80 Jahre Berner Pressefotografie im Staatsarchiv Bern

Die abwechslungsreiche Berner Geschichte des 20. Jahrhunderts in Tausenden von Bildern: Die Fotonachlässe der Pressefotografen Carl Jost, Walter Nydegger und Hans Schlegel sowie das Archiv der Berner Zeitung geben Einblick in die Entwicklung der Berner Pressefotografie von ca. 1920 bis 2000. Das Staatsarchiv des Kantons Bern hat die umfangreichen Sammlungen aufbereitet und im Online-Inventar publiziert.

Abb.: Reportage Eva „Evita“ Peròn in Bern, August 1947 / Fotos: Walter Nydegger (StAB FN Nydegger 947)

Die Fotografie wird als Quelle in der modernen Geschichtsschreibung des 20. Jahrhunderts immer wichtiger. Deshalb ist das Staatsarchiv des Kantons Bern bestrebt, für die Nachwelt auch audiovisuelle Unterlagen zu erhalten, obschon deren Konservierung wesentlich anspruchsvoller und teurer ist als das Erhalten von Schriftgut. In den letzten Jahren hat das Staatsarchiv eine große Anzahl neuer Fotobestände konserviert, erschlossen und im Online-Inventar publiziert. Tausende der Bilder sind auch online abrufbar. Aus urheberrechtlichen Gründen dürfen jedoch nicht alle Fotos digitalisiert und frei zur Verfügung gestellt werden. Alle Bilder können aber im Lesesaal gesichtet werden. Auf Verlangen werden die gewünschten Fotos rasch digitalisiert. Das Staatsarchiv Bern hat unter anderem die folgenden Bestände ins Online-Inventar aufgenommen:

Fotonachlass von Carl Jost (1899-1967)
Der Berner Fotograf Carl Jost war von ca. 1930 bis 1967 bei allen wichtigen politischen Ereignissen in Bern und Umgebung mit der Kamera dabei. Weitere Motive sind Kultur- und Sportanlässe, technische Neuerungen, bekannte Persönlichkeiten, Landschaften und zahlreiche Porträts. Sein Nachlass war eines der ersten Fotokonservierungs- und Digitalisierungsprojekte des Staatsarchivs und konnte nun endlich vollständig abgeschlossen werden. Der Nachlass von Carl Jost kam im Jahr 2001 ins Staatsarchiv. Aufgrund jahrelanger Lagerung unter äußerst ungünstigen klimatischen Bedingungen waren die Materialien konservatorisch in sehr schlechtem Zustand. Viele Negative konnten nicht im Original aufbewahrt werden und mussten auf neue Trägermaterialien umkopiert bzw. digitalisiert werden. Der Bestand wurde mit Ausnahme von einem Teil der Passfotos vollständig digitalisiert.

Fotonachlass von Walter Nydegger (1912-1986)
Walter Nydegger war der erste Pressefotograf in Bern mit bedeutenden Reportagen zu Ereignissen, Kundgebungen, Persönlichkeiten, Staatsbesuchen und ähnlichen Anlässen. Seit etwa 1940 war er als freier Fotoreporter tätig für Illustrierte, Tageszeitungen sowie für die Berner Woche. Walter Nydegger gilt als Berner Pionier der Pressefotografie. Er übergab seinen Nachlass 1986 dem Staatsarchiv. Sämtliche Reportagen können in chronologischer Reihenfolge online durchsucht werden. Zusätzlich sind 22‘500 Fotografien direkt digital verfügbar.

Fotonachlass von Martin Hesse (1911-1968)
Der Sohn des Schriftstellers Hermann Hesse war 1930 bis 1968 Als Fotograf in Bern tätig und arbeitete unter anderem für die Kantonale Denkmalpflege. Martin Hesse machte vorwiegend dokumentarische Aufnahmen aus Bern und Umgebung mit Stadt- und Landschaftsfotografien sowie Personenaufnahmen. Die Fotos konnten komplett digitalisiert werden.

Abb.: Tiger auf der N6 bei Münsingen, 24.03.1982 / Foto: Rolf Schertenleib, Berner Zeitung (StAB PBA BZ I 3)

Pressebildarchiv der Berner Zeitung (ca. 1950-2000)
Das umfangreiche analoge Pressebildarchiv umfasst ungefähr eine halbe Million Bilder aus der Zeit von ca. 1950-2000. Bis 1970 führte die Berner Zeitung kein eigenes Bilderarchiv, sondern kaufte die zu publizierenden Bilder ein, beispielsweise bei Auftragsfotografen wie Walter Nydegger oder bei Bildagenturen (z.B. Edipresse, Actualité Suisse Lausanne ASL). Ab 1970 bis zur Umstellung der gesamten Bildredaktion auf digitale Produktion im Jahr 1998 bewirtschaftete die Berner Zeitung aktiv ein eigenes Pressebildarchiv und beschäftigte eigene Fotografen (u.a. Andreas Blatter, Eduard Rieben, Urs Baumann). Das Staatsarchiv übernahm das Pressebildarchiv im August 2013. Vorher erfolgten umfangreiche Analysen bezüglich Umfang, Inhalt und Zustand, um ein detailliertes und systematisches Erhaltungs- und Erschließungsprojekt formulieren zu können. Das umfangreiche Projekt wurde mit Geldern der Ursula Wirz Stiftung, der Ernst Göhner Stiftung sowie der Medien- und Unternehmensförderungsstiftung FERS unterstützt. Die Metadaten des Pressearchivs können online recherchiert werden. Aus urheberrechtlichen Gründen sind jedoch keine digitalisierten Fotos abrufbar.

Kontakt:
Staatskanzlei des Kantons Bern
Staatsarchiv
Falkenplatz 4
Postfach
3001 Bern
Tel. +41 31 633 51 01
Fax +41 31 633 51 02

Quelle: Staatskanzlei Bern, Medienmitteilung, 10.1.2018

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