Warum muss ein Walzenschrämlader ins Netz?

Podiumsgespräch zu Bewahren und Vermitteln des Steinkohlenerbes

Das Montanhistorische Dokumentationszentrum (montan.dok) am Deutschen Bergbau-Museum Bochum (DBM) lädt am 16. November um 18.30 Uhr zu einem öffentlichen Podiumsgespräch ein: Gemeinsam mit Bärbel Bergerhoff-Wodopia, RAG-Stiftung, und Prof. Dr. Dr. Franz-Josef Brüggemeier, Universität Freiburg, geht Dr. Michael Farrenkopf, Leiter des montan.dok, unter anderem der Frage nach, ob bergbauliches Kulturerbe nur im Museum zu bewahren ist. „Bergbauerbe 2.0 – oder: Warum muss ein Walzenschrämlader ins Netz?“ findet im Studierendenzentrum der Technischen Hochschule Georg Agricola in Bochum statt.

Mit dem Auslaufen der Steinkohlenförderung in Deutschland Ende 2018 sehen sich nicht nur Industrie und Wirtschaft vor Veränderungen gestellt. Auch Kulturinstitutionen, die bergbauliches Erbe bewahren, werden mit neuen Fragestellungen konfrontiert. Wie bewahrt, erforscht und vermittelt man zukünftig ein Bergbauerbe, in diesem speziellen Fall das des Steinkohlenbergbaus? Wie bietet man in diesem Zuge einer breiten Öffentlichkeit eine Forschungsinfrastruktur an – mitunter auch auf virtuellem Wege?

Diese Fragen beschäftigen das montan.dok in seiner täglichen Arbeit: im Bergbau-Archiv Bochum, der Bibliothek/Fotothek und den Musealen Sammlungen des DBM sammelt und archiviert es die entsprechenden Bestände und ist mit dem Ausstieg aus der deutschen Steinkohlenförderung im Jahr 2018 vor neue Herausforderungen des Bewahrens gestellt. Zudem gehört das montan.dok zur sogenannten Forschungsinfrastruktur des Leibniz-Forschungsmuseums und ist für Wissenschaftler der unterschiedlichsten Disziplinen ebenso Anlaufstelle, wie für Bürgerforscher, Journalisten und letztlich auch die Kollegen aus dem eigenen Haus. Das montan.dok ermöglicht also Forschung – und forscht selbst.

Um diese Forschungsergebnisse einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen, sind auch hier neue Herangehensweisen notwendig: Wie vermittelt man Forschungsinhalte zeitgemäß, wissenschaftlich fundiert und zielgruppenübergreifend, mitunter an Generationen, die Bergbau nur noch aus Erzählungen oder von Abbildungen kennen? Wie macht man also Technik- und Sozialgeschichte erzähl- bzw. greifbar, auch ohne einen Besuch im Museum?

Eine mögliche Antwort gibt die Website, die im Rahmen des Podiumsgesprächs präsentiert wird: www.bergbau-sammlungen.de. Sie ist das Resultat aus dem Forschungsprojekt „Getrenntes Bewahren – Gemeinsame Verantwortung“ des montan.dok, das jetzt in „montan.dok 21″ weitergeführt und intensiviert wird.

Weitere Antworten gilt es im Zuge der knapp einstündigen Podiumsveranstaltung zu finden, in der sich mit Bärbel Bergerhoff-Wodopia, Vorstandsmitglied der RAG-Stiftung, Prof. Dr. Dr. Franz-Josef Brüggemeier, Professor für Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Universität Freiburg, und Dr. Michael Farrenkopf, Leiter des montan.dok, Vertreter von Wirtschaft, Kultur und Forschung zusammenfinden.

Info:
Studierendenzentrum der Technischen Hochschule Georg Agricola
Herner Str. 45
44787 Bochum
www.thga.de/anfahrt

Der Eintritt ist frei, das Platzkontingent jedoch begrenzt. Um Anmeldung wird daher bis zum 14. November per Mail gebeten an: sabine.niggemann@bergbaumuseum.de

Dauer der Veranstaltung: ca. 50 Minuten

Preis für Berlin-Brandenburgische Wirtschaftsgeschichte 2017

Preisverleihung unter der Schirmherrschaft von Klaus Wowereit im Rahmen des Abends zur Industriekultur der Bötzow-Brauerei

Der diesjährige Wettbewerb um den Preis für Berlin-Brandenburgische Wirtschaftsgeschichte ist entschieden. Klaus Wowereit, ehemaliger Regierender Bürgermeister von Berlin, wird die Gewinnerin des Preises beglückwünschen.

Die preisgekrönte Arbeit ist die im Studiengang Europäische Kulturgeschichte (Kulturwissenschaftliche Fakultät) der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) von Anna Rosemann vorgelegte Masterarbeit mit dem Titel „Zander & Labisch (1895-1939) – Eine Fotoagentur zwischen Moderneentwicklung und NS-Kulturpolitik“.

Die Preisträgerin wurde aus zahlreichen Bewerbungen ausgewählt und mit 500 Euro Preisgeld ausgezeichnet, das vom Verein Berliner Kaufleute und Industrieller e.V. dotiert wurde. Die Arbeit wird in geeigneter Form veröffentlicht. Stellvertretend für die Jury hält Prof. Dr. Dorothee Haffner (HTW Berlin) die Laudatio.

Der Wettbewerb richtet sich an Studierende, die mit ihren Abschlussarbeiten den Erkenntnis- und Wissenstand auf dem Gebiet der regionalen Wirtschaftsgeschichte Berlin-Brandenburgs vertiefen und bereichern. Damit tragen die Absolventen ihren Teil dazu bei, den wirtschaftlichen Aspekten bei der Erforschung und Darstellung der Berlin-Brandenburgischen Geschichte einen größeren Stellenwert zu geben und die Wirtschaftsgeschichte als Disziplin im Rahmen der Geschichts- als auch der Wirtschaftswissenschaften zu stärken. „Diesem Anspruch haben sich alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer an diesem Wettbewerb gestellt und mit ihren eingereichten Beiträgen ihren spezifischen Teil der Vergangenheit erschlossen und damit auch einen Beitrag dafür geleistet, wie wir die Zukunft gestalten“, so die Jury.

Abend zur Industriekultur der Bötzow-Bauerei

Im Anschluss geht es beim 18. Industriekulturabend in einem Gespräch zwischen Hans Georg Näder, Ottobock, und Joseph Hoppe, Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin, um Ottobocks Masterplan 2020. Dieser setzt die Idee von Julius Bötzows Fabrikgestaltung zeitgemäß und mit großem Respekt vor dem Denkmal um. Im Fokus steht ein verantwortungsvolles Miteinander von kultureller und gewerblicher Nutzung: So entstehen neben Appartements auch Geschäfte, Büros und Kulturangebote. Das Gespräch soll die besonderen Herausforderungen und Hürden bei der Nachnutzung von Denkmälern der Industriekultur herausstellen sowie Fragen des Denkmalschutzes und eines möglichen „Genius loci“ problematisieren. Was reizt an den Zeugen der Industrialisierung?

Das Unternehmen Ottobock wird neben seiner Kreativfabrik 2018 zentrale Unternehmensbereiche wie Finance, Compliance, Digital Marketing und Corporate Communications auf dem Gelände ansiedeln. Damit erfindet sich fast 100 Jahre nach der Gründung in Berlin das Medizintechnikunternehmen Ottobock neu und erweckt das Areal der ehemaligen Bötzow-Brauerei zu neuem Leben. Mit dem Ziel, Weltkriegsversehrte dank moderner Prothesen und orthopädischer Hilfsmittel zu versorgen, gründete der Orthopädiemechaniker Otto Bock 1919 in Kreuzberg die Orthopädische Industrie GmbH.

Datum und Veranstaltungsort:
10. November 2017,
18.00 Uhr im Kleinen Vortragssaal des Ludwig-Erhard-Hauses in der Fasanenstraße 85, 10623 Berlin

Programm:
Grußwort Klaus Wowereit
Preisverleihung 2017 an Anna Rosemann von der Europa-Universität Viadrina, Frankfurt (Oder)
anschließend: Abend zur Industriekultur der Bötzow-Brauerei
Ausklang mit Imbiss und Getränken

Quelle: Berlin-Brandenburgisches Wirtschaftsarchiv e.V., Pressemitteilung, 1.11.2017

Archivpflege in Westfalen-Lippe 87/2017

Fotos und Filme in Archiven

Das 87. Heft der Archivpflege in Westfalen-Lippe enthält, wie Marcus Stumpf, der Leiter des LWL-Archivamtes für Westfalen, in seinem Vorwort der jetzt erschienenen Ausgabe vorstellt, die Beiträge und Berichte vom diesjährigen Westfälischen Archivtags in Hamm. Dieser war mit fast 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Westfalen und dem gesamten Bundesgebiet der bestbesuchte in der Geschichte der Westfälischen Archivtage. Als Grund für den Erfolg gilt das gewählte Archivtagsthema: „Schaust Du noch oder archivierst Du schon? Fotos und Filme in Archiven“.

Neben den Referaten des Archivtags bietet Heft 87/2017 der Archivpflege in Westfalen-Lippe auch diesmal eine aus der archivischen Bewertungspraxis und Aktenautopsie geschöpfte Handreichung des Arbeitskreises Bewertung kommunalen Schriftguts NRW zur Bewertung von Unterlagen kommunaler Rechtsämter (S. 48f.).

Daneben gibt es einen Kurzbericht über die Entwicklungsfortschritte der Langzeitarchivierungslösung DiPS.kommunal und einen anschauliche Beitrag über eine Notfallübung der Archive im Kreis Olpe.

Inhaltsverzeichnis Archivpflege in Westfalen-Lippe 87 | 2017

69. Westfälischer Archivtag in Hamm
– Gunnar Teske: 69. Westfälischer Archivtag am 14. und 15. März 2017 in Hamm
– Markus Köster: „Durch das schöne Westfalen“ – Stadt- und Landschaftsfilme der 1910er bis 1970er-Jahre als kulturhistorische Quellen
– Johannes Kistenich-Zerfaß: Bilder und Töne bewahren – Ein Positionspapier zur Bestandserhaltung
– Nils Brübach: Zur archivischen Erschließung von Filmen und Fotos mit Normdaten
– Frank Schlegel: Die Chancen audiovisueller Archivquellen in Schule und Medienbildung

DISKUSSIONSFOREN
– Claudia Becker: Fleißig fotografiert – 20.000 plus X. Walter Nies und sein Lebenswerk im Stadtarchiv Lippstadt
– Josef Wermert: Der Filmbestand des Stadtarchivs Olpe im LWL-Medienzentrum für Westfalen in Münster
– Ralf Springer: Archivierung und Nutzbarmachung von Film und Ton. Das Kooperationsmodell des LWL Medienzentrums für Westfalen
– Paul Klimpel und Fabian Rack: Was gemeinfrei ist, muss gemeinfrei bleiben. Über die Unzulässigkeit einer vertraglichen Verlängerung urheberrechtlicher Monopolrechte durch öffentliche Archive
– Tatjana Klein: Soziale Netzwerke: mehr als posten, twittern und bloggen? Möglichkeiten und Chancen bei der Erschließung und Präsentation von Fotos

Weitere Beiträge
– Arbeitskreis Bewertung kommunalen Schriftguts NRW: Handreichung zur Bewertung von Unterlagen kommunaler Rechtsämter
– DiPS.kommunal – Erste Kunden produktiv
– FaMI und LISE – ein Azubi-Projekt zur Massenentsäuerung
– Umfrage zur Massenentsäuerung auf dem Westfälischen Archivtag in Hamm
– Wasser im Archiv – was ist zu tun? Notfallübung der AG Kommunalarchivare des Kreises Olpe
– Tagung „Das kollektive Gedächtnis des NRW-Sports bewahren“
– „Offene Archive“ in Duisburg: Offenheit, Innovation, Vernetzung, Kommunikation
– Archivwissenschaftliches Kolloquium diskutiert Rechtsfragen
– Übermittlung und Aufbewahrung von Schüler- und Lehrerdaten bei Schließung von Schulen
– Der StadtArchivVerein Garbsen e.V., gegründet 1998
– Bücher
– Info

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Neuer Lesesaal macht Kreisarchiv Warendorf nutzerfreundlicher

Schier endlose Regalwände von Akten in einem düsteren Keller mit kalten Mauern – so stellen sich viele ein Archiv immer noch vor. Dass ein modernes Archiv eine angenehme Arbeitsatmosphäre bieten kann, zeigt der neugestaltete Benutzerraum des Kreisarchivs Warendorf. Nach mehrwöchigem Umbau präsentierte er sich jetzt der Öffentlichkeit. Er ist deutlich nutzerfreundlicher geworden: An diversen PC- und Laptoparbeitsplätzen können nun die Datenbanken des Kreisarchivs recherchiert werden. An der neuen Benutzertheke erhalten Archivbesucher Auskünfte zu ihren Fragen und zu den Beständen des Kreisarchivs.

Eröffneten den neuen Lesesaal des Kreisarchivs: (hinten v.r.n.l.): Kreisdirektor Dr. Stefan Funke, Personaldezernentin Petra Schreier, Dr. Linus Tepe (Leiter Haupt- und Personalamt), Hendrik Borgstedt (Leiter Hochbau und Liegenschaften) und Dr. Knut Langewand (Leiter Kreisarchiv). Im Vordergrund Victoria Wegener und Ludger Pohlplatz vom Archivteam. – (Foto: Kreis Warendorf).

„Neben einem Magazin ist der Lesesaal immer das Herzstück eines Archivs“, erklärt Archivleiter Dr. Knut Langewand. „Hier findet der Kontakt mit unseren zahlreichen Besucherinnen und Besuchern statt.“ Die Arbeit mit Archivalien erfolgt ebenso im Lesesaal wie die Einsichtnahme in Findbücher, Zeitschriften und Bücher aus der Archivbibliothek. Neben den insgesamt etwa drei Kilometern Archivmaterialien aus der Zeit vom Jahr 1238 bis heute hält das Kreisarchiv als größte geschichtswissenschaftliche Einrichtung im Kreis Warendorf rund 30.000 Bücher bereit.

Der Lesesaal ist für alle Interessierten montags bis freitags von 8 bis 12 Uhr und donnerstags bis 16 Uhr geöffnet.

Kontakt:
Kreisarchiv Warendorf
Waldenburger Straße 2
48231 Warendorf
Telefon: 02581/53-1040
Fax: 02581/53-1041
kreisarchiv@kreis-warendorf.de

Quelle: Kreis Warendorf, Pressemitteilung, 24.10.2017

Themenwochen „Reformationsjubiläum 1917“

Blog „1914-1918: Ein rheinisches Tagebuch“ nimmt die Resonanz der Feierlichkeiten während des Ersten Weltkriegs in den Blick

Die in diesem Jahr bundesweit mit zahlreichen Veranstaltungen begangene und medial intensiv aufbereitete Erinnerung an Luthers Thesenanschlag am 31. Oktober 1517 und die damit beginnende Reformation hat viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen und große Teile der Gesellschaft erreicht.

Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland, Düsseldorfer Sonntagsblatt,
kirchlicher Anzeiger der evangelischen Gemeinden zu Düsseldorf,
Nr. 43, S. 515, 28. Oktober 1917.

Doch wie präsent war dieses Reformationsjubiläum den Menschen von 1917, deren Leben stark von einem bereits drei Jahre dauernden Krieg bestimmt war? Wurde das 400-jährige Jubiläum mit den Mitteln der Zeit ebenso intensiv diskutiert wie das gerade stattfindende 500-jährige Festjahr? Waren die Reformation und ihre Auswirkungen ein Thema, das die Menschen 1917 erreichte und bewegte?

Um Anhaltspunkte zur Beantwortung dieser Fragen zu finden, sind die am Gemeinschaftsblog „1914-1918: Ein rheinisches Tagebuch“ beteiligten Archive aufgerufen, in den kommenden Wochen vom 23.10. bis 10.11.2017 Quellen zu veröffentlichen, die das Reformationsjubiläum thematisieren. Einige Fundstücke wurden außer vom naheliegenden Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland bereits von den Stadtarchiven Troisdorf und Ratingen angekündigt. Ob der Chronist Willi Spatz in seinen vom Stadtarchiv Düsseldorf veröffentlichten Tagebüchern oder die im Blog stark vertretene „Bergische Arbeiterstimme“ des Stadtarchivs Solingen das Thema „Reformation“ aufgreifen, kann man bei einem Besuch des Blogs selbst recherchieren.

Die Blogbetreiber laden ein: „Teilen Sie Ihre Fundstücke doch anschließend unter dem Hashtag #400JahreReformation in den sozialen Netzwerken und unterstützen Sie das Blogprojekt https://archivewk1.hypotheses.org/!“

Stadtarchiv Wasserburg gibt Wandkalender für 2018 heraus

Als Stadtführer und Hauptamtsleiter der Stadtverwaltung Thomas Rothmaier im Archiv nach historischen Stadtansichten suchen wollte, um diese im Vergleich zum heutigen Straßenbild in seine Stadtführungen einzubinden, erinnerte dies den Wasserburger Stadtarchivar Matthias Haupt wieder einmal daran, dass es doch schön wäre, aus dem reichen Fundus des Bildarchivs zu schöpfen und einen Jahreskalender zu machen. Kurzerhand schlossen die beiden sich zusammen, teilten zwölf Monate auf je sechs ausgewählte Geschichten auf, suchten die passenden historischen Fotos, recherchierten, erklärten und dokumentierten das, was einmal war und nun zu sehen ist. Thomas Rothmaier, der sich ehrenamtlich in das Projekt einbrachte, kümmerte sich zudem um die Erstellung aktueller Vergleichsfotos. Museumsleiterin Sonja Fehler übernahm Satz und Gestaltung des Kalenders, der nun – noch rechtzeitig vor Weihnachten – der Öffentlichkeit vorgestellt werden kann.

Im Stadtbildkalender 2018 werden historische Fotos mit dem heutigen Erscheinungsbild verglichen.
Foto links: Stadtarchiv Wasserburg/Bildarchiv. Foto rechts: Thomas Rothmaier.

Auch die Stadt Wasserburg, von der es heißt, dass sie ihr historisches Antlitz bis heute erhalten hat, unterliegt fortwährenden baulichen, infrastrukturellen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Veränderungen. Die für den Wandkalender 2018 ausgewählten Fotos aus dem Bestand des Stadtarchivs erlauben Einblicke in das frühere Stadtbild. Sie zeigen Ansichten vertrauter Orte, die dem ortskundigen Betrachter unter Umständen dennoch fremd erscheinen. Vergleiche mit dem heutigen Erscheinungsbild verdeutlichen, wie Häuser und Straßenzüge Wasserburgs sich veränderten. Kurze Texte zu den Bildern erklären die jeweilige Entwicklung. Der Kalender soll keine dokumentarische oder denkmalpflegerische Darstellung sein, da er weder den Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, noch die Veränderungen bewerten möchte. Für die einen mag er jedoch Anlass sein, sich an das frühere Aussehen ihrer Heimatstadt zu erinnern. Für die anderen bietet er eine Gelegenheit, etwas über die Entwicklung Wasserburgs zu erfahren.

Erscheinungstermin/Vorstellung/Bibliografische Information:
Der Kalender wird ab 25. Oktober im Wasserburger Buchhandel, Stadtarchiv, Museum und in der Gästeinfo zum Preis von 9,90€ erhältlich sein.
Eine öffentliche Vorstellung des Projekts durch die Autoren findet mit einer kleinen Auswahl der Geschichten am 8. November 2017, um 19.30 Uhr, im Stadtarchiv Wasserburg, Kellerstraße 10, statt.

Info:
Alles beim Alten?
Wasserburger Stadtbildkalender 2018
Herausgeber: Stadt Wasserburg a. Inn/Stadtarchiv
Idee, Bildauswahl, Recherche und Texte: Thomas Rothmaier und Matthias Haupt
Kalendergestaltung/Satz: Sonja Fehler
Veröffentlichungen des Stadtarchivs
Wasserburg a. Inn, Nr. 5
Eigenverlag der Stadt Wasserburg a. Inn,
Wasserburg 2017
ISBN 978-3-947027-00-2
9,90€.

Graz übergibt historische Kanalpläne an Dresden

Der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl übergab einer hochrangigen Delegation aus Dresden am 10.10.2017 über 100 Jahre alte Kanalpläne der ostdeutschen Stadt, die im Stadtarchiv Graz aufbewahrt wurden.

Anfang des 20. Jahrhunderts war das Stadtarchiv Dresdner das größte seiner Art in ganz Deutschland. Viele internationale Städte – so auch Graz – bedienten sich der Expertise der Dresdner Bauingenieure, um Markthallen und ähnliche Gebäude zu planen. Das Interesse aus Graz bezog sich um 1900 vor allem auf die Kanalpläne der ostdeutschen Metropole, war das Kanalsystem in Graz doch zu dieser Zeit erst in Planung. Von einer Dienstreise nach Deutschland brachten Grazer Beamte dann ausführliche Pläne mit in die Heimat.

Abb.: Freude über den Austausch – sowohl in Graz, als auch in Dresden. (© Stadt Graz/Fischer)

Heute, rund 115 Jahre später, wurden diese angefertigten Duplikate wieder in den Besitz der Stadt Dresden zurückgegeben. Es sind mittlerweile die einzigen Anfertigungen dieser Pläne, da das Dresdner Bauarchiv zum Ende des 2. Weltkriegs fast zur Gänze bombenzerstört wurde.

Stärkeren Austausch zwischen Stadtarchiven forcieren
Ein Schicksal, das Bürgermeister Siegfried Nagl gut nachempfinden konnte: „Auch in Graz sind einige Bausteine der Stadtgeschichte verloren gegangen. Bei uns war es nicht der Krieg, sondern vielmehr ein Hochwasser der Mur, die einige im Rathauskeller gelagerte Pläne zerstört hat. Darum freut es mich sehr, dass wir einen Teil der verlorenen geglaubten Pläne heute überreichen dürfen.“ Einen letzten Blick auf die Pläne warfen unter anderem auch noch Magistratsdirektor Martin Haidvogl, Holding Vorstand Gert Heigl, Kulturamtsleiter Peter Grabensberger, Otto Hochreiter (Behördenleiter Stadtarchiv) und Wolfram Dornik (operative Leitung Stadtarchiv).

Die zweite Bürgermeisterin von Dresden, Annekatrin Klepsch, bedankte sich herzlich für die Ergänzung des Stadtarchivs: „Wir freuen uns sehr, die Pläne wieder nach Hause mitnehmen zu dürfen. Das ist eine sehr tolle Nachricht für unser Stadtarchiv!“

Der Leiter des Dresdner Stadtarchivs, Thomas Kübler, schloss sich Klepsch an: „Wir wollen diesen Tag in der internationalen Archivwelt publik machen. Es ist kein Einzelfall, dass ein Austausch zwischen Städten stattgefunden hat und Pläne aus anderen Regionen in Archiven aufliegen. Vielleicht können wir hiermit ein Vorbild sein und weitere Übergaben in die Wege leiten.“

Abschließend meinte Bürgermeister Nagl noch mit einem Augenzwinkern: „Das ist ja eigentlich das Mindeste, was wir für euch tun können. Schließlich wäre ohne das funktionierende Kanalsystem aus Dresden bei uns touristisch schon alleine aufgrund des Geruchs gar nichts los.“

Kontakt:
Stadtarchiv Graz
Schiffgasse 4
8020 Graz
Tel.: +43 316 872-7620
stadtarchiv@stadt.graz.at

Stadtarchiv Dresden
Elisabeth-Boer-Straße 1
01099 Dresden
Tel.: 0351-4881515
Fax 0351-4881503
stadtarchiv@dresden.de

Quelle: Roman Sommersacher/Stadt Graz, Pressemitteilung, 10.10.2017

Verbrannt? Luther, Herzog Georg und die Bannandrohungsbulle

Eine Ausstellung des Sächsischen Staatsarchivs zum 500. Reformationsjubiläum

Die Verbrennung der päpstlichen Bannandrohungsbulle, die Martin Luther am 10. Dezember 1520 als Zeichen seiner Abwendung von Rom vollzog, gehört zu den »Ikonen« der Reformationsgeschichte. Wie der Thesenanschlag und das Bekenntnis auf dem Wormser Reichstag prägte die Szene das Bild vom heldenhaften Reformator. Der Gegenstand von Luthers Zorn kann jetzt besichtigt werden: Eines der drei erhaltenen handschriftlichen Originale der Urkunde, mit der Leo X. (1475–1521) den Reformator zum Widerruf seiner Lehren aufforderte, steht im Fokus einer Ausstellung, die das Hauptstaatsarchiv Dresden noch bis zum 11. Januar 2018 veranstaltet.

Luthers Widerstand gegen die päpstliche Bannandrohung markiert den Höhepunkt einer Entwicklung, die mit den 95 Ablassthesen begann und unumkehrbar wurde, als der Reformator während der Leipziger Disputation im Sommer 1519 offen die päpstliche Machtvollkommenheit in Frage stellte. Damit waren auch im albertinischen Sachsen die Würfel gefallen. Herzog Georg der Bärtige (1471-1539), der Schirmherr der Disputation, der Luthers Bemühen um kirchliche Reformen zunächst begrüßt hatte, wandelte sich nun zu einem der entschiedensten Gegner der Reformation. In seiner Korrespondenz mit dem Reformator spiegelt sich der harte Konflikt zwischen dem alten Glauben und dem neuen evangelischen Bekenntnis.

Die Ausstellung zeigt das Dresdner Original der päpstlichen Bannandrohungsbulle erstmals in seinem historischen Überlieferungszusammenhang. Zu sehen sind dabei bedeutende Zeugnisse aus der Kanzlei Georgs von Sachsen, die neben der Bulle selbst zu den größten Schätzen des Sächsischen Staatsarchivs gehören. Dazu gehören eigenhändige Briefe, die der theologisch gebildete Herzog an Luther schrieb, und die eigenhändigen, oft wenig respektvollen Repliken aus der Feder des Reformators.  Zu den besonderen Höhepunkten der Schau gehört ein neuentdecktes Unikat eines zeitgenössischen Plakatdrucks der Bannandrohungsbulle. Natürlich kann man auch er­fahren, was genau eigentlich Luther den Flammen übergab, und warum der Verbrennungsakt so viel Aufsehen erregte …

Veranstaltungsort:
Hauptstaatsarchiv Dresden, 01097 Dresden, Archivstraße 14.
Der Eingang zur Ausstellung befindet sich an der Albertstraße.
Verkehrsverbindungen: Mit Straßenbahn Linien 3, 7, 8 bis Haltestelle Carolaplatz.
Öffnungszeiten: Mo, Mi 8.30 – 18.00 Uhr, Di, Do 8.30 – 16.00 Uhr, Fr, Sa, So geschlossen.
Der Eintritt ist frei.

Zur Ausstellung gibt es ein umfangreiches Begleitprogramm:
Vorträge
Do., 26.10.2017, 17:00 Uhr
Prof. Dr. Enno Bünz, Leipzig/Dresden
Sachsens Ruf als Mutterland der Reformation

Di., 07.11.2017, 17:30 [!] Uhr
In Kooperation mit dem Verein für sächsische Landesgeschichte:
Dr. Rainer Grund (Staatliche Kunstsammlungen Dresden)
Luther und die Reformation im Spiegel von Münzen und Medaillen

Do., 16.11.2017, 17:00 Uhr
Dr. Hartmut Kühne, Berlin
Der sagenhafte Tetzel

Di., 28.11.2017, 17:00 Uhr
Prof. Dr. Armin Kohnle, Leipzig
Luther und die Leipziger Disputation

Do., 11.01.2018, 17:00 Uhr
Priv.-Doz. Dr. Christoph Volkmar, Magdeburg/Leipzig
Luther als Hussit. Herzog Georgs Sicht auf den Wittenberger Reformator und die Folgen

Führungen
Jeweils Montags, 16:00 Uhr (Treffpunkt im Foyer, Eingang Albertstraße).

Für Gruppen (5-20 Personen) sind individuelle Termine (Mo–Fr zwischen 10:00 Uhr und 19:00 Uhr) zu vereinbaren.
Eintritt und Teilnahme sind kostenlos. Dauer 45–60 Minuten. Gruppen werden um Voranmeldung gebeten
(Tel.: 0351/89219-940, E-Mail: poststelle-d@sta.smi.sachsen.de).

Die Bannandrohungsbulle – Höhepunkt von Luthers »römischem Prozess«
Die Bannandrohungsbulle vom 15. Juni 1520 markiert den Höhepunkt des Verfahrens, das Luthers Gegner vor dem päpstlichen Gericht angestoßen hatten. Dessen Hintergrund bildeten die 95 Thesen, die der Reformator am 31. Oktober 1517 aus Wittenberg an mitteldeutsche Bischöfe versendet hatte. Wegen seiner Kritik an der Ablasspredigt des Dominikaners Johann Tetzel (um 1465-1519) wurde Luther von Tetzels Dienstherrn, Erzbischof Albrecht von Mainz und Magdeburg (1490-1545), bei Papst Leo X. (1475-1521) angezeigt. Dieser lud den Reformator am 23. August 1518 nach Rom vor. Der Schutz des sächsischen Kurfürsten Friedrich des Weisen (1463-1525) und die für Leo ungünstige politische Situation verhinderten die Durchsetzung des päpstlichen Befehls.

Nach dem Auftritt Luthers auf der Leipziger Disputation im Sommer 1519 wurde das kirchliche Verfahren wieder aufgenommen und unter Mitwirkung des Ingolstädter Theologieprofessors Johannes Eck (1486-1543) vorangetrieben. Am 15. Juni 1520 verabschiedeten der Papst und einige Kardinäle den Text der Bannandrohungsbulle, die 41 Lehrsätze Luthers als ketzerisch erklärt und ihren Verfasser mit der Exkommunikation bedroht. Eck und der römische Kardinal Hieronymus Aleander (1480-1542) brachten das Dokument nach Deutschland. Schon im August 1520 wusste der Reformator davon.

Mit der inszenierten Verbrennung eines Drucks der Bannandrohungsbulle – zusammen mit einem Exemplar des päpstlichen Rechts – vollzog Luther am 10. Dezember 1520 den Bruch mit der römischen Kirche. Die Symbolik des Akts vor den Wittenberger Elstertor war hoch aufgeladen: Wer die Schriften seiner Gegner dem Feuer übergab, erklärte sie zur Irrlehre. Dies galt als drastisches Mittel gelehrter Auseinandersetzung, aber auch als Strafe für Ketzer. Wittenberger Studenten hatten im März 1518 die Thesen des Ablasspredigers Johann Tetzel in den Scheiterhaufen geworfen, und Luthers eigene Werke waren auf der Grundlage der Bannandrohungsbulle wenige Tage zuvor von Kardinal Aleander in Mainz und Köln verbrannt worden. Hierauf wendete der Reformator diese Waffe gegen den Papst selbst. Als Leo X. am 3. Januar 1521 mit der Bulle »Decet Romanum Pontificem« vom 3. Januar 1521 antwortete, war Luther auch förmlich gebannt

LinkDie Bannandrohungsbulle »Exsurge Domine« gegen Martin Luther vom 15. Juni 1520 [Download,*.pdf, 0,14 MB]

Verbrannt? Das Dresdner Original der Bannandrohungsbulle
Massenhaft verbreitet wurde die Bannandrohungsbulle in Form von Drucken. Eck und Aleander brachten sie schon aus Rom mit. Binnen kurzer Zeit wurde der Text auch in Deutschland in mehr als 20 Ausgaben in lateinischer und deutscher Sprache vervielfältigt – sowohl von Gegnern wie auch von Anhängern Luthers. Bischöfe wie Adolf von Merseburg verbreiteten ihn als Plakat. Eines dieser Druckexemplare hat der Reformator am 10. Dezember 1520 in Wittenberg verbrannt.

Um die Drucke bei Fürsten und Bischöfen beglaubigen zu können, führten die päpstlichen Gesandten auch drei in der päpstlichen Kanzlei auf Pergament geschriebene und besiegelte Exemplare der Bannandrohungsbulle mit sich. Zwei davon sind noch heute erhalten. Eines übergab Kardinal Aleander der Kanzlei des habsburgischen Erzherzogs und späteren Kaisers Ferdinand I. (1503 – 1564) im Herzogtum Württemberg. Es befindet sich heute im Hauptstaatsarchiv Stuttgart. Das zweite erhielt vermutlich Herzog Georg von Sachsen als wichtigster Gegenspieler Luthers im Heiligen Römischen Reich. Es wird heute im Hauptstaatsarchiv Dresden aufbewahrt. Die dritte Pergamentbulle sendete Johannes Eck nach Erledigung seines Auftrages an den Papst. Sie gilt heute als verschollen. Ein viertes Exemplar verwahrt das Haus-, Hof- und Staatsarchiv in Wien. Wie es dorthin gelangte, ist unbekannt.

 

MahlZEIT. Geschichte(n) vom Essen in Hessen

Wanderausstellung noch bis zum 2.11.2017 im Hessischen Staatsarchiv Darmstadt

Äbbelwoi, Grüne Soße, Ahle Worscht, Handkäs‘ mit Musik: Das Bundesland Hessen zeichnet sich durch eine bemerkenswerte kulinarische Vielfalt aus, die ihre spannende Geschichte(n) hat. Die Ausstellung des Hessischen Landesarchivs widmet sich diesem Thema und schlägt damit ein verbindendes Band um die regional sehr unterschiedlichen Traditionen der hessischen Ess- und Trinkkultur.

Abb.: Brunnenmädchen am Kochbrunnen in Wiesbaden (© HHStAW)

Eindrückliche Exponate zu hessischen Spezialitäten und lukullischen Kuriosa vom 15. bis ins 20. Jahrhundert machen die Kulturgeschichte des Essens authentisch erfahrbar: die Welt der höfischen Tafelkultur, Lebensmittelversorgung in Hungerzeiten, Krankennahrung, die Esskultur in der Zeit des Wirtschaftswunders, industrielle Fertigung von Nahrungsmitteln, die Gute Hausfrau und vieles mehr. Zu sehen sind Rezepte, Werbeplakate, Fotografien, Zeichnungen und persönliche Notizen. An einer Videostation kann man den Hessen vergangener Tage beim Kochen und Essen über die Schulter schauen. Die in den drei hessischen Staatsarchiven präsentierte Ausstellung wird von einem Veranstaltungsprogramm umrahmt und durch Begleitpublikationen sowie verschiedene Angebote im Internet ergänzt.

Die Ausstellung wird von zahlreichen Vorträgen und Aktivitäten begleitet. Eine kostenlose Broschüre wird an den drei Stationen zur Mitnahme ausliegen.
Der Eintritt ist frei.

Stationen und Termine:
Hessisches Staatsarchiv Darmstadt
10.09.2017 – 02.11.2017
Karolinenplatz 3
64289 Darmstadt
Öffnungszeiten:
Montag: 10.00 Uhr bis 19.00 Uhr,
Dienstag bis Freitag: 9.00 Uhr bis 15:00 Uhr
Am Wochenende und an Feiertagen geschlossen.
Führungen: 10. und 24. Oktober 2017, jeweils um 17.00 Uhr.

Hessisches Hauptstaatsarchiv, Wiesbaden
19.01.2018 – 11.05.2018
Mosbacher Str. 55
65185 Wiesbaden

Hessisches Staatsarchiv Marburg
05.06.2018 – 23.10.2018
Friedrichsplatz 15
35037 Marburg

Downloads:
Ausstellung Mahlzeit Flyer (PDF / 852.84 KB)
Ausstellung Mahlzeit – Begleitprogramm Darmstadt (PDF / 306.01 KB)
Katalog Mahlzeit Presse.pdf (PDF / 7.87 MB)

Anne-Frank-Gesamtschule schließt Bildungspartnerschaft mit dem Stadtarchiv Gütersloh

„Aufbewahren, aber nicht nur für sich bewahren“ – das ist der Anspruch, dem Archivar Stephan Grimm mit dem Stadtarchiv Gütersloh als Bildungseinrichtung gerecht werden will. Um dieses Ziel umzusetzen und auch die Gütersloher Schülerinnen und Schüler in die Archivarbeit mit Originalquellen über ihre Stadt einzuführen, sind die Anne-Frank-Gesamtschule Gütersloh und das Stadtarchiv Gütersloh die Initiative Bildungspartnerschaft des Schulministeriums NRW eingegangen.

Abb.: Auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit: (vorne v.l.) Jörg Witteborg und Stephan Grimm unterzeichnen zusammen mit (hinten v.l.) Michael Schüthuth und Regina Bökamp die Kooperationsvereinbarung. (Foto: Stadt Gütersloh)

Gemeinsam mit Michael Schüthuth von der Fachkoordination für Gesellschaftswissenschaft und der Leiterin des Geschichtsprojektkurses „Erinnern für die Zukunft“, Regina Bökamp, hat Schulleiter Jörg Witteborg kürzlich die zweijährige Kooperationsvereinbarung mit Stadtarchivar Stephan Grimm unterzeichnet.

„Ich habe in jungen Jahren selbst schon im Stadtarchiv Lübbecke gearbeitet und weiß wie spannend alte Dokumente sein können“, erinnert sich Schulleiter Jörg Witteborg an seine eigenen Erfahrungen in der Archivarbeit. Umso mehr weiß er zu schätzen, dass auch seinen Schülern diese Möglichkeit des außerschulischen Lernens geboten wird, um Geschichte nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch erfahren. Dabei geht es nicht nur darum, die Schüler in die Recherche, das Verständnis und die Analyse von Archivquellen einzuführen. Vielmehr sollen die Schüler mit dem Fokus auf Gütersloh einen lebendigen Zugang zu den eigenen Wurzeln bekommen, indem durch Gütersloher Quellen ein konkreter Bezug zur eigenen Lebenswelt geschaffen wird. „Zudem ist es auch wichtig, dass die Schüler lernen Informationen zu hinterfragen und kritisch zu reflektieren, um nicht alles zu glauben, was sie lesen“, betont Michael Schüthuth zusätzlich den Stellenwert der Entwicklung und Förderung von Recherche- und Informationskompetenz bei der Bildungspartnerschaft.

Und auch die Schüler freuen sich auf das Stadtarchiv als praktischen und außerschulischen Lernort. Bei der Vertragsunterzeichnung zeigten sich die Jugendlichen sehr interessiert und wollten so einiges vom Stadtarchivar wissen. Was ist das älteste Dokument im Archiv, wie entscheidet man, was archiviert wird und was ist für ihn persönlich das interessanteste Dokument gewesen? – Auf all diese Fragen wusste Stephan Grimm eine fachkundige Antwort. Und auch der kommenden Archivarbeit blicken die Schüler mit Spannung entgegen.  „Ich war noch nie im Archiv, aber ich finde die Nähe zur Stadt ist etwas ganz besonderes. Ich wusste zum Beispiel gar nicht in welchem Ausmaß auch hier die Judenverfolgung stattgefunden hat, “ sagt die 17-jährige Marie Kisse, die sich auf die Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv freut. Und auch Judith Linnhoff, weiß jetzt schon, was sie sich von der Archivarbeit erhofft: „ Ich würde gern mehr über die Nazi-Zeit in Gütersloh und die Namensgebung unserer Schule zu erfahren.“

Abb.: Mit Blick in die Zukunft: (v.l.) Michael Schüthuth, Regina Bökamp, Stephan Grimm, Jörg Witteborg und die Schülerinnen und Schüler freuen sich auf die zukünftige Zusammenarbeit. (Foto: Stadt Gütersloh)

Die Zusammenarbeit des Stadtarchivs und der Anne-Frank-Schule zur politischen und historischen Bildung besteht dabei nicht nur formal, sondern setzt sich aus zahlreichen konkreten Aktivitäten zusammen. Zu diesen zählen unter anderen die Planung und Durchführung von fachspezifischen Lehrerfortbildungen und ein Stadtrundgang zu den Stolpersteinen als Erinnerung an die Judenverfolgung. Aber auch die Beratung und Begleitung des Projektkurses zur Geschichte und Namensgebung der Anne-Frank-Schule sowie der Facharbeiten im Rahmen des Geschichtskurses durch das Stadtarchiv sind Bestandteil der Kooperation. Die vielfältigen Aktivitäten im Rahmen der Bildungspartnerschaft ermöglichen somit, dass die Anne-Frank-Schule sowie auch das Stadtarchiv gleichermaßen von der beidseitigen Kooperation profitieren.

Kontakt:
Stadtarchiv Gütersloh
Hohenzollernstr. 30 a
33330 Gütersloh
Tel.: 05241 / 82-2302

Quelle: Stadt Gütersloh, Pressemeldung, 28.9.2017

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