Preßfreiheit in Bayern im 19. Jahrhundert

Lehrausstellung des Fachbereichs Archiv- und Bibliothekswesen der Hochschule für den öffentlichen Dienst in Bayern endet am 21. Mai

Grundgesetz und Bayerische Verfassung garantieren heute die Freiheit der Presse und der Berichterstattung durch Rundfunk und Medien – Basis für eine freie Meinungsbildung und die Demokratie. Trotzdem belegte die Bundesrepublik Deutschland 2018 auf der Rangliste der Pressefreiheit, dem „Press Freedom Index“, der internationalen Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen hinter Portugal nur den 15. Platz. Anlässlich des „Tages der Pressefreiheit“ am 3. Mai blickt die kleine, von Benjamin Blumenthal bearbeitete Ausstellung (noch bis zum 21. Mai 2019) 200 Jahre zurück, fragt nach den Wurzeln des Begriffs „Preßfreiheit“ und beleuchtet seine Entwicklung in Bayern im 19. Jahrhundert.

Abb.: Die Karikatur zur „Preßfreiheit“ auf dem Plakat wurde 1847 in den „Fliegenden Blättern“ veröffentlicht; Zeichner: Carl Stauber

Der Begriff der „Preßfreiheit“ stammt aus dem Zeitalter der Aufklärung. Politische Bedeutung erhielt er mit der Französischen Revolution. In einem deutschsprachigen Nachschlagewerk erscheint der Begriff erstmals 1784. Anfangs wurde die „Preßfreiheit“ mit der Druckfreiheit gleichgesetzt. Dadurch stand nicht das heute mit Art. 5 des Grundgesetzes garantierte zentrale Grundrecht der „Pressefreiheit“ im Mittelpunkt, sondern einfach die Freiheit zu drucken.

Mit dem Übergang zum modernen Staat Anfang des 19. Jahrhunderts begann eine Zeit in Bayern, die durch den Wechsel von Zensur und Pressefreiheit gekennzeichnet war. Die Auseinandersetzung wurde auf rechtlicher bzw. verfassungsrechtlicher Ebene geführt. Wichtige Zäsuren waren der Erlass der Verfassung des Königreichs Bayern (1818), das Hambacher Fest (1832), die Märzrevolution (1848) und die deutsche Reichgründung (1871).

Abb.: Edikt über die Freiheit der Presse und des Buchhandels, 1818 (Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Gesetzblatt für das Königreich Bayern 24. Juni 1818, S. 181–182)

Im Lauf des 19. Jahrhunderts übernahm die Presse die Rolle eines Meinungsbildners. Die bürgerliche Öffentlichkeit wurde für die demokratischen Belange der Presse sensibilisiert.

Die kleine Ausstellung mit 29 Exponaten aus dem Bayerischen Hauptstaatsarchiv, dem Staatsarchiv München und der Bayerischen Staatsbibliothek wurde im Rahmen der Ausbildung im Vorbereitungsdienst 2017/2020 für den Einstieg in der 3. Qualifikationsebene der Fachlaufbahn Bildung und Wissenschaft, fachlicher Schwerpunkt Archivwesen, an der Hochschule für den öffentlichen Dienst in Bayern erarbeitet.

Die Ausstellung war ist seit dem 11. April nur noch bis 21. Mai 2019 im Hauptgebäude des Bayerischen Hauptstaatsarchivs (Treppenhaus, 1. OG), Schönfeldstraße 5, 80539 München zu sehen.

Quelle: GDA Bayern, Pressemitteilung, 11.4.2019

Moderner Fünfkampf in Warendorf

Der Moderne Fünfkampf wurde von Baron Pierre de Coubertin (1863-1937) ins Leben gerufen und ist seit 1912 eine Disziplin bei den Olympischen Spielen. Coubertin kombinierte die „Kavalier-Sportarten“ Reiten, Fechten und Schießen mit den Volkssportarten Laufen und Schwimmen. In späteren Jahren entwickelte sich Warendorf zum Zentrum des Modernen Fünfkampfs – und war lange Zeit Standort des Bundesleistungszentrums. Auf diese Zeit blickt das Kreisarchiv Warendorf in einer kleinen Ausstellung zurück und präsentiert im Warendorfer Kreishaus-Foyer interessante Dokumente.

Abb.: Der Fechtwettbewerb bei der WM 1970, die in Warendorf stattfand (Foto: Kreisarchiv Warendorf).

In der Anfangszeit wurde die Sportart hauptsächlich von Offizieren und Polizisten ausgeübt. Durch die verschiedenen Disziplinen war das Training sehr zeitaufwändig, außerdem mussten die Sportler Zugang zu Pferden und die Möglichkeit zum Schießtraining haben. Bedingt durch den Zweiten Weltkrieg konnten deutsche Sportler schließlich nicht mehr an internationalen Wettkämpfen teilnehmen.

Nach Kriegsende gründete sich Anfang der 1950er Jahre der „Deutsche Ausschuss für Modernen Fünfkampf“. Sportliche Erfolge blieben bei den anschließenden Wettkämpfen jedoch aus. Eine bessere Planung und straffere Organisation sollten Abhilfe schaffen. So wurde am 27. Mai 1961 in Warendorf im „Hotel im Engel“ der „Deutsche Verband für Modernen Fünfkampf“ (DVMF) gegründet und als erster Präsident General a.D. Hax gewählt. Die Deutsche Reitschule erklärte sich zu einer intensiven Zusammenarbeit bereit und so waren mit dem Freibad und einem neu errichteten Schießstand  in Warendorf ideale Bedingungen für die Ausübung des Modernen Fünfkampfs vorhanden. Zwischen 1960 und 1970 entstanden in den einzelnen Bundesländern weitere Landesverbände.

Abb.: WM-Auftakt mit dem Einmarsch der Mannschaften in das Warendorfer Stadtstadion. (Foto: Kreisarchiv Warendorf)

Der Landesverband NRW führte in Warendorf regelmäßig Aufbau- und Trainingslehrgänge durch. Dabei konnte man auch die Einrichtungen der Bundeswehr und der DEULA nutzen. Die Stadt Warendorf stellte bis in die achtziger Jahre finanzielle Mittel zur Unterstützung zur Verfügung. So entwickelte sich Warendorf in dieser Zeit zum Zentrum des Modernen Fünfkampfs.

Bei Länderkämpfen und Weltmeisterschaften konnten die deutschen Fünfkämpfer ihre Leistungen stetig verbessern und erreichten 1965 in Leipzig und 1967 in Jönköping den vierten Platz. Bei der Weltmeisterschaft 1969 in Budapest holte man schließlich die Bronzemedaille, ebenso bei der Weltmeisterschaft 1970 in Warendorf. Im Jahr 1968 begann man mit dem Bau eines Bundes- und Leistungszentrums mit Hallenbad in Warendorf. Dieses wurde 1972 fertiggestellt.  1977 führte man in Warendorf erstmalig den „Deutschland-Pokal“ durch.

Abb.: Das Logo der WM 1970 (Foto: Kreisarchiv Warendorf)

Im Jahr 1980 boykottierten die westlichen Länder die Olympischen Spiele in Moskau. Grund war der Einmarsch der Sowjetunion in Afghanistan. Aus Sportlerkreisen gab es Proteste und die Forderung Sport und Politik nicht zu vermischen. Die im Fünfkampf stets starken Ostblockstaaten boykottierten im Gegenzug die Olympischen Sommerspiele im Jahr 1984 in Los Angeles. Trotz Fehlens der starken Konkurrenz konnte die deutsche Mannschaft keine Medaille erringen.

Eine große Enttäuschung über dieses Ergebnis fand in negativen Berichterstattungen in der Presse ihren Ausdruck. Auch personelle Konsequenzen waren die Folge: Bundestrainer Herbert Rieden musste seinen Posten räumen und beim Verbandstag am 13.10.1984 wurde Präsident Walter Grein nach zwölfjähriger Amtszeit nicht wiedergewählt.

Neuer Präsident wurde Klaus Schormann aus Darmstadt. Nach und nach zog sich der DVMF aus Warendorf zurück. Die Geschäftsstelle verlegte man 1985 schließlich nach Darmstadt. Das Bundesleistungszentrum in Warendorf verlor an Bedeutung, da man dazu überging, Trainingslehrgänge nun dezentral durchzuführen. Damit verlor Warendorf als Zentrum des Modernen Fünfkamps langsam an Bedeutung.

Die Ausstellung des Warendorfer Kreisarchivs ist noch bis zum 31.5.2019 zu sehen. Die verwendeten Unterlagen stammen aus dem Bestand „Kreisarchiv Warendorf S1/81 Moderner Fünfkampf e.V. Warendorf“ und können im Lesesaal eingesehen werden.

Kontakt:
Kreisarchiv Warendorf
Waldenburger Straße 2
48231 Warendorf
Telefon: 02581/53-1040
02581/53-1041
kreisarchiv@kreis-warendorf.de

Quelle: Kreis Warendorf, Pressemitteilung, 3.5.2019

Ausstellung von Schenkungen an das Stadtarchiv Halle (Saale)

Beim Schenken handelt es sich um eine freiwillige Handlung, bei der ein auch Donator genannter Schenker dem Beschenkten eine Leistung zukommen lässt, ohne etwas dafür zu verlangen. Ursprünglich der Zurschaustellung und Verstärkung sozialer Bindungen innerhalb einer Gruppe dienend, gilt das Schenken in der bürgerlichen Gesellschaft als Ausdruck persönlicher, familiärer und freundschaftlicher Beziehungen.

Abb. Ausstellungsplakat „Geschenkt! Entdecken Sie Schenkungen an das Stadtarchiv aus den letzten zwei Jahrzehnten“ (Stadtarchiv Halle)

Der ursprünglichen Aufgabe des Stadtarchivs Halle (Saale) als Einrichtung zur Sammlung, Sicherung und Bereitstellung von schriftlichen Zeugnissen der kommunalen Verwaltungstätigkeit gesellte sich im ersten Drittel des vergangenen Jahrhunderts eine neue Bestimmung hinzu. Das moderne Archiv hatte nunmehr auch jene Bestände zu bewahren und zu erschließen, die als grundlegende Quellen zur Erforschung der Stadtgeschichte unverzichtbar blieben. Damit sah sich die Einrichtung in die Lage versetzt, nunmehr auch Archivalien zu übernehmen, deren Entstehung außerhalb der städtischen Verwaltung geschah.

Beginnend mit der Übergabe des Fotonachlasses von Gottfried Riehm (1858-1928) im Jahre 1929 fanden nicht wenige dieser neuen Bestände als Schenkungen ihren Weg in das Stadtarchiv. Vielfach von dem Wunsch geleitet, dass der Gegenstand ihres stadt-, kultur- oder familiengeschichtlichen Interesses nicht der Vergessenheit anheimfällt, wollten die Donatoren diesen einer interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Hierfür bot sich das Archiv als rechtlich-administratives wie kulturelles Gedächtnis der Stadt in hervorragender Weise an. Die veränderten gesellschaftlichen Bedingungen im vereinten Deutschland erleichterten die Übernahme stadtgeschichtlicher Quellen aus der ganzen Welt dadurch wesentlich. Zudem nähert sich die jüngere Generation den genannten Themen zunehmend nicht mehr in althergebrachter Weise oder besitzt keine persönlichen Beziehungen zur Heimatstadt ihrer Vorfahren. Nahezu 1000 Schenkungen bereicherten so in den letzten zwei Jahrzehnten die Sammlungen des Stadtarchivs Halle.

Mit einem Besuch der aktuellen Ausstellung „Geschenkt!“ lässt sich ein Eindruck von der Qualität und kulturellen Breite der übereigneten Zeitzeugnisse gewinnen. Die Ausstellung „Geschenkt!“ kann seit dem 8. Mai bis zum 29. August 2019 im Stadtarchiv Halle während der Öffnungszeiten des Stadtarchivs, montags von 10 bis 15 Uhr sowie dienstags bis donnerstags von 10 bis 18 Uhr, besichtigt werden. Der Eintritt ist frei.

Link: Ausstellungsdokumentation

Kontakt:
Stadtarchiv Halle (Saale)
Rathausstraße 1
06108 Halle (Saale)
Tel. 0345 221-3300

Quelle: Stadtarchiv Halle, Ausstellung, Mai 2019

Pforzheimer Stadtarchiv und Kepler-Gymnasium schließen Bildungspartnerschaft

Aanlässlich eines Archivbesuchs der Klasse 9c des Pforzheimer Kepler-Gymnasiums wurde am 12.4.2019 eine förmliche Bildungspartnerschaft zwischen den beiden Institutionen unterzeichnet. Führungen und Projektarbeit, das Arbeiten mit Originalen und selbständiges Forschen: Das Stadtarchiv Pforzheim macht Geschichte mit unmittelbarem Bezug zu Pforzheim für Schulen lebendig.

Abb.: Ab jetzt Bildungspartner: Schulleiterin Heike Reifurth (r.), Fachobmann Boris Radojević (l.) mit Andrea Binz-Rudek, Klara Deecke und Annett Post-Hafner (Mitte, v.l.n.r.) vom Stadtarchiv (Foto: Stadt Pforzheim)

Die archivpädagogischen Angebote werden jährlich von über 300 Schülerinnen und Schüler wahrgenommen. „Archive sind wichtige außerschulische Lernorte. Archivpädagogik führt Schülerinnen und Schüler an einen kritischen Umgang mit der Geschichte und die selbständige Erforschung von Originalquellen heran“, erläutert Schulleiterin Heike Reifurth den Hintergrund der Bildungspartnerschaft. Ziel der Bildungspartnerschaft ist es, dass jede Schülerin und jeder Schüler des Kepler-Gymnasiums im Laufe seiner Schulzeit mindestens einmal das Stadtarchiv besucht.

Für das Stadtarchiv ist es die dritte Bildungspartnerschaft mit einer Pforzheimer Schule. Im vergangenen Jahr kooperierte das Stadtarchiv mit zehn Schulen für archivpädagogische Projekte, darunter auch das Kepler-Gymnasium. „Die Bildungspartnerschaft ist damit auch eine Anerkennung für die bisherige erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen den engagierten Lehrerinnen und Lehrern und den Kolleginnen im Archiv, welche die archivpädagogischen Projekte hervorragend begleiten“, so Archivleiterin Klara Deecke.

Abb.: Die Klassensprecher der 9c des Kepler-Gymnasiums überreichen mit ihrer Geschichtlehrerin Sarah Reine (r.) einen Beitrag zum Wettbewerb um den Georg-Simler-Preis für stadtgeschichtliche Arbeiten an Schulen an Annett Post-Hafner, Andrea Binz-Rudek und Klara Deecke vom Stadtarchiv (v.l.n.r.) (Foto: Stadt Pforzheim)

Wie produktiv die Arbeit mit Archivmaterial sein kann, beweist die Klasse 9c des Kepler-Gymnasiums. Die Klasse überreichte mit ihrer Geschichtslehrerin Sarah Reine im Anschluss an die Archivführung eine Dokumentation zur Geschichte jüdischen Lebens in Pforzheim als Beitrag zum Wettbewerb um den Georg-Simler-Preis für stadtgeschichtliche Arbeiten an Schulen in Pforzheim und dem Enzkreis. Informationen über die Teilnahme am Wettbewerb wie zur Archivpädagogik finden sich auf der Website des Stadtarchivs.

Kontakt:
Stadtarchiv Pforzheim – Institut für Stadtgeschichte
Kronprinzenstr. 28
75177 Pforzheim
Tel. 07231 39-2899
archiv@pforzheim.de
www.stadtarchiv.pforzheim.de

Quelle: Stadt Pforzheim, Pressemitteilung, 12.4.2019

Jazzklub übergibt Dokumente ans Stadtarchiv Krefeld

Der Jazzklub Krefeld hat seinen Archivbestand mit Vereinsunterlagen aus den ersten 30 Jahren seines Bestehens an das Stadtarchiv Krefeld übergeben. Die Schenkung umfasst Aktenordner mit Fotos, Programmheften, Plakaten, Pressetexten und Korrespondenz mit Musikern. „Damit haben wir eine tolle Überlieferung zur Musikgeschichte in der Nachkriegszeit erhalten. Hier im Archiv möchten wir die Stadtgeschichte möglichst umfassend und nicht nur aus Sicht der Verwaltung präsentieren. Darum sind wir sehr begeistert von diesen Dokumenten“, freut sich Dr. Christoph Moß, der stellvertretende Leiter des Stadtarchivs.

Aus der Not heraus geboren
„Der Jazzklub wurde 1979 aus der Not heraus geboren“, berichtet Günter Holthoff, Grünungsmitglied des Klubs. Der Verein wurde ins Leben gerufen, um den damals verschuldeten Jazzkeller mithilfe von Spenden, Zuschüssen und Mitgliedsbeiträgen zu retten. Durch Sponsoren und Benefizkonzerte war dieses Ziel schnell erreicht und der „Förderverein“ des Jazzkellers hatte seinen Zweck erfüllt. „Aber der Klub machte einfach Spaß“, meint Holthoff. Es habe viele Gespräche mit bekannten Musikern gegeben und der Jazzklub entwickelte ein Eigenleben. „Wir haben tausende Konzerte veranstaltet, die genaue Zahl ist nicht zu erfassen“, berichtet der Jazzliebhaber. 1985 fand das erste Mini-Jazz-Festival im Vorhof der Burg Linn statt. Daraus entwickelte sich das internationale Festival „Jazz an einem Sommerabend“, welches heute ein Highlight im Kulturprogramm der Stadt darstellt.

Abb.: Übergabe von Archivgut des Jazz-Klub Krefeld an das Stadtarchiv (von links): Jürgen Sauerland-Freer, Leiter des Kulturbüros, Günter Holthoff vom Jazzklub Krefeld. Dr. Christoph Moß, stellvertretender Leiter des Stadtarchivs, und Christoph Kuntze vom Jazzklub Krefeld. (Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken)

Aktuell hat der Jazzklub Krefeld rund 375 Mitglieder, die sämtliche Veranstaltungen des Vereins ehrenamtlich organisieren. „Wir halten persönlichen Kontakt mit den Musikern und Agenturen und sind Ansprechpartner für deren Tourplanung“, weiß Christoph Kuntze, der Kassenwart des Jazzklubs. Jährlich finden rund 50 Konzerte und Aktionen an verschiedenen Standorten in Krefeld statt. Dazu gehören beispielsweise der Jazzherbst im Theater, Konzerte im Rahmen der Jüdischen Kulturtage im Habima und Jazzstunden mit jungen Bands im Musikunterricht der Krefelder Schulen. Städtische Zuschüsse unterstützen die Arbeit des Vereins. „Die Förderpolitik handelt nach der Maßgabe ‚Fördern, was es schwer hat‘ und das ist beim Jazz leider der Fall“, meint Jürgen Sauerland-Freer, der Leiter des Fachbereichs Kultur. Umso erfreulicher sei es, dass der Jazzklub als ehrenamtlicher freier Akteur diese Musikrichtung dezentral über die Stadt verteile.

Runde Geburtstage in diesem Jahr
„Dieses Jahr wird der Jazzklub 40 und das Jazzfestival 35 Jahre alt“, freut sich Kuntze. Um dies zu feiern, wurden die diesjährigen Quartalsflyer von mehreren jungen Krefelder Designern gestaltet und von einer Krefelder Druckerei produziert. Damit wird die Verbindung des Vereins mit der jungen kreativen Szene und der Stadt deutlich gemacht. Auch einige besondere Konzerte wird es in diesem Jahr geben: Am 6. Juli 2019 spielt das mittlerweile weltbekannte Michael Wollny Trio als „Hauptact“ bei „Jazz an einem Sommerabend“, im Dezember wird es im Rittersaal der Burg Linn ein feierliches Abschlusskonzert des Jubeljahres geben.

Großer Schritt für das Archiv
„Die Übergabe der Vereinsunterlagen an das Stadtarchiv leisten einen wichtigen Beitrag zur Bewahrung des kulturellen Erbes von Krefeld. Das sollten wir mit anderen freien Kultureinrichtungen viel öfter machen“, so Sauerland-Freer. Im Archiv gebe es bereits Unterlagen vom Theater am Marientor und von der Kulturfabrik. „Für uns als Archiv ist es wichtig, solche Einrichtungen zu dokumentieren, da sie ein bedeutender Teil der Krefelder Kulturgeschichte sind“, fügt Dr. Moß hinzu. Der Bestand des Jazzklubs wird im Laufe der nächsten Monate vom Archiv erfasst und für interessierte Bürger nutzbar gemacht werden. „Denn unser größtes Ziel ist es, dass die Krefelder sich bei uns mit vielen geschichtlichen Themen befassen können. Im Bereich Musikgeschichte sind wir dabei jetzt einen großen Schritt weiter“, so der Archivar.

Kontakt:
Stadtarchiv Krefeld
Konrad-Adenauer-Platz 17 (Eingang: Girmesgath 120)
47803 Krefeld
Tel.: 0 21 51 / 86-2701
stadtarchiv@krefeld.de

Quelle: Stadt Krefeld, Pressemitteilung, 17.4.2019

Stadtarchiv Magdeburg öffnet seine Fotoalben

Zum Bauhausjubiläum schaltet das Stadtarchiv Magdeburg ein neues Angebot frei: Mehr als 1.000 hochauflösende Fotoaufnahmen aus der Zeit der Magdeburger Moderne laden ein zu einem digitalen Stadtrundgang. Im Zentrum stehen die 1920er Jahre, als sich Magdeburg neu erfand.

Rechtzeitig zur großen Konferenz „Die Ära Beims. Ein Oberbürgermeister als Wegbereiter der Moderne“ am 24.–26. April 2019 veröffentlicht das Stadtarchiv mehr als 1.000 historische Fotografien aus dem umfangreichen „Fotobestand Hochbauamt“, der mit mehr als 33.000 Aufnahmen als wichtigster Fundus aus dieser Zeit in Magdeburg gilt. Lichtbildwerke von bedeutenden Künstlern wie Xanti Schawinsky geben teils unverstellte Einblicke in eine Zeit des Aufbruchs. Die originalen Glasplatten der im städtischen Auftrag gefertigten Fotografien wurden hochauflösend digitalisiert.

Ein Rundgang in 30 Kapiteln erzählt vom Ausbruch aus der Enge der Festungsstadt, vom neuen Leben in den modernen Siedlungen und von der Technisierung aller Lebensbereiche. Zu sehen sind die wichtigen Bauten der Moderne, aber auch Parkanlagen, Industriebetriebe oder der 1929 eröffnete Flughafen an der Berliner Chaussee. Noch nie veröffentlichte Aufnahmen führen in neue Schulen und moderne Wohnungen, zeigen Freizeit, Sport, Kultur und festliche Höhepunkte der Zwanziger Jahre. Über einen Zeitstrahl und durch die Volltextrecherche kann individuell gesucht werden. Es ist eine Einladung, sich selbst ein Bild von der Zeit des Aufbruchs vor 100 Jahren zu machen.

Das Angebot bildet den Auftakt für eine neue Plattform, auf der das Stadtarchiv Magdeburg digitalisiertes Archivgut aus ausgewählten Beständen online veröffentlicht. Die neue Website ist unter www.magdeburger-moderne.de erreichbar.

Kontakt:
Stadtarchiv Magdeburg
Mittagstraße 16
39124 Magdeburg
+49 391 540- 2912
archiv@magdeburg.de

Quelle: Stadtarchiv Magdeburg, Medieninformation

Ermordung des sächsischen Kriegsminister Gustav Neuring (MSPD) im April 1919

Archivale im Fokus, April 2019

Am 12. April 1919 wurde der Sächsische Kriegsminister Gustav Neuring von einer aufgebrachten Menge nach einer Protestkundgebung ermordet. Die Tat führte zur Ausrufung des Belagerungszustands im noch jungen Freistaat Sachsen und zog umfangreiche Gerichtsverhandlungen mit hohem Medieninteresse nach sich.

Abb.: Auszug aus der Ladung der elf Angeklagten im Mordfall Neuring zur Eröffnung des Hauptverfahrens am 21. Juli 1919 durch die Staatsanwaltschaft (SächsStA-D, 11120 Staatsanwaltschaft beim Landgericht Dresden, Nr. 2277/1)

Gustav Neuring war ein ehemaliger Gewerkschaftsbeamter und Mitglied der Mehrheitssozialdemokratischen Partei Deutschlands (MSPD).  Im Jahr 1919 wurde er zum Minister für Militärwesen des jungen Freistaats Sachsen ernannt. – Nachdem die Berliner Regierung beschlossen hatte, ab dem 11. April 1919 den Sold u. a. des Sanitätspersonals und der Lazarettinsassen zu kürzen, versammelten sich diese einen Tag später auf dem Dresdner Theaterplatz zu einer Kundgebung. Die Menge beschloss acht Forderungspunkte, die von zwei Deputationen, eine des Sanitätspersonals und eine der Kriegsversehrten, an den Kriegsminister Neuring überbracht werden sollten. Zu diesem Zweck zogen die Demonstranten über die Friedrich-August-Brücke (heute Augustusbrücke) zum Kriegsministerium im Blockhaus am Neustädter Markt.

Um den Kriegsversehrten zu ermöglichen, sich auszuruhen, öffneten die Wachsoldaten den Innenhof der Neustädter Wache und stellten Bänke bereit. Die erste Deputation wurde in das Büro des Ministers Neuring geführt, um Verhandlungen aufzunehmen. Neuring, der durchaus Verständnis für das Anliegen der Demonstranten äußerte, aber die Anordnungen der Berliner Regierung nicht eigenmächtig umgehen konnte, kam den Forderungen des Sanitätspersonals so weit wie möglich entgegen. Als anschließend die Forderungen der Kriegsversehrten verhandelt werden sollten, kam es jedoch zu größeren Unstimmigkeiten durch die versuchte Teilnahme von zwei bekannten Kommunisten an der Verhandlung. Nachdem der Sekretär des Ministers diese von den Verhandlungen ausgeschlossen hatte, traten sie vor die Demonstranten und verbreiteten Behauptungen über ein grundsätzliches Scheitern der Gespräche. Immer stärker gelang es den kommunistischen Teilnehmern, die Menge aufzuwiegeln. Die Stimmung in der Protestbewegung, die ursprünglich aus wirtschaftlichen Gründen entstanden war, kippte zunehmend in eine wilde und unversöhnliche Raserei.

Die Wachtruppen, in Unterzahl und bereits umgeben durch die ins Ministerium eingelassene Menge, wurden überwältigt und die Waffenvorräte verteilt. Regierungstruppen, die aufgrund der sichtbaren Eskalation der Lage aus verschiedenen Bereichen der Stadt angefordert worden waren, ließen sich durch die Demonstranten stoppen und entwaffnen.

Schließlich versuchte Gustav Neuring mit direkten Worten an die Demonstranten, die Lage zu beruhigen. Ob er freiwillig vor die Menge trat oder bereits unter Zwang, wurde nie restlos geklärt. Die Stimmung war jedoch bereits zu aufgeheizt. Der Minister kam kaum zu Wort. Er wurde gepackt und durch zahlreiche Demonstranten misshandelt. Die Menge schleppte ihn auf die Friedrich-August-Brücke, von wo sie den Minister über die Brüstung in die Elbe stürzte. Gustav Neuring versuchte sich trotz seiner schweren Blessuren schwimmend ans Ufer zu retten, wurde jedoch nun von der Brücke unter Gewehrfeuer genommen und tödlich getroffen. Seine Leiche konnte erst vier Wochen später elbabwärts am Kötitzer Fährhaus gefunden werden.

Der Mord führte zur Ausrufung des Belagerungszustands in Sachsen und umfangreichen Ermittlungen. 70 Beschuldigte und über 400 Zeugen wurden vernommen. Die Überführung der tatsächlichen Täter gestaltete sich allerdings überaus schwierig. Am Ende standen 11 Angeklagte vor Gericht. Die Urteile fielen milde aus: Sie reichten von anderthalb bis drei Jahre Gefängnis mit anschließenden fünf Jahren Ehrverlust.

Die Vorgänge um den 12. April 1919 sind umfassend in den Beständen des Hauptstaatsarchivs Dresden dokumentiert. Allein sechs Akten wurden von der Staatsanwaltschaft beim Landgericht Dresden (Bestand 11120 Staatsanwaltschaft beim Landgericht Dresden) zum Prozess angelegt. Weitere Überlieferungen finden sich in den Beständen 11248 Sächsisches Kriegsministerium, 10736 Ministerium des Innern, 10789 Polizeipräsidium Dresden und 11250 Sächsischer Militärbevollmächtigter in Berlin.

Links:
Ladung vor das Schwurgericht
Bestand 10736 Ministerium des Innern
Bestand 10789 Polizeipräsidium Dresden
Bestand 11248 Sächsisches Kriegsministerium
Bestand 11250 Sächsischer Militärbevollmächtigter in Berlin

Kontakt:
Sächsisches Staatsarchiv
Hauptstaatsarchiv Dresden
Archivstr. 14
01097 Dresden
Telefon: (+49) (0)351-89 219 711 (Lesesaal),
(0)351-89 219 710 (zentrale Einwahl)

Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Archivale im Fokus, 1.4.2019

Erweiterungsbau des Staatsarchivs Bamberg eingeweiht

Ausstellung „Staatliches Bauen in Oberfranken – eine Skizze“ eröffnet

Im Rahmen eines Festaktes wurde der nach zweieinhalb Jahren fertiggestellte Erweiterungsbau des Staatsarchivs Bamberg am 29.3.2019 von den bayerischen Staatsministern Bernd Sibler und Dr. Melanie Huml seiner Bestimmung übergeben. Der Magazinbau erfüllt modernste Qualitätsansprüche und besteht aus sechs Geschossen mit fensterlosen Magazinen. Es können rund 18,9 laufende Kilometer Archivalien gelagert werden. Eine Begleitausstellung mit dem Thema „Staatliches Bauen in Oberfranken – eine Skizze“, zu der ein kleiner Katalog erschienen ist, wurde im Rahmen der Einweihung eröffnet.

Abb.: Dr. Margit Ksoll-Marcon (Generaldirektorin der Staatlichen Archive) – Bernd Sibler, MdL (Bayer. Staatsminister für Wissenschaft und Kunst) – Peter W. Schmidt, Pforzheim (Architekt BDA) – Melanie Huml, MdL (Bayer. Staatsministerin für Gesundheit und Pflege) – Frank Spallinger (Dipl.-Ing., Architekt; Peter W. Schmidt Architekten GmbH) – Dr. Christian Kruse (Leiter des Staatsarchivs Bamberg) – Jürgen König (Leiter des Staatlichen Bauamts Bamberg) – im Hintergrund der neue Erweiterungsbau (Foto: Staatsarchiv Bamberg/GDA Bayern)

Im August 2014 hatte das damalige Bayerische Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst den Planungsauftrag für den Erweiterungsbau erteilt. Im Rahmen eines Wettbewerbsverfahrens ging der 1. Preis an das Architekturbüro Peter W. Schmidt, Pforzheim. Der erste Spatenstich wurde im Oktober 2016 gefeiert, ein Jahr später das Richtfest. Die Projektsteuerung und Bauleitung lag beim Staatlichen Bauamt Bamberg. Der Erweiterungsbau mit einem Bruttorauminhalt von 14.346 m³ realisiert auf einer Grundfläche von knapp 2.000m² eine Nutzfläche von 3469 m², davon rund 200 m² für Arbeitsund Lagerräume, darunter einen Reinigungsraum mit einer mikrobiologischen Sicherheitswerkbank.

Außerdem enthält das Gebäude dreizehn Magazinräume und drei kleine Magazine zur Lagerung von Spezialmaterial, vor allem Fotografien, die ein kälteres Raumklima benötigen. Der Erweiterungsbau besteht aus sechs Geschossen mit fensterlosen Magazinen. Das Untergeschoss ist 53,8 Meter lang und 24,9 Meter breit, die fünf Geschosse darüber sind quadratisch mit einer Seitenlänge von 24,4 Meter. Es können, wie erwähnt, rund 18,9 laufende Kilometer Archivalien gelagert werden. Als Baukosten wurden 9,1 Millionen Euro genehmigt. Mit einer Klimaanlage (Lüftung, Heizung, Kühlung, Be- und Entfeuchtung) und einem mehrschichtigen Wandaufbau (von innen nach außen: 25 cm Stahlbeton, 20 cm Dämmung, Luft, 8–10 cm eingefärbte Betonfassade mit Sandstein-Anmutung) soll ein konstantes Magazinklima mit einer Temperatur von 16 bis maximal 20 Grad Celsius und einer relativen Luftfeuchte von 40 bis maximal 55 Prozent geschaffen werden.

Staatsminister Bernd Sibler betonte bereits vor der Eröffnung: „Das Staatsarchiv Bamberg beherbergt einen großen kulturellen Schatz. Der Erweiterungsbau ermöglicht es nun, sämtliche Bestände an einem Ort zusammenzuführen. Wertvolle Zeugnisse unserer Geschichte spiegeln die Klosterkultur des Mittelalters, die verschiedenen Territorialherrschaften sowie die Grenznähe der Region zur ehemaligen DDR und zu Tschechien wider. Sie werden hier künftig unter hervorragenden Bedingungen aufbewahrt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dieses hochmoderne Archiv bietet uns beste Möglichkeiten, uns mit unserer Geschichte und Identität auseinanderzusetzen.“

Das Staatsarchiv Bamberg ist die staatliche Fachbehörde für alle Fragen des Archivwesens im Regierungsbezirk Oberfranken mit Ausnahme der kreisfreien Stadt Coburg und des Landkreises Coburg, die erst seit der Volksabstimmung von 1920 zu Bayern gehören. Es verwahrt derzeit rund 26 Kilometer Archivgut bei einem durchschnittlichen jährlichen Zuwachs von 300 Metern. Im Staatsarchiv ist historisch und rechtlich relevantes Material aus der Zeit von 815 bis in die Gegenwart überliefert, das für Forschung gesichert, erschlossen und bereitgestellt wird.

Im Rahmen der Festveranstaltung wurde die Ausstellung „Staatliches Bauen in Oberfranken – eine Skizze“ eröffnet. Die Ausstellung ist bis 7. Juni 2019 zu sehen (Mo, Do 8.00–16.00 Uhr, Di, Mi 8.00–18.00 Uhr, Fr 8.00–12.30 Uhr), es erscheint ein kleiner Katalog (Verkaufspreis 4 Euro).

Kontakt:
Staatsarchiv Bamberg
Hainstr. 39
96047 Bamberg
Tel. 0951/98622-0
Fax 0951/98622-250
poststelle@staba.bayern.de
https://www.gda.bayern.de/bamberg/

Quelle: Staatsarchiv Bamberg, Pressemitteilung, 25.3.2019

Die Straßen von Neuss

Nachschlagewerk des Stadtarchivs zur Geschichte aller Neusser Straßen und Stadtteile erschienen

Nach über zwölf Jahren intensiver Forschung und Recherche legt das Stadtarchiv Neuss ein für Neuss bislang einmaliges und mit 880 Seiten stattliches Buch vor: „Die Straßen von Neuss“. Herausgeber Dr. Jens Metzdorf verspricht mit Band 22 der Schriftenreihe des Stadtarchivs einen „sehr lebendigen Teil der Stadtgeschichte!“

Erstmals präsentiert das Stadtarchiv Neuss mit in 1.131 Artikeln alle Straßen der Stadt, ihre heutigen und früheren Namen sowie ihre Bedeutungen und Benennungsgeschichten. Dabei behandelt das Buch alle Straßen im Kontext der Geschichte der 26 Neusser Stadtteile (statistischen Bezirke), die ebenfalls mit ihren Besonderheiten in ausführlichen Beiträgen – ergänzt um aktuelle Karten – vorgestellt werden. Illustriert wird das Nachschlagewerk durch über 700 Abbildungen, vornehmlich aus dem Bestand des Stadtarchivs Neuss. Ein Personen- und ein Straßenregister schaffen übergreifende Zugänge zu allen Einträgen des Lexikons.

„In seiner enzyklopädischen Breite und Tiefe,“ betont der Herausgeber, „richtet sich das Buch an alle Menschen in der Stadt Neuss und ihren selbstbewussten Stadtteilen: Kleine und Große, Alte und Junge, kundige Bewohner und interessierte Gäste, Heimatverbundene und Lokalforscher, alteingesessene Bürgerinnen und Bürger sowie Neubürgerinnen und Neubürger unterschiedlicher Herkunft.“

Die „Straßen von Neuss“ gliedern seit Jahrhunderten den öffentlichen Raum und verbinden die Menschen der Stadt. Außerdem knüpfen sie vielfältige Bande zur spannenden Geschichte von Neuss. So sind die Straßen von Neuss – auch im Zeitalter digitaler Navigationssysteme – weit mehr als lokale Orientierungshilfen für Einheimische und Besucher. Als „Erinnerungsorte“ bilden sie ein über Generationen gewachsenes Denkmal, welches das kollektive Gedächtnis prägt. Die „Straßen von Neuss“ sind gepflastert mit Stadtgeschichte: Ihre Namen erzählen vertraute, kuriose und überraschende Episoden von Menschen und Orten, Politik und Propaganda, Tradition und Erinnerungskultur.

Das Buch ist erhältlich im Stadtarchiv Neuss, in der Tourist-Information und im Buchhandel. Das Kompendium des Stadtarchivs zu den Neusser Straßen wird in digitaler Form ständig um aktuelle Straßenbenennungen ergänzt. Die Texte für Straßen, die nach der Fertigstellung des Buches benannt werden, stehen zum Download zur Verfügung.

Info:
Jens Metzdorf (Hg.):
Die Straßen von Neuss, Lexikon zur Geschichte der Neusser Stadtteile, der Straßen, Wege, Plätze und ihrer Namen (= Schriftenreihe des Stadtarchivs Neuss, Bd. 22),
Neuss 2019, 880 Seiten, über 700 Abb., 39,90 Euro. ISBN 978-3-922980-25-4

Kontakt:
Stadtarchiv Neuss
Oberstraße 15
41460 Neuss
Telefon: +49 (0) 2131 – 90 42 50
Telefax: +49 (0) 2131 – 90 24 33
stadtarchiv@stadt.neuss.de
www.stadtarchiv-neuss.de

Quelle: Stadtarchiv Neuss, Mitteilung, 21.3.2019

Anforderungen an die Aussonderung von E-Akten

Rückblick auf das Informationsforum 2019 des Bundesarchivs in Koblenz und Berlin

Nach welchen Vorgaben sind elektronische Akten zu führen? Welche Metadaten werden benötigt? Wie können elektronische Akten ausgesondert werden und welche Anforderungen gelten? Diesen Fragen war das 14. Informationsforum des Bundesarchivs gewidmet. Es fand unter der Überschrift „Alles gut vorbereitet? – Anforderungen an die Aussonderung von E-Akten“ am 13. Februar 2019 in Koblenz und am 20. Februar 2019 in Berlin statt. Das Bundesarchiv liefert einen Tagungsbericht und die Präsentationen der Tagung auf seiner Webseite:

Im Mittelpunkt des Informationsforums des Bundesarchivs für die Bundesverwaltung standen die speziellen Anforderungen an die Aussonderung elektronischer Akten an das Bundesarchiv. In den beiden Veranstaltungen begrüßte die Abteilungspräsidentin der Abteilung B (Bundesrepublik Deutschland) des Bundesarchivs, Frau Martin-Weber, insgesamt mehr als 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Stellen und Einrichtungen des Bundes.

Abb.: Eröffnung des Informationsforums in Berlin durch Abteilungspräsidentin Frau Martin-Weber, 20. Februar 2019 (Quelle: Bundesarchiv / Körner, Christian)

Anforderungen an die elektronische Schriftgutverwaltung
Den Auftakt machten zwei anregende Grundsatzvorträge: Herr Dr. Müller, Richter am Hessischen Landessozialgericht, stellte die rechtlichen Fundamente der elektronischen Aktenführung vor. Frau Eisvogel in Koblenz bzw. Herr Kalich in Berlin (beide Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend) beschrieben die veränderte Rolle der Registratur in der Welt der elektronischen Akte.

„Der lange Weg der E-Akte“
Am Nachmittag wurde „Der lange Weg der E-Akte“ beschritten. In einem fokussierten Blick auf den gesamten Prozess der elektronischen Aussonderung beleuchteten die Vorträge unterschiedliche Aspekte: Den Beginn machte der Erfahrungsbericht von Frau Palandt (Bundesverwaltungsamt) zum Thema „Aktenplanrevision und -aktualisierung“, an den sich die Rolle von Bewertungskatalogen als Teil einer automatisierten Aussonderung anschloss. Hierzu schlug Herr Wendt (Bundesarchiv) den Bogen „Vom Aktenplan zum Bewertungskatalog“, den Herr Jacobs (Bundesarchiv) in seinem Beitrag zum Zusammenspiel von „Bewertungskatalogen in E-Akte-Systemen“ fortführte.

Daraufhin stellten zwei Vorträge zum Thema Metadaten und Dateiformate die Formierung der auszusondernden Datenpakete und ihre Herausforderungen dar. Frau Busch (Bundesarchiv) erläuterte die „Erstellung von Datenpaketen mit Hintergründen, Anforderungen, Metadaten und Verfahrensfragen“. Anhand von Praxisbeispielen beschrieb Frau Simon (Bundesarchiv) die Problemfelder und Lösungsstrategien beim Umgang mit Dateiformaten in der elektronischen Akte.

Frau Range (Bundesministerium für Finanzen) schilderte ihre Erkenntnisse bei der Erstellung eines Konzepts zur elektronischen Aktenaussonderung an das Bundesarchiv. Als potenzielle Aussonderungsmöglichkeit ging Herr Obkircher (Bundesarchiv) abschließend auf „Die manuelle Aussonderung im zwei- und vierstufigen Verfahren“ ein.

Der Prozess der Aussonderung
Nach diesem inhaltsreichen Vortragsreigen machten die Veranstaltungsteilnehmerinnen und -teilnehmer von dem Angebot rege Gebrauch, ihre Fragen und Anregungen an die Vortragenden zu richten. An beiden Veranstaltungsorten wurden innerhalb einer Plenumsrunde die angefragten Themen weiter erörtert, die sich u. a. auf die E-Akte Bund, das sich wandelnde Berufsbild des Registrators oder Aspekte rund um die Konvertierung von Dateiformaten bezogen.

Abgerundet wurde die Veranstaltung durch den Vortrag „Aussonderung über das Digitale Zwischenarchiv des Bundes (DZAB)“ von Herrn Bannert (Bundesarchiv). In seinem Beitrag stellte er die in den vorangegangenen Sektionen behandelten Themenkomplexe in den Kontext des DZAB und erläuterte dessen Funktionsweise. Dabei wurde deutlich, dass die Nutzung des DZAB, das als zentrale Lösung des Bundesarchivs für die Langzeitspeicherung allen Stellen und Einrichtungen des Bundes offensteht, mit einer Reihe von Vorteilen sowohl für die teilnehmenden Behörden als auch das Bundesarchiv verbunden ist.

Bilanz
Der abwechslungsreiche Mix aus den Erfahrungen der Justiz und der Behördenwelt gemeinsam mit den prozessorientierten Vorträgen der Mitarbeiterinnen und Mitarbei-ter des Bundesarchivs bot anschauliche und praxisnahe Einblicke in die Umstellungsprozesse, die sich für Stellen und Einrichtungen des Bundes ergeben. In diesem Sinne konnte der Moderator, Herr Dr. Christian (Bundesarchiv), für beide Veranstaltungen ein positives Fazit ziehen.

Präsentationen zum Download

Rechtliche Grundlagen, Dr. Henning Müller, Landessozialgericht Hessen (PDF, 3MB)

Die neue Rolle der Registratur, Andrea Eisvogel, BMFSFJ (PDF, 2MB)

Vom Aktenplan zum Bewertungskatalog, Gunnar Wendt, Bundesarchiv (PDF, 2MB)

Bewertungskataloge in E-Akte-Systemen, Rainer Jacobs, Bundesarchiv (PDF, 2MB)

Erstellung von Datenpaketen: Hintergründe, Anforderungen, Metadaten und Verfahren, Stefanie Busch, Bundesarchiv (PDF, 2MB)

Erstellung von Datenpaketen: Dateiformate, Heike Simon, Bundesarchiv (PDF, 2MB)

Erstellung eines Aussonderungskonzepts, Nicolle Range, BMF (PDF, 4MB)

Die manuelle Aussonderung im zwei- und vierstufigen Verfahren, Hartmut Obkircher, Bundesarchiv (PDF, 2MB)

Quelle: Bundesarchiv, Pressemeldung und Tagungsbericht, 28.3.2019

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