Digitale Bibliothek Deutschland

Als zentrale Anlaufstelle für wissenschaftliche Literatur und Online-Fachinformationen haben jetzt nach einem Bericht von heise.de 37 Bibliotheken, Forschungsinstitute und Fachinformationszentren ein fächerübergreifendes Internet-Portal eingerichtet. Unter dem Kunstnamen vascoda, der Assoziationen zu dem portugiesischen Seefahrer und Entdecker Vasco da Gama (1469 bis 1524) weckt, soll es Anfang August zur internationalen Bibliothekskonferenz IFLA den Betrieb aufnehmen. 

Vascoda bündelt die in Deutschland mit öffentlichen Mitteln aufgebauten Informationsdienstleistungen der Wissenschaft unter einem gemeinsamen Internet-Zugang mit einer einfach zu handhabenden Suchmaschine. Die Benutzung ist unentgeltlich, auch wird ein Großteil der Informationen, die sämtlich aus geprüften Quellen stammen, kostenlos zu beziehen sein. Daneben sind aber ebenso Angebote von Verlagen und kommerziellen Datenbanken kostenpflichtig verfügbar. Die Abrechnung erfolgt in diesen Fällen über die Registrierungs- und Zugangsmechanismen der jeweiligen Anbieter.

An dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Wissenschaftsportal sind unter anderem 23 Virtuelle Fachbibliotheken – wie MathGuide und ViFaPhys -, die vier großen Informationsverbünde EconDoc (Wirtschaft), GetInfo (Naturwissenschaft und Technik), infoconnex (Pädagogik, Sozialwissenschaften, Psychologie) und Medizin sowie die Elektronische Zeitschriftenbibliothek (EZB) an der Universitätsbibliothek Regensburg beteiligt.

Quelle: Heise.de, 24.7.2003.

DER ARCHIVAR 3/2003

Die Juli-Ausgabe 2003 von DER ARCHIVAR beinhaltet neben Beiträgen aus der Archivtheorie und Archivpraxis (hierin u.a. ein Erfahrungsbericht von Sigrid Peters über die Erarbeitung eines Thesaurus für die Stasi-Unterlagen) sowie Berichten aus dem Ausland (mit einem Situationsbericht Josef Nössings über von der Schließung bedrohte italienische Archive) folgende Aufsätze:

  • Qualitätsparameter archivischer Arbeit – Überlegungen zur Dienstleistung und Ressourcengewinnung (Gabriele Stüber)
  • Staatliche Archive als bürgernahe Einrichtungen mit kulturellem Auftrag (Robert Kretzschmar)
  • Kulturarbeit – eine Kernaufgabe der Kreisarchive? (Irmtraud Betz-Wischnath e.a.)
  • Die Verfolgung der Sinti und Roma im Natzionalsozialismus in Niedersachsen: Zur Aussagekraft von „Wiedergutmachungsakten“ (Raimond Reiter)
  • Archive in Chemnitz
  • Archivbericht Frankreich 200-2002: EDV und Archive (Wolfgang Hans Stein)

DER ARCHIVAR Heft 3, Juli 2003
hg. vom NRW-Hauptstaatsarchiv
Zweigarchiv Schloss Kalkum
Oberdorfstr. 10
40489 Düsseldorf
http://www.archive.nrw.de/archivar

Einblicke ins Schweriner Stadtarchiv

Das gute Stück ist in Leder und Holz gebunden und mit Messingschließen bewehrt: Das Stadtbuch von 1424 ist das älteste Stück im Schweriner Stadtarchiv in der Stellingstraße, wo sieben Mitarbeiter die Bestände pflegen. Die Urkunde über die Gründung Schwerins durch Heinrich den Löwen 1160 existiert nicht mehr. „Schwerin ist im 16. und 17. Jahrhundert dreimal abgebrannt“, erklärt Archivleiter Dr. Bernd Kasten. Da hätten die damaligen Archivare nur gerettet, was wichtig war. „Im Stadtbuch waren Grundstücksgeschäfte und Hypotheken verzeichnet.“ Es ging um Geld, deshalb hat der Foliant überlebt. Allerdings sind die uralten Akten aus Pergament oder Hadernpapier (aus Textilabfällen hergestellt) auch haltbarer als die Unterlagen der späteren Jahre.

Besonders Bestände ab etwa 1850 sind vom Zerfall bedroht – auch in Schwerin. „Damals wurde Holzpapier eingeführt“, erläutert Dr. Kasten. Es ist stark säurehaltig und wird mit der Zeit brüchig.

Das Verfahren zur Konservierung kostet 10 bis 15 Cent pro Blatt. Da die betroffenen Bestände hunderte Regalmeter füllen, ist die Konservierung eine finanzielle und handwerkliche Mammutaufgabe. Dr. Kasten kündigt an: „Vom nächsten Jahr an wollen wir unseren Restaurierungs-Haushaltstitel für die Papierkonservierung verwenden.“ Bücher und Karten sind bereits restauriert, die alten Zeitungen sind mikroverfilmt.

81 Regalmeter Akten sind 2002 ins Stadtarchiv gewandert, in der Archiv-Außenstelle in der Weststadt haben sich Bestände auf 2.000 Regalmeter Länge angesammelt. Auf fünf Prozent beziffert Dr. Kasten den Anteil, der schließlich als Päckchen wohlverschnürt in die endlosen Regalschluchten wandert, beschriftet mit Zahlen und Buchstaben, die nur dem Eingeweihten den Weg weisen. Manche Päckchen werden nie wieder aufgeschnürt.

Man solle sich aber nicht täuschen, sagt Dr. Kasten. „Ich dachte auch, die Korrespondenz der Kleingärtner mit dem Liegenschaftsamt aus dem 19. Jahrhundert werde nie jemand brauchen.“ Schon eine Woche später habe der Kleingärtner-Kreisverband nachgefragt… „Wir beurteilen, was irgendwann wichtig sein könnte“, erklärt Dr. Bernd Kasten die Herausforderung seines Berufes. „Irgendwann“ wird dabei in Jahrhunderten gemessen, deutsche Archive reichen bis zu 1.000 Jahre zurück. „Was einmal ins Archiv einsortiert ist, bleibt dort für immer.“

Kontakt:
Landeshauptstadt Schwerin
Stadtarchiv
19053 Schwerin
Tel.: (03 85) 56 29 70

Ansprechpartner:
Benutzerdienst: Jens-Uwe Rost
Tel.: 5 93 62 44
Rainer Blumenthal
Tel.: 59 80 10 61
Archivleiter: Dr. Bernd Kasten
E-Mail: Stadtarchiv@schwerin.de

Außenstelle (Bauakten- und Grundbucharchiv)
Willi-Bredel-Str. 18
19059 Schwerin
Tel.: 7 45 28 30
Ansprechpartner: Jörg Moll

Quelle: SVZ, 23.7.2003

Aus evangelischen Archiven Nr. 43/2003

Der aktuelle Jahresband 2003 „Aus evangelischen Archiven“ ist erschienen. In den Beiträgen erörtert u.a. Dieter Klose die Möglichkeit historischer Bildungsarbeit in Kirchenarchiven. Er überprüft dabei Anforderungen und Charakteristika der allgemeinen Archivpädagogik für den Bereich der kirchlichen Archive, d.h. Archive als schulische und außerschulische Lernorte, Bedingungen für Projektarbeit sowie spezifische archivtechnische und pädagogische Rahmenbedingungen.

Mit Sicherheit auch von Kirchenarchiven zu leisten sind nach Kloses Einschätzung zumindest folgende Aspekte: Informationsvermittlung über die Aufgaben des Archivs und über die fachliche Ausbildung der Archivmitarbeiter; Vorstellung einzelner Archivalientypen; Themenführungen; Betreuung von Referaten, Fach- und Abschlussarbeiten; Ausstellungshinweise; Vermittlung einer historischen Dimension gemeindlicher Existenz.

Inhalt des Heftes Nr. 43:

  • Editorial (5)
  • Rainer Hering: Kirchen in Monarchie, Republik und Demokratie. Neuerscheinungen zur neueren und neuesten Kirchengeschichte Deutschlands (7)
  • Jens Murken: Erinnerungskultur und Biographie. Zur kommunikativen Praxis der Geschichte (37)
  • Anette Neff: Mündliche Lebensberichte im Zentralarchiv der EKHN. Methoden der Erfassung, Aufbewahrung und Benutzung (55)
  • Bernd Hey: Reduktionen und Pointierungen. Erfahrungen mit den biographischen Ausstellungsprojekten Ehmann, Wilm und Gerstein (73)
  • Dieter Klose: Archivpädagogik – Chance für kirchliche Archive? (81)
  • Andreas Metzing: Die Überlieferungen der linksrheinischen evangelischen Lokalkonsistorien der napoleonischen Zeit (99)
  • Alexandra Mittmann: „… es soll unser Bestreben sein, von der leidvollen Vergangenheit frei zu werden …“ Das Archiv der Kirchengeschichtlichen Arbeitsgemeinschaft Minden e.V. (109)
  • Jörg Rohde: Pfarrbüchereien im Bereich der Hannoverschen Landeskirche (113)
  • Paul Peucker: Die Erschließung der Topographischen Sammlung des Unitätsarchivs in Herrnhut (123)
  • Gerhard Paasch: Unterstützung – Ablehnung – Anpassung. Hamburger Kirchengemeinden im Nationalsozialismus (131)
  • Werner Jürgensen: Rechtsfragen zur Präsentation von Archivgut im Internet (137)
  • Wolfgang Günther: Neues Archiv- und Kirchenbuchrecht in der westfälischen Landeskirche (153)
  • Jens Murken: Tagungsbericht: Erinnerungsorte und Erinnerungskultur im deutschen Protestantismus des 20. Jahrhunderts (181)

Aus evangelischen Archiven Nr. 43/2003
ISSN: 1617-8238

Bezugsadresse:
Verband kirchlicher Archive
Geschäftsführung
Landeskirchliches Archiv Hannover
Goethestraße 27
30169 Hannover

Kertészs Archiv zugänglich

Das künstlerische Archiv des Literaturnobelpreisträgers Imre Kertész ist laut dpa jetzt in der Berliner Akademie der Künste (www.adk.de) auch der Forschung zugänglich. Der 1929 geborene Schriftsteller hatte seine Werkmanuskripte, Korrespondenzen und Notizen bereits Ende 2001 der Akademie als Depositum übergeben. Dazu gehören etwa die Manuskripte des „Romans eines Schicksallosen“, des „Spurensuchers“, des „Galeerentagebuchs“ und von „Ich, ein anderer“.

Die Beschäftigung mit der Shoah ist ein zentrales Thema der Akademie, wo auch große Bestände zur Künstleremigration während der NS-Zeit und zum Jüdischen Kulturbund in Deutschland betreut werden.

Kontakt:
Akademie der Künste
D-10557 Berlin-Tiergarten 
Hanseatenweg 10
Tel: 030.390 76-0
Fax: 030.390 76-175
info@adk.de

NRW-Pilotprojekt für E-Government abgeschlossen

Zwölf nordrhein-westfälische Städte haben ausgewählte Verwaltungsverfahren auf elektronische Abwicklung umgestellt. Das Gemeinschaftsprojekt e-Government NRW wurde vom Städte- und Gemeindebund NRW initiiert. Beteiligt waren Microsoft Deutschland und die Bertelsmann-Stiftung. Dabei seien Lösungen geschaffen worden, die kostengünstig, auf andere Kommunen übertragbar und leicht auszubauen seien. „Damit ist der Grundstein zum Virtuellen Rathaus in Nordrhein-Westfalen gelegt“, erklärte heute der Präsident des Städte- und Gemeindebundes NRW (StGB NRW), Bergkamens Bürgermeister Roland Schäfer, in Düsseldorf zum Abschluss des Projektes. 

Die Städte Bergisch Gladbach, Bergkamen, Coesfeld, Gütersloh, Herten, Lippstadt, Olsberg, Paderborn, Ratingen, Rees, Rietberg und Siegburg haben in acht Teilpilotprojekten den Verwaltungsvorgang auf elektronische Bearbeitungsweise umgestellt und damit den herkömmlichen Behördengang überflüssig gemacht, heißt es beim Städte- und Gemeindebundes. Zu den Teilprojekten gehören Bauleitplanung, Melderegisterauskunft und Personenstandswesen.

Das Pilotprojekt sei präzise dokumentiert worden. Dadurch und mit Hilfe der neu entwickelten Software E-Government Starter Kit könnten auch kleinere Städte und Gemeinden ohne größere Investitionen elektronische Verwaltungsverfahren für Bürger und die örtliche Wirtschaft einrichten. „Das wichtigste Ziel, die Übertragbarkeit der Ergebnisse, wurde damit erreicht. In Zeiten knapper Kassen kann auf diese Weise durch e-Government Geld gespart werden“, erklärte der Hauptgeschäftsführer des StGB NRW, Bernd Jürgen Schneider.

Quelle: Heise.de, 22.7.2003.

Streit um Zwettler Fragmente geht weiter

Der Gelehrtenstreit um die angeblich ältesten Fragmente des Nibelungenliedes, die die Historikerin und Archivarin des Stiftes Zwettl, Charlotte Ziegler, ebendort entdeckt haben will, geht weiter. Der Marburger Altgermanist Joachim Heinzle hat in der jüngsten Ausgabe des \“Marburger UniJournal\“ die Fragmente als \“faulen Nibelungenzauber\“ bezeichnet, der \“rein gar nichts mit den Nibelungen zu tun\“ hätte. Vielmehr handle es sich \“zweifelsfrei\“ um den französischen Roman vom Königssohn Erec und seiner Frau Enite, den Chrestien de Troyes um 1170 verfasste (vgl. auch den Bericht vom 12.4.).

Ziegler beharrt weiterhin darauf, dass auf den Fragmenten neben den Erec-Texten, die sie auch selbst in ihren Forschungen entdeckt habe, weiteres \“Nibelungisches\“ enthalten sei. Dies werde auch durch neue Erkenntnisse gestützt. Ob der Text dem Nibelungenlied oder der danach entstandenen Nibelungenklage zuzuordnen sei, wolle Ziegler (auch mit dem gewählten Terminus \“Nibelungisches\“) \“zur Diskussion stellen\“. Ein Teil der Fragmente nehme jedenfalls Bezug auf den Nibelungentext.

Ziegler bekräftigte ihre umstrittene Datierung der Fragmente um 1200. Bisher habe es vom Nibelungentext nur schriftliche Aufzeichnungen nach dem Jahr 1220 gegeben. Nach Heinzles Darstellung zeige die Schriftform jedoch eindeutig, dass die Dokumente im 13. Jahrhundert entstanden sind.

Quelle: Der Standard, 21.7.2003.

12 Mio. Bände bei Brand vernichtet

Dem Brand der irakischen Nationalbibliothek beim Einmarsch der US-Truppen in Bagdad ist die unersetzliche Sammlung mittelalterlicher Handschriften zwar entgangen, vernichtet ist dagegen der gesamte Bestand an gedruckter Literatur. „Für Historiker des modernen Irak ist das ein großer Verlust“, sagt der Berliner Orientalist und Direktor des Instituts für Asien- und Afrika-Wissenschaften an der Humboldt-Universität, Peter Heine.

Die Bibliothek in Bagdad verfügte über zwölf Millionen Bände, darunter alle seit Anfang des 20. Jahrhunderts im Irak publizierten Bücher sowie die größte Sammlung arabischer Zeitschriften. Werke aus früheren Epochen, vor allem dem 19. Jahrhundert, waren mit der Beschlagnahmung vieler Privatbibliotheken während der Diktatur Saddam Husseins in die Magazine gelangt.

Die rund 50.000 mittelalterlichen Handschriften, über die die Bibliothek verfügte, waren dagegen zum Zeitpunkt des Brandes in einem Bunker ausgelagert und haben dort die Plünderungen unversehrt überstanden. Geringer als zunächst befürchtet waren offenbar auch die Verluste beim Brand des Ministeriums für religiöse Angelegenheiten in Bagdad. Dort wurden 7.000 Urkunden über religiöse Stiftungen verwahrt, von denen die ältesten in die frühe Neuzeit zurückreichen. Als verloren gelten müssen davon etwa 2.000, die übrigen waren zum Zeitpunkt der Eroberung Bagdads an einen sicheren Ort ausgelagert.

Quelle: Westfalenpost 22.7.2003.

Ziegelei-Archiv in MeckPomm

Die Suche nach Zeitzeugen, nach Text- und Fotomaterial aus vergangenen Jahrhunderten ist für Sabine Forejt von der Beschäftigungsgesellschaft Ziegelei Benzin zum Hobby geworden. Mittlerweile umgeben sie etwa 50 Aktenordner, in denen zu exakt 463 Ziegelei-Standorten im Land Informationen zu finden sind. Denn in Benzin In Benzin entsteht ein Archiv über Ziegeleien in Mecklenburg-Vorpommern.

Besonders tiefgründige Recherchen liegen zu der Ziegelei in Benzin vor. Sie wurde 1907 gegründet und war bis 1972 in so genannter privater Hand. Dann wurde die Produktionsstätte, in der acht bis 16 Mitarbeiter beschäftigt waren, verstaatlicht. Mit dem Fall der Mauer kam das Aus für der Betrieb, der 1990 noch 200.000 Ziegel produzierte. Nachdem anschließend Rückübertragungsansprüche gewährt worden waren, kaufte die Beschäftigungsgesellschaft 1995 die alten, seinerzeit verfallenen Gebäude und ließ in den vergangenen Jahren ein technisches und teilweise noch produzierendes Denkmal entstehen, das im Land seinesgleichen sucht. „Wir haben in Benzin die einzige Ziegelei mit Hoffmannschem Ringofen, die noch produziert“, sagt Sabine Forejt nicht ohne Stolz. Als die heute 31-jährige Frau vor acht Jahren begann, sich mit der Geschichte der Ziegelei in Benzin auseinander zu setzen, ahnte sie nicht, dass aus dieser Arbeit ein Hobby werden könnte.

Für eine solche Arbeit sei ein gewisses Maß an Interesse und Neugierde sowie persönlicher Einsatz notwendig. Und so kamen die Nachforschungen auch nicht zum Erliegen, als Sabine Forejt einige Zeit arbeitslos war. „Man kann die Geschichte nicht ruhen lassen“, sagt sie mit Überzeugung.

Als das Interesse in Benzin über die dortige Ziegelei hinaus wuchs, kam Unterstützung aus Schwerin gerade recht. Dr. Friedrich Wilhelm Borchert hatte bereits 1992/93 mit ähnlichen Recherchen begonnen und stellte den Benzinern schließlich seine Arbeitsergebnisse zur Verfügung. „Das war schon sehr viel, was dabei zusammen getragen wurde“, sagt Sabine Forejt. Dennoch machte sie sich auf die Suche, durchstöberte Museen und Archive des Landes, um noch mehr Material zu bekommen. Anfangs gestaltete sich diese Arbeit als schwierig.

Nachdem die 31-Jährige dieses Mal über ein so genanntes gemeinwohlorientiertes Arbeitsförderungsprojekt seit Ende 2002 eine dreijährige Anstellung als Projektleiterin des Museums in Benzin gefunden hat, kann sie auch das Archivieren wie gewünscht fortsetzen. Es gab in fast jedem kleinen Ort eine Ziegelei, weiß die Archivarin zu berichten. Aus der näheren Umgebung tauchen solche Orte wie Karbow, Lübz, Daschow, Karow und Plau auf. Gegründet wurden die Einrichtungen zu ganz unterschiedlichen Zeiten. Die Aufzeichnungen im Benziner Archiv reichen bis ins 12. Jahrhundert zurück. Große Hilfe bei der Suche findet Sabine Forejt auch im Bundesverband der deutschen Ziegelindustrie e.V., der regelmäßig zu Fachtagungen einlädt. Dabei werden nicht nur Erfahrungen, sondern mitunter auch alte Fotos ausgetauscht. Besonders lebendig wird die Geschichte jedoch, wenn Zeitzeugen in Benzin „auftauchen“ und über das Erlebte berichten. Großes Ziel der Forscher ist der Erhalt des Kulturerbes, nahe liegendes Interesse: Publikationen über die Geschichte der Ziegelei in Benzin und später über die heute größtenteils verfallenen Stätten im Land Mecklenburg-Vorpommern.

Kontakt:
›Ziegelei Benzin‹-Beschäftigungsgesellschaft mbH
Ziegeleiweg 8
19386 Benzin
Telefon: 038731/8059
Telefax: 038731/8060
E-Mail: ziegelei-benzin@t-online.de
www.ziegelei-benzin.de

Weiterführende Links:
www.lehm-backsteinstrasse.de
www.fal-ev.de

Quelle: SVZ online, Zeitung für Lübz-Goldberg-Plau, 22.7.2003 (mit Foto)

Zuwachs im Stadtarchiv St. Gallen

Das St. Galler Stadtarchiv, dessen Bücher und Akten nebeneinandergestellt eine zwei Kilometer lange Reihe ergeben würden, erhielt im letzten Jahr ganz besonders viele neue Akten. »Ihr besonderer Wert liegt darin, dass sie nicht die amtliche Sichtweise wiedergeben«, sagt Stadtarchivar Stephan Sonderegger gegenüber dem Tagblatt. Erhielt das Archiv  im Jahr 2000 einen Zuwachs von 23 und 2001 von 41 lfd. Metern Akten, so waren es im letzten Jahr 140 Laufmeter. Der markante Anstieg ist auf wenige überdurchschnittliche Ablieferungen zurückzuführen. Zu den jüngsten Zuwächsen gehört der Nachlass des über die Stadtgrenzen hinaus bekannten Historikers Ernst Ehrenzeller, von dem z.B. die Geschichte der Stadt St. Gallen (1988) stammt.

Private Nachlassbestände wiesen im Besonderen die angesprochene »nicht-amtliche Sichtweise« auf: Tagebücher wie etwa jene von Hans Richard von Fels, Fotosammlungen wie die Gross'sche oder persönliche Notizen von Menschen, die vor unserer Zeit gelebt haben, seien wichtige Quellen für die Kultur-, Ideen- und Mentalitätsgeschichte und Elemente einer umfassenden Geschichtsschreibung.

Dem Stadtarchiv wurden in jüngster Zeit mindestens ein halbes Dutzend Privatnachlässe überantwortet. Zu den Bedingungen einer Übernahme gehöre aber etwa die Freiheit des Archivars, nicht das gesamte Material übernehmen zu müssen – ein Archiv ist eben keine Gratisentsorgung. Es gibt auch Regeln, nach denen diese Privatarchive zu Forschungszwecken benutzt werden können. Sensible Daten oder Namen dürfen nicht verwendet werden.

Natürlich beherbergt das Stadtarchiv St. Gallen aber auch jene altehrwürdigen Dokumente, die man typischerweise mit einem Archiv assoziiert: Die ältesten Schriftstücke wurden im 13. Jahrhundert geschrieben. »Das sind wertvolle historische Quellen«, sagt Sonderegger und öffnet ein Zinsbuch aus dem 15. Jahrhundert. Es ist die Buchhaltung des Heiliggeistspitals, das in der Region verschiedene Güter besass und mit den dort angepflanzten Produkten handelte. Belege zeigen auf, dass pro Jahr bis zu 200 Prozent Umsatzsteigerung erzielt wurde.

Kontakt:
Stadtarchiv (Vadiana) St.Gallen
Notkerstrasse 22
CH-9000 St.Gallen
TEL ++41 71 224 62 23 und ++41 71 244 08 17
FAX ++41 71 244 07 45
stadtarchiv.sg@bluewin.ch

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