Hochzeit von Karl Marx und Jenny von Westphalen 1843

Im Personenstandsregister der Stadt Bad Kreuznach dokumentiert

Im Personenstandsregister der Stadt Kreuznach von 1843 wurde am 19. Juni 1843 unter der Nr. 51 die Eheschließung von Dr. Karl Marx (1818-1883) mit Jenny von Westphalen (1814-1881) eingetragen, nachdem Oberbürgermeister Franz Buss (1790-1883) der Aufforderung des Paares gefolgt war, die zwischen dem Brautpaar „verabredete Heirath gesetzlich“ vorzunehmen. Dem vorausgegangen war die vorgeschriebene öffentliche Ankündigung am 21. und 28. Mai. Diese war vor der Haupttür des Gemeindehauses in Kreuznach erfolgt und hatte keinerlei Widerspruch nach sich gezogen, der gegen eine Vermählung gesprochen hätte.

Der Text des Heiratseintrages, hier nur auszugsweise wiedergegeben, lautet: „Im Jahre tausend acht hundert vierzig und drey den neunzehnten des Monats Juny, Vormittags zehn Uhr, erschienen vor mir, Franz Buss, Oberbürgermeister von Creuznach, Beamten des Personenstandes, der Carl Marx, fünf und zwanzig Jahre alt, geboren zu Trier (…) Standes Doctor der Philosophie wohnhaft zu Cölln, (…), großjähriger Sohn des Heinrich Marx, bei seinen Lebzeiten Standes Justizrath wohnhaft zu Trier, gestorben, (…) und der Henriette Presburg Standes ohne wohnhaft zu Trier (…). Und die Johanna Bertha Julie Jenny v. Westphalen, neun und zwanzig Jahre alt, geboren zu Salzwedel (…), Standes ohne besonderes Geschäft, wohnhaft zu Creuznach (…), großjährige Tochter des Johann Ludwig von Westphalen, bei Lebzeiten Standes Regierungs= Rath, wohnhaft zu Trier, gestorben (…) und  der Carolina Heubel, Standes ohne wohnhaft zu Creuznach (…).“ Als Trauzeugen unterzeichnen: der praktische Arzt Dr. Carl Engelmann, der Notariatskandidat Heinrich Balthasar Christian Clemens (im Text irrig Clevens), der Rentner Elias Mayer und der Gastwirt Valentin Keller – allesamt in Kreuznach wohnend.

Wie aus der Quelle hervorgeht, ist das Stadthaus (heute Hochstraße 48) der historisch belegbare Ort, wo die standesamtliche Trauung von Dr. Karl Marx und Jenny von Westphalen stattfand. Dem trugen Anfang Dezember 2017 aufwendige Aufnahmen eines chinesischen Filmteams Rechnung, das dort den Heiratseintrag im Personenstandsregister von 1843 filmte, das ihnen eigens zu diesem Zweck vom Stadtarchiv Bad Kreuznach zur Verfügung gestellt worden war.

Abb.: Jetzt noch im Stadtarchiv Bad Kreuznach unter StAKH MS Marx (Faksimile); StAKH PSH 1843 (Original)

Info:
Bevor das Stadtarchiv Bad Kreuznach voraussichtlich im Oktober/November 2018 ins „Haus der Stadtgeschichte“ umzieht, stellt die Leiterin des Stadtarchivs, Franziska Blum-Gabelmann, wöchentlich unter der Rubrik „Demnächst im Haus der Stadtgeschichte“ ein Objekt daraus vor. Im 16. Teil: Die standesamtliche Trauung von Karl Marx und Jenny von Westphalen 1843 in Bad Kreuznach dokumentiert ein Eintrag im Personenstandsregister der Stadt.

Kontakt:
Stadtarchiv Bad Kreuznach
Dessauer Straße 49
55545 Bad Kreuznach
Telefon: 0671 9201197
Fax: 0671 9201366
stadtarchiv@bad-kreuznach.de

Fortbildungsveranstaltung zum Archivbau

Programm veröffentlicht

Zur Tagung „Archivbau – neue Normen und Projekte“ des LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrum am 6. Juni 2018 in Dinslaken ist nun das detaillierte Programm erschienen. Neben der Präsentation der wichtigen aktuellen Normen DIN 67700: Bau von Bibliotheken und Archiven – Anforderungen und Empfehlungen und die DIN ISO 11799: Anforderungen an die Aufbewahrung von Archiv- und Bibliotheksgut, bildet die Vorstellung einiger vor kurzem vollendeter oder sich in Planung befindlicher Archivbauprojekte einen weiteren Schwerpunkt. Dabei lädt der Blick eines Architekten auf die Planung von Archiven zum Perspektivwechsel ein. Eine Besichtigung des 2016 neu eröffneten Stadtarchivs Dinslaken rundet das Tagesprogramm ab.

Abb.: Kurz vor dem Spatenstich zum Neubau des Stadtarchivs Dinslaken 2016 (Foto: Klaus Ulrich)

Archivbau – neue Normen und Projekte – Tagungsprogramm:

09:30 Uhr Anmeldung und Begrüßungskaffee
10:00 Uhr Begrüßung und Einführung ins Thema
Monika Marner M. A., LVR-AFZ
10:15 Uhr Archivbau-Boom im Rheinland – ein Überblick
Heike Bartel-Heuwinkel M. A., LVR-AFZ
10:45 Uhr Neue Normen zum Bau von Archiven
Prof. Dr. Mario Glauert, Brandenburgisches Landeshauptarchiv
11:45 Uhr Kaffeepause
12:00 Uhr Der Neubau des Stadtarchivs Dinslaken: Von erfüllten Wünschen und Kompromissen
Dipl.Archivarin Gisela Marzin, Stadtarchiv Dinslaken
12:30 Uhr Diskussion des Vormittags
12:45 Uhr Mittagsimbiss
13:45 Uhr Führung durch das Stadtarchiv Dinslaken unter Berücksichtigung der baulichen Vorgaben und ihrer Umsetzung
14:45 Uhr Kaffeepause
15:00 Uhr Der Archivar als Bauherr – ein Blick auf die Baustelle des Kreiszentralarchivs Viersen
Dr. Michael Habersack, Archiv des Kreises Viersen
15:45 Uhr Planung von Archiven aus der Sicht eines Architekten
Dipl.-Ing. Hermann Scheidt, Scheidt Kasprusch Gesellschaft von Architekten mbH Berlin
16:30 Uhr Abschlussdiskussion und Zusammenfassung
ca. 16:50 Uhr Ende der Veranstaltung

Veranstaltungsort:
Stadtbibliothek Dinslaken
Friedrich-Ebert-Str. 84
46535 Dinslaken

Entgelt: 40,00 €

Links:

Veranstalter:
LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrum
Ehrenfriedstraße 19
50259 Pulheim
Tel 02234 9854-313 und -225
Fax 02234 9854-349
afz.fortbildungszentrum@lvr.de
www.fortbildungszentrum.lvr.de

Nachrichten aus dem Stadtarchiv Gera 2/2018

Unter dem Titel „Nachrichten aus dem Stadtarchiv Gera“ informiert das Stadtarchiv Gera vierteljährlich über aktuelle Herausforderungen und historische Themen rund um eigene Arbeit.

Der zweite Informationsbrief des Stadtarchivs Gera im Jahr 2018 thematisiert unter anderem Aspekte aus der Geschichte der Untermhäuser Brücke, die ihre heutige Gestalt vor 155 Jahren erhielt, sowie eine kurze Chronologie der Nutzung des ehemaligen Horten-Kaufhauses.

Abschließend wird auf die neue Sonderausstellung des Geraer Stadtmuseums unter dem Titel „‘Ring frei!‘ Ulli Wegner – Boxer, Trainer, Ehrenbürger“ verwiesen, die sich großteilig dem Sportler und Trainer Ulli Wegner widmet, gleichsam aber auch einige Blicke auf die Privatperson des Geraer Ehrenbürgers ermöglicht.

Ring frei! Ulli Wegner – Boxer, Trainer, Ehrenbürger, Sonderausstellung im Stadtmuseum Gera vom 5. Mai 2018 bis 28. April 2019 (Bildergalerie von der Ausstellungseröffnung)

Man nennt ihn den „Box-Magier“, „Trainer Gnadenlos“ oder „Diktator und Entertainer in einer Person“ – Ulli Wegner ist einer der erfolgreichsten Boxtrainer weltweit. Er formte acht Weltmeister und fünf Europameister. Fünfzehnmal in Folge wurde er zum Trainer des Jahres gewählt. Er ist Träger des Bundesverdienstkreuzes und zahlreicher anderer Ehrungen. Ein Ende ist dennoch nicht in Sicht: „Ich will noch vier Weltmeister formen“, erklärte die lebende Legende zu seinem 75. Geburtstag.

Das Stadtmuseum Gera präsentiert nun das Lebenswerk von Ulli Wegner in einer Sonderausstellung.

In seiner Geraer Zeit von 1964 bis 1979 vollzog sich Ulli Wegners Wechsel vom aktiven Sportler zum Trainer. Die Stadt, in der Wegner seine ersten großen Erfolge feierte und deren Ehrenbürger er ist, zeigt seit 5. Mai 2018 auf über 250 Quadratmetern den privaten Fundus des großen Trainers: Trophäen, Pokale, sowie viele Erinnerungsstücke, die noch nie der Öffentlichkeit präsentiert wurden, zeichnen den Weg seiner Karriere nach, erlauben aber auch einen Blick auf den Privatmann Ulli Wegner.

Die Ausstellung zeigt, welche Kraft, welche Prinzipien und welche Leidenschaft nötig sind, um in diesem harten Kampfsport an die Spitze zu kommen – und dort auch zu bleiben.
(Text: Matthias Wagner, Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Stadtmuseum Gera)

Ausstellungsort:
Stadtmuseum Gera
Museumsplatz 1
07545 Gera
Telefon: 0365 8381470
stadtmuseum@gera.de
www.gera.de/stadtmuseum

Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag und Feiertage 12-17 Uhr

Kontakt:
Stadtarchiv Gera
Gagarinstraße 99/101
07545 Gera
Tel. 0365/838-2140 bis 2143
stadtarchiv@gera.de
www.gera.de/stadtarchiv

 

Leben und Sterben im wahren christlichen Glauben

Eine Ausstellung des Brandenburgischen Landeshauptarchivs

Vom 2. Juni bis 9. September 2018 präsentiert das Brandenburgische Landeshauptarchiv im Kloster Stift zum Heiligengrabe die Ausstellung „Leben und Sterben im wahren christlichen Glauben“.

Die Ausstellung verdeutlicht, wie der Adel im 16. Jahrhundert sein Dasein auf dem  Land nach evangelischen Grundsätzen gestaltete und wie diese seine  Lebensordnung durchdrangen. Sie zeigt anhand des Beispiels der Adelsfamilie von Saldern in der Prignitz, wie man sich darum bemühte, ein Gemeinwesen zu verwirklichen, in dem die geistliche „ewige“ Seligkeit ebenso wie die weltliche „zeitliche“ Wohlfahrt des einzelnen Gläubigen erstrebt wurde – etwa durch Predigt des göttlichen Wortes, Ausbildung in Schulen und Universitäten sowie Armen- und Krankenfürsorge.

Info:
2. Juni bis 9. September 2018
Kloster Stift zum Heiligengrabe – Kapitelstube
Stiftgelände 1 | 16909 Heiligengrabe
Öffnungszeiten: Di bis So von 11.00 – 17.00 Uhr

Programm am 2. Juni 2018 ab 15 Uhr

  • Begrüßung: Äbtissin Dr. Erika Schweizer
  • Grußwort: Friedrich-Christoph von Saldern
  • Zum Anliegen und Inhalt der Ausstellung: Prof. Dr. Klaus Neitmann, Direktor des Brandenburgischen Landeshauptarchivs und PD Dr. Heinrich Kaak, Kurator
  • Ausstellungsrundgang
  • ab 19 Uhr: Konzert in der Heiliggrabkapelle –  „Lasst fröhlich die Hörner erschallen“, Musik für vier Hörner mit Werken von Praetorius, Schubert, Weber, Homilius u.a.m Potsdamer Hornquartett, Leitung: Gisbert Näther

PDF-Download: Flyer und Einladung

Kontakt:
Kloster Stift zum Heiligengrabe
Stiftgelände 1
16909 Heiligengrabe
www.klosterstift-heiligengrabe.de

Imagefilm der Landesfachstelle für Archive und Öffentliche Bibliotheken Brandenburg

Während des diesjährigen Brandenburgischen Archivtages, der am 23. und 24. April 2018 in Fürstenwalde/Spree zum Thema „Digitale Archive – Struktur und Organisation“ stattfand, wurden Konzepte, Normen und praktische Beispiele sowohl aus Brandenburg als auch aus anderen Bundesländern vorgestellt.

Präsentiert wurde auf dem Brandenburgischen Archivtag zudem der neue Imagefilm der Landesfachstelle für Archive und Öffentliche Bibliotheken Brandenburg zum Europäischen Kulturerbejahr 2018.

Abb.: Screenshot des Imagefilms der Landesfachstelle für Archive und Öffentliche Bibliotheken Brandenburghttps://vimeo.com/269208027

Die Landesfachstelle für Archive und Öffentliche Bibliotheken Brandenburg ist seit März 2016 dem Fachbereich Informationswissenschaften der Fachhochschule Potsdam angegliedert. Als Einrichtung der Fachhochschule gehört es zu den Aufgaben der Landesfachstelle, den Wissenstransfer zwischen Hochschule und archivischer und bibliothekarischer Praxis im Land Brandenburg zu unterstützen.

Die Landesfachstelle berät die Unterhaltsträger der Archive und Öffentlichen Bibliotheken sowie die Einrichtungen selbst in allen Fachfragen. Sie unterstützt den Ausbau eines leistungsfähigen Netzes miteinander kooperierender Archive und Öffentlicher Bibliotheken in den Landkreisen, kreisfreien Städten und allen anderen Kommunen im Land Brandenburg.

Durch Beratung, Fortbildung und Serviceleistungen wird ein einheitlicher Fachstandard für Archive und Öffentliche Bibliotheken angestrebt. Die zur Landesfachstelle gehörenden Ausbildungsberaterinnen unterstützen im Auftrag der zuständigen Stelle gemäß Berufsbildungsgesetz die Berufsausbildung zu Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste im öffentlichen Dienst im Land Brandenburg.

Die wissenschaftliche Leitung der Landesfachstelle hat Prof. Dr. Michael Scholz inne. Seine Stellvertretung obliegt Prof. Dr. Hans-Christoph Hobohm.

Kontakt:
Landesfachstelle für Archive und Öffentliche Bibliotheken Brandenburg
Fachhochschule Potsdam / FB 5
Kiepenheuerallee 5
14469 Potsdam
landesfachstelle­@fh-potsdam.de

Eine Drehscheiben-Aktion der evangelischen Kirchenarchive in Hessen

Archive – spannend authentisch einzigartig unverzichtbar

Das Zentralarchiv der EKHN in Darmstadt und das Landeskirchliche Archiv Kassel der EKKW haben gemeinsam eine Drehscheibe entwickelt, die schlagwortartig ihre Qualitäten an’s Licht bringt, oder besser gesagt, in’s Sichtbare dreht. Die beiden evangelischen Kirchenarchive wenden sich mit dem Give-a-way an alle Geschichts- und Kulturinteressierten, auch an die, die es noch werden wollen. Sie  werben niederschwellig mit dem Slogan „Besuchen Sie uns … wir freuen uns auf Sie! Ihre Kirchenarchive in Hessen“.

 

Beide Archive sind seit 2010 in das Verzeichnis national wertvoller Archive aufgenommen (http://www.kulturgutschutz-deutschland.de/): „Wir sind national wertvoll. Unser Angebot: Kulturerbe und Geschichte(n) vor Ort.“

Die zu erdrehenden Begriffe wurden möglichst umgangssprachlich gehalten, auf Fachbegriffe wie „unikal“ oder „systemrelevant“ oder „kontinuierliche Überlieferung“ ist bewußt verzichtet worden.

Die Drehscheibe kam erstmals im Rahmen der Jahresversammlung der Hessischen Kirchengeschichtlichen Vereinigung am 4. Mai 2018 in Hanau zum Einsatz, mit gutem Erfolg und positiven Rückmeldungen. Auf dem 27. Süddeutschen Kirchenarchivtag (4. und 5. Juni 2018 in Darmstadt, ausgerichtet vom Zentralarchiv der EKHN) wartet der nächste Auftritt.

Bettina Wischhöfer, Verband kirchlicher Archive

 

Sammlung Christian Meeh jetzt im Kreisarchiv des Enzkreises nutzbar

Fundgrube für die regionale Heimatkunde

Der 1883 in Neuenbürg geborene Hafner und Ofenbauer Christian Meeh interessierte sich Zeit seines Lebens brennend für die bewegte Geschichte seiner Heimatstadt und deren Umgebung. Er sammelte Fotografien, Ansichtskarten, Zeitungsartikel, Gedichte und weitere Informationen, die er in mehrere großformatige Bände handschriftlich eintrug oder liebevoll anordnete und einklebte.

Nach seinem Tod gingen die Bände in den Besitz seines Enkels Hans Haderer über, der in Wurmberg lebte. Von dort stammte Christian Meehs Ur-Urgroßvater, der 1777 nach Neuenbürg geheiratet hatte. Hans Haderers Sohn Oliver übergab die Sammlung bereits vor einiger Zeit dem Kreisarchiv des Enzkreises zur Aufbewahrung. „Dort stehen sie allen heimatkundlich Interessierten zur Einsicht zur Verfügung und können damit Impulse für die weitere Beschäftigung mit der regionalen Geschichte geben“, hofft Oliver Haderer.

Abb.: Liebevoll gestaltet sind die vier Bände der Sammlung Christian Meeh, die Archivleiter Konstantin Huber, Eigentümer Oliver Haderer und Praktikant Raphael Schenkel präsentieren (Foto: Enzkreis).

Dessen ist sich Archivleiter Konstantin Huber sicher: „Das Kreisarchiv besitzt damit neben den Nachlässen Adolf Reile und Rudi Seeger einen weiteren Sammlungsbestand, der reiches Material zur Neuenbürger Geschichte bereithält.“ Huber freut sich, dass es bienenfleißige Sammler wie Christian Meeh gab, die viel Zeit für ihre Interessen aufwendeten und auf diese Weise reichhaltiges Material für die Nachwelt überlieferten.

Inzwischen konnte mithilfe des Praktikanten Raphael Schenkel eine genaue Erschließung der Inhalte erfolgen. Die ersten beiden Bände mit jeweils über 500 Seiten widmen sich ganz der Stadt Neuenbürg. Raphael Schenkel, der Verwaltungswissenschaften in Konstanz studiert, listete die Inhalte Seite pro Seite detailliert auf. Ihn faszinierten besonders Meehs illustrierte Dokumentation der ab etwa 1850 neu aufkommenden Vereine sowie kurzweilige Anekdoten – zum Beispiel die von den letzten amtlich anerkannten (!) Geistern Neuenbürgs von 1780.

Ein dritter Band enthält Informationen über die Orte des bis 1938 als eigener Verwaltungsbezirk bestehenden Oberamts Neuenbürg. Sie sind alphabetisch geordnet – von Arnbach bis Zavelstein. Ein vierter Band schließlich betrifft die Stadt Pforzheim und ihre Geschichte. Enthalten sind darin beispielsweise Informationen über die Flößerei und alte Familien. Der Band blickt aber auch ins Umland, etwa nach Bauschlott, Königsbach und Tiefenbronn.

Wer sich für die Sammlung Meeh interessiert, kann sich zur Einsichtnahme beim Kreisarchiv anmelden.

Kontakt:
Enzkreis – Kreisarchiv und Kultur
Zähringerallee 3
75177 Pforzheim
Tel. 07231 308-9423
kreisarchiv@enzkreis.de

Quelle: Enzkreis, Pressemitteilung 137/2018, 11.5.2018

Potsdam beendet Erschließung des NS-Archivs der Stasi

In den Jahren 2004 und 2005 übernahm das Brandenburgische Landeshauptarchiv in Potsdam (BLHA) aus dem Bundesarchiv rund 160 lfm Unterlagen aus der Sammlung „NS-Archiv des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS)“. Sie waren Bestandteil der ehemals zentralen Sammlung, die 1990 in das Bundesarchiv gelangte. 2001 begannen dort Arbeiten an der Sammlung mit dem Ziel ihrer Auflösung durch Einordnung in die Provenienzbestände des Bundesarchivs und der Abgabe der in die Zuständigkeit der Archive der Länder fallenden Unterlagen. Nach intensiven Erschließungsarbeiten im BLHA stehen den Nutzern nun umfangreiche Daten für die Recherche im Bestand zur Verfügung.

Abb.: Rep 161 NS-Archiv des MfS: Ausschnitt aus der Archivplansuche unter recherche.im.blha.de

Die Entstehung dieser Sammlung geht auf den Aufstand des 17. Juni 1953 zurück. In Reaktion darauf führte das MfS alle ihm zugänglichen Unterlagen aus der NS-Zeit in seinem Zentralarchiv in der Freienwalder Straße in Berlin-Hohenschönhausen zusammen. Dort werteten Mitarbeiter des MfS die Unterlagen systematisch nach Material über die vermeintlichen Drahtzieher des Aufstandes, über ehemalige Mitglieder der NSDAP oder über Sympathisanten des NS-Regimes aus. Die gewonnenen Erkenntnisse wurden für verschiedene Zwecke, für Strafverfahren wegen NS-Verbrechen und insbesondere für die operative Tätigkeit des Geheimdienstes genutzt.

Auswertungsmöglichkeiten für sach- und ortsbezogene Fragestellungen
Nach der Übernahme wurde im BLHA die Grundsatzentscheidung getroffen, die in weiten Teilen aus ihren Entstehungszusammenhängen gerissene Überlieferung zusammen zu belassen und als Pertinenzbestand aufzustellen. Die erforderliche Erschließung der Unterlagen zur Bereitstellung des Bestandes für die Benutzung konnte nunmehr weitestgehend abgeschlossen werden. Trotz der Vorarbeiten des Bundesarchivs nahmen die Arbeiten einen längeren Zeitraum in Anspruch. Zunächst ging es darum, die ohne Verzeichnungsangaben vom Bundesarchiv übergebenen Unterlagen im Umfang von immerhin einem Drittel des Bestandes zu bearbeiten.

Dabei handelte es sich um vom MfS „unregistrierte“ Akten sowie um Teilbestände, die allein mit der Namenserfassung des MfS zugänglich waren. In einem zweiten Schritt mussten die für den größeren Teil der Überlieferung vom Bundesarchiv bereitgestellten Verzeichnungsangaben mit den Personenangaben des MfS zusammengeführt, alle Angaben selbst überprüft, meist noch wesentlich ergänzt werden. Die überarbeitete Verzeichnung und die Einordnung der Unterlagen in eine Klassifikation ermöglichen nun, die einzelnen Dokumente, Vorgänge, Akten oder Dossiers (Unterlagen unterschiedlicher Provenienz zu einer Personenakte zusammengestellt) in ihrem Provenienzkontext sichtbar zu machen. Abseits des rein personenzentrierten Zugriffs wurden damit Auswertungsmöglichkeiten für sach- und ortsbezogene Fragestellungen geschaffen. Damit lassen sich zugleich in vielerlei Richtungen Querverbindungen zu korrespondierenden Überlieferungen in den eigentlichen (Haupt- beziehungsweise Provenienz-)Beständen herstellen.

Biographische Quellen und Sachakten
Im Bestand überwiegen bei weitem personenbezogene Unterlagen. Er enthält aber auch eine Reihe von „echten“ Sachakten. Die Unterlagen stammen etwa zur Hälfte aus staatlichen und kommunalen Behörden sowie von Stellen der NSDAP, ihrer Gliederungen und angeschlossenen Verbände im Bereich der Provinz Brandenburg. Die andere Hälfte entstand nach dem 8. Mai 1945 bei Behörden und Stellen im Land Brandenburg (1945-1952), vor allem bei Entnazifizierungskommissionen und Polizeibehörden (Landesbehörde der Volkspolizei, Kriminaldienststellen, Volkspolizei-Kreisämter) im Zusammenhang mit der Entnazifizierung und der strafrechtlichen Verfolgung von NS-Verbrechen. Die biographischen Quellen beziehen sich vornehmlich auf Personen und ihr Wirken in der NS-Zeit. Die Unterlagen im Bestand geben auch Auskunft über Opfer und Verfolgte des NS-Regimes sowie über Personen, die gegen die politischen Veränderungen nach 1945 opponierten und dafür polizeilich überwacht oder strafrechtlich belangt wurden.

Die Erschließungsangaben zu den insgesamt 38.517 Verzeichnungseinheiten sind – mit Ausnahme der ca. 270 Akten mit noch bestehenden Schutzfristen – im Lesesaal einsehbar. In der Online-Recherche erfolgt die Anzeige von Aktengruppen mit sehr dezidierten Angaben zu Personen nur auf der Ebene der Klassifikationsgruppe. Dort ist jeweils der Umfang der untergeordneten Akten vermerkt.

Kontakt:
Brandenburgisches Landeshauptarchiv
Am Mühlenberg 3
14476 Potsdam, OT Golm

Postanschrift
Postfach 600449
14404 Potsdam

Telefon: 0331 5674-0
Telefax: 0331 5674-212
poststelle@blha.brandenburg.de

Quelle: BLHA, Aktuelles, 9.5.2018

Gedruckte Bibel von 1528 im Stadtarchiv Recklinghausen entdeckt

In bislang ungeordneten Altbeständen des ehemaligen Vestischen Museums Recklinghausen wurde eine spektakuläre Entdeckung gemacht.

Unter verschiedenen neuzeitlichen Buchtiteln konnte von einer Mitarbeiterin des Instituts für Stadtgeschichte/Stadtarchiv Recklinghausen eine aus mehreren Einzeldrucken zusammengesetzte deutschsprachige Bibel identifiziert werden, deren Entstehung hauptsächlich nach Augsburg, zum Teil vermutlich auch nach Wittenberg weist. Der Band ist etwa 490 Jahre alt und der Textbestand unvollständig, jedoch in vergleichsweise gutem Erhaltungszustand.

Es handelt sich größtenteils um Bearbeitungen von Teilausgaben der Bibelübersetzung Martin Luthers (Altes und Neues Testament). Die in einem neuzeitlichen Einband (circa Mitte des 20. Jahrhunderts) zusammengefassten Drucke stammen somit aus der Lutherzeit selbst. Vorbesitzer war die Recklinghäuser Buchhandlung und Buchbinderei von Hermann und Theodor Vethacke (Löhrhofstraße), die sich vermutlich in den frühen 1950er Jahren von diesem Band getrennt hat. Wie diese Drucke, die ja weit entfernt von Recklinghausen entstanden sind, in den Besitz der Familie Vethacke gelangten, ist nicht bekannt.

Der Band, dessen teilweise fragmentarisch erhaltene Textteile vermutlich zwischen 1523 und 1534 separat gedruckt wurden, hat bis auf Weiteres als das älteste gedruckte Buch zu gelten, das sich aus dem Vest Recklinghausen erhalten hat.

Zweifelsfrei identifizierbar sind (hier im Originaltitel zitiert):

1. Das Funfft Buch Mose (Kap. 8-34)
Vermutlich Wittenberg: Hans Lufft, zwischen 1523 und 1534 (?)

2. Das ander Teyl des Alten Testaments (enthält: Josua, Richter, Samuel, Könige, Chronik, Esra, Nehemia, Esther)
Hagenau: Wilhelm Seltz, 1529

3. Weitere Teile des Alten Testamentes (hier: Hiob, Psalter, Sprüche Salomonis, Hohes Lied) aus:
Das Allte Testament Deütsch
Augsburg: Heynrich Steyner 1529

4. Die Propheten Alle Teutsch […] (enthält: Jesaja, Jeremia, Ezechiel, Daniel Hosea, Amos, Micha, Nahum, Zephania, Maleachi)
Augsburg: Heynrich Steyner; 1532.

5. Das New Testament / Recht gru[n]tlich teutscht […].
Mit schönen vorreden und der schweresten örttern kurtz, aber gut außlegung […]
Augsburg: Heynrich Steyner; 1531
(Fragment, enthält: Matthäus bis Apostelgeschichte, Kap. 23)

Kontakt:
Institut für Stadtgeschichte
Hohenzollernstr. 12
45659 Recklinghausen
Telefon: 02361/50-1902
Fax: 02361/50-91901

Quelle: Stadt Recklinghausen, Pressemitteilung, 7.5.2018

Neue Moerser Stadtarchivarin will mehr mit Schulen zusammenarbeiten

„Archive sind keine geheimen Orte, an die niemand darf. Ich möchte, dass das Moerser Stadtarchiv noch stärker präsent ist.“ Die neue Stadtarchivarin Daniela Gillner setzt dafür beispielsweise auf mehr historische Bildungsarbeit und will die Einrichtung als bürgernahe Kultureinrichtung für Jedermann sichtbarer machen. Zum 1. Mai 2018 hat sie ihre neue Stelle im Eigenbetrieb Bildung angetreten.

Abb.: Die erste Betriebsleiterin Diana Finkele (l.) und Kulturdezernent Wolfgang Thoenes begrüßten Stadtarchivarin Daniela Gillner am neuen Arbeitsplatz. (Foto: pst)

„Ich bin sicher, dass sich auch Grundschüler für Archive interessieren. Sie müssen nur wissen, was sie dort suchen können“, sagte sie bei ihrer Vorstellung am 4.5.2018. Sie versteht das Archiv als Dienstleister nach innen (in die Verwaltung) und nach außen. Kooperationen, z. B. mit der Volkshochschule, dem Museum oder dem Grafschafter Museums- und Geschichtsverein, haben für sie eine große Bedeutung. Auch Soziale Medien und (Fach-)Portale sollen in Zukunft genutzt werden, um eine digitale Präsenz für das Stadtarchiv zu entwickeln.

Einführung der E-Akte
Ein weiterer Schwerpunkt wird das Thema Digitalisierung sein. „Die Einführung der E-Akte und eines Dokumentenmanagementsystems sind wichtige Aufgaben in den nächsten Jahren.“ Das seien „die besten Voraussetzungen, uns in die Zukunft zu führen“, erklärte die Erste Betriebsleiterin Diana Finkele. Daniela Gillner folgt auf Christoph Spilling, der das Amt knapp neun Jahre bekleidete. Der Erste Beigeordnete und Kulturdezernent Wolfgang Thoenes dankte ihm für die geleistete Arbeit. „Herr Spilling hat erfolgreich einen Umzug gemanagt und das Archiv neu aufgestellt. Danken möchte ich auch Alexander Borchert, der den Betrieb als ‚Leihgabe‘ des Museums einige Monate aufrechterhalten hat.“

Perfekte Rahmenbedingungen
Daniela Gillner wurde in Bochum-Wattenscheid geboren, wohnt aber seit vier Jahren mit ihrem Mann und zwei Kindern in Moers-Asberg. Zuvor war sie beim Archiv des Kreises Viersen tätig. Weitere Stationen waren das Stadtarchiv Krefeld und Hauptstaatsarchiv Wiesbaden. Der erste Eindruck der 35-Jährigen in Moers ist durchweg positiv. „Die ersten Tage waren richtig gut. Und im Hanns-Dieter-Hüsch-Bildungszentrum haben wir die perfekten Rahmenbedingungen für ein Archiv.“

Kontakt:
Stadtarchiv Moers
Hanns-Dieter-Hüsch-Bildungszentrum
Wilhelm-Schroeder-Straße 10
47441 Moers
Telefon: 0 28 41 / 201-737
Telefax: 0 28 41 / 201-760
Stadtarchiv@Moers.de

Quelle: Stadt Moers, Pressemitteilung, 8.5.2018

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