Der Enzkreis Band 16 erschienen

Neue Publikation bietet gleichermaßen Historisches wie Aktuelles

Auch der neueste Band der Enzkreis-Jahrbuchreihe „Historisches und Aktuelles“ zieht nicht nur geschichtliche Linien, sondern beleuchtet auch ein sehr aktuelles Thema – durchaus ein Wagnis, denn zwischen Konzipierung und Drucklegung liegen fast zwei Jahre. Für Landrat Bastian Rosenau ist es daher beeindruckend, wie beinahe tagesaktuell der Schwerpunkt „Nachhaltigkeit“ ist: „Noch vor wenigen Jahren eher ein Nischen-Thema, ist inzwischen klar, dass die Zukunft nicht nur unseres Landes, sondern letztlich des gesamten Planeten davon geprägt sein wird, wie gut es gelingt, den Gedanken nachhaltigen Lebens umfassend umzusetzen.“

Der Enzkreis. Historisches und Aktuelles, Band 16

Innerhalb der aktuellen Rubrik werden folgende zehn Themen vorgestellt: Agenda 2030 – Nachhaltige Forstwirtschaft – Klimapartnerschaft mit Tansania – Bewältigung der „Flüchtlingskrise“ – LIFE rund ums Heckengäu – Bienenschutz – 100 Jahre Frauenwahlrecht – Beratungshaus Consilio – Maulbronn 2030 – Kinderfreundliche Kommune Remchingen.

Auch die zehn historischen Themen sind vielseitig gestaltet:
650 Jahre Dennach und Schwann – Wallfahrt und Marienverehrung in Lienzingen – Reformation in Neuenbürg, Lienzingen und Illingen – Physiokratische Wirtschaftsreform in Dietlingen – Eduard Mörike auf Schloss Obermönsheim – Historische Fotografien aus Kieselbronn – Erinnerungskultur nach dem Ersten Weltkrieg – Hebammentätigkeit in Birkenfeld und Dennach – Der Tornado von 1968 in den Medien.

Dabei ist Band 16 der bislang „globalste“ der Reihe: Denn mit Richard Bowler von der Salisbury University in Maryland steht wieder einmal ein US-Amerikaner im Autorenverzeichnis. Der Beitrag des schottischen Schriftstellers David Crane musste sogar zunächst übersetzt werden, und der Redakteur Jiří Hönes lebt in Moskau.

Wichtige Ereignisse aus den Jahren 2016 bis 2018 versammelt die Chronik am Schluss des Buches als 21. Beitrag. Der 16. Band der Enzkreis-Jahrbuchreihe „Historisches und Aktuelles“ kostet 18 Euro, ist im Buchhandel (ISBN 978-3-7995-1315-9), bei vielen Bürgermeisterämtern, im Landratsamt Enzkreis in Pforzheim sowie beim Verlag unter kundenservice@verlagsgrupppe-patmos.de erhältlich.

Kontakt:
Enzkreis – Kreisarchiv und Kultur
Zähringerallee 3
75177 Pforzheim
Tel. 07231 308-9423
kreisarchiv@enzkreis.de

Quelle: Enzkreis, Pressemitteilung, 6.12.2019

 

Moderner und nutzerfreundlicher Lesesaal im Stadtarchiv Troisdorf

Stadtgeschichte in freundlicher Atmosphäre entdecken

Noch sind nicht alle 111 Kisten mit Büchern wieder ausgepackt und in die neuen Regale gestellt. Aber der frisch renovierte und technisch optimierte Lesesaal des Stadtarchivs der Stadt Troisdorf lädt auch so schon zum Besuch ein. Das etwas in die Jahre gekommene Ambiente des bisher recht dunklen Saals ist einem hellen, freundlichen und großzügigen Raum gewichen. Und die technische Ausstattung samt schalldämmender Decke, LED-Deckenlicht, freiem W-LAN, PC-Arbeitsplatz und Klimaanlage macht das Forschen, Recherchieren oder einfach auch nur das Schmökern zu einer angenehmen Beschäftigung.

Bürgermeister Klaus-Werner Jablonski, Elmar Bregenhorn, der Leiter des städtischen Amtes Zentrale Steuerung, und Archiv-Leiterin Antje Winter hatten zum Pressetermin eingeladen, um den neu gestalteten Leseraum vorzustellen. Für den Publikumsverkehr war er allerdings immer offen. Auch während der Umbauphase gab es für Nutzer des Archivs Ausweichmöglichkeiten – und sei es im Büro der Archivleiterin.

Abb.: Bürgermeister Klaus-Werner Jablonski durchschneidet das symbolische Band am Eingang des frisch renovierten Lesesaals des Stadtarchivs. Zu seiner Rechten Archiv-Leiterin Antje Winter, zu seiner Linken (v. l.) Dr. Gregor Patt (LVR), Elmar Bregenhorn (Stadt Troisdorf) und Rainer Land (Kulturamt des Rhein-Sieg-Kreises).

Mit 25.000 Euro förderte der Landschaftsverband Rheinland (LVR) die Modernisierung des Archivsaals. Die Stadt steuerte fast denselben Betrag bei. Die Möblierung erfolgte durch den renommierten Bibliothekseinrichter Schulz Speyer.

Dr. Gregor Patt von der Archivberatungsstelle des LVR in Brauweiler lobte die professionelle Führung des Troisdorfer Archivs und betonte, ein „analoger Lesesaal“ sei auch im Zeitalter des Digitalen „weiter von zentraler Bedeutung“. Der Antrag an den LVR lief über das Kulturamt des Rhein-Sieg-Kreises – und das recht unbürokratisch, wie der Leiter des Kreis-Kulturamtes, Rainer Land, sagte.

Das Troisdorfer Stadtarchiv hat sich aber nicht nur an der Oberfläche sehr positiv verändert. Die Digitalisierung der Bestände schreitet fort, wird bei rund 10.000 Akten aber eine Mammutaufgabe. Und mit einer weiteren Neuerung wartet das Stadtarchiv auf: Im kommenden Jahr wird es möglich werden, den Bücherbestand auch online zu recherchieren und auszuleihen.

Wer sich über den vielseitigen Bestand des Stadtarchivs der Stadt Troisdorf informieren möchte, findet eine Übersicht im Internet.

Kontakt:
Stadtarchiv Troisdorf
Kölner Straße 176
53840 Troisdorf
Telefon 02241/900-135
Fax 02241/900-895
Stadtarchiv@troisdorf.de

Quelle: Stadt Troisdorf, Pressemitteilung, 19.11.2019

Bayernweite Wanderausstellung zu Mensch und Natur

Holz macht Sachen! Holz, Baum, Wald und Du?

Holz macht Sachen!“ ist ein interdisziplinäres Kooperationsprojekt von etwa 50 Partnern zum Thema Umwelt- und Nachhaltigkeitsbildung, das die Verbindung der Menschheit mit den Bäumen und dem Rohstoff Holz thematisiert. Ziel des von Kurator Adrian Siedentopf ins Leben gerufenen Projektes ist es, Nachhaltigkeitsthemen zu vermitteln und das Umweltbewusstsein zu stärken.

Die Wander­ausstellung startete im Juli 2019 im Oberpfälzer Freilandmuseum und kommt nun ins Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg. Auf der Reiseroute liegen weiter Kipfenberg, Bamberg und München. Holz macht Sachen! kann so viele Besucher vor Ort erreichen und ist zudem als offene Mitmachausstellung crossmedial angelegt. Sie bietet partizipative Angebote im Ausstellungsraum und bezieht die Möglichkeiten des Webs mit ein. So kann sich jeder in das Projekt mit einbringen. Beispielsweise werden alle mit dem Hashtag #holzmachtsachen versehenen Posts von Facebook & Co. auf einem Monitor im Ausstellungsraum abgespielt und auf den Social-Media-Kanälen selbst gibt es einen regen Austausch zum Thema (@holzmachtsachen). Analoge und digitalisierte Exponate aus unterschiedlichen Fachbereichen von Geschichte über Technik bis hin zu Kunst beleuchten das Thema aus jeweils neuen und spannenden Perspektiven. Das Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg stellt einen seltenen Holzbuchdeckel aus dem 14. Jahrhundert aus. Er zierte über Jahrhunderte ein Rechnungs­buch der Kammermeister des ehemaligen Kollegiatstifts St. Peter und Alexander.

Vortragsreihe
Im Begleitprogramm bieten Vorträge Einblicke und Diskussionsmöglichkeiten zu historischen und aktuellen Themen rund um Holz und Wald:

17. Dezember 2019, 18:00 Uhr (Storchennest beim Schönborner Hof)
Tulpenbaum & Co. – Der Strietwald als Lehrforst
Dr. Gerrit Himmelsbach (Aschaffenburg)

8. Januar 2020, 19:00 Uhr (Storchennest beim Schönborner Hof)
Bedeutung der Rotbuche im Spessart im Wandel der Zeit
Joachim Keßler (Bayerische Staatsforsten, Heigenbrücken)

25. Januar 2020, 16:00 Uhr (Im Alten Forstamt, Webergasse 3, 63739 Aschaffenburg)
Holz als Kalender für Mensch und Umwelt
Dr. Thorsten Westphal (Mannheim)

4. Februar 2020, 19:30 Uhr (Storchennest beim Schönborner Hof)
Klimakrise und Waldsterben 2.0
Dr. Ralf Straußberger (Wald- & Jagdreferent Bund Naturschutz)

12. Februar 2020, 19:00 Uhr (Storchennest beim Schönborner Hof)
Die forstliche Hochschule Aschaffenburg und ihre korporierte Studentenschaft
Dr. Florian Hoffmann (Institut für Hochschulkunde, Würzburg)

Führungen
Ausstellungsführungen mit dem Kurator Adrian Siedentopf M.A.:
Samstag, den 30.11.2019, 14:00 Uhr
Dienstag, den 17.12.2019, 16:00 Uhr
Mittwoch, den 12.2.2020, 17:00 Uhr
(Weitere Führungen auf Anfrage)

Ausstellungszeit und -ort
30.11.2019 bis 28.02.2020
Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg im Schönborner Hof

Öffnungszeiten
Montag bis Freitag von 11:00 bis 16:00 Uhr
und an den Wochenenden 30.11./1.12.2019, 4./5.1.2020 und 1./2.2.2020
An allen gesetzlichen Feiertagen sowie am 24.12. und 31.12.2019 geschlossen

Eintritt frei

Linkwww.holzmachtsachen.de

Kontakt:
Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg
Schönborner Hof – Wermbachstr. 15
63739 Aschaffenburg
Tel.: 06021/4561050
stadtarchiv@aschaffenburg.de
www.archiv-aschaffenburg.de

 

Seltene Bilder aus dem Herbst 1989 für das Magdeburger Stadtarchiv

Dieter Müller schenkt Heimatstadt seine umfangreiche Fotosammlung

Wenn in diesen Tagen in Magdeburg an die Friedliche Revolution von 1989/90 erinnert wird, sind oft die Fotos von Dieter Müller zu sehen. Nun hat sich der ehemalige Lehrer des Norbertinums Magdeburg entschlossen, seine einzigartige Sammlung dem Stadtarchiv Magdeburg anzuvertrauen. In einem speziellen Klimamagazin werden die fragilen Negativfilme für die kommenden Generationen bewahrt.

Abb.: Dompredigerin Waltraut Zachhuber während eines „Gebets für gesellschaftliche Erneuerung“ im Magdeburger Dom. 1989 (Stadtarchiv Magdeburg, Fotos Dieter Müller, Nr. 32)

Lange bevor die offizielle Presse über Friedensgebete und Demonstrationen berichtete, dokumentierte der kirchlich engagierte Lehrer Dieter Müller unter persönlichem Risiko die Vorgänge mit seiner privaten Kamera. Zur eigenen Sicherheit hat er seine Aufnahmen manchmal verdeckt aus der Hüfte geschossen und immer im eigenen Fotolabor entwickelt. Einige der Bilder sind technisch nicht perfekt, aber alle sind als erste Zeugnisse einer neuen Zeit besonders authentisch. Magdeburgs Archivleiter PD Dr. Christoph Volkmar ist sich sicher: „Ohne mutige Menschen wie Dieter Müller könnten wir uns heute von den Anfängen der Friedlichen Revolution in Magdeburg kein Bild mehr machen.“

Abb.: Demonstrationszug in Magdeburg beim Überqueren der Kreuzung Wilhelm-Pieck-Allee/ Karl-Marx-Straße. Im Vordergrund Streifenwagen der Volkspolizei. 1989 (Stadtarchiv Magdeburg, Fotos Dieter Müller, Nr. 56)

Dieter Müller hat dem Stadtarchiv Magdeburg 213 Kleinbild-Negative und 101 Digitalisate, zudem schriftliche Notizen über die Entstehung der Fotos zwischen Oktober und Dezember 1989 übergeben. Viele Aufnahmen entstanden im und vor dem Dom, wo die Friedliche Revolution in Magdeburg im „Gebet für gesellschaftliche Erneuerung“ ihren Anfang nahm.

Dank der großzügigen Schenkung kann das Stadtarchiv nun dafür sorgen, dass die Fotos aus dem Wendeherbst auf Dauer im Gedächtnis der Stadt präsent bleiben. Für Ausstellungszwecke stehen hochwertige Digitalisate zur Verfügung. „Als Stadtarchiv konzentrieren wir uns auf den Erhalt der Originale und stellen Sie gern in digitaler Form für die Öffentlichkeit bereit“, sagt Christoph Volkmar.

Kontakt:
Stadtarchiv Magdeburg
Mittagstraße 16
39124 Magdeburg
+49 391 540- 2912
archiv@magdeburg.de
www.magdeburg.de/stadtarchiv
www.magdeburger-moderne.de
www.stadtarchiv-magdeburg.findbuch.net

Quelle: Landeshauptstadt Magdeburg, Presseinformation, 25.10.2019

Circus Busch im Berlin-Brandenburgischen Wirtschaftsarchiv

Seit Anfang des 20. Jahrhunderts gibt es das Zirkuszelt in Europa. Vorher fanden die Darbietungen in Schaubuden, im Freien oder in eigens dafür errichteten Theatergebäuden statt. Der Circus Busch gründete sich bereits 1895 im Kuppelbau am Berliner Hackischen Markt und ist mit der Stadt Berlin verbunden wie kein anderer.

Abb.: Circus Busch (Abb. BBWA)

Sicher ist jetzt, dass auch sein Nachlass – zusammen mit einem 40 Laufmeter umfassenden Zirkusbestand aus der deutschen und internationalen Zirkus-Szene – in Berlin bleibt. Er wurde kürzlich dem Berlin-Brandenburgischen-Wirtschaftsarchiv übergeben. Auch ein Zirkus ist ein Wirtschaftsunternehmen und trifft seit einigen Jahren in Deutschland als hochkomplexes kulturelles Phänomen auf Forschungsinteresse. Der Bestand verspricht, einen seltenen Einblick in mehr als 100 Jahre zirzensischer Populärkultur zu geben und den Zirkus als Forschungsgebiet zu beleben.

Die Archivierung des Bestandes soll durch Sicherung der Langzeitverfügbarkeit auf Nachhaltigkeit angelegt werden und versteht sich als Beitrag zur Erhaltung des kulturellen Erbes Berlins und dessen Zugänglichkeit. Zirkusvergnügen ist schon seit jeher populär. Wer taucht nicht gerne ein in die Welt der Manegekünste? Auch heute in Zeiten mobiler Dauerbespaßung klingt der Zirkus immer noch nach Magie und Zauber. Der Bestand birgt einen Schatz aus dieser Welt, der nun darauf wartet, gehoben zu werden.

Das Themenspektrum ist groß und umfasst nicht nur die Sammlung Circus Busch Berlin und den Nachlass von Paula Busch, sondern auch andere Sammlungen und Bestände zur weiteren deutschen und internationalen Zirkus-Szene. Illustre Plakate, bunte Programmhefte, Flyer, Eintrittskarten, Einladungen, Anschlagzettel, Zirkus-Filme und -Fotos, Korrespondenzen und zirkuseigene Zeitschriften zählen zu den authentischen „Zeitzeugen“ aus der Zirkuswelt. Daneben finden sich Sammlungen zu Artisten, ihren Lebensläufen und dokumentierten Todesfällen. Gesammelt wurde auch, was Kunst und Literatur zum Thema Zirkus zu bieten haben. Informationen über Zirkusmuseen, Ausstellungen und zirkusähnliche Institutionen wie Varietés, Eisrevuen und Zirkusfestivals runden den Nachlass ab.

Kontakt:
Berlin-Brandenburgisches Wirtschaftsarchiv e.V. (BBWA)
Eichborndamm 167, Haus 42,
13403 Berlin
Telefon 030 41190698
Telefax 030 41190699
mail@bb-wa.de
www.bb-wa.de

Quelle: BBWA, Pressemitteilung, 25.10.2019

Kaiserswerth im Düsseldorfer Stadtarchiv

Das Stadtarchiv Düsseldorf hat am 9.10.2019 eine neue Sammlung zur Geschichte Kaiserswerths präsentiert. Bereits 2017 war die umfangreiche Sammlung des gebürtigen Kaiserswerthers Franz-Josef Vogel als Schenkung ans Stadtarchiv übergegangen. Mit dem Abschluss der Verzeichnung ist dieser Bestand nun ab sofort für die Öffentlichkeit zugänglich.

Abb.: Präsentierten die neue Sammlung zur Kaiserwerther Geschichte: Franz-Josef Vogel und Stadtarchiv-Leiter Dr. Benedikt Mauer (v.l.). (Foto: Wilfried Meyer)

„Diese großartige Schenkung ergänzt die bereits im Stadtarchiv befindliche Überlieferung auf das Beste. Franz-Josef Vogel ist ein ausgewiesener Kenner der Geschichte Kaiserswerths. Dank seiner in jahrzehntelanger Arbeit entstandenen Sammlung lässt sich die Geschichte Kaiserswerths nun noch besser erforschen“, sagte Stadtarchiv-Leiter Dr. Benedikt Mauer im Rahmen der Sammlungspräsentation.

Die Geschichte Kaiserswerths beginnt lange vor derjenigen Düsseldorfs, der heilige Suitbertus wird gemeinhin als Begründer der späteren Stadt bezeichnet. Zwar reicht die „Sammlung Franz-Josef Vogel“ nicht ganz so weit zurück, aber das älteste Stück der Schenkung datiert aus dem Jahr 1574. Sie umfasst Karten und Pläne ab dem 17. Jahrhundert – vor allem zur Belagerung Kaiserswerths im Jahr 1702 – Grafiken, Orts- und Gebäudeansichten, Urkunden, Postkarten, Briefe, Notgeld, Siegelabdrücke und vieles mehr bis in die Gegenwart.

Parallel zur Sammlung arbeitete Franz-Josef Vogel zudem an einem Buch, das er nun im Zuge der Sammlungspräsentation vorstellte. Die Zusammenstellung „Kaiserswerth – Aus Geschichten wird Geschichte“ enthält knapp 30 Artikel über seinen Heimatort Kaiserswerth, die er seit dem Jahr 2012 publiziert hatte. Es sind allesamt kurzweilige, nachdenkliche, humorige und in jedem Fall spannende Betrachtungen zu verschiedenen Ereignissen aus der Kaiserwerther Geschichte – sei es zur Eingemeindung Kaiserswerths, zur Baugeschichte prominenter Gebäude oder zur Geschichte der örtlichen Wirtschaft. Das Buch ist in allen Kaiserswerther Buchhandlungen erhältlich und kostet 9,90 Euro.

Kontakt:
Stadtarchiv Düsseldorf
Worringer Straße 140
40200 Düsseldorf
Tel. 0211- 8999230
Fax 0211- 8929155

Quelle: Landeshauptstadt Düsseldorf, Pressemitteilung, 9.10.2019

Bildungspartnerschaft zwischen Albert-Einstein-Gymnasium und Stadtarchiv Sankt Augustin

Das Albert-Einstein-Gymnasium und das Stadtarchiv Sankt Augustin haben eine Vereinbarung für eine langfristige Bildungspartnerschaft abgeschlossen. Damit wird die Grundlage für die dauerhafte gemeinsame Förderung der historischen, kulturellen und politischen Bildung der Schülerinnen und Schüler gelegt.

Abb.: Schulleiter Michael Arndt, Koordinationslehrer Jens Canzler, der Q1-Geschichts-Grundkurs, Stadtarchivar Michael Korn und Beigeordneter Ali Doğan (v.l.nr.) freuen sich über die geschlossene Bildungspartnerschaft (Foto: Stadt Sankt Augustin)

Seit dem Herbst 2018 unterhält das Stadtarchiv im Schulzentrum Niederpleis ein großes Außenmagazin und ist damit neuer Nachbar des Albert-Einstein-Gymnasiums. Beide Institutionen haben sich nun zusammengetan und eine Kooperationsvereinbarung geschlossen, bei der die Förderung der Schülerinnen und Schüler im Mittelpunkt steht.

Ziel ist die Aufnahme von regelmäßigen Archivbesuchen in die schulinternen Curricula von Unter-, Mittel- und Oberstufe sowie das Methodentraining im Recherchieren, Lesen und Auswerten historischer Quellen, die vielfältige Themen aus der regionalen Geschichte abbilden.

Im Stadtarchiv im Rathaus können die Schülerinnen und Schüler mit den unterschiedlichen Bild- und Textdokumenten arbeiten und die gut sortierte Archivbibliothek auch zur Ausleihe nutzen.

Wie Schulleiter Michael Arndt betonte, „finden die Schülerinnen und Schüler im Archiv einen direkten Zugang zur Vergangenheit Sankt Augustins und der Region sowie teils auch zu den eigenen Wurzeln.“ Jens Canzler, Geschichtslehrer und Koordinator der Bildungspartnerschaft, ergänzt: „Durch die Archivarbeit werden wichtige Kompetenzen unserer Schüler wie das zielgerichtete Recherchieren und der Umgang mit historischen Informationen gefördert.“

Das Stadtarchiv wird zudem die Schüler im Rahmen von Wettbewerben und Facharbeiten unterstützen; historische Stadtrundgänge und Praktika sind angedacht.

Ali Doğan, städtischer Beigeordneter sowohl für die Schule als auch das Stadtarchiv, freut sich über „die künftige enge Zusammenarbeit, die bei den Schülerinnen und Schülern ein lebendiges und anschauliches Bild der Vergangenheit entstehen lassen und historische Geschehnisse vermitteln kann.“

Die ersten Schüler waren bereits im Archiv, bald wird zudem die Fachkonferenz Geschichte erstmals im Stadtarchiv tagen.

Kontakt:
Stadtarchiv Sankt Augustin
Rathaus, Markt 1
53757 Sankt Augustin
Tel.: 02241/243-331
Fax: 02241/243-77508
stadtarchiv@sankt-augustin.de
www.sankt-augustin.de/stadtarchiv

Quelle: Stadt Sankt Augustin, Pressemitteilung, 7.10.2019

300 Jahre Stadtrechte in Ravensberg – Acht Städte und ihre Geschichte

Die Wanderausstellung „300 Jahre Stadtrechte in Ravensberg – Acht Städte und ihre Geschichte“ ist seit Anfang Oktober im Stadt- und Kreisarchiv Gütersloh zu sehen. Zehn XXL-Roll-Ups mit historischen und aktuellen Fotos, schriftlichen Quellen und Kurztexten führen die Besucher in die Zeit des 18. Jahrhunderts.

Abb.: Die Ausstellungsmacher inmitten von viel Preußischblau: (v.l.): Michael Meyer-Hermann (Bürgermeister der Stadt Versmold), Sebastian Schröder (Wissenschaftliche Beratung), Dr. Rolf Westheider (Konzept und Redaktion), Stephan Grimm (Stadtarchivar Gütersloh), Ralf Othengrafen (Kreisarchivar Gütersloh). (Foto: Kreis Gütersloh)

Am 17. April 1719 unterzeichnete der Preußenkönig Friedrich Wilhelm I. ein bedeutendes Edikt: Er erklärte sechs Orte seiner Grafschaft Ravensberg zu Städten: Borgholzhausen, Halle (i. Westf.), (Preußisch) Oldendorf, Versmold, Vlotho und Werther. Wenige Monate später sollten noch Bünde und Enger folgen. Somit wurden 1719 acht frühere Dörfer zu Städten. Mit der Stadtwerdung erhoffte sich der preußische Monarch steigende Einnahmen. Denn gleichzeitig ließ er in den neuen Städten die „Akzise“ erheben. Dabei handelte es sich um eine Art Umsatz- oder Verbrauchssteuer, die nur in Städten galt. Deshalb wurden diese Orte als „Akzisestädte“ bekannt.

Steuerflucht und Qualitätsmanagement
„Die Zeit des 18. Jahrhunderts ist hochgradig spannend, das Leben im Kleinen vor Ort kennt man nicht und Preußen war viel weniger absolutistisch als man so denkt“, weiß Sebastian Schröder vom Institut für vergleichende Städtegeschichte der Universität Münster. Er hat die wissenschaftliche Beratung übernommen. Für das Konzept und die Redaktion zeichnet Dr. Rolf Westheider (Archivar der Städte Versmold und Borgholzhausen) verantwortlich. Versmolds Bürgermeister Michael Meyer-Hermann hat „den Eindruck, dass die Ausstellung überall auf Interesse gestoßen ist.“ Gefördert wurde das Vorhaben vom Netzwerk Preußen in Westfalen und somit vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe und dem Land Nordrhein-Westfalen.

Dass Qualitätsmanagement schon im 18. Jahrhundert ein Thema war, veranschaulicht die so genannte „Legge“, eine Liege zur Zertifizierung, auf die das Leinen gelegt wurde und gegebenenfalls seinen Qualitätsstempel erhielt – thematisiert auf der Versmolder Tafel.


Abb.: Sebastian Schröder M.A. vom Institut für vergleichende Städtegeschichte Münster, präsentiert eine auch heute noch aktuelle Frage: Steuer einführen ja oder nein? (Foto: Kreis Gütersloh)

Schon damals musste das Verhältnis des preußischen Staates zu den neuen Städten immer wieder neu ausgehandelt werden. Das Reformwerk der Akzise rief Untertanen auf den Plan, eine Einmischung von unten, die Erfolg hatte. Man handelte die Ansprüche der Kommunen gegen die Obrigkeit und umgedreht aus. Das Prinzip der Konnexität, das in unserem Rechtssystem das Verhältnis von Aufgabenlast zu Ausgabenlast regelt, fand also schon damals Anwendung. Lange wurde zudem geglaubt, was der absolutistische König sagt, das wurde befolgt. Die Ausstellung zeigt das Gegenteil: Bürger mischten sich ein. Auch die Drohung eines Unternehmers, sein Geschäft in die Nachbarkommune zu verlagern, gibt es nicht erst seitdem Gewerbesteuerhebesätze die Steuerlast regeln. Nachzulesen auf den Roll-Ups.

Güterslohs Kreisarchivar Ralf Othengrafen freut sich über die Ausstellung in seinen Räumen: „Frische Optik, ungewöhnliches Format, ruck-zuck aufgebaut und ein Begleitheft zur Ausstellung, das von der Stadtsparkasse Versmold und der Kreissparkasse Halle finanziert wird, ist bereits im Druck.“ Die Ausstellung ist noch bis zum 14. November 2019 im Stadt- und Kreisarchiv Gütersloh (Moltkestraße 47) zu sehen.

Öffnungszeiten des Archivs: Di, Mi, Do: 10.00-12.30 Uhr; Di, Do: 14.00-17.00 Uhr

Info:
Die Wanderausstellung „Acht Städte und ihre Geschichte“, erstellt zum 300. Stadtjubiläum der Städte Borgholzhausen, Bünde, Enger, Halle, Oldendorf, Versmold, Vlotho und Werther, hatte ihren Auftakt im Mai 2019 in Versmold. Sie wandert seitdem (nicht nur) durch die Kommunen des Kreises.
Zehn Roll-ups im Format 200 x 245 Zentimeter.
Flächenbedarf: sehr variabel, ab ca. 40 Quadratmeter
Transport mit PKW (Kombi) möglich.
Ausleihbar über: Dr. Rolf Westheider, 05423-954111; rolf.westheider@versmold.de
Konzept und Redaktion: Dr. Rolf Westheider
Wissenschaftliche Beratung: Sebastian Schröder M.A.
Gefördert von: Netzwerk Preußen in Westfalen (LWL)
Finanziert durch: die beteiligten Kommunen und das Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes NRW

Literatur:

  • Rolf Westheider: Vom Dorf zur Stadt. Acht ravensbergische Städte erinnern 2019 an ihre Stadtrechtsverleihung vor 300 Jahren, in: Jahrbuch Westfalen 2019, NF 73, Münster 2018, S. 131-136.
  • Sebastian Schröder: Aus Dörfern werden Städte: Die preußischen Akzisereformen von 1719 und ihre Auswirkungen auf Borgholzhausen, Halle, Versmold und Werther, in: Heimatjahrbuch Kreis Gütersloh 2019, Jg. 36, Gütersloh 2018, S. 67-75.

Jüngst erschien der erweiterte Vortrag von Sebastian Schröder zur Eröffnung der Wanderausstellung in Borgholzhausen im Juli 2019 im Druck:

  • Sebastian Schröder:
    Des Königs neue Stadt. Borgholzhausen in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
    Eine Festschrift zum Jubiläum 300 Jahre Stadtrechte in Ravensberg 1719-2019
    (Kleine Reihe zur Geschichte der Stadt Borgholzhausen; 9), 87 S.,
    Hg: Heimatverein Borgholzhausen
    Borgholzhausen 2019
    ISBN: 978-3-9821218-0-2

Quelle: Kreis Gütersloh, Pressemitteilung, 1.10.2019; https://300-jahre-stadtrechte.de/

Ehemaliger Direktor des Stadtarchivs Dortmund verstorben

Thomas Schilp (Foto: privat)

Am 28. September 2019 verstarb Prof. Dr. Thomas Schilp, ehemaliger Direktor des Stadtarchivs Dortmund, im Alter von nur 65 Jahren. Die Stadt Dortmund würdigte ihn in einem Nachruf (2.10.2019): Thomas Schilp studierte Geschichte, Germanistik, Politikwissenschaften und Philosophie an der Universität Marburg. Im Anschluss an die Promotion 1981 absolvierte er das Archivreferendariat in Marburg. Es folgten berufliche Stationen am Max-Planck-Institut für Geschichte in Göttingen und am Hauptstaatsarchiv Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Seit 1987 war er am Stadtarchiv Dortmund tätig, zuletzt als dessen Direktor. Im Jahr 2014 trat er in den Ruhestand.

Während seiner langjährigen Tätigkeit erwarb sich Thomas Schilp als ausgewiesener Fachmann der Geschichte Dortmunds in der Vormoderne große Anerkennung. Ihm ist es maßgeblich zu verdanken, dass die Geschichte Dortmunds vor der Industrialisierung wieder stärker im historischen Gedächtnis der Stadt präsent ist.

Sein Interesse an der Erforschung und Vermittlung von Geschichte zieht sich wie ein roter Faden durch seine Berufsjahre und die Zeit des Ruhestands. In Publikationen, Vorträgen und Ausstellungen hat er den Menschen dieser Stadt, aber auch seinen Kolleginnen und Kollegen in der Fachwissenschaft sein umfassendes Wissen näher gebracht.

Zahlreiche Projekte und Publikationen
So gestaltete er 1989 anlässlich der Eröffnung des neuen Rathauses die Ausstellung „Zeiträume. Aus der Geschichte einer Stadt“. Es folgten zahlreiche Forschungsprojekte und Buchpublikationen zur mittelalterlichen Geschichte Dortmunds, wie „Himmel, Hölle, Fegefeuer“ (1996), „Reinoldus und die Dortmunder Bürgergemeinde“ (2000), „Der Berswordt-Meister und die Dortmunder Malerei um 1400“ (2002) oder die Reihe der „Dortmunder Mittelalter-Forschungen“ mit inzwischen 14 Bänden. Im Jahr 2006 zeigte das Museum für Kunst und Kulturgeschichte die vielbeachtete Ausstellung „Ferne Welten, freie Stadt. Dortmund im Mittelalter“, die Thomas Schilp maßgeblich mitverantwortet hatte. Auch der 2017 erschienene Band „Dortmund“ im „Deutschen Historischen Städteatlas“ entstand unter seiner Mitwirkung.

Daneben widmete er sich auch der jüngeren Stadtgeschichte, wie der Zeit des Wiederaufbaus und der Dortmunder Nachkriegsarchitektur. Dazu erschien 2014 das Buch „Das neue Dortmund – das Dortmunder Gesundheitshaus von Will Schwarz“. Schilp war auch Mitveranstalter der jährlich im Wintersemerster stattfindenden Vorlesungsreihe „Bild und Klang“ in der Stadtkirche St. Reinoldi.

Doch Thomas Schilps wissenschaftliche Interessen weisen über Dortmund weit hinaus. Neben der Landesgeschichte Westfalens widmete er sich besonders der mittelalterlichen Mentalitätsgeschichte, der Memoriaforschung und der Geschichte religiöser Gemeinschaften. 1994 wurde er an der Universität Duisburg habilitiert und lehrte seitdem als außerordentlicher Professor an den Universitäten in Duisburg, Essen und Bochum.

Thomas Schilp war unter anderem langjähriges Mitglied im Vorstand des Historischen Vereins für Dortmund und Grafschaft Mark e.V., der Conrad-von-Soest-Gesellschaft und der Dortmunder Reinoldi-Gilde. Seit 2001 war er ordentliches Mitglied der Historischen Kommission für Westfalen.

Wer Thomas Schilp persönlich kannte, schätzte ihn für seine profunden Fachkenntnisse, seine Begeisterungsfähigkeit und Leidenschaft, die Motor zahlreicher wissenschaftlicher Projekte waren. Nicht weniger zeichneten ihn sein freundliches, zugewandtes Wesen, sein Humor und seine stete Hilfsbereitschaft aus. Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung Dortmund haben mit ihm nicht nur einen geschätzten Kollegen, sondern einen lieben Freund verloren.

LEBENSLAUF (s. RUB Bochum)
seit 1999
apl. Prof. 2014 Umhabilitation an die Ruhr-Universität Bochum

1994
Habilitation an der Universität Duisburg mit einer Arbeit zur Aachener Institutio sanctimonialium des Jahres 816, Venia legendi im Fach Mittelalterliche Geschichte

1987-2014
Stadtarchiv Dortmund, zuletzt als Ltd. Stadtarchivdirektor

1985-1987
Archivrat am Hauptstaatsarchiv Düsseldorf

1983-1985
Wissenschaftlicher Angestellter, Max-Planck-Institut für Geschichte, Göttingen

1981-1983
Archivreferendariat, Archivschule Marburg

1981
Promotion mit einer Arbeit über die Reichsburg Friedberg im Mittelalter in Marburg

1972-1978
Studium der Geschichte, Politik und Germanistik in Marburg

Geboren 1953
in Friedberg in der Wetterau. 1972 Abitur in Michelstadt

Zukunft der Stasi-Unterlagen liegt im Bundesarchiv

Den Beschluss des Deutschen Bundestages vom 26.9.2019 zum „Konzept für die dauerhafte Sicherung der Stasi-Unterlagen durch Überführung des Stasi-Unterlagen-Archivs in das Bundesarchiv“ begrüßt der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, als einen nächsten Meilenstein zur Sicherung und Nutzung der Stasi-Unterlagen in der Zukunft: „Mit diesem Beschluss werden die Stasi-Unterlagen in absehbarer Zeit auch strukturell Teil des ‚Gedächtnisses der Nation‘, und es wird eine Grundlage für eine dauerhafte und zeitgemäße Nutzung dieser besonderen Dokumente geschaffen. Sie gelten den Opfern der Diktatur als Nachweis ihrer Verfolgung und sind für die Gesellschaft eine wichtige Quelle für die Erinnerung. Der Einblick in das Stasi-Unterlagen-Archiv kann über die Mechanismen der Diktatur aufklären und für die Herausforderungen der Demokratie sensibilisieren. Diese Wirkung hat das Archiv seit fast 30 Jahren ermöglicht. Es gilt nun diese Geschichte zu würdigen, die Nutzung der Stasi-Unterlagen zukunftssicher zu machen und sie für den Diskurs der nächsten Generationen zu ertüchtigen.“

Die Öffnung des Stasi-Unterlagen-Archivs war eine Errungenschaft der Friedlichen Revolution und weltweit erstmalig. Die Nutzung der Akten zur Aufklärung über die Mechanismen der SED-Diktatur und Auseinandersetzung mit der Vergangenheit fand und findet eine hohe internationale Beachtung. „Gerade im 30. Jahr der Friedlichen Revolution ist ein guter Zeitpunkt gekommen, für diese wichtige Errungenschaft der Friedlichen Revolution – der Zugang zu den Akten – eine zeitgemäße Form zu finden, um diese Akten für die nächsten Generationen zur Verfügung zu stellen“, ergänzte Jahn. „Dabei ist zentral, dass der Aktenzugang unverändert möglich ist und die Erhaltung und Digitalisierung der Akten finanziell abgesichert ist. So können endlich notwendige Investitionen getätigt werden. Wichtig ist aber auch, dass die Erfahrungen, die wir mit den Bundesbeauftragten als Anwälte der Opferinteressen gemacht haben, nicht außen vorgelassen werden.“

Das Konzept legt für die Überführung des Stasi-Unterlagen-Archivs in das Bundesarchiv folgende Rahmenbedingungen fest:

  • Die Sichtbarkeit der Eigenständigkeit des Stasi-Unterlagen-Archivs mit internationaler Vorbildwirkung bleibt auch nach der Integration erhalten.
  • Das Stasi-Unterlagen-Gesetz bleibt als eigenständiges Gesetz erhalten.
  • Arbeits- und Serviceleistungen sollen verbessert werden, insbesondere Digitalisierung und archivgerechte Lagerung.
  • Zugang und Nutzung der Stasi-Unterlagen für die Gesellschaft soll verbessert werden, und die Grundlagenforschung beim Stasi-Unterlagen-Archiv wird zu einer quellenkundlichen Forschung weiterentwickelt.
  • Das Projekt der Rekonstruktion zerrissener Stasi-Unterlagen wird fortgesetzt.
  • Der Standort der ehemaligen Stasi-Zentrale in Berlin-Lichtenberg soll als „Ort deutscher Diktatur- und Demokratiegeschichte“ mit Bildungs- und Informationsangeboten der Akteure vor Ort weiterentwickelt und als Archivzentrum zur SED-Diktatur ausgebaut werden.

Der Beschluss formuliert zudem insgesamt drei noch zu treffende Entscheidungen. Neben der Weiterentwicklung des Amtes des Bundesbeauftragten soll auch die zukünftige Struktur der Außenstellen unter Einbeziehung des Bundesratsbeschlusses von 2017 konkret entschieden werden. Eine dritte Entscheidung sei zu treffen darüber, dass die Forschung über die Diktaturen des 20. Jahrhunderts in Deutschland und Europa gestärkt wird und die Schaffung eines eigenen Forschungszentrums dafür geprüft wird.

In der Beratung wurde zusätzlich die neunte Novellierung des Stasi-Unterlagen-Gesetzes beschlossen, die eine Überprüfung der Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes und von Parlamenten auf jetziger Grundlage bis zu Jahr 2030 ermöglicht. Schließlich wurde auch der 13. Tätigkeitsbericht des BStU angenommen.

Weiterführende Links:

Zur Hinterlassenschaft der DDR-Geheimpolizei gehören 111 Kilometer Schriftgut. Ungefähr 50 Kilometer davon liegen am historischen Standort des ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit in Berlin-Lichtenberg. Dort werden sie bleiben. Die übrigen 61 Kilometer sind auf zwölf Archiv-Standorte in den östlichen Ländern verteilt. Keiner dieser Länder-Standorte erfüllt derzeit alle Kriterien für archivgerechte Lagerung. Zudem gibt es 15.000 Säcke mit den zerrissenen Papieren, die Stasimitarbeiter in den Wendetagen 1989 nicht mehr ganz vernichten konnten. Forscherinnen und Forscher arbeiten seit Jahren daran, diese Schnipsel zu digitalisieren und zusammenzusetzen. Auch 1,8 Millionen Fotodokumente blieben erhalten. Das Interesse an den Stasi-Unterlagen hält seit Jahrzehnten an. 45.000 Anträge auf persönliche Akteneinsicht wurden allein 2018 gestellt, seit dem Bestehen der Behörde waren es mehr als drei Millionen.

Im Bundestag haben alle Parteien (mit Ausnahme der AfD) die Überführung der Stasi-Akten ins Bundesarchiv bis Mitte 2021 befürwortet. Sowohl im Blick auf die politischen wie auf die archivfachlichen Implikationen der Stasi-Aktenüberführung bestanden in der Vergangenheit kontroverse Auffassungen. Frühere DDR-Oppositionelle befürchten u.a., dass nunmehr ein „Deckel auf die Geschichte gemacht“ werde (vgl. den Beitrag auf ZEIT online „Stasiunterlagen gehören künftig zum Bundesarchiv“).

Kontakt:
Der Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (BStU)
Karl-Liebknecht-Straße 31/33
10178 Berlin
Telefon: 030 2324-50
Fax: 030 2324-7799
post@bstu.bund.de

Bundesarchiv
Potsdamer Straße 1
56075 Koblenz
Telefon: 0261 505 0
Fax: 0261 505 226
koblenz@bundesarchiv.de

Quelle: BStU, Pressemitteilung, 26.9.2019; ZEIT online, 26.9.2019

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