Buxtehuder Hexenprozess-Akten restauriert

Nach knapp drei Monaten kehren die schriftlichen Zeugnisse zu den Buxtehuder Hexenprozessen aus der Zeit von 1540 bis 1644 im restaurierten Zustand in den Bestand des Stadtarchivs Buxtehude zurück.

Abb.: Rückgabe der restaurierten Hexenprozess-Akten an das Stadtarchiv Buxtehude: Andreas Boldt, Sabine Hauswald (beide Sparkasse Harburg-Buxtehude), Restauratorin Gudrun Kühl, Stadtarchivarin Eva Drechsler; v.l.n.r. (Foto: Hansestadt Buxtehude)

Die Hamburger Restauratorin Gudrun Kühl übergab die acht Archivmappen am 5.6.2019 an die Stadtarchivarin Eva Drechsler. Für diese sind damit zwei wichtige Etappenziele erreicht: Den Erhaltungszustand der ca. 3.200 Seiten zu verbessern und die Akten wieder einer interessierten Öffentlichkeit und vor allem der Forschung zugänglich machen zu können. Der Grundstein sei gelegt, dass die Wissenschaft die Opfer, den Ablauf und ggf. die Motive zu den Hexenprozessen eingehender untersuchen und in den Gesamtzusammenhang der europäischen Hexenverfolgung einbetten könne. 21 Frauen waren in Buxtehude der Hexerei und Zauberei angeklagt, 15 wurden nach grausamer Folter hingerichtet, davon 13 durch Verbrennen. Seit 2017 erinnert ein Mahnmal, angebracht am Historischen Rathaus, an die Opfer der Buxtehuder Hexenprozesse.

Abb.: Restauriertes Blatt aus den Hexenprozess-Akten (Foto: Hansestadt Buxtehude)

Risse, Fehlstellen und Schimmelbefall hatten den Akten zu schaffen und eine Reinigung und weitere Bearbeitungsschritte notwendig gemacht. Herausfordernd bei diesem Auftrag waren für Gudrun Kühl die fragilen Seitenränder, die stark aufgerollt waren und durch hauchdünnes Japanpapier stabilisiert werden mussten. Nun sind die Seiten wieder les- und blätterbar.

Die Kosten der Restaurierung belaufen sich auf 6.861,54 Euro. Die Sparkasse Harburg-Buxtehude übernimmt dabei einen Anteil von 3.500 Euro, den verbliebenen Teil deckt die Hansestadt Buxtehude.

Für den Herbst 2019 kündigte Stadtarchivarin Eva Drechsler bereits eine Veranstaltung in den Räumen der Sparkasse Harburg-Buxtehude in Buxtehude an. Bei dieser werden der ehemalige Stadtarchivar Bernd Utermöhlen die bisher vorhandenen Forschungsergebnisse zu den Buxtehuder Hexenprozessen vorstellen und Kühl die Restaurierungsverfahren anhand der Buxtehuder Akten präsentieren.

Opfer der Buxtehuder Hexenprozesse 1540-1644:

1540 Metcke Wildenbrockes, „gerechtfertiget“ (= bestraft)
1545 Metcke Wildenbrockes, hingerichtet
1555 Gesche Kahlen, hingerichtet, Ahlcke Rolapp, „gerechtfertiget“ (= bestraft), Gretcke Timmen, „gerechtfertiget“ (= bestraft)
1556 Ahlcke Hedendorp, hingerichtet durch Verbrennen, Margareta Bicker, Frau des Bürgermeisters Segebade Bicker, hingerichtet durch Verbrennen
1558 Namentlich nicht genannte Frau, hingerichtet durch Verbrennen
1588 Ilsabe Meyers, hingerichtet durch Verbrennen
1590 Gretje Wüppers, hingerichtet durch Verbrennen
1598 Gesche Meyers, hingerichtet durch Verbrennen, Ahleke Hagens, hingerichtet durch Verbrennen
1607 Wöbcke Richers, hingerichtet durch Verbrennen
1608 Gesche von Schleiseln, hingerichtet durch Verbrennen, Becke Lohmanns, hingerichtet durch Verbrennen, Catharina Möllers, hingerichtet durch Verbrennen
1609 Wummel Dickgreve, der Zauberei verdächtigt, Prozessausgang nicht belegt
1613 Anne Ropers, Verfahren aus Mangel an Indizien nicht fortgeführt
1614 Becke Kruse, hingerichtet durch Verbrennen, Ilse Dede, aus der Stadt gewiesen
1625 Else Meyer, hingerichtet durch Verbrennen
1643-1644 Elisabeth Hessel angeklagt, Prozessausgang nicht belegt

Der Aufsatz zum bisherigen Forschungsstand von Bernd Utermöhlen: Hexenprozesse in Buxtehude, Heimatliches Buxtehude, Bd. VII, Buxtehude 2015, S. 161-180., kann im Stadtarchiv eingesehen oder erworben werden.

Nach vorheriger Anmeldung per Email an das Stadtarchiv ist die Einsicht in ausgesuchte Hexenprozess-Akten im Stadtarchiv für Interessierte möglich.

Kontakt:
Stadtarchiv Buxtehude
Stavenort 5
21614 Buxtehude
Tel.: 04161 501-4127
Fax: 04161 501-74199
stadtarchiv@stadt.buxtehude.de

Quelle: Hansestadt Buxtehude, Pressemitteilung, 19.3.2019 und Pressemitteilung, 111/2019, 6.6.2019

Internationaler Tag der Archive 2019 auch in St. Pölten

Bisher fand der Internationale Tag der Archive jeweils am 9. Juni statt. In diesem Jahr ruft der ICA erstmalig zu einer Internationalen Archivwoche vom 3. bis 9. Juni 2019 auf, welche unter dem Motto „Designing the Archives in the 21st Century“ steht.

Aus Anlass des Internationalen Tags der Archive öffnen die Archive im österreichischen St. Pölten am 7. Juni 2019 ihre Türen. Unter dem „Motto: St. Pölten – Die Stadt im Spiegel ihrer Archive: Häuser und ihre Bewohner“ bieten das Niederösterreichische Landesarchiv gemeinsam mit dem Stadtarchiv St. Pölten und dem Diözesanarchiv St. Pölten interessante Einblicke in ihre Archive und die dort verwahrten Bestände.

In der Einladung der St. Pölter Archive heißt es: „Der Bummelzug der Stadt St. Pölten bringt Sie ab 10:30 Uhr von einem Archiv zum anderen. Bei der Abschlussveranstaltung „Bring Your History“ im Sommerrefektorium im Bistumsgebäude können Sie Ihre alten Familiendokumente, Briefe Ihrer Großmutter etc. mitbringen. Archivarinnen und Archivare werden Ihnen bei der historischen Bestimmung und beim Lesen der alten Schriften gerne weiterhelfen. Weiters geben Ihnen Restauratorinnen und Restauratoren Tipps für die Aufbewahrung. Führungen in den drei Archiven sind jeweils um 11:00, 13:00 und 14:30 Uhr. Die Abschlussveranstaltung startet um 16:30 Uhr. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Für Erfrischungen ist gesorgt.“

Link: Weitere Informationen und detailliertes Programm

 

Stadtarchiv Düsseldorf erhält bedeutenden Familiennachlass

Stadt nimmt wichtige Dokumente zur Familie Statz entgegen, darunter auch Briefe von Leo Statz / Zudem gibt eine neuerschienene Tagebuchedition Einblicke in den vom Kriegsgeschehen geprägten Alltag von Adele Statz

Der Erste Weltkrieg hat in den letzten Jahren stark im Fokus der wissenschaftlichen Forschung gestanden. Doch bei fast allen Rückblicken auf diesen Krieg blieb weitgehend das unbeachtet, was nicht im direkten Kriegsgebiet, sondern in der Heimat geschah. Deshalb ist es nicht nur sinnvoll, sondern auch notwendig, Quellen wie das Tagebuch der Düsseldorferin Adele Statz, geborene Biesenbach (1875-1934), Mutter des später von den Nationalsozialisten hingerichteten Leo Statz (1898-1943) zu veröffentlichen. Der ehemalige Leiter des Mannesmannarchivs sowie langjährige Vorsitzende des Düsseldorfer Geschichtsvereins, Prof. Dr. Horst A. Wessel, hat das Tagebuch mit Anmerkungen nun auf über 400 Seiten veröffentlicht.

Nachdem die Arbeiten an der Tagebuchedition beendet wurden, schenkte Dr. Tilman Pünder, der Enkel von Adele Statz und frühere Oberstadtdirektor von Münster, die Handschriften und weitere Materialien dem Stadtarchiv Düsseldorf. Darunter befinden sich auch zahlreiche Schriftstücke von Leo Statz, etwa sein letzter, am Tag der Hinrichtung (1. November 1943) verfasster Abschiedsbrief. Die Übergabe des Nachlasses fand am 29.5.2019 im Rahmen eines kleinen Empfangs statt.

Abb.: (V. l.) Stadtarchivleiter Dr. Benedikt Mauer, Dr. Tilman Pünder, Prof. Dr. Horst A. Wessel und Bürgermeister Friedrich G. Conzen (Foto: Landeshauptstadt Düsseldorf/Ingo Lammert)

Oberbürgermeister Thomas Geisel: „Die Landeshauptstadt Düsseldorf ist Prof. Dr. Horst A. Wessel und Dr. Tilman Pünder zu tiefem Dank verpflichtet. Mit den Tagebüchern von Adele Statz steht der Forschung eine wichtige Quelle zur Geschichte des Ersten Weltkriegs aus Düsseldorfer Perspektive zur Verfügung. Und mit dem Familienarchiv Pünder/Statz verwahrt Düsseldorf einen weiteren historischen Schatz im Stadtarchiv.“

Abb.: Die Düsseldorferin Adele Statz, geborene Biesenbach, (1875 – 1934) (Foto: Stadtarchiv Düsseldorf)

Das Tagebuch von Adele Statz (1914-1923)
In insgesamt fünf Kladden hat Adele Statz mit nur wenigen Lücken Tag für Tag militärische, politische, gesellschaftliche und familiäre Ereignisse, Gefühle, Ängste und Hoffnungen, nicht zuletzt auch die Probleme mit der Beschaffung von Lebensnotwendigem niedergeschrieben. Der Leser erhält auch hier natürlich nur einen kleinen und subjektiven Ausschnitt der Geschichte – nämlich das, was der interessierte Blick einer sozial engagierten Vertreterin des gehobenen Bürgertums erfasste und was sie davon niederschreibenswert erachtete. Die Tagebücher geben einen Einblick in das kriegsgeprägte Geschehen in der Stadt, vor allem beleuchten sie, was sich in Düsseldorf als Lazarettstandort und wichtiger Durchgangsstation für Truppen-, Waffen- und Verwundetentransporte ereignete. Nicht zuletzt zeigen sie aber auch den mitfühlenden Blick einer Zeitzeugin auf den ungleich schwereren Alltag, insbesondere der Kriegerfrauen und Kriegerwitwen mit Kindern. Diese waren oft gezwungen, die unzureichenden öffentlichen Unterstützungsleistungen dadurch aufzubessern, dass sie Arbeiten übernahmen, die zuvor die Männer getan hatten. Wichtige Themen unmittelbar nach dem Krieg sind das Wahlrecht der Frauen sowie die Spartakusunruhen in Düsseldorf.

Die Edition der Tagebücher wurde durch Prof. Dr. Horst A. Wessel vorgenommen. Zahlreiche Abbildungen illustrieren Adele Statz‘ Wahrnehmungen und Reflektionen.

Das Familienarchiv Pünder/Statz
Prof. Wessel arbeitete für die Edition mit den Originalhandschriften, die Dr. Tilman Pünder, Enkel von Adele Statz, zu diesem Zweck zur Verfügung stellte. Nachdem die Arbeiten an der Tagebuchedition beendet waren, schenkte Dr. Tilman Pünder diese Handschriften und weitere Materialien dem Stadtarchiv Düsseldorf. Der Gesamtbestand umfasst vier Archivkartons und enthält vielfältiges Material zur Geschichte der Vorfahren von Dr. Pünder und deren Familien, die zum Teil in Düsseldorf lebten. Zeitlich reicht er vom 19. bis ins 21. Jahrhundert. Im Moment wird der Nachlass im Stadtarchiv verzeichnet und wird in Kürze der Forschung zur Verfügung stehen.

Abb.: Teil des Nachlasses sind auch zahlreiche Schriftstücke von Leo Statz, etwa sein letzter, am Tag der Hinrichtung (1. November 1943) fertiggestellter Abschiedsbrief (Foto: Stadtarchiv Düsseldorf)

Der prominenteste, zugleich tragischste Vertreter der Familie Statz dürfte der 1943 in der Strafanstalt Brandenburg-Görden hingerichtete, fest in Düsseldorf verwurzelte, Leo Statz sein. Er wurde vom Volksgerichtshof wegen angeblicher „Wehrkraftzersetzung“ zum Tode verurteilt. Von ihm finden sich unter anderem neben Fotos mehrere Briefe aus den 1920er- bis 1940er-Jahren im Nachlass, zudem Abschriften von Gedichten, die er während seiner Inhaftierung schrieb und schließlich seinen letzten, auf einen Briefumschlag geschriebenen Brief vom 31. Oktober 1943. Ein Nachtrag vom 1. November 1943, dem Tag seiner Hinrichtung, legt nahe, dass dies der letzte Brief ist, den Leo Statz hatte schreiben können. Auch eine Sammlung von Unterlagen zur Verurteilung und der Aufhebung des Urteils finden sich im Nachlass, sowie Dokumente zum Rechtsstreit seines Schwagers Dr. Josef Eitel mit dem ehemaligen Düsseldorfer Gauleiter Friedrich Karl Florian.

Abb.: Leo Statz, der Sohn von Adele Statz (Foto: Stadtarchiv Düsseldorf)

Adele Statz war eine geborene Biesenbach und Schwester von Elisabeth Biesenbach, verheiratete Klausener, deren Sohn Erich Klausener 1934 ebenfalls von den Nationalsozialisten ermordet wurde. Bruder der beiden war der Düsseldorfer Rechtsanwalt Heinrich Biesenbach, der mehrere Bücher herausgab. Die vielfältigen Unterlagen des Archivs dokumentieren die familiären Bande, die Verdienste und das Leben dieser Familien.

Kontakt:
Stadtarchiv Düsseldorf
Worringer Strasse 140
40200 Düsseldorf
Tel. 0211- 8999230
Fax 0211- 8929155
stadtarchiv@duesseldorf.de
www.duesseldorf.de/stadtarchiv.html

Quelle: Valentina Meissner/Stadt Düsseldorf, Pressemitteilung, 29.5.2019

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