Stadtarchiv Marienmünster wieder im Rathaus

Das Stadtarchiv Marienmünster „war bereits Jahrzehnte im Rathauskeller untergebracht, bis man feststellte, dass die zu hohe Luftfeuchtigkeit im Sommer und die Kälte im Winter dem alten Schriftgut nicht gut tat“, so der Allgemeine Vertreter Josef Suermann, der in der Stadtverwaltung Marienmünster auch für das Archiv zuständig ist. Das Archiv war dann für eine kurze Zeit im Dachgeschoss des alten Rathausteils untergekommen. „Hier bildeten sich dann aber Risse in den Wänden, weil die Statik offensichtlich nicht für das enorme Gewicht ausgelegt war“, so Suermann weiter. Als die Mietwohnung oberhalb der Hausmeisterwohnung leer wurde, erfolgte ein Umzug in das alte Grundschulgebäude.

Am Samstag, dem 9.6.2018, zogen die wertvollen Akten zum dritten mal um. 500 Archivkartons mit 1.800 Aktenvorgängen sowie weitere 600 Kisten und 250 Bücher des Zwischenarchivs des Hauptamtes mussten aus dem ersten Obergeschoss der alten Schule in den Keller des Rathauses getragen werden.

Abb.: Dank der Mithilfe von Ordnungsamtsleiter Elmar Meyer, dem Flüchtlingshelfer Ludger Spiegelberg,  5 Studenten und 6 Flüchtlingen war die Arbeit unter Anleitung von Josef Suermann nach 2 1/2 anstrengenden Stunden erledigt (Foto: Josef Suermann).

Die nun gefundene Lösung wurde mit dem LWL-Archivamt für Westfalen abgestimmt, das einen Zuschuss von rund 7.400 € zu den Gesamtkosten von 28.000 € für die modernen Rollschränke gewährte. Voraussetzung war der Einbau neuer Fenster und einer Entlüftungsanlage. „Auch die Temperatur wird künftig überwacht und die Heizung springt automatisch an, sobald die Temperatur unter einen bestimmten Punkt gelangt“, so Matthias Peitsch, der als Hochbauingenieur in der Verwaltung die baulichen Maßnahmen koordinierte.

Die Sicherheitsvorkehrungen der Baumaßnahme seien nach Angaben der Verantwortlichen angebracht, denn im Archiv befänden sich viele geschichtlich wertvolle Dokumente. „Die ältesten sind beispielsweise Gerichtsakten aus Löwendorf – sie sind um 1700 datiert. Zu finden sind auch Schriftstücke zu Entnazifizierungsverfahren oder Chroniken der Ortschaften, die auf Geheiß von Napoleon 1807 angefertigt werden mussten“, sagte Suermann gegenüber dem WB.

Die Verwaltungsmitarbeiter freuen sich künftig über kürzere Wege zum Archiv. Auskunftssuchende werden die schnellere Auffindbarkeit von Akten in den sehr gut beleuchteten Räumen zu schätzen wissen.

Kontakt:
Stadtarchiv Marienmünster
Schulstraße 1
37696 Marienmünster
05276 9898-0
05276 9898-90
info@marienmuenster.de

Quelle: Stadt Marienmünster, Mitteilungen aus dem Rathaus, Juni 2018; Dennis Pape, Westfalen-Blatt, 13.6.2018

Archivar 2/2018 online

Kurz nach dem Erscheinen von Heft 02/2018 der Zeitschrift ARCHIVAR steht diese Ausgabe nunmehr auch online zur Verfügung. Das Schwerpunktthema lautet dieses Mal „Erlebte Geschichte als Quelle. Überlieferung von Oral History“.

Link: Archivar 71. Jahrgang Heft 02 Mai 2018

Im Editorial schreiben die Herausgeberinnen und Herausgeber der Zeitschrift ARCHIVAR (Landesarchiv Nordrhein-Westfalen und VdA – Verband deutscher Archivarinnen und Archivare e.V.): „Oral History ist heute ein fester Bestandteil der sozial- und kulturwissenschaftlichen Forschungsmethoden. Im Gegensatz zur Datenerhebung auf qualitativer Basis beruht die Methode auf der freien Erzählung von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, die dabei möglichst wenig vom Forschenden abgelenkt werden sollen. Zeitzeugengespräche finden in der Regel in Form von Interviews statt. Die auf diese Weise generierten mündlichen Quellen fanden in den letzten Jahren zunehmend auch Eingang in die Archive, wo sie auf Tonbändern oder mittlerweile in digitalen Speicherformaten aufbewahrt werden. Zum Teil wurden sogar eigene Archive speziell zur Schaffung und zum Erhalt mündlicher Überlieferung für die Nachwelt eingerichtet. Aufgrund dieser Entwicklung hat der Beirat der Zeitschrift ARCHIVAR beschlossen, der Oral History einen eigenen thematischen Schwerpunkt zu widmen. Das vorliegende Heft bietet mit seinen Beiträgen sowohl einen Einstieg in die Materie als auch einen Überblick. Schließlich wird anhand von Beispielen die Arbeit mit Zeitzeugen erläutert. In seinem einleitenden Beitrag stellt Jens Murken die Methode der Oral History als wissenschaftliche Disziplin, die lange um Akzeptanz innerhalb der historischen Zunft ringen musste, vor. Linde Apel gibt einen „unvollständigen“ Überblick über die Entwicklung der Oral History in Deutschland. Über die konkreten Erfahrungen in der Zeitzeugenarbeit und den daraus entstandenen Bestand von Egodokumenten bei der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung berichten Jörg Schlösser und Barbara Kurowska. Almuth Leh stellt in ihrem Beitrag die „Zeitzeugenkonserven“ im Archiv „Deutsches Gedächtnis“ für die nachfolgenden Forschergenerationen vor. Die im Rahmen eines Forschungsprojekts zur Mode und Bekleidung während der NS-Zeit am LVR-Industriemuseum in Ratingen durchgeführten Befragungen, die sich nicht an der gesamten Lebensgeschichte der Zeitzeugen orientierten, sondern anhand von Leitfragen die Perspektive auf den eigentlichen Forschungsgegenstand beschränkten, stellt Claudia Gottfried in ihrem Beitrag vor. Schließlich thematisiert Julia Kahleyß die Frage, was nach den Zeitzeugen kommt bzw. welche Zukunft die Oral-History-Methode hat. Am Beispiel eines Schülerprojekts, das 2015 erstmals mit mehreren Gymnasien in Bremerhaven durchgeführt wurde und „Orte der Diktatur“ thematisierte, werden Möglichkeiten aufgezeigt, wie an Originalschauplätzen Ereignisse während der NS-Zeit nachvollzogen werden können.“

Inhaltsverzeichnis

Editorial 145
Schwerpunktthema: Erlebte Geschichte als Quelle. Überlieferung von Oral History
Jens Murken: Mehr als das gesprochene Wort. Zur Methode der Oral History 146
Linde Apel: Oral History in Deutschland. Ein unvollständiger Überblick 149
Jörg Schlösser/Barbara Kurowska: Die Zeitzeugenarbeit und der Bestand Egodokumente der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung. Ein Werkstattbericht 152
Almut Leh: Zeitzeugenkonserven. Interviews für nachfolgende Forschergenerationen im Archiv „Deutsches Gedächtnis“ 155
Claudia Gottfried: Bekleidungsforschung mit Zeitzeugen über die Zeit des Nationalsozialismus 158
Julia Kahleyß: Nach den Zeitzeugen – Die Zukunft der Oral History. Die Ausarbeitung eines innovativen Gedenktagkonzepts in Bremerhaven 161
Archivtheorie und Praxis 163
Tagungsberichte 180
Literaturberichte 184
Mitteilungen und Beiträge des Landesarchivs NRW 192
Mitteilungen und Beiträge des VdA 195
Personalnachrichten 202
Nachrufe 206
Kurzinformationen und Verschiedenes 210
Vorschau 211

Info:
Archivar 71. Jahrgang Heft 02 Mai 2018
ISSN 0003-9500 / ISSN 2199-9252 (Internet)

Herausgeber:
Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Schifferstr. 30, 47059 Duisburg,
VdA – Verband deutscher Archivarinnen und Archivare e.V., Wörthstr. 3, 36037 Fulda
Gesamtredaktion:
Kathrin Pilger in Verbindung mit Ralf Jacob, Frank M. Bischoff, Torsten Musial und Ulrich S. Soénius

Kontakt:
Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Redaktion „Archivar“
Schifferstraße 30
47059 Duisburg
Tel. 0203-98721-0, -119 (Kathrin Pilger), -118 (Helen Buchholz), -124 (Petra Daub),
Fax 0203 /98721-111
archivar@lav.nrw.de

Ausstellung zum Stasi-Unterlagen-Archiv

Einblick ins Geheime

„Ein Monument der Überwachung“, so kann man das Stasi-Unterlagen-Archiv beschreiben. Hier lagern 111 Kilometer Unterlagen, in denen vielfach persönliche Daten über Menschen gespeichert sind – gesammelt vom Staat. Mit der neuen Dauerausstellung „Einblick ins Geheime“ will der Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR dieses Archiv und seine Bedeutung für die Gegenwart besser begreifbar machen.

„Einblick ins Geheime“ entsteht bis zum Sommer auf dem Gelände der „Stasi-Zentrale. Campus für Demokratie“ im historischen „Haus 7“. Welche Bedeutung hatten die Unterlagen für die Arbeit der Geheimpolizei? Wozu legte die Stasi über 41 Millionen Karteikarten an? Wie werden die Akten heute zur Aufarbeitung der SED-Diktatur genutzt?

Über Originalobjekte, Videos und eine „begehbaren Akte“ können Besucherinnen und Besucher das Archiv kennen lernen. Sie haben die Möglichkeit, sich vor Ort eigenständig mit ausgewählten Stasi-Unterlagen zu beschäftigen, um so mehr über Struktur, Methoden und Wirkungsweise der Staatssicherheit zu erfahren.

Mit einem Blog begleitet die BStU die Entstehung der Ausstellung bis zur Eröffnung am 16. Juni 2018. Darin gibt exklusive Einblicke in Inhalte sowie einen Blick hinter die Kulissen.

Die Ausstellung zeigt, wie das heutige Archiv die Unterlagen verwendet und wie die Stasi Informationen sammelte, auswertete und nutzte. Mittels überdimensionaler, begehbarer Akten und anhand von Einzelschicksalen wird deutlich, welche Auswirkungen dies auf die Betroffenen haben konnte.

Programm zur Eröffnung der Ausstellung auf dem Gelände der ehemaligen Stasi-Zentrale:

  • 12:00 Uhr Eröffnung und Premierenführung mit Roland Jahn, Bundesbeauftragter
    Erdgeschoss, Foyer
  • ab 12:30 Uhr alle 30 Minuten Führungen durch die Ausstellung
    Start: Erdgeschoss, Foyer
  • 13:00, 15:00 und 17:00 Uhr „Mein Leben in den Stasi-Akten“ – Gespräche mit Ulrike Poppe, Nikolaus Becker und Gilbert Furian
    4. Obergeschoss, Raum 427
  • 14:00 und 16:00 Uhr Vortrag der Ausstellungsmacher
    Erdgeschoss, Raum 030
  • 14:00 bis 15:00 Uhr Sprechstunde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen
    Erdgeschoss, Foyer

Das Stasi-Unterlagen-Archiv bewahrt an verschiedenen Standorten die Unterlagen des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR auf und stellt sie nach den gesetzlichen Vorschriften des Stasi-Unterlagen-Gesetzes (StUG) zur Verfügung. In den Archiven finden sich auch die Unterlagen der Vorgängerorganisationen, etwa der politischen Polizei K 5, und der Nachfolgeorganisation, Amt für Nationale Sicherheit der DDR.

Kontakt:
BStU – Zentralstelle Berlin
Karl-Liebknecht-Straße 31/33
10178 Berlin
Telefon: (030) 23 24-50
Fax: (030) 23 24-77 99
post@bstu.bund.de
Besucherdienst: besuch@bstu.bund.de

Quelle: BStU, Ausstellungen, 31.5.2018

Strümper Schützen geben 150 Jahre Vereinsgeschichte ins Stadtarchiv Meerbusch

„Über die Anfänge des 1865 gegründeten Schützenvereins in Strümp ist wenig bekannt. Schriftliche Aufzeichnungen sind nicht mehr auffindbar und fotografische Aufnahmen aus damaliger Zeit nicht vorhanden“, hieß es 1990 im Buch zum 125-jährigen Jubiläum des Heimat- und Schützenvereins Strümp 1865 e.V.. Dennoch konnte mittlerweile ein kleiner Bestand verschiedener Materialien zusammen getragen werden.

Das komplette Archiv des Heimat- und Schützenvereins (HSV) Strümp 1865 e.V. ist jetzt Bestandteil des Stadtarchivs Meerbusch. HSV-Vereinsarchivar Gerd Vasen und Vorstandsmitglied Karl-Wilhelm Steinfort lieferten jetzt einen ganzen Pkw-Anhänger mit Material im Meerbuscher Stadtarchiv in Büderich ab. Vasens verstorbener Amtsvorgänger Heinz Radmacher hatte über Jahrzehnte hinweg Plakate, Festhefte, Chroniken, Kassenbücher, Unmengen von Fotos, Dias und digitalisierte Filme des Schützenvereins im heimischen Keller archiviert.

Abb.: Christoph Erhardt, Gerd Vasen, Karl-Wilhelm Steinfort und Stadtarchivar Michael Regenbrecht (von links) entluden einen ganzen Anhänger mit Archivmaterial der Strümper Schützen (Foto: Stadt Meerbusch).

Hinzu kamen die Sammlungen seiner weiteren Amtsvorgänger. „Die ältesten Unterlagen stammen aus dem Jahr 1870“, so Gerd Vasen stolz. Zusätzlich hatte Heinz Radmacher liebevoll Material aus dem Strümper Ortsgeschehen zusammengetragen. Dazu gehören unter anderem Pfarrbriefe der Gemeinde St. Franziskus, Luftaufnahmen von Strümp oder auch alte Veranstaltungsplakate.

Stadtarchivar Michael Regenbrecht freut sich, dass nach den Archiven der St.-Sebastianus-Schützenbruderschaften aus Büderich und Osterath nun auch die Unterlagen der Strümper Schützen den Weg ins Stadtarchiv gefunden haben. „Bei uns werden die historischen Papiere und Fotos dokumentiert, fachgerecht aufbewahrt und für die Nachwelt gesichert“, so Regenbrecht. „Die Bruderschaften und Vereine haben natürlich jederzeit Zugriff auf ihr Eigentum“. Vereinsgeschichte sei immer auch ein Spiegel lokaler Geschichte insgesamt, deshalb seien die Unterlagen der Vereine auch wertvoller Gegenstand der Heimatforschung. Gerade die Schützen hätten hier wahre Schätze zu bieten.

Gemeinsam mit seinem Mitarbeiter Christoph Erhardt wird Regenbrecht das Material nun zunächst sichten und sortieren. Die allgemeinen Strümper Archivalien werden Bestandteil der ortsgeschichtlichen Sammlung des Stadtarchivs.

Kontakt:
Stadtarchiv Meerbusch
Karl-Borromäus-Str. 2a
40667 Meerbusch
Telefon: +49 2132 916 358
archiv@meerbusch.de

Heimat- und Schützenverein Strümp 1865 e.V.
Am Buschend 28
40670 Meerbusch
Telefon: 02159- 8294909
Telefax: 03212-8294909
gf@schuetzenverein-struemp.de

Quelle: Stadt Meerbusch, Nachrichten, 7.6.2018

Der „Alle-mal-malen-Mann“ fürs städtische Gedächtnis Bonns

Das Bönnsche Original Ferdinand Johannes Gödde (1931-2018), der sich selbst „Jan Loh“ nannte, ist als „Alle-mal-malen-Mann“ bekannt geworden. Fast täglich zog er durch die Bonner Gaststätten und zeichnete für wenig Geld die Gäste, deutete ihre Handschriften oder Träume und betrieb Gesichtsanalysen. Viele Bonnerinnen und Bonner, aber auch Besucherinnen und Besucher haben so ein besonderes Andenken erhalten.

Abb.: Jan Loh als Stencil-Graffito an einer Hauswand in der Bonner Heerstraße (photographed by Pemu according to the terms of Panoramafreiheit, made by an anonymous tagger/sprayer – Eigenes Werk, 2.8.2010; CC BY-SA 3.0)

Jan Loh sprach die Leute meist mit dem gleichen Satz „Alle mal malen hier?“ an, der ihm seinen Spitznamen eintrug. Eine künstlerische Ausbildung hatte der in Gladbeck geborene Jan Loh nicht durchlaufen. Mit den Porträtzeichnungen begann er erst 1995.

Das Stadtarchiv und die Stadthistorische Bibliothek Bonn möchten nun das Leben und Wirken des im März 2018 verstorbenen Jan Loh dokumentieren. Dadurch soll der „Alle-mal-malen-Mann“ im städtischen Gedächtnis erhalten bleiben. Für die Umsetzung benötigt das Stadtarchiv Unterstützung und bittet um Fotografien, die Jan Loh zeigen, sowie Bilder, die er anfertigte. Eine Vergütung für überlassene Bilder kann nicht gewährt werden. Die Bilder und Fotos können zu den Öffnungszeiten des Stadtarchivs und der Stadthistorischen Bibliothek, im Stadthaus, Berliner Platz 2, abgegeben werden:

Montag und Donnerstag von 10 bis 18 Uhr
Dienstag und Mittwoch von 10 bis 16 Uhr
Freitag und Samstag 10 bis 13 Uhr

Kontakt:
Stadtarchiv und Stadthistorische Bibliothek
Stadthaus
Berliner Platz 2
53111 Bonn
Telefon 0228 – 77 24 10
stadtarchiv@bonn.de

Quelle: Stadt Bonn, Aktuelles, Juni 2018; Wikipedia: Bonner Originale, 18.4.2018

Bundesarchiv erschließt Akten des Staatlichen Kunsthandels der DDR

Der VEH Bildende Kunst und Antiquitäten, genannt Staatlicher Kunsthandel der DDR (SKH), wurde durch Ministerratsbeschluss vom 16. Mai 1974 zum 1. Oktober 1974 mit dem Ziel gegründet, das Angebot von Kunstwerken für die Bevölkerung und die materiellen Schaffensbedingungen der Künstlerinnen und Künstler zu verbessern.

Logo des Staatslichen Kunsthandels (Quelle: Bundesarchiv)

Zu den Aufgaben des Staatlichen Kunsthandels gehörten somit der Groß- und Einzelhandel mit zeitgenössischer bildender und angewandter Kunst, Volkskunst und Antiquitäten, sowie deren Export. Den Export in die sozialistischen Länder organisierte der SKH eigenständig, der Export in die nichtsozialistischen Länder erfolgte über den KoKo-Betrieb Kunst und Antiquitäten GmbH (KuA). Zur Durchführung seiner Aufgaben baute der SKH in der gesamten DDR ein Netz von Galerien für Gegenwartskunst und für Antiquitäten, von Briefmarken- und Münzfachgeschäften und kunsthandwerklichen Werkstätten auf.

Nach dem Fall der Berliner Mauer wurde im April 1990 aus dem Staatlichen Kunsthandel die Art-Union GmbH. Gemäß Treuhandgesetz übernahm sie ab dem 1. Juli 1990 die Privatisierung der verschiedenen Einrichtungen, darunter fiel auch die Rückgabe von Betrieben an die früheren Eigentümer.

Zum Bestand
Das Bundesarchiv Berlin hat jetzt die Erschließungsarbeiten am Bestand DR 144 „VEH Bildende Kunst und Antiquitäten“ abgeschlossen. Der Archivbestand DR 144 umfasst circa 38 laufende Meter und beinhaltet überwiegend Schriftgut der Abteilungen Ökonomie und Hauptbuchhaltung aus den Jahren 1988 bis 1991. Besonders die Ankäufe der SKH-Galerien, hauptsächlich von zeitgenössischer bildender und angewandter Kunst von Künstlerinnen und Künstlern aus der DDR, sowie der Verkauf von Kunstwerken, Kunstmaterialien und Dienstleistungen sind gut dokumentiert und können exemplarisch für die Tätigkeit des SKH im Binnenhandel stehen.

Überliefert sind ferner die Exporte von zeitgenössischer Kunst für die Jahre 1982-1991. Aus der Gründungsphase sind Übernahmen von privaten Galerien und Werkstätten, die sog. „Angliederung“ an den Staatlichen Kunsthandel, dokumentiert. Darüber hinaus liegen Unterlagen zu Bauvorhaben des Staatlichen Kunsthandels vor. Auch die durch das Treuhandgesetz veranlasste Privatisierung und Reorganisation des Staatlichen Kunsthandels ab 1990 wird umfangreich in den Akten abgebildet. Der Bestand hat eine Laufzeit von 1974 bis 2002.

Ergänzende Überlieferung
Ergänzend hinzuweisen ist auf die Nutzung des Bestands DL 226 Bereich Kommerzielle Koordinierung und der Überlieferung der Kunst und Antiquitäten GmbH im Bestand DL 210 Betriebe des Bereichs Kommerzielle Koordinierung. Letzterer kann vor allem für die Recherche bezüglich des Exports von Antiquitäten und zeitgenössischer Kunst ins nichtsozialistische Ausland herangezogen werden.

Sowohl DR 144 Staatlicher Kunsthandel der DDR als auch DL 210 Kunst und Antiquitäten GmbH sind mit ausführlichen Enthält-Vermerken erschlossen worden, so dass vergleichende Recherchen möglich werden.

Darüber hinaus beherbergen die Bestände DN 1 Ministerium der Finanzen, DR 1 Ministerium für Kultur und DC 20 Ministerrat ergänzende Unterlagen, vor allem auch hinsichtlich der Vorläufer des VEH Bildende Kunst und Antiquitäten, in welchen umgangssprachlich bzw. als offizielle Bezeichnung der Begriff „Staatlicher Kunsthandel“ verwendet wird. Ab 1955 wurde demnach bereits Handel mit Antiquitäten und aktuellen Werken der bildenden und angewandten Kunst betrieben.

Links:

Kontakt:
Bundesarchiv
Finckensteinallee 63
12205 Berlin-Lichterfelde
Telefon: 03018 7770 0
Fax: 03018 7770 111
berlin@bundesarchiv.de

Quelle: Bundesarchiv, Meldung, 1.6.2018

Behandlung von Angehörigen feindlicher Staaten – Aschaffenburger Schlaglicht Juni 1918

Seit dem hundertsten Jahrestag des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs werden im Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg monatlich wechselnde „Schlaglichter“ in Form einer kleinen Präsentation gezeigt. Ausgewählte Dokumente, Fotografien und Objekte, zumeist aus den Beständen des Archivs (und ab und an auch in Kooperation mit regionalen Sammlern und Heimatforschern) werden über einen Zeitraum von jeweils vier Wochen gezeigt. Die jeweiligen Präsentationstexte sowie ausgewählte Bilder werden seit dem August 2014 über die Homepage des Archivs dokumentiert (Rückblick).

Das aktuelle Schlaglicht thematisiert die Behandlung von Angehörigen feindlicher Staaten:

Abb.: Passbild auf einer „Unverdächtigkeits-Bescheinigung“ für Pinkus Seidel, 1916 (aus SSAA, SBZ I, 349)

Am 26. Juni 1918 schrieb Maria Koch aus Aschaffenburg an das stellvertretende Generalkommando in Würzburg: „Wir betreiben am hiesigen Platze, Frohsinnstraße 28, unter der Firma Ludwig Koch, elektrischer Schönheitspflege-Salon, ein Herren- und Da­men­­friseurgeschäft. Als einzige Hilfskraft steht mir, nachdem mein Ehemann Ludwig Koch seit 5. September 1916 zum Heeres­dienst eingezogen ist und sich z.Zt. als Krankenwärter im Kriegs­lazarett in Belgien befindet, außer einem 14-jährigen Lehr­ling, nur der verheiratete polnische Staatsangehörige Pinkus Seidel zur Verfügung, der seinerzeit für unseren Geschäftsbetrieb reklamiert wurde und nun schon im vierten Jahr bei uns ist.“

Pinkus Seidel war seit 1909 mit der aus Wasserlos stammenden Eva Waller verheiratet, hatte zwei 1910 und 1912 geborene Söhne und wohnte seit April 1915 in Aschaffenburg. Als gebürtiger Pole, aber mit russischer Staatsangehörigkeit, hatte er sich verpflichtet, „eine meinen Vermögensverhältnissen entsprechende hohe Kaution zu stellen; ferner (…) nichts gegen das Deutsche Reich und seine Verbün­deten Nachteiliges zu unternehmen und meinen Wohnsitz ohne Erlaubnis der Behörde nicht zu wechseln oder zu verlassen, außer­dem mich den zu meiner Überwachung erlassenen Vor­schriften (tägliche Meldung, Kontrolle des Briefwechsels usw.) unbedingt zu fügen.“ Bei einem geringsten Verstoß gegen die Auflagen drohte ihm die Inhaftierung als Kriegsgefangener.

Sein Arbeitgeber Ludwig Koch setzte sich für die Befreiung von der täglichen Meldepflicht ein, „da dies im Geschäft sehr hinder­lich“ sei, und verpflichtete sich im Gegenzug dazu, „falls Seidel nicht ins Geschäft kommt, dies dem Stadtmagistrat sofort te­lefonisch mitzuteilen.“

Für die Besuche bei der Familie seiner Frau in Wasserlos aller­dings war in jedem Fall eine Genehmigung einzuholen, wie die zahlreichen „Erlaubnisscheine“ belegen. Auch seine Frau Eva musste sich jede Reise nach Wasserlos genehmigen lassen.

Kontakt:
Stadt- und Stiftsarchiv
Wermbachstraße 15
63739 Aschaffenburg
Telefon: 06021 45 61 05 0
Telefax: 06021 / 2 95 40
stadtarchiv@aschaffenburg.de
www.archiv-aschaffenburg.de

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