Ausstellung der originalen Baupläne von Auschwitz

Im Axel-Springer-Haus Berlin werden jetzt zum ersten Mal in der Bundesrepublik Deutschland originale Bauzeichnungen des größten nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz gezeigt. Zur Ausstellungseröffnung am 16. Februar 2009 mit zahlreichen Gästen aus Politik und Gesellschaft hielt der ehemalige polnische Außenminister und derzeitige Beauftragte des polnischen Premierministers für internationalen Dialog, Staatssekretär Wladyslaw Bartoszewski, die Eröffnungsrede. Bartoszewski ist einer der wenigen Überlebenden des KZ Auschwitz.

„Die Pläne von Auschwitz lassen die Seele jedes denkenden und fühlenden Individuums erschüttern, weil sie Ausdruck einer von Menschen kreierten Unmenschlichkeit sind. Sie sind Baupläne der wahren – nicht der mythischen – Hölle\“, so Wladyslaw Bartoszewski. „Auschwitz verpflichtet uns alle zur Besinnung und zur Erziehung der neuen Generationen aller Völker im Geiste der Menschenachtung, im entschlossenen Engagement gegen Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und negatives Pauschaldenken über die ‚Anderen’.\“

Die Planskizzen und Baupläne von Auschwitz entstammen einer Sammlung von 29 Dokumenten, die BILD erworben hat, um sie sowohl der Öffentlichkeit als auch der Forschung zur Verfügung zu stellen. Es handelt sich um die einzigen Originale dieser Art, die in Deutschland bislang aufgetaucht sind. Das Bundesarchiv, das in einer Expertise die Echtheit bestätigte, spricht von einem bedeutsamen Fund. 

Vor der Ausstellung hatte das Bundesarchiv die 29 Pläne auf ihre Echtheit untersucht. Da Varianten und teilweise Kopien der meisten Stücke im Archiv der Gedenkstätte Auschwitz sowie in einem Sonderarchiv in Moskau liegen, sprach von vornherein viel für ihre Echtheit. Doch zusätzlich zog der Leiter der Abteilung Deutsches Reich im Bundesarchiv, Hans-Dieter Kreikamp, weitere Überlieferungen hinzu, ließ die Pläne auf ihre Materialien hin prüfen und nahm Schriftvergleiche vor: \“Die vorhandenen Unterschriften und Paraphen, insbesondere die Unterschrift des im SS-Wirtschaft- und Verwaltungshauptamtes für den Bau der KZ zuständigen SS-Oberführers Hans Kammler und des Reichsführers SS Heinrich Himmler, konnten durch Vergleich mit entsprechenden persönlichen Zeichnungen in anderen Aktenbeständen des Bundesarchivs verifiziert werden.\“ Kreikamps Urteil ist eindeutig: \“An der Authentizität der zeitgeschichtlichen Quellen besteht keinerlei Zweifel\“.

Info:
Die Ausstellung „Pläne von Auschwitz – Dokumente des systematisch organisierten Völkermordes\“ von BILD und DIE WELT in der Axel-Springer-Passage ist für Besucher vom 16. bis 28. Februar 2009 von 8 bis 22 Uhr geöffnet. Eingang: Markgrafenstraße 19a in Berlin Mitte/Kreuzberg. 

Link: www.axelspringer.de/auschwitzausstellung 

Quelle: Bild, Pressemitteilung, 16.2.2009; Sven Felix Kellerhoff, Die Welt, 16.2.2009

Österreich als Opfer Hitlerdeutschlands

Ein Rot-Weiß-Rot-Buch sollte 1946 belegen, dass Österreich ein Hitler-Opfer war und die Österreicher gegen die NS-Diktatur wirksam Widerstand geleistet haben. Der Jurist und Historiker Ulrich Nachbaur hat die Entstehung des Rot-Weiß-Rot-Buchs erforscht. Das Vorarlberger Landesarchiv in Bregenz lädt für Mittwoch, den 18. Februar 2009, um 17.00 Uhr, alle Interessierten zur Buchpräsentation ein (Eintritt frei).

Im Vorfeld der Staatsvertragsverhandlungen veröffentlichte das österreichische Außenamt im Dezember 1946 ein Rot-Weiß-Rot-Buch. Es sollte dokumentieren, dass Österreich im Sinn der Moskauer Deklaration von 1943 tatsächlich als erster Staat Hitlers Aggressionspolitik zum Opfer gefallen ist und die Österreicher, wie gefordert, gegen die nationalsozialistische Gewaltherrschaft Widerstand geleistet haben. Dem Rot-Weiß-Rot-Buch war kein nennenswerter politischer Erfolg beschieden. Größeres Interesse fand es erst wieder ab 1986 im Zuge der Waldheim-Debatte. Die Zeitgeschichtsschreibung wertet die Dokumentation heute überwiegend als eine Art \“Evangelium des österreichischen Opfermythos\“. 

Von den über 30 Beiträgen aus und über Vorarlberg, die der Redaktion zugingen, fand im Rot-Weiß-Rot-Buch nur einer auszugsweise Verwendung. Die Berichte stammen größtenteils von Gemeinden, Bundesbehörden und Mittelschulen. Sie sind von unterschiedlicher Länge und Güte. Ein Bericht über Bartholomäberg gibt zum Beispiel Einblick in den Mikrokosmos einer Bergbauerngemeinde in den Jahren der Diktatur und des Krieges. Am Beispiel der Bergpfarre Brand wird der kleinliche Kirchenkampf nachvollziehbar. Mit Bescheidenheit berichtet der Bürser Bürgermeister Peter Winder über Bemühungen im Raum Bludenz, Widerstand zu leisten, der eigenen Weltanschauung treu zu bleiben und die Menschenwürde zu achten. Dramatisch, allerdings bereits im Wesentlichen bekannt, ist der Bericht über die Rettung der Illwerke im Montafon. Zum Teil sehr wertvoll sind die Statistiken, die das Landesgericht Feldkirch und das Bezirksgericht Dornbirn lieferten. Auch andere Beiträge bieten interessante Aspekte.

Ulrich Nachbaur hat diese Berichte nun unter dem Titel \“Österreich als Opfer Hitlerdeutschlands\“ veröffentlicht und kommentiert – zudem einschlägige Dokumente zum \“Rotbuchprojekt\“ selbst, das bisher noch kaum erforscht war. Deshalb zeichnete der Jurist und Historiker, der im Vorarlberger Landesarchiv arbeitet, auch dessen Entstehungs- und Wirkungsgeschichte nach.

Info:
Ulrich Nachbaur, Österreich als Opfer Hitlerdeutschlands. Das Rot-Weiß-Rot-Buch 1946 und die unveröffentlichten Vorarlberger Beiträge (Quellen zur Geschichte Vorarlbergs 11). Regensburg: Roderer Verlag, 473 Seiten, ISBN 978-3-89783-647-1, 38,00 Euro.

Kontakt:
Landesarchiv Vorarlberg
Kirchstraße 28
A-6900 Bregenz
Telefon+43 (0) 5574 / 511-45005
Telefax+43 (0) 5574 / 511-45095
landesarchiv@vorarlberg.at
www.landesarchiv.at

Quelle: Landespressestelle Vorarlberg, Pressemitteilung, 16.2.2009

20 Jahre Friedliche Revolution als Archivthema in Dessau

In den Jahren 2009 und 2010 jähren sich zum 20. Mal die Ereignisse der friedlichen Revolution in der DDR und der deutschen Vereinigung 1989/90. Die Geschichte vor Augen zu führen und daraus Demokratieverständnis zu entwickeln, hat die Landesregierung bereits 2008 ein umfängliches Handlungskonzept verabschiedet. Darin einbezogen ist das Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt mit verschiedenen Projekten. Im Internet werden auf der Website des Archivs im Landesportal www.lha.sachsen-anhalt.de.

Zu den beiden DDR-Bezirken Halle und Magdeburg sowie zu ihrer Vor- und Nachgeschichte verwahrt das Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt in Magdeburg nicht nur mehr als 18.000 laufende Meter Akten, sondern auch eine umfangreiche Überlieferung von Fotos, Filmen und Karten aus den Jahren 1945-90. Als zuständiges Archiv für die Überlieferung des Landes Sachsen-Anhalt (1945/47-1952) und der Bezirke Halle und Magdeburg (1952-90) archiviert es nicht nur die staatliche Überlieferung, sondern auch die Unterlagen der verstaatlichten Wirtschaft, der SED und des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB). Die Bestände des Landeshauptarchivs bieten damit die Grundlagen für zeitgeschichtliche Forschungsvorhaben, für die Aufarbeitung von SBZ-/DDR-Unrecht und für vielfältige Bürgeranliegen. Hierzu zählen die Regelung offener Vermögensfragen, Rehabilitierungsverfahren und der Nachweis von Zwangsaussiedlungen aus dem Grenzgebiet.

Parallel zu den Angeboten des Landeshauptarchivs in Magdeburg (dazu gehört u.a. eine monatliche Chronik der Ereignisse 1989/90) widmet sich die Dessauer Abteilung des Landeshauptarchivs in ihrer Reihe \“Kostproben aus dem Archiv\“ mit sieben Vitrinen den vierzig DDR-Jahren. Hier haben die Archivarinnen und Archivare, wie z.B. Ines Hildebrand und Anke Boeck, Überlieferungen aus verschiedenen Themenkreisen zusammengetragen. Die erste Vitrine zu den Nachkriegsjahren 1945 bis 1947 im Verwaltungsbezirk Dessau-Anhalt steht seit 16. Januar 2009 im Archiv-Foyer. Ines Hildebrand recherchiert derzeit für die zweite Vitrine zu den Schauprozessen in der DDR, die am 24. April 1950 im Anhaltischen Landestheater vor der Richterin Hilde Benjamin begannen.

Kontakt:
Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt
Abteilung Dessau
Heidestraße 21
06842 Dessau-Roßlau
Tel.: 0340/519896-0 (Zentrale)
Fax: 0340/519896-90
dessau@lha.mi.sachsen-anhalt.de
www.lha.sachsen-anhalt.de 

Quelle: Silvia Bürkmann, Mitteldeutsche Zeitung / Anhalt Kurier, 13.2.2009

Neue Leiterin des Archivverbundes Grünberg / Langgöns

Als Nachfolgerin von Mareike Hoff, die Ende 2008 ans Staatsarchiv Marburg wechselte, ist Marei Söhngen seit dem 1. Januar 2009 die neue Leiterin des Archivverbundes Grünberg / Langgöns. Marei Söhngen pendelt zwischen Grünberg und Langgöns hin- und her, um kommunale Überlieferungen, aber auch Nachlässe von Privatpersonen, Vereinen und Firmen zu sichten.

Die in Marburg geborene Historikerin mit den Studienschwerpunkten Mittlere und Neuere Geschichte, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte sowie europäische Ethnologie arbeitet anteilig für beide Gemeinden: 24 Wochenstunden für Langgöns, 13 Stunden für Grünberg, wo sich das Archivbüro im ehemaligen Restaurant des Schwimmbades befindet.  

Zu den Aufgaben Söhngens gehört die Retrokonversion von Findmitteln, also die nachträgliche Digitalisierung vorhandener Archivkataloge. Dies geschieht in Zusammenarbeit mit den hessischen Staatsarchiven. Was die Arbeit besonders interessant mache, sei die Verbindung zwischen archivarischen und musealen Aufgaben sowie die Projektarbeit mit Vereinen, so die neue \’Verbundarchivarin\‘.

Die Öffnungszeiten sind in der Regel in Langgöns montags und dienstags 8.30 bis 12 Uhr und 12.30 bis 15.30 Uhr sowie in Grünberg donnerstags 9 bis 12 Uhr und 13.30 bis 15.30 Uhr, freitags 9 bis 12 Uhr. Damit niemand vor verschlossenen Türen steht, bittet Marei Söhngen um vorherige Anmeldung. In Langgöns unter Tel. 06403/928108 oder 9020-0, E-Mail m.soehngen@langgoens.de, in Grünberg, unter Tel. 06401/8040, E-Mail m.soehngen@gruenberg.de.

Quelle: Gießener Allgemeine, 13.2.2009

Öffentlichkeitsarbeit und Kooperation in Lörrach

Der neue Lörracher Stadtarchivar Andreas Lauble hat bei seiner Amtsübernahme Anfang 2009 ein gut geordnetes Archiv mit Unterlagen vom 16. Jahrhundert bis ins Jahr 1953 vorgefunden (siehe Bericht vom 4.2.2009). Gleichwohl gebe es noch viel zu tun, zum Beispiel auf den Arbeitsfeldern der Digitalisierung und der Konservierung von historischen Unterlagen. 

Lauble will nicht zuletzt die Öffentlichkeitsarbeit ausbauen, bald schon Führungen, irgendwann auch Ausstellungen und Vorträge anbieten. Zwar sind dem Stadtarchiv Lörrach lediglich anderthalb Stellen zugeordnet, doch sei die Öffnung und Öffentlichkeitsarbeit wichtig, damit die Bürger und Steuerzahler wertschätzen könnten, was im Archiv aufbewahrt und wie dort gearbeitet werde.

Ausgebaut werden soll auch die Zusammenarbeit mit dem Museum am Burghof. Diese war bereits unter Laubles Vorgängerin Danuta Thiel-Melerski eng. Doch gilt es zukünftig, noch genauer die Zuständigkeiten abzugrenzen und die Bestandsbildungen zu betreiben. Da beispielsweise im Archiv und im Museum jeweils Fotografien und Bücher gesammelt werden, wird mehr Transparenz angestrebt, u.a. mittels gemeinsamer Verzeichnisse und Findmittel. 

Die Frage einer Zusammenlegung von Museum und Archiv wird in Lörrach nicht weiterverfolgt, so Marco Muchenberger, der Leiter des Fachbereichs Zentrale Dienste. Eine enge Abstimmung mache jedoch Sinn. 

Kontakt:
Stadtarchiv Lörrach
Luisenstr. 16
79539 Lörrach 
Telefon: (07621) 415-218 
Fax: (07621) 415-308 
archiv@loerrach.de 

Quelle: Sabine Ehrentreich, Badische Zeitung, 12.2.2009

Ausstellung zur jüdischen Geschichte am Altrhein

Im Jüdischen Museum im Raschi-Haus in Worms findet bis zum 16. März 2009 eine Ausstellung über die Geschichte der Juden aus Alsheim, Eich, Gimbsheim, Hamm und Mettenheim statt. Worms Oberbürgermeister Michael Kissel eröffnete die Ausstellung am 10. Februar 2009. Der Historiker Dr. Gunter Mahlerwein (Gimbsheim) führte gemeinsam mit seiner Frau, der Künstlerin Christine Hach, in die Ausstellung ein.

Nicht nur die Stadt Worms hat über lange Zeiträume eine bedeutsame, aktive jüdische Gemeinde beherbergt, bis zum Völkermord der NS-Zeit haben auch zahlreiche Dörfer der Region traditionsreiche, ländlich geprägte jüdische Gemeinden besessen. Ihre Angehörigen haben seit dem 19. Jahrhundert in besonderem Maße an der wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlich-kulturellen Blüte und dem Aufschwung Rheinhessens bis 1933 teilgenommen, ihre Familien schienen fest verwurzelt.

Dem verschütteten kulturell-religiösen Erbe, der hier lebenden Familien und ihrer Schicksale haben sich die Mitstreiter um den Historiker Dr. Mahlerwein für die Altrheingemeinden in der heutigen Verbandsgemeinde Eich 2008 angenommen und eine sehenswerte Ausstellung im dortigen Museum konzipiert, die nun in Worms im Raschi-Haus gezeigt wird.

Entwicklung der jüdischen Gemeinden
Den 70. Jahrestag des Novemberpogroms gegen die jüdische Bevölkerung Deutschlands am 9. November 2008 hatte das Museum der Verbandsgemeinde Eich im Gimbsheimer Storchenschulhaus zum Anlass genommen, eine lang geplante Ausstellung zur Geschichte der jüdischen Einwohner der Gemeinden der heutigen Verbandsgemeinde Eich zu realisieren.

In 18 von Dr. Gunter Mahlerwein verfassten und von Christine Hach und Willi Herwig gestalteten Text-Bild-Tafeln wird die Entwicklung der jüdischen Gemeinden vom 16. Jahrhundert bis zu ihrer Vernichtung im NS-Regime dargestellt. Die Spurensuche brachte nicht nur Texte, schriftliche Quellen und Zeugenaussagen zu Tage, die Rückschlüsse auf das verschwundene jüdische Leben in den Dörfern zulassen, sondern auch (wenige) Bilder, mit denen an die Menschen erinnert werden kann, die dem Holocaust zum Opfer fielen.

Behandelt werden übergreifende Themen wie z.B. die jüdische Gemeindebildung im 18. Jahrhundert, der wirtschaftliche und soziale Aufstieg im 19. Jahrhundert, die Integration über Vereinswesen und Gemeindepolitik, die Situation in der Zwischenkriegszeit, das Schicksal der jüdischen Dorfbewohner im \“Dritten Reich\“, aber auch Einzelbiografien wie die des Alsheimer Lehrers Karl Marx oder des aus Gimbsheim stammenden Rabbiners Moritz David.

Kontakt:
Jüdisches Museum im Raschi-Haus Worms
Hintere Judengasse 6
67547 Worms
Tel.: 06241/853-4701 und 4707
Fax: 06241/853-4710
stadtarchiv@worms.de

Quelle: Stadt Worms, Pressemitteilung, 6.2.2009

Die Tagebücher von Ludwig Freiherr Vincke 1789-1844

Der erste Oberpräsident der Provinz Westfalen, Ludwig Freiherr Vincke (1774-1844), schrieb von früher Jugend bis kurz vor seinem Tod Tagebücher. Er zeichnete auf, was er sah und erlebte, wen er traf und welche Gedanken er hegte. Die 24 Bände, die heute im Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen verwahrt werden, spiegeln Vinckes berufliches und privates Leben in Tausenden von Details:

Die Schulzeit im Pädagogium Halle im Schatten der Französischen Revolution, wiederholte Besuche in Berlin, sein Studium in Marburg, Erlangen und Göttingen, die Reise zum umlagerten Mainz 1793 und nach Spanien, Portugal und England im Auftrag Preußens, seine vergebliche Jugendliebe zu Marianne von Cronenberg und zwei glückliche Ehen, seine ausgiebigen Lektüren von Diderot bis zur Klassik, seine Vorlieben für Leibesübungen beim Schlittschuhlaufen und Reiten, sein amtliches Wirken in Minden, Aurich und Münster.

Einzelne Tagebücher wurden bereits durch Ludger Graf von Westphalen, Wolfgang Knackstedt und Wolfgang Henninger ediert. Die komplette Edition aller Tagebücher hat nun der Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abt. Münster, in Kooperation mit der Historischen Kommission für Westfalen und dem Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen initiiert. Gemeinsame Herausgeber der Reihe sind Prof. Dr. Hans-Joachim Behr, Dr. Mechthild Black-Veldtrup, Prof. Dr. Franz-Josef Jakobi und Prof. Dr. Wilfried Reininghaus.

Mit der Edition wird der Öffentlichkeit eine Quelle zugänglich gemacht, die aufgrund der schwer lesbaren Handschrift und grammatikalischer Tücken nur mühsam rezipiert werden kann. Der edierte Text ist mit sachkundigen Kommentaren der Bearbeiterinnen und Bearbeiter versehen, wodurch ein für jeden verständlicher Text entsteht. Die Leitlinie bei der Edition ist es, den Text detailgetreu wiederzugeben und dem Leser das Verständnis – etwa durch moderne Interpunktion – zu ermöglichen.

Der jetzt vorliegende erste Band der Edition umfasst die Tagebücher von 1789 bis 1792 und wird durch ältere Reiseberichte und Vinckes Abituraufsatz ergänzt. Vincke war zu der Zeit Schüler des Pädagogiums in Halle, wo er 1792 das Abitur absolvierte. Die Tagebücher dokumentieren u. a. Vinckes Reisen nach Göttingen und Kassel, seinen Aufenthalt in den Franke\’schen Anstalten in Halle sowie Besuche in Potsdam und Berlin. Die Tagebucheinträge vermitteln ein lebendiges Bild des jugendlichen Vincke, den sie als politisch, wirtschaftlich und kulturell höchst interessierten jungen Menschen zeigen. Bearbeitet wurden die Tagebücher von Prof. Dr. Wilfried Reininghaus und Dr. Hertha Sagebiel.

Die Reihe wird fortgesetzt mit den Tagebücher der Jahre 1804-1810. Der Bearbeiter Prof. Dr. Hans-Joachim Behr ediert Vinckes erste Zeit in Münster, die geprägt war von den ersten Reformen unter Friedrich Wilhelm III., vor allem aber vom Kampf Preußens gegen Napoleon und dem Zusammenbruch des Staates 1806.

Die Edition wendet sich an alle Freunde der westfälischen Landesgeschichte, an interessierte Laien wie an Historiker mit Interesse an der bewegten Zeit zwischen Französischer Revolution und Vormärz.

Info:
Die Tagebücher des Ludwig Freiherrn Vincke 1789-1844, hg. v. Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abt. Münster, die Historische Kommission für Westfalen und Landesarchiv NRW, Bd. 1: 1789-1792, bearbeitet von Wilfried Reininghaus und Hertha Sagebiel, Münster 2009, ISBN 978-3-402-15740-4, 214 Seiten, 29,80 Euro

Kontakt:
Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abt. Münster
Fürstenbergstraße 15
48147 Münster
Tel.: 0251-591 5972
Fax: 0251-591 6820
www.altertumsverein-muenster.de

Ausstellung über die nationalsozialistische Judenverfolgung in Brandenburg

Vom 20. Februar bis zum 13. April 2009 wird im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte (HBPG) die Ausstellung »Aktenkundig: \“Jude!\“ Nationalsozialistische Judenverfolgung in Brandenburg. Vertreibung – Ermordung – Erinnerung« gezeigt. Dabei handelt es sich um eine Wanderausstellung des Brandenburgischen Landeshauptarchivs Potsdam in Kooperation mit dem HBPG und unter der Schirmherrschaft der Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, Johanna Wanka.

Die Ausstellung verbindet zwei Aspekte miteinander: die historische Darstellung der nationalsozialistischen Judenverfolgung in der damaligen preußischen Provinz Brandenburg zwischen 1933 und 1945 und die Beschreibung aktueller Bemühungen im neuen Land Brandenburg seit 1990, sich politisch, rechtlich und moralisch mit diesem Unrecht auseinanderzusetzen.

Die Ausstellung macht deutlich, dass die Verbrechen in der nationalsozialistischen Diktatur nicht als abgeschlossenes geschichtliches Thema betrachtet werden können, sondern auch heute noch eine andauernde geschichtspolitische Herausforderung sind. So schlägt die Präsentation einen direkten Bogen von der NS-Vergangenheit zu den Anstrengungen der gegenwärtigen demokratischen Gesellschaft, das Schicksal von Opfern des Holocaust in Brandenburg aufzuklären, ihnen oder ihren Erben zur Durchsetzung von Entschädigungs- bzw. Restitutionsansprüchen zu verhelfen und mit historisch-politischer Bildungsarbeit die Erinnerung an die beispiellosen Menschenrechtsverletzungen wach zu halten. 

In der Ausstellung haben Dokumente aus der Überlieferung des Oberfinanzpräsidenten Berlin-Brandenburg einen zentralen Platz. Einzelfallakten werden im Original ausgestellt, und erstmalig präsentiert das BLHA der Öffentlichkeit einen Teil der Originalkartei aus dem Bereich der Vermögensverwertungsstelle .

Bei der nationalsozialistischen Judenverfolgung in Brandenburg spielte der Oberfinanzpräsident Berlin-Brandenburg eine besondere Rolle. Diese Finanzbehörde beschäftigte sich ursprünglich zu einem wesentlichen Teil mit der Beaufsichtigung des allgemeinen Devisenverkehrs, sie erhielt aber in der Zeit der NS-Diktatur eine Reihe von Sonderaufgaben, die insbesondere mit der Verfolgung jüdischer Bürger zusammenhingen. Alle Juden, die emigrieren mussten bzw. deportiert wurden, erfasste der Oberfinanzpräsident Berlin-Brandenburg akribisch und bürokratisch in Akten.

Anfang 1942 entstand bei dieser Behörde in unmittelbarem Zusammenhang mit den Deportationen die Vermögensverwertungsstelle als Sonderdienststelle. Aufgrund der 11. Verordnung zum Reichsbürgergesetz vom 25. November 1941 oblag ihr die Behandlung , d.h. die Enteignung des Vermögens emigrierter bzw. deportierter Juden. Zu all diesen Personen wurden Einzelfallakten angelegt; sämtliche deportierte Juden wurden in einer Kartei erfasst. Die heute noch überlieferten Unterlagen zeigen, auf welche Art und Weise die Judenverfolgung in Brandenburg und Berlin betrieben wurde, und sie dokumentieren eine Vielzahl von Einzelschicksalen. 

Forschungsergebnisse von Schülerinnen und Schülern brandenburgischer Schulen fließen ebenfalls in das Ausstellungsprojekt ein. So arbeiten seit Dezember 2008 Potsdamer Schüler der Voltaire-Gesamtschule und des Helmholtz-Gymnasiums in Vorbereitung der zweiten Stolperstein -Verlegung an der Erforschung von Biografien verfolgter und ermordeter Juden. Bei ihren Recherchen und den Bemühungen um Kontaktaufnahme zu den Nachfahren erhalten sie praktische Unterstützung durch das BLHA im Rahmen seiner archivpädagogischen Arbeit. Die Schülerarbeiten werden am 9. März, nach einer weiteren Verlegung von Stolpersteinen in Potsdam, im Rahmen einer Begleitveranstaltung innerhalb der Ausstellung präsentiert.

Weitere Ausstellungsorte 2009
Museum Neuruppin (27.04.-23.08.), Optik Industrie Museum Rathenow (03.09.-01.11.) und Kreismuseum Finsterwalde (06.11.-23.11.).

Einladung
Führungen 
mit der Kuratorin, Dr. Monika Nakath am So, 01.03. und 05.04.2009, jeweils 15 Uhr
Beitrag: 6 Euro 

Begleitveranstaltungen

Mo, 09.03., 18 Uhr
Eröffnung einer kleinen Schüler-Ausstellung im Rahmen der Sonderausstellung. 
Aus Anlass der zweiten Verlegung von Stolpersteinen in Potsdam am Nachmittag präsentieren Schüler und Schülerinnen der Voltaire-Gesamtschule und des Helmholtz-Gymnasiums ihre biografischen Arbeiten zu den geehrten Personen und stellen die Ergebnisse ihrer Recherchen vor.
Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Landeshauptstadt Potsdam/ Fachbereich Kultur und Museum
Ort: HBPG
beitragsfrei

Di, 10.03., 18 Uhr
Dokumentarfilm des Monats: Stolperstein 
R: Dörte Franke, D 2007/08
Ort: Filmmuseum Potsdam, Tel. 0331/27181-12
Eintritt: 5 Euro / erm. 4 Euro

Mi, 25.03., 19 Uhr
Vortrag
Jüdische Opfer der NS-Verfolgungs- und Vernichtungspolitik im Spiegel archivalischer Quellen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs 
Dr. Monika Nakath, Kuratorin, BLHA 
Ort: HBPG
Beitrag: 3 Euro
Die Ausstellung ist bis 19 Uhr geöffnet.

Mi, 01.04., 18 Uhr 
Wiederaufführung des Dokumentarfilms Einsteins Boot oder Hitlers kleine Profiteure 
Anschließend Podiumsdiskussion mit dem Autor des Films, Heinrich Billstein, sowie Knut Elstermann ( Gerdas Schweigen )
Ort: Filmmuseum Potsdam, Tel. 0331/27181-12
Eintritt: 3,50 Euro/ Schüler 1,50 Euro 

Besucheradresse
Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte
Kutschstall, Am Neuen Markt 9
14467 Potsdam

Öffnungszeiten
Dienstag bis Freitag 10 bis 17 Uhr
Samstag/Sonntag und an Feiertagen 10 bis 18 Uhr
Montag geschlossen

Eintrittspreise
Einzelticket 4 Euro, erm. 3 Euro (Kombiticket mit Ausstellung Endzeit Europa)
Schüler 2 Euro 
Sonderpreise für Gruppen, Familien und Schulklassen
Kinder bis 6 Jahre freier Eintritt

Informationen: 
Tel: 0331/62085-50 
info@hbpg.de
www.hbpg.de

Neuer Leiter des Staatsarchivs Bückeburg

Dr. Stefan Brüdermann (49) ist neuer Leiter des niedersächsischen Staatsarchivs Bückeburg. Zum 1. Februar 2009 trat der Historiker aus Osterode, der 2003 als Referent und Stellvertreter nach Bückeburg kam, die Nachfolge von Dr. Hubert Höing an. 

Brüdermann hat an den Universitäten Göttingen und Wien studiert und promoviert. Anschließend war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter in Göttingen, als Angestellter und Referent in verschiedenen Archiven Niedersachsens sowie als Lehrbeauftragter an der Universität Hannover tätig. Von 1999 bis 2003 arbeitete er am Deutschen Historischen Institut in Rom.

Sein Forschungsschwerpunkt ist die Frühe Neuzeit, er liegt insbesondere in der niedersächsischen Landes-, Universitäts- und Kulturgeschichte. Über das studentische Milieu des 18. Jahrhunderts – speziell: Göttinger Studenten und akademische Gerichtsbarkeit – verfasste Brüdermann seine 1987 abgeschlossene Dissertation.

Im Auftrag der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen arbeitet er derzeit als Herausgeber an einem Handbuch der Geschichte Niedersachsens im 19. Jahrhundert. Mit der Archivleitung übernimmt Brüdermann fast automatisch auch den Vorsitz der „Historischen Arbeitsgemeinschaft für Schaumburg“, deren Arbeit er auf breitere Füße stellen will. 

Im Staatsarchiv Bückeburg soll künftig die Benutzerfreundlichkeit weiter gesteigert werden. Dazu wird die Digitalisierung von Quellen vorangetrieben, Findbücher werden elektronisch erfasst und im Internet zugänglich gemacht. Zudem wird Brüdermann weiterhin VHS-Kurse über die Arbeit mit lokalhistorischen Quellen anbieten, um die Schwelle zur Nutzung des Archivs zu senken. Steigende Besucherzahlen erwartet der neue Leiter für die nächsten Jahre aber ohnehin durch die populäre Familienforschung. Mit der gesetzlich geregelten Übernahme des Standesamtsregisters werden 70 Regalmeter neue Quellen ins Staatsarchiv wandern; ältere Geburts-, Sterbe- und Heiratsurkunden werden damit leichter zugänglich als bisher.

Kontakt:
Niedersächsisches Landesarchiv – Staatsarchiv Bückeburg – 
Schloßplatz 2
31675 Bückeburg
Tel. (05722) 9677-30
Fax: (05722) 1289
Bueckeburg@nla.niedersachsen.de

Quelle: Schaumburger Nachrichten, 9.2.2009

Tätigkeitsbericht 2008 des Landeskirchlichen Archivs Kassel

Der Ende 2007 vorgelegte Bericht der Enquetekommission des Deutschen Bundestages „Kultur in Deutschland“ stellt fest, dass die christlichen Kirchen in Deutschland zu den größten Kulturträgern zählen. Bischof Prof. Dr. Martin Hein greift das Thema in seinem Bericht anlässlich der 10. Tagung der 11. Landessynode der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck am 24. November 2008 zentral auf: er titelt „Kulturelle Größe“. Zwanzig Prozent der gesamten kirchlichen Ausgaben werden für kulturelle Aufgaben verwendet. Als einen Arbeitsbereich kirchlicher Kulturarbeit nennt der Bericht der Enquetekommission neben anderen die Archive. 

Basis und Grundlage aller Archivarbeit des Landeskirchlichen Archivs Kassel ist das inzwischen zehn Jahre alte Archivgesetz der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck aus dem Jahr 1998, das die kulturpolitische Dimension, Mitverantwortung für kulturelles Erbe aktiv zu übernehmen, eindeutig definiert. Da macht es Sinn, die Dezernatszuständigkeit für Archivwesen und Kirchengeschichte der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck an das Archiv zu binden und in die Hände der Archivleiterin zu legen. Neben das archivische Alltagsgeschäft sind also vielfältige neue Aufgaben getreten, so z.B. die Mitarbeit in der Lenkungsgruppe 75 Jahre EKKW, die für Juni 2009 ein wissenschaftliches Symposion und ein Fest der Begegnungen vorbereitet, die Zusammenarbeit mit dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst in Sachen „Reformationsjubiläum 2017“ sowie die Mitarbeit im wissenschaftlichen Beirat zur Auswertung der Kirchenkampfdokumentation der EKHN, der sich im August 2008 konstituiert hat.

\"Tätigkeitsbericht

Zwei kulturpolitischen Arbeitsfeldern hat sich das Landeskirchliche Archiv Kassel im vergangenen Jahr besonders intensiv gewidmet. Da ist zum einen die Historische Bildungsarbeit in vielfältiger Ausformung zu nennen. Der Tag der Archive im März 2008 war der Tag mit historischen Quellen für alle. Die „Erlebniswelt Archiv“ war für Konfirmanden, für Grundschüler wie für Gymnasiasten geöffnet. Rund 100 Kinder und Jugendliche haben sich auf eine fremde Welt eingelassen und waren begeistert. Insgesamt haben 185 Personen eine der 15 Archivführungen „gebucht“. Das waren doppelt so viele Führungen wie im Vorjahr mit dreimal so vielen Teilnehmern.

Zum anderen spielt die Digitalisierung von archivischem Kulturerbe eine immer größere Rolle. Das Kirchenbuchportal – die Anfänge liegen inzwischen zwei Jahre zurück – wird demnächst mit Unterstützung der EKD die Pilotphase erreichen. Das Landeskirchliche Archiv Kassel war beim Start von MICHAEL (Multilingual Inventory of Cultural Heritage in Europe) in Berlin im April 2008 dabei. Hier geht es darum, digitales Kulturerbe gemeinsam zu vernetzen. Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Portal www.kulturerbe-digital.de macht Digitalisierungsprojekte aus Archiven, Bibliotheken, Museen und der Denkmalpflege und die daraus gewonnenen Erfahrungen sicht- und nutzbar. 

Das Landeskirchliche Archiv verzeichnete und digitalisierte den Nachlass des Grafikers Dieter von Andrian und setzte das im Jahr 2003 begonnene Erschließungs- und Digitalisierungsprojekt „Einbandfragmente in kirchlichen Archiven aus Kurhessen-Waldeck“ fort. Entdeckt wurde u.a. ein bedeutendes Fragment in deutscher Sprache, ein sehr seltener Fund. 

Info:
Bettina Wischhöfer, Kulturelle Größe Landeskirchliches Archiv Kassel – Tätigkeitsbericht des Landeskirchlichen Archivs Kassel 2008 
(Schriften und Medien des Landeskirchlichen Archivs Kassel 25), Kassel 2009
ISBN: 978-3-939017-06-6, 72 Seiten, 6,50 € (Der Bericht steht auch als Download zur Verfügung.) 

Bezugsadresse
Landeskirchliches Archiv Kassel
Lessingstr. 15 A
34119 Kassel
archiv@ekkw.de
www.ekkw.de/archiv

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