Nachwuchsforum Geschichte – Die Schülerakademie 2009

In Halle an der Saale wird es im Jahr 2009 ein breit angelegtes Festprogramm unter dem Titel »Schritte zur Freiheit« geben. Die Schülerakademie steht unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Prof. Dr. Wolfgang Böhmer und wird gefördert von der Robert Bosch Stiftung. Sie findet vom 27. Juli – 1. August 2009 im Historischen Waisenhaus der Franckeschen Stiftungen zu Halle statt und wird der offizielle Beitrag der Franckeschen Stiftungen zum Festprogramm sein. Außerdem ist die Schülerakademie 2009 Teil des Programms zum europäischen Jahr der Kreativität und Innovation 2009.

Das Thema der Akademie " Wendezeiten – Wendegeschichten. Die friedliche Revolution im Herbst 1989" ermöglicht einen weiten Spannungsbogen, der die Schülerinnen und Schüler einerseits mit weiter greifenden, europäischen Entwicklungslinien und andererseits mit dem unmittelbaren Lebensumfeld in ›ihrer‹ Stadt in Berührung bringt. Daran knüpft die konkrete Arbeit der Schülerakademie 2009 an: Die Teilnehmer der Akademie werden in die Arbeitstechniken geisteswissenschaftlichen Arbeitens eingeführt, und sie bekommen einen Blick in die praktische geschichtswissenschaftliche Arbeit durch Besuche in Archiven, Museen und durch Diskussionen mit Dozenten, Professoren und Zeitzeugen. Auf dieser Grundlage haben sie dann die Möglichkeit, ein eigenes, selbst gewähltes Forschungsthema unter Anleitung studentischer Tutoren durchzuführen und zu präsentieren. 

Info: Curriculum

Montag, 27.7.2009
10.00 Begrüßung der Teilnehmer durch den Direktor der Franckeschen Stiftungen 
Dr. Thomas Müller-Bahlke und den Projektleiter PD Dr. Holger Zaunstöck, gegenseitiges kennen lernen der Schüler, Studenten, Lehrer und Dozenten; anschließend: »Ruinen schaffen ohne Waffen: Die Franckeschen Stiftungen 1989 als Beispiel gezielter Vernachlässigung in der DDR« – Führung mit Dr. Thomas Müller-Bahlke

12.30 Gemeinsames Mittagessen am Akademietisch im Historischen Speisesaal

13.30 »Die Wende 1989 als europäisches Ereignis« Seminar mit Prof. Dr. Michael G. Müller (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

15.00 Pause

15.30 »Das Archiv als Ort spannender Entdeckungen – die DDR im Archiv«. Praxiseinführung am Beispiel des »Nachlasses Heinz Hermann Beyer« mit Carmela Keller, Archivarin im Studienzentrum August Hermann Francke

16.30 Ende

Dienstag, 28.7.
10.00 »Aufbruch \’89 – Die friedliche Revolution in Halle an der Saale« – eine Einführung in die Herbstereignisse mit Dr. Steffen Reichert (Zeithistoriker/Mitteldeutsche Zeitung)

11.00 Pause

11.30 »Viele Erinnerungen, viele Geschichten« – eine Einführung in die Probleme und Techniken der Zeitzeugengespräche mit Dr. Marian Richling (Geschichtsdidaktik, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg) [Vortrag als pdf]

12.30 Gemeinsames Mittagessen am Akademietisch im Historischen Speisesaal

13.30 »Spuren der Wende im Museum entdecken« mit Ralf Rodewald, Kustos der Hallischen Museen

ca. 15.30 Ende

Mittwoch, 29.7.
09.30 »Bespitzelung, Umweltverschmutzung, Punkrock« – Forschungsthemen entdecken. Ein Besuch im »Stasi-Archiv« mit Hans-Joachim Plötze.

12.30 Gemeinsames Mittagessen am Akademietisch im Historischen Speisesaal

13.30 »Die Wende selbst erforschen«. Konstituierung der Arbeitsgruppen und konkrete Themenfindung

ca. 14.30 Pause
anschließend Fortsetzung der Themen- und Arbeitsgruppenfindung

ca. 15.30 Ende

Donnerstag, 30.7.
10.00 »Die Wende selbst erforschen« – Forschungsarbeit der Projektgruppen

12.30 Gemeinsames Mittagessen am Akademietisch im Historischen Speisesaal

13.30 »Die Wende selbst erforschen« – Forschungsarbeit der Projektgruppen 

ca. 15.30 Ende

Freitag, 31.7.
10.00 »Die Wende selbst erforschen« – Forschungsarbeit der Projektgruppen

12.30 Gemeinsames Mittagessen am Akademietisch im Historischen Speisesaal

13.30 »Forschung diskutieren«. Kurze Präsentation der Forschungsansätze durch die Arbeitsgruppen und gemeinsame Diskussion unter der Moderation von Dr. Volker Rodekamp, Direktor des Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig

im Anschluss: »20 Jahre friedliche Revolution: Was macht das Radio draus? Ein Besuch beim Kultursender Figaro und beim Jugendradio Sputnik« mit Stefan Noelke, Chef Dienst und Leiter Ressort Geschichte

ca. 17.30 Ende

Samstag, 1.8.
9.00 »Orte der Teilung, Orte der Erinnerung«. Exkursion zur »Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn« und zum »Grenzdenkmal Hötensleben« unter der Leitung von Renate Fischer (KGS Wilhelm von Humboldt) und Heinz-Joachim Köhler (Landesgymnasium Latina). 

ca. 9.15: Abfahrt vor dem Historischen Waisenhaus der Franckeschen Stiftungen
11.00: Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn 
ca.12.30 Lunch
ca.13.30 Abfahrt nach Hötensleben 
14.00 Grenzdenkmal Hötensleben 
ca.16.00 Uhr Rückfahrt nach Halle
Ankunft in Halle: ca. 17.30 Uhr

Ausblick auf die Fortführung und den Abschluss der Projektarbeiten im Rahmen der Schülerakademie 2009
Im August und September wird im Anschluss an die Akademiewoche die Arbeit der einzelnen Projektgruppen an mehreren Projektnachmittagen fortgesetzt und zu Ende geführt. 

Anfang Oktober wird es einen gemeinsamen Nachmittag geben, an dem die Forschungsergebnisse gegenseitig kurz präsentiert und diskutiert werden. 

Samstag, 7. November: Im Rahmen der Festwochen »Schritte zur Freiheit« werden die Ergebnisse in einer Schülerakademiesektion auf dem 10. Tag der hallischen Stadtgeschichte im Volkspark Halle vorgestellt. 

Kontakt
Franckesche Stiftungen zu Halle
Franckeplatz 1
Haus 37
06110 Halle
Tel.: 0345 / 2127 – 400
Fax: 0345 / 2127 – 433
mail oeffentlichkeit@francke-halle.de

Franckesche Stiftungen
Studienzentrum August Hermann Francke
Archiv und Bibliothek
Franckeplatz 1
Haus 22-24
06110 Halle
Tel: 0345 / 2127 – 482 oder – 426 (Archiv)
Fax: 0345 / 2127 – 433

Quelle: Bildung/Soziales Franckesche Stiftungen Halle, Nachwuchsforum Geschichte; Materialien zur Schülerakademie 2009; Claudia Crodel, Mitteldeutsche Zeitung, 27.7.2009

Empfang der ersten E-Mail in Deutschland an der Universität Karlsruhe vor 25 Jahren

Am 3. August 1984 um 10.14 Uhr mitteleuropäischer Zeit landet die erste E-Mail im Postfach von Michael Rotert aus dem Team der Informatik-Rechnerabteilung (IRA) an der Universität Karlsruhe unter der Leitung von Professor Werner Zorn. Mit den Worten “This is your official welcome to CSNET. We are glad to have you aboard“, begrüßt die US-Amerikanerin Laura Breeden, Mitarbeiterin des CSNET Koordinations- und Informationszentrums am MIT in Boston die neuen deutschen Mitglieder des Netzwerkes. Ein weiterer wichtiger Schritt der E-Mail auf ihrem weltweiten Siegeszug ist getan. Zwar wurden in Deutschland bereits vor dem August 1984 E-Mails versendet und empfangen, bei besagter Nachricht handelt es sich jedoch um die erste, die an einen eigenen Internet-Mailserver ging. Zuvor mussten sich die Nutzer telefonisch in amerikanische Computer einwählen. 

Zu Beginn der 1980er Jahre bauten die Karlsruher Informatiker dann ein lokales Netz auf und arbeiteten intensiv an der Herstellung einer Verbindung in die USA, die im Jahr 1984 schließlich gelang. Damit waren Deutschland und Israel nach den USA die ersten Nationen, die offiziell an das CSNET angeschlossen waren. CSNET war ein in den frühen 1980er-Jahren in den USA entwickeltes Computer-Netzwerk, in dem sich verschiedene US-Hochschulen zusammengeschlossen hatten, um die Kommunikation zwischen den Wissenschaftlern zu erleichtern.

Empfänger der Nachricht ist Michael Rotert, der zu dieser Zeit als Technischer Leiter der Informatikrechnerabteilung (IRA) an der Fakultät für Informatik der Universität Karlsruhe beschäftigt ist. In Kopie geht sie an den Internetpionier Professor Werner Zorn, der das Projekt damals als akademischer Leiter der Rechnerabteilung betreut. Rotert implementiert und betreibt den Internet-Mailserver „germany“ und legt damit den Grundstein für die heute so selbstverständlich und flächendeckend genutzte „Elektronische Post“. Zu diesem Zeitpunkt war die ökonomische Bedeutung kaum einzuschätzen, nahezu unvorstellbar der Erfolg, mit dem sich die E-Mail inzwischen zu einem der wichtigsten Kommunikationsmedien entwickelt hat. „Das CSNET sollte in erster Linie die Wissenschaftskommunikation erleichtern. Natürlich sahen wir in der Anbindung an ein internationales Netz ein enormes Potenzial. Mit so einem durchschlagenden Erfolg konnten wir damals aber nicht rechnen“, erinnert sich Rotert.

Das wichtigste Netz war in den frühen 1980er Jahren jedoch nicht das CSNET, sondern das US-amerikanische Arpanet (Advanced Research Projects Agency Network), das als Vorläufer des heutigen Internets gilt. Dieses wurde zunächst ausschließlich zu Militärzwecken gebraucht. „Damit war das Arpanet für uns 1984 nicht zugänglich. Das CSNET dagegen war die preiswerte Variante fürs gemeine Volk. Deshalb haben wir einen Vertrag mit CSNET CIC geschlossen, die uns die Anbindung ans Netz ermöglichten“, erzählt Professor Rotert, der heute unter anderem als Vorstandvorsitzender des Verbandes der deutschen Internetwirtschaft tätig ist. 

Zum genauen Zeitpunkt der Übermittlung gab es in der Vergangenheit Missverständnisse. Michael Rotert klärt auf: „Laura Breeden versand die E-Mail am 2. August 1984 um 12.35 Uhr US-amerikanischer Zeit. Sie wurde an den Server CSNET-SH weitergeleitet und landete schließlich im so genannten CSNET-Relay, in dem die Mails zunächst gesammelt und später manuell abgeholt werden mussten. Deshalb haben wir die E-Mail in Karlsruhe erst am Folgetag um 10.14 Uhr erhalten.“ Professor Michael Rotert wird den Originalausdruck am kommenden Montag, 3. August 2009, an den Leiter des Stadtarchivs Karlsruhe, Dr. Ernst Otto Bräunche, übergeben.

Im Karlsruher Institut für Technologie (KIT) schlossen sich am 30. Juli 2009 das Forschungszentrum Karlsruhe in der Helmholtz-Gemeinschaft und die Universität Karlsruhe zusammen. Damit wird eine Einrichtung international herausragender Forschung und Lehre in den Natur- und Ingenieurwissenschaften aufgebaut. Im KIT arbeiten insgesamt 8000 Beschäftigte mit einem jährlichen Budget von 700 Millionen Euro. Das KIT baut auf das Wissensdreieck Forschung – Lehre – Innovation.  Die Karlsruher Einrichtung ist ein führendes europäisches Energieforschungszentrum und spielt in den Nanowissenschaften eine weltweit sichtbare Rolle. KIT setzt neue Maßstäbe in der Lehre und Nachwuchsförderung und zieht Spitzenwissenschaftler aus aller Welt an. Zudem ist das KIT ein führender Innovationspartner für die Wirtschaft.

Kontakt
Institut für Stadtgeschichte
Stadtarchiv Karlsruhe
Markgrafenstraße 29
76124 Karlsruhe
Tel.: 0721 / 133 – 4223 oder – 4225 
Fax: 0721 / 133 – 4299 
archiv@ kultur.karlsruhe.de

Quelle: Pressemeldung Karlsruher Institut für Technologie, 29.7.2009

Sommerausstellung des Stadtarchivs Nürnberg zeigt Nürnberger Bilder von 1865-1909

Die Sommerausstellung des Stadtarchivs Nürnberg im Handwerkerhof trägt den Titel "Der Fotograf mit der schwarzen Kutsche. Ferdinand Schmidt und seine Nürnberg Bilder 1865-1909. Die Ausstellung kann vom 31. Juli bis zum 13. September 2009 montags bis freitags von 10.00 bis 18.30 Uhr und samstags von 10.00 bis 16.00 Uhr besichtigt werden. Der Eintritt ist frei. Die etwa 40 präsentierten Fotografien sind Abzüge von im Stadtarchiv Nürnberg aufbewahrten Originalen und zeigen Ansichten der Innenstadt, der Vorstädte und aus der Umgebung Nürnbergs, aber auch Bilder des Wandels im Zuge der Industrialisierung sowie der Menschen, ihrer Arbeit und ihres Alltags in der Stadt sind zu sehen.

Ferdinand Schmidt (1840-1909) gehört zu den bedeutendsten Fotografen Nürnbergs im Zeitalter der Industrialisierung. Er wurde als ältestes Kind des Künstlers Georg Schmidt (1811-1867) geboren, der bereits frühzeitig von der Malerei auf das neue Bildmedium umstieg. Vermutlich bereits beim Vater ausgebildet, übernahm Ferdinand nach dessen Tod das Atelier in der Burgstraße 24 und führte es erfolgreich weiter. Dort bot er neben Architekturaufnahmen auch Porträts und Landschaftsbilder an, die er in allen damals verfügbaren Größen verkaufte. Schmidt arbeitete sowohl selbstständig als auch im Auftrag von Privatpersonen und Institutionen.

Erhalten geblieben sind von seinen Aufnahmen überwiegend Architekturfotos, die in ästhetisch hervorragender Weise Stadtgestalt und Alltag in Nürnberg zwischen 1865 und 1909 wiedergeben. Damals wandelte sich die in der Romantik verklärte Provinzstadt zur modernen Industriemetropole. Das Aufeinanderprallen von Tradition und Moderne verdichtet sich auf einer am 30. Mai 1909 gemachten, letzten Aufnahme Schmidts, die den Flug der Graf Zeppelin II über die unverändert mittelalterlich wirkende Altstadt zeigt und als erstes Bild in der Ausstellung zu sehen ist. Knapp drei Monate danach verstarb Schmidt am 22. August 1909. Seine Bildzeugnisse dieser dynamischen Epoche gehören heute zu den werstvollsten Bild-Beständen im Stadtarchiv Nürnberg und umfasst überwiegend Glasplattennegative, aber auch einige Originalabzüge.

Technisch bediente sich der Fotograf des 1851 entwickelten, nassen Kollodiumverfahrens, das es ermöglichte, von einem Glasnegativ beliebig viele Abzüge anzufertigen. Hierzu wurde eine Glasplatte mit einer Lösung aus Kollodium, Jod und Bromsalzen in Alkohol und Äther übergossen und das Bild nach dem Belichten in der Plattenkamera sofort in der Dunkelkammer entwickelt und fixiert – ein aufwändiges Verfahren, das das Mitführen eines mobilen Fotolabors mit Dunkelkammer notwendig machte. Daher besaß Ferdinand Schmidt einen schwarzen Zweispänner mit der entsprechenden Ausrüstung. Dieses Gefährt inspirierte auch zum Titel der Ausstellung "Der Fotograf mit der schwarzen Kutsche", die anlässlich des 100. Todestags dieses Nürnberger Fotopioniers gezeigt wird.

Kontakt
Stadtarchiv Nürnberg
Marientorgraben 8
90402 Nürnberg
Tel.: 0911 / 231 – 2770 und – 2771
Fax: 0911 / 231 – 4091
stadtarchiv@stadt.nuernberg.de

Quelle: Aktuelles Stadtarchiv Nürnberg, 16.7.2009

Berlin plant Ernst Reuter Stiftung

Anlässlich des 120. Geburtstages von Ernst Reuter haben der Senat und das Abgeordnetenhaus von Berlin am 29. Juli 2009 Kränze am Grab des berühmten Berliner Bürgermeisters niedergelegt. Dabei gaben Kulturstaatssekretär André Schmitz und der Präsident des Abgeordnetenhauses, Walter Momper, die Absicht bekannt, eine Stiftung Ernst-Reuter-Archiv ins Leben zu rufen. 

Walter Momper: „Wir wollen das Leben und politische Wirken Ernst Reuters wieder stärker ins öffentliche Bewusstsein rücken. Anknüpfend an den Mythos vom Blockade-Bürgermeister soll die Stiftung jedoch über biographische Forschungsarbeit zu Ernst Reuter hinaus gehen und einen neuen, umfassenden Blick auf die vergangenen 150 Jahre deutsche und Berliner Geschichte befördern.„ André Schmitz: „Ernst Reuters Idee, durch die Verbesserung der Lebensverhältnisse auf die Verankerung demokratischer und freiheitlicher Grundsätze hinzuwirken und sich für die Verständigung unter den Völkern, insbesondere zwischen Türken und Deutschen, zu engagieren, machen Reuter in Berlin heute aktueller denn je. Für die Gründung dieser Stiftung hat der Senat 100.000 Euro im kommenden Doppelhaushalt beantragt, und ich hoffe sehr, dass das Parlament diese Summe im Herbst beschließen wird.“

Ernst Reuter hatte eine lange politische Entwicklung hinter sich, bevor er zum Oberbürgermeister von Berlin gewählte wurde. Er war Sowjetkommissar in Saratow im Wolgagebiet und erster Generalsekretär der KPD. Im Jahre 1922 aus der Partei ausgeschlossen, vollzog er eine politische Wende zur Sozialdemokratie, wurde in Berlin zum Stadtrat für Verkehr gewählt und 1931 zum Oberbürgermeister von Magdeburg. Wichtige Jahre waren für Reuter und seine Familie die Zeit des Exils in der Türkei, in der er als Hochschullehrer in Ankara und Berater der türkischen Regierung wirkte. Er gilt als der Begründer der Kommunalwissenschaft in der Türkei und hat damit Generationen von Kommunalwissenschaftlern und Kommunalpolitikern in der Türkei beeinflusst. Bis zum heutigen Tage ist er in der Türkei hoch anerkannt und hat durch sein Wirken viel zur Verständigung zwischen Deutschen und Türken beigetragen – ein Anliegen, das auch durch Reuters Sohn, Edzard, fortgeführt wird.

Die Stiftung Ernst-Reuter-Archiv soll beim Landesarchiv Berlin angesiedelt werden. In ihr sollen der im Landesarchiv beheimatete Nachlass Ernst Reuters und das Ernst-Reuter-Archiv sowie weitere Dokumente, die sich im Besitz von Edzard Reuter befinden, zusammengefasst werden. Hauptaufgabe der Stiftung wird sein, diese Bestände zu erforschen und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Stiftung wird dazu Forschungsprojekte initiieren und in Kooperation mit anderen Archiven, Museen und wissenschaftlichen Einrichtungen betreuen, eigene Schriftenreihen auflegen sowie Tagungen, Workshops und Ausstellungen organisieren.

Kontakt
Landesarchiv Berlin 
Eichborndamm 115 – 121 
13403 Berlin 
Tel.: 0 30 / 90264 – 200 
Fax: 0 30 / 90264 – 201 
info@landesarchiv-berlin.de 

Quelle: Pressemeldung des Landes Berlin, 29.7.2009

Ehrenamtliche ein echter Gewinn für das Stadtarchiv Gütersloh

Zur Arbeit von Ursela Langenkämper und Lieselotte Kornfeld im Stadtarchiv Gütersloh gehört auch das Glattbügeln von Dokumenten. Ihre Mithilfe ist unabdinglich: Im Gütersloher Stadtarchiv, das im Jahr 2009 seinen 25. Geburtstag feiert, helfen acht Ehrenamtliche beim Sortieren, Restaurieren und Archivieren. Ursela Langenkämper (87 Jahre) und Lieselotte Kornfeld sind schon besonders lange dabei. Neben ihrem ehrenamtlichen Engagement sind sie noch aus einem weiteren Grund ein echter Gewinn für das Archiv: Die beiden Ur-Gütersloherinnen kennen ihre Heimatstadt wie ihre Westentasche. 

Genau vor diesem Hintergrund fing Ursela Langenkämpers Engagement für das Stadtarchiv auch an: Stadtarchivar Stephan Grimm hatte Anfang der 1990er Jahre Filme von der Bombardierung Güterslohs im zweiten Weltkrieg entwickeln lassen. Bei der Frage, welche Straßen und Häuser die Bilder zeigten, kam Ursela Langenkämper ins Spiel. Gemeinsam mit Heinrich Kornfeld (†) und Karl Meyer (†) kam sie über den Heimatverein zu ihrer Arbeit im Stadtarchiv. „Wir kannten unsere Stadt, wir waren doch alle Gütersloher“, erklärt Ursela Langenkämper, wie sie die Gebäude und Straßen auf den Bildern identifizierten. Und so konnten sie anhand der Zäune, Giebel oder Straßenverläufe erkennen, um welche Orte und Häuser es sich handelte.

Seitdem arbeitet Ursela Langenkämper im Archiv an der Hohenzollernstraße. Immer donnerstags holt Lieselotte Kornfeld sie ab. Gemeinsam restaurieren sie zum Beispiel Akten. Da werden verknitterte Dokumente entklammert, glattgebügelt, entstaubt und wieder geklebt, aber auch Zeitungen sortiert und Nachlässe bearbeitet. „Man lernt hier immer wieder dazu“, sagt Ursela Langenkämper. „Und man erinnert sich an viele Ereignisse aus der Vergangenheit“. Außerdem finden die beiden Ehrenamtlichen es spannend zu sehen, wie Menschen vor Jahren, Jahrzehnten und Jahrhunderten gelebt haben, welche Verordnungen es gab, und wie sich das Stadtbild im Laufe der Zeit wandelte. Da kann es auch mal vorkommen, dass eine der Frauen sich in etwas „festliest“. Wie etwa bei der Illustrierten „Die Gartenlaube“, an der die Ehrenamtlichen vor einigen Jahren arbeiteten.

Ursela Langenkämpers Engagement um die Gütersloher Geschichte spielt sich aber auch außerhalb der Archiv-Räume an der Hohenzollernstraße ab. So erarbeitete sie drei Ausstellungen über die Berliner Straße – die dritte zum Stadtjubiläum im Jahr 2000. Dabei zeigte sie in drei Abschnitten die Häuser am „Busch“, die der mittleren und die der unteren Berliner Straße Haus für Haus ab dem Jahr 1783. Und was hat sich in all den Jahren im Stadtarchiv verändert? „Informationen sind durch die Computer mittlerweile schneller abrufbar und können anders gespeichert werden“, sagt Ursela Langenkämper. Sie erinnert sich noch gut an die Zeit, als Karteikarten die Hauptrolle spielten. Bei allem Engagement: Ursela Langenkämper bleibt stets bescheiden. Immer wieder weist sie auch auf die anderen, zum Teil ehemaligen, Ehrenamtlichen und deren Einsatz hin. Durch Heinrich Kornfeld habe sie beispielsweise viel gelernt. Zudem sei die Atmosphäre zwischen allen Mitarbeitern im Archiv – ob Ehrenamtliche oder Festangestellte – sehr gut. Zur Weihnachtszeit gehört ein Treffen fest zum Programm der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. „Quertreiber haben wir hier nicht“, sagt Lieselotte Kornfeld. 

Kontakt
Stadtarchiv Gütersloh
Hohenzollernstraße 30 a
33330 Gütersloh
Tel.: 05241 / 82 – 2302
Fax: 05241 / 82 – 2032
stephan.grimm@gt-net.de 

Quelle: Aktuelle Nachrichten Stadt Gütersloh, 24.7.2009

Forschungsprojekt zur Wittekindshofer Geschichte gestartet

„Die wissenschaftliche Aufarbeitung der Wittekindshofer Geschichte ist auch für unsere zukünftige Entwicklung wichtig. Wenn man in einer Institution weiß, wo man herkommt, ist das ein Maßstab, um zu beurteilen, wo man steht und welche Schritte in Zukunft zu gehen sind\“, meinte Vorstandssprecher Pfarrer Prof. Dr. Dierk Starnitzke anlässlich der Vertragsunterzeichnung am 27. Juli 2009. Vertragspartner und damit wissenschaftlicher Projektleiter ist der Bielefelder Historiker Professor Dr. Hans-Walter Schmuhl, der zusammen mit der Berliner Politikwissenschaftlerin Dr. Ulrike Winkler erstmals zusammenhängende Zeiträume der Geschichte der Diakonischen Stiftung erforschen wird. 2012, wenn im Wittekindshof das125-jährige Bestehen gefeiert wird, sollen diese Studien als Buch vorgelegt werden.

Für Hans-Walter Schmuhl und Ulrike Winkler stellt das Projekt eine reizvolle Herausforderung dar, bei der durchaus viel Neuland wissenschaftlicher Aufarbeitung harrt. „Die Diakonie als tragende Säule des Sozialstaates ist von der Geschichtswissenschaft bisher kaum wahrgenommen worden – hier klafft eine breite Forschungslücke. Umso lohnender ist es, die Geschichte diakonischer Einrichtungen vor dem Hintergrund des Auf- und Ausbaus sozialer Staatlichkeit in Deutschland neu zu erzählen\“, hebt Schmuhl hervor. 

Zwar verfügt die Diakonische Stiftung über ein weitgehend geordnetes Archiv, für das Archivar Rainer Kregel zuständig ist, mit zahlreichen verzeichneten Beständen, einer systematischen wissenschaftlichen Bewertung wurden sie bislang aber noch nicht unterzogen. „Die Vorstandsprotokolle, Urkunden, Verträge und Briefe aus unserem Archiv sind wichtige Quellen. Aber natürlich möchten wir auch erfahren, was in anderen Archiven über den Wittekindshof zu finden ist\“, stellt Professor Starnitzke die Ausgangssituation dar. Es sei ihm wichtig, nicht nur eine Geschichte über Häuser und Leitungspersonen zu erarbeiten: „Unser Ziel ist es, den Alltag der Menschen darzustellen. Die Perspektiven der Menschen mit Behinderungen ist dabei ebenso wichtig wie die teils ganz erheblichen Herausforderungen, die die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu bewältigen hatten\“. Deshalb sollen auch Gespräche mit Zeitzeugen breiten Raum einnehmen: „Sowohl Professor Schmuhl als auch Frau Dr. Winkler haben viel Erfahrung im Umgang mit solchen teilweise sehr persönlichen Fragen und werden sensibel damit umgehen\“, versichert Starnitzke.

Dass Geschichten sozialer Institutionen von über hundertjähriger Dauer, gezeichnet von Notzeiten, zwei Weltkriegen und menschenverachtender Diktatur, wechselvoll verlaufen und durch Brüche gekennzeichnet sind, ist in den Publikationen, die Professor Schmuhl und Dr. Winkler jüngst über kirchliche und diakonische Institutionen veröffentlicht haben, eindringlich offen gelegt worden. „Dass der Wittekindshof sich im Rahmen der Erforschung seiner Geschichte neben manchen guten Entwicklungen auch mit solchen Brüchen und schwierigen Phasen beschäftigen muss, damit rechne ich, aber damit wollen und werden wir angemessen umgehen\“, so Vorstandssprecher Professor Dr. Starnitzke im Hinblick auf zwischenzeitlich in anderen Einrichtungen dokumentierte Geschehnisse in Häusern und Heimen in der frühen Bundesrepublik.

Kontakt
Diakonische Stiftung Wittekindshof
Zur Kirche 2
32549 Bad Oeynhausen
Tel.: 0 5734 / 61 – 0

Quelle: Pressemitteilung Wittekindshof, 28.7.2009

Führungen durch das Stadtarchiv Neckarsulm

Mit dem Umzug in das Gebäude Marktstraße 16 hat das Stadtarchiv Neckarsulm eine neue Heimat gefunden (siehe Bericht vom 19.5.2009). Dort lagert die geschichtliche Überlieferung Neckarsulms und der eingemeindeten Teilorte Dahenfeld und Obereisesheim. Einblick in das Gebäude und in die Arbeit des Stadtarchivs Neckarsulm hat Stadtarchivarin Barbara Löslein seit der Einweihung im Mai 2009 in mehreren gut besuchten Hausführungen gegeben. Da die Juli-Termine bereits ausgebucht sind, wird es zusätzliche Führungen geben am: 29. Juli, 5. August und 9. September 2009 (mittwochs, jeweils um 18 Uhr). Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, wird um Anmeldung gebeten.

Kontakt
Stadtarchiv Neckarsulm
Marktstr. 16
74172 Neckarsulm
Tel.: 07132 / 35 – 331
Fax: 07132 / 3511 – 331
barbara.loeslein@neckarsulm.de

Quelle: Pressemeldung Stadt Neckarsulm, 6.7.2009; Heilbronner Stimme, 26.7.2009

Ausstellung des Stadtarchivs Nürnberg zeigt Pegnitzhochwasser im Spiegel der Jahrhunderte

In Erinnerung an das Jahrhunderthochwasser von 1909 zeigt das Stadtarchiv Nürnberg vom 21. Juli bis 11. Oktober 2009 in der Norishalle die Ausstellung \“…Vom wasser zerissen…" Pegnitzhochwasser im Spiegel der Jahrhunderte. Geöffnet ist die Ausstellung montags und freitags von 8.30 Uhr – 21 Uhr, dienstags von 8.30 Uhr – 18 Uhr, mittwochs und donnerstags von 8.30 Uhr – 17 Uhr und sonntags von 10 Uhr – 17 Uhr. Der Eintritt ist frei. " … Vom wasser zerissen … titelte eine kolorierte Federzeichnung, die quasi als bildhaftes Schadensprotokoll die infolge des Hochwassers 1595 zerstörten Pegnitzbrücken in Mögeldorf dokumentierte. Darstellungen wie diese, aber auch eine umfangreiche schriftliche Überlieferung der reichsstädtischen Verwaltung zu Schäden und deren Behebung, machten das Frühjahrshochwasser 1595 zu einer der bestdokumentierten Fluten bis 1784. Ursache des Hochwassers war, wie so oft in Nürnberg, ein außergewöhnlich kalter und schneereicher Winter, der die Pegnitz zufrieren ließ, sowie anschließendes Tauwetter. Schmelzwasser und mitunter heftige Niederschläge speisten die Pegnitz, die sich dann in einen reißenden Strom verwandelte.

Hochwasser gibt es in Nürnberg, seit sich die Stadt in die Pegnitzniederungen ausgebreitet hat. Über hundert Hochwasserereignisse, darunter 12 schwere Überschwemmungen, lassen sich seit Beginn halbwegs verlässlicher Aufzeichnungen nachweisen. Erstmals lässt sich 1307 ein konkretes Ereignis belegen, während das Hochwasser von 1342 als erste bildliche Darstellung ihren Niederschlag in der Neubauerschen Chronik von 1601/16 gefunden hat. Damals reichte das Wasser zum ersten und einzigen Mal bis ans Rathaus. Als eines der seltenen Sommerereignisse führte es in ganz Mitteleuropa zu Verheerungen und gilt daher als Jahrtausendflut.

Es war der Ausbruch des Vulkans Laki in Island, der mit einem außerordentlich kalten Winter die klimatischen Bedingungen verursachte, die 1784 zu einer weiteren Jahrhundertflut führten. Wie bei anderen Überschwemmungen dieser Kategorie waren neben den Gebäuden in Flussnähe vor allem die Mühlen entlang der Pegnitz sowie Brücken und Stege von der zerstörerischen Kraft des Wassers betroffen.  Der Rat der Stadt sorgte vor, so gut es eben ging. Für den vorbeugenden Hochwasserschutz zeichnete die „Deputation zum Pegnitz- und Rednitzfluß“ verantwortlich, während im konkreten Hochwasserfall die „Deputation zum großen Wasser“ etwa die Bevölkerung alarmierte oder Rettungsaktionen koordinierte. Das größte Hochwasser im 19. Jahrhundert ereignete sich 1849 und übertraf die Marken von 1595 und 1784. Bis zum Schönen Brunnen reichte das Wasser, unterspülte Keller und Gewölbe der Häuser rund um den Hauptmarkt und verdarb große Mengen der Warenbestände anliegender Geschäftsleute. Nur noch mit Booten konnte die Verbindung beider Stadthälften aufrecht erhalten werden.

Nur ein einziges Hochwasser sollte in Nürnberg diese Flut künftig noch übertreffen: die Hochwasserkatastrophe vom 5. Februar 1909. Nach Tauwetter, heftigen Niederschlägen und vorangegangenem starken Frost erreichte der Pegelstand die noch nie da gewesene Höhe von 4,67 Metern. Der Schaden an städtischen Gebäuden und Brücken war immens. Aber auch viele Kaufleute und Gewerbetreibende, die ihr Geschäft im Herzen der Stadt hatten, wurden empfindlich geschädigt. Von Obdachlosigkeit waren vor allem ärmere Leute und Familien betroffen, die in den meist billigen Altstadtquartieren wohnten. Zahlreiche Augenzeugenberichte sind überliefert, die ein farbiges Bild der Chronologie, der bangen Stunden der Ungewissheit sowie von dramatischen Rettungsaktionen zeichnen. Mit dem Projekt einer umfassenden Pegnitzregulierung und einem Hochwasserstollen wurde noch 1909 eine grundsätzliche Lösung des Hochwasserproblems in Angriff genommen. Kriegszeiten und Nachkriegsnot verschleppten jedoch die Ausführung, so dass im Rahmen des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg die Angst vor Hochwasser in der Altstadt noch immer viele Menschen umtrieb. Die Bewährungsprobe der 1962 abgeschlossenen Hochwasserfreilegung steht noch aus.

Info: Veranstaltungen und Veröffentlichungen im Rahmen der Ausstellung: 

Norica 5. Berichte und Themen aus dem Stadtarchiv Nürnberg. Schwerpunktthema: „… Vom wasser zerissen …“. Pegnitzhochwasser im Spiegel der Jahrhunderte, Hg. Stadtarchiv Nürnberg, Nürnberg 2009 (Preis 4,50 Euro).

30. Juli 2009: Führung durch die Ausstellung.
Treffpunkt: Eingangshalle der Norishalle, Marientorgraben 8. Beginn: 18.00 Uhr. Teilnahmegebühr: 2,- €. Für Mitglieder des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg kostenlos. Telefonische Anmeldung unter Tel.: 0911/231-7332.

Gruppenführungen durch die Ausstellung innerhalb der Öffnungszeiten auf Anfrage Teilnahmegebühr pro Person 2,- €, bei Schulklassen pro Schüler 1,- € . elefonische Anmeldung unter Tel.: 0911/231-5486.

10. November 2009: „Zwischen gottgewollt und ratio“ – Die Nürnberger Jahrhundertflut 1784.
Vortrag mit Lichtbildern von Prof. Dr. Georg Seiderer, Erlangen. Veranstaltungsort: Nürnberger Akademie, Gewerbemuseumsplatz 2, Fabersaal (E.14).  Beginn 19.45 Uhr. Eintritt 5,50 €, für Mitglieder des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg gegen Vorlage des Mitgliedsausweises kostenlos. (Der Vortrag wird im diesjährigen Band der Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg, der im Dezember 2009 erscheinen wird, abgedruckt).

Kontakt
Stadtarchiv Nürnberg
Marientorgraben 8
90402 Nürnberg
Tel.: 0911 / 231 – 2770 und – 2771
Fax: 0911 / 231 – 4091
stadtarchiv@stadt.nuernberg.de

Quelle: Aktuelles Stadtarchiv Nürnberg, 22.7.2009

Israelischer Gesandter besucht ITS-Archiv

Der Gesandte des Staates Israel, Ilan Mor, hat sich am 20. Juli 2009 bei einem dreistündigen Besuch ein Bild von der Arbeit des Internationalen Suchdienstes (ITS) in Bad Arolsen und den Beständen des Archivs gemacht. „Ich hätte es mir nie verziehen, wenn ich vor meiner Rückkehr nach Israel nicht noch einmal hergekommen wäre“, sagte Mor. Der israelische Gesandte besichtigte Archivräume des Internationalen Suchdienstes mit Millionen von Dokumenten zur NS-Verfolgung. Zudem führte Mor Gespräche mit ITS-Archivleiter Udo Jost und Historikerin Susanne Urban über die Aufgaben der Einrichtung und die Entwicklung des Archivs seit der Öffnung für die Forschung. „Hinter jedem Blatt Papier in diesem Archiv steckt die Geschichte eines Menschen. Diese muss bewahrt werden für die nachfolgenden Generationen“, betonte Mor. 

Dem Internationalen Suchdienst käme eine besondere Rolle im Hinblick auf die Bildungs- und Erinnerungsarbeit zu. „Da sich das Archiv insbesondere mit den Schicksalen der Opfer befasst, verdeutlicht es die Bedeutung demokratischer Grundwerte und der Würde des Menschen für unser Zusammenleben. Die Geschichte der Shoah ist Teil der Erinnerungskultur der Menschheit“, so Mor. Israel sei als Mitglied das Internationalen Ausschusses, der die Arbeit des ITS kontrolliert, ein Partner der Einrichtung. Die Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem erhält digitale Kopien sämtlicher Dokumente im Archiv des ITS und beteiligt sich an der Debatte über die Zukunft der Einrichtung. 

Neben dem offiziellen Teil nutzte der israelische Gesandte die Gelegenheit, auch Dokumente zu seiner Familie einzusehen. „Ich habe in der Zentralen Namenkartei einen Hinweis auf meinen Vater gefunden“, berichtete Mor. „Allein deshalb hat sich der Besuch schon gelohnt. Jeder Israeli sollte einmal hier gewesen sein.“ Viele Fragen zur Shoah seien unbeantwortet geblieben, da die Opfer häufig nicht in der Lage gewesen seien, über ihre Erlebnisse zu sprechen. „In diesem Archiv finden sich die Mosaiksteine, die das Wissen um die Geschichte der eigenen Familie vervollständigen können. Jeder Beleg und jede Klarheit ist wertvoll.“

Kontakt
Internationaler Suchdienst (ITS)
Große Allee 5 – 9
34454 Bad Arolsen
Tel.: 05691 / 629 – 0
Fax: 05691 / 629 – 501 
email@its-arolsen.org

Quelle: Pressemeldung Internationaler Suchdienst (ITS), 20.7.2009

Ausstellung über Geraubte Bücher jetzt im Hamburger Staatsarchiv

Am 20. Juli hat sich das Attentat auf Adolf Hitler zum 65. Mal gejährt. Das Staatsarchiv Hamburg hat dieses Datum zum Anlass genommen, um mit einer ganz besonderen Ausstellung auf ein weit weniger beachtetes Kapitel des menschenverachtenden NS-Regimes hinzuweisen: Es zeigt in den Räumen an der Kattunbleiche in Wandsbek die von der Staats- und Universitätsbibliothek Carl von Ossietzky konzipierte Ausstellung „Geraubte Bücher“. Millionen Menschen wurden während des Dritten Reichs verfolgt, deportiert, ermordet – und letztendlich auch enteignet. Dabei handelte es sich nicht nur um den Raub von Vermögen, Immobilien oder gar Kunst, sondern beispielsweise auch um Bücher, die den Bibliotheken von der Gestapo oder der Reichsaustauschstelle in Berlin zugewiesen oder über den Antiquariatshandel erworben wurden.

Seit der 1999 veröffentlichten „Erklärung der Bundesregierung, der Länder und der kommunalen Spitzenverbände zur Auffindung und zur Rückgabe NS-verfolgsbedingt entzogenen Kulturgutes, insbesondere aus jüdischem Besitz“, haben Bibliothekare der Staats- und Universitätsbibliothek in Hamburg ihre Bestände überprüft und in den Akten des Staatsarchivs Hamburg eingehend nach solchen Zugängen recherchiert, um sie zu dokumentieren und – wenn möglich – an die rechtmäßigen Eigentümern oder ihre Erben zurückzugeben. Anhand von Unterlagen aus den Beständen des Staatsarchivs und der Staats- und Universitätsbibliothek aus dem Besitz von Marie May Reiss, die 1942 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet wurde, zeichnet die Ausstellung das Schicksal der während des Nationalsozialismus entrechteten und ermordeten Hamburgerin nach, stellvertretend für Millionen anderer Opfer. Die Ausstellung ist vom 20. Juli bis 28. August 2009 im Foyer des Staatsarchivs a montags bis freitags von 9-16 Uhr, und mittwochs von 9 bis 18 Uhr zu besichtigen. Der Eintritt ist frei.

Kontakt
Staatsarchiv Hamburg
Kattunbleiche 19 
22041 Hamburg 
Tel.: 040 / 428 31 – 3200 
poststelle@staatsarchiv.hamburg.de 

Quelle: Pressemeldung Stadt Hamburg, 23.7.2009