Die Debatten um einen Mathematiklehrplan in Westfalen 1834

Die neu erschienene Buch "Die Debatten um einen Mathematiklehrplan in Westfalen 1834" von Gert Schubring ist eine regionale Sozialgeschichte der Einführung von Mathematik als Hauptfach, so der Untertitel und analysiert und dokumentiert damit eine erfolgreiche Reform des Mathematikunterrichts: den Übergang vom Nebenfach zum Hauptfach an höheren Schulen. Diese historisch neuartige Funktion der Mathematik erfolgte zu Beginn des 19. Jahrhunderts in mehreren europäischen Staaten, als Teil der übergreifenden Umwälzungen in Geschichte und Politik in Europa seit dem Ende des 18. Jahrhunderts.

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Die Durchsetzung der Hauptfach-Funktion traf aber vielfach auf intensive Widerstände und ist teilweise sogar zurückgenommen worden. Als wesentliches Element der neuhumanistischen Bildungsreform in Preußen ist die Umsetzung dieser Konzepte in Schulpraxis dort aber noch am konsequentesten erfolgt.

Zugleich war die neuhumanistische Gymnasialreform aber kein „von oben“ durchgesetzter Prozess, sondern als Teil des Konzepts der Selbsttätigkeit ein regionaler Prozess, der in den einzelnen preußischen Provinzen unterschiedlich ablief. Das Buch analysiert und dokumentiert aufgrund umfassender Quellen- und Archivrecherchen, wie die Curriculumreform in Westfalen erfolgt ist. Es zeigt, dass es gelang, in der aus unterschiedlichsten Territorien 1815 neu gebildeten preußischen Provinz Westfalen den Mathematikunterricht, als Teil der Konsolidierung der Gymnasien, weitgehend konfliktfrei als Fach der Allgemeinbildung zu etablieren. Aufschlussreich sind die zunächst starken Differenzen in den ursprünglich katholischen und protestantischen Landesteilen.

Den besonderen Reiz dieses Falles bildet es, dass der preußische Schulrat zwei konträre Lehrplanentwürfe hatte von Mathematiklehrern erstellen lassen und die Lehrerkollegien aller elf Gymnasien in Westfalen zu Stellungnahmen aufgefordert hatte. Sowohl die alternativen Entwürfe – der eine mehr traditionell, der andere mehr modern – wie die Stellungnahmen der Lehrer geben einen lebendigen Einblick in die Bildungskonzepte und die Entwicklung curricularer und methodischer Alternativen.

Dr. Gert Schubring ist Privatdozent im Institut für Didaktik der Mathematik an der Universität Bielefeld (Arbeitsgruppe: Geschichte der Mathematik).

Info:
Gert Schubring
Die Debatten um einen Mathematiklehrplan in Westfalen 1834. Eine regionale Sozialgeschichte der Einführung von Mathematik als Hauptfach
WTM Verlag für wissenschaftliche Texte und Medien Münster
Münster 2010, 348 + XII Seiten, 34,90 Euro
ISBN 978-3-942197-01-4

Stadtarchiv Düsseldorf hat neue Heimat

Was lange währt, wird manchmal richtig gut – 13,5 Kilometer Akten, Bücher, Pläne, Plakate, Fotos und anderes Sammlungsgut, insgesamt über 700.000 Einzelstücke, haben in der \“Alten Paketpost\“ an der Worringer Straße 140 in Düsseldorf ein neues Zuhause gefunden. Nach einem auf gut sechs Monate angelegten, generalstabsmäßig geplanten und erst Ende Juli 2010 endgültig abgeschlossenen Umzug steht das Stadtarchiv Düsseldorf als \“Gedächtnis der Stadt\“ wieder allen seinen \“Kunden\“ – Wissenschaftlern, Stadtverwaltung, Presse, Heimatforschern, Familienkundlern und auch einfach an Düsseldorf Interessierten – zur Verfügung.

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Abb. 1: Die älteste Urkunde des Stadtarchivs datiert von 1382 und thematisiert eine Wachsspende zur Beleuchtung des Heiligen Grabes in der Lambertuskirche (Foto: Stadt Düsseldorf).

In modernen Räumen in direkter Bahnhofsnähe sind nun bessere Arbeitsmöglichkeiten als im alten Gebäude an der Heinrich-Ehrhardt-Straße gegeben, deren zentrale Lage vor allem auch den vielen auswärtigen Benutzern entgegenkommt. Die Investitionskosten beliefen sich auf rund 7,2 Millionen Euro.

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Abb. 2: Das älteste Foto im Stadtarchiv zeigt eine Ansicht des Burgplatzes zur Mühlenstraße hin (um 1855) (Foto: Stadt Düsseldorf).

Das Archiv bewahrt bedeutende Unterlagen der Stadt Düsseldorf vom späten Mittelalter bis in die heutige Zeit und umfangreiche Sammlungen zu allen Aspekten der Stadtgeschichte auf. So finden sich dort zum Beispiel alte Urkunden, Nachlässe bedeutender Düsseldorfer Familien, Firmen oder Einzelpersonen, eine historische Fachbibliothek, Heimatliteratur im weitesten Sinne, eine beeindruckende Bildersammlung (das älteste Foto der Stadt stammt aus dem Jahre 1855), Postkarten, Plakate, historische und moderne Karten und Pläne von Düsseldorf und Umgebung, aber auch Adress- und Kirchenbücher oder Personenstandsregister, die vor allem von Familienforschern genutzt werden.

Nach einem durch eine Sprinkleranlage verursachten Wasserschaden am Morgen des Eröffnungstages (1.7.2010) können interessierte Bürger – Laien ebenso wie Wissenschaftler – die zugänglichen Unterlagen erst in einigen Wochen wieder einsehen. Die Öffnungszeiten sind dann montags bis donnerstags täglich von 8.30 bis 15.30 Uhr, freitags von 8.30 bis 12.30 Uhr. Neben der fachkundigen Beratung, die auch den Archivneuling an die Hand nimmt und zum richtigen Aktenstück, Buch oder Ansprechpartner führt, laden auch die neuen Lesesäle – ein heller, großer Aktenlesesaal und ein technischer Lesesaal – alle an Düsseldorfer Stadtgeschichte interessierten Bürger und Bürgerinnen zum ausgedehnten Forschen ein.

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Abb. 3: Im neuen Stadtarchiv: Direktor Prof. Dr. Clemens von Looz-Corswarem und Stellvertreter Dr. Benedikt Mauer (rechts) mit einem Brief von Felix Mendelssohn Bartholdy an den Düsseldorfer Oberbürgermeister, in dem er sich 1833 für die Ernennung zum Städtischen Musikdirektor bedankt.

Anfragen können aber auch weiterhin auf schriftlichem oder telefonischem Wege an das Stadtarchiv gerichtet werden. Darüber hinaus werden ab Herbst 2010 erstmals neben den bisherigen Besucherführungen auch Einführungskurse für die stetig wachsende Zahl von Familienforschern angeboten.

Das Stadtarchiv in Daten, Zahlen und Fakten

  • Gegründet: 1912
  • Leiter: Prof. Dr. Clemens von Looz-Corswarem
  • Stellvertreter: Dr. Benedikt Mauer
  • Mitarbeiterzahl: 23
  • Magazinfläche: rund 2.800 Quadratmeter mit zirka 13,5 laufenden Regalkilometern
  • Bestände: rund 700.000 Einzelstücke, darunter zirka 319.000 Akten, 15.000 Dokumente aus Nachlässen, 70.000 Dokumente aus Sammlungen (zum Beispiel Karten, Pläne, Fotos), 6.900 Zeitungsbände, die Fachbibliothek mit zirka 26.000 Bänden sowie rund 98.000 genealogische Quellen und Mikrofilme
  • Benutzerservice: Benutzerberatung zu historischen, archivischen und genealogischen Fragen Beantwortung von schriftlichen Anfragen zu allen Aspekten der Stadtgeschichte Archivführungen; Familienkundliche Einführungskurse
  • Öffnungszeiten: montags bis donnerstags 8.30 bis 15.30 Uhr
  • freitags 8.30 bis 12.30 Uhr (längere Öffnung an einem Tag der Woche ist geplant)
  • Leseplätze: Lesesaal mit 20 Leseplätzen, alle zur Nutzung mit Laptop eingerichtet.
  • Technischer Lesesaal mit elf Arbeitsplätzen an Mikrofilmlesegeräten und Rechnern zur Durchsicht digitalisierter Quellen (derzeit vornehmlich Personenstandsregister) mit der Möglichkeit, direkt Ausdrucke anzufertigen.

Kontakt:
Stadtarchiv Düsseldorf
Worringer Straße 140
40210 Düsseldorf
Telefon 0211/89-99230
Fax 0211/89-29155
stadtarchiv@duesseldorf.de

Quelle: Landeshauptstadt Düsseldorf, Pressemitteilung, 29.6.2010

Jüdische Genealogie im Archiv, in der Forschung und in Netzwerken

Das Landesarchiv NRW Abteilung Ostwestfalen-Lippe (Detmold) veranstaltet am 1. September 2010 zum 7. Mal das Detmolder Sommergespräch. Die Detmolder Sommergespräche, die bundesweit und in den Nachbarländern Beachtung finden, richten sich insbesondere an historisch und genealogisch sowie archivfachlich Interessierte.

In diesem Jahr steht das Thema „Jüdische Genealogie“ im Zentrum der Vorträge und Diskussionen. Die Forschung zu jüdischen Familiengeschichten ist international lebendig und vernetzt. Dies ist Anlass genug, beim 7. Detmolder Sommergespräch die Bedeutung von Familie und Genealogie, von Herkunft, Ehe und Vererbung in der jüdischen Kultur aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten und die für Westfalen und Lippe zentralen Archivbestände für die jüdische Genealogie im Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Ostwestfalen-Lippe vorzustellen.

Im Zentrum der archivfachlichen, historischen und literaturwissenschaftlichen Vorträge stehen die Besonderheiten bei der Erforschung jüdischer Biografien und Familien. Dies betrifft etwa die verstreute und lückenhafte archivische Überlieferung sowie politische wie psychologische Aspekte jüdischer Familienforschung nach dem Holocaust. Daneben werden die für die jüdische Genealogie einschlägigen Bestände der Abteilung Ostwestfalen-Lippe des Landesarchivs NRW in Detmold präsentiert. Insbesondere sind dies ca. 900 Personenstandsregister zu Juden und Dissidenten aus ganz Westfalen und Lippe.

Im Vordergrund der Sommergespräche steht der Austausch zwischen Forschenden verschiedener Disziplinen, Laien mit unterschiedlichen Interessen sowie Archivarinnen und Archivaren. Wie schon in den letzten Jahren werden Fragen der Genealogie im weiteren Sinne multiperspektivisch betrachtet: Aspekte der archivischen Überlieferung werden mit Beispielen der historischen Auswertung, der literarischen Verarbeitung und der Vernetzung von Familienforschern in Beziehung gesetzt. Die Sommergespräche sind daher das Forum, um über „Jüdische Genealogie im Archiv, in der Forschung und in Netzwerken“ mit Vertreterinnen und Vertretern verschiedener Professionen sowie mit Genealoginnen und Genealogen zu diskutieren.

Programm

9.30 Uhr Begrüßung
Dr. Christian Reinicke, Landesarchiv NRW Abteilung Ostwestfalen-Lippe, Detmold

Grußwort

Einführung
Dr. Bettina Joergens, Landesarchiv NRW Abteilung Ostwestfalen-Lippe, Detmold

10.00 Uhr Herkunft, Ehe und Vererbung: Die Bedeutung von Familie und Genealogie in der jüdischen Kultur
Prof. Dr. Birgit Klein, Hochschule für Jüdische Studien, Heidelberg

Pause

11.15 Uhr Teil I – Dokumentation und Archive
Moderation: Katharina Tiemann, LWL-Archivamt für Westfalen, Münster

Zur Kulturgeschichte der jüdischen Registratur
Dr. Peter Honigmann, Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland, Heidelberg

Juden- und Dissidentenregister aus Westfalen-Lippe: Eine Einführung in Quellenkunde und Überlieferungssituation
Dr. Tobias Schenk, Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, Wien

12.45 Uhr Mittagspause

14.00 Uhr Verschiedene thematische Archivführungen

15.00 Uhr Vom Reichssippenamt zum Personenstandsarchiv? Das nationalsozialistische Personenstandsrecht und die Entstehung von Spezialarchiven am Beispiel des Detmolder Bestandes „P 10“
Dr. Bettina Joergens

15.30 Uhr Teil II – Forschung
Moderation: Prof. Dr. Wilfried Reininghaus, Landesarchiv NRW

Genealogie und Schriftlichkeit als soziale Praxis: Quellenzeugnisse zur jüdischen Geschichte der Frühen Neuzeit in Ostwestfalen-Lippe
Dr. des. Elizabeth Harding, Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel

Pause

16.45 Uhr „Familienleben“ aus der Sicht der „Nachgeborenen“: Jüdische Generationenromane ab 2000
Dr. Ariane Eichenberg, Kulturwissenschaftliches Institut im Wissenschaftszentrum NRW Essen, Stuttgart

International und vernetzt: Jüdische Genealogie heute und praxisnah
Helga Heilbut, Hamburger Gesellschaft für Jüdische Genealogie e.V., Bergisch-Gladbach

18.15 Uhr Abschlussdiskussion

19.30 Uhr Stadtrundgang zur jüdischen Geschichte in Detmold
Treffpunkt: Rathaus am Marktplatz
Gudrun Mitschke-Buchholz,

Vorab
Am Vorabend, 31.8.2010, ab 19 Uhr können Sie in lockerer Runde Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Sommergesprächs kennen lernen. Ort: Speisecafé Stuck, Grabbestr. 4,
Detmold, 1. Stock

Anmeldung
Melden Sie sich rechtzeitig zur Tagung und zum Stadtrundgang an, da die Teilnehmerzahl aus Platzgründen begrenzt ist. Die Teilnahme an der Tagung ist kostenlos.
Wer mit der Nennung seines Namens in einer Teilnehmerliste nicht einverstanden sind, teile dies den Veranstaltern mit.

Adresse und Organisation
Landesarchiv NRW Abteilung Ostwestfalen-Lippe
Willi-Hofmann-Straße 2
32756 Detmold
Fon: 05231 766-0
Fax: 05231 766-114
Mail: owl@lav.nrw.de
www.archive.nrw.de oder www.lav.nrw.de

Neu-Ulmer Stadtarchiv mangelt es an allem

Im Stadtarchiv Neu-Ulm gibt es viel historisches Material, sogar viel mehr als allgemein vermutet. Doch es fehlt dem Archiv an Personal, an Zeit, Geld und Raum. Dies machte Archivleiterin Janet Loos jetzt in ihrem Bericht im Haupt- und Finanzausschuss des Neu-Ulmer Stadtrats deutlich. Während eines fast einstündigen Rundgangs durch Büros, Magazin- und Benutzerräume überzeugten sich die Stadträte von der beengten Situation des Archivs.

Dabei steht das Archiv personell eigentlich besser da als je in der Vergangenheit. Vor 28 Jahren hatte die Stadt erstmals eine Archivarin eingestellt, damals aber noch dem Hauptamt zugeordnet. Daraus wurde zwar 1997 eine eigene Abteilung. Vieles aber wurde weiterhin übers Hauptamt erledigt. Erst seit dem laufenden Jahr bildet das Stadtarchiv innerhalb der Verwaltung eine „vollwertige, eigenständige und eigenverantwortliche Abteilung” mit zurzeit zweieinhalb Planstellen.

Vielfach werde Schriftgut aber nur entgegengenommen und eingelagert, so sei es auch in der Vergangenheit geschehen. Beispielsweise besitze das Stadtarchiv reichlich Material aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg. Aber es stapele sich in Rollschränken, ohne dass jemand den Inhalt kenne. Dabei sei es eine der zentralen Aufgaben des Archivs, das übernommene Material nutzbar zu machen, sagt seine Leiterin.

Auch fehle dem Archiv ein eigener Fotograf, wie ihn das Ulmer Stadtarchiv ganz selbstverständlich beschäftige. Weil es am Geld mangele, habe die Fotosammlung nicht mehr fortgeführt werden können. Hinsichtlich der Benutzung werden die von den Benutzern benötigten Unterlagen bislang kostenlos bereitgelegt. Auch Anfragen sind noch frei, aber man sei dabei, die Benutzungsordnung zu überarbeiten: Zumindest Auskünfte nach außerhalb dürften demnächst wohl nur gegen Gebühr erteilt werden.

Kontakt:
Stadtarchiv Neu-Ulm
Janet Loos, Leiterin des Stadtarchivs
Augsburger Str. 15
89231 Neu-Ulm
Tel: (0731) 70 50 – 1 19
Fax: (0731) 70 50 – 1 91
stadtarchiv@neu-ulm.de

Quelle: Gerrit-R. Ranft, Augsburger Allgemeine, 24.6.2010

Vietnamesische Vertragsarbeiter in der DDR – Jugendliche erforschen Archivmaterial

Was zog einst tausende Vietnamesen für ein Leben als Vertragsarbeiter in die DDR und wie leben sie heute? Wie kann deren Geschichte auf anschauliche Weise an Jugendliche vermittelt werden? Und welche Rolle spielen Archive in diesem Zusammenhang? Diesen Fragen ist die Julia Sammler, Diplom-Archivarin im Fernseharchiv des Rundfunks Berlin Brandenburg (RBB), aus archivwissenschaftlicher Sicht nachgegangen.

Ausgehend von der Frage, inwiefern Archivpädagogen Jugendliche durch die Zusammenarbeit mit freien Projektträgern erreichen können, wird im weiteren Verlauf der Arbeit ausführlich das Schicksal vietnamesischer Vertragsarbeiter beleuchtet. Das Ergebnis ist die in Zusammenarbeit mit dem Landesjugendring Brandenburg entstandene pädagogische Arbeitsmappe "Ankunft/Abflug: Berlin Schönefeld", für die ausschließlich Quellen aus Archiven zusammengestellt wurden.

Info:
Julia Sammler
Vietnamesische Vertragsarbeiter in der DDR: Jugendliche erforschen Archivmaterial
Saarbrücken 2010
Taschenbuch: 108 Seiten
Verlag: VDM Verlag Dr. Müller
ISBN-10: 3639263014, ISBN-13: 978-3639263015
Preis: EUR 49,00

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung (3)
2. Archivpädagogik in einem nicht institutionalisierten Kontext (5)
2.1 "Archivische Öffentlichkeitsarbeit", "Historische Bildungsarbeit", "Archivpädagogik" – Versuch einer Begriffsdefinition (5)
2.2 Archivpädagogik – Entwicklung und Ziele einer jungen Disziplin (8)
2.3 Aktuelle Probleme der Archivpädagogik und mögliche Lösungsansätze (10)
2.3.1 Archivpädagogik in einem nicht institutionalisiertem Kontext – Beispiele aus der Praxis (15)
2.3.1.1 Der Landesjugendring (LJR) Brandenburg und seine Beratungsstelle "Wir waren – wir sind – wir werden sein" (16)
2.3.1.2 Das Jugendprogramm "Zeitansprünge" (17)
2.3.1.3 Das Bundesmodellprojekt "Meine – Deine – Unsere Geschichte(n) (18)
2.3.1.4 "Treffpunkt Geschichte – Geschichte entdecken" (19)

3. Vietnamesische Vertragsarbeiter in der DDR –  archivpädagogische Aufbereitung eines historischen Themas (21)
3.1 Vietnamesische Vertragsarbeiter in der DDR – ein geschichtlicher Überblick (22)
3.1.1 Die DDR und Vietnam – politische Hintergründe zur Vertragsarbeit (23)
3.1.1.1 Motive Vietnams und seiner Bevölkerung zur Vertragsarbeit (23)
3.1.1.2 Motive der DDR zum Einsatz ausländischer Arbeitskräfte (26)
3.1.1.3 Der Einsatz vietnamesischer Arbeitskräfte über bilaterale Regierungsabkommen (28)
3.1.1.4 Überwachung der Vertragsarbeiter (32)
3.1.1.5 DDR-Informationspolitik und gesellschaftliche Realität (35)

3.1.2 Vertragsarbeiteralltag in der DDR (36)
3.1.2.1 Das Leben in Arbeiterwohnheimen (36)
3.1.2.2 Arbeitsalltag in den Betrieben der DDR (38)
3.1.2.3 Zusatzeinkünfte (40)
3.1.2.4 Kontakte zwischen Vietnamesen und Deutschen (41)
3.1.2.5 Liebesbeziehungen zwischen Vertragsarbeitern und Deutschen (44)
3.1.2.6 Die Rolle der vietnamesischen Frau als Vertragsarbeiterin (45)

3.1.3 Das Leben ab 1989/90 – Was verändert sich mit dem politischen Wechsel? (47)
3.1.3.1 1989/90 – der Übergang (47)
3.1.3.2 Die Situation der Vertragsarbeiter nach 1990 (50)
3.1.3.3 Die heutige Situation der ehemaligen Vertragsarbeiter (51)

3.2 Vietnamesische Vertragsarbeiter in der DDR – Ziele und Zielgruppen der archivpädagogischen Mappe (53)

3.3 "Ankunft/Abflug: Berlin Schönefeld – Vietnamesische Vertragsarbeiter in der DDR" –  praktische Umsetzung der archivpädagogischen Mappe (56)
3.3.1 Inhaltliche Aufbereitung (57)
3.3.2 Textgestaltung und grafische Aufbereitung der Mappe (59)
3.3.3 Quellenbeispiel "Die Wahrheit"..60

4. Résumé (62)

5. Literatur- und Quellenverzeichnis (63)

Archiv und Wirtschaft 2/2010

Die neue Ausgabe der Zeitschrift "Archiv und Wirtschaft" (Heft 2/2010) enthält unter anderem Beiträge zum Niedersächsischen Wirtschaftsarchiv und zum Sächsischen Wirtschaftsarchiv, zum DLRG-Archiv sowie zum Zentralarchiv des internationalen Kunsthandels in Köln.

Inhaltsverzeichnis „Archiv und Wirtschaft“ 2/2010

Aufsätze:

  • Brage Bei der Wieden und Martin Fimpel: Die Stiftung Niedersächsisches Wirtschaftsarchiv Braunschweig (53-59)
  • Günter Herzog: Das Zentralarchiv des internationalen Kunsthandels in Köln und sein Sammlungsprofil am Beispiel der Galerie Der Spiegel (59-67)
  • Stefan Jentsch und Peter Belli: Das historische Archiv der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft e. V. (DLRG) – Ein Arbeitsbericht (67-75)
  • Karsten Sichel: Das Sächsisches Wirtschaftsarchiv e.V. – lebendiges Gedächtnis der sächsischen Wirtschaft (76-78)

Berichte:

  • Rainer Laabs: Global Business – Global Archives. Internationale Unternehmen und ihre Überlieferung (79-82)

Rezensionen:

  • Éric Bussière, Michel Dumoulin u. Émilie Willaert (Leitung): Die Bank der Europäischen Union. Die EIB, 1958-2008 (Matthias Weber) (82-83)
  • Markus Dahlem: Die Professionalisierung des Bankbetriebs. Studien zur institutionellen Struktur deutscher Banken im Kaiserreich 1871-1914 (Harald Wixforth) (84-86)
  • Melanie Leonhard: Die Unternehmerfamilie Rickmers 1834-1918. Schiffbau, Schiffahrt, Handel; Jörn Lindner: Schifffahrt und Schiffbau in einer Hand. Die Firmen der Familie Rickmers 1918-2000 (Niklas Hellmich) (86-88)
  • Jörg Lesczenski: August Thyssen 1842-1926. Lebenswelt eines Wirtschaftsbürgers (Harald Wixforth) (88-90)
  • Manfred Pohl: M. DuMont Schauberg. Der Kampf um die Unabhängigkeit des Zeitungsverlags unter der NS-Diktatur (Kurt Schilde) (90-91)
  • Cornelia Rauh: Schweizer Aluminium für Hitlers Krieg? Zur Geschichte der „Alusuisse“ 1918-1950 (Peter Belli) (91-94)
  • Ries Roowaan: A business case for business history. How companies can profit from their past (Matthias Weber) (94-95)
  • Heinz Siebold u. Dirk Schindelbeck: Eine Bank wie keine andere. 140 Jahre Volksbank Freiburg. Ein historisches Lesebuch; Heinz Siebold u. Dirk Schindelbeck: Unsere Bank am Kaiserstuhl. 140 Jahre Kaiserstühler Volksbank. Ein historisches Lesebuch (Simon Gonser) (95-97)

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Plan Wiens von 1547

Einige Jahre nach der Türkenbelagerung von 1529 fertigte der Steinmetzmeister Bonifaz Wolmuet einen Grundrissplan von Wien an. Dieser Plan, der 1547 fertiggestellt wurde, zeigt die Stadt innerhalb der mittelalterlichen Ringmauer sowie die direkte Umgebung. Auch die – großteils erst geplanten – neuzeitlichen Befestigungsanlagen, die die Stadt vor neuerlichen Angriffen schützen sollten, sind im Plan bereits eingezeichnet. Die Federzeichnung mit den Maßen 192 x 233 cm wird heute im Wien Museum aufbewahrt. Da das Original heute schlecht lesbar ist, wird für eingehende Studien häufig eine Reproduktion aus dem 19. Jahrhundert verwendet. Durch seine prachtvollen Farben und seine Detailgenauigkeit ist dieser Plan nicht nur von großem Wert für die Forschung, sondern auch ein ästhetisch ansprechendes Kunstwerk. Heute wird dieses Stück im Wiener Stadt- und Landesarchiv verwahrt.

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Weitere Informationen zum Plan: www.wien.at/kultur/archiv/geschichte/zeugnisse/wolmuet.html

Ausstellung zur Nutzung der Flächen vor den Stadtmauern
In der Kleinausstellung "Von der Gstätten zum Stadtpark. Zur Nutzung der Flächen vor den Wiener Stadttoren vom 16. bis zum 19. Jahrhundert" werden die unterschiedlichen Nutzungen des Glacis anschaulich präsentiert. Als Grundlage dient das umfangreiche Kartenmaterial des Wiener Stadt- und Landesarchivs. Die Ausstellung ist vom 4. Juni bis 1. Oktober 2010 im Foyer des Archivs zu den Öffnungszeiten zu besuchen. Der Eintritt ist kostenlos, ein Katalog zur Ausstellung liegt zur freien Entnahme auf.

Information zur Ausstellung, Anfahrtsweg und Öffnungszeiten: www.wien.at/kultur/archiv/veranstaltungen/glacis.html

Kontakt:
Magistratsabteilung 8
Wiener Stadt- und Landesarchiv
Guglgasse 14, 5. Stock, Top 508
Eingang: Gasometer D (Zugang von Gasometer A)
1110 Wien
Telefon +43 1 4000 84808
Fax +43 1 4000 84809
post@ma08.wien.gv.at
www.archiv.wien.at

Quelle: Stadt Wien, Pressemitteilung, 23.6.2010

Italienische Einrichtungen der Wissenschaft und Kultur von massiven Kürzungen bedroht

Zahlreiche italienische Einrichtungen der Wissenschaft und Kultur kämpfen derzeit um ihre Existenz. Art. 7, Abs. 24, der kürzlich im italienischen Gesetzblatt unter dem Titel \“Sofortmaßnahmen zur Finanzstabilisierung und wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit\“ veröffentlichten und noch vom Parlament zu beschließenden Eilverordnung bestimmt:

\“Mit Inkrafttreten des vorliegenden Gesetzesdekretes werden die Haushaltsmittel für die entsprechenden Kapitel in den Voranschlägen der zuständigen Ministerien bezüglich der staatlichen Beihilfe für Körperschaften, Institute, Stiftungen und andere Organisationen um 50% gegenüber dem Jahr 2009 gekürzt. Zum Zwecke der Rationalisierung und Neuordnung der Modalitäten, unter denen der Staat zur Finanzierung der vorgenannten Einrichtungen beiträgt, setzen die zuständigen Ministerien innerhalb einer Frist von 60 Tagen nach Inkrafttreten des vorliegenden Dekretes die Aufteilung der verfügbaren Mittel fest.\“

Auf Initiative des Staatspräsidenten Giorgio Napolitano wurde ein Anhang (vgl. die Liste unter <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/index.asp?pn=texte&id=1315>), bestehend aus einer Liste von 232 Kulturinstituten und -einrichtungen, aus dem Dekret vorerst herausgenommen und damit ein regelrechtes \“Massensterben\“ von Einrichtungen der Wissenschaft und der Kultur verhindert, für die jegliche staatliche Beihilfe gestrichen werden sollte. Die Neufassung von Abs. 24 bietet allerdings keinerlei Sicherheit, insbesondere für die nichtwirtschaftlichen öffentlichen Körperschaften wie das Istituto storico italiano per il medio evo (ISIME), das der Kontrolle des Ministeriums für Kulturgüter und kulturelle Aktivitäten unterliegt. Dieses Ministerium muss nach den Bestimmungen des Gesetzesdekretes eine Kürzung des entsprechenden Haushaltskapitels um 50% vornehmen, was weit über den von den Sofortmaßnahmen vorgesehenen Mittelwert von 10% hinausgeht.

Die wichtigsten Historikervereinigungen Italiens haben hierzu kürzlich wie folgt Stellung genommen:

\“Die scientific community der italienischen Historiker sieht in der unterschiedslosen Streichung der Zuwendungen für die Einrichtungen, die wissenschaftliche Bestände, Quellen, Archive und Bibliotheken verwalten, welche für die europäische Geschichte und Kultur von grundlegender Bedeutung sind, ein schweres Symptom der Unkultur und kultureller Armut. Unter Bedingungen, die sich seit Jahren äußerst schwierig gestalten, und dank des Einsatzes von Hunderten von Wissenschaftlern, die oftmals ehrenamtlich arbeiten, fördern die italienischen Kultureinrichtungen Forschungen, Studien und Initiativen, die der Weiterentwicklung und der Vermittlung des Fachwissens und der Fachkenntnisse dienen und dabei auch über die Grenzen der fachwissenschaftlichen Kreise hinausgreifen. Ins Auge fällt das äußerst geringe Gewicht, das die Höhe der gestrichenen Gelder im Gesamtrahmen des Haushaltsmanövers besitzt; an sich von bescheidener Größe, sind die Summen jedoch wesentlich für die Entwicklung der italienischen Kultur auch im internationalen Zusammenhang – einer Kultur, die auf diese Weise schwer getroffen wird, während man sich anschickt, ihre Bedeutung im Rahmen der Feiern zur einhundertfünfzigjährigen Gründung des Einheitsstaates herauszustellen. Ins Auge fällt auch die unterschiedslose Unbestimmtheit einer Maßnahme, während man gleichzeitig die Wichtigkeit von Evaluierung und Leistung betont. Unsere Verbände fordern und hoffen deshalb, dass das Parlament und die politischen Kräfte diesen Haushaltsposten wiederaufnehmen und allenfalls für die Zukunft die Einführung von Beurteilungskriterien vorsehen, welche den Instituten und Stiftungen die Finanzierung für herausragende Forschungsprojekte sicherstellen, die von wissenschaftlicher Seite a priori und a posteriori der Prüfung durch kompetente Fachleute unterliegen. Nicht akzeptiert werden kann der Plan, die Verteilung der verbleibenden Geldmittel zukünftig der Entscheidung des Schatzministers und des Ministerpräsidentenbüros zu überlassen. Der Grundsatz der Fachkompetenz, dieses sichere Fundament für jegliche wissenschaftliche Unternehmung, verlangt, dass die Beurteilung in vollkommen transparenter Weise durch das Ministerium für kulturelle Güter unter Heranziehung der wichtigsten italienischen Fachleute aus den jeweils betroffenen Disziplinen erfolgt.\“

Der Präsident des ISIME, Prof. Massimo Miglio, erklärt: \“Wir sind uns der schwierigen Wirtschaftslage durchaus bewusst, doch die Probleme werden nicht dadurch gelöst, dass man Stätten der Arbeit und Produktion zur Schließung zwingt, die den Nachwuchs ausbilden und die man weltweit für italienische Spitzeneinrichtungen hält. Kürzungen und Streichungen kann und muss man in den unproduktiven Sektoren vornehmen. Eine aufmerksame, vom Ministerium aus dieser Perspektive vorgenommene Prüfung böte auch die Möglichkeit einer organischen, effektiven Neuordnung, die wir alle wünschen; aus diesem Grund streben wir eine Unterredung mit den Verantwortlichen aus dem Ministerium für Kulturgüter und kulturelle Aktivitäten an. […] Das Institut kann wie andere vergleichbare Einrichtungen eine positive Bilanz vorweisen: Es initiiert zahlreiche ehrenamtliche Aktivitäten, gibt den Nachwuchsforschern Arbeit und fördert deren berufliche Kompetenzen, veröffentlicht jährlich ungefähr 15 Werke von hoher wissenschaftlicher Qualität, verfügt über eine Spezialbibliothek und ein bedeutsames historisches Archiv, die frei zugänglich sind, bildet als Träger der Scuola Storica Nazionale di Studi medioevali und der Scuola per l\’edizione delle fonti junge Nachwuchswissenschaftler aus und organisiert zahlreiche Seminare und Tagungen.\“

Das Deutsche Historische Institut arbeitet seit über 100 Jahren mit zahlreichen, von massiven Kürzungen bzw. Schließung bedrohten italienischen Einrichtungen zusammen. Die Nutzung beispielsweise von deren Bibliotheken und Archiven ist für die internationale Community unverzichtbar, auch der bestehende Zeitschriftenaustausch darf nicht gefährdet werden.

Namens des Deutschen Historischen Instituts in Rom und seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter protestieren wir mit Nachdruck gegen den geplanten Kahlschlag, welcher bestehende internationale Kooperationen bedroht.

Wir bitten Kolleginnen und Kollegen in Deutschland, ihre Solidarität zu bekunden, sich diesem Protest anzuschließen und entsprechende Schreiben an folgende, in Auswahl genannte Anschriften zu senden (bitte lassen Sie Kopien der Schreiben dem DHI in Rom zukommen, damit sie ggf. gezielt in die laufenden parlamentarischen Beratungen eingebracht werden können):

Associazione Nazionale Archivistica Italiana (<http://www.anai.org>)
Società Italiana degli Storici medievisti (<http://cisadu2.let.uniroma1.it/sismed/>)
Società Italiana delle Storiche (<http://www.societadellestoriche.it>)
Società italiana per gli Studi di Storia delle Istituzioni (<http://www.storiadelleistituzioni.it>)
Società Italiana per la Storia dell\’Età moderna (<http://www.stmoderna.it>)
Società Italiana per lo Studio della Storia contemporanea (<http://www.sissco.it>)

Associazione delle istituzioni di cultura italiane (<http://www.aici.it>)
Istituto storico italiano per il medio evo (<http://www.isime.it>)
Istituto Nazionale per la Storia del Movimento di Liberazione in Italia (<http://www.italia-liberazione.it>)
Fondazione Lelio e Lisli Basso (<http://www.fondazionebasso.it>)
Fondazione Accademia Musicale Chigiana (<http://www.chigiana.it>)
Fondazione Claudio Monteverdi (<http://www.fondazionemonteverdi.it>)
Fondazione Gioacchino Rossini (<http://www.fondazionerossini.org>)
Fondazione Istituto Nazionale di Studi Verdiani (<http://www.fondazione-internazionale-giuseppe-verdi.org>)

Rom, 17.6.2010

Für das Deutsche Historische Institut in Rom:
Prof. Dr. Michael Matheus (<http://www.dhi-roma.it> – kruse@dhi-roma.it)

Ausstellung zu mittelalterlicher Liturgie als Einbandmakulatur

Als im Herzogtum Württemberg nach 1534 die Reformation eingeführt und die Klöster aufgehoben wurden, waren auch die alten liturgischen Bücher für den Gottesdienst, für Gebet und Gesang nutzlos geworden. Der wertvolle Beschreibstoff, das beschriftete Pergament, konnte wiederverwendet werden. Zahlreiche liturgische Bücher wurden in ihre einzelnen Blätter zerlegt, makuliert und beschnitten, um sie als günstiges Einbandmaterial wieder zu gebrauchen.

Die Ausstellung "Musikalische Fragmente" nimmt die verschiedenen Entwicklungsstufen dieser Fragmente von der liturgische Handschrift, der Einbandmakulatur bis zum Forschungs- und Restaurierungsobjekt in den Blick und entführt in die Welt klösterlicher Musik im Mittelalter.

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Abb.: Totenmesse, um 1500. HStAS J 522 E III Nr. 473 (Foto: Landesarchiv BW)

Mit dem Verlust zahlreicher Choralhandschriften gingen bedeutende Zeugnisse klösterlicher Musik im Mittelalter unwiederbringlich verloren. Die als Einbandmakulatur erhaltenen musikalischen Fragmente geben Einblicke in diese Welt des Gregorianischen Chorals und zeigen die Entwicklung der Notation vom 10. bis zum 16. Jahrhundert in ihren reichen Facetten auf. Neben frühesten Zeugnissen aus dem 10. und 11. Jahrhundert führen Spuren zu längst verloren geglaubten musikalischen Zeugnissen einst bedeutender religiöser Zentren wie etwa den Klöstern Hirsau und Maulbronn.

Alte Gesänge in neuem Klang
Anhand neu eingespielter Tonaufnahmen zum Klingen gebracht, eröffnen die musikalischen Fragmente nicht nur Einblicke in eine besondere religiöse Welt, sondern machen sie auch auditiv erfahrbar. Darunter präsentiert sich ein bislang verschollenes Zeugnis mittelalterlicher Mehrstimmigkeit nach über 500 Jahren in neuem Klang.

… als Einbandmakulatur
Schon vor der Reformation kamen Choralhandschriften durch liturgische Neuausrichtung und formale Vereinheitlichung außer Gebrauch. Die Zerstörung und Wiederverwendung als Einbandmakulaturen steht im Blickpunkt der Präsentation. So dokumentieren etwa zahlreiche französische Fragmente in württembergischen Verwaltungsrechnungen eine weite Streuung in unterschiedlichste Richtungen, die die Beantwortung der drängenden Frage nach der Herkunft dieser musikalischen Fragmente erschwert.

… als Archivgut
Unter den Archivbeständen besitzen die als Einbandmakulatur erhaltenen Fragmente eine besondere und bisher nur ansatzweise erfasste Bedeutung für die Musikgeschichte und Liturgieforschung. Die fachgerechte Verwahrung, Erhaltung und wissenschaftliche Erschließung dieser Objekte stellt Archivare und Restauratoren vor besondere Herausforderungen.

…als Restaurierungsobjekt
Die restauratorische Perspektive lenkt schließlich den Blick auf das Objekt selbst und führt ein in die mittelalterliche Handschriftenherstellung. Vielfältige Spuren am Pergament verweisen auf seine wechselhafte Geschichte und eröffnen Rückschlüsse auf Herstellung und Verwendungszweck. So unterlagen die Fragmente bei der zweiten Nutzung als Einbandmakulatur einer ungleich höheren Beanspruchung, wie diese an mechanische Abschabungen ablesbar ist. Wassereintrag schädigte die farbigen Verzierungen und Beschriftungen, unsachgemäße Lagerung setzte das Pergament Nagetieren aus. Einige dieser Schäden können von Restauratoren behoben oder zumindest reduziert werden. Im Vordergrund steht dabei vor allem die dauerhafte Sicherung dieser großartigen Zeugnisse mittelalterlicher Musik.

Info:
Musikalische Fragmente. Ausstellung zu mittelalterlicher Liturgie als Einbandmakulatur
Ausstellung in Zusammenarbeit mit der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, Stuttgart, und der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste, Studiengang Konservierung und Restaurierung von Graphik, Archiv- und Bibliotheksgut, Fellbach.
Konzeption und Bearbeitung: Annekathrin Miegel, Peter Rückert, Andreas Traub, Andrea Pataki-Hundt
Leihgaben und Unterstützung: Württembergische Landesbibliothek Stuttgart und Stadtarchiv Schwäbisch Hall

Ausstellungszeitraum: vom 16. Juni bis 27. August 2010

Ort:
Landesarchiv Baden-Württemberg
Hauptstaatsarchiv Stuttgart
Konrad-Adenauer-Straße 4
70173 Stuttgart
Telefon: 0711/212-4335
Telefax: 0711/212-4360
hstastuttgart@la-bw.de
www.landesarchiv-bw.de

Öffnungszeiten
Montag 9.15-17.00 Uhr
Dienstag und Mittwoch 8.30-17.00 Uhr
Donnerstag 8.30-19.00 Uhr
Freitag 8.30-16.00 Uhr
Eintritt frei

Link:
Virtueller Rundgang durch die Ausstellung

Quelle: Landesarchiv Baden-Württemberg, Ausstellungshinweis.

Im Alten Neues über Königsbrunn entdecken

Über die Königsbrunner Stadtarchivarin Susanne Lorenz und ihr Tätigkeitsfeld berichtet die Augsburger Allgemeine. Seit 2001 betreut die 39-jährige Absolventin der bayerischen Archivschule das Stadtarchiv Königsbrunn. Lorenz entstammt einer alteingesessenen Königsbrunner Familie. 1864 zog ihr Ururgroßvater Peter Streicher von Unterbergen über den Lech und ließ sich im Südosten Königsbrunns nieder.

Die Unterlagen der Stadt reichen indes nicht so weit zurück. Gemeinderatsprotokolle finden sich erst ab November 1865 im Archiv – obwohl Königsbrunn schon im Januar 1842 zur Gemeinde erhoben wurde. Die offenkundigen Verluste resultieren vermutlich aus dem Umstand, dass die jeweiligen Bürgermeister die Akten der Gemeinde zu Hause aufbewahrten und an ihre Nachfolger weiterreichten. Erst 1938 wurde das damalige Armenhaus zum Rathaus umgebaut wurde

Frühe Dokumente zur Geschichte Königsbrunns finden sich allenfalls als Kopie im Stadtarchiv. Viele davon hatte Albert Teichner Anfang der 1980er Jahre für sein Buch „Königsbrunn – die Stadt auf dem Lechfeld“ anfertigen lassen. Akten der Kommune, ihre Sitzungsprotokolle, Rechnungen, Verträge und notarielle Urkunden sind das Rückgrat des Stadtarchivs. Hinzu kommen weitere Quellengattungen, wie Landkarten und Stadtpläne aus verschiedenen Jahrzehnten sowie Zeitungen.

Stadtarchivarin Lorenz interessiert sich zudem für ergänzende Sammlungen zur Stadtgeschichte und appelliert an ihre Mitbürger, ihr historisches Schriftgut aus Privat-, Firmen- und Vereinsbesitz anzubieten, so wie vor einigen Monaten geschehen, als sie eine dicke Mappe mit Unterlagen zur Organisation des Festes zum 100-jährigen Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr anno 1973 erhielt.

Kontakt:
Stadtarchiv Königsbrunn
Schwabenstraße 43
86343 Königsbrunn
Telefon 08231/606-221
Fax: 08231/606-28255
susanne.lorenz@koenigsbrunn.de

Quelle: Hermann Schmid, Augsburger Allgemeine, 20.6.2010

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