Umzug des Kreisarchivs Gütersloh steht bevor

Seit elf Jahren befindet sich das Archiv des Kreises Gütersloh im ‚Haus des Bauern‘ an der Bielefelder Straße in Wiedenbrück. Der Umzug und Zusammenschluss mit dem Stadtarchiv Gütersloh steht kurz bevor. Am 17.11.2018 soll das neue Stadt- und Kreisarchiv in der Moltkestraße offiziell eröffnet werden. Das historische Gebäude in Wiedenbrück wurde hingegen unlängst von der Caritas erworben.

Abb.: Die ersten Umzugskartons stehen bereits zwischen den Regalen des Magazins im ersten Obergeschoss. (Foto: Kreis Gütersloh).

Für das Kreisarchiv ist der bevorstehende Umzug bereits der dritte in seiner Geschichte. Seit 1984 verfügt der Kreis Gütersloh über ein eigenes, hauptamtlich geleitetes Archiv, das zuerst 1997 auf den ‚Reckenberg‘ in das Kreishaus im Ortsteil Wiedenbrück einzog. 2007 folgte der nächste Umzug in das denkmalgeschützte ‚Haus des Bauern‘, ebenfalls in Wiedenbrück. Ursprünglich wurde das Gebäude 1937 als landwirtschaftliche Schule errichtet. Im September dieses Jahres schließt sich der dritte Umzug des Archivs an. Zusammen mit dem Archiv der Stadt geht es in das ehemalige Gebäude der Regenbogenschule in Gütersloh: „Einen solchen Umbau hätte jedes Archiv für sich selber nicht bekommen“, berichtet Kreisarchivar Ralf Othengrafen. Ein weiterer Vorteil der Zusammenlegung ist sicherlich auch die personelle Aufstellung der beiden Archive. Bei Projekten kann zukünftig zusammengearbeitet werden.

Der Umzug hat aber noch mehr Vorteile: Die bisherigen räumlichen und klimatischen Bedingungen im ‚Haus des Bauern‘ sind für die Archivalien und die Archivarbeit nicht gut geeignet. Genutzt werden mehrere Kellerräume und das erste Obergeschoss des Hauses zur Unterbringung der Magazine. Aber auch im Keller des Kreishauses in Wiedenbrück lagern aus Platzmangel weitere Archivalien. Daher müssen regelmäßig Transporte der Dokumente stattfinden. Das ist logistisch aufwendig. Es ist also beengt und typisch für ein altes Bauernhaus schlecht isoliert: „Archivalien sollten bei einer konstanten Temperatur um die 16 Grad und bei 50 Prozent Luftfeuchtigkeit aufbewahrt werden“, erklärt der Archivar. Im Keller gibt es Probleme mit der Feuchtigkeit und der Brandschutz ist nicht optimal, wie alleine das Knarzen der Holzdielen verrät. Diese Probleme werde es im neuen, nach modernem Standard ausgebauten Archiv nicht geben, berichtet Othengrafen.

Das Kreisarchiv im ‚Haus des Bauern‘ ist noch den gesamten August über geöffnet. Solange können Besucher den Leseraum nutzen und recherchieren. Es kann allerdings wegen Umzugsvorbereitungen zu Einschränkungen kommen. Vom 3. September bis zur offiziellen Eröffnung am 17. November 2018 bleibt das Archiv komplett geschlossen.

Kontakt:
Kreisarchiv Gütersloh
Bielefelder Straße 47
33378 Rheda-Wiedenbrück
Telefon: 05241 – 85 2003
Fax: 05241 – 85 32003
kreisarchiv@gt-net.de

Quelle: Kreis Gütersloh, Pressemitteilung, 7.8.2018

Die Mangelwirtschaft gegen Kriegsende – Aschaffenburger Schlaglicht August 1918

Seit dem hundertsten Jahrestag des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs werden im Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg monatlich wechselnde „Schlaglichter“ in Form einer kleinen Präsentation gezeigt. Ausgewählte Dokumente, Fotografien und Objekte, zumeist aus den Beständen des Archivs (und ab und an auch in Kooperation mit regionalen Sammlern und Heimatforschern) werden über einen Zeitraum von jeweils vier Wochen gezeigt. Die jeweiligen Präsentationstexte sowie ausgewählte Bilder werden seit dem August 2014 über die Homepage des Archivs dokumentiert (Rückblick).

Das aktuelle Schlaglicht thematisiert die Mangelwirtschaft 1918:

Ende Juli veröffentlichte die Aschaffenburger Zeitung eine Proklamation König Ludwigs, mit der er sich für die Treue und Opferfreudigkeit beim bayerischen „Heer und Volk“ bedankte. Am 1. August 1918 dankte auch Kaiser Wilhelm II. dem „deutschen Volk und Heer“ und rief – angesichts der feindlichen Übermacht im Westen – zum „unerschütterlichen Siegeswillen“ auf.

Diese Aufrufe konnten nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Lage nicht nur an den Fronten immer prekärer wurde: Die Mangelwirtschaft schränkte das Alltagsleben der Zivilbevölkerung weiter ein. Im August 1918 wurden die drei Jahre zuvor eingeführten „fleischlosen Tage“ zu „fleischlose Wochen“, Schuhe waren kaum noch zu bekommen, in vielen Bereichen war man auf die Erzeugung und Verwendung von Ersatzstoffen angewiesen. Statt Fleisch wurden über das bestehende Bezugsscheinsystem größere Wochenrationen an Mehl oder Kartoffeln ausgegeben.

Einen interessanten Einblick gewährt das städtische Schriftgut, das im Archiv verwahrt wird: Die Forderung der Reichsbekleidungsstelle nach einer Abgabe von 500 Anzügen „für die Bekleidung der Heimarmee“ – darunter fielen nicht nur die Arbeiter der Rüstungsarmee, sondern auch für die in der Landwirtschaft, bei der Eisenbahn oder im Bergbau Beschäftigten – konnte in Aschaffenburg nicht erfüllt werden. Zum einen war der Aufwand, den der mit der Sammlung betraute Schuhmacher Rosner dafür betreiben musste, unverhältnismäßig groß, und zum andern fiel es, wie dies in einer Sitzung des Stadtmagistrats vorgetragen wurde, der Bevölkerung schwer die eventuell noch vorhandene Herrenoberbekleidung zu spenden, „weil die meisten Familien mit Kindern ihre alten Kleidungsstücke wieder für ihre Kinder verwenden.“

Kontakt:
Stadt- und Stiftsarchiv
Wermbachstraße 15
63739 Aschaffenburg
Telefon: 06021 45 61 05 0
Telefax: 06021 / 2 95 40
stadtarchiv@aschaffenburg.de
www.archiv-aschaffenburg.de

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