Mitgliederkartei der Marburger Bekenntnisgemeinde erschlossen

Im Keller des Melanchthonhauses Marburg wurden im Frühjahr 2010 im Rahmen der landeskirchlichen Archivpflege des Landeskirchlichen Archivs Kassel beim Stadtkirchenkreisamt Marburg zwei Karteikästen entdeckt, die zuvor vermutlich im Philippshaus in Marburg aufbewahrt worden sind. Die beiden Karteikästen enthalten die „Roten Karten“, die Mitgliedskarten der Marburger Bekenntnisgemeinde. Überliefert sind knapp 1.900 Karten, die inzwischen von Dekan i.R. Christian Hilmes in Einzelblattverzeichnung ehrenamtlich erschlossen wurden. Die „Roten Karten“ erlauben einen seltenen Blick auf die Jahre des Kirchenkampfes 1934/1935 bis 1938. Nur wenige Karteien der Bekennenden Kirche sind überliefert.

Abgebildet ist exemplarisch die Mitgliedskarte von Prof. Dr. Hans Freiherr von Soden aus dem Jahr 1934 (© Landeskirchliches Archiv Kassel)

Abgebildet ist exemplarisch die Mitgliedskarte von Prof. Dr. Hans Freiherr von Soden aus dem Jahr 1934 (© Landeskirchliches Archiv Kassel).

Von Soden wurde 1927/1928 zum Rektor der Philipps-Universität gewählt. 1933 war er als Dekan der Marburger Theologischen Fakultät federführend bei der Erstellung eines ablehnenden Gutachtens der Theologischen Fakultät zum „Arierparagraphen“ in den evangelischen Landeskirchen. Er war Mitglied im Pfarrernotbund und führender Kopf der Bekennenden Kirche in Kurhessen-Waldeck (Bruderrat), als deren Synodaler er 1934 an der berühmten Barmer Bekenntnissynode teilnahm. Wegen seiner regimekritischen Tätigkeit wurde er 1934 zeitweilig in den Ruhestand versetzt.

Bettina Wischhöfer, Landeskirchliches Archiv Kassel

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