Ausstellung: Zeitenwende in Hessen 1918/19

Revolutionärer Aufbruch in die Demokratie

Vor 100 Jahren, am 19. Januar 1919, wählten alle Deutschen, erstmals auch Frauen, die verfassunggebende Weimarer Nationalversammlung. Die Nationalversammlung handelte eine demokratische Reichsverfassung aus und begründete damit die Weimarer Republik. Aus diesem Anlass zeigt das Hessische Landesarchiv noch bis zum 25.5.2019 eine Tafelausstellung mit Begleitpublikation. Ausstellung und Publikation dokumentieren den revolutionären Umbruch der Jahre 1918/1919 auf dem späteren Gebiet des Bundeslandes Hessen und zeichnen seine Auswirkungen auf den demokratischen Neubeginn in Hessen 1945/1946 nach.

Abb.: Wahlkampf 1919 in Frankfurt am Main – Demonstrationszug der Sozialdemokraten (ISG Frankfurt, S7Z1919, 5)

In Hessen gab es verschiedene, oftmals verfeindete politischen Akteure, wobei die Parteien der Arbeiterbewegung SPD, USPD und die später sich aus dem Spartakusbund herausbildende KPD in den ersten Monaten bestimmend waren. So bestimmten Arbeiter- und Soldatenräte in weiten Bereichen des heutigen Hessen die ersten Monate nach dem Zusammenbruch des Kaiserreiches.

Die Novemberrevolution von 1918 markierte den revolutionären Wendepunkt von der mit der Niederlage des Ersten Weltkriegs scheiternden Monarchie zur ersten deutschen Demokratie. Dieser ereignisreichen, komplexen und so wirkungsmächtigen historischen Phase und ihren Konsequenzen widmet das Hessische Landesarchiv neben der Tafelausstellung auch eine Begleitpublikation.

Der Katalog führt in Orte des politisch revolutionären Geschehens, wie Kassel, Frankfurt, Hanau, Darmstadt, Wiesbaden oder Arolsen. Indem die Entwicklung in verschiedenen Städten vertieft wird, werden unterschiedliche Kräfte vor Augen geführt. Dazu gehört es das Wirken einzelner Personen zu wirken, wie zum Beispiel den späteren Kasseler Oberbürgermeister Philipp Scheidemann. Entsprechend der Tafelausstellung im Staatsarchiv Marburg bietet der Katalog „Zeitenwende“ nach einer Einleitung fünf Abschnitte: Das Ende des Ersten Weltkriegs, Novemberrevolution in Hessen, Weichenstellungen und Folgen und Wirkungen.

Info:
Andreas Hedwig (Hg.): Zeitenwende in Hessen. Revolutionärer Aufbruch 1918/1919 in die Demokratie.
136 Seiten, zahlr. s/w und farb. Abb. Marburg 2019 (Schriften des Hessischen Staatsarchivs Marburg 36).
ISBN 978-3-88964-221-9, geb., € 10,00

Öffnungszeiten der Ausstellung:
Mo/Fr 8.30–16.30 Uhr, Di–Do 8.30–19.00 Uhr
Der Eintritt ist frei.

Kontakt:
Hessisches Landesarchiv
Abteilung Hessisches Staatsarchiv Marburg
Friedrichsplatz 15
35037 Marburg
Tel.: 06421/9250-0
Fax: 06421/161125
marburg@hla.hessen.de
https://landesarchiv.hessen.de/

Quelle: Hessisches Landesarchiv, Veranstaltungskalender; das Marburger Online-Magazin, Ausstellungskatalog 1918: Zeitenwende in Hessen, 12.2.2019

 

Stasi-Unterlagen sollen unter die Obhut des Bundesarchivs

Übergabe des 14. Tätigkeitsberichts zur Arbeit der BStU an den Bundestag

Der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen (BStU), Roland Jahn, hat dem Präsidenten des Deutschen Bundestages, Dr. Wolfgang Schäuble, am 13.3.2019 den 14. Tätigkeitsbericht zur Arbeit des BStU sowie gemeinsam mit dem Präsidenten des Bundesarchivs, Dr. Michael Hollmann, das Konzept zur Zukunft der Stasi-Unterlagen übergeben.

Wie soll sie konkret aussehen, die Zukunft der Stasi-Akten? Diese Frage hat den Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen (BStU) im Berichtszeitraum 2017 und 2018 stark beschäftigt. Mehr als eine Generation ist in einem vereinten Deutschland aufgewachsen. In diesem Jahr wird an den 30. Jahrestag des Mauerfalls erinnert, auch ein wichtiges Datum für die Stasi-Akten. Dazu sagte Jahn:

„Es ist in diesem Jahr 30 Jahre her, dass mutige Bürgerinnen und Bürger in der Friedlichen Revolution die Stasi-Unterlagen gesichert und den Zugang erkämpft haben. Die Öffnung der Stasi-Unterlagen gehört zu den zentralen Errungenschaften der Friedlichen Revolution. 30 Jahre Arbeit mit den Stasi-Unterlagen sind ein guter Zeitpunkt, um die Weichen für die Zukunft zu stellen.“

Im Berichtszeitraum hat der BStU gemeinsam mit dem Bundesarchiv ein Konzept zur Zukunft der Stasi-Unterlagen im Auftrag des Bundestags erarbeitet. Es beschreibt die Leitlinien für den Zukunftsprozess. Mit dem Bundesarchiv hat das Stasi-Unterlagen-Archiv einen starken Partner, mit dem es sich den Herausforderungen einer digitalen Welt stellen kann. Jahn beschrieb den Kern des Konzepts wie folgt:

„Mit dem Konzept zur Zukunft der Stasi-Unterlagen unter dem Dach des Bundesarchivs werden unsere Kompetenzen, Technik und Ressourcen gebündelt, um das Stasi-Unterlagen-Archiv fit für die Zukunft zu machen. Durch die Bündelung wollen wir die langfristige Sicherung der Akten gewährleisten und die Nutzungsmöglichkeiten durch eine breit angelegte Digitalisierung erweitern.“

Abb.: Der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen (BStU), Roland Jahn, mit dem Präsidenten des Deutschen Bundestages, Dr. Wolfgang Schäuble, und dem Präsidenten des Bundesarchivs, Dr. Michael Hollmann (Foto: BStU).

Die notwendigen Investitionen in archivgerechte Lagerung, Bauten und Digitalisierung können in gemeinsamer Anstrengung angegangen werden. Dazu wird am Standort des Stasi-Unterlagen-Archivs am historischen Ort der Stasi-Zentrale in Berlin-Lichtenberg ein Kompetenzzentrum zum Erhalt der Unterlagen mit Werkstätten zur Restaurierung und Digitalisierung aufgebaut. Auch die Rekonstruktion von zerrissenen Stasi-Unterlagen wird dort einen Platz einnehmen.

Dieses Zentrum soll Teil eines Archivzentrums zur SED-Diktatur werden, in dem in Zukunft auch die Unterlagen der Bestände der zentralen DDR-Behörden und der Stiftung Parteien und Massenorganisationen in der DDR (SAPMO) des Bundesarchivs untergebracht werden.

Das Recht auf den Zugang zu den Akten bleibt unverändert. Die Nutzung wird weiterhin auf Basis des Stasi-Unterlagen-Gesetzes erfolgen.

Für die Zukunft wird auch die Forschung neu ausgerichtet. Um die Recherche-Möglichkeiten für Forschung, Bildung und Medien zu verbessern und den steigenden Ansprüchen einer sich verändernden Wissenschaftslandschaft gerecht zu werden, wird die Forschung beim Stasi-Unterlagen-Archiv in Richtung einer gezielten quellenkundlichen Forschung weiterentwickelt.

Vieles weitere aus der Tätigkeit des BStU drehte sich in den vergangenen beiden Jahren um die Zukunft. „Einblick ins Geheime“- die neue Ausstellung zum Stasi-Unterlagen-Archiv am historischen Ort der Stasi-Zentrale in Berlin steht exemplarisch für den Weg in die Zukunft. Es geht darum, das „Monument der Überwachung“, die 111 Kilometer Stasi-Akten, an historischen Orten sichtbar und es im digitalen Dialog mit der neuen Generation nutzbar zu machen.

Das Stichwort Digitalisierung ist mit der Zukunft untrennbar verbunden. Mit der Stasi-Mediathek ist bereits seit einigen Jahren ein stetig wachsendes digitales Schaufenster ins Archiv geschaffen worden. In den letzten zwei Jahren wurde zusätzlich die Homepage www.bstu.de neu aufgesetzt. Sie ist ein Einstieg ins Archiv, mit einer umfassenden Suche zu den Ressourcen des Archivs, auf der in den kommenden Jahren weiter aufgebaut wird. Jahn sagte, dass aber auch in Zukunft gelte:

„Den Opfern gerecht werden, und gleichzeitig eine Brücke zur nächsten Generation schlagen. Das ist und bleibt die Mission des Stasi-Unterlagen-Archivs.“

Von der Option auf persönliche Akteneinsicht haben 2017 über 48.000 Menschen Gebrauch gemacht und 2018 gingen dazu gut 45.000 Anträge ein. In 2017 und 2018 sind je ca. 1.300 Anträge aus Forschung und Medien gestellt worden. In 2017 und 2018 gab es jeweils ca. 1.100 Ersuchen auf Überprüfung im öffentlichen Dienst und bei politischen Funktionsträgern.

Die Anträge zu Forschung, Bildung und Medien bleiben seit Jahren konstant. Journalisten und Wissenschaftler, sowie Dokumentar- und Spielfilmproduktionen, Gedenkstätten und Bildungseinrichtungen, oder auch Privat- und Regionalforschungen begeben sich oft auf eine intensive Spurensuche im Stasi-Unterlagen-Archiv.

Wie geht es nun weiter?
Das Konzept zur Zukunft der Stasi-Unterlagen soll in den nächsten Monaten in den Facharbeitsgruppen der unterschiedlichen Bundestagsfraktionen und innerhalb der Regierungskoalition beraten werden. Zudem ist im Ausschuss für Kultur und Medien in den kommenden Monaten eine ausführliche Vorstellung und Beratung des Konzeptes geplant.

Links:

Quelle: BStU, Pressemitteilung, 13.3.2019

Wie umgehen mit Akten und Daten von Studierenden?

AG der Hochschularchive NRW diskutierte an der Universität Paderborn

Wie sollten Hochschularchive mit Akten und Daten von Studierenden umgehen? Das diskutierten Archivarinnen und Archivare der nordrhein-westfälischen Hochschulen am 6.3.2019 bei einem Treffen ihrer Arbeitsgemeinschaft an der Universität Paderborn. Das AG-Treffen findet jährlich an einer anderen Hochschule in NRW statt und wurde in diesem Jahr von Dr. Anikó Szabó, Leiterin des Universitätsarchivs Paderborn und Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft, organisiert.

Abb.: Diskutieren in Paderborn über die Archivierung von Akten und Daten von Studierenden: die Archivarinnen und Archivare der Hochschulen NRWs (Foto: Universität Paderborn, Simon Ratmann).

Die Arbeitsgemeinschaft der Hochschularchive des Landes Nordrhein-Westfalen wurde 1999 gegründet. Sie berät Fragen gemeinsamen Interesses und fördert den Aufbau von und die Zusammenarbeit zwischen den Archiven. Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft sind die von den Universitäten und Hochschulen des Landes Nordrhein-Westfalen entsandten Vertreter sowie ein Vertreter der IuK-Koordinierungsstelle.

Zu Beginn des AG-Treffens präsentierte Szabó die Ergebnisse einer landesweiten Umfrage zum Umgang mit Studierendenakten und -daten an den nordrhein-westfälischen Hochschulen. Im Anschluss stellte Martin Löning, Leiter des Archivs der Universität Bielefeld, vor, wie seine Einrichtung Studierendenakten künftig archivieren möchte. Dr. Ansgar Molzberger vom Institut für Sportgeschichte der Deutschen Sporthochschule Köln berichtete über die geplante Einrichtung eines Archivs an seiner Universität.

Dr. Thomas Becker, Leiter des Archivs der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, berichtete über das konstituierende Treffen des Arbeitskreises „archivische Rechtsfragen“ im Verband deutscher Archivarinnen und Archivare (VdA). Der neue Arbeitskreis hat das Ziel, einerseits Empfehlungen für ArchivarInnen und Archive zum Umgang mit rechtlichen Problemen in der Praxis zu erarbeiten und andererseits Stellungnahmen des VdA in Gesetzgebungsverfahren auf Bundes- und Länderebene für den Vorstand vorzubereiten. Im VdA mit seinen rund 2.400 Mitgliedern kommen zudem als Fachgruppe 8 die Archive der Hochschulen sowie wissenschaftlicher Institutionen zusammen.

Zum Abschluss der Veranstaltung in Paderborn führte Anikó Szabó ihre Kolleginnen und Kollegen durch die neuen, Ende 2018 vollständig eingerichteten Räumlichkeiten des Universitätsarchivs Paderborn. Das 1989 gegründete Archiv hat seinen Sitz am Campus-Haupteingang im Gebäude I. Hier lagern rund 300 Regalmeter Archivalien. Zum Bestand gehören unter anderem Akten, Fotos, Filme, Plakate, Flugblätter und Broschüren der Universität und ihrer Vorgängereinrichtungen.

Kontakt:
Universitätsarchiv Paderborn
Warburger Str. 100
Raum I1.318
33098 Paderborn
Telefon:
+49 5251 60-2026 Archivleitung
+49 5251 60-2138 Hilfskräfte
uniarchiv@ub.uni-paderborn.de
www.ub.uni-paderborn.de/universitaetsarchiv

Quelle: Uni Paderborn, Pressemitteilung, 7.3.2019

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