ARCHIV-info 2/2017

Die neueste Ausgabe (Heft 2/2017) von ARCHIV-info, der Zeitschrift des Archivs des Deutschen Museums in München, ist Ende 2017 erschienen. Darin stellt Archivleiter Wilhelm Füßl u.a. Quellen zur bayerischen Wissenschafts- und Technikgeschichte vor.

Zentraler Bestand dieser regionalen Quellengattung ist mit 22 Regalmetern Umfang das Archiv des 1815 gegründeten Polytechnischen Vereins für Bayern (PTV). Der erst 1938 aufgelöste PTV diente staatlichen und kommunalen Behörden als Begutachtungsstelle für technische Erfindungen.

Neben weiteren Hinweisen zu aktuellen Neuwerbungen und Aktivitäten des Archivs des Deutschen Museums erläutert der stellvertretende Archivleiter Matthias Röschner die zum Jahresbeginn 2018 novellierte Benutzungsordnung für das Archiv. Als Neuerung hervorzuheben ist dabei die grundsätzliche Zulassung von nutzereigenen Kameras und Smartphones für die Reproduktion von konservatorisch ungefährdeten Archivalien.

Die Hefte der seit dem Jahr 2000 erscheinenden Zeitschrift „ARCHIV-info“ stehen als PDF-Dateien zum Einzeldownload zur Verfügung (Link).

Link auf ARCHIV-info 2/2017:
http://www.deutsches-museum.de/fileadmin/Content/010_DM/040_Archiv/PDFs/Archiv_info/Archiv_Info_2017_2_.pdf

Kontakt:
Deutsches Museum
Archiv
80306 München
Tel.: (089)  2179 220
Fax: (089)  2179 465
archiv@deutsches-museum.de

Mittelalterliche Handschriften und ihr zweites Leben als Einbandfragmente in Kurhessen-Waldeck

Ein longue-durée-Projekt des Landeskirchlichen Archivs Kassel

Longue Durée ist ursprünglich ein Fachbegriff der Geschichtswissenschaft (Annales-Schule). Die Bezeichnung wird verwendet zur Beschreibung politischer, gesellschaftlicher oder wirtschaftlicher Strukturen, die sich sehr langsam entwickeln.

Das Fragmente-Projekt kann aus doppelter Hinsicht mit dem Begriff „longue durée“ umschrieben werden. Die ältesten Fragmente des Erschließungs- und Digitalisierungsprojekt des Landeskirchlichen Archivs Kassel stammen aus dem 8. und 9. Jahrhundert. Und das Projekt selbst begann vor knapp 15 Jahren und konnte Ende 2017 mit der Print- und e-book-Publikation „Einbandfragmente kirchlicher Provenienz aus Kurhessen-Waldeck“ abgeschlossen werden. Dem über 500 Seiten starken Katalog mit Personen- Orts- und Sachregister von Konrad Wiedemann sind ein Vorwort des Bischofs der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und eine Projektbeschreibung vorangestellt.

Konrad Wiedemann: Einbandfragmente kirchlicher Provenienz aus Kurhessen-Waldeck. Umschlaggestaltung: Jörg Batschi, Tübingen. Umschlagabbildung: 0025. Fragment GRADUALE (Landeskirchliches Archiv Kassel, Depositum Pfarrarchiv Allendorf, 15. Jh.)

Das Projekt „Digitale Erschließung von Einbandfragmenten in kirchlichen Archiven aus Kurhessen-Waldeck“ startete 2003 mit einer Umfrage des Landeskirchlichen Archivs Kassel in allen Kirchengemeinden der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und anderen kirchlichen Einrichtungen, ob sie im Besitz von Kirchenrechnungen oder Kirchenbüchern mit mittelalterlichen Einbandfragmenten seien.

Am Ende sind es 736 Fragmente geworden, zumeist liturgischer Provenienz, aber auch juristischer oder medizinischer Herkunft, hebräischer oder mittelhochdeutscher, allesamt nach DFG-Richtlinien beschrieben und digitalisiert. Der Katalog bietet die komplette Beschreibungsebene, ergänzend dazu liefern Archivportal-D / Deutsche Digitale Bibliothek eine Abbildung des jeweiligen Fragments. In einigen Fällen konnten nahezu ganze Bände rekonstruiert werden oder die Zusammengehörigkeit mehrerer Einbände.

Info:
Konrad Wiedemann
Einbandfragmente kirchlicher Provenienz aus Kurhessen-Waldeck
(Schriften und Medien des Landeskirchlichen Archivs Kassel 37, hg. v. Bettina Wischhöfer),
kassel university press 2017.
ISBN 978-3-7376-0396-6 (print)
ISBN 978-3-7376-0397-3 (e-book)
DOI: http://dx.medra.org/10.19211/KUP9783737603973
URN: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0002-403972

Kontakt:
Landeskirchliches Archiv der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck
Lessingstraße 15 A
34119 Kassel
Tel.: (0561) 78876 – 0
Fax: (0561) 78876 – 11
archiv@ekkw.de

Seit 2014: Schlaglichter – Aschaffenburg im Ersten Weltkrieg

Seit dem hundertsten Jahrestag des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs werden im Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg monatlich wechselnde „Schlaglichter“ in Form einer kleinen Präsentation gezeigt. Ausgewählte Dokumente, Fotografien und Objekte, zumeist aus den Beständen des Archivs (und ab und an auch in Kooperation mit regionalen Sammlern und Heimatforschern) werden über einen Zeitraum von jeweils vier Wochen gezeigt. Die Präsentationen finden regelmäßig Anklang in der Presse und werden von den Besucher*innen des Archivs gerne angenommen. Die jeweiligen Präsentationstexte sowie ausgewählte Bilder werden seit dem August 2014 über die Homepage des Archivs dokumentiert (Rückblick).

Das aktuelle Thema ist ein Fall von Desertion in Aschaffenburg Ende 1917/Anfang 1918:

Am 9. Dezember 1917 hatte der Wachtmeister Franz Dernbach in Hös­bach einen Mann aufgegriffen und ihn wegen Verdachts auf Wehr­pflichtsverletzung verhaftet. Am nächsten Tag lieferte ihn die Aschaf­fenburger Gendarmerie in das Amtsgerichtsgefängnis ein.

Abb.: Foto von Theodor Schrage, der wegen Fahnenflucht gesucht wurde, 1918 (SSAA, SBZ I 2314)

Die Ermittlungen bei Melde- und Militärbehörden konnten die Angaben zu seiner Person zunächst nicht belegen, so dass die Aschaffenburger Kriminalpolizei erkennungsdienstliche Untersuchungen einleitete. Neben Fotografien wurden auch Fingerabdrücke angefertigt und der Polizeidirektion in München zugeschickt. Da dort keine übereinstim­menden Beweismittel vorlagen, sandte die Münchener Behörde die Fingerabdrücke zur weitergehenden Prüfung an die Sammelstellen in Basel, Berlin, Bern, Budapest, Dresden, Hamburg, Nürnberg, Stuttgart, Wien, Brünn, Luzern und Zürich.

Anfang des Jahres 1918 erreichte eine Mitteilung aus Hamburg die Aschaffenburger Staatsanwaltschaft, wonach der Verhaftete „perso­nengleich“ mit dem im deutschen Fahndungsblatt von der Staatsan­waltschaft Trier „wegen Diebstahls zur Verhaftung ausgeschriebenen“ Landarbeiters Theodor Schrage war.

Über Waltrop, dem Geburtsort Schrages, gelang den Aschaffenburger Ermittlern schließlich die Verbindung zur zuständigen militärischen Einheit: Ende Dezember 1917 hatte das 1. Ersatzbtaillon des Infan­terie-Regiments 168, einen Steckbrief veröffentlicht und in Waltrop um „Nachforschung“ gebeten. Man vermutete, „daß sich Schrage unter falschem Namen umhertreibt, da er sich während seines unerlaubten Entfernens im Mai 1916 / März 1917 die Namen Stanislaus Micha­lowski und Bernhard Model beilegte.“

Am 18. Januar 1918 verfügte der Zivilvorsitzende des Aushebungs­bezirks Aschaffenburg, dass Theodor Schrage „an das Transport­kommando des Ersatz-Bataillons des Infanterie-Regiments Nr. 168 in Offenbach a.M. abgeliefert werden“ könne. Dies erfolgte noch am gleichen Tag, wie Sergeant Keßler, Transportführer der 3. Kompanie des Infanterie-Regiments Nr. 168, der Gefängnisverwaltung bestätigte.

Kontakt:
Stadt- und Stiftsarchiv
Wermbachstraße 15
63739 Aschaffenburg
Telefon: 06021 45 61 05 0
Telefax: 06021 / 2 95 40
stadtarchiv@aschaffenburg.de
www.archiv-aschaffenburg.de

Archiv und Wirtschaft 4/2017

In Kürze erscheint die neue Ausgabe (4/2017) von „Archiv und Wirtschaft„, der Zeitschrift der Vereinigung deutscher Wirtschaftsarchivare e.V..

Inhaltsverzeichnis „Archiv und Wirtschaft“ 4/2017

AUFSÄTZE

Johannes Bähr: Werner von Siemens – neue Erkenntnisse zur Biografie eines viel porträtierten Unternehmers (156-163)

Susanne Bieri: Zur Bedeutung von Sammlungen in Archiven und Bibliotheken der Schweiz: zum Beispiel die Graphische Sammlung der Schweizerischen Nationalbibliothek (164-177)

Joke Mooij: Wirtschaftsarchive in den Niederlanden (178-185)

BERICHTE

Daniel Droste: Geschichte in Briefen. Autographen als Ausstellungsobjekte im Historischen Archiv Krupp (185-190)

Martin Cordes: Fokus Archiv: die Bedeutung von Firmenarchiven bei der Erhaltung technischer Kulturdenkmäler (190-194)

Michael Dillmann und Christoph Gürich: 85. VdW-Lehrgang „Einführung in das Wirtschaftsarchivwesen (Einsteigen – Aufsteigen – Auffrischen)“ vom 25. bis 30. Juni 2017 in Heidelberg (195-198)

REZENSIONEN

Mark Spoerer: C&A. Ein Familienunternehmen in Deutschland, den Niederlanden und Großbritannien. 1911–1961 (Kurt Schilde) (199-200)

Marcus Stumpf und Katharina Tiemann (Hrsg.): Lokale und regionale Unternehmens- und Wirtschaftsgeschichte als Herausforderung archivischer Überlieferungsbildung. Beiträge des 24. Fortbildungsseminars der Bundeskonferenz der Kommunalarchive (BKK) in Kassel vom 25.–27. November 2015 (Gregor Patt) (200-202)

Nachruf Dr. Mechthild Wolf (Andrea Hohmeyer) (203)

Rezensionsliste (204-205)

Impressum (208)

Kontakt:
Dr. Martin Münzel
c/o F. Hoffmann-La Roche AG
„Archiv und Wirtschaft“
Bau 52/111
CH – 4070 Basel
Telefon: (0049) (0)30-2093-70571
Martin_Muenzel@Yahoo.com
http://www.wirtschaftsarchive.de/veroeffentlichungen/zeitschrift

Sternenfels lässt Folianten aus dem 18. Jahrhundert fachgerecht restaurieren

Der Zahn der Zeit nagte mächtig an den dicken Bänden aus dem Gemeindearchiv, die die Gemeinde Sternenfels nun durch die Buchbinderei Gerken restaurieren ließ. Die Schadensbilder reichten dabei von fehlenden Einbanddecken und Buchrücken, verschmutztem und verzogenem Buchblock bis hin zu Wasserschäden mit Schimmelbefall, der das Papier teilweise bereits zerstört hatte. „Keine leichte Aufgabe für Caroline Gerken“, wie der Leiter des Kreisarchivs des Enzkreises, Konstantin Huber, betont, „doch die Buchbindemeisterin und Restauratorin verfügt über genügend Fachwissen und Erfahrung, damit die alten Bände nun wieder in neuem Glanz erstrahlen.“

Abb.: Freude über eine gelungene Restaurierung: Buchbindemeisterin und Restauratorin Caroline Gerken (Mitte) übergab im Beisein von Kreisarchivleiter Konstantin Huber (links) dem Sternenfelser Bürgermeister Werner Weber die „neuen alten Bände“ (Foto: Heike Sartorius).

Auseinandernehmen, Trockenreinigung, soweit nötig Desinfizierung mit Alkohol, Stabilisierung beschädigter Blätter mit Kleister und Ersetzen der Fehlstellen mit Japanpapier, dann Neuheftung, Ableimung, Hinterklebung sowie Fertigung neuer Einbände mit Halbleder- oder Pergamentdecke – das waren nur einige der in der Freiburger Werkstatt geleisteten Arbeitsschritte. Caroline Gerken, die ihre Arbeit eindrucksvoll in Text und Fotos dokumentierte, löste auch die alten Titelschilder ab und übertrug sie gereinigt auf die neuen Einbände. „Bei der Restaurierung werden nur die nicht mehr brauchbaren Teile ersetzt“, berichtet sie. „Zugleich ist erkennbar zu machen, was neu ist“.

Abb.: Drei der restaurierten Bände, für die teilweise das alte Überzugspapier wiederverwendet werden konnte (Foto: Caroline Gerken).

Zusammen mit Huber übergab die Restauratorin nun das Ergebnis ihrer Arbeit dem Sternenfelser Bürgermeister Werner Weber, der sich sichtlich erfreut zeigte. Dem Schultes ist die Erhaltung des Archivs als „Gedächtnis der Gemeinde“ sehr wichtig, „nicht nur, weil wir gesetzlich dazu verpflichtet sind, sondern weil jeder Band einzigartige Informationen über das frühere Leben preisgibt“, so Weber.

Die zwei dicksten der vier Bände sind Inventur- und Teilungsbücher aus Sternenfels (1796-1799) und Diefenbach (1746-1752). Laut Konstantin Huber sind Inventuren und Teilungen Vermögensbeschreibungen, die zur Vermeidung von Erbschaftsstreitigkeiten jeweils bei der Heirat oder beim Tod eines Einwohners angelegt wurden. Sie enthalten Material über die Alltagskultur und die Lebenswelt breitester Bevölkerungsschichten.

Als Vermögen werden in den Inventuren nicht nur der relativ wertvolle Besitz an Immobilien, Fahrzeugen, Vieh, Geldvermögen und Schulden sowie Schmuck aufgeführt, sondern in einzigartiger Genauigkeit auch die Dinge des alltäglichen Lebens: Mobiliar, Kleidung, Wäsche, Bücher, Geschirr sowie die vorhandenen Getreide- und Weinvorräte bis hin zu in der Küche befindlichen Lebensmitteln wie Zwiebeln und ähnlichem. Die Inventuren zeichnen damit ein genaues Bild von den reichen, ärmeren und ärmsten Bevölkerungsschichten.

So ist im Sternenfelser Band beispielsweise zu lesen, was 1797 der Bürger und Weingärtner Johann Thomas Mannus seinen vier Kindern hinterließ. An Gebäuden waren dies „anderthalb Sechstheile an einer Behausung … oben im Dorf“ – also 1,5 Sechstel – oder ein Viertel. Dies ist Ausdruck der in Württemberg gültigen Realteilung, bei der alles zu gleichen Teilen unter den Erben geteilt wurde, im Gegensatz zum Anerbenrecht in anderen Regionen, wo meist ein Sohn den Hof komplett erbte. In dem dicken Folianten ist unter anderem weiter zu lesen, dass Mannus ein einziges Buch besaß – „das alte wirtembergische Gesangbuch“ nämlich.

Die beiden anderen restaurierten Bände stammen ebenfalls aus dem Ortsteil Diefenbach. Es handelt sich um ein Steuerempfang- und Abrechnungsbuch (1787/88), das den Einzug der Gemeindesteuern dokumentiert, sowie  eine Armenkastenrechnung (1783/84). In ihr sind die Einnahmen und Ausgaben der kirchlichen Sozialkasse für die Unterstützung Bedürftiger eingeschrieben. Aber auch eine beachtliche bildungspolitische Maßnahme ist dort dokumentiert. So heißt es: „Bey dem unter der hießigen Schul-Jugend wahrgenommenen Bücher-Mangel hat man … vor [=für] guth angesehen, zu Erweckung mehreren Eyfers … und überhaupt, um unter der Jugend eine stärckere Liebe gegen Gottes-Furcht und Christenthum einzupflantzen, … daß jedem in die Schul gehenden Kind die … nothwendig habende Bücher … nach und nach angeschafft und vor aigenthumlich in die Hände gelaßen werden mögen.“

Doch wo sollten die Mittel hergenommen werden? Man beschloss einfach, dass „die bißherige beträchtliche Abgaben an fremde Bettler von nun an abgestellt und aufgehoben werden.“ Almosen erhielten künftig also nur noch die in Diefenbach lebenden „Ortsarmen“.

Kontakt:
Enzkreis – Kreisarchiv und Kultur
Zähringerallee 3
75177 Pforzheim
Tel. 07231 308-9423
Fax: 07231 308-9837
Kreisarchiv@enzkreis.de
www.enzkreis.de/kreisarchiv

Quelle: Enzkreis, Pressemitteilung, 2/2018, 4.1.2018

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