Born free. Ausstellung zu 30 Jahren Unabhängigkeit der Ukraine

Nachdem Michail Gorbatschow im Jahre 1985 die „Perestrojka“ (Umbau) der Sowjetunion eingeleitet hatte, änderte sich in der Ukraine vorerst wenig. Der Parteichef Schtscherbytzkyj blieb bis 1989 im Amt. Die Katastrophe im nördlich von Kiew gelegenen Kernkraftwerk von Tschernobyl hatte allerdings schon 1986 vorübergehend breitere Kreise mobilisiert. Als dann Ende der 1980er Jahre der Kollaps des Sowjetsystems einsetzte, zeigten sich politische Oppositionsbewegungen öffentlich und schlossen sich 1989 in einer „Volksbewegung“ (Ruch) zusammen, die vom ehemaligen politischen Häftling Wjatscheslaw Tschornowil (1937-1999) präsidiert wurde. Ruch organisierte 1990 eine Menschenkette mit über 400.000 Personen von Kiew nach Lemberg. In den ersten freien Wahlen im März 1990 erreichte die von der Volksbewegung angeführte Allianz ein Viertel der Stimmen gegenüber 70 Prozent für die Kommunisten.


Abb.: Abgeordnete der Werchowna Rada (Oberster Sowjet) der Ukrainischen SSR: Wjatscheslaw Tschornowil (links) und O. Shevchenko (rechts) mit Streikposten in der Nähe des Gebäudes der Werchowna Rada der Ukrainischen SSR, Kiew, Juni/Juli 1990 (Foto: Central State CinePhotoPhono Archives of Ukraine named after H. Pshenychnyi. No. of arch. u. 0-220463).

Die Oppositionsbewegung wandelte sich allmählich in eine nationale Unabhängigkeitsbewegung. An ihre Spitze stellten sich Vertreter der KP unter Führung von Leonid Krawtschuk, der zum Parlamentspräsidenten gewählt wurde. Im Gleichschritt mit den meisten anderen Sowjetrepubliken erklärte die Ukrainische Republik im Juli 1990 ihre Souveränität und am 24. August 1991, nach dem gescheiterten Putsch reaktionärer Kräfte in Moskau, ihre Unabhängigkeit und den Austritt aus der Sowjetunion. Am 1. Dezember 1991 stimmten in einem Referendum 90 Prozent der Bevölkerung dafür und wählten gleichzeitig Krawtschuk mit 61 Prozent zum Präsidenten der Ukraine. Wenige Tage später trafen sich die Präsidenten Russlands, Boris Jelzin, Belarus, Stanislau Schuschkewitsch, und der Ukraine und beschlossen die Auflösung der Sowjetunion. Es war Krawtschuk, der den Ausschlag für diesen welthistorischen Akt gab.

Zum 30. Jahrestag der Unabhängigkeit der Ukraine 2021 hat der Staatliche Archivdienst der Ukraine gemeinsam mit anderen staatlichen Archiveinrichtungen und Staatsarchiven eine Online-Ausstellung unter dem Titel „Born free. 30 Years of Independence of Ukraine“ erarbeitet. Die Ausstellung, die angesichts des am 24.2.2022 von Russland begonnenen Angriffskrieges gegen die Ukraine eine besondere Aktualität erhält, nimmt ihren Ausgangspunkt am Unabhängigkeitstag (24. August 1991), widmet sich aber in neun Kapiteln dem „sehr langen und ereignisreichen“ Weg bis zur ukrainischen Unabhängigkeit. Die einzelnen Kapitel oder Abschnitte sind mit Dokumenten, Abbildungen und Fotos unterlegt:

Seit Dezember 1991 gibt es einen unabhängigen ukrainischen Staat. Er umfasst 603.628 Quadratkilometer und ist damit der nach Russland zweitgrößte Staat Europas. Sein Territorium ist identisch mit demjenigen der Ukrainischen Sowjetrepublik und grenzt an Russland, Belarus, Polen, die Slowakei, Ungarn, Rumänien und die Republik Moldau.

Die Beziehungen zu den Nachbarstaaten wurden in bilateralen Verträgen geregelt, so auch das Verhältnis zu Russland, mit dem im Jahre 1997 ein Freundschaftsabkommen geschlossen wurde, in dem sich die beiden Staaten ihre territoriale Integrität garantierten. Die Ukraine war Mitglied der von Russland dominierten Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS), die jedoch von sekundärer Bedeutung blieb. Gleichzeitig vollzog sich eine Annäherung an den Westen, beginnend mit einem 1994 abgeschlossenen Partnerschaftsabkommen mit der EU und der Aufnahme in den Europarat ein Jahr später. Die Ukraine ist eine parlamentarische Präsidialrepublik. Sie ist administrativ in 24 Gebiete geteilt, die Autonome Republik Krim hat einen Sonderstatus.

Russlands Annexion der Krim 2014 und der verdeckte Krieg im Donbas haben die Ukraine nach ihrer Unabhängigkeit im Jahr 1991 abermals in den Mittelpunkt der europäischen und der Weltpolitik gerückt. Die Schärfe der russisch-ukrainischen Krise seit 2014 leitet sich laut Andreas Kappeler, emeritierter Osteuropahistoriker der Universität Wien, nicht aus der Geschichte, sondern aus extrem widerstreitenden Interessen der politischen Gegenwart ab. „Eine russisch-ukrainische Versöhnung hält Kappeler nur für möglich, wenn Russland sich aus der Ukraine zurückzieht und die Rolle als großer Bruder aufgibt“, fasst Martin Aust in einer Rezension das Kappeler-Buch „Ungleiche Brüder. Russen und Ukrainer vom Mittelalter bis zur Gegenwart“ (2017) zusammen.

Die Gefahr einer russischen Invasion bestand in den vergangenen Jahren mehrfach, unter anderem seit Frühjahr 2021 aufgrund von Truppenkonzentrationen entlang der ukrainischen Grenze. Russlands Präsident Wladimir Putin unterzeichnete am 21. Februar 2022 ein Dekret zur Anerkennung der Unabhängigkeit der besetzten ukrainischen Gebiete. Am 24. Februar 2022 griff Russland die Ukraine völkerrechtswidrig von mehreren Seiten an, sowohl aus Russland als auch von der annektierten Halbinsel Krim und aus dem Nachbarstaat Belarus. – Die jüngste Geschichte der Ukraine stellt ein neues, dramatisches Kapitel für den Kontext der 2021 erarbeiteten Jubiläumsausstellung „Born free“ dar.

Kontakt:
State Archival Service of Ukraine
24 Solomianska Str.
Kyiv, Ukraine, 03110
Tel.: +38 (044) 275-27-77
Fax: +38 (044) 275-36-55
info@arch.gov.ua
https://archives.gov.ua/en

Quelle: State Archival Service of Ukraine: Born free. Documentary exhibition, 24.8.2021; Informationen zur politischen Bildung 28/2015: Ukraine, 8.7.2015, Autor: Andreas Kappeler, 2015; Art. Ukraine, in: Wikipedia, 1.3.2022; Martin Aust (Bonn): Rezension von Andreas Kappeler: Ungleiche Brüder. Russen und Ukrainer vom Mittelalter bis zur Gegenwart, München 2017. 267 Seiten, ISBN: 978-3-406-71410-8, in: JGO 68, 2020/1, 95-97; Redaktion H-Soz-Kult: Informationsmaterialien zum Krieg in der Ukraine, 3.3.2022.

Jugend in der NS-Zeit im Märkischen Kreis

Führungen durch die Ausstellung »Führer, wir gehören dir«.

Wie die Jugend im Märkischen Kreis zur Zeit des Nationalsozialismus aussah, zeigt das Kreisarchiv des Märkischen Kreises in der Ausstellung „Führer, wir gehören dir“ im Geschichtsmuseum der Stadt Lüdenscheid. Nach dem 27. Februar finden auch am Sonntag, 6. März 2022 ab 15 Uhr, öffentliche, kostenlose Führungen durch die Ausstellung statt. Eine verbindliche Anmeldung ist erforderlich per Mail unter museen@luedenscheid.de oder per Telefon unter 02351 17-1496. Ulrich Biroth, Diplom-Archivar beim Kreisarchiv des Märkischen Kreises, führt durch die Ausstellung und gibt Hintergrundinformationen zu den Exponaten. Es gelten die aktuellen Corona-Regeln.

Auch Gruppenführungen oder Führungen für Schulklassen sind unter der Woche nach Terminvereinbarung möglich. Informationen und Buchung per Telefon unter 02352 9667059 sowie per Mail unter kreisarchiv@maerkischer-kreis.de.


Abb.: In der Ausstellung „Führer, wir gehören dir“ vom Kreisarchiv des Märkischen Kreises können die Besucherinnen und Besucher chronologisch durch die Themenbereiche Weimarer Republik, Schulzeit, Dienst am Volk und Kriegszeit reisen. Auch Propaganda und mediale Beeinflussung der Bevölkerung stehen im Fokus (Foto: Hannah Heyn/Märkischer Kreis).

Die Ausstellung „Führer, wir gehören dir. Jugend in der NS-Zeit im Märkischen Kreis“ vom Kreisarchiv des Märkischen Kreises erzählt mit mehr als 500 Exponaten, wie die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei eine ganze Generation manipulierte. Fotos, Filme, Objekte und Dokumente aus dem Kreis erklären, warum die I-Männchen des Jahres 1933 gegen Kriegsende als Flakhelfer bei der Luftwaffe, in Aufräumkommandos der Hitlerjugend nach Bombenangriffen im Ruhrgebiet und zuletzt im Volkssturm ihr Leben riskierten.

„Auch Leihgaben von Menschen aus dem Märkischen Kreis geben Antworten – verbunden mit persönlichen Geschichten. Dazu gehört zum Beispiel ein Geschütz in Miniaturformat“, sagt Ulrich Biroth. Anhand der vier Themenbereiche „Weimarer Republik, Schulzeit, Dienst am Volk und Kriegszeit“ werden die Besucherinnen und Besucher chronologisch durch die Ausstellung geleitet.

Bis zum 29. Mai 2022 läuft die Ausstellung noch im Geschichtsmuseum der Stadt Lüdenscheid (Sauerfelder Str. 14 – 20, 58511 Lüdenscheid). Öffnungszeiten des Museums sind mittwochs bis sonntags, jeweils von 11 bis 18 Uhr.


Abb.: Wie die Jugend in der NS-Zeit im Märkischen Kreis aussah, erzählen auch Leihgaben von Menschen aus dem Märkischen Kreis. Ein Beispiel: das Geschütz in Miniaturformat (Foto: Hannah Heyn/Märkischer Kreis).

Kontakt:
Geschichtsmuseum
Sauerfelder Str. 14-20
58511 Lüdenscheid
Tel.: 0 23 51/17-14 96
Fax: 0 23 51/17-17 09
museen@luedenscheid.de

Kreisarchiv/Landeskundliche Bibliothek
Kreishaus I Altena
Bismarckstraße 15
58762 Altena
Tel.: 02352 9667059
kreisarchiv@maerkischer-kreis.de

Quelle: Märkischer Kreis, Pressemitteilung, 22.2.2022

Exkursionen ins jüdische Westfalen

Buchveröffentlichung zur Erinnerungskultur.

Nur zwei Dutzend von etwa 180 Landsynagogen in Westfalen haben die Shoah überlebt. Sie dienten nach 1945 als Abstellraum, Kohlenlager oder Fahrradwerkstatt. Mittlerweile haben lokale Förderkreise sie instandgesetzt und – oft zusammen mit der jeweiligen Kommune – für kulturelle Veranstaltungen geöffnet.

In dem im Jahr 2021 im Rahmen von »1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland« durchgeführten Festival “Musik & Kultur in westfälischen Landsynagogen“ wurden acht dieser kostbaren Gebäude neu mit jüdischem Leben verknüpft: Ermöglicht durch einen Dreiklang aus Literatur zu jüdischen Themen, Ortsbegehung auf jüdischen Spuren und Konzerten mit jüdischer Musik in ihrer ganzen Vielfalt.

„Musik & Kultur in westfälischen Landsynagogen“ als gemeinsamer Beitrag der Evangelischen Stadtakademie Bochum, des Evangelischen Forums Westfalen und des Landesverbands der Jüdischen Gemeinden von Westfalen-Lippe – war ein rundum gelungenes Festival. Zum Projekt „Musik und Kultur in westfälischen Landsynagogen“ hat der Bochumer Theologe Dr. Manfred Keller jetzt ein Buch herausgegeben mit dem Titel „Expedition ins jüdische Westfalen“.

Das Buch lädt ein zu Streifzügen durchs jüdische Westfalen und verbindet zugleich die Bilanz des Festivals mit einem Blick in die Geschichte des Landjudentums und Impulsen zu der aktuellen Frage: Wie gehen wir vor Ort mit jüdischem Kulturerbe um?

Pfarrer i.R. Dr. Manfred Keller war von 1979 bis 2005 Leiter der Evangelischen Stadtakademie Bochum. Unter dem Leitwort „Erinnern und begegnen“ setzte er sich in dieser Zeit und bis heute kontinuierlich mit jüdischem Leben in Bochum und in Nordrhein-Westfalen auseinander.

Info:
Manfred Keller (Hg.), Exkursionen ins jüdische Westfalen. Musik & Kultur in westfälischen Landsynagogen.
Mit Beiträgen von Jenny Aloni | Andrea Behnke | Walter Gödden | Arno Herzig | Manfred Keller | Fred Kaspar | Abraham Lehrer | Jakob Loewenberg | Josefa Metz | Imo Moszcowicz | Iris Nölle-Hornkamp | Dieter Przygode | Barbara Rüschoff-Parzinger | Hubert Schneider, Dirk Urbach | Marga Spiegel | Gisbert Strotdrees | J. Monika Walther
Bochum 2022 – 176 Seiten – Preis: 18,90 €
ISBN 978-3-95565-524-2

Die Ernte des Festivals wurde nicht nur in das Buch, sondern auch in einen Film eingebracht. Als Projekt der Evangelischen Akademikerschaft in Deutschland (EAiD) hat der Bochumer Journalist Jens Tampier das Festival „Musik & Kultur in westfälischen Landsynagogen“ filmisch begleitet. Er richtet den Blick seiner Kamera vor allem auf jene Menschen, die mit ihrem ehrenamtlichen Engagement wesentlich zum Erhalt der Landsynagogen beitragen. “Menschen, die selbst nicht vergessen wollen und auch nicht zulassen, dass andere vergessen”, sagt der Filmemacher.

Der Bochumer Journalist Jens Tampier arbeitet seit den 1990er Jahren als Filmemacher und Reporter für die Fernsehsender Sport1, DAZN und Magenta Sport. Seit 2006 ist er auch als selbständiger Produzent von Film- und Fernsehproduktionen tätig. Zusammen mit Patrick Lambertus betreibt er außerdem das Internetportal Die Bochumschau.

Quelle: EFW– Landesverband Westfalen – Evangelisches Forum Westfalen, Buchveröffentlichung; Ev. Stadtakademie Bochum, Programmhinweis, 24.2.2022

ICA erklärt seine Solidarität mit ukrainischer Archivszene

Der Internationale Archivrat (ICA) drückt angesichts des kriegerischen Überfalls Russlands auf die Ukraine seine Solidarität mit den ukrainischen Archivarinnen und Archivaren aus. Der ICA fordert die Regierung Russlands auf, allen im Land verbleibenden Kulturerbe-Fachleuten keinen Schaden zuzufügen und plädiert mit Hinweis auf die Haager Konvention vom 14. Mai 1954 zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten von der Zerstörung von Schrift- und Kulturgut abzusehen.

Das ICA arbeitet eng mit den nationalen Archiven in den Nachbarländern Polen, Litauen, Lettland und Estland zusammen, um die sich schnell verändernde Situation zu überwachen und den Kolleginnen und Kollegen vor Ort so viel Unterstützung wie möglich zu gewähren und um gefährdete Archive zu schützen.

Archive seien ein unersetzliches Kulturerbe und müssten zusammen mit dem engagierten Personal, das ihre Bedeutung, Struktur und Nutzung versteht, geschützt werden, so der ICA in seiner Erklärung vom 25.2.2022 weiter.

Die Erklärung im Wortlaut:

Solidarity with Ukrainian Archives and Records Professionals

The International Council on Archives wishes to express its solidarity with Ukrainian archives and records professionals during this difficult time. The ICA calls on the Government of Russia to not harm any documentary or cultural heritage professionals that remain in country, as well as refrain from destroying documentary and cultural heritage in respect of the 1954 Convention for the Protection of Cultural Property in the Event of Armed Conflict.

The ICA is working closely with the national archives in the neighbouring countries of Poland, Lithuania, Latvia and Estonia to monitor this fast-moving situation and provide what assistance it can to colleagues on the ground and to safeguard at risk archives.

Archives are irreplaceable cultural heritage and must be protected, along with the dedicated personnel who understand their importance, organization, and use.

Links:
Convention for the Protection of Cultural Property in the Event of Armed Conflict with Regulations for the Execution of the Convention (Den Haag, 14.5.1954)

Liste ukrainischer Archive (engl.)

Staatlicher Archivdienst der Ukraine: Webseite https://archives.gov.ua/en/

Der Internationale Archivrat („International Council on Archives“) ICA ist eine 1948 gegründete nichtstaatliche Organisation mit Sitz in Paris, die sich dem Archivwesen widmet. Im ICA sind nationale Archivverwaltungen, Fachverbände von Archivarinnen und Archivare, Kommunal- und Stadtarchive, Archive anderer Organisationen sowie einzelne Archivarinnen und Archivare vereinigt. Er hat rund 1.500 Mitglieder aus 195 Ländern und Territorien.

Kontakt:
ICA International Council on Archives
60 rue des Francs-Bourgeois
75003 Paris
France
Tel : +33 (0)1 81 70 55 62
Fax : +33 (0)1 81 70 55 61
ica@ica.org
https://www.ica.org/

Quelle: ICA, Position Statement, 25.2.2022; Art. ICA, in: Wikipedia, 27.7.2021

Offener Brief des VdA zum Ampel-Koalitionsvertrag

Mit einem Offenen Brief vom 24.2.2022 bezieht der VdA – Verband deutscher Archivarinnen und Archivare e.V. aus archivfachlicher Sicht Stellung zum Ende 2021 ausgehandelten Koalitionsvertrag der Bundesregierung aus SPD, Grünen und FDP („Mehr Fortschritt wagen. Bündnis für Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit“).

Der VdA begrüßt, dass dem Archivwesen im Ampel-Koalitionsvertrag eine gewichtige Rolle beigemessen wird, „da authentische Informationen in unserer Gesellschaft zunehmend an Bedeutung gewinnen und damit die grundgesetzlich gebotene Transparenz und Nachvollziehbarkeit von Regierungs- und Verwaltungshandeln gestärkt wird.“

Der deutsche Fachverband der Archivarinnen und Archivare appelliert zugleich daran, bei der Umsetzung der Vorhaben „fachliche Erfahrungen und Erfordernisse zu berücksichtigen.“ In seiner Stellungnahme hebt der VdA insbesondere folgende Aspekte der Regierungsvereinbarung hervor:

  • Weiterentwicklung der Informationsfreiheitsgesetze zu einem Bundestransparenzgesetz (S. 11)
  • Stärkung von Open Access und Open Science (S. 24)
  • Weitere Aufarbeitung des NSU-Komplexes (S.107)
  • Nachrichtendienste und Bundesarchivgesetz (S. 110)
  • Aufbau einer zentralen digitalen Themenplattform zur Wiedergutmachung von NS-Unrecht (S.110)
  • Anerkennung der Opfer der „Euthanasiemorde“ und Zwangssterilisation (S. 125)
  • Weiterentwicklung der ehemaligen Stasi-Zentrale in Berlin zum Campus für Demokratie (S.125)

Hinsichtlich des geltenden Urheberrechts weist der VdA auf die Verlegenheit von Archiven hin, immer wieder legitime Nutzungsanliegen aus archivrechtlicher Sicht untersagen zu müssen. Dies betreffe auch die Anliegen öffentlicher Stellen, wollen diese beispielsweise archivierte Bilder oder Filmausschnitte in ihren Social-Media-Kanälen verwenden.

Link: Stellungnahme des VdA zum Koalitionsvertrag der Bundesregierung (24.2.2022)

Kontakt:
VdA – Verband deutscher Archivarinnen und Archivare e.V.
Wörthstraße 3
36037 Fulda
Telefon: +49 661 29109-72
info@vda.archiv.net
https://www.vda.archiv.net/

Quelle: VdA, Meldung, 24.2.2022

Der Industrielle und Sozialreformer Max Bahr (1848-1930)

Ausstellung des Brandenburgischen Landeshauptarchivs und des Museums Viadrina in Frankfurt (Oder).

Das Brandenburgische Landeshauptarchiv in Potsdam und das Museum Viadrina in Frankfurt (Oder) zeigen vom 25. Februar bis zum 15. Mai 2022 im Museum Viadrina – Junkerhaus die Sonderausstellung „Jute, Häuser, Republik. Der Industrielle und Sozialreformer Max Bahr (1848–1930)“. Die zweisprachige Ausstellung (deutsch-polnisch) thematisiert das unternehmerische und soziale Wirken von Max Bahr, der das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben in der Frankfurter Partnerstadt Gorzów maßgeblich prägte.


Abb.: „Jute, Häuser, Republik“. Der Industrielle und Sozialreformer Max Bahr (1848-1930) aus Landsberg an der Warthe.

Max Bahr aus Landsberg an der Warthe (heute Gorzów Wielkopolski) hat auch die Geschichte Brandenburgs um die Wende zum 20. Jahrhunderts mitgeprägt. Als Kaufmann baute er die Herstellung von Jute-Produkten aus. Ab 1905 war er mit seiner Jutefabrik einer der größten Arbeitgeber der Region. Seine geschäftlichen und persönlichen Kontakte reichten in alle Welt und brachten Bahr bis nach Amerika und Indien.

Max Bahr baute Hunderte Arbeiterwohnungen, ein Volksbad und das Volkswohlfahrtshaus als Zentrum des gesellschaftlichen Lebens. Als Sozialreformer setzte er sich für die Verbesserung der Lebensbedingungen seiner Arbeiterinnen und Arbeiter, für mehr Chancengleichheit und für die gesellschaftspolitische Förderung von Frauen ein.

Von 1919 bis 1924 wirkte Max Bahr als Abgeordneter des Wahlkreises Frankfurt (Oder) für die sozialliberale Deutsche Demokratische Partei (DDP) in der Weimarer Nationalversammlung und im deutschen Reichstag. Bis zu seinem Tod 1930 blieb er ein entschlossener Verteidiger der Republik.


Abb.: Blick in die Ausstellung

Die Ausstellung „Der Industrielle und Sozialreformer Max Bahr (1848-1930)“ ist ein Projekt des Brandenburgischen Landeshauptarchivs in Partnerschaft mit der Woiwodschafts- ­und Stadtbibliothek Zbigniew Herbert in Gorzów Wielkopolski. Erster Standort war Gorzów Wielkopolski, ehemals Landsberg an der Warthe (weitere Standorte in Polen und Brandenburg sind geplant). In 16 Themenmodulen veranschaulicht die Ausstellung anhand neuer Quellenfunde, wie der Unternehmer Wirtschaft, Politik und Alltag der Menschen veränderte – stets am Wohl der Vielen orientiert.

„Max Bahr hat sich zielstrebig hochgearbeitet, vom Kaufmannssohn aus der Provinz zum Unternehmer von nationaler Bedeutung“, erklärt Falko Neininger, Referatsleiter im Brandenburgischen Landeshauptarchiv, der die Ausstellung auf den Weg gebracht hat. „Vom brandenburgischen Landsberg aus etablierte er weltumspannende Kontakte. Er war neugierig, offen und unerschrocken. Wir denken, dass sein unternehmerischer Erfolg, sein soziales Engagement und seine Einsatzbereitschaft für Demokratie und Dialog neue Beachtung verdienen und freuen uns deshalb sehr, dass diese Ausstellung nun in Frankfurt (Oder), in der Stadt der Brückenbauer, zu sehen ist.“

Info:
„Der Industrielle und Sozialreformer Max Bahr (1848-1930)“
Ausstellung im Museum Viadrina – Junkerhaus
25. Februar bis 15. Mai 2022
Öffnungszeiten: Dienstag–Sonntag, 11–17 Uhr

Programm und Führungen
2. März 2022, 15.30 und 16.30 Uhr: Führung durch die Ausstellung
18 Uhr: Abendvortrag mit Dr. Falko Neininger (BLHA)

15. Mai 2022: Internationaler Museumstag
11 und 15 Uhr: deutsch-polnische Führung durch die Ausstellung mit Dr. Falko Neininger und Robert Piotrowski

Link: Flyer zur Ausstellung

Kontakt:
Museum Viadrina
Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Straße 11
15230 Frankfurt (Oder)
Tel. 0335 / 40 15 6-10 (Sekretariat): 8 bis 14 Uhr
Tel. 0335 / 40 15 6-29 (Ausstellung, Kasse): 11 bis 17 Uhr
Fax. 0335 / 40 15 6-11
kontakt@museum-viadrina.de
http://www.museum-viadrina.de

Brandenburgisches Landeshauptarchiv
Am Mühlenberg 3
14476 Potsdam
Telefon: +49 (0) 331 5674-0
Telefax: +49 (0) 331 5674-212
poststelle@blha.brandenburg.de
https://blha.brandenburg.de

Quelle: BLHA, Ausstellungseröffnung, 24.2.2022

Zeitgeschichtliches Archiv (ZGA) sucht Träger

In einer ausgedienten Industriehalle in Marzahn verwahrt das Berlin-Brandenburger Bildungswerk e.V. mehrere bedeutende Presseartikelsammlungen und das historische Archiv des Tagesspiegels. Doch die Tage des Vereins und des Zeitgeschichtlichen Archivs (ZGA) sind gezählt, und das Gebäude soll Ende 2022 abgerissen werden. Bislang hat sich keine Institution gefunden, die den Bestand übernehmen will. Zum deutschlandweiten TAG DER ARCHIVE am 5. und 6. März 2022 öffnet die einzigartige Sammlung für die interessierte Öffentlichkeit noch einmal ihre Türen.

Video: rbb-„Abendschau“ vom 4. Dezember 2021: Mit Thomas Friedrich vom Tagesspiegel kam rbb-Moderator Ulli Zelle um zu erfahren, ob der Schatz des ZGA noch zu retten ist.

Das ZGA ist eines der letzten großen Presseauschnittarchive in Deutschland. Chronologisch gesammelt wurden deutschsprachige Presseartikel einer großen Anzahl dafür ausgewerteter ost- und westdeutscher Zeitungen und Zeitschriften. Sie sind nach Themen geordnet und im System abgelegt.


Abb.: Dr. Harald Wachowitz betreut das Zeitgeschichtliche Archiv in Berlin-Marzahn ehrenamtlich (Foto: ZGA)

Die Besonderheit des ZGA: Es ist die einmalige, qualifizierte Sammlung von Themen deutsch-deutscher Geschichte. Politik, Kultur und Alltag in den Besatzungszonen, dann in den beiden deutschen Staaten und letztendlich der Transformation lassen hier Zeitgeschichte nachvollziehen. Das ZGA umfasst die Jahre 1945/46 bis 1992. Alles ist gut geeignet, um es zu digitalisieren. – 1.906.786 Artikel sind bereits in der Datenbank der ZGA für die Internet-Recherche erfasst und ermöglichen es vor Ort in Minuten, einen gesuchten Artikel in dem großen Bestand zu finden.

Doch die Erhaltung des Zeitgeschichtlichen Archivs für die Zukunft steht auf dem Spiel. Die Bewahrung der Sammlung und die Aufarbeitung seiner Bestände waren dem Verein Berlin-Brandenburger Bildungswerk – als arbeitsmarktorientiertem Beschäftigungsträger – nur mit Hilfe von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen möglich. Dieser Geschäftsgrundlage ist inzwischen die Basis entzogen worden. Auch der Standort der Sammlung in Berlin-Marzahn wird zukünftig nicht mehr zur Verfügung stehen. Die Sammlungen des Zeitgeschichtlichen Archivs brauchen daher dringend eine neue Trägerschaft. Mit der großen Bandbreite der dort versammelten Presseartikel und dem hohen Grad der archivalischen Erschließung sind die Sammlungen höchst anschauliche und alle gesellschaftlichen Bereiche umfassende Zeugnisse der deutsch-deutschen Nachkriegsgeschichte. Ein bedeutender historischer Wert, den es zu sichern gilt.

Kontakt:
Zeitgeschichtliche Archiv (ZGA)
Premnitzerstr. 12
12681 Berlin
https://www.zga-berlin.de/

Quelle: Die Hellersdorfer, 23.2.2022; ZGA, Presseinformation.

Stadtarchiv Leutkirch stellt Eingemeindungen vor 50 Jahren ins Schaufenster

Die Gebietsreform in Baden-Württemberg wurde in den Jahren 1968 bis 1975 mit dem Ziel durchgeführt, leistungsfähigere Gemeinden zu schaffen. Das sollte durch größere Verwaltungseinheiten erreicht werden, die nach Ansicht der damaligen Landesregierung aus CDU und SPD effizienter arbeiten würden. Aus 3379 Gemeinden in Baden-Württemberg sollten durch Zusammenschlüsse und Eingemeindungen 1.111 Gemeinden werden. Unterste Ebene sollten Gemeinden mit mindestens 8.000 Einwohnern werden.

Den Gemeinden, die sich freiwillig eingemeindeten, gab die baden-württembergische Landesregierung Sonderzuschüsse nach dem Finanzausgleichsgesetz. Bedingungen waren eine vorausgehende Bürgeranhörung und der Vollzug der Eingemeindung spätestens bis zum 1. Januar 1973. – Es war eine denkwürdige Stunde, als im Bürgersaal der ehemaligen Reichsstadt Leutkirch im Allgäu am 28. Februar 1972 die Bürgermeister von sieben Gemeinden in Anwesenheit von Landrat Dr. Münch mit ihrer Unterschrift den Anschluss ihrer Gemeinden an Leutkirch ab 1. Juni 1972 besiegelten.


Abb.: Unterzeichnung der Eingemeindungsverträge vor 50 Jahren am 28. Februar 1972 (Foto: Stadtarchiv Leutkirch)

Das Stadtarchiv Leutkirch erinnert mit der aktuellen Ausstellung an die Ereignisse vor 50 Jahren und stellt in seinen Schaufenstern in den nächsten Wochen immer jeweils zwei Gemeinden vor, die sich ursprünglich zusammenschließen wollten: Hofs und Wuchzenhofen, Winterstetten und Friesenhofen, Diepoldshofen und Reichenhofen. Für die beiden größten Gemeinden Gebrazhofen und Herlazhofen gab es keine anderen Überlegungen als den Zusammenschluss mit Leutkirch.


Abb.: Wappen der in die Stadt Leutkirch im Allgäu eingegliederten Gemeinden: Hofs (1. Januar 1972), Diepoldshofen, Friesenhofen, Gebrazhofen, Herlazhofen, Reichenhofen, Winterstetten und Wuchzenhofen (alle 1. Juni 1972)

Den Anfang in der Schaufenster-Ausstellung machen Hofs und Wuchzenhofen. Die Gemeinde Hofs hatte den Anschluss im Übrigen bereits zum 1. Januar 1972 vollzogen. Leutkirch im Allgäu ist seit 1974 Große Kreisstadt.


Abb.: Ansicht der Gemeinde Hofs (Foto: Stadtarchiv Leutkirch)


Abb.: Ansicht der Gemeinde Wuchzenhofen (Foto: Stadtarchiv Leutkirch)

Kontakt:
Stadtarchiv Leutkirch
Marktstraße 8
88299 Leutkirch im Allgäu
Tel.: 07561 87-190
Fax: 07561 87-5190
nicola.siegloch@leutkirch.de
https://www.leutkirch.de/stadtarchiv

Quelle: Stadt Leutkirch, Stadtnachrichten, 22.2.2022; Stadtarchiv Leutkirch, Aktuelles; Schwäbische.de, 22.2.2022; Art. Gebietsreform in Baden-Württemberg, in: Wikipedia, 2.2.2022; Art. Leutkirch im Allgäu, in: Wikipedia, 19.1.2022.

Bayerisches Hauptstaatsarchiv übernimmt das Familienarchiv Bayrhammer

Gustl Bayrhammer wäre am 12. Februar 2022 100 Jahre alt geworden.

Das Bayerische Hauptstaatsarchiv in München übernimmt mit dem Familienarchiv Bayrhammer die Nachlässe Gustl Bayrhammers und seines Vaters Max Bayrhammer. Das Familienarchiv enthält persönliche Dokumente, Auszeichnungen und Erinnerungsstücke der Schauspielerdynastie Bayrhammer ab 1870. Damit werden die schriftlichen Zeugnisse dieser „künstlerisch ambitionierten Familie“ (Gustl Bayrhammer) für die Zukunft gesichert und der Forschung zugänglich gemacht. Besonders Gustl Bayrhammer (1922-1993), der am 12. Februar 2022 100 Jahre alt geworden wäre, gilt bis heute vielen als Inbegriff des bayerischen Volksschauspielers. Wie sein Vater Max Bayrhammer (1867-1942) war er auf vielen Bühnen im gesamten deutschsprachigen Raum tätig.


Abb.: Privatfoto Gustl Bayrhammer bei einer Familienfeier am 28. Dezember 1991 (Foto: Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Familienarchiv Bayrhammer). 

Zur Ergänzung der amtlichen Überlieferung sichert das Bayerische Hauptstaatsarchiv Nachlässe politisch und gesellschaftlich bedeutender Persönlichkeiten. Die Übernahme des Familienarchivs Bayrhammer erfolgt aufgrund des öffentlichen Interesses und der überregionalen Bedeutung der überlieferten Personen auf der Grundlage eines Schenkungsvertrages.

Max Emanuel Bayrhammer wurde am 26. Mai 1867 in Niederbayern als Sohn eines Schlossverwalters geboren. Er nahm Schauspielunterricht und fand schnell Zugang zu großen Bühnen, häufig mit klassischen Hauptrollen. Er trat u.a. am Gärtnerplatztheater München, am Stadttheater Breslau, am Weimarer Hoftheater, am Wiener Volkstheater oder am Schauspielhaus Frankfurt auf. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wurden die Rollenangebote weniger, bereits ab den frühen 1920er Jahren trat er bei NSDAP-Feiern als Unterhalter und nach 1933 bei Veranstaltungen der NS-Organisation „Kraft durch Freude“ auf. Zuletzt hielt er sich in prekären wirtschaftlichen Umständen nur noch mit einem gering dotierten Bühnenvertrag beim Bayerischen Nationaltheater über Wasser. Seine Leistungen als Autor von Bühnenstücken sind heute vergessen.

Sein 1922 geborener Sohn Gustl (eigentlich Adolph Gustav Rupprecht Maximilian) Bayrhammer erhielt zunächst eine kaufmännische Ausbildung. Nach seiner Einberufung in die Wehrmacht nutzte Gustl Bayrhammer die Stationierung in Berlin für eine Theaterausbildung am Schiller-Theater unter Heinrich George und Gustav Gründgens. Nach Kriegsende nahm er zusammen mit Toni Berger (1921-2005) ein erstes Engagement am Hohenzollerischen Landestheater Sigmaringen an. Dort lernte er auch seine spätere Frau, die Schauspielerin Irmgard Henning (1919-2003), kennen. Nach mehr als zwei Jahrzehnten an unterschiedlichen Bühnen (u.a. Augsburg, Karlsruhe, bei den Luisenburg-Festspielen Wunsiedel und am Landestheater Salzburg) ging er 1967 nach München. Seither war er sowohl an den Münchner Kammerspielen, dem Münchner Volkstheater und dem Bayerischen Staatsschauspiel engagiert.


Abb.: Rollenbuch von Gustl Bayrhammer 1945-1953 mit seinen ersten Auftritten ab November 1945 (Foto: Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Familienarchiv Bayrhammer). 

Überregional bekannt wurde Gustl Bayrhammer durch seine Fernsehkarriere. Als erster bayerischer Ermittler in der Fernsehreihe „Tatort“ trat er zwischen 1972 und 1981 in 15 Folgen bundesweit in Erscheinung. Die Fernsehrolle, mit der er generationenübergreifend am häufigsten assoziiert wird, ist die des „Meister Eder“ in der Kinderserie „Pumuckl“. Bei dieser internationalen Großproduktion mit damals äußerst aufwendigen Trickzeichnungen brillierte er als sympathisch-grantlerischer Münchner Schreiner.

Max und Gustl Bayrhammer bezogen ihr Selbstverständnis stark aus ihren Leistungen als Theaterschauspieler. Das Familienarchiv belegt dies jeweils mit besonderen biografischen Dokumenten: Gustl Bayrhammer führte über jede seiner Rollen Buch. Die Aufzeichnungen reichen dabei vom ersten Auftritt am Theater Sigmaringen am 27. November 1945 bis zu seinem letzten Auftritt am 21. Januar 1993 in München. Diese schriftlichen Informationen werden begleitet von ebenso sorgfältig angelegten Fotoalben. Sein Vater sammelte dagegen die Theaterzettel und Bühnenprogramme seiner Auftritte, so dass auch sein beruflicher Weg sehr gut nachgezeichnet werden kann.

Als Kuriosa enthält das Familienarchiv eine ganze Reihe von Auszeichnungen und Ehrungen wie den bayerischen Filmpreis, den Bambi, den Bayerischen Verdienstorden und sogar eine Goldene Schallplatte für die Pumuckl-Hörspiele.

Kontakt:
Bayerisches Hauptstaatsarchiv
Schönfeldstraße 5-11, 80539 München
(Postfach 22 11 52, 80501 München)
Tel.: 089/28638-2596
Fax: 089/28638-2954
poststelle@bayhsta.bayern.de

Quelle: Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns, Pressemitteilung, 11.2.2022; Art. Gustl Bayrhammer, in: Wikipedia, 19.2.2022

Zwischen den Welten unterwegs – Reisewege der Mission

Ausstellung des Museums auf der Hardt der Archiv- und Museumsstiftung der VEM vom 17. Februar bis 30. Juni 2022.

Männer und Frauen aus dem Rheinland, Westfalen und anderen Regionen Deutschlands begaben sich in sprichwörtlich christlicher Mission in den letzten zwei Jahrhunderten auf eine beschwerliche Reise nach Afrika oder Asien, um unter Menschen zu leben und zu arbeiten, über die sie kaum etwas wussten. – Wie sah das Reisen zu diesen Menschen und vor Ort aus? Was brachten Missionare und Missionarinnen bei ihren seltenen Besuchen in Deutschland oder nach Ende ihres Aufenthalts mit und weshalb? Und warum und unter welchen Umständen machten sich auch Afrikanerinnen und Asiaten auf den Weg in die umgekehrte Richtung?


Abb.: Reisewege der Mission (Foto: Archiv- und Museumsstiftung der VEM)

Diesen Fragen nähert sich die Ausstellung „Zwischen den Welten unterwegs – Reisewege der Mission“ des Museums auf der Hardt der Archiv- und Museumsstiftung der VEM und führt dabei ein in die Geschichte einer ganz eigenen Art der globalen Mobilität unter den Vorzeichen der neuzeitlichen Missionsbewegung und kolonialer Expansion. Einer Geschichte aber auch der Annäherung zwischen Menschen, der Veränderung ihrer Beziehungen untereinander und der Entstehung einer religiösen Gemeinschaft über kulturelle Unterschiede hinweg. Überdies erfährt man auch, warum ein Musikinstrument einen weiteren Reiseweg zurückgelegt hat als die anderen Dinge und die meisten der Menschen, denen man im Rahmen des Themenjahres 2021/22 „Alles in Bewegung“ der Bergischen Museen begegnet. Und nicht zuletzt lohnt der Besuch der Begleitveranstaltungen zur Ausstellung: von Leseproben aus alten Expeditionsberichten bis zu bewegten Reisebildern ist für jeden etwas dabei.

Bereits zum zweiten Mal richten die Bergischen Museen ein gemeinsames Themenjahr aus. Unter dem Motto „Alles in Bewegung“ stellen sie Aspekte der Mobilität von Menschen, Dingen und Ideen mit Bezug zum Bergischen Land vor. Aktionstage, geführte Rad- und Wandertouren, ein Podcast, Vorträge, Kabarett, Seminare und Workshops und viele Sonderausstellungen. Die neue Website der Bergischen Museen www.bergischemuseen.de stellt die 21 Museen im Bergischen Land und mit dem Themenjahr „Alles in Bewegung“ ihr zweites Gemeinschaftsprojekt, das vor. Auch das Museum auf der Hardt der Archiv- und Museumsstiftung der VEM ist dabei.

Museum auf der Hardt der Archiv- und Museumsstiftung der VEM
200 Jahre Missionsgeschichte lokal im Bergischen Land und international in Afrika, Asien und Ozeanien vermittelt unsere Stiftung anhand erhellender Schriftstücke, historischer Fotos, Skizzen und Drucke sowie eindrucksvoller Objekte aus Religion und Alltagsleben in den ehemaligen Missionsgebieten von Rheinischer Missionsgesellschaft und Bethel Mission. Diese hatten ihren Sitz im Tal der Wupper und bei Bielefeld in Westfalen. So entfaltet sich auf unserer rund 400 Quadratmeter großen Ausstellungsfläche ein im Jahr 1828 beginnendes Kapitel Globalgeschichte, dessen Auswirkungen bis in die Gegenwart führen.

Geschichte für die Gegenwart mit ihren vielen Facetten und Brüchen zu vermitteln, lautet das Anliegen. Wechselnde Ausstellungen und Veranstaltungen ergänzen deshalb die Dauerausstellung: von zeitgenössischer Kunst bis zu gesellschaftlich relevanten Themen, von Malerei im christlich-hinduistischen Dialog aus Bali bis zu Frauenschicksalen während des Völkermordes in Ruanda oder Leben und Selbstverständnis von Jugendlichen in West Papua. Lesungen, Vorträge, Musikdarbietungen, Filmvorführungen und Seminare runden das Angebot für interessierte Besucherinnen und Besucher ab und schlagen unter anderem einen Bogen zu den vielfältigen Themen der Stifterin, der Vereinten Evangelischen Mission (VEM). Sie versteht sich heute als eine Gemeinschaft von Kirchen in Afrika, Asien und Deutschland, die aus der Missionsgeschichte hervorgegangen ist.

Bewahren, Forschen, Vermitteln und das Ausprobieren neuer Perspektiven werden großgeschrieben in den Archiven am ehemaligen Standort der Rheinischen Mission in Wuppertal-Barmen und im Museum auf der Hardt im historischen Gebäude des Missionsseminars. Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen, Studierenden, Schülern und Schülerinnen und einem interessierten Publikum (fast) jeden Alters bietet sich hier die Gelegenheit, sich mit einem spannenden und teils spannungsreichen historischen Erbe zu befassen.

Link: https://bergischemuseen.de

Kontakt:
Museum auf der Hardt
Missionsstraße 9
42285 Wuppertal
Tel: 0202-89004-152
museum@vemission.org

Postadresse:
Rudolfstraße 137, 42285 Wuppertal

Öffnungszeiten
Jeden 1. Sonntag im Monat 14.00 – 17.00 Uhr und auf Anfrage

Quelle: AMS der VEM: Museum auf der HardtAktuelles, Feb. 2022; Bergische Museen: Museum auf der Hardt; Archiv- und Museumsstiftung der VEM; Bergische Museen: Broschüre Themenjahr „Alles in Bewegung“ 2021/2022