Geschädigtes Stadtarchiv Menden (Sauerland) nutzt Gefriertrocknung

Wie das Stadtarchiv Stolberg, so ist auch das Stadtarchiv Menden im Sauerland durch das Juli-Hochwasser 2021 stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Hatte es zunächst so ausgesehen, als sollte Menden verschont bleiben, stiegen am späten Nachmittag und in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag (14./15.7.2021) die Pegel von Hönne und Oese dann doch unerwartet und rasant an, so dass Menden ein Jahrhunderthochwasser erfahren musste.


Abb.: Bereits bis Donnerstag (15.7.2021) war die Feuerwehr zu 144 Einsätzen im gesamten Stadtgebiet Mendens gerufen worden (Foto: Feuerwehr Menden).

Am 14.7.2021 stand der Keller des Stadtarchivs am Westwall unter Wasser. Mit großem Engagement versuchten unter anderem der Hausmeister und die Feuerwehr so viele Materialien zu bergen, wie nur möglich war. Am Tag danach lag das dabei gerettete Archivgut in den Gängen des Erdgeschosses und Bilder lehnten an den Wänden, wie die Westfalenpost berichtete.

Mendens Stadtarchivar Stephan Reisloh, der die Kellerräume am Westwall nicht für archivtauglich erachtet, musste rasch entscheiden, wie mit den durchnässten Materialien umzugehen ist. Er konnte dabei auf die Unterstützung des LWL-Archivamtes für Westfalen in Münster zurückgreifen, das dafür sorgte, dass Dokumente aus Menden bereits der Gefriertrocknung zugeführt wurden. Die Restaurierungswerkstatt des LWL-Archivamtes besitzt jahrelange Erfahrung in der Bergung und Versorgung wassergeschädigter Archivalien. Sie verfügt über eine Vakuum-Gefriertrocknungsanlage, die bei Bedarf von geschädigten Institutionen genutzt werden kann. Das Gefriertrocknungsverfahren verhindert die weitere Zersetzung des Materials, zu dem in Menden auch historische Zeitungen gehören, und ermöglicht die spätere Restaurierung des geschädigten Archivgutes.


Abb.: Im Keller des Westwall 21-23 ist eine Compactus-Rollregalanlage eingebaut (Foto: Stadt Menden (Sauerland))

Zu den eigentlichen alltäglichen Aufgaben des Archivs – Verwahren, Erhalten, Erschließen und Nutzbar machen -, hat sich das Archiv der Stadt Menden auch daran gemacht, die Chronik der Stadt Menden (Sauerland) nicht nur in analoger, sondern auch in digitaler Form zu führen. So existieren seit 1992 Jahreschroniken als Videoproduktionen des Archivs auf DVD.

Derzeit befindet sich das Stadtarchiv Menden aufgrund der Hochwasserschäden im Notbetrieb und wird Anfragen vorübergehend nur bedingt beantworten können.

Link: Handlungsempfehlungen bei Wasserschäden des LWL-Archivamtes für Westfalen

Kontakt:
Archiv der Stadt Menden (Sauerland)
Westwall 21-23
58706 Menden
Tel.: 02373 903-1780
archiv@­menden.de

Quelle: Westfalenpost, 18.7.2021; Westfalenpost, 19.7.2021; Stadt Menden, Aktuelles; Feuerwehr Menden, Aktuelles, 16.7.2021.

Papst Franziskus will Filmarchiv gründen

Papst Franziskus möchte im Vatikan ein eigenes Filmarchiv einrichten lassen. Ihm schwebe eine Art Mediathek für audiovisuelles Erbe von hohem religiösen, künstlerischem und menschlichen Rang vor, sagt er in dem neuen Interviewbuch „Lo sguardo: Porta del cuore“ (Der Blick: Tür des Herzens), aus dem die Zeitung Il Messaggero am 18.7.2021 Vorabauszüge veröffentlichte. Dieses Filmarchiv könne neben Apostolischer Bibliothek und Vatikan-Archiv errichtet werden.

Die Filmbegeisterung verdankt das Kirchenoberhaupt seinen Eltern. Sie hätten ihn und seine Geschwister oft mit ins Kino genommen, so Franziskus. „Wohl zehn, zwölf Jahre lang habe ich jeden Film mit Anna Magnani und Aldo Fabrizi gesehen, von denen mir ‚Rom, offene Stadt‘ von Roberto Rossellini besonders gut gefallen hat.“ Der italienische Neorealismus habe ihm und seinen Altersgenossen besonders intensiv „die große Tragödie des Weltkriegs“ vermittelt, so der 84-Jährige.


Abb.: Filmplakat des Films „La Strada“ (Von Pabloglezcruz – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=25511713)

Ganz besonders faszinieren den Argentinier auch die Film von Federico Fellini. Er habe es geschafft, den Blick auf Menschen am Rande, die Zurückgelassenen zu richten, so Franziskus. Fellinis Werk „La Strada – Das Lied der Straße“ von 1954 sei sein Lieblingsfilm, auch weil es darin etliche implizite Hinweise auf Franz von Assisi gebe.

Die päpstliche Preisung Fellinis sei ein Politikum, urteilt Oliver Das Gupta in seiner SZ-Kolumne „Bester Dinge“, hatte die Kirche mit dessen Filmen doch einst „dicke Probleme“. In „La Dolce Vita“ planscht Anita Ekberg nicht nur im Trevi-Brunnen, gleich zu Beginn schwebt auch eine Jesus-Statue am Hubschrauber gen Petersdom – und sonnenbadende Römerinnen winken. Und in „Achteinhalb“, so Das Gupta weiter, „sucht der Protagonist Hilfe bei einem Kardinal, im Dampfbad, leider ohne Erfolg. Denn: Außerhalb der Kirche gibt es kein Heil, so die stoische Antwort seiner Eminenz. Mit der Aufnahme im Film-Archiv vergibt der Vatikan nun doch noch den Fellini-Filmen das Prädikat ‚besonders wertvoll'“.

Siehe auch:
Katholische Filmkommission freut sich über Filmbegeisterung des Papstes (domradio.de, 20.7.2021)

Quelle: DLF, Kulturnachrichten, 19.7.2021; katholisch.de, 19.7.2021; Süddeutsche Zeitung, 19.7.2021

Justus Möser und das Tuchmachergewerbe in Bramsche

Ausstellung und Publikation.

„Das Tuchmacheramt zu Bramsche hat sich durch seine gute, treue und fleißige Arbeit seit kurzen Jahren dergestalt hervorgetan, dass es die größte Aufmerksamkeit und alle Unterstützung verdient“, schreibt Justus Möser 1766 in den Wöchentlichen Osnabrückischen Anzeigen. Bei allem Lob für ihre solide Handwerkskunst legt Möser doch gleich in seiner ersten öffentlichen Äußerung zu den Bramscher Tuchmachern den Finger in die Wunde, wie die Leiterin des Tuchmacher Museums Bramsche, Kerstin Schumann, in ihrem Vorwort zur Begleitpublikation der aktuellen Ausstellung „Die Leute sind Goldarbeiter“ erläutert: Die Wolle, mit der sie ihre Tuche weben, ist zu grob, mit auswärtigen Waren aus der feinen, spanischen Wolle können sie nicht konkurrieren: „Die Leute sind Goldarbeiter und sie haben nur Messing“.

Sein Versprechen um Aufmerksamkeit und Unterstützung löste Justus Möser (1720-1794) den Bramscher Tuchmachern gegenüber ein. Über 30 Jahre kümmerte er sich um die Entwicklung ihres Gewerbes. Das Bramscher Lagerhaus, das die Tuchmacher mit günstiger Wolle in guter Qualität versorgte und den Verkauf der Tuche zu einem angemessenen Preis ermöglichte, geht auf Mösers Initiative zurück. Doch welche Vorstellungen verfolgte er – und welche die Bramscher Tuchmacher?

Den 300. Geburtstag des einflussreichen Staatsmannes und in seiner Zeit viel gelesenen Publizisten Justus Möser nimmt das Tuchmacher Museum zum Anlass, seine Gewerbepolitik am Beispiel der Bramscher Tuchmacher näher zu beleuchten. Neben den Schriften Mösers und der Sekundärliteratur vermitteln insbesondere zeitgenössische Quellen ein detailreiches Bild des Tuchmachergewerbes in Bramsche in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts.


Abb.: Merinoschaf, „Belier merinos. Dessine d’apres nature par Huet fils Peintre du Museum d’Histoire Naturelle“, Merinoschaf (Bock), Lithographie nach Nicolas Huet (1718–nach 1788), Wellcome Library, London, Nr. 40091i. Fotonachweis: Wellcome Library, London, Wellcome Collection. Attribution 4.0 International (CC BY 4.0)

Ein besonderes Anliegen des Begleitbandes ist es, 24 ausgewählte Quellen aus dem Niedersächsischen Landesarchiv erstmals einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Die Herkunft, Auswahl und Einordnung der Quellen sowie die Kriterien dieser Edition beschreiben die Autorinnen und Autoren Rose Scholl, Martin Siemsen und Ilka Thörner im einleitenden Teil. Die gute Lesbarkeit der Texte war dabei ein Leitgedanke.

Den Hauptanliegen Mösers, der Verbesserung der Wollqualität, der Anlage eines Lagerhauses und der Etablierung einer Schönfärberei widmen sich zwei vorangestellte Aufsätze von Ilka Thörner und Rose Scholl, die mit neuen Erkenntnissen zum Tuchmachergewerbe in Bramsche und zum Bramscher Rot aufwarten.

Info:
Tuchmacher Museum Bramsche (Hrsg.):
„Die Leute sind Goldarbeiter – Justus Möser und das Tuchmachergewerbe in Bramsche“.
Bramsche 2021
272 S., 72 Abb., ISBN 978-3-89946-313-2, € 16,00.

Gleichnamige Ausstellung, Sonntag, 20. Juni bis Sonntag, 31. Oktober 2021, dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr im Tuchmacher Museum Bramsche. Eintritt in das Museum 8,00 Euro, ermäßigt 4,00 Euro, bis 18 Jahre frei.

Ausstellung und Begleitschrift werden von der Niedersächsischen Sparkassenstiftung, der Kreissparkasse Bersenbrück, dem Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur, dem Landschaftsverband Osnabrücker Land e.V. und dem Förderverein Tuchmacher Museum Bramsche e.V. gefördert.

(Rose Scholl)

Kontakt:
Tuchmacher Museum Bramsche
Mühlenort 6
49565 Bramsche
Tel.: 05461 94510
info@tuchmachermuseum.de
www.tuchmachermuseum.de

Arbeit am Gedächtnis – Transforming Archives

Ausstellung in der Akademie der Künste.

Das kulturelle Gedächtnis ist die Basis der menschlichen Zukunft. Dabei übernehmen Künste und Kulturinstitutionen eine entscheidende Rolle. Die Auseinandersetzung mit Erinnerung und Gedächtnisspeichern sind zentraler Gegenstand aktueller künstlerischer Praxis: Künstlerinnen und Künstler befragen Archive, überdenken Auswahlprozesse, tasten Lücken im Depot ab und erstellen eigene Archive gegen das Vergessen. Denn das Gedächtnis ist ein umkämpftes Feld: Inmitten der aktuellen Dynamik von digitalem Wandel, rechten und nationalistischen Erzählungen, postkolonialen Debatten um historische Verantwortung sowie dem Ringen um Nachhaltigkeit und Diversität gilt es, tradierte Wissens- und Erinnerungsräume zu verteidigen und zugleich neu zu bewerten.


Abb.: „Erinnern ist Arbeit“, Ausstellungsprojekt von Einar Schleef, 1992, im Marstall, Berlin. Foto © Ute Schendel. VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Anlässlich ihres 325-jährigen Bestehens reflektiert die Akademie der Künste auch die eigene Institution und ihre Archive als Erinnerungsspeicher. Eine Ausstellung mit 13 Auftragsarbeiten und 15 exemplarischen Positionen aus dem Archiv zeigt die Grammatik von Erinnern und Vergessen und stellt Aufbewahrtes in neue Kontexte.

Mit Arbeiten von: Mirosław Bałka, Candice Breitz, Ulrike Draesner, Arnold Dreyblatt, Thomas Heise, Susann Maria Hempel, Alexander Kluge, Eduardo Molinari, Matana Roberts, Cemile Sahin, Cécile Wajsbrot, Jennifer Walshe und Robert Wilson.

Paul Ingendaay zeigt sich in der FAZ begeistert von der Ausstellung (und dem „exzellenten“ Katalogheft) zum Themenkomplex Archiv, Erinnerung und historisches Gedächtnis („ein großartiger Rundgang“) und empfiehlt u.a. allen, „die es noch nie getan haben, sich mit den Zeugnissen aus der Geschichte der Akademien selbst (Ost und West) zu beschäftigen“.

Die Veranstaltung „Durch das Herz hindurchgehen. Eine Einführung“ bildete am 2.6.2021 den Auftakt der Gesprächsreihe zur Ausstellung „Arbeit am Gedächtnis – Transforming Archives“. Johannes Odenthal und Werner Heegewaldt führen in das Ausstellungsprojekt ein. Anschließend diskutieren Jeanine Meerapfel und Cécile Wajsbrot über die Rolle von Erinnerung und Vergessen für ihre jeweilige künstlerische Arbeit.

Info:
Arbeit am Gedächtnis – Transforming Archives. Ausstellungder Akademie der Künster
17.6.-19.9.2021, Di-So 11-19 Uhr
Ort: Pariser Platz, Berlin
adk.de/tickets

Kontakt:
Akademie der Künste
Pariser Platz 4
10117 Berlin
Telefon +49 (0)30 200 57-0 / -1000
Telefax +49 (0)30 200 57-1702
info@adk.de
www.adk.de

Quelle: Akademie der Künste, Programm, Juni 2021; Paul Ingendaay: Jeder mit seinem eigenen Spaten, in: FAZ, 15.7.2021, 9.

Hochwasserschäden in NRW und angrenzenden Regionen

Stadtarchiv Stolberg zerstört.

Nach der Unwetter-Katastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz mit Starkregen und Hochwasser melden die Behörden mittlerweile mehr als 150 Tote. Das Ausmaß der materiellen Schäden ist noch nicht absehbar. Seit Mitternacht (15./16.7.2021) läuft die Rurtalsperre über. Aufgrund des Überlaufs sind nach Angaben des Wasserverbandes Eifel-Rur entlang der Rur über Düren, Jülich und Hückelhoven bis in die Niederlande weitere Hochwasserschäden zu befürchten.

Ratshausstraße in Stolberg (Foto: WDR)

Zahlreiche Kultureinrichtungen sind betroffen, geschädigt oder gar zerstört. Beispielsweise sind drei Museen des Landschaftsverbands Rheinland so stark beschädigt, dass eine Öffnung derzeit nur teilweise oder überhaupt nicht möglich ist. Betroffen sind das LVR-Freilichtmuseum Kommern, das LVR-Industriemuseum Papiermühle Alte Dombach in Bergisch Gladbach sowie das Kraftwerk Ermen & Engels in Engelskirchen. Hart getroffen wurde auch die Stadt Stolberg, die durch die Fluten aus dem Vichtbach in zwei Teile geteilt worden ist. Das untere Stockwerk des Rathauses geriet unter Wasser, das Stadtarchiv Stolberg im alten Rathaus ist verloren.

„Unsere komplette Stadtgeschichte ist abgesoffen, das ganze Archivmaterial stand im Wasser“, sagte Stolbergs Bürgermeister Patrick Haas (SPD) der Deutschen Presse-Agentur. Es gebe zahlreiche Helfer vor Ort, zudem habe das Kölner Stadtarchiv Experten zur Unterstützung geschickt. In einem „Kulturgutschutz-Container„, den die Domstadt vergangenes Jahr angeschafft hat, sollen Dokumente – von Urkunden aus dem Mittelalter bis hin zu jüngeren Bauanträgen – gesäubert und sichergestellt werden. Notwendig ist vielfach die Gefriertrocknung der Materialien, um weitere Zersetzungsprozesse zu verhindern.

Aktuelle Informationen speziell zu Stolberg findet man auf dem Facebookprofil der Stadt Stolberg und auf der Webseite der Stadt Stolberg. Für dringende Fragen ist ein Bürgertelefon eingerichtet worden (02402/12751183). Auf Facebook hat sich eine Gruppe gegründet, die das vollgelaufene Stadtarchiv retten möchte: „Stadtarchiv Stolberg – Initiative zum Wiederaufbau“.

Quelle: WDR, Nachrichten, 16.7.2021; WDR, Nachrichtenseite; Aachener Nachrichten, 15.7.2021; LVR, Pressemeldung, 15.7.2021; Stadt Köln, Pressemitteilung, 8.10.2020; Deutschlandfunk Kultur, 20.7.2021

Stadtarchiv Nordhausen mit MdA-Webpräsenz

Das Stadtarchiv Nordhausen geht in dieser Woche online. Neben der Beständeübersicht im Archivportal Thüringen bietet das Stadtarchiv ab sofort erstmals unter nordhausen.mitteldeutschearchive.de eine fachbezogene, selbst moderierte und aus Haushaltsmitteln der Stadt Nordhausen finanzierte Internetpräsenz.

Auf Basis einer vertraglich fixierten Zusammenarbeit mit dem 2015 begründeten Mitteldeutschen Archivnetzwerk (MdA) stelle das Stadtarchiv Nordhausen auf der eigenen Homepage seine Aufgaben und Bestände klar strukturiert, übersichtlich und reich bebildert vor, erläutert Dr. Wolfram G. Theilemann, Leiter des Nordhäuser Stadtarchivs. Über die vier Menüpunkte „Archiv“, „Benutzung“, „Bestände“ und „digitale Recherche“ könne man eine Fülle von Informationen ansteuern: bibliografische Daten, Links zu Partnern und weniger bekannten Findmitteln sowie Hinweise auf andere Archive im Südharz für Heimatforscher, Familienhistoriker, Wissenschaftler aller Couleur“, so Theilemann weiter.

Künftig werden diese Daten regelmäßig von den Beschäftigten des Stadtarchivs ergänzt. Zudem werden besondere Archivalien, aktuelle Informationen zu Öffnungszeiten, Formulare oder Neuerscheinungen und vieles mehr die digitale Nachfolge der 2019 „Nordhäuser Nachrichten. Südharzer Heimatblätter“ antreten. „Geplant ist schließlich, ab dem Jahr 2022 über diese Webseite auch eine präzise Eigenrecherche nach genealogischen Daten aus den im Stadtarchiv aufbewahrten Personenstandsregistern zu ermöglichen“, zeigt Dr. Theilemann die kommende Perspektive auf.

Die neue Seite des Stadtarchivs ist mit der städtischen Homepage verlinkt.

Die Beteiligung am Mitteldeutschen Archivnetzwerk steht jedem der rund 200 Archive im mitteldeutschen Raum, in Sachsen-Anhalt, in Sachsen und in Thüringen offen. Folgende Institutionen, vor allem Hochschul- und Stadtarchive, haben sich seit 2014/2015 bereits zur Mitarbeit entschlossen: Universitätsarchiv Leipzig, Ratsarchiv Görlitz, Stadtarchiv Borna, Hochschularchiv TU Chemnitz, Hochschularchiv Bauhausuniversität Weimar, Hochschularchiv HGB Leipzig, Stadtarchiv Kamenz, Stadtarchiv Neuburg, Stadtarchiv Radebeul, Stadtarchiv Zwickau, Hochschularchiv TU Dresden, Hochschularchiv Universität Jena, Hochschularchiv Universität Rostock, Stadtarchiv Nordhausen, Hochschularchiv TU Merseburg, Hochschularchiv TU Madgeburg, Hochschularchiv HTWK Leipzig, Hochschularchiv TU Bergakademie Freiberg, Hochschularchiv HMT Leipzig, Universitätsarchiv TU Ilmenau, Stadtarchiv Delitzsch.

Kontakt:
Stadtarchiv Nordhausen/Harz
Markt 15, Neues Rathaus
Tel.: 03631/696-441 und -450
Fax.: 03631/696 87 450
stadtarchiv@nordhausen.de
nordhausen.mitteldeutschearchive.de

Quelle: Stadt Nordhausen, Meldung, 14.7.2021

Entwürfe des Völkermanifests Kaiser Franz Josephs I. ans Österreichische Staatsarchiv übergeben

Die Direktoren der gemeinnützigen Klimt-Foundation, Peter Weinhäupl und Sandra Tretter, übergaben dieser Tage der österreichischen Bundesministerin für EU und Verfassung, Karoline Edtstadler, ein Konvolut aus bisher unbekannten Entwürfen zur Kriegsproklamation Kaiser Franz Josephs I. (1830-1916) aus dem Juli 1914 als Schenkung für das Österreichische Staatsarchiv. Die Bundesministerin, die innerhalb der Bundesregierung für das Staatsarchiv zuständig ist, zeigte sich beeindruckt, ein Zeitdokument in den Händen zu halten, das im weiteren Verlauf das Schicksal Europas so nachhaltig beeinflusst hat.


Abb.: Bundesministerin Karoline Edtstadler (in der Bildmitte) nimmt die Dokumente gemeinsam mit ÖStA-Generaldirektor Helmut Wohnout (1. v.l.), HHStA-Direktor Thomas Just (2. v.l.), Peter Weinhäupl (Direktor Klimt-Foundation, 2. v.r.) und Sandra Tretter (stv. Direktorin Klimt-Foundation, 1. v.r.) in Augenschein (Foto: ÖStA).

Der Generaldirektor des Österreichischen Staatsarchivs, Helmut Wohnout, betonte in seinen Dankesworten, dass diese großzügige Schenkung eine wertvolle Abrundung der im Staatsarchiv vorhandenen Bestände zum Kriegsausbruch bedeute. Das Manifest wird nun im Haus-, Hof- und Staatsarchiv verwahrt und nach der archivarischen Erfassung für Forschung und Wissenschaft zur Verfügung gestellt.


Abb.: Es handelt sich bei den übergebenen Dokumenten um Entwürfe jenes Völkermanifests vom Juli 1914, das die Kriegserklärung an Serbien zum Inhalt hatte (Foto: ÖStA).

Es handelt sich bei den übergebenen Dokumenten um Entwürfe jenes Völkermanifests, das nach dem Attentat auf das Thronfolgerehepaar, Erzherzog Franz Ferdinand und Sophie Herzogin von Hohenberg am 28. Juni 1914 in Sarajevo und der infolge auftretenden Juli-Krise, entstand und die Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien zum Inhalt hatte. Dieses wurde zum Auslöser der zum Ersten Weltkriegs führenden politischen Kettenreaktion.

Kontakt:
Österreichisches Staatsarchiv, Abteilung Haus-, Hof- und Staatsarchiv
Minoritenplatz 1
1010 Wien
Telefon: +43 1 795 40-640801 (Sekretariat)
hhsta@oesta.gv.at

Quelle: Österreichisches Staatsarchiv, Nachrichten, 9.7.2021

Fotoschätze aus dem Stadt- und Kreisarchiv Nienburg

„Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“ – diese Redewendung umschreibt sehr passend, warum Fotografien in einer zunehmend visuell orientierten Gesellschaft solch eine Bedeutung haben. – „Bei uns im Stadt- und Kreisarchiv Nienburg werden einige tausend Fotografien verwahrt, und der Bestand wächst. Es gehört zu den Aufgaben eines Archivs, das fotografische Erbe zu sichern. Dabei konzentrieren wir uns auf Bildquellen mit Nienburg-Motiven“, berichtet Archivleiterin Patricia Berger.


Abb.: Alte Weserbrücke in Nienburg, Amateur-Aufnahme von W. Eickhoff jun. aus der Fotosammlung des Stadt- und Kreisarchivs Nienburg

Schwerpunkte der Überlieferung sind historische Postkarten, Fotos von Bauwerken und wichtigen Ereignissen, aber auch Luftbilder. Im Bereich der Postkarten wurde gerade das 1000. Stück eingepflegt. Das älteste Foto stammt aus der Zeit um 1860.

„Bislang konzentriert sich die Verzeichnung auf die analogen Fotos, der Bestand der rein digital vorliegenden Fotos befindet sich im Aufbau“, so Archivfachangestellte Linda Oerzen, die für die Fotosammlung des Nienburger Archivs verantwortlich ist. Kontinuierlich wird die Sammlung durch Übernahmen aus der Verwaltung, Schenkungen oder Ankäufe ergänzt. Neben spezifischen klimatischen Verhältnissen muss für die archivgerechte Aufbewahrung der empfindlichen Fotografien gesorgt werden. Wichtig für die Nutzung der Bildquellen ist es zudem, Informationen rund um das Foto bereit zu stellen. Was genau ist dargestellt? Aus welcher Zeit stammt das Foto? Wer hat fotografiert? In welchem Kontext steht das Foto?

Abb.: Archivmitarbeiterin Linda Oerzen inmitten einiger Nienburger Fotos (Foto: Stadt- und Kreisarchiv Nienburg)

Die Einsichtnahme in die Fotobestände erfolgt in der Regel analog im Lesesaal des Archivs. Der Digitalisierung und Onlinestellung von Fotografien sind durch die Urheberechtsgesetzgebung Grenzen gesetzt. Um dennoch einen digitalen Service anzubieten, stellt das Archiv ganz aktuell ausgewählte Fotos über den Onlinedienst flickr.com zum kostenlosen Stöbern bereit, erreichbar über die Internet-Seite des Stadtarchivs. „Darunter befinden sich alte Stadtansichten ab Ende des 19. Jahrhunderts, aber auch neuere Ereignisse wie die Errichtung der Wesertorbrücke im Jahre 1999“, erklärt Oerzen, „Es ist geplant diesen Dienst regelmäßig durch weitere Fotos zu ergänzen“.

Kontakt:
Stadtarchiv Nienburg
Verdener Straße 24
31582 Nienburg/Weser
Telefon: 05021 87-235
p.berger@nienburg.de

Quelle: Stadt Nienburg, Aktuelle Meldungen, 13.7.2021

Wanderausstellung #StolenMemory der Arolsen Archives

Am 1.7.2021 gingen die beiden #StolenMemory-Ausstellungscontainer der Arolsen Archives auf Tour und werden bis Ende des Jahres an über 20 Orten in ganz Deutschland Halt machen, um ihre Türen für Besucherinnen und Besucher zu öffnen.


Abb.: Flügeltüren auf und aus einem Überseecontainer wird eine ungewöhnliche Ausstellung im öffentlichen Raum: Der #StolenMemory-Container tourt durch durch Deutschland (Foto: Arolsen Archives)

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen die Schicksale von zehn KZ-Häftlingen aus verschiedenen europäischen Ländern, deren persönliche Gegenstände Teil der Sammlung der Arolsen Archives sind. Einige dieser Erinnerungsstücke konnten wir bereits an die Familien der Verfolgten zurückgeben. In den anderen Fällen suchen wir noch die Angehörigen. Die Ausstellung lädt das Publikum ein, selbst auf Spurensuche zu gehen und die von den Nazis gestohlenen Erinnerungsstücke zurückzugeben.

Die Ausstellung im Übersee-Container wird durch die Maßnahme „Kultur im ländlichen Raum“ der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert und ist deshalb an vielen Standorten mit weniger als 20.000 Einwohnern zu Besuch. Die Wanderausstellung wird aber auch in größeren Städten wie Hamburg und Dortmund zu sehen sein.

Begleitet wird die Wanderausstellung durch eine speziell für Jugendliche entwickelte Website mit animierten Filmen, Webstories, Interviews und pädagogischen Begleitmaterialien. Im Juni 2021 zeichnete die Jury des Grimme Online Awards die #StolenMemory-Website (https://stolenmemory.org/) in der Kategorie „Bildung und Wissen“ aus.

Außerdem können Besucherinnen und Besucher mit der #StolenMemory-App beim Ausstellungsbesuch Videoportraits von Angehörigen ansehen, die über die Bedeutung der Rückgaben sprechen.

Schon bald kann die Wanderausstellung #StolenMemory mit einem zusätzlichen Ausstellungscontainer auf Tour gehen. Möglich wird dies durch die eine Schenkung in Höhe von 100.000 Dollar des Außenministeriums der Vereinigten Staaten von Amerika und den US-Botschaften in Berlin und Warschau. Der zusätzliche Container wird in den ostdeutschen Bundesländern und Polen zu sehen sein.

Links:

Kontakt:
Arolsen Archives
International Center on Nazi Persecution
Große Allee 5-9
34454 Bad Arolsen
Deutschland
Tel.: +49 5691 629-0
Fax: +49 5691 629-501
https://arolsen-archives.org

Quelle: Arolsen Archives, Events; Pressemitteilung 25.6.2021

Gelände des KZ Kemna auf dem Weg zu einem Erinnerungsort

Die Evangelische Kirche in Wuppertal ist Eigentümerin des Kemna-Geländes mit der ehemaligen Putzwollfabrik. Was hat sie mit dem ehemaligen KZ-Gebiet vor? Ein Interview mit Vortrag.

Wie kam es zu dem Kauf des Areals? Und wie soll das historische Grundstück an der Beyenburger Straße in Zukunft würdig gestaltet werden? Darüber sprachen die Wuppertaler Superintendentin Ilka Federschmidt und Michael Sengstmann, Vorsitzender des Gesamtverbandes der Gemeinden im Kirchenkreis Wuppertal, mit Antonia Dicken-Begrich, Mitglied der Kirchenkreis-Leitung.


Abb.: Das Gebäude des ehemaligen KZ-Kemna, 2007 (Foto: Frank Vincentz/wikimedia.org/CC BY-S)

An das Interview schließt sich ein Vortrag von Dr. David Mintert an, der sich im Rahmen seiner Dissertation ausführlich mit dem KZ Kemna beschäftigt hat: „Die Konstellation der doppelten Hochburg linker und rechter Anschauungen im Bergischen Land war der Hauptgrund, warum die politischen Auseinandersetzungen besonders erbittert und von brutaler Gewalt begleitet waren.“


Abb.: Im Gespräch: Michael Sengstmann, Antonia Dicken-Begrich, Ilka Federschmidt (v.l.; Foto: KK Wuppertal). Das gesamte Video-Statement findet man unter https://youtu.be/bobKg7IHLg0

Bewusste Kaufentscheidung
„Der Kauf des Geländes war ursprünglich reiner Zufall“, berichtet Michael Sengstmann. „Wir waren auf der Suche nach einer Industrieanlage, weil unser Kirchenarchiv in Ronsdorf aus allen Nähten platzte“, so der Vorsitzende des Gesamtverbandes der Gemeinden. Als feststand, dass die Adresse der angebotenen Immobilie genau die Adresse war, auf der sich das ehemalige KZ befand, auf dem die Nationalsozialisten zwischen 1933 und 1934 ihre politischen Gegner gefoltert hatten, war die Entscheidung, dort einen Gedenkort zu errichten, schnell gefallen. „Wir haben das Gelände nicht trotz seiner Vergangenheit, sondern gerade wegen seiner Vergangenheit gekauft“, sagt Sengstmann als Eigentümer für den Gesamtverband der Gemeinden.

Kirche hat versagt
Für die Kirche ist das auch eine Chance, das Grundstück, das bisher durchgängig gewerblich genutzt wurde, umzugestalten. Mit Blick auf das Versagen der Evangelischen Kirche von damals sieht sich die Evangelische Kirche in Wuppertal heute nämlich in der Pflicht, dort einen Erinnerungsort zu errichten. „Diese Schuld kann man konkret an den beiden KZ-Seelsorgern festmachen, die zu den Deutschen Christen gehörten und die für eine Gleichschaltung von Kirche und Staat waren. Sie haben die Situation der Gefangenen als Gelegenheit gesehen, die aus ihrer Sicht auf den falschen Weg gebrachten Sozialisten zu missionieren, statt ihnen gegen die Misshandlungen beizustehen“, so Superintendentin Ilka Federschmidt. „Darum sind wir in der Pflicht etwas zu tun.“ Das begrüßt auch Dr. David Mintert zum Ende seines digital aufgezeichneten Vortrages: „Es ist gut, dass sich die Kirche heute dieser Verantwortung stellt.“

Zukünftig: Erinnerungsort und Archiv
Wie genau der Erinnerungsort aussehen soll, steht noch nicht fest. Derzeit führen Experten auf dem Gelände bauhistorische Untersuchungen durch (sog. Machbarkeitsstudie), um authentische Anknüpfungspunkte zu dem KZ von damals zu finden. „Unserer Vorstellung nach soll auf dem Gelände auch ein Lernort entstehen, bei dem das Thema Demokratie heute vermittelt werden soll“, so Federschmidt. Das wichtige Mahnmal für das KZ auf der gegenüberliegenden Straßenseite soll bei allen Überlegungen einbezogen werden, so die grobe Planung. Dafür wird die Evangelische Kirche Kontakt zu den jeweiligen Partnern aufnehmen.

Da das Gelände groß genug ist, soll auch das Kirchen-Archiv dort angesiedelt werden. Einen konkreten Zeitplan für die Umgestaltung gibt es allerdings noch nicht. „Es ist noch viel zu tun. Die Machbarkeitsstudie ist wichtig und richtig. Das geht nicht innerhalb eines halben Jahres über die Bühne“, sagt Michael Sengstmann.

KZ Kemna
KZ: Das Konzentrationslager Kemna bestand von Juli 1933 bis zum 19. Januar 1934. In eine ehemalige Putzwollfabrik an der Beyenburger Straße direkt am Wupperufer pferchte die SA die Gefangenen unter katastrophalen hygienischen Verhältnissen zusammen. Folter und willkürliche Gewalt waren an der Tagesordnung. Die Zahl der Inhaftierten im Laufe der sieben Monate dieses KZs wird auf 2500 bis 3000 geschätzt. Inhaftiert wurden in erster Linie sogenannte politische Häftlinge aus den Reihen der KPD und der SPD aus dem Bergischen Land.

Mahnmal: Zum 50. Jahrestag der Einrichtung wurde gegenüber dem Fabrikgelände 1983 ein Mahnmal errichtet, an dem jedes Jahr eine durch die Mitglieder des Jugendrings Wuppertal organisierte Kranzniederlegung stattfindet. Entworfen wurde das Bronze-Relief durch eine Kunst-Arbeitsgemeinschaft des Wuppertaler Gymnasiums Am Kothen. Im Jahr 2019 erwarb der Gesamtverband evangelischer Gemeinden im Kirchenkreis Wuppertal die baulichen Reste des ehemaligen KZ. (Quelle: wikipedia.de)

Kontakt:
Kirchenkreis Wuppertal
Kirchplatz 1
42103 Wuppertal
Tel.: 0202 94770-0
info@evangelisch-wuppertal.de
www.evangelisch-wuppertal.de

Quelle: Nikola Dünow, Kemna – Auf dem Weg zum Erinnerungsort, in: Evangelisch in Wuppertal, 5.7.2021

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