Der Tod Hans Wiesners an der Westfront – Aschaffenburger Schlaglicht April 1918

Seit dem hundertsten Jahrestag des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs werden im Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg monatlich wechselnde „Schlaglichter“ in Form einer kleinen Präsentation gezeigt. Ausgewählte Dokumente, Fotografien und Objekte, zumeist aus den Beständen des Archivs (und ab und an auch in Kooperation mit regionalen Sammlern und Heimatforschern) werden über einen Zeitraum von jeweils vier Wochen gezeigt. Die jeweiligen Präsentationstexte sowie ausgewählte Bilder werden seit dem August 2014 über die Homepage des Archivs dokumentiert (Rückblick).

Das aktuelle Schlaglicht behandelt den Tod Hans Wiesners an der Westfront:

Hans Wiesner auf einem
vom Aschaffenburger Foto-
Atelier Samhaber
angefertigten Foto,
um 1914 (Privatbesitz)

Am Ostersonntag, den 1. April 1918 schrieb der Stabsarzt Bausewein an seinen Aschaffenburger Kollegen Bernhard Wiesner: „Im Auftrage Ihres Herrn Sohnes muss ich Ihnen leider heute die Nachricht von seiner Verwundung machen. Am 31. III. wurde er an seinem Unterstande von einem in etwa 50 m Entfernung einschlagenden Geschoss durch Splitter an der linken Brustseite, hintere Achsellinie etwa Höhe der 8.-10. Rippe verwundet.“

Diese Nachricht von der Westfront traf erst eine Woche später, am 8. April mit der letzten Post in Aschaffenburg ein. Bernhard Wiesner und seine Frau Elisabeth schrieben umgehend an ihre sechzehnjährige Tochter Marielies, die in Regensburg zur Schule ging: „Da bis jetzt noch keine Nachrichten aus dem Feldlazarett da sind, hoffen wir, daß Hans am Leben bleibt. Sobald wir wissen, wo er liegt, will Vater sehen, die Erlaubniß zur Hinreise zu erhalten.“

Zwei Tage später erfuhr Marielies durch einen weiteren Brief der Mutter vom Tod Ihres älteren Bruders. „Es ist ganz unfassbar und doch ist es ganz wahr: Unser lieber guter Hans ist tot“, schreibt Elisabeth Wiesner und vertraut ihrer Tochter an: „Erinnerst du Dich, daß wir am Ostermontag in der Agathakirche waren. Wir knieten seitlich nahe beim Predigtstuhl. Da mitten im Gottesdienst stand auf einmal Hans vor mir ganz blutüberlaufen. Ich bin entsetzlich erschrocken, habe dabei nur das Gefühl gehabt – o Gott, unserem Hans ist etwas passiert und habe hierauf nur mehr für ihn bitten und flehen können, der l[ie]b[e] Gott möge sich seiner erbarmen und ihn nicht ohne vorherige Aussöhnung mit Ihm aus dem Leben scheiden lassen.“

Kontakt:
Stadt- und Stiftsarchiv
Wermbachstraße 15
63739 Aschaffenburg
Telefon: 06021 45 61 05 0
Telefax: 06021 / 2 95 40
stadtarchiv@aschaffenburg.de
www.archiv-aschaffenburg.de

Hessische Kommunalarchivare wählten neuen Vorstand

Der Verband hessischer Kommunalarchivarinnen und Kommunalarchivare e.V. (VhK) wählte bei seiner Jahreshauptversammlung in Mörfelden-Walldorf den Limburger Stadtarchivar Dr. Christoph Waldecker zum neuen Vorsitzenden. Er löst Dr. Irene Jung (Stadtarchiv Wetzlar) ab, die nach 15 Jahren im Amt nicht erneut kandidierte. Waldecker steht damit künftig an der Spitze eines Verbandes mit mehr als 100 persönlichen und institutionellen Mitgliedern, zu dessen Aufgaben die Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen den Gemeinde-, Stadt- und Kreisarchiven gehört. Zweimal jährlich werden Fachtagungen durchgeführt.

Abb.: (v. l. n. r.) Die scheidende Vorsitzende Dr. Irene Jung (Stadtarchiv Wetzlar), Kassierer Lutz Schneider (Stadtarchiv Friedberg), der neue Vorsitzende Dr. Christoph Waldecker (Stadtarchiv Limburg) und Schriftführerin Sabine Raßner (Kreisarchiv Gießen).

Dem neuen Vorsitzenden zur Seite steht die Schriftführerin Sabine Raßner M.A. (Kreisarchiv Gießen) sowie der neu gewählte Kassierer Lutz Schneider M.A. (Stadtarchiv Friedberg/Hessen). Die bisherige Kassiererin Ilse Reinholz-Hein (Gemeindearchiv Buseck) hatte ebenfalls auf eine erneute Kandidatur verzichtet.

Dem Verband beitreten kann jede Person, die in einem hessischen Kommunalarchiv haupt-, neben- oder ehrenamtlich tätig ist sowie jedes hessische Kommunalarchiv.

Verbandsanschrift:
Magistrat der Kreisstadt Limburg a. d. Lahn
Stadtarchiv
Werner-Senger-Str. 10
65549 Limburg a. d. Lahn
Tel.: 06431/203368
Fax: 06431/5843947
info@vhka.de

Archiv und Wirtschaft 1/2018

Die neue Ausgabe (1/2018) von „Archiv und Wirtschaft„, der Zeitschrift der Vereinigung deutscher Wirtschaftsarchivare e.V., beinhaltet u.a. einen Bericht über die Entwicklung des Vereinsarchivs des FC Schalke 04 sowie einen kurzen Beitrag über die Bedeutung des neuen deutschen Kulturgutschutzgesetzes für die Wirtschaftsarchive.

Inhaltsverzeichnis „Archiv und Wirtschaft“ 1/2018

AUFSÄTZE

Christine Walther: Das Vereinsarchiv des FC Schalke 04. Geschichte und Entwicklung (6-13)

Sigrun Lehnert: Innerdeutscher Handel in Messeberichten der Kino-Wochenschau Ost–West (1950–1965) (14-29)

BERICHTE

Martin L. Müller: Das neue deutsche Kulturgutschutzgesetz und seine Bedeutung für die Wirtschaftsarchive (29-30)

Andrea Hohmeyer: Wie gelangt ein Unternehmensarchiv ins Verzeichnis national wertvollen Kulturgutes? (30-31)

Maria Hauff: „Mit offenen Augen. Max Näders Fotografien der Fünfziger Jahre“. Das Ottobock Firmen- und Familienarchiv zeigt den Unternehmer Max Näder von einer bislang unbekannten Seite (32-36)

Manfred Rasch: 40 Jahre Treffen der Ruhrgebietsarchivare (37-38)

Regina Reichardt und Katharina Seeber: 86. VdW-Lehrgang „Einführung in das Wirtschaftsarchivwesen (Einsteigen – Aufsteigen – Auffrischen)“ vom 1. bis 6. Oktober 2017 in Basel (39-42)

REZENSIONEN

Hartmut Berghoff and Adam Rome (Ed.): Green Capitalism? Business and the Environment in the Twentieth Century (Dirk Wiegand) (43-44)

Thomas Klingebiel: Curt Mast. Ein Unternehmer in der Politik (Martin Henkel) (44-47)

Marcus Stumpf und Katharina Tiemann (Hrsg.): Fotos und Filme im Archiv – von analog bis digital. Beiträge des 25. Fortbildungsseminars der Bundeskonferenz der Kommunalarchive (BKK) in Erfurt vom 23.–25. November 2016 (Britta Hafiz) (47-48)

Nachrichten (49)

Rezensionsliste (50-51)

Impressum (56)

Kontakt:
Dr. Martin Münzel
c/o F. Hoffmann-La Roche AG
„Archiv und Wirtschaft“
Bau 52/111
CH – 4070 Basel
Telefon: (0049) (0)30-2093-70571
Martin_Muenzel@Yahoo.com
http://www.wirtschaftsarchive.de/veroeffentlichungen/zeitschrift

100 Jahre Hans Gasparitsch

Widerstandskämpfer und ehemaliger Häftling der KZ Dachau und Buchenwald

Am 30. März 2018 wäre der Widerstandskämpfer und ehemalige Häftling der KZ Dachau und Buchenwald, Hans Gasparitsch, 100 Jahre alt geworden. Anlässlich dieses Jubiläums haben Christoph Leclaire und Ulrich Schneider im Auftrag der Lagergemeinschaft Buchenwald-Dora/Freundeskreis eine Dokumentation über ihn vorgelegt.

Im Vordergrund steht dabei Hans Gasparitschs Widerstand als Jugendlicher mit der „Gruppe G“ (= Gemeinsam) gegen den Nationalsozialismus sowie seine 10-jährige Haftzeit, berichtet wird aber auch über sein Leben in der Nachkriegszeit und sein vielfältiges antifaschistisches Engagement. Zeitlebens hatte er vor Nationalismus, Antisemitismus und der Feindlichkeit gegenüber anderen Völkern, Religionen und Kulturen gewarnt.

Die 76-seitige, farbig gedruckte Broschüre beinhaltet neben einem umfangreichen Interview verschiedene Beiträge von und zu Hans Gasparitsch sowie zahlreiche, teilweise wenig bekannte bzw. erstmalig veröffentlichte Dokumente und Fotos – insbesondere aus seinem Nachlass im Stadtarchiv Stuttgart und vom Internationalen Suchdienst (ITS) in Bad Arolsen.

Inhaltsverzeichnis

Zum Geleit
Sigrid Olmsted-Gasparitsch und Lilo Gasparitsch

100 Jahre Hans Gasparitsch:
Biographien von Antifaschisten – heute notwendiger denn je
Ulrich Schneider

Zeitzeugengespräch mit Hans Gasparitsch – Wider das Vergessen
Interview von Christoph Leclaire (1996)

Hans Gasparitsch – ein menschlicher Mensch
Ein persönliches Erinnern von Christoph Leclaire

Hans Gasparitsch – ein Stuttgarter Antifaschist
Janka Kluge

Texte von Hans Gasparitsch

  • Erinnerungen an Buchenwald aus „Die Schicksale der Gruppe G“ (1947)
  • Brief an den Stuttgarter Stadtpfarrer  (1948)
  • Student in der DDR (1952)
  • Professor Niethammers Wissenschaft: „Der gesäuberte Antifaschismus“ – von einem Buchenwalder durchgeackert (1995)
  • Gedenkstätten im Konflikt der Zeit (1997)

Hans Gasparitsch – Chronologie seines Lebens 1918-2002

Die Broschüre „Hans Gasparitsch – Widerstandskämpfer und ehemaliger Häftling der Konzentrationslager Dachau und Buchenwald“ ist für 5,00 Euro (zuzüglich Versandkosten) erhältlich:
bei der Lagergemeinschaft Buchenwald-Dora/Freundeskreis e.V. (lag-buch@muenster.org)
im Buchhandel (ISBN 978-3-931999-24-7; Ruhr Echo Verlag Bochum)

Quelle: Lagergemeinschaft Buchenwald-Dora/Freundeskreis e.V.; Stuttgarter Zeitung, 2.4.2018

Feldverwendungsfähig! – Aschaffenburger Schlaglicht März 1918

Seit dem hundertsten Jahrestag des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs werden im Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg monatlich wechselnde „Schlaglichter“ in Form einer kleinen Präsentation gezeigt. Ausgewählte Dokumente, Fotografien und Objekte, zumeist aus den Beständen des Archivs (und ab und an auch in Kooperation mit regionalen Sammlern und Heimatforschern) werden über einen Zeitraum von jeweils vier Wochen gezeigt. Die jeweiligen Präsentationstexte sowie ausgewählte Bilder werden seit dem August 2014 über die Homepage des Archivs dokumentiert (Rückblick).

Das aktuelle Schlaglicht behandelt die Reklamation des Kanzlisten Bartholomäus Buckreuß:

Buckreuß ist feldverwendungsfähig! oder „Die Reklamation des Kanzlisten Buckreuß, ‚damit wir nicht hinter der Front zusammenbrechen‘!“

Bartholomäus Buckreuß, seit 1909 bei der Stadt Aschaffenburg als Kanzlist beschäftigt, hatte ab August 1914 als Offizierstellvertreter des 8. Reserve-Infanterie-Regiments im Felde gestanden und im Sommer 1917 schwere Verwundungen in der Schlacht von Flandern davongetragen. Als „felddienstuntauglich“ setzte ihn die Militärverwaltung zunächst in der Schreibstube des Regiments in Pirmasens ein und beurlaubte ihn anschließend von Oktober 1917 bis Februar 1918 „zur Dienstleistung“ nach Aschaffenburg.

Während dieser Zeit setzte sich der Aschaffenburger Oberbürgermeister für ein Entlassungsverfahren ein, das im Februar 1918 durch das Reserve-Infanterie-Regiment abgewiesen wird. Im März 1918 wendet er sich nochmals an die vorgesetzte Behörde und schildert die desolate Lage der Stadtverwaltung Aschaffenburg: Die Kanzlei „führt (…) den gesamten Sitzungsdienst, besorgt den ganzen Einlauf und Auslauf und (…) ist also für das Amt also das, was der Feldwebel für die Kompanie oder der Adjudant für das Bataillon ist: Die rechte Hand für den Amtsvorstand.“ Außerdem obliege der Kanzlei die Bearbeitung von „Schulsachen, Bausachen, eine Menge polizeilicher Konzessionssachen, ferner wichtige finanzielle Geschäfte“, in die er Buckreus eingewiesen habe. „Die Registraturen und Referatszuständigkeiten muß jemand beherrschen. Da wurde Buckreus nun gerade im Moment des gänzlichen Ausscheidens des Kanzleirates einberufen und zurückbehalten. Zugleich erkrankte der (…) Expedient Stürmer und nunmehr arbeitet dieses wichtige Referat mit einem ganz jungen Kanzleigehilfen und einem Fräulein! Dies das wichtigste Referat einer Stadt von 30.000 Einwohner im Weltkriege!“

Abb.: Ansicht des Aschaffenburger Rathauses in der Dalbergstraße, undatiert, Stadt- und Stiftsarchiv, Fotosammlung

„Ich finde keine Möglichkeit der Schilderung des Ernstes und der Mißlichkeit einer solchen Lage! Mein ganzes Personal ist heruntergeschunden, auf die Hälfte zusammengeschrumpft, Ersatz für diese Stelle kann ich weder im Hause noch außerhalb desselben finden“, führt Oberbürgermeister Matt aus und bemerkt schließlich: „Ich verkenne nicht die (…) militärischen Forderungen, bitte aber doch dringendst solchen Verhältnissen, wie sie hieramts herrschen, zu steuern, damit wir nicht hinter der Front zusammenbrechen.“

Kontakt:
Stadt- und Stiftsarchiv
Wermbachstraße 15
63739 Aschaffenburg
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3. Tag der Pfarrarchive im Erzbistum Paderborn

Pfarrarchive – Quellen mit hohem Wert

Zum 3. Tag der Pfarrarchive hatte das Erzbistumsarchiv des Erzbistums Paderborn am 3.3.2018 nach Herford eingeladen. Neben einer spannenden Betrachtung zur Bedeutung der „Quellen aus Pfarrarchiven“ lud auch der Rundgang durch Herford mit einem Blick auf die spannende Kirchengeschichte der Stadt ein.

Schon seit einigen Jahren wird der bundesweite Tag der Archive vom Erzbistumsarchiv Paderborn als Gelegenheit benutzt, sich mit einer eigenen Veranstaltung an diejenigen zu wenden, die sich in den Kirchengemeinden des Erzbistums um die historischen Pfarrarchive kümmern. Rund 100 dieser ehrenamtlichen Archivpflegerinnen und Archivpfleger gibt es im Erzbistum. Sie kommen aus einem breiten beruflichen Spektrum. Neben Kaufleuten, Juristen, Verwaltungsfachleuten und Lehrern, die oft über ihre Arbeit im Kirchenvorstand zur Archivpflege gekommen sind, gibt es auch eine Reihe von Pfarrsekretärinnen, die sich für das Archiv ihrer Pfarrei stark machen. In einigen Pfarrarchiven sind mit Kommunalarchivaren und Historikern auch Profis am Werk.

Abb.: 35 von rund 100 Archivpflegern im Erzbistum Paderborn trafen sich am 3.3.2018 in Herford (Foto: Michael Streit)

Beim Treffen in Herford auf Einladung des Erzbistumsarchivs und die Katholische Kirchengemeinde St. Johannes Baptist nach Herford konnte Erzbistumsarchivar Dr. Arnold Otto 35 Archivpfleger begrüßen. Die Kirchengeschichte dieser Stadt hatte schon Bistumsarchivar Dr. Alfred Cohausz (1936-1981) in seinen Publikationen leuchten lassen. Er war in Herford aufgewachsen und hatte über dessen mittelalterliche Rechtsgeschichte promoviert. Heute sorgt Pfarrarchivpflegerin Dagmar Kaufhold-Brackhane für die Überlieferung der Gemeinde. Sie ist Diplom-Bibliothekarin und dies war auch ihr Zugang zum Archiv. Ihr Schwiegervater hatte sie Mitte der 1980er Jahre gebeten, sich einmal um die historische Pfarrbibliothek zu kümmern, die jahrzehntelang unbeachtet auf dem Dachboden des Pfarrhauses in der ehemaligen Malteserkomturei Herford gelegen hatte.

Abb.: Pfarrarchivpflegerin Dagmar Kaufhold-Brackhane führte durch das Pfarrarchiv der Kirchengemeinde St. Johannes Baptist in Herford (Foto: Michael Streit)

Bei der Sichtung stellte sie fest, dass es dort noch weit mehr Schätze zu heben gab. Seitdem sind mehr als 30 von liebevoller Detailarbeit erfüllte Jahre vergangen. Nun hatten die Archivpfleger aus dem gesamten Erzbistum die Gelegenheit, sich im Pfarrarchiv die Früchte dieser Arbeit anzusehen. Die Datenbank mit den Findmitteln des Herforder Pfarrarchivs wird vom dortigen Kommunalarchiv gespiegelt. Dort führte Stadtarchivar Christoph Laue vor, wie man mit seinen Rechercheanfragen im System fündig wird.

Mit einer Führung durch die historischen Kirchen von Herford machte Pfarrer. i.R. Udo Tielking die Herforder Kirchengeschichte greifbar: Ein historischer Kirchenraum nach dem anderen ließ von der Mission in Herford mit der Gründung des Damenstiftes, der Translation des Leibes der Heiligen Pusinna (860) und der nachfolgenden Gründung zahlreicher Orden und religiöser Gemeinschaften das kirchliche Leben in Herford bis in die Gegenwart lebendig werden. Die heutige Kirchengemeinde St. Johannes Baptist geht zurück auf einer Gründung des Malteserordens im Jahr 1220. Pfarrer Gerald Haringhaus, der die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu Beginn der Hl. Messe begrüßte, lebt noch heute im Gebäude der Malteserkomturei, dem ältesten Steinhaus das Herford aufweisen kann und in dem auch der historische Komtureisaal erhalten ist. Dort finden noch heute Sitzungen des Kirchenvorstandes statt.

Im modernen Pfarrsaal standen Erzbistumsarchivar Dr. Arnold Otto und Archivberater Michael Streit zur Aktuellen Stunde vielen Fragen offen, in der diesmal die Onlinestellung der Kirchenbücher und die Ergänzung des Rahmenaktenplans für pastorale Räume im Mittelpunkt standen.

Ein Höhepunkt des Tages war der Hauptvortrag von Prof. Dr. Werner Freitag vom Institut für Landesgeschichte und vergleichende Städtegeschichte der Westfälischen Wilhelms-Universität zu Münster. Freitag, der auch zweiter Vorstand der historischen Kommission für Westfalen ist, hatte in der Vergangenheit nicht nur selbst immer wieder mit kirchengemeindlichem Archivgut geforscht, sondern auch seine Schüler für zahlreiche landesgeschichtliche Projekte über des Erzbistumsarchiv an die Pfarrarchive verwiesen. Sein Vortrag zu Quellen aus Pfarrarchiven und ihrem Wert für Orts- Landes- und Kirchengeschichte bot für die Arbeit in den Pfarrarchiven daher sehr direkte Anknüpfungspunkte. In einer lebhaften Diskussion wurden nicht nur diese, sondern auch Vernetzungsmöglichkeiten der Pfarrarchivpflege mit der Fachwissenschaft engagiert und Gewinn bringend diskutiert.

Der nächste Tag der Pfarrarchive wird am 7. März 2020 in Belecke stattfinden. Wer Interesse an einer Arbeit am Archiv der eigenen Kirchengemeinde hat, sollte zuvor mit dem Erzbistumsarchiv Paderborn Kontakt aufnehmen.

Kontakt:
Erzbistumsarchiv des Erzbistums Paderborn
Domplatz 3
33098 Paderborn
Telefon: +49 5251 125-1666 (Herr Streit)
Telefax: +49 5251 125-1470
archiv@erzbistum-paderborn.de

Quelle: Erzbistum Paderborn, Nachrichten, 5.3.2018

9. TAG DER ARCHIVE

„Demokratie und Bürgerrechte“

Am 3. und 4. März 2018 findet bundesweit der 9. TAG DER ARCHIVE statt. Mehrere hundert Archiveinrichtungen öffnen am ersten März-Wochenende ihre Türen und Magazine für die Öffentlichkeit. Zum Motto „Demokratie und Bürgerrechte“ werden unter anderem Führungen, Vorträge und Ausstellungen angeboten.

„Demokratie und Bürgerrechte sind keine Selbstverständlichkeit. In unserer Gesellschaft müssen sie stets neu diskutiert, ausgehandelt und verteidigt werden. Die Archive sind dabei ein Fels in der Brandung. Sie bewahren das Geschehene für nachfolgende Generationen, sind eine verlässliche Informationsquelle und schützen somit aktiv unsere Demokratie“, so der Vorsitzende des VdA – Verband deutscher Archivarinnen und Archivare e.V., Ralf Jacob. „Am TAG DER ARCHIVE wollen wir das den Bürgerinnen und Bürgern in ganz Deutschland zeigen.“

Mit dem Veranstaltungstermin Anfang März möchte der VdA auch an den Einsturz des Historischen Archivs der Stadt Köln am 3. März 2009 erinnern, dessen Verarbeitung noch längst nicht abgeschlossen ist und erst jetzt vor Gericht verhandelt wird. Darüber hinaus soll der Öffentlichkeit die Vielfalt des Archivwesens verdeutlicht werden: Große Staatsarchive beteiligen sich ebenso wie die örtlichen Kommunalarchive, Kirchenarchive finden sich im Veranstaltungskalender neben Universitäts-, Parlaments- und Wirtschaftsarchiven. Dazu kommen Adels-, Medien- und Parteiarchive sowie Archive von Verbänden, Stiftungen und wissenschaftlicher Institutionen. In einigen Orten kooperieren auch verschiedene Einrichtungen und bieten gemeinsame Veranstaltungen zu einem bestimmten Schwerpunkt an.

Eine Übersicht über die teilnehmenden Archive findet sich auf der Homepage zur Veranstaltung unter www.tagderarchive.de.

Quelle: VdA, Pressemitteilung, 22.2.2018

Tag der Stadtgeschichte in Wedel

Zum bundesweiten „Tag der Archive“ am 3. März 2018

Der Tag der Archive ist 2018 in Wedel ein Tag der Stadtgeschichte! Zwischen 10 und 16 Uhr ist mehr als ein Blick hinter die Kulissen des Stadtarchivs Wedel möglich: Angeboten werden Ausstellungen, Vorträge, Workshops, Filme und Führungen.

Gezeigt wird eine Ausstellung von Künstlerinnen und Künstlern, die in Beziehung zu Wedel stehen. Schüler der Gebrüder-Humboldt-Schule und des Kunstprofils des Johann-Rist-Gymnasiums zeigen ihre Forschungsergebnisse. Ein besonderes Schulprojekt wird durch Schüler der Ganztagsschulbetreuung der Ernst-Barlach-Gemeinschaftsschule vorgestellt: „Wedeler Geschichtscache – von Kindern für Kinder“.

Mit von der Partie sind zudem die Gleichstellungsbeauftragte Magdalena Drexel mit ihrem Projekt „Frauen sichtbar machen – neue Straßen nach Frauen benennen“ und der Regionalpark Wedeler Au, der seine kulturgeschichtliche Entdeckertour vorstellen wird. Eine Einführung in die Deutsche Schrift möchte Dr. Gerhard Kuper vom TECHNICON Wedel bieten. Für Liebhaber des Malers Rudolf Höckner wird es einen besonderen Leckerbissen geben. Unter dem Motto „Vom Keller ans Licht“ zeigt der Fachdienst Bildung, Kultur und Sport im Untergeschoss eine Auswahl Gemälde aus der städtischen Sammlung.

Auch Cineasten werden zu ihrem Recht kommen. Zum einen präsentiert der Schüler und viel beachtete Dokumentations-Newcomer Mark Schellenberg unter anderem seinen prämierten Film zur Geschichte der Mennoniten in Wedel und zum Friedrich-Ebert-Gedenkstein, aber auch der Verein Kino in Wedel nimmt die Möglichkeit wahr, historische Filme von und über Wedel zu zeigen.

Abb.: Mit einer eigens geschaffenen Webseite bewirbt die Stadt Wedel ihren „Tag der Stadtgeschichte“

Und was macht das Stadtarchiv? Neben den beliebten Führungen durch die Magazinräume – hier gibt es erstmalig um 12 Uhr eine Sonderführung für Familienforscher -, werden in einer Ausstellung die Frauen und Männer der Stadtvertretung 1945 vorgestellt. Dazu flankierend wird Dr. Arno Schöppe um 15 Uhr den Vortrag „Schreckstarre – Warten auf die Befehle der Britischen Militärregierung – Wedel 1945“ halten. Zuvor aber, um 10.30 Uhr wird sich die Archivarin Anke Rannegger einer ganz anderen Epoche widmen. Johann Rists Wedel lautet der Vortrag für die Johann-Rist-Gesellschaft.

Link:
Veranstaltungsflyer

Kontakt:
Stadtarchiv Wedel
Anke Rannegger
Rathausplatz 3-5
22880 Wedel
Tel.: +49 4103 707-215
Fax: +49 4103 707-88215
a.rannegger@stadt.wedel.de

Nachrichten aus dem Stadtarchiv Gera 1/2018

Unter dem Titel „Nachrichten aus dem Stadtarchiv Gera“ informiert das Stadtarchiv Gera vierteljährlich über aktuelle Herausforderungen und historische Themen rund um eigene Arbeit.

Der erste Informationsbrief des Stadtarchivs Gera im Jahr 2018 befasst sich unter anderem mit der Unternehmerfamilie Todt und damit mit einem Stück Industriegeschichte Geras des 19. und 20. Jahrhunderts. Die Firma Robert Todt wurde 1892 gegründet und produzierte zunächst an einer selbstangefertigten und handbetriebenen Drehmaschine Dreh- und Bohrfutter her. Nach 1947 wurde die Firma in den Volkseigenen Betrieb (VEB) Record Spannzeuge umgewandelt und produzierte bis zur Werksschließung nach der deutschen Wiedervereinigung. An der Stelle der ehemaligen Werksgebäude befindet sich heute die BfA.

Abb.: Walter Todts Bugatti nach dem Unfall im Jahr 1927(Foto: Stadtarchiv Gera / Privatbesitz Michael Müller)

Darüber hinaus informiert der Beitrag eines Studierenden der Fernuniversität Hagen über eine wohl für die damalige Zeit gewöhnliche militärische Laufbahn eines jungen Soldaten im Zweiten Weltkrieg. Die Briefüberlieferung der Familie war im Januar 2017 an das Stadtarchiv Gera übergeben worden und wird derzeit erschlossen. Besonders interessant erweist sich an dieser Quellensammlung der Einblick in den Alltag dieser Familie mit allen Sorgen, Problemen und auch Freuden der damaligen Zeit.

In einem dritten Artikel wird an die Anfänge des vor 410 Jahren von Heinrich Posthumus gegründeten Gymnasium Rutheneum erinnert.

Beiträge der Ausgabe 1/2018 der „Nachrichten aus dem Stadtarchiv Gera“:

  • Die Unternehmerfamilie Christian Robert Todt in Gera
  • Feldwebel Alfred Sosat (27.10.1916-22.08.1943)
  • Die Anfänge des Gymnasium Rutheneum
  • Fundstücke aus dem Stadtarchiv – Teil 2: Todesanzeige eines Lebenden

Info:
Der Informationsbrief „Nachrichten aus dem Stadtarchiv Gera“ wird per E-Mail versandt und kann auf der Internetseite www.gera.de/stadtarchiv heruntergeladen werden. Durch eine formlose E-Mail mit dem Betreff „Informationsbrief“ an stadtarchiv@gera.de können die „Nachrichten aus dem Stadtarchiv Gera“ kostenlos abonniert werden.

Kontakt:
Stadtarchiv Gera
Gagarinstraße 99/101
07545 Gera
Tel. 0365/838-2140 bis 2143
stadtarchiv@gera.de

Badische Landeskirche erschließt Pfarrarchive

Rechnungen, Protokolle und Berichte über Unzucht

Seien es prügelnde Katholiken, SPD-feindliche Pfarrer oder unziemlicher Tanz im Wirtshaus – in badischen Gemeinden wurde in den vergangenen 500 Jahren viel gestritten. Jetzt werden bei einem „Archiv-Projekt“ zahlreiche Eskapaden wiederentdeckt.

Im 18. Jahrhundert ging es zwischen Katholiken und Protestanten rauer zu. So sollen vor der Kirche in Brehmen (Main-Tauber-Kreis) Katholiken auf das Ende des Gottesdienstes gewartet haben, um die Protestanten zu verprügeln, erzählt Mareike Ritter, als Archivarin bei der Evangelischen Landeskirche in Baden zuständig für die Archiv- und Registraturpflege in Pfarrämtern, Dekanaten, Verwaltungsämtern. So hat sie es zumindest in einem Archiv-Dokument gelesen.

Diese Geschichte ist eine von zahlreichen „geistigen Schätzen“, die die badische Kirche derzeit wiederentdeckt. Seit Beginn des Jahres 2018 läuft das mehr als 2,1 Millionen Euro teure Projekt „Sicherung und Bearbeitung der Pfarrarchive“. Anders formuliert: Fünf Archivpfleger sichten, sortieren und bewerten die Schriften in den rund 700 Pfarrarchiven zwischen Mannheim, Lörrach und Konstanz.

„Aus Platzmangel lagern viele Akten aus den vergangenen 500 Jahren auf Dachböden, in Kellern oder Abstellräumen“, erklärt Projektinitiatorin Ritter. Dort seien die Dokumente aber durch Temperaturschwankungen, Staub, Feuchtigkeit oder unqualifiziertes Aussortieren gefährdet.

Kirchenbücher sind allerdings nicht in den Archiven zu finden. Sie werden separat in den Pfarrämtern gelagert oder als Depositum im Landeskirchlichen Archiv Karlsruhe aufbewahrt. Dafür Protokolle von Ältestenkreis-Sitzungen, Gemeindebriefe, Berichte über die Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche und Freikirchen, Massen an Rechnungen, Abendmahl-Listen, Gottesdienst-Abläufe, Urkunden, Schenkungen, Kaufverträge, Schriften zum Schul- und Religionsunterricht sowie Berichte über Streitereien in den Gemeinden.
So wurde zum Beispiel einem Pfarrer in Gondelsheim (Karlsruhe) Anfang des 20. Jahrhunderts Voreingenommenheit vorgeworfen: Er soll SPD-Sympathisanten ausgeschlossen haben, berichtet Projektmitarbeiterin Johanna Wohlgemuth. In fast jedem älteren Archiv finden sich auch Streitereien über Unzucht. „Je nach Epoche beschweren sich die Pfarrer über den Tanz im Wirtshaus, Glücksspiel oder Mofa fahren“, erzählt Wohlgemuth. Ein großes Thema seien auch uneheliche Schwangerschaften.

Einige wenige der Archivakten stammen aus der Zeit nach der Reformation, erst ab 1650 wird die Quellenlage etwas reichhaltiger. „Viel ging im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) verloren“, sagt Ritter. Und es sei damals auch nicht üblich gewesen alles aufzuschreiben. Erst im 18. Jahrhundert fingen die Pfarrer an, Ausgaben und Einkünfte sorgfältig zu dokumentieren. Mit Einführung von Schreibmaschinen, Kopierern, Computern und Drucker sei im 20. Jahrhundert eine „wahre Papierwut“ ausgebrochen.

Ritter und Wohlgemuth können die Entstehungszeit eines Dokuments schon an der Schriftart und dem Papier erkennen. Zwischen dem 16. und 20. Jahrhundert wurden verschiedene Schriften wie „Fraktur“, „deutsche Kurrentschrift“ oder „Sütterlin“ benutzt. Und es gilt: „Je älter das Papier, desto besser“, erklärt Ritter. Ab dem 19. Jahrhundert sei mehr Holz eingearbeitet worden, das Papier wurde säurehaltiger. Daher sei es bröseliger und werde schneller braun.

Ziel des Projektes ist es, die Archive auf die archivwürdigen Unterlagen zu reduzieren und gemeinsam mit den Pfarrgemeinden sicher zu lagern. Die historisch besonders wertvollen Archive werden, wenn von den Pfarrgemeinden gewünscht, im Landeskirchlichen Archiv Karlsruhe aufbewahrt. So wie die Geschichte über die „prügelnden Katholiken“.

Kontakt:
Evangelischer Oberkirchenrat
– Landeskirchliches Archiv –
Blumenstraße 1-7
76133 Karlsruhe
Tel: 0721/9175-795
Fax: 0721/9175-550
archiv@ekiba.de

Quelle: Leonie Mielke, epd, Landesdienst Südwest, Nr.23, 1.2.2018

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