Forschungsprojekt Arisierung und Wiedergutmachung in Mannheim

Im Juli 2009 startet ein Projekt, das sich umfassend mit der Erforschung von “Arisierung“ und Wiedergutmachung in Mannheim während des Zeitraums von 1933 bis 1969 beschäftigt. Die Studie wird vom Lehrstuhl für Neuere und Neuste Geschichte der Universität Mannheim in enger Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv Mannheim – Institut für Stadtgeschichte durchgeführt. Es ist das erste Forschungsprojekt in Baden-Württemberg, welches die beiden bisher getrennt voneinander betrachteten Themenstränge „Arisierung“ unter nationalsozialistischer Diktatur und Wiedergutmachung nach dem Zweiten Weltkrieg konzeptionell miteinander verknüpft und wissenschaftlich aufarbeitet. Die Mannheimer Studie betritt hier in besonderem Maße wissenschaftliches Neuland und liefert an einem lokalen Beispiel weiterführende Erkenntnisse.

Ziel des Forschungsvorhabens ist die umfassende Aufarbeitung der Verdrängung der Juden aus dem Mannheimer Wirtschaftsleben. Dem Forschungsvorhaben ist insbesondere daran gelegen, das Verhältnis von ideologischen und wirtschaftlichen Motiven hinter der „Arisierung“ aufzuklären, lokale Prozesse der Verdrängung aus dem Wirtschaftsleben in seinen verschiedenen Phasen zu analysieren und herauszufinden, inwieweit örtliche Stellen und Personen der Landes- und Reichspolitik vorauseilten oder folgten. Daran anknüpfend zielt es darauf ab, die geschichtswissenschaftlichen Fragen zur Wiedergutmachung ab 1945 in ihrer politischen, juristischen und gesellschaftlichen Dimension zu ergründen. Ein besonderer Fokus wird dabei auf die Untersuchung der Praxis in Mannheim gelegt. Das Forschungsprojekt stützt sich sowohl auf Quellen in öffentlichen als auch in privaten Archiven. Aufgrund der engen Verquickung von Staat, Stadt und Wirtschaft in der NS-Zeit lassen sich auf diese Weise die Vorgänge einschließlich des Handelns der Firmen und Privatpersonen bestmöglich rekonstruieren.

Das Gesamtvolumen des Forschungsprojektes beträgt ca. 200.000 €. Die Stadt Mannheim beteiligt sich mit 35.000 € daran. Weitere 150.000 € bis 170.000 € sollen durch private Spenden aus der Mannheimer Wirtschaft und Stiftungen aufgebracht werden. Insbesondere die Heinrich-Vetter und Wilhelm-Müller-Stiftung sowie Wirtschaftsverbände wie zum Beispiel die IHK haben eine finanzielle Unterstützung des Projektes bereits fest zugesichert. Stadt und Wirtschaft Mannheims nehmen mit ihrer Unterstützung für diese historische Untersuchung eine Vorreiterrolle ein. Keine größere Stadt in Baden-Württemberg hat die Geschichte der Arisierung oder Wiedergutmachung bislang gründlicher erforscht. Der Standort Mannheim stellt sich damit nicht nur seiner Vergangenheit, sondern leistet auch einen Beitrag zum verantwortungsbewussten Handeln.

Das in enger Kooperation mit dem Stadtarchiv Mannheim durchgeführte Forschungsvorhaben steht unter der wissenschaftlichen Leitung von Professor Dr. Johannes Paulmann, dem Lehrstuhlinhaber für Neuere und Neuste Geschichte an der Universität Mannheim. Frau Dr. Christiane Fritsch, eine für die Zeit des Nationalsozialismus als auch des Kalten Krieges ausgewiesene Wissenschaftlerin, betreut das Projekt. Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz und Bürgermeister Michael Grötsch appellieren gleichermaßen an Privatpersonen und Unternehmen, sofern diese Unterlagen zu diesem Themenkomplex besitzen oder sich an dem Projekt beteiligen möchten, sich entweder mit dem Lehrstuhl von Prof. Dr. J. Paulmann oder mit Dr. Ulrich Nieß, dem Leiter des Stadtarchivs – ISG in Verbindung zu setzen.

Kontakt
Historisches Institut 
Universität Mannheim 
Prof. Dr. Johannes Paulmann 
68131 Mannheim 
Tel.: 0621 / 181 – 2260 oder – 2255 
Fax: 0621 / 181 – 2254 
j.paulmann@uni-mannheim.de 

Stadtarchiv Mannheim 
Collinistraße 1 
Dr. Ulrich Nieß 
68161 Mannheim 
Tel.: 0621 / 293 – 7025 
Fax: 0621 / 293 – 7476 
ulrich.niess@mannheim.de

Quelle: Pressemitteilung Stadt Mannheim, 23.6. 2009

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