Spuren des Nationalsozialismus in Hamm

Am 2. Juli 2011 veranstalteten das Referat Stadtmarketing und Touristik, die Untere Denkmalbehörde der Stadt Hamm und das Stadtarchiv Hamm eine Stadtführung der besonderen Art. Ute Knopp, Leiterin des Stadtarchivs, und Markus Wesselmann von der Unteren Denkmalbehörde führten die Teilnehmer an Orte, die im Zeitraum von 1933 bis 1945 entstanden sind.

Die fünfstündige Bustour startete am Willy-Brandt-Platz, wo sich im Bereich des Bahnhofs sowohl das Haus der SA als auch ein Barackenlager befand. Anschließend erfolgte eine Besichtigung des Luftschutzbunkers an der Feidikstraße, der zu Kriegszeiten etwa 3.500 Menschen Schutz bieten konnte. Die beklemmende Atmosphäre des Bunkers wurde besonders durch die Erzählungen der zahlreichen Zeitzeugen erfahrbar, welche die Stadtführung begleiteten.

Weiter ging es zur 1937/38 errichteten Johanneskirche, ein Projekt der "Bekennenden Kirche" in Hamm. Wie Burkhard Großmann, der ehemaligen Presbyter der Johanneskirche erzählte, konnte der Bau des Gotteshauses mithilfe von Zechen, Industrie und dem Kirchenbauverein gegen den Widerstand der nationalsozialistischen Machthaber durchgesetzt werden. Ferner wurde das 1935 errichtete und an ein Hünengrab erinnernde Kriegerdenkmal und das 1936 von dem überregional bekannten Hammer Architekten Karl Wibbe geplante ehemalige Offizierskasino an der Ostenallee besucht.

Nach einer Kaffeepause führte der Weg zum ehemaligen "Russenlager 427" mit Inschriften russischer Zwangsarbeiter und schließlich zur Autobahnkapelle an der A 2, die von dem später international bedeutenden Architekten Helmut Hentrich als Tankstellengebäude Rhynern-Nord entworfen wurde. Aufgrund des großen Zuspruches planen die Veranstalter eine Wiederholung der Tour im nächsten Jahr. Aus Sorge vor Störungen durch die rechtsextreme Szene wurde der eingesetzte Bus von einer Polizeieskorte begleitet. Zwischenfälle gab es jedoch nicht.

Kontakt:
Stadtarchiv Hamm
Gustav-Heinemann-Str. 10
59065 Hamm
Telefon: 02381/175850
Telefax: 02381/17-2943
stadtarchiv@stadt.hamm.de
www.hamm.de/stadtarchiv.html

Quelle: Westfälischer Anzeiger, 3.7.2011

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