Der Archivtag ist eine „politische Veranstaltung“

Vom 17.-20.9.2019 findet in Suhl der 89. Deutsche Archivtag statt. Mit „RECHTsicher – Archive und ihr rechtlicher Rahmen“ wurde ein Rahmenthema gewählt, das alle Bereiche archivischer Arbeit tangiert. Denn der rechtliche Rahmen gewinne für alle Aspekte der archivischen Tätigkeiten eine zunehmend größere Bedeutung, so der VdA-Vorsitzende Ralf Jacob: „Von der Bewertung und Übernahme bis zur Bereitstellung und Veröffentlichung von Archivgut müssen ArchivarInnen viele juristische Sachverhalte in Betracht ziehen und stets auf neue Herausforderungen reagieren.“

In seiner politischen Wochenvorschau in der Süddeutschen Zeitung (15.9.2019) wies Heribert Prantl im Vorfeld des Deutschen Archivtags darauf hin, dass Akten „hochpolitisch“ seien, der Archivtag mithin eine „politische Veranstaltung“.

Heribert Prantl: „Hirnlosigkeit ist kein Geschäftsmodell“

Mit Blick auf die Bedeutung und auf die Zukunft der Stasi-Unterlagenbehörde und in Erinnerung an die sog. „Bundeslöschtage“ am Ende der Ära Helmut Kohls sowie an die Vernichtung von NSU-Unterlagen im Bundesamt für Verfassungsschutz weist Prantl darauf hin, dass Archive das Gedächtnis einer Gesellschaft seien – „für Gutes und für Böses“.

Ergänzend zu Prantls Kolumne mag man auch den zusammenfassenden Bericht über den Eröffnungsvortrag von Hans-Christian Ströbele auf dem letztjährigen Deutschen Archivtag in Rostock lesen, der in dem jetzt erschienenen Tagungsband „Verlässlich, Richtig, Echt. Demokratie braucht Archive“ (S. 15-18) publiziert worden ist. Ströbele äußert darin die Hoffnung, dass bei einer zukünftigen Neufassung des Bundesarchivgesetzes die Sonderbestimmungen für Geheimdienste „aus vordemokratischen Zeiten“ abgeschafft werden und das Bundesarchiv gestärkt werde. Archive seien Teil des Gedächtnisses eines Volkes, und die Archivnutzenden seien dessen Gewissen. In einer Demokratie dürfe es kein exklusives Herrschaftswissen mehr geben, sondern nur den öffentlichen Zugang zu Herrschaftswissen.

Info:
VERLÄSSLICH, RICHTIG, ECHT – DEMOKRATIE BRAUCHT ARCHIVE!
88. Deutscher Archivtag 2018 in Rostock
(=Tagungsdokumentationen zum Deutschen Archivtag, Band 23), Fulda 2019
ISBN 978-3-9818504-2-0

Das Programm zum 89. Deutschen Archivtag in Suhl, der in Verbindung mit der Fachmesse Archivistica durchgeführt wird, findet man auf der Kongresswebsite www.archivtag.de.

 

Magdeburger Spuren

Ein Projekt des Stadtarchivs Magdeburg

Während des Dreißigjährigen Krieges ist mit dem historischen Ratsarchiv 1631 auch ein Stück des Gedächtnisses der Stadt Magdeburg zerstört worden. Dieser Verlust beeinträchtigt Forschung und Erinnerungskultur bis heute. Das Projekt „Magdeburger Spuren“ des Stadtarchivs Magdeburg versucht die Überlieferungen vor 1631 wiederherzustellen. Anlässlich eines Workshops am 5.9.2019 wurde auch die zugehörige Internetseite www.magdeburger-spuren.de freigeschaltet.

Abb.: Projektwebseite (Ausschnitt) „Magdeburger Spuren“ des Stadtarchivs Magdeburg

Dank einer überregional weiten Vernetzung blickt die Stadt Magdeburg auf eine reiche Vergangenheit. Durch dieses Netzwerk kann auf das kollektive Gedächtnis Europas zurückgegriffen werden, um die Geschichte der Elbestadt vor der Zerstörung des historischen Stadtarchivs wiederherzustellen. Das wusste bereits Otto von Guericke: Er begann nach dem Dreißigjährigen Krieg, Kopien aus auswärtigen Archiven von Wien bis Lübeck zu beschaffen, um die Rechtstitel seiner Stadt zu sichern.

Mit dem Projekt „Magdeburger Spuren“ hat das Stadtarchiv die Idee Guerickes aufgegriffen und dank „Digital Humanities“ ins 21. Jahrhundert übersetzt. Digital Humanities, also die digitalen Geisteswissenschaften, nutzen computergestützte Verfahren und digitale Ressourcen, um die zerstörten Überlieferungen vor 1631 virtuell zu rekonstruieren und nutzbar zu machen. Archivische Funde werden dabei als Digitalisate, zusammen mit allen wichtigen Erschließungsinformationen (Herkunftsarchiv, Signatur, Überlieferungskontext), in den virtuellen Bestand „Magdeburger Spuren“ aufgenommen und damit auf der Website für jedermann zugänglich.

Über das Projekt und erste Ergebnisse informierte im Stadtarchiv der Workshop am 5. September. Studierende aus Potsdam und Leipzig, die im Projekt mitgearbeitet haben, berichteten von ihren Erfahrungen. Die Spurensuche baut auf zukünftig auf eine breite Beteiligung Ehrenamtlicher, die das Projekt beispielsweise durch Recherchen in Online-Findmitteln unterstützen.

Das Projekt „Magdeburger Spuren. Virtuelle Rekonstruktion des verlorenen Stadtarchivs“ wird gefördert vom Land Sachsen-Anhalt im Rahmen des Programms „DigiProjekt-LSA – Digital Heritage„. Es ist ein Partner der Kampagne „Magdeburg 2025 – Kulturhauptstadt werden„. Als Kooperationspartner wirken mit: Stadtarchiv Braunschweig, Sächsisches Staatsarchiv – Hauptstaatsarchiv Dresden, Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, Landesarchiv Sachsen-Anhalt, Universität Leipzig, Lehrstuhl für Sächsische und Vergleichende Landesgeschichte, Fachhochschule Potsdam, Fachbereich Archivwissenschaft, und Kommunale Informationsdienste Magdeburg GmbH (KID).

Kontakt:
Stadtarchiv Magdeburg
Mittagstraße 16
39124 Magdeburg
Tel. 0391-5402912
archiv@magdeburg.de
www.magdeburg.de/stadtarchiv

 

Stadtarchiv Frankfurt (Oder) zieht um

Seit dem 15.8.2019 laufen die Vorbereitungen für den Umzug des Stadtarchivs Frankfurt (Oder) vom Collegienhaus in die ehemalige Bürgerschule. Seither ist das Archiv für die öffentliche Nutzung nicht zugänglich, doch ein nunmehr durchgeführter „Tag der offenen Tür“ am neuen Standort erfuhr bereits reges Interesse.

Abb.: Das Team des Stadtarchivs Frankfurt (Oder) bereitet die Archivalien für den Umzug vor (Foto: Stadtarchiv Frankfurt (Oder)/Baumann)

Schon seit einiger Zeit bereiten Archivleiter Dr. Denny Becker und sein Team das wertvolle Archivgut für den Umzug vor. Die Dimensionen, die bei diesem Umzug zu bewältigen sind, beeindrucken: Mehr als drei Kilometer Archivalien insgesamt, bestehend aus fast 12.000 Kartons mit Urkunden, Akten und Amtsbüchern, 11.800 Plakaten, Grafiken und Karten, rund 60.000 Fotografien und 2.000 Film- und Tonaufnahmen sowie einer Bibliothek mit 16.000 Medieneinheiten. Es handelt sich dabei um wertvolle historische Dokumente aus fast 800 Jahren Stadtgeschichte.

Den eigentlichen Umzug führt im September 2019 ein Unternehmen durch, das in einem öffentlichen Ausschreibungsverfahren ausgewählt wurde. Dr. Denny Becker: „Wir wollen so schnell wie möglich, aber das ist nicht vor Dezember, Januar möglich, wieder für unsere Nutzerinnen und Nutzer da sein. Dann mit erweiterten Öffnungszeiten, neuer Ausstellungstechnik, einem modernen Konferenzraum, modernen Lesesälen und unter deutlich besseren räumlichen und technischen Bedingungen. Bis dahin bitten wir um Verständnis für unseren eigenschränkten Service. Nur noch dringende Anfragen in Personenstandsangelegenheiten können während der Umzugszeit bearbeitet werden.“

Die seit 1997 leerstehende, denkmalgeschützte Bürgerschule am Lennépark konnte mit Fördermitteln von Bund und Land, aber auch Eigenmitteln, zum Archivgebäude umgebaut werden (Abb: Stadtarchiv).

Kontakt:
Stadtarchiv Frankfurt (Oder)
Collegienhaus
Collegienstr. 8-9
15230 Frankfurt (Oder)
Telefon 0335/552-4301
Fax 0335/552-4399
stadtarchiv@frankfurt-oder.de
www.stadtarchiv-ffo.de

Quelle: Stadt Frankfurt (Oder), Pressemitteilung, 28.8.2019; MOZ, 9.9.2019

  • Um AUGIAS.Net aktuell zu halten, würden wir uns auch über Ihre Mithilfe freuen: Nehmen Sie einfach Kontakt mit uns auf, wenn Sie Neuigkeiten aus dem Archivwesen haben (Nachrichten, Literatur, Links, Termine etc.).
Top