Bruderschaft der Vagabunden – Alternativkultur der 1920er Jahre

Der Band „Künstler, Kunden, Vagabunden“ bildet den Auftakt der Reihe BIBLIOTHEK DER ARCHIVE, die außergewöhnliche Schätze zutage fördern und damit gleichzeitig die wertvolle Arbeit der sie behütenden Archive vorstellen will. Herausgeber der Reihe sind der Editionswissenschaftler Bernd Füllner und der Literaturwissenschaftler Christoph Steker.

Die »Bruderschaft der Vagabunden«, eine anarchistisch, später auch kommunistisch orientierte Bewegung von Landstreichern und Vagabunden, verschafft sich Ende der 1920er Jahre aus dem gesellschaftlichen Abseits heraus weithin Gehör: Im »Verlag der Vagabunden« erscheinen ihre Schriften, die eine »Philosophie der Landstraße« entwerfen und propagieren. Ihr künstlerischer Anspruch äußert sich in den Werken der »Künstlergruppe der Bruderschaft der Vagabunden«, gegründet vom »König der Vagabunden« Gregor Gog (1891-1945) sowie den Malern Hans Tombrock (1895-1966), Hans Bönnighausen (1906-1988) und Gerhart Bettermann (1910-1992). In diesem Umfeld erscheint auch die Zeitschrift „Der Kunde“ bzw. „Der Vagabund“ mit sozialkritischen Artikeln, autobiografischen Berichten, Liedern und Gedichten, Zeichnungen und programmatischer Prosa. Materialreich und in Farbe lässt dieser Band die durch die Zäsur von 1933 verdrängte vagabundische Kultur wieder lebendig werden und erinnert in einem breiten Panorama an das Leben und Wirken derer, für die das Unterwegssein einmal ein alternativer Lebensstil gewesen ist.

Neben Texten von Gregor Gog, Jo Mihàly, Artur Streiter und Rudolf Geist versammelt der Band „Künstler, Kunden, Vagabunden“ zahlreiche Arbeiten der Vagabundenkünstler sowie Reaktionen und Kommentare von Briefpartnern und Freunden der Bewegung wie Martin Buber, Hermann Hesse, Else Lasker-Schüler, Thomas Mann und Stefan Zweig.

Herausgeberinnen des Bandes:

Walter Fähnders, Jahrgang 1944, ist Professor für Neuere Germanistik an der Universität Osnabrück. Seine Arbeitsschwerpunkte sind: Literatur und Kultur sozialer Bewegungen, europäische Avantgarde, Literatur der Moderne. Zu seinen neueren Publikationen zählen: Avantgarde und Moderne 1890–1933 (2. Aufl. 2010); Projekt Avantgarde (2019); als Herausgeber bzw. Mitherausgeber: Die Epoche der Vagabunden. Texte und Bilder 1900–1945 (2009); Metzler Lexikon Avantgarde (2009); Annemarie Schwarzenbach: Orientreisen (2010, Neuausgabe 2017); Ruth Landshoff-Yorck: Die Schatzsucher von Venedig (2013, Neuausgabe 2019).

Hanneliese Palm, Jahrgang 1953, leitete von 2005 bis 2018 das Fritz-Hüser-Institut für Literatur und Kultur der Arbeitswelt in Dortmund, das Schrift-, Ton- und Bilddokumente zu allen Bereichen des kulturellen, insbesondere literarischen Umfelds der Arbeiterbewegung in der zeitgenössischen und modernen Literatur sammelt. Sie veröffentlichte zahlreiche Beiträge zur Geschichte des Instituts sowie zur Entwicklung der Arbeiterliteratur und zu einzelnen ihrer Autoren.

Christoph Steker, Jahrgang 1984, ist Programmleiter im C. W. Leske Verlag und arbeitet als freiberuflicher Lektor in Köln. Er studierte Germanistik, Philosophie und Geschichte in Köln und Prag. Neben Beiträgen in wissenschaftlichen Sammelbänden zählt zu seinen Veröffentlichungen die Monografie Böhmische Erinnerungsräume in W. G. Sebalds »Austerlitz« (2015).

Info:
Hanneliese Palm, Christoph Steker (Hrsg.):
Künstler, Kunden, Vagabunden. Texte, Bilder und Dokumente einer Alternativkultur der zwanziger Jahre,
mit einem Beitrag von Walter Fähnders
(Bibliothek der Archive, Band 1, Fritz-Hüser-Institut für Literatur und Kultur der Arbeitswelt, Dortmund),
C. W. Leske Verlag, Düsseldorf 2020,
240 Seiten, zahlreiche farbige Abbildungen, ISBN 978-3-946595-08-3, 28,00 €

Quelle: Mailingliste geschichtskultur-ruhr, 17.3.2020

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