlauf aus dem Jahr 1911, also aus der Zeit, bevor der Kanal gebaut worden ist. Insgesamt umfasst der Bestand 15 Pläne und bildet den Verlauf von Marl bis Krudenburg ab. Ratsmitglied Johannes Götte hat die Pläne vom Architekturbüro Thieken digitalisieren lassen. Die Digitalisate befinden sich ebenfalls im Stadtarchiv, das seinen Sitz im Gebäude der Volkshochschule Dorsten hat.

Abb.: Johannes Götte, Archivleiter Martin Köcher und Georg Greiwe im Archiv der Stadt Dorsten (Foto: Stadt Dorsten)

Johannes Götte hat dem Stadtarchiv zudem Pläne von den Bahnhöfen in Dorsten, Hervest-Dorsten, Deuten und Schermbeck und von den Gleisanlagen im Original und in digitaler Form zur Verfügung gestellt. Dabei handelt es sich um insgesamt neun Pläne, die ältesten Pläne sind aus dem Jahr 1965.

Derzeit ist das Stadtarchiv der Stadt Dorsten wegen der Corona-Pandemie geschlossen. Ansonsten können Bürgerinnen und Bürger hier nach vorheriger Anmeldung Einblick in etwa 150.000 Archiveinheiten aus 769 Jahren Dorstener Stadtgeschichte erhalten – angefangen von Akten über Karten, Pläne und Fotos bis hin zu Zeitungen und Urkunden (siehe: Beständeübersicht). Die älteste Urkunde ist die eines Grundstücksverkaufs aus dem Jahr 1330.

Weitere Informationen zum Stadtarchiv gibt es bei Archivleiter Martin Köcher telefonisch sowie per E-Mail.

Kontakt:
Stadtarchiv Dorsten
Im Werth 6
46282 Dorsten
Tel.: 02362/664072
stadtarchiv@dorsten.de

Quelle: Stadt Dorsten, Aktuell, 11.1.2021

Land Hessen fördert Kommunalen Archivverbund Hersfeld-Rotenburg

Wie der Landkreis Hersfeld-Rotenburg und seine Kommunen mit der Corona-Pandemie umgegangen sind, wird auch in 100 Jahren noch viele Menschen interessieren, schätzt Kreisarchivar Dr. Sebastian Kraffzig. Gemeinsam mit seinem Team hütet er das kulturelle, wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Erbe des Kreises. Um die eigene Historie zu wahren, hat sich der Landkreis Hersfeld-Rotenburg in einem hessenweit einmaligen Projekt mit 15 kreisangehörigen Kommunen zusammengeschlossen. Das Land Hessen fördert den neu gegründeten Kommunalen Archivverbund Hersfeld-Rotenburg (KAV) nun mit 100.000 Euro.

Der hessische Innenminister Peter Beuth hat den Bewilligungsbescheid Mitte Dezember 2020 per Videokonferenz symbolisch an Landrat Dr. Michael Koch übergeben. Beuth sagte: „Durch Kooperationen können Gemeinden und Kommunen ihre Verwaltungsarbeit bündeln und damit wesentlich effizienter gestalten. Das spart Kosten und erhöht den regionalen Zusammenhalt.“

Abb.: Bescheidübergabe in Corona-Zeiten: Hessens Innenminister Peter Beuth war am 16.12.2020 digital zugeschaltet, um die Landesförderung und herzliche Glückwünsche an Landrat Dr. Michael Koch (rechts), Kreisarchivar Dr. Sebastian Kraffzig (links) und Harald Preßmann, Sprecher der Bürgermeister im Kreis zu übergeben. (Foto: Landkreis Hersfeld-Rotenburg)

Der Sprecher der Bürgermeister im Landkreis, Harald Preßmann, sagte: „Die Zusammenarbeit zwischen den Kommunen und dem Landkreis klappt auf vielen Ebenen hervorragend. Indem auch hier eng zusammengearbeitet wird, geraten mitunter bedeutsame historische Dokumente nicht in Vergessenheit.“

In engem Austausch mit den Partnern aus Alheim, Bad Hersfeld, Breitenbach am Herzberg, Friedewald, Hauneck, Haunetal, Hohenroda, Ludwigsau, Heringen, Kirchheim, Nentershausen, Neuenstein, Philippsthal, Ronshausen und Schenklengsfeld sichten die Mitarbeitenden des Kreisarchivs sämtliche Altbestände geschlossener Akten und streben eine schnellstmögliche Archivierung dieser an. „Bevor Unterlagen vernichtet werden, müssen sie dem Kreisarchiv vorgelegt werden. Wir beurteilen dann, ob sie historisch relevant sind. In der Regel werden zwischen fünf und zehn Prozent der Unterlagen aufgehoben. Wir räumen in den Registraturen also ordentlich auf“, sagt Sebastian Kraffzig. Die Arbeit des Kommunalen Archivverbunds beschreibt er so: „Wir sind wie reisende Archivarinnen und Archivare. Wir rücken in die Gemeinden aus, arbeiten dort mit Städte- und Gemeindeverwaltungen zusammen und verbringen viel Zeit in Kellern und Räumen voll mit alten Akten.“ Einige Unterlagen blieben teils viele Jahre unberührt.

Während das Kreisarchiv Zeit für die Archivierung und Digitalisierung von Akten und Dokumenten aufbringt, verbleibt das Archivgut weiterhin in Besitz der Kommunen und wird dort dezentral gelagert. Landrat Dr. Michael Koch betonte die Vorteile des Archivverbunds: „Unsere Kreisverwaltung nimmt den Kommunen nun auch im Archivwesen einen Berg von Arbeit ab. Durch den Verbund können Kosten gespart werden und die Archivierung erfolgt unter Aufsicht ausgebildeter Fachkräfte. Wir zeigen einmal mehr, dass sich interkommunale Zusammenarbeit bezahlt macht.“ Das interkommunale Kreisarchiv Nordhessen zwischen den Landkreisen Hersfeld-Rotenburg, Schwalm-Eder und dem Vogelsbergkreis wurde schon Anfang 2019 vom Bund der Steuerzahler mit dem „Spar Euro“ ausgezeichnet. „Diesen Ansatz setzen wir jetzt durch die Zusammenarbeit mit den Gemeinden fort“, freute sich Landrat Koch.

Mit den Fördermitteln des Landes soll die Arbeit des Kreisarchivs ausgeweitet werden. Sebastian Kraffzig geht davon aus, dass die Sichtung aller Akten, Dokumente und Unterlagen in den beteiligten Kommunen sowie deren Aufarbeitung viel Zeit kosten wird. „Doch der Einsatz lohnt sich“, sagt er. „Es geht darum, etwas für die Nachwelt festzuhalten – am besten für immer.“

Kontakt:
Interkommunales Kreisarchiv
Landkreis Hersfeld-Rotenburg
Wilhelm-Wever-Straße 1
36251 Bad Hersfeld
Telefon: 06621/87-1700
Telefax: 06621/8757-1700
archiv@hef-rof.de

Quelle: Landkreis Hersfeld-Rotenburg, Newsletter, 17.12.2020

Historisches Archiv Köln weitgehend fertiggestellt

Gebäudetechnik geht nach und nach in Betrieb – Schlussabnahmen folgen.

Rund elf Jahre nach dem Einsturz des Historischen Archivs der Stadt Köln in der Kölner Südstadt ist der Neubau am Eifelwall für das Historische Archiv und das Rheinische Bildarchiv wie vorgesehen weitgehend fertiggestellt. Um die nächsten Schritte vorbereiten zu können hat in dieser Woche zwischen der städtischen Gebäudewirtschaft und den künftigen Nutzern eine Begehung der Räumlichkeiten stattgefunden. Anhang eines so genannten „Raumbuchs“, in dem die Flächen, Räume und technischen Sonderanforderungen für ein solch spezielles Gebäude beschrieben sind, erfolgten die Absprachen vor Ort.

Abb.: Neubauentwurf Architekten Waechter & Waechter (Stadt Köln)

Die Gebäudetechnik wird nun nach und nach in Betrieb genommen und einreguliert, so dass für einen technischen Nutzungsbeginn im Frühjahr 2021 insbesondere die verschiedenen Raumklimazonen hergestellt sind. Nach der baulichen Fertigstellung müssen dann noch die Übergabe des Gebäudes und die notwendigen Bauabnahmen erfolgen. Der genaue Bezugstermin für das neue Gebäude wird noch festgelegt.

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker:

Planerisch wie baulich wurde hier Großartiges realisiert. Entstanden ist Europas modernstes kommunales Archiv mit einer Gebäudetechnik, wie sie so noch nie entwickelt und verbaut wurde. Mit der gemeinsamen Nutzung dieses hochmodernen Gebäudes durch das Historische Archiv und das Rheinische Bildarchiv verfügen wir künftig über einen großartigen Archivkomplex mit europaweiter Ausstrahlung. Nun kann die städtische Archivwelt nach Jahren des Wartens und der Ungewissheit endlich einen mutigen Blick in die Zukunft werfen.
Bei dem Neubau für das Historische Archiv und das Rheinische Bildarchiv handelt sich um ein technisch äußerst anspruchsvolles Gebäude mit sehr hohen Anforderungen an die Klimastabilität, die die empfindlichen Archivalien benötigen. Das Gebäude verfügt mit einem Eisspeicher, einer so genannten „Hüllflächentemperierung“ für den Magazinbaukörper, sowie Geothermie und Photovoltaik über ein komplexes Energiekonzept, das auch von der Fachwelt interessiert verfolgt wird.

Planung und Bau
Der architektonische Entwurf stammt aus dem Büro „Waechter + Waechter Architekten Darmstadt“. Dieses konnte sich in einem Wettbewerb, für den nationale und internationale Architektenteams im Juni 2011 insgesamt 40 Entwürfe eingereicht hatten, durchsetzen. Entsprechend des Siegerentwurfs „umarmt“ eine dreigeschossige Mantelbebauung die Archivalien aus dem langgestreckten Schutzbau, auch „Schatzhaus“ genannt. In einer „ruhigen, zeitlos unaufgeregten Architektursprache“ erhebt sich der fensterlose „auratische Block der Magazine im Schatzhaus“.

Die Höhe der Mantelbebauung mit drei Geschossen bleibt unter den Traufhöhen der bestehenden Bebauung mit vier bis fünf Wohngeschossen am Eifelwall. Rundum zeigt sich das Stadtarchiv mit einer belebten Fassade aus in der Sonne schimmernder Baubronze. Das „Schatzhaus“ überragt seiner Bedeutung entsprechend die Mantelbebauung um drei Geschosse und soll damit auch in der Fernwirkung sichtbar sein. Die Höhe des eingestellten Baukörpers entspricht den Firsthöhen der Bestandsbauten an der Ecke Luxemburger Straße. Da der Baukörper von allen Seiten stark eingerückt ist, korrespondiert die Höhe städtebaulich mit den Zielen des Masterplans. Die Mantelbebauung öffnet sich nach Nordwesten mit der Stirnseite zur Luxemburger Straße. Die Gebäudekante folgt bewusst nicht der Straßenkante, um eine asymmetrische Aufweitung des Straßenraums zu erreichen.

Abb.: Lesesaal des neuen Historischen Archivs der Stadt Köln (Foto: Martina Goyert, Stadt Köln – Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit)

Zwischen dem Magazin/Schatzbau und dem umlaufenden „Schutzmantel“ sind ein quadratischer und ein längs gerichteter Innenhof eingeschnitten. Das Grün der angrenzenden Parklandschaft kann so im Innenbereich fortgeführt werden. Die Erschließungsflächen im Innern mit Blick auf das Grün werden natürlich belichtet. Unmittelbar an das Magazin grenzen längsseitig im Nordosten Labore und Werkstätten für das Historische Archiv und das Rheinische Bildarchiv an. Nach Südwesten liegen ebenfalls längsseitig, zum Park ausgerichtet, die Verwaltungsflächen.

Äußere Erschließung
Der Haupteingang liegt mit seinem angemessen großzügigen Vorbereich an der Luxemburger Straße. Von hier betritt der Besucher den Kopfbau und befindet sich in einem lichtdurchfluteten Foyer mit Blick in den Innenhof und vertikal in den Lesesaal. Die gesamte Struktur des Gebäudes ist von hier aus leicht zu erkennen. Für die Mitarbeitenden sind am Eifelwall Eingänge vorgesehen, die jeweils übersichtlich in das Ringsystem der inneren Erschließung münden. Nach Süden zum Park sind die erforderlichen Notausgänge angeordnet. Die Anlieferung erfolgt an der Südostecke vom hier gelegenen Parkplatz, die gemeinsame Zufahrt wird vom Eifelwall erschlossen.

Innere Erschließung
Der Bau gliedert sich in den externen, öffentlich zugänglichen Bereich des Kopfbaus und den internen Bereich für die Magazine sowie die Mantelbebauung mit Büros und Werkstätten. Die Orientierung im Inneren wird durch die Einblicke in die verschieden großen Innenhöfe gewährleistet, das horizontale Wegesystem ist so leicht erfassbar. An den Kreuzungspunkten ist die weitere Erschließung mit Treppen und Aufzügen übersichtlich angeordnet.

Öffentlicher Bereich: Foyer I/Veranstaltungen
Der Besuchereingang und der Ausstellungsraum öffnen sich großzügig und schwellenlos zum Vorplatz. Der Ausstellungsraum kann – je nach Ausstellungskonzept – schaufensterartig vom Vorplatz eingesehen werden und verleiht so der Bedeutung des Gebäudes als Bürgerarchiv Ausdruck. In Eingangsnähe ist die Nutzergarderobe in Verbindung mit der Funktion als Windfang angeordnet. Das hieran anschließende Foyer erstreckt sich entlang der Innenhoffassade, der Blick schweift von hier in den kontemplativen, begrünten Innenhof und auf das Gegenüber des Magazinbaus. Jenseits des Innenhofs öffnet sich der Ausstellungsraum auf ganzer Länge zum Foyer hin, Ausstellungen können so einladend inszeniert werden. Durch den dreigeschossigen Luftraum entlang der Innenhoffassade ist das Foyer räumlich mit dem Lesesaal im ersten Obergeschoss verknüpft, den der Besucher auf kürzestem Wege über eine einladende Freitreppe erreicht.

Abb.: Lesesaal des neuen Historischen Archivs der Stadt Köln (Foto: Martina Goyert, Stadt Köln – Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit)

Öffentlicher Bereich: Lesesaal
Im ersten Obergeschoss ist der gemeinsame Lesesaal beider Archive angeordnet. Direkt am Eingang wird der Besucher von der Aufsicht empfangen. Von dort ist auch der gesamte Lesesaal gut einsehbar. Die Arbeitstische und Lesetische sind für eine optimale Belichtung an der Nordfassade angesiedelt. Der Freihandbereich und Karteischränke des Rheinischen Bildarchivs sind in raumhohen Regalen in der Mittelzone vorgesehen. Die Regale bilden atmosphärisch und akustisch eine Filterzone zum Luftraum der Halle. Zum Park sind räumlich getrennt die Gruppenarbeitsräume angeordnet. Die Herausgabe von Archivalien aus den verschiedenen Magazinen des Archivbaus erfolgt auf sehr kurzen Wegen.

Teilöffentliche und nichtöffentliche Bereiche: Werkstätten/Verwaltung/Anlieferung
Sämtliche Archivflächen sind im Magazinbau (Schatzhaus) untergebracht. Die Magazinräume erstrecken sich über alle Geschosse vom Untergeschoss bis in das fünfte Obergeschoss und werden zweibündig über eine mittige Erschließungsachse mit Anbindung an den zentralen Lastenaufzug erschlossen. Diese Anordnung ermöglicht es, das natürliche Kältepotential des Erdreichs zur passiven Kühlung im Sommer optimal zu nutzen.

Die Werkstätten mit größerer Raumtiefe sind nach Nordosten zum Eifelwall und nach Südosten zum Parkplatz angeordnet. Nach Südwesten zum Grünbereich liegen die Verwaltungsräume. Alle Restaurierungswerkstätten des Historischen Archivs können im zweiten Obergeschoss auf einer Ebene mit den Büros der Restauratoren angesiedelt werden, während die Werkstätten und Fotolabore des Rheinischen Bildarchivs im ersten Obergeschoss nahe der eigenen Verwaltung und Magazine gelegen sind.

Der zweigeschossige Anlieferungsbereich grenzt direkt an den Werkstattbereich an, so dass Archivgut und Arbeitsmaterial nach eventueller Zwischenlagerung und entsprechender Bearbeitung in die Werkstätten und Magazinräume transportiert werden kann.

Architektonische Gestaltung: Fassade
Das städtebauliche Konzept mit einem mantelartigen Schutzbau um die zu schützenden Archivalien wird durch die allseits umlaufenden Fassaden unterstützt. Die transparenten Fassaden des Mantelbaus mit der davor angeordneten feingliedrigen Fassadenstruktur aus Baubronze nehmen die in der Umgebung vorhandenen Proportionen auf. Zugleich öffnet sich das Gebäude als Bürgerarchiv freundlich, schaufensterartig in die Straßenräume und Grünräume. Einblicke und Ausblicke tragen zur Belebung des öffentlichen Raums bei.

Tiefe, außenseitig vor die Fassaden gehängte Lamellen aus brünierter Baubronze bilden eine feingliedrige „brise Soleil“. Das etwa 80 Zentimeter tiefe starre Sonnenschutzsystem wirkt so als feststehender Sonnenschutz, der direkte Sonneneinstrahlung weitgehend verhindert und damit das direkte Sonnenlicht in den Werkstatträumen und Büroräumen erheblich reduziert. Zugleich werden durch die Transparenz der Fassade eine hohe Lichtqualität am Arbeitsplatz erzielt und so die Zeiten für Kunstlichtzuschaltung gering gehalten.

Die geplante Fassadenkonstruktion ermöglicht es somit, die hohen Anforderungen an das Raumklima einzuhalten und den haustechnischen Aufwand zu reduzieren. Sie ist damit im besten Sinn nachhaltig und wirtschaftlich. Durch ihre tiefen Laibungen wird ein schönes und ständig wechselndes Licht- und Schattenspiel erreicht. Die transparent gestaltete Fassade wirkt je nach Blickwinkel völlig unterschiedlich, offen und geschlossen zugleich. So wird auch den hohen energetischen aber auch den konservatorischen Anforderungen entsprochen. Durch die changierende Farbigkeit der Baubronze wird zudem eine lebendige und mit schöner Patina alternde Anmutung erzielt. Die Fassade verkörpert so nach außen den Anspruch und das Selbstverständnis des Stadtarchivs als Speicher und Schatzhaus der Geschichte und als einladender, anziehender Mittelpunkt der Geschichtsvermittlung und des Geschichtsaustauschs.

Architektonische Gestaltung: Innenbereich
Die öffentlichen Bereiche im Erdgeschoss sowie der Lesesaal im ersten Obergeschoss mit ihren Holzverkleidungen aus weiß geölter Douglasie sind freundlich und einladend, vermitteln jedoch auch die notwendige Ruhe. Die geplanten Oberflächen Holz und Sichtbeton sind bestens geeignet, die hohen Anforderungen an Raumakustik und Klima zu erfüllen. Der intime, galerieartig im ersten Obergeschoss gelegene Lesesaal mit den Leseplätzen und Arbeitsplätzen und die offenen Räume der Ausstellung und des Eingangsbereichs – hier stehen Dichte und Weite in einem spannungsvollen Verhältnis. Durch die differenzierten und wohl gestalteten Raumsequenzen entsteht eine offene und abwechslungsreiche Arbeitsumgebung mit „fließenden“ Räumen, die zugleich auch eine Abgrenzung der verschiedenen Funktionen ermöglicht. Die Sichtbeziehungen im Erdgeschoss tragen zu einer Atmosphäre von Offenheit und Kommunikation bei, die vielfältigen Ausblicke aus dem Lesesaal bilden den Rahmen für das konzentrierte Arbeiten an den Lesetischen.

Vergangenheit und Zukunft
Beim Einsturz des Historischen Archivs der Stadt Köln am 3. März 2009 befanden sich rund 27 laufende Kilometer Akten, etwa 62.000 Urkunden, etwa 329.000 Karten, Pläne und Plakate, etwa 500.000 Fotos sowie annähernd 2.500 Tonträger und Videos im Archiv. In der mit Unterbrechungen rund zweieinhalb Jahre dauernden Bergungsphase wurden 95 Prozent davon geborgen. Zu diesem Erfolg haben sowohl die Akuthilfe der Hilfsorganisationen, freiwillige Helfer, der Bau des Bergungsbauwerkes und insbesondere die Bereitschaft anderer Archive in der Bundesrepublik beigetragen, Bestände, die nicht in Köln untergebracht werden konnten, aufzunehmen.

Am Eifelwall werden auf einer Gesamtfläche von etwa 22.584 Quadratmetern rund 50 Regalkilometer und 460 Planschränke für das Archivgut zur Verfügung stehen. Das Rheinische Bildarchiv verfügt über weitere rund 2,2 Regalkilometer Lagerfläche. Der Neubau bietet gleichzeitig rund 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hochfunktionale Arbeitsplätze. Im Lesesaal stehen 45 Plätze für die Arbeit mit Archivgut zur Verfügung. Die Planungskosten und Baukosten betragen vorbehaltlich der noch ausstehenden Schlussrechnungen für die abschließende Kostenfeststellung aktuell rund 90 Millionen Euro.

Zahlen und Daten

Grundstücksfläche: rund 9.250 Quadratmeter
Bruttogrundfläche: rund 22.584 Quadratmeter, davon 10.600 Quadratmeter für Schatzhaus/Magazin
Nutzfläche insgesamt: rund 14.493 Quadratmeter, davon 8.800 Quadratmeter für Schatzhaus/Magazin
Bruttorauminhalt: rund 81.500 Kubikmeter
Raumprogramm: Foyer, Ausstellungsraum, Vortragsraum, Lesesaal (öffentlicher Bereich); Büros/Verwaltung (bedingt öffentlicher Bereich) und Magazine, Anlieferung, Werkstätten/Labore (nichtöffentlicher Bereich).

Kontakt:
Historisches Archiv der Stadt Köln
Brabanter Straße 2-4, 50674 Köln
Postfach 10 35 64, 50475 Köln
Voranmeldung Lesesaal: 0221 / 221-23669

Quelle: Stadt Köln, Pressemitteilung, 20.12.2020

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