750 Jahre Stadtarchiv Soest

Tag der offenen Tür am 12.6.2022 von Kreisarchiv und Stadtarchiv Soest.

Soest besitzt das größte mittelalterliche Archiv einer Stadt in Westfalen. Das Stadtarchiv Soest gehört aufgrund seiner herausragenden historischen Bestände zur Spitzengruppe der deutschen Kommunalarchive. Im Mai 2022 wird es 750 Jahre alt. Damit ist es auch eines der ältesten Kommunalarchive in Nordrhein-Westfalen. Diesen Status verdankt es der beiläufigen Erwähnung in einer Schenkungsurkunde vom 20. Mai 1272 zugunsten des Dominikanerinnenklosters Paradiese, deren weiterer Weg vor den beiden Bürgermeistern, dem Rat und der Gemeinschaft der Soester Bürger im Text ausdrücklich benannt wurde: „Diese Urkunde wird in der Bürgerkiste (cista burgensium) in Soest verwahrt.“


Abb.: Das neue Stadtarchiv Soest (Foto: Stadt Soest)

Diese „Kiste“ als Urform des Soester Stadtarchivs ist sicher älter als das zufällige Datum der Ersterwähnung und steht im Zusammenhang mit der „Kommunebildung“: Im 12. und 13. Jahrhundert entwickelte sich die Stadt von Siedlungskernen hin zu einer politisch verfassten bürgerlichen Gemeinde, mit eigenem Siegel, mit Rat, Bürgermeister, Rathaus, Stadtrecht, und – als zwangsläufige Folge – mit zunehmender Schriftlichkeit. Und für dieses Schriftgut brauchten die Soesterinnen und Soester nun ein Archiv.

In dieser Kiste werden viele der heute berühmten Ikonen der Stadtgeschichtsforschung verwahrt worden sein, so etwa

  • Die älteste bis heute in Soest verwahrte Urkunde von 1166. Inhalt: Erzbischof Rainald von Dassel überlässt dem St.-Patrokli-Stift ein Waldstück
  • Privilegierungen des Soester Hospitals (Papst Innozenz 1216, Erzbischof Engelbert 1222)
  • Die Alte Kuhhaut (1225), die erste verschriftlichte Fassung des Soester Stadtrechts
  • Die Ratswahlordnung (1260)

…und wenige Jahre später

  • Kauf der Stadtvogtei vom Grafen von Arnsberg, Erwerb erster Hoheitsrechte im Umland (1279)
  • Das berühmte Nequambuch (um 1315 angelegt), das die Bestrafung Kleinkrimineller regelt und herausragende Buchmalereien beinhaltet.
  • Die Schrae, das Soester Stadtbuch (ab Mitte 1360-er Jahre)


Abb.: Die älteste im Stadtarchiv Soest aufbewahrte Urkunde aus dem Jahr 1166 (Foto: Stadtarchiv Soest).

Das Archiv verdankt seine Schätze natürlich der großen mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Bedeutung der Stadt Soest. Hinzu kam, dass weder Stadtbrände noch Kriege den historischen Beständen nennenswerte Schäden zufügten. Im Zweiten Weltkrieg beispielsweise wurden die wertvollen Unterlagen nach Neuhaus und Wamel, also Dörfer am Arnsberger Wald, ausgelagert.

Im Mittelalter und bis weit ins 18. Jahrhundert hinein diente das Archiv vornehmlich der Rechtssicherung. Erst dann wurde es zunehmend zu einer kulturellen Institution und mehr und mehr von Historikern genutzt. Nachdem bereits 1784 der Großrichter Reinhard Terlinden in Soest die „Gesellschaft Patriotischer Freunde und Liebhaber der vaterländischen Geschichte“ gegründet hatte, markieren die Entstehung des „Vereins für Geschichte“ (1881) und des „Vereins Heimatpflege“ (1904) Meilensteine auf dem Weg stadtgeschichtlichen Interesses. Heute fungiert das Stadtarchiv als Geschäftsstelle der inzwischen zum „Geschichtsverein“ fusionierten Institutionen. Bereits seit dem 19. Jahrhundert ist das Archiv mit der ebenfalls bemerkenswerten „Wissenschaftlichen Stadtbibliothek“ zusammengewachsen. Immerhin seit 1990 ergänzt die Stadtarchäologie unter demselben Dach das „Haus für Stadtgeschichte“.

Nachdem das Archiv Jahrhunderte lang im Rathaus untergebracht war, fand es von 1975 bis 2021 im „Haus zum Spiegel“ eine würdige Unterkunft. Seit 2021 ist das Stadtarchiv nun unter hervorragenden Bedingungen an der Niederbergheimer Straße in einem Gebäude des Kreises Soest untergebracht. Dort liegt es gemeinsam mit dem Kreisarchiv Soest unter einem Dach und ist daher für die Kundinnen und Kunden beider Einrichtungen komfortabel nutzbar. Der neue gemeinsame Lesesaal ist phantastisch. „Für die Besucherinnen und Besucher, für die Mitarbeitenden, aber nicht zuletzt für das außerordentliche schriftliche kulturelle Erbe der Stadt Soest ist das der Idealzustand“, sagt Peter Wapelhorst, Erster Beigeordneter und Kulturdezernent der Stadt Soest.

Das Stadtarchiv Soest ist eine Einrichtung, die vielfältigen Nutzungen offensteht. Sie ist für Forscher und Wissenschaftler da. Aber keineswegs exklusiv, wie Stadtarchivar und Kulturabteilungsleiter Dr. Norbert Wex betont: „Im Gegenteil: Jede Bürgerin, jeder Bürger kann kommen, suchen, fragen, sich beraten lassen oder Auskünfte einholen – Schülerinnen und Schüler, an Einzelheiten über Häuser oder Straßennamen Interessierte, Familienforscher, Hobby-Historiker, Vereinsmitglieder.“

Bestände:

Archivgut – Akten, Amtsbücher, Urkunden, Sammlungsgut ca. 1.600 lfm Pläne, Karten, Fotos, Glasplattennegative, Plakate, Karteikästen (ohne Zeitungen), 70.000 Fotos, Nachlässe, Vereins- und Firmenschriftgut

Bibliotheksgut – Bücher / Zeitschriften/Zeitungen 2.300 lfm, 70.000 Bücher davon 25.000 Bände vor 1800, 40 mittelalterliche Handschriftenbände, Inkunabeln – 120 Titel in 88 Bänden, alle lokalen Zeitungen von 1819 bis heute (Soester Anzeiger, Kreisblatt, „Der Tag des Herrn“, Westfalenpost…)

Service:

  • Qualifizierte Beratung im Haus – für jedermann und jedefrau!
  • Historische Auskünfte und Recherchen
  • Recherchemöglichkeiten im Lesesaal
  • Bibliothekarischer Freihandbestand
  • Fernleihe
  • Fotokopierer
  • Mikrofilm-, Mikrofiche-Lesegerät und Readerprinter
  • Digitalisierung auf Anforderung
  • Kataloge; Bibliotheksdatenbank
  • Archivdatenbank

Der historische Bestand der Stadtbibliothek ist über das Hochschulbibliothekszentrum des Landes Nordrhein-Westfalen (HBZ) online recherchierbar: http://www.hbz-nrw.de. Oder https://www.soest.de/bildung_kultur/stadtarchiv oder https://www.archive.nrw.de/stadtarchiv-soest

Tag der offenen Tür
Das Stadtarchiv Soest und das Kreisarchiv Soest öffnen am 12.6.2022 von 11-17 Uhr zum ersten Mal nach der offiziellen Eröffnung am neuen Standort in der Niederbergheimer Straße 24 ihre Türen für die breite Öffentlichkeit. Es wird eine Ausstellung geben und es werden Führungen durch die neuen Räumlichkeiten angeboten.

Kontakt:
Stadtarchiv und wissenschaftliche Stadtbibliothek Soest
Niederbergheimer Straße 24
59494 Soest
Tel. 02921/ 103 – 1240
Fax 02921/ 103 – 81241
stadtarchiv@soest.de

Quelle: Stadt Soest, News, 13.5.2022

Briefe von Carl Leverkus fürs Stadtarchiv Leverkusen

Das Stadtarchiv Leverkusen bekommt zwei bedeutsame Neuzugänge. Amtsapothekerin Dr. Annette Junker übergab am 25.5.2022 zwei Briefe aus der Feder von Carl Leverkus (1804-1889) an Stadtarchivar Dr. Julius Leonhard. Die beiden Briefe werden nun in die Bestände des Stadtarchivs zur Familie und Firma Leverkus eingegliedert.


Abb.: Dr. Julius Leonhard und Dr. Annette Junker mit den Briefen und dem Portrait von Carl Leverkus (Foto: Stadt Leverkusen).

Bei den beiden Briefen aus dem November 1847 und August 1848 handelt es sich um Anschreiben von Dr. Carl Leverkus an die Firma „Chr. Goebel & Söhne“ in Epterode (Hessen). Darin reklamiert der Apotheker gelieferte Rührstäbe und Tiegel, die beschädigt waren bzw. nicht seinen Anforderungen entsprachen. Carl Leverkus hatte 1834 in Wermelskirchen die erste Fabrik zur Herstellung künstlichen Ultramarinblaus gegründet. Die Artikel waren daher mit großer Wahrscheinlichkeit für diese Fabrikation bestimmt. 1860 erwarb er die Flächen auf dem Kahlberg in Wiesdorf, und konnte so die Produktion an die verkehrlich besser erschlossene Rheinschiene verlagern.

Die beiden Briefe stammen aus dem Privatbesitz von Annette Junker, die wie Carl Leverkus in Wermelskirchen geboren wurde und als Apothekerin auch den gleichen Beruf wie Carl Leverkus hat. „Und genauso wie er habe ich mich irgendwann im Leben dazu entschlossen, meinen beruflichen Mittelpunkt vom Bergischen Land nach Leverkusen zu verlegen, und arbeite sehr gerne hier“, sagt Annette Junker. Über einen gemeinsamen Urahn aus dem 17. Jahrhundert besteht sogar eine direkte verwandtschaftliche Beziehung.

Dr. Julius Leonhard freut sich sehr über die beiden Briefe und betont den Wert als historische Quellen: „Die nur scheinbar profane Nachricht vom Tagesgeschäft eines Apothekers aus dem 19. Jahrhundert ist sicherlich aus vielerlei Sicht interessant. Nicht nur die Original-Unterschrift von Carl Leverkus wird hier sichtbar, sondern die Briefe zeigen auch den Unternehmer Leverkus und sein Handeln, in diesem Fall den Umgang mit Reklamationen von fehlerhaftem Material. Seine Verbindungen in das immerhin über 200 Kilometer entfernte Epterode lassen auch spannende wirtschaftshistorische Fragen zu, z.B., warum er trotz der großen Entfernung ausgerechnet dort bestellt hat.“

Dr. Annette Junker erklärt ihre Beweggründe, die beiden Dokumente an das Stadtarchiv Leverkusen zu geben: „Die Briefe kamen auf Umwegen zu mir; sie stammten ursprünglich aus einem Nachlass, wurden dann vom ehemaligen Leiter des Wermelskirchener Geschichtsvereins an meine Schwester weitergegeben, die Apothekerin in Stolberg ist. Sie schenkte sie mir, da ich in Leverkusen als Amtsapothekerin tätig bin – und ich denke, im Stadtarchiv Leverkusen sind sie nun hervorragend aufgehoben und gehören auch hierhin.“

Sie möchte mit der Weitergabe auch auf die Bedeutung des Apotheker-Berufes hinweisen: „Aus dem Apotheker Carl Leverkus wurde der erfolgreiche Chemieunternehmer und der Namensgeber der Stadt Leverkusen, einem der bedeutendsten Chemiestandorte weltweit. Die Pharmazie hat der modernen Chemie den Weg bereitet. Sie stand von Beginn an im Dienst der Gesundheit der Menschen – wie es auch die heutigen Apotheker nicht nur in Leverkusen tun. Den Apothekerinnen und Apothekern möchte ich auch an dieser Stelle noch einmal herzlich für ihren unermüdlichen Einsatz gerade in den letzten zwei Corona-Jahren danken“, schließt Junker.

Kontakt:
Stadtarchiv Leverkusen
Landrat-Trimborn-Platz 1
51379 Leverkusen
Telefon (0214) 406-4251
Telefax (0214) 406-4252
stadtarchiv@kulturstadtlev.de

Quelle: Stadt Leverkusen, Pressemeldung, 25.5.2022

Stadtarchiv Meerbusch umgezogen

Das Stadtarchiv Meerbusch hat seinen aufwendigen Umzug von der Karl-Borromäus-Straße in Büderich ins neue Gebäude am Neusser Feldweg in Osterath-Bovert bewältigt. Große Teile des Archivgutes waren bereits im Herbst 2021 verpackt worden und nicht mehr zugänglich. Wenngleich das Stadtarchiv seither für den Publikumsverkehr geschlossen war, ist es in dringenden Fällen immer erreichbar gewesen.

Mehrere Monate hat es gedauert, das Meerbuscher Stadtarchiv umzugsfertig zu machen. Nun muss das Archivteam seine umfangreichen Bestände am neuen Standort wieder einräumen und entsprechend sortieren, bevor der Archivbetrieb für die Bürger wieder vollumfänglich beginnen kann.


Abb.: Meerbuschs Stadtarchivar Michael Regenbrecht und sein Team sind inzwischen an den Neusser Feldweg in den neuen Archivbau am Erwin-Heerich-Haus umgezogen (Foto: Stadt Meerbusch).

Da im Neubau (siehe Beitrag vom 1.10.2021) auch noch wichtige technische und handwerkliche Arbeiten erledigt werden müssen, kann das Team um Stadtarchivar Michael Regenbrecht seinen Servicebetrieb derzeit noch nicht in vollem Umfang wieder aufnehmen.

Interessenten, die Wünsche oder Anfragen ans Stadtarchiv Meerbusch richten möchten, werden gebeten, eine E-Mail zu senden. Von dort gibt es dann im Rahmen der Möglichkeiten schnellstmöglich Antwort.

Kontakt:
Stadtarchiv Meerbusch
archiv@meerbusch.de

Quelle: Stadt Meerbusch, Nachrichten, 23.5.2022; Stadt Meerbusch, Nachrichten, 4.11.2021; RP Online, 24.5.2022.

Urkunden des Stadtarchivs Mengen ausgestellt

Als begleitendes Rahmenprogramm zu den Heimattagen Mengen wurde am 22.5.2022 im Stadtmuseum „Alte Posthalterei“ die Ausstellung „Urkunden des Stadtarchivs Mengen“ gezeigt. Die unten abgebildete Urkunde aus dem Jahre 1632 dokumentiert das so genannte „Mengener Maiwunder“. Ein Zeitzeuge beschreibt dort die Bewahrung der Stadt vor der Brandschatzung und Plünderung der Schwedischen Truppen vor Mengen. Das Maiwunder ist die Grundlage, dass in Mengen seit 1632 ohne Unterbrechung das Maifest gefeiert wird.

Eine der größten Gruppen bei den historischen Festumzügen während der Heimattage Mengen und auch beim Schülerumzug am Montag darauf war die „Schwedengruppe“: Die Acht- und Neuntklässler der Sonnenlugerschule waren Teil einer der größten Gruppen (mit über 100 Teilnehmern) des historischen Umzuges, der die Belagerung durch die Schweden am 18. Mai 1632 während des Dreißigjährigen Krieges zum Thema hatte. Diese Geschichte ist auch Teil des Unterrichts an der Sonnenlugerschule.

Die Ausstellung mit dieser Urkunde und vielen anderen geschichtlichen Dokumenten ist noch am 29.5.2022 von 14-17 Uhr im Stadtmuseum „Alte Posthalterei“ zu sehen. Die vom Kreisarchiv Sigmaringen zusammengestellte Ausstellung „Die Urkunden des Stadtarchivs Mengen“ ist bereits am 8.5.2022 als Beitrag zum kreisweiten Kulturschwerpunkt „Archive und Bibliotheken“ eröffnet worden.

Die ausgestellten Urkunden geben einen Einblick in die Herrschafts-, Gesellschafts- und Lebensverhältnisse in Mengen im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit: Die frommen Stiftungen des Heilig-Geist-Spitals in der Stadt und der Sondersiechen auf dem Felde treten in den Urkunden ebenso in Erscheinung wie das örtliche Wilhelmitenkloster oder auch die Zisterzienserabtei Salem als auf Mengener Gemarkung begüterte Grundherrschaft. Vielfach widerspiegeln sich in den Urkunden auch die vom 15. bis ins ausgehende 17. Jahrhundert strittigen Herrschafts- und Rechtsverhältnisse zwischen den Erzherzögen von Österreich als Landesherren, den Truchsessen von Waldburg in Scheer als Pfand- bzw. Lehenherren und der nach weitgehender kommunaler Autonomie strebenden Stadtgemeinde Mengen im Verbund mit den vier anderen sog. österreichischen Donaustädten Saulgau, Munderkingen, Riedlingen und Waldsee. Von 1487 datiert eine Einigung zwischen der Stadt Mengen und Dörfern der Göge („Diengau“) um strittige landwirtschaftliche Trieb- und Trattrechte. Nicht zuletzt dokumentieren die Urkunden aber auch vielfach Rechtsgeschäfte der Mengener Bürger im Zusammenhang mit Besitzverkäufen, Testamenten, Eheabreden und Stiftungen.

Es ist eine Frau und Bürgerin namens Hätz Ötlin, die in der ältesten, ortsbezogenen Urkunde des Stadtarchivs Mengen aus dem Jahr 1371 in Erscheinung tritt und dem Mengener Spital einen ewigen jährlichen Zins von 7 Schilling Heller von ihrer Wiese auf der „Hoch“ für das Seelenheil ihres verstorbenen Mannes Heinrich verschreibt:


Abb.: Die älteste, ortsbezogene Urkunde des Stadtarchivs Mengen von 1371 mit einer Zinsverschreibung der Bürgerin Hätz Ötlin an das Mengener Spital (Vorlage Stadtarchiv Mengen, Urkunden Nr. 1a)

Das vom Amann und dem Rat der Stadt besiegelte Dokument ist eine von insgesamt 250 Pergament- und Papierurkunden von 1276 bis ins 19. Jahrhundert, die zu den besonderen Kostbarkeiten des Stadtarchivs gehören. Der Urkundenbestand wurde im Auftrag der Stadt Mengen 2020 von Archivpfleger Uwe Hager M.A. im Kreisarchiv durch Regesten inhaltlich erschlossen und konservatorisch in Zusammenarbeit mit einem Restaurator gesichert.

Kontakt:
Stadtarchiv Mengen
Hauptstraße 116
88512 Mengen
Tel.: 07572 769705
archiv@mengen.de

Quelle: Stadt Mengen, Meldungen, 17.5.2022; schwäbische.de (Schwäbische Zeitung): Mengener Maiwunder: Über 270 Schüler sind beim Umzug dabei, Mai 2022

Archivalien aus Annen und Bommern werden entsäuert

Das Stadtarchiv Witten nimmt auch 2022 mit über 500 Kilogramm an der „Landesinitiative Substanzerhalt“ (LISE) teil. Zum elften Mal kommt ausgewähltes Archivgut zur Konservierung nach Leipzig. „Dort wird in einer Entsäuerungslösung, also einer Lauge, der pH-Wert des Papiers aus dem sauren Bereich in den alkalischen Bereich gebracht, denn saures Papier zerstört sich im Laufe der Zeit selbst. Durch die chemische Behandlung verlängert sich die Lebensdauer um ein Vielfaches. Sie stabilisiert die wertvollen Originale zudem für künftige Digitalisierungsprojekte“, erklärt Diplomarchivarin Ana Muro, projektverantwortlich für LISE im Stadtarchiv Witten.


Abb.: Durch Entsäuerung werden Dokumente länger haltbar. (Foto: Zentrum für Bucherhaltung)

Historische Akten aus Annen und Bommern werden entsäuert
In diesem Jahr wurden amtliche Unterlagen ab etwa 1830 bis 1929 aus den Beständen Annen und Bommern für die Sicherungsmaßnahme ausgewählt. Wer beispielsweise über Naturereignisse, Wahlen, die Roburitexplosion, Kriegsanleihen und die Mobilmachung im Ersten Weltkrieg in Annen aus Originalakten etwas wissen möchte, muss sich noch etwas gedulden. Unter den rund 200 Bommeraner Akten, die momentan entsäuert werden und daher nicht zugänglich sind, befinden sich unter anderem Unterlagen der Gesundheitspolizei, zum Wohnungs- und Gerichtswesen, zur Arbeiterbewegung, Schulhistorie und zur Verkehrsgeschichte Bommerns.

„Das Land NRW fördert die Entsäuerung des Archivguts zu 60 Prozent und wir freuen uns sehr, auch dieses Jahr diese finanzielle Unterstützung zu erhalten. Besonders danken Kulturforum und Stadt Witten dem LWL-Archivamt für Westfalen und seinem ‚LISE-Teamʻ für die fachliche Beratung, Projektentwicklung und praktische Unterstützung“, betont Dr. Martina Kliner-Fruck, Leiterin des Stadtarchivs Witten.

Kontakt:
Stadtarchiv Witten
Bergerstraße 25, Saalbau-Passage
58452 Witten
Tel.: 02302/581-2497
stadtarchiv@​stadt-witten.de

Quelle: Stadt Witten, News (erstellt von Martina Kliner-Fruck / Jörg Schäfer), 23.5.2022

Archiv der Stadt Herbolzheim zieht um

Der Umzug des Archivs der Stadt Herbolzheim, das bisher in der Friedrichstraße bei der Grundschule beheimatet ist, zieht derzeit in die neuen Räumlichkeiten in der Kanaustraße um. Dort wurde ein ehemaliges Gebäude der Breisgau Keramik saniert und für das Bewahren von Zeugnissen aus vergangenen Zeiten hergerichtet. Mitte Mai konnte sich der Herbolzheimer Gemeinderat einen Eindruck von den neugestalteten und barrierefreien Räumen machen und dabei schon die ersten Relikte unter die Lupe nehmen.


Abb.: Archiv Herbolzheim (Foto: Stadt Herbolzheim)

Für rund 250.000 Euro Gesamtkosten wurden Dach, Heizungsanlage, Trennwände, Elektroverkabelung und Beleuchtung sowie Innentüren erneuert, außerdem wurden die WC-Anlage saniert, die Fassade verputzt und gestrichen und der Eingangsbereich neugestaltet. Zwei Arbeitsplätze komplettieren die hellen und freundlichen Räume und bieten nicht nur Platz für die Archivarin, sondern auch für Interessierte, die Recherchen vornehmen möchten. Das Gebäude bietet darüber hinaus Erweiterungsmöglichkeiten für zusätzliche Archivalien.

Bis zu den Sommerferien 2022 sollen die Arbeiten fertiggestellt und Bücher, Schriften, alte Zeitungen und Bilder in die neuen Regale einsortiert sein. Das bisherige Archiv kann dann die Kernzeitbetreuung der Grundschule Herbolzheim vorübergehend nutzen, bis geklärt ist, wie eine künftige Erweiterung der Grundschule aussehen wird.

Kontakt:
Stadtarchiv Herbolzheim
Friedrichstr. 2a
79336 Herbolzheim

Quelle: Stadt Herbolzheim, Neuigkeiten, 18.5.2022

Stadtarchiv Winterthur soll neuen Standort erhalten

Der gewünschte neue Standort des Stadtarchivs Winterthur steht fest: Es soll auf dem Areal zwischen dem Stadtwerk-Hauptsitz und der Zürcherstrasse gebaut werden. Der Stadtrat führt einen Projektwettbewerb durch und legt dem Stadtparlament einen Projektierungskredit von 1,4 Millionen Franken zur Genehmigung vor. Durch die Auslagerung des Stadtarchivs kann das Stadthaus durch das Musikkollegium langfristig besser genutzt werden.


Abb.: Bisheriger Standort des Stadtarchivs Winterthur (Karte: Stadtarchiv Winterthur)

Vor vier Jahren verabschiedete der Winterthurer Stadtrat ein Nutzungs- und Belegungskonzept für das Stadthaus (vgl. Medienmitteilung vom 2.2.2018). Es sah eine Auslagerung des Stadtarchivs und Verbesserungen für die Nutzenden des Stadthauses vor. Aufgrund einer umfassenden Standortevaluation hat der Stadtrat einen geeigneten Standort für den Neubau des Stadtarchivs festgelegt: das städtische Areal zwischen dem Gebäude von Stadtwerk Winterthur an der Unteren Schöntalstrasse und der Zürcherstrasse.

Wie das parkähnliche Areal künftig genutzt werden soll und der Neubau des Stadtarchivs erfolgen kann, soll bis Mitte 2023 ein öffentlich ausgeschriebener Projektwettbewerb zeigen, für dessen Durchführung der Stadtrat einen Kredit von 350.000 Franken gesprochen hat. Zugleich beantragt der Stadtrat beim Stadtparlament für den Neubau einen Projektierungskredit von 1,4 Millionen Franken. Nach heutiger Planung könnte die notwendige Volksabstimmung 2025 und der Bezug 2028 erfolgen.

Nutzung des Stadthauses durch das Musikkollegium
Dank der Auslagerung des Stadtarchivs kann dem Musikkollegium eine erweiterte Nutzung des Semper-Stadthauses ermöglicht werden. In Absprache mit der Denkmalpflege sollen qualitätsvolle Räume geschaffen werden, die dem Ort und seiner Bedeutung gerecht werden und einen attraktiven Veranstaltungsort für die Stadt und das Musikkollegium und andere Nutzungen schaffen. Das Musikkollegium wird auch weiterhin das Stadthaus als wichtigen Hauptstandort nutzen.

Kontakt:
Stadtarchiv Winterthur
Stadthausstrasse 4a
8403 Winterthur
Tel. +41 52 267 51 16
stadtarchiv@win.ch

Quelle: Stadt Winterthur, Pressemitteilung, 20.5.2022

HeimatHub am Bayerischen Untermain

Umfangreiche Förderung für ein heimatgeschichtliches Digitalprojekt.

Der Startschuss für ein neues innovatives Digitalvorhaben ist gefallen: Albert Füracker, bayerischer Staatsminister der Finanzen und für Heimat, übergab an Eric Leiderer, Bürgermeister und Digitalreferent der Stadt Aschaffenburg, den Förderbescheid für das Projekt „Digital-analog-miteinander. Das Projekt HeimatHub am Bayerischen Untermain“. Das finanzielle Projektvolumen beträgt annähernd 300.000 Euro, Laufzeit ist bis Sommer 2024.


Abb.: vlnr. Dr. Vaios Kalogrias, Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg, Markus Schmitt, Verein Kulturlandschaft Kahlgrund e.V., Staatsminister Albert Füracker und Bürgermeister Eric Leiderer (Foto: Bayerisches Staatsministerium der Finanzen und für Heimat)

Der Begriff „Hub“ stammt aus dem Englischen und bedeutet „Nabe“ oder „Knotenpunkt“. Der „HeimatHub“ ist als innovativer Knotenpunkt zwischen der Heimatgeschichte am Bayerischen Untermain und der Digitalisierung geplant. Die digitale Transformation von Kultur und Geschichte wird im Projekt ermöglicht durch eine „Mitmach“-Plattform und ein frei zugängliches digitales Bürgerarchiv. Anlaufstellen zum Projekt werden vor Ort entstehen, in den Landkreisen Aschaffenburg und Miltenberg sowie bei der Stadt Aschaffenburg. Die Stadt Aschaffenburg ist über das Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg auch Träger des Projekts. Das digitale Bürgerarchiv soll ein regionales Gedächtnis werden, damit individuelle, familiäre oder auch kollektive “Erinnerungen”, kulturell-historische Gegebenheiten und Alltagserlebnisse gesichert und zukunftsfähig gemacht werden – bis hin zur Dokumentation jüngerer und jüngster Ereignisse (Flüchtlinge, Migrant*innen).

Hintergrund:
Das HeimatHub-Projekt wurde gemäß der „Richtlinie zur Förderung von Heimatprojekten mit Schwerpunkt Digitalisierung, insbesondere zur Stärkung regionaler Identität in Bayern“ seitens der Regierung von Unterfranken bewilligt. Der Antrag war im November 2021 beim Bayerischen Staatsministerium der Finanzen und für Heimat eingereicht worden.

Kooperationspartner im Projekt sind:

Link: https://www.regionen.bayern.de/

Quelle: Bayerische Staatsregierung, Pressemitteilung, 20.5.2022; Stadt Aschaffenburg, Pressemitteilung, 20.5.2022

Geschichte(n) der Stadt Würzburg nach 1945

Heft 21 der Schriften des Stadtarchivs Würzburg erschienen.

Für Würzburg bedeutete der Luftangriff des 16. März 1945 einen tiefen Einschnitt: Die Stadt lag in Trümmern, viele Menschen hatten ihr Leben verloren. Die Geschichte Würzburgs war nach diesen Märztagen gleichwohl nicht zu Ende. „Es ändert sich die Zeit, und neues Leben blüht aus den Ruinen“. Dieses Zitat von Friedrich Schiller gilt auch für Würzburg.

Gleichwohl ist die Würzburger Stadtgeschichte nach 1945 eine Epoche, die bisher nicht allzu sehr im Fokus des wissenschaftlichen Interesses stand. Deshalb veranstaltete das Stadtarchiv Würzburg im Winterhalbjahr 2019/20 die Vortragsreihe „Wintergeschichte(n)“, in der verschiedene Aspekte der Würzburger Geschichte in eben diesem Zeitraum behandelt wurden.

Nachdem diese Vortragsreihe vom Publikum äußerst positiv aufgenommen wurde, hat das Stadtarchiv Würzburg nun die Texte mehrerer Vorträge dieser Reihe in einem Sammelband, Heft 21 der Schriften des Stadtarchivs, veröffentlicht. „Mit diesem Sammelband sind die interessanten Beiträge der Vortragsreihe „Wintergeschichte(n)“ nun schriftlich nachzulesen und stehen einem noch breiteren Publikum zur Verfügung“, zeigte sich Oberbürgermeister Schuchardt bei der Präsentation im Ratssaal erfreut.


Abb.: Präsentieren Heft 21 der Schriften des Stadtarchivs Würzburg, v.l.n.r.: Oberbürgermeister Christian Schuchardt, Dr. Axel Metz, Leiter des Stadtarchivs, Maren Dürrschmid, Autorin, Achim Könneke, Leiter des Kultur- und Tourismusreferats (Foto: Petra Steinbach)

Die Vorträge umfassten ein breites Themenspektrum: So wurde mit dem 1962 eröffneten Würzburger Spielzeugmuseum der Familie Bayer in der Neubaustraße das erste private Spielzeugmuseum der Bundesrepublik Deutschland vorgestellt, das den Grundstock für das weltbekannte Nürnberger Spielzeugmuseum bildete. Mit Lydia Bayer wurde zudem eine Würzburgerin Gründungsdirektorin des Nürnberger Museums.

Die Hintergründe und Etappen der 1966 begründeten Städtepartnerschaft Würzburgs mit Mwanza in Tansania wurden erläutert ― eine der ersten Städtepartnerschaften zwischen einer deutschen und einer afrikanischen Kommune, nur wenige Jahre nach der Entlassung des einstigen britischen Mandatsgebiets Tanganjika in die staatliche Unabhängigkeit.

Und schließlich wurden die 60 prägenden Jahre, in denen die Stadt mit den „Leighton Barracks“ eine amerikanische Garnison beherbergte und in denen Besatzer zu Freunden wurden, beleuchtet.

„Das Stadtarchiv ist das Gedächtnis der Stadt und mit diesem Sammelband bleiben nun wichtige Teile der Stadtgeschichte erhalten“, hob der Leiter des Kultur- und Tourismusreferats, Achim Könneke, in Anwesenheit des Leiters des Würzburger Stadtarchivs, Dr. Axel Metz, und der Autorin des Beitrags „Amerikaner in Würzburg – Was bleibt? Erinnerungen einer US-Militärgemeinde“, Maren Dürrschmid, hervor.

Info:
„Es ändert sich die Zeit, und neues Leben blüht aus den Ruinen – Aspekte der Würzburger Stadtgeschichte nach 1945.“ (ISBN 978-3-87707-224-0) – Auf 90 Seiten kann man in die Geschichte(n) der Stadt nach 1945 eintauchen. Das Heft ist für 12 € im Stadtarchiv Würzburg, im Buchhandel oder direkt beim Verlag PH.C.W. SCHMIDT erhältlich.

Anlässlich des 75. Jahrestages des schwersten Luftangriffes auf Würzburg während des Zweiten Weltkriegs, am 16.3.1945, war bereits 2020 eine gesonderte Publikation des Stadtarchivs Würzburg erschienen. Es handelt sich um eine Dokumentation zu den Toten des Massengrabs vor dem Würzburger Hauptfriedhof sowie zu den Kriegstoten in Würzburg während der Endphase des Zweiten Weltkriegs insgesamt. Anlass für die Erstellung der Dokumentation war die Neugestaltung des Erinnerungsorts vor dem Würzburger Hauptfriedhof, der 2017 u. a. um Stelen mit den Namen der dort bestatteten Toten ergänzt wurde.

Info:
„Dreitausend Männer, Frauen und Kinder haben wir hier zur letzten Ruhe bestattet“. Eine Dokumentation zu den Toten des Massengrabs vor dem Würzburger Hauptfriedhof und zu den Kriegstoten in Würzburg während der Endphase des Zweiten Weltkriegs. Herausgegeben vom Stadtarchiv Würzburg (Sonderveröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg, Bd. 14), Würzburg 2020. 186 S., eine CD-ROM; ISBN: 978-3-87707-176-2; 19,95 Euro.

Kontakt:
Stadtarchiv Würzburg
Neubaustraße 12
97070 Würzburg
Tel: 0931 – 37 31 11
Fax: 0931 – 37 31 33
stadtarchiv@stadt.wuerzburg.de

Quelle: Stadt Würzburg, Pressemitteilung, 18.5.2022; Stadtarchiv Würzburg, Publikation des Stadtarchivs zum 16. März 1945 erschienen, März 2020

Nachrichten aus dem Stadtarchiv Gera 2/2022

In der Ausgabe 2/2022 der „Nachrichten aus dem Stadtarchiv Gera“ werden einige Jubiläen aus der Geraer Stadtgeschichte in den Blick genommen. Konkret wird auf das 60jährige Bestehen des Geraer Tierparks, auf die Ausrichtung der „13. Allgemeinen deutschen Lehrerversammlung“ in Gera vor 160 Jahren sowie auf die Einführung von Straßennamen in der Stadt vor 210 Jahren eingegangen. Der vierte Beitrag ist der Erinnerung an die einst bei Ernsee befindliche „Diebeseiche“ gewidmet.

Geras Stadtarchivar Ernst Paul Kretschmer (1887-1957) hatte 1933 in den „Geraer Heimatblättern“ über den Namen der einst bei Ernsee befindlichen „Diebeseiche“ berichtet:

„Der Name ist uralt. Daß sich die Frankenthaler Diebesbande (vor 1818) hier versammelt habe und Beratung gehalten habe, ist unsinnig. Der Name, schon 1609 bezeugt, hängt wie viele Namenserklärungen – ich erinnere an Diebeskeller und Diebeswert mit dem slawischen dubica, dub = Eiche zusammen – Stammformen in Taubenpreskeln (Dub = Prosklin = Verhau im Eichwald), vielleicht auch in Dobeneck (Eicheneck) und Debschwitz (urkdl. 1507 Doberschitz) erhalten. Das Wort Eiche ist in Zeiten als man das Dub (daraus: Dieb) nicht mehr verstand, angefügt worden. Die großen Eichen bei Ernsee, etwa 450 Jahre alt, sind immer wieder an Stelle alter Grenzbäume gepflanzt worden. Die Grenzmarkierung ist uralt.“


Abb.: Die sogenannte „Diebeseiche“ bei Ernsee, die also weder Unterschlupf noch Diebesgut von Räubern gewesen ist, musste infolge eines Sturmschadens 1943 gefällt werden. Im Bild: Teile der gefällten Diebeseiche (Quelle: Stadtarchiv Gera, A 0855; Fotograf unbekannt).

Inhalt:

  • 60 Jahre Tierpark im Martinsgrund
  • Die „13. Allgemeine deutsche Lehrerversammlung“ in Gera vor 160 Jahren
  • Die Einführung von Straßennamen in der Stadt Gera im Jahr 1812
  • Briefkasten der Heimatblätter: „Was bedeutete der Name Diebeseiche bei Ernsee?“

Link: Nachrichten aus dem Stadtarchiv Gera 2/2022

Kontakt:
Stadtarchiv Gera
Gagarinstraße 99/101
07545 Gera
Tel. 0365/838-2140 bis 2143
stadtarchiv@gera.de
www.gera.de/stadtarchiv